Betrachtungen zur Zeitgeschichte

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nomads
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

holzi hat geschrieben:
Montag 11. Mai 2026, 17:36
Peduli hat geschrieben:
Montag 11. Mai 2026, 16:44
War das Forum nicht einstmals katholisch, kontrovers und kreuzfidel? :detektiv: :detektiv: :detektiv:
war, mein Freund, war! Inzwischen sind sogar die Kindergärten wesentlich ernsthafter und seriöser unterwegs als die Kreuzgängster.
dazu möchte ich auch noch etwas ernsthaft schreiben:
Vor 20-30 Jahren glaubten noch viele Katholiken, dass die Kirche auf dem (noch) richtigen Weg ist - nicht zuletzt wegen dem Verbot der "Lizenz zum Töten", vom JP2 und dem deutschen Kardinal, der 2005 Papst wurde. Deshalb war auch Kreuzgang gut besucht und es wurde heftig und auch ernsthaft diskutiert.
Leider aber erlebte die Kirche - vor allem in Deutschland - in den letzten 25 Jahren mehrere "Ereignisse": Missbrauchsskandale, Vergötzung der Homosexualität (was BXVI kritisierte und was ihn auch zum Rücktritt brachte), Papst Franziskus, der mit FS noch einen drauf haute und die entsetzlich dämliche Haltung der DBK zu der Bitte BXVI um die Korrektur der Übersetzung "für viele" im deutschen Messbuch (leider habe ich den Link dazu verloren). In Anbetracht dieser "Ereignisse" fragen sich viele, ob es überhaupt noch Sinn macht, darüber zu sprechen (oder in Foren zu diskutieren)?
Für mich sieht es so aus, dass die Kirche, wenn sie nicht wieder zu ihrem Auftrag (Mission) findet, dem Untergang geweiht ist - vor allem im Westen Europas (was ich sogar befürworte, denn so, wie sie jetzt handelt, ist es unerträglich). Egal wo, egal in welcher Kirchengemeinde wird die hl. Messe entweder schlampig gefeiert oder so verhunzt, das einem schlecht wird und das Bizarrste ist, das sowohl der Klerus wie auch die (noch) Kirchgänger jeden erdenklichen Grund dafür verantwortlich machen (Zeitgeist, Glaubensmangel, Internet, Drogen u.a.), aber nicht ihre eigene Untreue (Sabotage) zu dem, was sie sich selbst verordnet haben (z.B. im Messbuch), oder Untreue zu dem, was der Vatikan erlassen hat. All das führt letztendlich zum Stilstand und Gleichgültigkeit.

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Zeno Kortin
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Zeno Kortin »

Danke an Nomads für diese ausführliche Erläuterung!
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Peduli
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

Zeno Kortin hat geschrieben:
Dienstag 12. Mai 2026, 10:17
Danke an Nomads für diese ausführliche Erläuterung!
Die meinerseits nochmal unterstrichen werden soll! :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Die dort geschilderten Entwicklungen sind weitgehend durch den technischen Fortschritt gefördert worden, denn die Gesellschaft in den westlichen Zivilisationen individualisiert in einem bisher noch niemals gekannten Ausmaß.
Brauchte man vorher bei einer Beschreibung der Gesellschaft drei bis fünf Strömungen, gibt es nun -zig Fraktionierungen mit noch weitergehenden Unterteilungen. Es gibt keine Leitkultur mehr, sondern nur noch ein Sammelsurium von Subkulturen.
Und philosophische Denkrichtungen wie der Postmodernismus, der Konstruktivismus und der Dekonstruktivismus haben ebenfalls erheblichen Anteil an dieser Entwicklung.

Natürlich wird die Welt dadurch nicht untergehen, aber eine komplizierte Lage wird mit einfachen Lösungen nicht verbessert werden können. :doktor: :doktor: :doktor:
Vermutlich ist das "Tal der Tränen" noch nicht erreicht, aber es wird durchschritten werden müssen, bevor es wieder aufwärts gehen kann .............
Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hinwill.
Schauen wir dankbar zurück, mutig vorwärts und gläubig aufwärts!

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Zeno Kortin
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Zeno Kortin »

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 12. Mai 2026, 10:35
Zeno Kortin hat geschrieben:
Dienstag 12. Mai 2026, 10:17
Danke an Nomads für diese ausführliche Erläuterung!
Die meinerseits nochmal unterstrichen werden soll! :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Die dort geschilderten Entwicklungen sind weitgehend durch den technischen Fortschritt gefördert worden, denn die Gesellschaft in den westlichen Zivilisationen individualisiert in einem bisher noch niemals gekannten Ausmaß.
Brauchte man vorher bei einer Beschreibung der Gesellschaft drei bis fünf Strömungen, gibt es nun -zig Fraktionierungen mit noch weitergehenden Unterteilungen. Es gibt keine Leitkultur mehr, sondern nur noch ein Sammelsurium von Subkulturen.
Und philosophische Denkrichtungen wie der Postmodernismus, der Konstruktivismus und der Dekonstruktivismus haben ebenfalls erheblichen Anteil an dieser Entwicklung.

Natürlich wird die Welt dadurch nicht untergehen, aber eine komplizierte Lage wird mit einfachen Lösungen nicht verbessert werden können. :doktor: :doktor: :doktor:
Vermutlich ist das "Tal der Tränen" noch nicht erreicht, aber es wird durchschritten werden müssen, bevor es wieder aufwärts gehen kann .............
Bevor ich mich in den Forumsgesprächen äußere erst einmal hierzu, weil es auch meine Einstellung zur Dialektik und zum Materialismus widerspiegelt.

Genau solche Beiträge wie den, oder den von Nomads davor, verstehe ich unter historischer-dialektischer Aufarbeitung als Methode. Die Dinge unter ihrer Entwicklung und ihrer gegenseitigen Durchdringung zu analysieren, so, daß es auch für einen Außenstehenden wie mich verständlich und nachvollziehbar wird Deshalb schätze ich auch Magstrauss, Mini Kath u.A.
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Peduli
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

Eine neutrale Betrachtung eines Journalisten, der sein Handwerk nach einem Diktum von Hans Joachim Friedrich noch beherrscht:
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache!“

Erleben wir das Ende des Christentums als prägende Kraft in Deutschland?
Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hinwill.
Schauen wir dankbar zurück, mutig vorwärts und gläubig aufwärts!

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nomads
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Ich habe mir das Video 2 Mal angeschaut und Constantin Schreiber genau zugehört. Da er aus der protestantischen „Kirche“ ausgetreten ist und sich nicht als „besonders religiös“ bezeichnet, wundert es mich nicht, dass er in seinem Video keine Lösungsansätze anbietet - was auch bestimmt nicht beabsichtigte. Ich konnte auch nicht so richtig heraushören, ob er das Schwinden des Christentums gut oder schlecht findet?

Peduli
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

nomads hat geschrieben:
Montag 25. Mai 2026, 19:01
Ich habe mir das Video 2 Mal angeschaut und Constantin Schreiber genau zugehört. Da er aus der protestantischen „Kirche“ ausgetreten ist und sich nicht als „besonders religiös“ bezeichnet, wundert es mich nicht, dass er in seinem Video keine Lösungsansätze anbietet - was auch bestimmt nicht beabsichtigte. Ich konnte auch nicht so richtig heraushören, ob er das Schwinden des Christentums gut oder schlecht findet?
Darum geht es nicht! :huhu: :huhu: :huhu:

Er berichtet einfach nur, er ist deskriptiv unterwegs und nicht moralisch wertend.

