2 Fragen zum Priestertum

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.
Trisagion
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Trisagion »

Martina hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 17:08
Vielleicht liest du dir meine Posts noch einmal genauer durch. ALLE!
Deine Beiträge in diesem Strang habe ich alle genau genug gelesen. Ich halte nur eben nicht so viel von der Idee Klöster zu besuchen um zu einer besseren Einschätzung des Priesteramts und der eigenen Berufung dazu zu kommen. Wenn ich wissen will wie das so ist ein ganz normaler Bäcker zu sein, und ob das für mich was wäre, dann schau ich weder beim Metzger noch bei der Pâtisserie vorbei, sondern bei einem normalen Bäcker. Und so viel ich davon halte, gerade auch für Laien, in einem Kloster "aufzutanken" bzgl. Gott für den Alltag: ich halte es nicht für sinnvoll sich zum Zweck der Wahl einer Berufung fürs Leben erstmal in außerordentliche Umstände zu begeben. Denn es soll dann ja über Jahrzehnte unter ordentlichen Umständen halten...

Abgesehen davon läuft es für mich schlicht falsch, wenn es von vorneherein an der Motivation statt an der Information mangelt. Das man sich vor einem Beruf(ungs)einstieg gut informieren sollte, und daß das dann eventuell die eigene Perspektive ändert, das ist klar. Aber wenn man sich erstmal selber mit viel Anstrengung und Tandaradei zu etwas motivieren muß, dann sollte man erstmal andere Optionen anschauen, wo das nicht der Fall ist.

Ein Gedanke vielleicht noch: ich denke Berufswünsche und Berufungen, und auch spätere Entscheidungen zur "Karriere", sind oft nicht so präzise wie wir das gerne hätten. Bei den meisten Leuten sind es eher ganze Berufsfelder die gut passen, oder noch komplizierter können es bestimmte Tätigkeiten oder Dinge sein die man quer durch ganz verschiedene Berufe finden kann. Man sollte es darum nicht übertreiben mit der Genauigkeit mit der irgendetwas passen muß, bevor man sich entscheidet. Ansonsten kann man leicht in einer Paralyse durch Analyse enden.

Trisagion
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Trisagion »

philipp hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 18:07
Abgesehen davon dass ich unmöglich früh aufstehen kann, warum darf man nicht ehrgeizig sein als Priester? Ehrgeiz kann ja auch in ein priesterkompatibles Ansinnen gegossen werden. Und muss man als Priester nicht auch recht viel Disziplin haben um jeden Tag zu Beten und alle möglichen solche Dinge immer und immer wieder zu tun?
Wer aus Ehrgeiz diszipliniert wird, wird auch schnell undiszipliniert wenn die Ehre ausbleibt. Wenn Du jetzt vom Ehrgeiz Gott und den Nächsten zu dienen redest, dann meinetwegen. Ich dachte hier mehr an den konventionellen Ehrgeiz nach Geld, Macht und Ansehen. In der Kirche drückt sich solcher Ehrgeiz meist darin aus in der Hierarchie nach oben zu kommen. Ich will nun nicht behaupten, daß man von solchem Ehrgeiz besessen sein muß um Bischof und aufwärts zu werden. Aber sicherlich wird man mit derlei Ehrgeiz konfrontiert werden wenn es um die höheren Posten geht. Und dann wird es ziemlich schnell ziemlich eklig, denn da zeigt sich der Mensch gerne von seiner miesesten Seite. Außerdem ist die Hierarchie in der Kirche sehr dünn, da sind Aufstiegschancen einfach numerisch selten und entsprechender Ehrgeiz wird meist frustriert werden.

