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Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 10:17
von Raimund J.
Ist eine breite katholische liturgische Volksbildung heutzutage überhaupt noch möglich (zu organisieren)?

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 10:28
von holzi
Wofür haben wir denn den Kreuzgang? ;)

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 10:41
von Raimund J.
holzi hat geschrieben:Wofür haben wir denn den Kreuzgang? ;)
:daumen-rauf:

Ja, den zig Semestern im Kreuzgang habe ich auch unendlich viel zu verdanken! Solche Threads wie
http://kreuzgang.org/viewtopic.php?f=20 ... g+#p267135
finde ich unendlich spannend und die ganze Liturgiegeschichte ist ein unerschöpfliches faszinierendes Thema.

Und ich vermute, daß beim Kirchenvolk auch grosses Interesse für solche Themen besteht, andererseits muss man,
- wenn man überhaupt nichts mit der Materie zu tun hat - doch eher zufällig auf solche Dokumente wie die
"Grundordnung des römischen Messbuches" (auf den DBK Webseiten) stossen, um überhaupt mal zu erfahren,
wie denn "derzeit" der Ablauf der Hl. Messe überhaupt "richtig" ist.

Sind Euch in Euren Gemeinden Bildungsveranstaltungen bekannt, die sich an Laien wenden und mit dem Thema
Liturgie beschäftigen? Wenn ja, besteht die Gefahr, daß dabei eine einseitige Richtung vermittelt wird?

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 11:07
von Gamaliel
Raimund Josef H. hat geschrieben:Ist eine breite katholische liturgische Volksbildung heutzutage überhaupt noch möglich (zu organisieren)?
Man müßte klären, was unter "breite" und "heutzutage" zu verstehen ist. Ist damit die Mehrheit der "Taufscheinkatholiken" gemeint, die binnen Monaten ein liturgisches Verständnis erwerben sollen, dann wäre natürlich mit "Nein" zu antworten.

Zielt die Frage aber mehr darauf ab, ob es grundsätzlich auch heute noch möglich ist die (eifrigen) Kirchgänger liturgisch zu bilden, dann würde ich mit "Ja" antworten.

Die wichtigsten "Bildungsmaßnahmen" bestehen allerdings nicht in Vorträgen, sondern in der Praxis, insbesondere in der Rückkehr zur überlieferten Form der Liturgie, sowie den traditionellen Andachtsformen. Solches muß natürlich ergänzt werden durch Predigt, Choralgesang und liturgische Vorträge, Aufsätze,... Auf lange Sicht scheint es mir durchaus möglich dem Kirchenvolk wieder ein liturgisches Verständnis zu vermitteln, mag sich auch der Adressatenkreis vorerst in überschaubarer Zahl halten.

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 21:44
von Clementine
Was versteht Ihr eigentlich unter liturgischer Bildung?

Wenn es um die (symbolische) Bedeutung der jeweiligen Handlungen geht, ist liturgische Bildung etwas, was ich begrüße.

Wenn es sich jedoch um diese Mentalität handelt "Darf ich Dich mal was fragen? Ist Dir auch aufgefallen, dass heute auf dem Altar 6 Kerzen brannten? Da heute doch "fill in the blank" ist, hätten eigentlich doch nur vier Kerzen* brennen dürfen. Gibt es für heute irgendwelche Sondervorschriften?" dann muss ich dazu sagen, dass ich auf so etwas hochallergisch reagiere.
* Die genaue Kombination/Anzahl bringe ich nicht mehr zusammen

An so einer Bildung bin ich in keinster Weise interessiert (nicht, dass es komplett unwichtig ist, wenn es tatsächlich Vorschriften über die Anzahl der Kerzen gibt - meinetwegen. Aber dass normale Gläubige mit Argus-Augen auf die Einhaltung dieser Vorschriften achten, finde ich... ich verkneifs mir mal, was ich davon halte). Da wird in meinen Augen dann Form vor Inhalt hochstilisiert. Und damit tut man keinem was Gutes.

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 21:47
von Germanus
"Liturgische Bildung" wird meiner Meinung nach dort nicht nur angenommen, sondern sogar erbeten, wo der Gemeinde klar geworden ist, dass der Gottesdienst immer in der wirklichen "Realpräsenz" Gottes geschieht. Schwer genug, das tatsächlich an sich ranzulassen, vor allem, wenn über tausend theologische Ecken verkopfter Archäologismus betrieben wird - nicht nur das wiederentdeckte "Sitzen" [auch zur Unzeit 8) ] während der Liturgie ( :patsch: ) gehört in diese Schublade.
Gruß, G.

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 21:50
von julius echter
für mich bedeutet liturgische bildung - eine fundierte theologische bildung und eine ebenso fundierte lirturgiegeschichte und dass konfessionsübergreifend

wenn es nur um die anzahl von kerzen auf dem altar geht und ob jetzt spitzen an den altar gehören oder nicht etc. ddann wäre dieser begriff von der liturgischen bildung etwas sehr kurz gegriffen

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 22:18
von Raimund J.
Mit liturgischer Bildung meine ich vor allem das vorurteilsfreie Vermitteln von geschichtlichen Entwicklungen (z.B. liturgische Bewegung, Pius Parsch, u.s.w.) sowie die Erklärung des derzeitigen Ist-Zustandes im Kontext kirchlicher Normen.