Und DAS ist angesichts des weit verbreiteten Aktivismus unter den Journalisten wohltuend.
Ich will von Journalisten kein betreutes Denken vermittelt bekommen! :kotz: :kotz: :kotz:
Ich will da nix eingeordnet bekommen! :dudu: :dudu: :dudu:

Ja, Journalisten sollen auch 'mal in größeren Zusammenhängen berichten. Peter Scholl-Latour war ein leuchtendes Beispiel für wirklich guten Journalismus, der sein Handwerk beherrschte und nicht die Informationsflüsse in einer Gesellschaft steuern wollte.
Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hinwill.
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 06:13
Darum geht es nicht! :huhu: :huhu: :huhu:

Er berichtet einfach nur, er ist deskriptiv unterwegs und nicht moralisch wertend.

Und DAS ist angesichts des weit verbreiteten Aktivismus unter den Journalisten wohltuend.
Ich will von Journalisten kein betreutes Denken vermittelt bekommen! :kotz: :kotz: :kotz:
Ich will da nix eingeordnet bekommen! :dudu: :dudu: :dudu:
ich verstehe was Du meinst und mich nerven auch die eigenen Kommentare der Journalisten bei Nachrichtenübermittlung, aber C. Schreiber übermittelt und berichtet in diesem Video nicht über aktuelle Lage aus dem Nahen Osten oder der Ukraine und gibt dabei seinen Senf dazu, er kommentiert die Situation des Christentums in Europa - Situation, die schon länger andauernd. Wovon Schreiber spricht wissen wir beide auch (zumindest Du und ich) und für diejenigen, die selber die Situation noch nicht erkannt haben, ist sein Kommentar eh nur einer von vielen.
Bei einem solchen Kommentar, in dem es um die Situation des Christentums geht, frage ich mich, warum sich ein Journalist damit beschäftigt? Was ist seine Motivation? Will er etwas ändern, verbessern?
Und wenn er die Situation des Christentums schon kommentiert, wäre es für die Mittläufer im Christentum nützlich, wenn er z.B. in form von Fragen und Andeutungen darauf hinweist, was die Situation ausgelöst und begünstigt hat, und ob diese der Gesellschaft schadet oder nützt.

Peduli
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

nomads hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 06:40
Bei einem solchen Kommentar, in dem es um die Situation des Christentums geht, frage ich mich, warum sich ein Journalist damit beschäftigt? Was ist seine Motivation? Will er etwas ändern, verbessern?
Und wenn er die Situation des Christentums schon kommentiert, wäre es für die Mittläufer im Christentum nützlich, wenn er z.B. in form von Fragen und Andeutungen darauf hinweist, was die Situation ausgelöst und begünstigt hat, und ob diese der Gesellschaft schadet oder nützt.
Ganz allgemein gesprochen: Menschen beobachten die Realität!
Und Journalisten berichten anschließend darüber .............

Wenn jemand sich von seinem Glauben verabschiedet, wie dies bei Constantin Schreiber offenbar der Fall ist, heißt das nicht zwangsläufig, daß das Thema auch für ihn erledigt ist. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, im hiesigen Forum gäbe es dafür kein konkretes Beispiel. ;D ;D ;D

Die Frage, die den Constantin Schreiber möglicherweise weiterhin umtreibt, könnte folgende sein:
Was geschieht, wenn aus einem religiös verstandenen Christentum ein reines Kulturchristentum wird?

Eine solche Entwicklung zu diagnostizieren, ist angesichts der Entwicklungen in der westlichen Welt meines Erachtens nicht besonders schwer.

Und diese Frage ist durchaus interessant und bedürfte einer vertieften Untersuchung. :ja: :ja: :ja:
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 08:52
Ganz allgemein gesprochen: Menschen beobachten die Realität!
Du und ich auch - das wissen wir :blinker:

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 08:52
Und Journalisten berichten anschließend darüber .............
für mich stellt sich die Frage: Warum? Wozu?
Diese Fragen stelle ich mir nicht nur bei Journalisten.

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 08:52
Die Frage, die den Constantin Schreiber möglicherweise weiterhin umtreibt, könnte folgende sein:
Was geschieht, wenn aus einem religiös verstandenen Christentum ein reines Kulturchristentum wird?

Eine solche Entwicklung zu diagnostizieren, ist angesichts der Entwicklungen in der westlichen Welt meines Erachtens nicht besonders schwer.

Und diese Frage ist durchaus interessant und bedürfte einer vertieften Untersuchung. :ja: :ja: :ja:
genau!
Schade, dass er diese Frage in seinem Video nicht gestellt hat (oder hat er sie gestellt und ich habe das nicht mitgekriegt) - egal ob demonstrativ oder rein rhetorisch…

Peduli
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

nomads hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 11:00
Peduli hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 08:52
Ganz allgemein gesprochen: Menschen beobachten die Realität!
Du und ich auch - das wissen wir :blinker:
Richtig, das kann man sicher wissen. Und das braucht man nicht nur so zu glauben, wie die Atheisten glauben! ;D ;D ;D

nomads hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 11:00
Peduli hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 08:52
Und Journalisten berichten anschließend darüber .............
für mich stellt sich die Frage: Warum? Wozu?
Diese Fragen stelle ich mir nicht nur bei Journalisten.
Diese beiden Fragen sind ökonomischer Natur! :doktor: :doktor: :doktor:

Mit der Erstellung und Verwertung von Nachrichten kann man Geld verdienen! 8) 8) 8)
Und daß der Mensch von Natur aus neugierig ist, weiß man seit paradiesischen Zeiten.
Denn neben der teuflischen Verführung von außen gab es auch eine intrinsische Motivation von Adam und Eva: Sie waren neugierig! :pfeif: :pfeif: :pfeif:
nomads hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 11:00
Peduli hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 08:52
Die Frage, die den Constantin Schreiber möglicherweise weiterhin umtreibt, könnte folgende sein:
Was geschieht, wenn aus einem religiös verstandenen Christentum ein reines Kulturchristentum wird?

Eine solche Entwicklung zu diagnostizieren, ist angesichts der Entwicklungen in der westlichen Welt meines Erachtens nicht besonders schwer.

Und diese Frage ist durchaus interessant und bedürfte einer vertieften Untersuchung. :ja: :ja: :ja:
genau!
Schade, dass er diese Frage in seinem Video nicht gestellt hat (oder hat er sie gestellt und ich habe das nicht mitgekriegt) - egal ob demonstrativ oder rein rhetorisch…
Soweit ich weiß, war er lange als Korrespondent im Nahen Osten. Dort wird man täglich "mit der Nase" auf religiöse Themen gestoßen. DAS wird man dann auch nicht mehr so leicht los, ob man will oder nicht! :ja: :ja: :ja:
Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hinwill.
Schauen wir dankbar zurück, mutig vorwärts und gläubig aufwärts!

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nomads
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2026, 15:04
Soweit ich weiß, war er lange als Korrespondent im Nahen Osten. Dort wird man täglich "mit der Nase" auf religiöse Themen gestoßen. DAS wird man dann auch nicht mehr so leicht los, ob man will oder nicht! :ja: :ja: :ja:
manchmal frage ich mich, warum solche Videos/Kommentare nicht zu besten Sendezeiten im deutschen Fernsehen gezeigt werden? Und damit meine ich nicht K-TV oder EWTN, sondern die Hauptsender ARD, ZDF oder die großen Privatsender, oder z.B. bei WELT - wo C. Schreiber doch beschäftigt ist.
Ich glaube mittlerweile, dass solche Themen, geschweige denn provokative Fragen, die den Verlust des Glaubens bemängeln, unerwünscht sind.

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

Markus Langemann hat geschrieben:Der Austritt aus der katholischen Kirche ist nicht überall kostenlos. In Nordrhein-Westfalen kostet er 30 Euro. Das ist schon ein kleines Symbol. Wer geht, zahlt. Wer kommt, demnächst auch. Zumindest, wenn er den Kölner Dom nicht als Beter, sondern als Besucher betritt.