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Martina
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Martina »

@Trisagion: Du hast eine Art am Leib, die nach Ohrfeigen schreit.
Toleranz ist die Duldung des Übels

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philipp
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von philipp »

Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 19:02
philipp hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 18:07
Abgesehen davon dass ich unmöglich früh aufstehen kann, warum darf man nicht ehrgeizig sein als Priester? Ehrgeiz kann ja auch in ein priesterkompatibles Ansinnen gegossen werden. Und muss man als Priester nicht auch recht viel Disziplin haben um jeden Tag zu Beten und alle möglichen solche Dinge immer und immer wieder zu tun?
Wer aus Ehrgeiz diszipliniert wird, wird auch schnell undiszipliniert wenn die Ehre ausbleibt. Wenn Du jetzt vom Ehrgeiz Gott und den Nächsten zu dienen redest, dann meinetwegen. Ich dachte hier mehr an den konventionellen Ehrgeiz nach Geld, Macht und Ansehen. In der Kirche drückt sich solcher Ehrgeiz meist darin aus in der Hierarchie nach oben zu kommen. Ich will nun nicht behaupten, daß man von solchem Ehrgeiz besessen sein muß um Bischof und aufwärts zu werden. Aber sicherlich wird man mit derlei Ehrgeiz konfrontiert werden wenn es um die höheren Posten geht. Und dann wird es ziemlich schnell ziemlich eklig, denn da zeigt sich der Mensch gerne von seiner miesesten Seite. Außerdem ist die Hierarchie in der Kirche sehr dünn, da sind Aufstiegschancen einfach numerisch selten und entsprechender Ehrgeiz wird meist frustriert werden.
ich verstehe!
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Trisagion »

Martina hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 19:18
@Trisagion: Du hast eine Art am Leib, die nach Ohrfeigen schreit.
Wenn gut argumentierter Widerspruch Gewaltphantasien in Dir hervorruft, dann ist die Teilnahme an einem Diskussionsforum Deinem Seelenheil vermutlich abträglich.

Aber alles hat sein Gutes, heute abend also ein wenig Bibelstudium um Matthäus 5,39 herum.

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philipp
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von philipp »

Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 21:38
Martina hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 19:18
@Trisagion: Du hast eine Art am Leib, die nach Ohrfeigen schreit.
Wenn gut argumentierter Widerspruch Gewaltphantasien in Dir hervorruft, dann ist die Teilnahme an einem Diskussionsforum Deinem Seelenheil vermutlich abträglich.

Aber alles hat sein Gutes, heute abend also ein wenig Bibelstudium um Matthäus 5,39 herum.
Keine schlechte Idee. Ist eine oft zitierte Stelle die niemals auszuschöpfen ist
Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm (1. Joh. 4, 16)

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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von RomanesEuntDomus »

Martina hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 19:18
@Trisagion: Du hast eine Art am Leib, die nach Ohrfeigen schreit.
Etwas OT:
Ich rätsele seit einigen Wochen, wo ich das Bild, das ich in letzter Zeit öfter mal sehe, ...

Bild

... vor Jahrzehnten schon einmal gesehen habe. Gerade, als ich "Ohrfeigen" las, ist es mir wieder eingefallen: Es war in einem Buch über Astronomie, das in den 1970ern in unserer Schulbücherei herumlag. Es ist als "Flammarions Holzstich" bekannt, wie ich gerade dank Google feststellen konnte, und drückt Satire, um nicht zu sagen "den blanken Hohn", aus.

Camille Flammarion (1842-1925), der Autor des Buchs, war ein bekannter französischer Astronom, Spiritist und Mitbegründer der französischen Theosophischen Gesellschaft.

https://de.wikipedia.org/wiki/Flammarions_Holzstich
Das Bild illustriert eine Textpassage der gegenüberliegenden Seite:
...
„… Ein naiver Missionar des Mittelalters erzählt sogar, dass er auf einer seiner Reisen auf der Suche nach dem irdischen Paradiese den Horizont erreichte, wo der Himmel und die Erde sich berühren, und dass er einen gewissen Punkt fand, wo sie nicht verschweißt waren, wo er hindurch konnte, indem er die Schultern unter das Himmelsgewölbe beugte. …“
– Camille Flammarion: L’atmosphère, Paris 1888, Seite 162
Es kommt noch besser: :kugel:
... Der Stich zeigt unbekannte Sphären, zwei runde Gestirne – C. G. Jung sah darin 1958 „ein Urbild der Ufovision …

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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Skylark »

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 23:47
Martina hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 19:18
@Trisagion: Du hast eine Art am Leib, die nach Ohrfeigen schreit.
Etwas OT:
Ich rätsele seit einigen Wochen, wo ich das Bild, das ich in letzter Zeit öfter mal sehe, ...

