Apostolische Überlieferung im Schatten der Reformation

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Alexander
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Beitrag von Alexander »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Alexander hat geschrieben:Der hl. Augustin hat in diesem Fall keine approbatio ecclesiae. Die katholische Kirche hat das Sagen, und wenn ein Augustinus sich gegen ihre Lehre wendet, dann ist es sein Fehler.
Von welchem Fall konkret sprichst du denn nun eigentlich, Alexander?.
In diesem konkreten Fall von "De prædestinatione Sanctorum". Eine Dikussion um diesen Heiligen, auf dessen Gebete der Herr uns seine Barmherzigkeit erweisen möge, gehört aber sicherlich nicht auf diesen Strang, wie Juergen das schon gesagt hat.
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

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Alexander
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Die Welt als Wille und Vorstellung

Beitrag von Alexander »

[left]http://www.orthphoto.net/photo/200505/2259.jpg[/left]
Hier steht er... und kann nicht anders?
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

Raphael

Beitrag von Raphael »

@ Juergen
Juergen hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Selbst die gefallene Natur des Menschen ist gnadenhaft dazu befähigt (sic!), die Gesetze zu befolgen. :)
Das "gnadenhaft" mußt Du aber 5x unterstreichen, nicht daß Du vom Pferd fällst und in dem Graben des Pelagius landest :D
Wenn das "5x" denn überhaupt reicht ...... ;)

Jenseits allen Theologenstreites steht IMHO fest, daß (endliche) Natur der (unendlichen) Gnade bedarf, während Gnade ihrerseits auf die Natur nicht angewiesen ist. Hier zeigt sich eine Asymmetrie der Logik, welche mit reiner Rationalität nicht erkannt werden kann, sondern die erst im Lichte des Glaubens aufscheint. :)

GsJC
Raphael

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Raphael hat geschrieben:Jenseits allen Theologenstreites steht IMHO fest, daß (endliche) Natur der (unendlichen) Gnade bedarf, während Gnade ihrerseits auf die Natur nicht angewiesen ist. Hier zeigt sich eine Asymmetrie der Logik, welche mit reiner Rationalität nicht erkannt werden kann, sondern die erst im Lichte des Glaubens aufscheint. :)
Achwas!?

Ich dachte immer: "gratia supponit naturam et perficit eam"

:roll:

Wo soll denn die Gnade wirken, wenn nicht in der Natur?
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Raphael

Beitrag von Raphael »

@ Juergen
Juergen hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Jenseits allen Theologenstreites steht IMHO fest, daß (endliche) Natur der (unendlichen) Gnade bedarf, während Gnade ihrerseits auf die Natur nicht angewiesen ist. Hier zeigt sich eine Asymmetrie der Logik, welche mit reiner Rationalität nicht erkannt werden kann, sondern die erst im Lichte des Glaubens aufscheint. :)
Achwas!?

Ich dachte immer: "gratia supponit naturam et perficit eam"

:roll:

Wo soll denn die Gnade wirken, wenn nicht in der Natur?
Wer redet denn schon von einer »Wirkung der Gnade«?

Es geht doch zunächst einmal um eine Bestimmung der Relation von Natur und Gnade. Und hier scheint mir offensichtlich zu sein, daß erstere auf letztere angewiesen ist; umgekehrt ist dies jedoch nicht der Fall, weil letztere übernatürlich ist.

GsJC
Raphael

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Raphael hat geschrieben: Wo soll denn die Gnade wirken, wenn nicht in der Natur?
Wer redet denn schon von einer »Wirkung der Gnade«?

Es geht doch zunächst einmal um eine Bestimmung der Relation von Natur und Gnade. Und hier scheint mir offensichtlich zu sein, daß erstere auf letztere angewiesen ist; umgekehrt ist dies jedoch nicht der Fall, weil letztere übernatürlich ist.[/quote]
Bist Du Dir sicher, daß es Gnade ohne die göttliche Natur geben könnte?

...............jetzt bitte erst denken und dann weiterscrollen ;-) ...............



















:D
OK, ich gebe zu, daß diese Frage ziemlich daneben ist, da ich den Begriff "Natur" äquivok gebraucht habe.
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Raphael

Beitrag von Raphael »

@ Juergen
Juergen hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben: Wo soll denn die Gnade wirken, wenn nicht in der Natur?
Wer redet denn schon von einer »Wirkung der Gnade«?

Es geht doch zunächst einmal um eine Bestimmung der Relation von Natur und Gnade. Und hier scheint mir offensichtlich zu sein, daß erstere auf letztere angewiesen ist; umgekehrt ist dies jedoch nicht der Fall, weil letztere übernatürlich ist.
Bist Du Dir sicher, daß es Gnade ohne die göttliche Natur geben könnte?