Ab dem 1. Juli 2026 soll die Besichtigung des Kölner Doms zwölf Euro kosten. Kirche gegen Cash. Gotik hinter Glas. Weltkulturerbe mit Drehkreuzlogik. Die katholische Kirche verbirgt eines der bedeutendsten Meisterwerke europäischer Architekturgeschichte hinter einer Paywall.

Fragen Sie mich, wie ich das finde? Fürchterlich.

Verargumentiert wird es mit touristischem Druck, Denkmalschutz, Pflege, Betrieb, Sicherheit, Personal, Kostensteigerungen. Alles nicht falsch. Aber nicht alles, was betriebswirtschaftlich erklärbar ist, ist geistlich klug. Und nicht alles, was sich kalkulieren lässt, sollte man tun.

Natürlich bleibt der Gottesdienst frei. Natürlich darf weiter gebetet werden. Natürlich wird man sagen: Pay for Pray gilt nicht. Das stimmt formal. Aber Symbole wirken nicht formal. Symbole wirken existentiell. Sie sprechen, bevor die Pressemitteilung zu Ende gelesen ist. Und dieses Symbol sagt: Wer den Dom sehen will, soll zahlen.

Das ist mehr als eine Eintrittsregelung. Es ist ein Signal in einer Zeit, in der die Kirche in Deutschland nicht an Überfüllung leidet, sondern an Verdunstung. In den Jahren 2024 und 2025 sind nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz zusammen 628.776 Menschen allein aus der katholischen Kirche ausgetreten. Mehr als eine halbe Million in zwei Jahren. In einer solchen Lage führt man keine Bezahlschranke vor ein Gotteshaus ein, das weit über Köln hinaus als Bild des Christentums, als Stein gewordene Sehnsucht, als europäischer Höhenzug des Glaubens verstanden wird.

Der Kölner Dom ist keine Mehrzweckhalle. Kein Museum unter vielen. Kein sakral lackiertes Touristenziel. Er ist ein Bau, der in die Vertikale denkt. Er ist der Versuch, Stein gegen Endlichkeit aufzurichten. Er ist ein Ort, an dem auch der glaubt, der nicht glaubt; weil der Raum größer ist als die eigene Skepsis, weil die Pfeiler höher sind als die private Vernunft, weil das Licht in den Fenstern noch etwas erzählt, das keine App erklären kann.

Und ausgerechnet dieser Ort soll nun in den mentalen Bezirk des Tickets rücken.
Man muss sich dieses Signal leisten wollen. In einer Zeit, in der das Christentum in Deutschland kulturell schwächer wird, in der Kirchen leerer, Gemeinden älter, Bindungen dünner werden, baut die Kirche nicht zuerst Schwellen ab, sondern eine neue Schwelle auf. Das ist unsensibel. Es ist strategisch kurzsichtig. Und es ist geistlich schwer vermittelbar.

Ich habe im arabischen Raum prächtige Moscheen besucht, Räume von gewaltiger Schönheit, Orte von religiöser und architektonischer Kraft. Der Zugang war vielfach frei. Natürlich sind die Systeme, Finanzierungen und religiösen Ordnungen nicht eins zu eins vergleichbar. Aber der Eindruck bleibt: Dort öffnet man ein Heiligtum als Einladung. Hier erklärt man ein Heiligtum zur Kostenstelle.

Die Kirche wird einwenden, dass der Dom täglich hohe Summen verschlingt. Das ist glaubwürdig. Ein Bau dieser Größe lebt nicht von Weihrauch allein. Er braucht Restauratoren, Steinmetze, Sicherheit, Reinigung, Organisation. Aber die entscheidende Frage lautet nicht, ob der Dom Geld kostet. Die entscheidende Frage lautet, ob die erste Antwort der Kirche auf diese Kosten ausgerechnet Eintritt sein muss.

Denn Eintritt verändert den Blick. Wer zahlt, wird Kunde. Wer Kunde wird, bewertet. Wer bewertet, konsumiert. Und wer konsumiert, steht nicht mehr selbstverständlich in einem Raum der Gnade, sondern in einer Leistungserwartung. Dann wird aus dem Dom ein Angebot. Aus der Kathedrale ein Produkt. Aus dem Staunen eine Transaktion.

Das ist die eigentliche Tragik. Nicht die zwölf Euro. Sondern der Verlust der Geste.

Jesus lehrte Barmherzigkeit. Das bedeutet nicht, dass Mauern kostenlos instandgesetzt werden. Aber es bedeutet, dem anderen großzügig zu begegnen. Gerade dem Fremden. Gerade dem, der zufällig hereinkommt. Gerade dem Touristen, der vielleicht gar nicht weiß, dass er in Wahrheit ein Suchender ist. Die Kirche müsste doch wissen, dass man Menschen nicht immer über Dogmatik erreicht. Manchmal erreicht man sie über Schönheit. Über einen Moment der Stille. Über einen Lichtstrahl im Kirchenschiff. Über das Gefühl, dass dieser Raum nicht verkauft, sondern geschenkt wird.

Der Kölner Dom hat Kriege überstanden, Bomben, Ideologien, Moden, Städtebau, Lärm und Zeitgeist. Nun droht ihm keine Zerstörung von außen, sondern eine Verkleinerung im Inneren: die Übersetzung des Sakralen in Verwaltungssprache.

Man kann Eintritt nehmen. Man kann das alles begründen. Man kann Tabellen vorlegen, Kostenblätter, Besucherströme, Sicherheitskonzepte. Am Ende bleibt trotzdem ein falscher Ton in der Luft.

Eine Kirche, die Menschen verliert, sollte Türen öffnen.
Nicht Kassen.

Bei Rund 200 Milliarden Euro liegt die realistische Schätzung des tatsächlichen Vermögens der katholischen Kirche in Deutschland.
:hmm: :hmm: :hmm:
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 09:57
Markus Langemann hat geschrieben:...
Ab dem 1. Juli 2026 soll die Besichtigung des Kölner Doms zwölf Euro kosten. Kirche gegen Cash. Gotik hinter Glas. Weltkulturerbe mit Drehkreuzlogik. Die katholische Kirche verbirgt eines der bedeutendsten Meisterwerke europäischer Architekturgeschichte hinter einer Paywall.

Fragen Sie mich, wie ich das finde? Fürchterlich.
ich nicht.
mehr noch - am Eingang jeder Kirche sollte man mehrere Schilder anbringen - z.B.:

die unanständigen Verbotsschilder wollte ich hier nicht posten ;)


Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 09:57
Markus Langemann hat geschrieben:...Verargumentiert wird es mit touristischem Druck, Denkmalschutz, Pflege, Betrieb, Sicherheit, Personal, Kostensteigerungen. Alles nicht falsch.
kann ich gut verstehen.

Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 09:57
Markus Langemann hat geschrieben:...Natürlich wird man sagen: Pay for Pray gilt nicht. Das stimmt formal. Aber Symbole wirken nicht formal. Symbole wirken existentiell. Sie sprechen, bevor die Pressemitteilung zu Ende gelesen ist. Und dieses Symbol sagt: Wer den Dom sehen will, soll zahlen.
ist auch richtig. In Istanbul kommt man zu den Orthodoxen nicht einfach so rein, wir mussten alle durch ein Metallscanner - so war es zumindest in den 90-er Jahren und jetzt wird es wohl nicht anders sein.

Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 09:57
Markus Langemann hat geschrieben:... In den Jahren 2024 und 2025 sind nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz zusammen 628.776 Menschen allein aus der katholischen Kirche ausgetreten.
aber doch nicht deshalb, weil man Eintritt zahlen muss, wenn man in der Kirche beten will!

Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 09:57
Markus Langemann hat geschrieben:... Der Kölner Dom ist keine Mehrzweckhalle. Kein Museum unter vielen. Kein sakral lackiertes Touristenziel. Er ist ein Bau, der in die Vertikale denkt....
Ich habe im arabischen Raum prächtige Moscheen besucht...
aber auch nicht ein Raum/Ort, wo man in kurzen Bermudaschorts, im Minirock, in Flip-Flops sich laut und unbeschwert unterhalten kann. In eine Moschee kommt man nicht rein so angezogen.

Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 09:57
Markus Langemann hat geschrieben:... Jesus lehrte Barmherzigkeit.
jetzt wird mir langsam schlecht!
ich weiß nicht, wer Markus Langemann ist, aber er sollte "Die Tempelreinigung" in der Bibel lesen und darüber nachdenken, warum Jesus im Tempel die Händler und Geldwechsler nicht höflich hinaus gebeten hat!
Es ist schon interessant zu lesen, wenn sich Leute als konservativ bezeichnen, sich über Eintrittsgelder ärgern, aber über schlampig, inkorrekt und karnevalmassig gefeierten NOM kein Wort verlieren.

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

nomads hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 15:43
........jetzt wird mir langsam schlecht!.....
Nun, das hat den ganz simplen Grund, daß der Punkt, den Markus Langemann machen wollte, offenbar nicht verstanden worden ist: :roll: :roll: :roll:
Mit der nun begonnen Einführung von Eintrittsgeldern folgt die Kölner Diözese dem allgemeinen Trend des Zeitgeistes, der sich den herrschenden ökonomischen Zwängen unterworfen hat: Pecunia non olet! :pfeif: :pfeif: :pfeif:

Die Kirche sollte sich, da sie eine überzeitliche Institution ist, nicht der Kurzfristigkeit unterwerfen: Never ever! 8) 8) 8)

Köln ist im internationalen Vergleich eine der reichsten Diözesen überhaupt. :auweia: :auweia: :auweia:
Da hätten mit Sicherheit andere Fianzierungsmöglichkeiten zu Verfügung gestanden ...........
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 19:01
Mit der nun begonnen Einführung von Eintrittsgeldern folgt die Kölner Diözese dem allgemeinen Trend des Zeitgeistes, der sich den herrschenden ökonomischen Zwängen unterworfen hat: Pecunia non olet!
die Diözese folgt dem Zeitgeist seit dem V2.

Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 19:01
Die Kirche sollte sich, da sie eine überzeitliche Institution ist, nicht der Kurzfristigkeit unterwerfen: Never ever!
dann hätte sie auch den NOM so feiern müssen, wie die Liturgiereform ihn 1969 editiert hat. Stattdessen hat man sich in Deutschland über die Handkommunion und für die Messdienerinnen gefreut und auch für die Kommunionhelfer/innen, und mit Hoffnung in die Zukunft geschaut und… was haben all diese hoffnungsvolle Innovationen gebracht? Wir haben bereits die Zukunft mit leeren Kirchen und nur dank der Abzocke (Kirchensteuer) existieren die Kirchen (das Gebäude) noch. Die Laisierung/Entsakralisierung des Altarraumes hat die Transzendenz Gottes effektiv ausgeblendet – diese Transzendenz, die Jahrhunderte lang die Sehnsucht in den Katholiken weckte, min. am Sonntag zur Kirche zu gehen und Kleingeld in das Sammelkörbchen hineinwerfen. Diese Leute kommen nicht mehr, weil diese Transzendenz nicht mehr erkennbar ist (auch wenn sie immer noch da ist). Es gibt nichts mehr in der deutschen Kirche, was diese Sehnsucht wecken könnte, Menschen zur Kirche zu bringen, Menschen die nicht nur Kirchensteuer zahlen, aber auch am Sonntag freiwillig Kleingeld spenden könnten. Gäbe es diese, hätte die Kirche noch mehr Geld und hätte keinen Eintritt verlangen müssen - das muss ich Dir nicht weiter erläutern, Du weißt genau was und wie ich das meine.

Peduli hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 19:01
Köln ist im internationalen Vergleich eine der reichsten Diözesen überhaupt. :auweia: :auweia: :auweia:
das glaube ich gerne!
Woher kam bis jetzt und kommt das ganze Geld immer noch? Doch nicht von den 7% (deutscher Durchschnitt) Kirchgänger, sondern von den Kirchensteuerzahler. Wenn diese die Kirche jetzt verlassen, weil Markus Langemann ihnen klar machte, wie geldgierig die Amtskirche ist, dann kann man die Kirchen (das Gebäude) bald schließen und niemanden reinlassen, wegen Zerfallgefahr.




Aber gut, ich versuche noch weiter:
Markus Langemann hat geschrieben:...
Jesus lehrte Barmherzigkeit. Das bedeutet nicht, dass Mauern kostenlos instandgesetzt werden. Aber es bedeutet, dem anderen großzügig zu begegnen. Gerade dem Fremden. Gerade dem, der zufällig hereinkommt. Gerade dem Touristen, der vielleicht gar nicht weiß, dass er in Wahrheit ein Suchender ist.
naives Denken. Es gibt keine Suchende!
Und wenn Leute suchen, dann bei Amazon, Temu, TikTok, Istagram oder Facebook.

Markus Langemann hat geschrieben:...Die Kirche müsste doch wissen, dass man Menschen nicht immer über Dogmatik erreicht.
ohne Dogmatik hat sie die Menschen auch nicht erreicht. Hätte Markus Langemann die Bibel gelesen und nachgedacht, hätte er gewusst was Christus meinte, als er sagte: „Man muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen.“

Markus Langemann hat geschrieben:...Manchmal erreicht man sie über Schönheit. Über einen Moment der Stille. Über einen Lichtstrahl im Kirchenschiff. Über das Gefühl, dass dieser Raum nicht verkauft, sondern geschenkt wird.
damit erreicht man Bewunderung, emotionale Erregung, und ein paar Tränen in den Augen, mehr auch nicht. Vor dem am Kreuz Hängenden haben Kinder bereits Angst und wenn sie noch keine Angst haben, wird ihnen die LGBTQ+ Erziehung die Angst einreden. So sieht es aus in unserer Zeit!

Markus Langemann hat geschrieben:...Der Kölner Dom hat Kriege überstanden, Bomben, Ideologien, Moden, Städtebau, Lärm und Zeitgeist.
ja, dank der Kirchensteuer und der 40-50 % Kirchgänger, die vor und nach dem Krieg noch zur Kirche gingen und frewillig 1-Mal in der Woche in das Sammelkörbchen 1 oder 2 DM reingeworfen haben.

Markus Langemann hat geschrieben:...Nun droht ihm keine Zerstörung von außen, sondern eine Verkleinerung im Inneren: die Übersetzung des Sakralen in Verwaltungssprache.
nein, es „droht“ ihm eine Leere, die mich schon seit meiner Jugend fasziniert – alleine mit Gott in einer großen Kirche, in der am Altar das rote Lichtlein brennt, aber als ich den Ulmer Münster betreten habe, hatte ich leider das Gefühl nicht – Dir muss ich lieber Peduli nicht schreiben warum, aber für Leute die das nicht kapieren: Weil dort am Altar kein rotes Lichtlein brennt !