Bild

... vor Jahrzehnten schon einmal gesehen habe. Gerade, als ich "Ohrfeigen" las, ist es mir wieder eingefallen: Es war in einem Buch über Astronomie, das in den 1970ern in unserer Schulbücherei herumlag. Es ist als "Flammarions Holzstich" bekannt, wie ich gerade dank Google feststellen konnte, und drückt Satire, um nicht zu sagen "den blanken Hohn", aus.

Camille Flammarion (1842-1925), der Autor des Buchs, war ein bekannter französischer Astronom, Spiritist und Mitbegründer der französischen Theosophischen Gesellschaft.

https://de.wikipedia.org/wiki/Flammarions_Holzstich
Das Bild illustriert eine Textpassage der gegenüberliegenden Seite:
...
„… Ein naiver Missionar des Mittelalters erzählt sogar, dass er auf einer seiner Reisen auf der Suche nach dem irdischen Paradiese den Horizont erreichte, wo der Himmel und die Erde sich berühren, und dass er einen gewissen Punkt fand, wo sie nicht verschweißt waren, wo er hindurch konnte, indem er die Schultern unter das Himmelsgewölbe beugte. …“
– Camille Flammarion: L’atmosphère, Paris 1888, Seite 162
Es kommt noch besser: :kugel:
... Der Stich zeigt unbekannte Sphären, zwei runde Gestirne – C. G. Jung sah darin 1958 „ein Urbild der Ufovision …
Du verkennst bei Deiner Spöttelei offenbar, daß es DIE berufsmäßige Aufgabe des Priesters ist, den Himmel auf die Erde zu bringen.

Denn:
Im Katholischen ist der Himmel von der Erde nicht so getrennt, wie es von den Ungläubigen dieser Welt gelebt wird. Himmel und Erde sind aber auch nicht so verbunden, daß sie ununterscheidbar geworden wären.
Die Sprache ist das Lebenselixier des Menschen!

Skylark
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Skylark »

Martina hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 19:18
@Trisagion: Du hast eine Art am Leib, die nach Ohrfeigen schreit.
Seit wann gelten Ohrfeigen (in theologischen Disputen) als Argument? :unbeteiligttu:

Mir ist da nur ein einziger Fall bekannt: :pfeif:
Der Hl. Nikolaus von Myra soll seinerzeit den Arius auf dem Konzil von Nicäa geohrfeigt haben: Quelle!
Die Sprache ist das Lebenselixier des Menschen!

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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von RomanesEuntDomus »

Skylark hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 07:27
Du verkennst bei Deiner Spöttelei offenbar, ...
Du verkennst offenbar, dass es doch (ausnahmsweise) gar nicht meine Spöttelei ist. Martinas "Passbild" stammt aus einem Buch aus dem 19. Jahrhundert und diente in diesem ausschließlich dazu, ein bestimmtes Weltbild als naiv darzustellen und damit zu verspotten. Ich kann es auch nicht ändern. :achselzuck:
Skylark hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 07:27
...daß es DIE berufsmäßige Aufgabe des Priesters ist, den Himmel auf die Erde zu bringen.
"Unsere Heimat ist im Himmel" (Phil 3,20). "Wir haben hier keine bleibende Stadt" (Hebr 13,14) usw. usw.