...............jetzt bitte erst denken und dann weiterscrollen ;-) ...............
Bitte beachte, daß ich vor die Natur den Begriff »endlich« in Klammern gesetzt hatte! ;)

Es stellt sich also ein Mißbrauch der Idiomenkommunikation Deinerseits heraus, Du Schlingel!


















Juergen hat geschrieben: :D
OK, ich gebe zu, daß diese Frage ziemlich daneben ist, da ich den Begriff "Natur" äquivok gebraucht habe.
Der bewußte Mißbrauch ist schlimmer als der unbewußte ....... :P

GsJC
Raphael

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Alexander
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Beitrag von Alexander »

Mal zur Erinnerung: Gott ist barmherzig, er ist die Liebe und will keinen Tod des Sünders. Und die Menschen und unbarmherzig und neigen zu komischen Theorien, was immer geschieht, wenn sie ihren Verstand überschätzen.

Bild
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
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Beitrag von Alexander »

"nous" ist dasselbe wie lat. "mens" (sl. "um").
Hl. Nikolaj (Velimirović), Bischof von Žiča, hat geschrieben: [right]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/d ... irovic.jpg[/right]Wer brachte die Sünde in die Welt, Herr, und machte die ganze Welt krank und wurde dem Tod zur Speise?

Der nous, das Auge des Geistes, ist die Pforte, durch welche die Sünde eintrat. Durch den nous drang der Gifttropfen in das Herz und die Seele.

Getrennt von der Jungfräulichkeit und vom Licht, nicht länger dreifältig, sondern eindimensional, trennte sich der nous von der heiligen Triade und steht nun als der "vierte" da - Nichtsein. Er denkt Irdisches, nicht Göttliches.

Getrennt von der Jungfräulichkeit der Seele und des Lichtes des Herzens, ist der nous der Schatten des Sohnes gottes und die Verkehrung der Weisheit. Dieser dunkle Schatten verbreitet seine Finsternis in die Seele und das Herz. Sogleich wurden alle drei in Finsternis gehüllt und mit Mehltau bedeckt und verwandelten sich in eine Art unheilige Triade, in einen Schatten der Heiligen Dreiheit, genauso wie Nichtsein der zitternde Schatten des Seins ist.

Was ist die erste Sünde des nous, Herr, durch die er Schmerz und Leiden dem ganzen Menschengeschlecht brachte?

Die erste Sünde des nous ist Selbsttäuschung, die zweite der Stolz. An Sinne gefesselt, die zum Nichtsein bestimmt sind, emping der nous das Nichtsein als Sein.

Die Selbsttäuschung schaut auf die Spiegelung des Mondes im See, als wäre dies der wirkliche Mond, und eilt, um ihn im Wasser zu greifen.

Die Selbsttäuschung sieht ein Seil und hält es für eine Schlange und flieht davor. Die Selbsttäuschung eines Hundes sieht einen Hund im Wasser und nötigt ihn, den wirklichen Hund, seinen eigenen Schatten anzubellen.

Die Selbsttäuschung über die launischen Aschen dieser Welt zwingt den nous, sein Dasein an diese Welt zu heften und verschließt ihm das Auge mit dem Vergessen der wirklichen Welt.

Wahrlich, die Selbsttäuschung des nous ist die erste Sünde. Diese erste Sünde ging die Ehe ein mit dem Stolz, und aus dieser Ehe werden alle Sünden geboren und alle Übel, welche Schmerz und Leiden hervorbringen.

Wie kommt es, daß der Stolz unmittelbar nach der Selbsttäuschung erscheint, mein Herr?

Entdecker des neuen und bis dahin unbekannten sind immer von Stolz erfüllt.

Der sich selbst täuschende nous entdeckt etwas für sich Neues und bis dahin Unbekanntes.

Wehe, wenn der nous nur wüßte, daß er dabei ist, sein eigenes Grab zu entdecken!

Die Selbsttäuschung des nous ist das Entdecken der Welt des Nichtseins als wäre es die Welt des Seins. Wehe, zu welch unheilvoller Bedeckung wurde diese Entdeckung! Die Selbsttäuschung entdeckt die Welt des Nichtseins als Welt des Seins, verdeckt dadurch die Welt des Seins und stellt diese dem nous als nichtseiend dar.

Mein Herr, einzig Seiender, rette meinen nous vor diesen beiden höllischen Sünden.

Meine Wahrheit, rette mich vor der unheilvollen Selbsttäuschung meines nous.

Meister und Spender all dessen, was ich bin und was ich habe, befreie mich vom Stolz, dem Zerstörer der Verstörten und Törichten.

"Gebete am See", 63.Gebet.
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

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