Markus Langemann hat geschrieben:...Am Ende bleibt trotzdem ein falscher Ton in der Luft.
für mich nicht – solange am Altar das rote Lichtlein brennt, bezahle ich gerne den Eintritt und bin ich gerne alleine in einer großen leeren Kirche! :)

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

nomads hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2026, 20:27
................
Markus Langemann hat geschrieben:...Am Ende bleibt trotzdem ein falscher Ton in der Luft.
für mich nicht – solange am Altar das rote Lichtlein brennt, bezahle ich gerne den Eintritt und bin ich gerne alleine in einer großen leeren Kirche! :)
Das ist schön für Dich! :huhu: :huhu: :huhu:

Und was ist mit den Anderen? :detektiv: :detektiv: :detektiv:

P.S. Apropos kostenloser Besuch einer Kirche: Kennst Du die Geschichte von Paul Claudel? :detektiv: :detektiv: :detektiv:
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Peduli hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2026, 00:21
Und was ist mit den Anderen? :detektiv: :detektiv: :detektiv:
Da habe ich einen konkreten Vorschlag:
Auch der Kölner Dom gehört einer Kirchengemeinde und da die Gemeindemitglieder nicht zu Kirche kommen, um sie zu besuchen, sondern nur um zu beten (weil sie bereits wissen, wie es im Dom aussieht), sollen sie von der Kirchengemeindeverwaltung einen Ausweis bekommen, mit dem sie immer kostenlos den Kölner Dom betreten dürfen.
Die Smombies-Touristen sollen am Eingang gefragt werden, ob sie es wissen, was das rote Lichtlein am Altar bedeutet? Keine richtige Antwort – kein Zutritt (auch nicht mit bezahlter Eintrittskarte) – nach dem Spruch von Kaya Yanar: „du kommst hier net rein“!
Klingt vielleicht witzig und absurd, aber was solls - ein Versuch wäre es wert. :blinker:

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

nomads hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2026, 07:28
Peduli hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2026, 00:21
Und was ist mit den Anderen? :detektiv: :detektiv: :detektiv:
Da habe ich einen konkreten Vorschlag:
Auch der Kölner Dom gehört einer Kirchengemeinde und da die Gemeindemitglieder nicht zu Kirche kommen, um sie zu besuchen, sondern nur um zu beten (weil sie bereits wissen, wie es im Dom aussieht), sollen sie von der Kirchengemeindeverwaltung einen Ausweis bekommen, mit dem sie immer kostenlos den Kölner Dom betreten dürfen.
Die Smombies-Touristen sollen am Eingang gefragt werden, ob sie es wissen, was das rote Lichtlein am Altar bedeutet? Keine richtige Antwort – kein Zutritt (egal ob kostenlos oder mit bezahlter Eintrittskarte) – „du kommst hier net rein“!
Klingt vielleicht witzig und absurd, aber was solls - ein Versuch wäre es wert. :blinker:
So etwas Ähnliches ist offenbar geplant, denn Gottesdienstbesuche sollen weiterhin kostenlos möglich sein. Und dies wird vermutlich nicht nur für die Mitglieder der Domgemeinde gelten.

Die Frage wird wohl nur sein, wie man diejenigen, die den Dom für einen einfaches Gebet betreten wollen von denjenigen unterscheidet, die ein eher touristisches Interesse haben. :hmm: :hmm: :hmm:
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Peduli hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2026, 07:37
Die Frage wird wohl nur sein, wie man diejenigen, die den Dom für einen einfaches Gebet betreten wollen von denjenigen unterscheidet, die ein eher touristisches Interesse haben. :hmm: :hmm: :hmm:
ja, die Smombie-Touristen herauszufiltern wäre tatsächlich eine Herausforderung für die Kirche vor Ort.
Man könnte z.B. eine Erklärung veröffentlichen und Eintrittskarten nur online verkaufen nach einer Online-Befragung mit Fragen, die den Glauben der Kirche betreffen - z.B. "was bedeutet das kleine rote Lichtlein am Altar?" und nur bei richtigen Antworten wäre der Kauf einer Eintrittskarte möglich. Ja, das wäre kompliziert, aber... haben die allen Vereinfachungen nach V2 der Kirche etwas positives gebracht? Mit einer solchen online Befragung vor dem Tikket-Kauf, hätte man der Welt schneller und mehr über die RK-Kirche beigebracht, als die Amts Kirche in Deutschland in den letzten 60 Jahren und was das rote Lichtlein bedeutet wissen nicht mal viele Katholiken, weil die Amtskirche in Deutschland nur über Frauenordination, Homosegnungen und Selbstkasteiung nach Missbrauchsskandalen spricht, statt Gott im Allerheiligsten (im Tabernakel) zu verkünden.
Stell Dir mal vor, den asiatischen Touristen wird in einer solchen Befragung beigebracht, das im Kölner Dom Gott am Altar residiert! Da kaufen sie massenweise Eintrittskarten, nicht weil sie beim Tikketskauf gläubig geworden sind, sondern aus purer Neugier - aber sind sie deswegen keine Suchenden? Es könnte alles so "klappen", wie im Mk 4,26-28 beschrieben. :blinker:
Na jedenfalls ich bin für strenge Kontrollen am Eingang – und das nicht nur im Kölner Dom.
Was wäre mit dieser Frau geschehen, wenn sie ihren „Auftritt“ in der Blauen Moschee oder in der Hagia Sophia so abgezogen hätte?

Bildquelle
Nur Katholiken lassen sich bespucken und behaupten, dass es angefangen hat zu regnen.





Diese Nachricht passt hier auch zum Thema "Zeitgeschichte": https://kath.net/news/90490
daraus:
Wenn wir auf die 1060-jährige Geschichte der Kirche in Polen blicken, sehen wir, dass es noch nie zuvor so viele Priester gab wie heute – fast 32.000 Priester!

Eine weitere wesentliche Ursache, die wir in den letzten Jahren beobachtet haben, ist die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen – ein charakteristisches Merkmal der jüngeren Generation. Wir sehen dies widergespiegelt in der Zahl der Menschen, die in Polen den Bund der Ehe schließen, und wir beobachten es ebenso in den Priesterseminaren.

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

Ein paar Worte noch zu dem vorstehenden Beitrag:

Natürlich ist das, was dort geschehen ist, eine sakrilegische Handlung und zwar eine von der übelsten Sorte! :auweia: :auweia: :auweia:

Aber sie ist nicht nur das, sondern sie ist auch ein Symptom für die Verwahrlosung der westlichen Zivilisationen. *
Und sie zeigt, wie tief Menschen sinken können, wenn sie dem Fall der menschlichen Natur, so wie er sich mit der Erbsünde ausgestaltet hat, nicht aktiv begegnen.

Andererseits ist auch Folgendes zu bedenken:
Es wäre keine sakrilegische Handlung, wenn nicht dadurch das Kreuzesopfer Christi auf Golgatha verhöhnt werden würde. Wäre es also - natürlich rein rhetorisch gefragt :pirat: :pirat: :pirat: - besser gewesen, wenn Jesus Christus dieses Kreuzesopfer nicht gebracht hätte? :hmm: :hmm: :hmm:






* Es stellt sich mittlerweile die Frage, ob man überhaupt noch von Zivilisationen sprechen kann???[Punkt] :achselzuck: :achselzuck: :achselzuck:
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2026, 10:08
Ein paar Worte noch zu dem vorstehenden Beitrag:

Natürlich ist das, was dort geschehen ist, eine sakrilegische Handlung und zwar eine von der übelsten Sorte! :auweia: :auweia: :auweia:

Aber sie ist nicht nur das, sondern sie ist auch ein Symptom für die Verwahrlosung der westlichen Zivilisationen. *
Und sie zeigt, wie tief Menschen sinken können, wenn sie dem Fall der menschlichen Natur, so wie er sich mit der Erbsünde ausgestaltet hat, nicht aktiv begegnen.
richtig und ich frage mich immer wieder, warum irgendwelche Protestaktionen mit der weiblichen Nacktheit betont werden:
- als JP2 1996 Berlin besuchte, wollte eine nackte Frau als "Gegenpäpstin" gegen die strenge Sexualmoral der katholischen Kirche demonstrieren.
- nackte Frauen feierten Rücktritt des Papstes BXVI in Notre-Dame
- die nackte Frau auf dem Altar im Kölner Dom
- Männer pinkeln im Petersdom und anderen Kirchen oder tragen Regenbogenfarben...

es scheint, als ob das Gehirn, das sich normalerweise zwischen den Ohren befindet, immer öfter zwischen die Beine absinkt. Wieso kommen die Frauen nicht in einem eleganten Abendkleid und protestieren – wogegen auch immer… ? Zumindest als Frauen hätten sie gezeigt, dass sie mehr in der Birne haben, als die pinkelnden Männer.
Was will man mit solchen Protestaktionen erreichen? die Männer, die in Kirchen pinkeln sind Barbaren, aber was wollen die Frauen mit ihrer Nacktheit erreichen? Dass die Kirche besser wird und noch effektiver die Botschaft vom Reiche Gottes verkündet? Das glaube ich nicht. Diese Frauen glauben nicht an Gott und es geht ihnen auch nicht um Reichtum oder eigene Interessen, warum wollen sie also die Kirche ändern? – das wissen sie selber nicht, aber sobald sich die Kirche ändert und zwar so, dass die Erlösung durch diese nicht mehr möglich sein wird, ist das Ziel erreicht.