Ich konnte allerdings noch nie erkennen, warum sich diese und zahlreiche ähnliche Aussagen aus dem NT nur auf "Profis" beziehen sollen, ebenso wenig bei den weiter oben zitierten Stellen aus dem 1. Petrusbrief und aus dem Brief an die Epheser.

Im Gegenteil. Das geht an alle Gläubigen:

"Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat." (1.Petr 2,9)

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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Skylark »

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 10:10
Skylark hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 07:27
Du verkennst bei Deiner Spöttelei offenbar, ...
Du verkennst offenbar, dass es doch (ausnahmsweise) gar nicht meine Spöttelei ist. Martinas "Passbild" stammt aus einem Buch aus dem 19. Jahrhundert und diente in diesem ausschließlich dazu, ein bestimmtes Weltbild als naiv darzustellen und damit zu verspotten. Ich kann es auch nicht ändern. :achselzuck:
Man kann so einiges nicht ändern, daher ist der Geist der Unterscheidung ja so wichtig: :doktor:
Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Im Übrigen ist ein Avatar kein Paßbild, sondern die körperliche Manifestation eines Gottes im Hinduismus:Tolle lege!

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 10:10
Skylark hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 07:27
...daß es DIE berufsmäßige Aufgabe des Priesters ist, den Himmel auf die Erde zu bringen.
"Unsere Heimat ist im Himmel" (Phil 3,20). "Wir haben hier keine bleibende Stadt" (Hebr 13,14) usw. usw.

Ich konnte allerdings noch nie erkennen, warum sich diese und zahlreiche ähnliche Aussagen aus dem NT nur auf "Profis" beziehen sollen, ebenso wenig bei den weiter oben zitierten Stellen aus dem 1. Petrusbrief und aus dem Brief an die Epheser.

Im Gegenteil. Das geht an alle Gläubigen:

"Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat." (1.Petr 2,9)
Von welchen Gläubigen redest Du? :hmm:

Wie wird so etwas festgestellt? :detektiv:
Martina berichtet, daß sie früher einmal katholisch war, dann aber aus der Kirche ausgetreten ist.
Nun überlegt sie, ob sie orthodox werden soll; vielleicht aber auch nicht.

Wann war sie gläubig? Ist sie es vielleicht immer noch?
Denn in dem Spottbild des Flammarion wird ja auf eine Welt jenseits der Welt hingewiesen.
Und sie sucht offenbar (immer noch) danach.
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Trisagion
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Trisagion »

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 10:10
Ich konnte allerdings noch nie erkennen, warum sich diese und zahlreiche ähnliche Aussagen aus dem NT nur auf "Profis" beziehen sollen, ebenso wenig bei den weiter oben zitierten Stellen aus dem 1. Petrusbrief und aus dem Brief an die Epheser.
Sicherlich sind alle Christen berufen den Himmel auf Erden zu bringen, sei es durch ihr eigenes Verhalten oder durch die Evangelisierung der Welt. Aber nur die "Profis" können Gott selber auf Erden bringen in der Eucharistie, und auch gewisse Handlungen an Gottes Statt vornehmen, etwas das Vergeben von Sünden. Es ist nach katholischem Verständnis nicht nötig dies komplett aus der Schrift zu beweisen, da die Kirche in der Tradition des apostolischen Lehramts durch die Zeit geführt wird. Es ist nur nötig, daß hieran nichts der Bibel widerspricht, und das tut es nicht.

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philipp
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von philipp »

ich möchte nochmal versuchen mich präziser auszudrücken: Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten? Vielleicht gibt es diese zwingenden Notwendigkeiten auch gar nicht (wie wir festgestellt haben gibt es ja auch ganz normale Uni-Lehrer, die Priester sind)...
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Vinzenz Ferrer
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten?
Der Priester opfert. D.h. er zelebriert das Heillige Messopfer. Das ist es, was ihn zu einem Priester Gottes macht.
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

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Lycobates
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Lycobates »

Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:26
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten?
Der Priester opfert. D.h. er zelebriert das Heillige Messopfer. Das ist es, was ihn zu einem Priester Gottes macht.
Dazu verrichtet er täglich das offizielle Gebet der Kirche (Offizium).
Überhaupt ist ein reges Gebetsleben unabdingbar für einen Priester.

