cantus planus hat geschrieben:Wir sollten die Tradiszene prinzipiell nicht überschätzen. Wenn die Berufung da ist, hat man auch heute schon die Möglichkeit, die Alte Messe zu feiern und traditionelle Theologie zu studieren. Institute gibt es dafür in ausreichendem Maße. Wir sollten uns davor hüten, zu glauben, von einem Tag auf den anderen würden die traditionellen Seminare im Falle einer Einigung aus allen Nähten platzen. Zu gerne ist von Tradiseite aus auch behauptet worden, wenn die Alte Messe freigegeben würde, würde sie in ganz Deutschland innerhalb kürzester Zeit den NOM verdrängen. Das war immer illusorisch, weil das Problem des Traditionalismus kein liturgisches ist.
Das sehe ich etwas anders. Wer in einer "normalen" deutschen Diözese (ein, zwei Ausnahmen eingeräumt) in den Verdacht gerät, die alte Liturgie zu schätzen, wird auch heute noch gemobbt und mit einiger Wahrscheinlichkeit aussortiert. Geht er zu Petrus oder sonstwohin, sieht er beim heutigen Stand der Dinge keine Perspektive für eine Beteiligung an der regulären Seelsorge.
Recht gebe ich dir in der Skepsis bezüglich eines "Verdrängungswettbewerbs" (mal ganz abgesehen von der Frage, ob man den NOM tatsächlich verdrängen oder gar abschaffen müßte). Jahrzehntelange Praktizierung des NOM mit entsprechender neuer (relativistischer) Theologie und Sparflammen-Katechetik usw haben die Zusammensetzung der Gemeinden doch stark beeinflusst - Stichwort "Basisökumene". Die in Deutschland noch sehr seltenen Beispiele dafür, daß Pfarrer von sich aus beide Formen des ritus praktizieren und anbieten, zeigen, daß man hier sehr behutsam vorgehen muß, um nicht einen weiteren Exodus auszulösen.
Und was Aufgabe des Zölibats und FO betrifft: Letztere geht nicht und braucht man nicht drüber zu diskutieren, wer sie praktiziert, scheidet aus der Ökumene aus. Das Zölibat ist nicht in diesem Sinne prinzipiell unverfügbar. Aber in der heutigen Situation ist es wie die FO eine der Brechstangen derer, die die Kirche von ihrem von Christus gewiesenen Weg abbringen wollen. also braucht man die nächsten Jahrzehnte darüber auch nicht zu reden - und danach auch nur mit der größten Zurückhaltung.
Viri Probati (wobai das "probatus" ein beträchtliches Lebensalter voraussetzt) kann ich mir dann, wenn mal der aggressive Dampf aus der Diskussion raus ist, vorstellen, aber schon eine Praxis wie bei der Orthodoxie erscheint mir für die römische Kirche untunlich. Mit dem Priestermangel hat die Frage sicher viel weniger zu tun, als gerne behauptet wird. Wenn die Kirche so verändert würde, wie die KvU-Richtung das fordert, hätten wir vielleicht keinen Priestermangel mehr - aber wahrscheinlich auch keine Priester.