Macht mal Vorschläge für eine Volks-Bibliothek zum thema liturgische Bildung!

z.B.

Ratzinger, Joseph - Papst Benedikt XVI: Der Geist der Liturgie
Kunzler, Michael: Die "tridentinische" Messe

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 22:26
von taddeo
Ich würde auf jeden Fall dazu empfehlen (allein schon wegen der Verbindung zum Ratzinger-Werk):
Romano Guardini, Vom Geist der Liturgie.

Ich hab das schmale Büchlein erst kürzlich mal wieder gelesen. Es liest sich heute fast wie eine Apologie der Missa Tridentina und zeigt überdeutlich, wie geistlich bescheiden das alles ist, was uns heute als katholische Liturgie verkauft wird - auch wenn noch soviel Pomp and Circumstances damit verbunden sind.

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 22:28
von Niels

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 22:32
von Robert Ketelhohn

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Sonntag 8. August 2010, 23:34
von Galilei
Ich würde mit der liturgischen Bildung des Klerus beginnen …

Das Konzil sieht das genauso:
[i]Sacrosanctum Concilium[/i], Nr. 14 hat geschrieben:Die Mutter Kirche wünscht sehr, alle Gläubigen möchten zu der vollen, bewußten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern geführt werden, wie sie das Wesen der Liturgie selbst verlangt und zu der das christliche Volk, "das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, der heilige Stamm, das Eigentumsvolk" (1 Petr 2,9; vgl. 2,4-5) kraft der Taufe berechtigt und verpflichtet ist. Diese volle und tätige Teilnahme des ganzen Volkes ist bei der Erneuerung und Förderung der heiligen Liturgie aufs stärkste zu beachten, ist sie doch die erste und unentbehrliche Quelle, aus der die Christen wahrhaft christlichen Geist schöpfen sollen. Darum ist sie in der ganzen seelsorglichen Arbeit durch gebührende Unterweisung von den Seelsorgern gewissenhaft anzustreben. Es besteht aber keine Hoffnung auf Verwirklichung dieser Forderung, wenn nicht zuerst die Seelsorger vom Geist und von der Kraft der Liturgie tief durchdrungen sind und in ihr Lehrmeister werden. Darum ist es dringend notwendig, daß für die liturgische Bildung des Klerus gründlich gesorgt wird.
(Hervorhebung von mir)

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Montag 9. August 2010, 08:08
von lifestylekatholik
Galilei hat geschrieben:Das Konzil sieht das genauso
Welches? :hae?:

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Montag 9. August 2010, 10:30
von taddeo
lifestylekatholik hat geschrieben:
Galilei hat geschrieben:Das Konzil sieht das genauso
Welches? :hae?:
Vermutlich dasjenige, in dem das von Galilei zitierte Dokument "Sacrosanctum Concilium" vorkommt? ;D
KLICK
(NB: Galilei ist nicht Gamaliel! Insofern scheidet die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht automatisch aus der Betrachtung aus ... :breitgrins: )

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Montag 9. August 2010, 10:38
von Berolinensis
Ich finde, lifestyle weist völlig zurecht darauf hin, daß dieses Reden von "DEM Konzil", als sei das II. Vaticanum das Überkonzil schlechthin und einziger Referenzpunkt der Lehre, zumal es doch selbst seinen Anspruch so ganz anders gesehen hat, nach bald 50 Jahren nun mal aufhören konnte (wobei es durchaus sein kann, daß Galilei es gar nicht so gemeint hat; nicht jeder Hinweis, den man aus einem bestimmten Anlaß anbringt, ist ja als Kritik an dem zu verstehen, der einem den Anlaß bietet ;D )

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Montag 9. August 2010, 10:42
von Galilei
Berolinensis hat geschrieben:Ich finde, lifestyle weist völlig zurecht darauf hin, daß dieses Reden von "DEM Konzil", als sei das II. Vaticanum das Überkonzil schlechthin und einziger Referenzpunkt der Lehre, zumal es doch selbst seinen Anspruch so ganz anders gesehen hat, nach bald 50 Jahren nun mal aufhören konnte (wobei es durchaus sein kann, daß Galilei es gar nicht so gemeint hat; nicht jeder Hinweis, den man aus einem bestimmten Anlaß anbringt, ist ja als Kritik an dem zu verstehen, der einem den Anlaß bietet ;D )
das Konzil = das letzte Konzil = das Zweite Vatikanische Konzil

nicht der einzige Referenzpunkt, aber ein wichtiger

Re: Liturgische Bildung

Verfasst: Montag 9. August 2010, 14:13
von ad-fontes
Berolinensis hat geschrieben:Ich finde, lifestyle weist völlig zurecht darauf hin, daß dieses Reden von "DEM Konzil", als sei das II. Vaticanum das Überkonzil schlechthin und einziger Referenzpunkt der Lehre, zumal es doch selbst seinen Anspruch so ganz anders gesehen hat, nach bald 50 Jahren nun mal aufhören konnte (wobei es durchaus sein kann, daß Galilei es gar nicht so gemeint hat; nicht jeder Hinweis, den man aus einem bestimmten Anlaß anbringt, ist ja als Kritik an dem zu verstehen, der einem den Anlaß bietet ;D )
Hast du geeignetere Begriffe für "vorkonziliar / nachkonziliar"?
(Ist so schön praktisch, aber aus oben gnt. Gründen unbefriedigend.)