Sofern er seelsorgerische Aufgaben hat, gehören auch die Spendung der Sakramente und die Belehrung der Gläubigen dazu.
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Protasius
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Protasius »

philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
ich möchte nochmal versuchen mich präziser auszudrücken: Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten? Vielleicht gibt es diese zwingenden Notwendigkeiten auch gar nicht (wie wir festgestellt haben gibt es ja auch ganz normale Uni-Lehrer, die Priester sind)...
Abgesehen davon, daß – wie Vinzenz Ferrer richtig darlegt – ein Priester (sacerdos) sich seinem Wesen nach dadurch auszeichnet, daß er das Opfer darbringt (sacrum litare), also die Messe feiert, gibt es einige kirchenrechtliche Vorschriften, die er einhalten muß (vgl. meinen Beitrag zu Beginn dieses Stranges mit dem Zitat von can. 269 CIC/1983).

Die verpflichtenden Teile sind das Stundengebet und die geistlichen Einkehrtage, eindringlich aufgefordert ist er zur möglichst täglichen Zelebration der Eucharistie. Wie die seelsorglichen Pflichten aussehen, die ein Priester „treu und unermüdlich zu erfüllen“ hat, hängt natürlich von seinen Umständen hat, ein Priester in der Pfarrseelsorge unterscheidet sich da natürlich von bspw. einem Krankenhausseelsorger, einem Ordenspriester oder einem Hochschullehrer.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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philipp
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von philipp »

Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:26
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten?
Der Priester opfert. D.h. er zelebriert das Heillige Messopfer. Das ist es, was ihn zu einem Priester Gottes macht.
ok... das ist ja mal kein grosses erfordernis...
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von philipp »

Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:32
Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:26
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten?
Der Priester opfert. D.h. er zelebriert das Heillige Messopfer. Das ist es, was ihn zu einem Priester Gottes macht.
Dazu verrichtet er täglich das offizielle Gebet der Kirche (Offizium).
Überhaupt ist ein reges Gebetsleben unabdingbar für einen Priester.
wie oft muss ein Priester beten? natürlich ist beten was schönes, aber ich frage mich dennoch ob es da mindesterfordernisse gibt
Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm (1. Joh. 4, 16)

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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von philipp »

Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:38
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
ich möchte nochmal versuchen mich präziser auszudrücken: Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten? Vielleicht gibt es diese zwingenden Notwendigkeiten auch gar nicht (wie wir festgestellt haben gibt es ja auch ganz normale Uni-Lehrer, die Priester sind)...
Abgesehen davon, daß – wie Vinzenz Ferrer richtig darlegt – ein Priester (sacerdos) sich seinem Wesen nach dadurch auszeichnet, daß er das Opfer darbringt (sacrum litare), also die Messe feiert, gibt es einige kirchenrechtliche Vorschriften, die er einhalten muß (vgl. meinen Beitrag zu Beginn dieses Stranges mit dem Zitat von can. 269 CIC/1983).

Die verpflichtenden Teile sind das Stundengebet und die geistlichen Einkehrtage, eindringlich aufgefordert ist er zur möglichst täglichen Zelebration der Eucharistie. Wie die seelsorglichen Pflichten aussehen, die ein Priester „treu und unermüdlich zu erfüllen“ hat, hängt natürlich von seinen Umständen hat, ein Priester in der Pfarrseelsorge unterscheidet sich da natürlich von bspw. einem Krankenhausseelsorger, einem Ordenspriester oder einem Hochschullehrer.
danke... steht denn alles, was ich wissen muss im CIC? gibt es da nicht auch regeln ausserhalb, die es zu beachten gilt?
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Lycobates
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Lycobates »

philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:48
Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:32
Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:26
Der Priester opfert. D.h. er zelebriert das Heillige Messopfer. Das ist es, was ihn zu einem Priester Gottes macht.
Dazu verrichtet er täglich das offizielle Gebet der Kirche (Offizium).
Überhaupt ist ein reges Gebetsleben unabdingbar für einen Priester.
wie oft muss ein Priester beten? natürlich ist beten was schönes, aber ich frage mich dennoch ob es da mindesterfordernisse gibt
Tja, das Offizium dauert bis zu 90 Minuten, dazu noch der tägliche Rosenkranz, die Feier der hl. Messe, macht zusammen schon lockere 135 Minuten.
Je nach den anderen Standespflichten (wer mehrere Stunden am Tag Unterricht erteilt, wird weniger beten können) kann dann noch etwas dazukommen.
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Trisagion
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Trisagion »

philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten?
Er (ein Mann) muß sich freiwillig von einem in apostolischer Tradition stehendem Bischof in korrekter Form als Priester geweiht haben lassen, ohne daß es anderweitige Hinderungsgründe gab.

Das ist schon alles, wenn man Deine Frage wörtlich nimmt. Ganz ähnlich wie man auch sagen kann, daß die einzig zwingend notwendige Tätigkeit um als Christ zu gelten ist, sich korrekt taufen zu lassen.

Vielleicht wäre es wichtiger zu fragen, was ein guter Priester tun sollte? Wir fragen ja auch, was ein guter Christ tun sollte, nicht was notwendig ist um überhaupt als Christ zu gelten...

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Vinzenz Ferrer
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 13:10
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten?
Er (ein Mann) muß sich freiwillig von einem in apostolischer Tradition stehendem Bischof in korrekter Form als Priester geweiht haben lassen, ohne daß es anderweitige Hinderungsgründe gab.

Das ist schon alles, wenn man Deine Frage wörtlich nimmt. Ganz ähnlich wie man auch sagen kann, daß die einzig zwingend notwendige Tätigkeit um als Christ zu gelten ist, sich korrekt taufen zu lassen.

Vielleicht wäre es wichtiger zu fragen, was ein guter Priester tun sollte? Wir fragen ja auch, was ein guter Christ tun sollte, nicht was notwendig ist um überhaupt als Christ zu gelten...
Richtig, Trisagion. Auch meine oben genannte Antwort, wollte den Formulierungen „zwingend notwendig“ und "Tätigkeit" Rechnung tragen. Wenn man sich von dieser Einschränkung löst, dann ist natürlich eine ganze Portion Frömmigkeit von Bedeutung, um Priester zu sein. Das gilt aber auch für den Laien.
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

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Vinzenz Ferrer
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:45
Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:26
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten?
Der Priester opfert. D.h. er zelebriert das Heillige Messopfer. Das ist es, was ihn zu einem Priester Gottes macht.
ok... das ist ja mal kein grosses erfordernis...
Du, das ist gar nicht mal so wenig...
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Protasius
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Protasius »

philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:49
Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:38
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:09
ich möchte nochmal versuchen mich präziser auszudrücken: Was sind die zwingend notwendigen Tätigkeiten die ein Priester machen muss, um als Priester zu gelten? Vielleicht gibt es diese zwingenden Notwendigkeiten auch gar nicht (wie wir festgestellt haben gibt es ja auch ganz normale Uni-Lehrer, die Priester sind)...
Abgesehen davon, daß – wie Vinzenz Ferrer richtig darlegt – ein Priester (sacerdos) sich seinem Wesen nach dadurch auszeichnet, daß er das Opfer darbringt (sacrum litare), also die Messe feiert, gibt es einige kirchenrechtliche Vorschriften, die er einhalten muß (vgl. meinen Beitrag zu Beginn dieses Stranges mit dem Zitat von can. 269 CIC/1983).