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2026, 10:08
Andererseits ist auch Folgendes zu bedenken:
Es wäre keine sakrilegische Handlung, wenn nicht dadurch das Kreuzesopfer Christi auf Golgatha verhöhnt werden würde. Wäre es also - natürlich rein rhetorisch gefragt :pirat: :pirat: :pirat: - besser gewesen, wenn Jesus Christus dieses Kreuzesopfer nicht gebracht hätte? :hmm: :hmm: :hmm:
für Jesus Christus ja, denn dann hätte er nicht so leiden müssen. Und dieses Opfer hatte Gott nicht nötig, sondern die Menschheit, also entweder hätte Gott sich für die Menschen einen anderen Ausgang aus der Sackgasse überlegen müssen, oder uns der Sünde überlassen ohne Hoffnung auf Erlösung, die erst mit der Auferstehung Jesu keine Theorie wurde, sondern Wirklichkeit.
Aber, selbst 2000 Jahre nach Jesu Auferstehung warten Juden mit Hoffnung auf den Messias - ist dies eine andere Hoffnung, als die Unsere, die immer mehr an Bedeutung verliert ?

Peduli hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2026, 10:08
* Es stellt sich mittlerweile die Frage, ob man überhaupt noch von Zivilisationen sprechen kann???[Punkt] :achselzuck: :achselzuck: :achselzuck:
ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstehe: Meinst Du, man kann nicht mehr von Zivilisationen sprechen, weil der Mensch zunehmend unzivilisierter (barbarischer) wird?

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

nomads hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2026, 14:55
Peduli hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2026, 10:08
* Es stellt sich mittlerweile die Frage, ob man überhaupt noch von Zivilisationen sprechen kann???[Punkt] :achselzuck: :achselzuck: :achselzuck:
ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstehe: Meinst Du, man kann nicht mehr von Zivilisationen sprechen, weil der Mensch zunehmend unzivilisierter (barbarischer) wird?
Eine Zivilisation ist dann eine Zivilisation, wenn die in ihr lebenden Menschen miteinander zivilisiert umgehen. :huhu: :huhu: :huhu:

Es ist also letztlich eine Frage, die zum Problemkreis Natur versus Kultur gehört. Und Kultur entsteht - so zumindest eine landläufige Definition - dadurch, daß der Mensch Triebverzicht übt und Tugenden erlernt.

Das Narrativ vom edlen Wilden, welches durch Jean-Jacques Rousseau in die Welt gesetzt wurde, ist eine Utopie, der jeglicher Realismus fremd ist; aber deswegen wird sie umso heftiger "geglaubt". :/ :/ :/

Die realistischere Utopie für ein geordnetes Gemeinwesen stammt von Thomas Morus und wurde in dessen Roman Utopia verschriftlicht. :daumen-rauf: :daumen-rauf: :daumen-rauf:
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von nomads »

nomads hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2026, 08:07
Diese Nachricht passt hier auch zum Thema "Zeitgeschichte": https://kath.net/news/90490
daraus:
Wenn wir auf die 1060-jährige Geschichte der Kirche in Polen blicken, sehen wir, dass es noch nie zuvor so viele Priester gab wie heute – fast 32.000 Priester!

Eine weitere wesentliche Ursache, die wir in den letzten Jahren beobachtet haben, ist die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen – ein charakteristisches Merkmal der jüngeren Generation. Wir sehen dies widergespiegelt in der Zahl der Menschen, die in Polen den Bund der Ehe schließen, und wir beobachten es ebenso in den Priesterseminaren.
ich möchte noch mal an den Abschnitt in meinem Beitrag anknüpfen:
so sieht es in Deutschland seit 1950 aus:
https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/ ... 0-2025.pdf
die Zahl der Priesterberufungen nimmt auch kontinuierlich ab:
https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/ ... 0-2025.pdf
Auch in Polen gehen weniger Katholiken zur Kirche als noch vor 60, 40 oder 20 Jahren. Vor V2 und bis 1989 gingen in Polen 60-70 % (oder mehr) Katholiken jeden Sonntag in die Kirche, dann kam die Öffnung der Grenzen und die Zahl der Kirchgänger ging auch dort langsam zurück – so sah der Kirchgang in Europa noch vor 20 Jahren:
https://c.1und1.de/@1248452414374155380 ... /ROOT/ROOT

heute gehen in Polen noch ca. 30-40 % zur Kirche und Priester haben sie offenbar genug.
Also, was machen die Polen anders, als wir im Westen?
Oder andersrum gefragt:
Was machen wir im Westen Europas anders, falsch, oder - was machen wir nicht ?

Bissig und überspitzt formuliert, könnte man fragen:
Werden im Westen Europa weniger Priester geweiht, um die Zahl der Missbrauchsdelikte innerhalb der Kirche zu verringern (je weniger Priester, desto geringer die Gefahr des Missbrauchs innerhalb der Kirche) ?

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

Gudula Walterskirchen referiert:
Die Angst vor der eigenen Meinung


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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von ottaviani »

das übliche Mimi der Rechten

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

ottaviani hat geschrieben:
Freitag 19. Juni 2026, 08:58
das übliche Mimi der Rechten
Nööö, das ist lediglich eine Deskription der augenblicklichen Situation! :huhu: :huhu: :huhu:
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von ottaviani »

so unterscheiden sich Wahrnehmungen

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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

ottaviani hat geschrieben:
Freitag 19. Juni 2026, 12:49
so unterscheiden sich Wahrnehmungen
Jaja, das hat schon der olle Nietzsche behauptet:
Jede Erkenntnis kann nur perspektivisch sein! :huhu: :huhu: :huhu:
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

Precht liegt zwar häufig daneben, aber auch "blinde Hühner" trinken hin und wieder einen Korn: :emil: :emil: :emil:
Filosoph zerlegt Gendersprache!
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von Peduli »

Markus Langemann hat geschrieben:Niemand von uns hat je den Ausbildungsnachweis des Piloten gesehen, der uns nach Mallorca fliegt. Wir kennen seinen Namen nicht, seinen Blutdruck nicht, seinen Blutalkohol nicht. Wir schnallen uns an, bestellen einen Drink und vertrauen darauf, dass der Mann vorne links weiß, was er tut, und dass er die Maschine wieder auf die Landebahn setzt und nicht daneben. Das ist Vertrauen: Wir geben etwas her, bevor wir wissen, ob es sich lohnt.

So fängt jedes Leben an. Ein Säugling kann nichts. Er kann nicht gehen, nicht stehen, nicht sprechen, er kennt keine einzige Regel dieser Welt. Er hat nur eines: eine Mutter, die kommt, wenn er schreit. Der Psychoanalytiker Erik Erikson hat dafür in den fünfziger Jahren das Wort vom Urvertrauen geprägt. Es entsteht im ersten Lebensjahr, oder es entsteht nie. Wer als Kind gelernt hat, dass jemand zuverlässig kommt, geht später anders in die Welt als einer, bei dem niemand kam. Jedes andere Vertrauen des Lebens ist nur eine Fortschreibung dieser ersten Erfahrung.

Dann kommt die erste Lehrerin. Sie steht an der Tafel, und ein Sechsjähriger hat keine Möglichkeit zu prüfen, ob drei mal drei wirklich neun ergibt. Er glaubt es ihr. Später schließt er die Ehe, und die ist nichts anderes als ein gegenseitiger Vertrauensvorschuss auf Lebenszeit, ohne Sicherheiten, ohne Bürgen, ohne Rückgaberecht. Dass dieser Vorschuss heute öfter platzt als früher, steht auf einem anderen Blatt. Am Prinzip ändert es nichts. Man lässt sich aufeinander ein, und man vertraut darauf, nicht hintergangen zu werden.

Der Soziologe Niklas Luhmann hat das nüchtern beschrieben: Vertrauen ist eine riskante Vorleistung. Wer vertraut, nimmt die Zukunft vorweg, als wäre sie schon sicher. Und er tut das, weil er sonst gar nicht handeln könnte. Wer jedem Piloten erst ins Logbuch schauen wollte, käme nie in die Luft. Wer jeden Satz seiner Lehrerin nachrechnen müsste, lernte nie rechnen. Vertrauen ist der Kredit, mit dem eine Gesellschaft überhaupt erst arbeitsfähig wird. Und wie jeder Kredit wird er fällig.

Die Menschheit weiß das seit ihren ersten Büchern. In der Ilias, dem ältesten Epos Europas, gibt es eine Szene, die man in Berlin heute lesen sollte. Griechen und Troer haben einen Waffenstillstand beschworen. Zwei Männer sollen den Krieg im Zweikampf entscheiden, alle anderen stehen still. Da spannt der Troer Pandaros den Bogen und schießt auf Menelaos. Ein einziger Pfeil, ein gebrochener Eid, und zehn Jahre Krieg nehmen ihren Lauf. Homer wusste:
Nicht der Krieg selbst ist das Schlimmste. Das Schlimmste ist der Augenblick, in dem das gegebene Wort nichts mehr gilt.
Danach kann kein Vertrag mehr halten, weil niemand mehr weiß, was ein Vertrag ist.

Die Griechen nach Homer haben das Problem nicht gelöst, aber sie haben es benannt. Diogenes von Sinope, der Mann in der Tonne, lief am helllichten Tag mit einer brennenden Laterne über den Markt von Athen. Gefragt, was er suche, antwortete er: einen Menschen. Er meinte einen aufrichtigen. Er fand keinen. Als man ihn fragte, was das Schönste unter den Menschen sei, sagte er: der Freimut, die Parrhesia, das Reden ohne Rücksicht. Sie sehen, der Club der klaren Worte hat einen alten Schutzpatron.

Platon beschreibt im achten und neunten Buch seiner Politeia, wie der Tyrann lebt. Nicht in Pracht. In Angst. Er ist der Einzige in der Stadt, der niemandem vertrauen kann, weil er selbst niemandem Anlass gegeben hat, ihm zu vertrauen. Er umgibt sich mit einer Leibwache aus gekauften Leuten und kann kein Fest besuchen, ohne sich umzudrehen. Der Misstrauischste, sagt Platon, ist immer der, dem am wenigsten vertraut wird. Man mag daran denken, wenn ein Kanzler seine eigene Fraktion nicht mehr im Griff hat.

Aristoteles wiederum hat ein Wort hinterlassen, das man auf der Zunge zergehen lassen sollte. Das griechische Wort pistis bedeutet zugleich Vertrauen und Beweis. Für die Griechen war ein Redner, dem man nicht vertraut, kein Redner. Aristoteles nennt in seiner Rhetorik den Charakter des Sprechers das wirksamste aller Überzeugungsmittel. Nicht das Argument. Nicht die Zahl. Den Charakter. Wer den einmal verspielt hat, kann rechnen, so viel er will.

Der Chinese Konfuzius, ein Zeitgenosse der Vorsokratiker, wurde von seinem Schüler Zigong gefragt, was ein Staat brauche. Drei Dinge, sagte der Meister: genug zu essen, genug Waffen und das Vertrauen des Volkes. Und wenn man auf eines verzichten müsste? Auf die Waffen. Und auf ein zweites? Auf das Essen. Denn gestorben werde seit jeher, aber ohne das Vertrauen des Volkes könne kein Staat bestehen. Fünfhundert Milliarden für Rüstung und Infrastruktur sind schnell beschlossen. Das dritte Gut ist nicht zu kaufen.

Die Bibel hat zum Vertrauen eine klare Haltung, und sie ist für die Regierenden nicht schmeichelhaft. Verlasset euch nicht auf Fürsten, heißt es im 146. Psalm, sie sind Menschen, die können ja nicht helfen. Der Prophet Jeremia legt nach: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt. Gesegnet ist, wer sich auf den Herrn verlässt. Das ist das Gottvertrauen, und es ist etwas ganz anderes als das Vertrauen in einen Piloten. Der Pilot kann versagen. Das Gottvertrauen richtet sich gerade auf das, was nicht versagen kann. Der Hebräerbrief nennt den Glauben eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Wer in dieser Woche nach Berlin blickt, sieht sehr viel und hofft sehr wenig.

Auch das Neue Testament kennt den Vertrauensbruch, und zwar den der Nächsten. Petrus, der Fels, verleugnet seinen Herrn dreimal in einer Nacht, ehe der Hahn kräht. Judas verkauft ihn für dreißig Silberlinge. Und in der Bergpredigt steht die kürzeste Regierungserklärung, die je verfasst wurde:
Eure Rede sei Ja, ja, nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Man lese den Koalitionsvertrag vom 5. Mai 2025 mit diesem Maßstab.

Unsere eigenen Klassiker haben das Thema in Verse gefasst, die jedes Schulkind früher kannte. Goethes Faust hört in der Osternacht die Glocken und sagt: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Das ist, in sieben Wörtern, die Lage der Bundesbürger im September 2026. Sie hören von einem Herbst der Reformen, von der Wende in der Migrationspolitik, von Aufbruch und Verantwortung. Sie hören es wohl. Allein.

Nietzsche schließlich hat in Jenseits von Gut und Böse den Satz geschrieben, der die Sache besser trifft als jede Umfrage: Nicht dass du mich belogst, sondern dass ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert. Genau das ist der Punkt, an dem wir stehen. Nicht die einzelne Lüge zerstört das Vertrauen. Es ist der Moment, in dem man aufhört, überhaupt noch zuzuhören. Und Nietzsche lässt Zarathustra über den Staat sagen, er sei das kälteste aller kalten Ungeheuer, kalt lüge er auch, und diese Lüge krieche aus seinem Munde: Ich, der Staat, bin das Volk. Der Staat ist nicht das Volk. Der Kanzler schon gar nicht.

John Locke, der Vater des modernen Verfassungsdenkens, hat für die Regierungsgewalt ein Wort gewählt, das in seiner Sprache nichts anderes heißt als Vertrauen. Trust. Die Regierung übt ihre Macht nur als Treuhänderin aus, schreibt er in den zwei Abhandlungen über die Regierung, und wenn sie gegen das ihr anvertraute Gut handelt, fällt die Macht an das Volk zurück. Das ist kein revolutionärer Gedanke. Es ist die Grundlage jeder Demokratie. Regierungsmacht ist geliehen. Sie gehört nicht dem, der sie hält.

Genau darum steht im Grundgesetz der Artikel 68. Er heißt nicht Machtfrage und nicht Mehrheitsfrage. Er heißt Vertrauensfrage. Fünf Kanzler haben sie vor Friedrich Merz gestellt, Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder, zuletzt Olaf Scholz im Dezember 2024. Sie alle wussten, was Locke wusste: Wer sein Mandat nur noch aus Gewohnheit hält, hat es schon verloren. Er weiß es nur noch nicht.

Und damit zu dem Mann, um den es geht. Friedrich Merz war von der ersten Stunde an ein Kanzler zweiter Wahl. Das ist keine Beleidigung, das ist Protokoll. Am 6. Mai 2025 fiel er im ersten Wahlgang durch, als erster Kanzlerkandidat in der Geschichte der Bundesrepublik. 310 Stimmen bei 316 nötigen. Achtzehn Abgeordnete seiner eigenen Koalition haben ihm an diesem Morgen das Vertrauen verweigert, bevor er einen einzigen Tag im Amt war. Wie geht es den 18 wohl jetzt? Erst der zweite Wahlgang trug ihn ins Kanzleramt. Man muss das in der Sprache des Sports sagen, damit es jeder versteht: Er hat den Aufstieg nicht sportlich geschafft, er kam über die Relegation. Und wer sich seitdem seine Tabelle anschaut, weiß, dass es nicht die Bundesliga ist, in der dieser Mann spielt.

Dann kam der Wortbruch, und er kam nicht als Ausrutscher, sondern als Regierungsprogramm. Im Wahlkampf versprach Merz, die Schuldenbremse zu halten und keine neuen Schulden zu machen. Vier Wochen nach der Wahl ließ er mit dem abgewählten Bundestag, den er dafür noch einmal zusammentrommelte, das größte Schuldenpaket der deutschen Geschichte beschließen. Er versprach, die Stromsteuer für alle zu senken, und senkte sie für die Industrie. Ein Wähler kann eine unpopuläre Entscheidung ertragen. Was er nicht erträgt, ist, dass das Ja von gestern das Nein von heute ist. Eure Rede sei Ja, ja, nein, nein. Bei Merz ist sie Ja, nein, je nachdem.

Das Ergebnis liegt seit Freitag auf dem Tisch. INSA hat für die BILD-Zeitung 1.003 Bundesbürger gefragt, ob Friedrich Merz noch der richtige Bundeskanzler sei. 14 Prozent sagen Ja. 78 Prozent sagen Nein. 86 von 100 Deutschen können also die Frage, ob dieser Mann noch ihr Kanzler sein soll, nicht mehr mit Ja beantworten. Selbst unter den Wählern von CDU und CSU sagt eine Mehrheit von 58 Prozent Nein. Das ist kein Umfragetief. Das ist ein Abschied.

Man wird einwenden, ein Kanzler stelle sein Amt nicht wegen einer Umfrage in Frage. Richtig. Das soll er auch nicht. Er soll es in Frage stellen, weil ihm seine eigene Partei die Gefolgschaft aufkündigt, und das tut sie in diesen Tagen ohne jede Rücksicht. In Sachsen-Anhalt hat die CDU vergangenen Sonntag 17,2 Prozent geholt, das schlechteste Ergebnis, das sie in diesem Land je hatte, die AfD kam auf 43,8 Prozent. Am kommenden Sonntag wählt Mecklenburg-Vorpommern, und sämtliche Institute sehen die CDU zwischen sechs und acht Prozent, in Sichtweite der Fünf-Prozent-Hürde. Die Partei Adenauers und Kohls zittert in einem deutschen Bundesland um den Einzug in den Landtag. Der stellvertretende Landesvorsitzende dort, Tino Schomann, hat es so formuliert: Er muss runter vom Sessel, und da muss ein anderer rauf. Merz’ Auftritt nach der Wahl sei grottig und nicht aufrichtig gewesen, es fehle ihm an Empathie, und er habe handwerkliche Fehler begangen, die eines Kanzlers nicht würdig seien. Sächsische Kreisvorsitzende schreiben in einem offenen Brief, sie verlangten eine schonungslose Analyse und einen neuen Aufbruch. Der sächsische Abgeordnete Florian Oest fragt öffentlich, ob die CDU überhaupt noch eine Volkspartei ist. Der Chef des Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, erklärt den Kurs für gescheitert. Das sind keine Gegner. Das ist die eigene Mannschaft.

Und der Parteivorsitzende, der in Personalunion Bundeskanzler ist? Er hält fest. Woran, weiß niemand. Nach diesen Zahlen dürfte Friedrich Merz eigentlich nur noch an einem Tapeziertisch in einer kreisfreien Stadt stehen, unter einem Schirmchen mit CDU-Logo, und Kugelschreiber an Passanten verteilen, die den Kopf schütteln. Für mehr reicht das Vertrauen nicht mehr. Bertolt Brecht hat nach dem 17. Juni 1953 geschrieben, es wäre da nicht einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes. Genau das scheint der Plan im Kanzleramt zu sein. Das Volk ist nur nicht bereit, sich auflösen zu lassen.

Deshalb ist es höchste Zeit. Nicht für eine weitere Kabinettsklausur, nicht für eine neue Erzählung, wie die Berater das nennen. Für die Vertrauensfrage. Artikel 68 ist genau für diese Lage geschrieben worden. Ein Kanzler, dem 86 von 100 Bürgern das Vertrauen nicht mehr aussprechen, dem die eigenen Landesverbände den Rücktritt nahelegen und dessen Partei in einem Bundesland um fünf Prozent kämpft, hat nur noch eine würdige Handlung vor sich: Er tritt vor den Bundestag und fragt, ob das Parlament ihm noch vertraut. Hat er die Mehrheit, kann er regieren. Hat er sie nicht, wissen es alle, und niemand muss mehr so tun, als hätte er sie. Wer diesen Schritt scheut, gibt zu, dass er die Antwort kennt.

Denn die Vertrauensfrage ist am Ende eine Frage der Integrität. Nicht die Umfrage stellt sie. Der Mann muss sie sich selbst stellen. Fides: dass geschieht, was gesagt wurde. Ein Kanzler, der seine zentralen Zusagen binnen Wochen kassiert hat, hat das Vertrauen der Bürger, die ihm ihre Stimme gegeben haben, nicht enttäuscht. Er hat es missbraucht. Das ist der Unterschied zwischen einem, der scheitert, und einem, der fertig hat.

Womit wir bei Giovanni Trapattoni wären. Am 10. März 1998 trat der Trainer des FC Bayern vor die Presse und rechnete in gebrochenem Deutsch mit seinen Spielern ab, dreieinhalb Minuten, die in die Geschichte eingingen. Er endete mit drei Wörtern: Ich habe fertig. Es wäre der ehrlichste Satz, den Friedrich Merz in seiner Amtszeit sagen könnte. Er müsste sich nur hinstellen, in die Kameras schauen und sagen:
Liebes Deutschland, ich habe fertig.

Er wird es nicht tun. Also tue ich es und gehe eine Wette ein, hier, vor Ihnen allen, mit Datum: Friedrich Merz wird seine Geschenke in diesem Jahr nicht mehr als Bundeskanzler unter dem Weihnachtsbaum auspacken. Ob das Christkind ihm nach dieser Vorstellung überhaupt noch etwas bringt, ist eine Frage, die ich lieber der himmlischen Zuständigkeit überlasse. Auf die Fürsten, sagt der Psalm, soll man sich nicht verlassen. Auf diese Wette schon.
Hört, hört! :emil: :emil: :emil:
Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hinwill.
Schauen wir dankbar zurück, mutig vorwärts und gläubig aufwärts!

(F.J.S.)

Der LOGOS bestimmt das Sein!
Das Sein definiert das Nicht-Sein!

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ottaviani
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Re: Betrachtungen zur Zeitgeschichte

Beitrag von ottaviani »

der nächste rechte Schwätzer Interessant ist dass hier immer nur Äußerungen passen die in die eigene Blase passen bei Peduli ist das noch verständlich aber warum ist das allgemein so

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