Die verpflichtenden Teile sind das Stundengebet und die geistlichen Einkehrtage, eindringlich aufgefordert ist er zur möglichst täglichen Zelebration der Eucharistie. Wie die seelsorglichen Pflichten aussehen, die ein Priester „treu und unermüdlich zu erfüllen“ hat, hängt natürlich von seinen Umständen hat, ein Priester in der Pfarrseelsorge unterscheidet sich da natürlich von bspw. einem Krankenhausseelsorger, einem Ordenspriester oder einem Hochschullehrer.
danke... steht denn alles, was ich wissen muss im CIC? gibt es da nicht auch regeln ausserhalb, die es zu beachten gilt?
Klar, es gibt Partikularrecht, das bspw. der jeweilige Bischof aufstellt. Aber das erklärt wohl besser jemand, der tatsächlich Ahnung von Kirchenrecht hat, bspw. taddeo, der tatsächlich Kanonist ist. Die einzigen Rechtsgebiete, zu denen ich Prüfungen abgelegt habe, sind liturgisches Recht in der Ausbildung zum Kirchenmusiker und Chemikalienrecht im Studium (ich bin von Hause aus eigentlich Physiker), wenn wir mal das bißchen StVO aus der Führerscheinprüfung beiseite lassen; ich bin zwar ganz gut im Nachschlagen, aber da ich den CIC nie vollständig gelesen habe, die Kommentare dazu nicht kenne, und mit den jeweiligen partikularrechtlichen Regelungen auch eher lückenhaft vertraut bin, kann ich mich da schwerlich als Fachmann aufspielen.

Allerdings verstehe ich noch nicht so ganz, worauf du mit deinen Fragen eigentlich hinaus möchtest. Das absolute rechtliche Minimum dürfte mit dem abgesteckt sein, was im CIC steht, aber zum einen existiert ein Priester ja nicht im luftleeren Raum, sondern ist in eine Diözese oder einen Orden inkardiniert. Diözesanpriester versprechen bei der Weihe Gehorsam gegenüber dem Bischof und dessen Nachfolgern, Ordenspriester versprechen entsprechend Gehorsam gegenüber ihren Oberen. Wie und wo man als Priester eingesetzt wird, hängt also letztlich auch vom Bischof oder Oberen ab, sowie ggf. davon, ob man sich auf eine bestimmte bspw. Pfarrstelle bewirbt. Außerdem stellt sich natürlich nicht nur die Frage danach, was ein Priester zwingend machen muß, sondern auch, was ein guter Priester machen sollte.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Protasius
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Protasius »

Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 12:05
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:48
Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:32


Dazu verrichtet er täglich das offizielle Gebet der Kirche (Offizium).
Überhaupt ist ein reges Gebetsleben unabdingbar für einen Priester.
wie oft muss ein Priester beten? natürlich ist beten was schönes, aber ich frage mich dennoch ob es da mindesterfordernisse gibt
Tja, das Offizium dauert bis zu 90 Minuten, dazu noch der tägliche Rosenkranz, die Feier der hl. Messe, macht zusammen schon lockere 135 Minuten.
Je nach den anderen Standespflichten (wer mehrere Stunden am Tag Unterricht erteilt, wird weniger beten können) kann dann noch etwas dazukommen.
Das kommt darauf an. Wenn ein Weltpriester die nachkonziliare Liturgia Horarum im vorgeschriebenen Mindestumfang betet (Lesehore, Laudes, Vesper, Komplet, wenigstens eine der kleinen Horen), kann man das ohne Hudelei auch in einer knappen Stunde schaffen, aber es soll ja der Tagesheiligung dienen und wenn man alles hintereinander wegbetet statt die Laudes morgens, die Vesper abends, die Komplet zum Abschluß des Tages, ist das nicht allzu zweckdienlich. Wenn man das traditionelle römische Brevier betet, sind das beim privaten Gebet in etwa die genannten anderthalb Stunden (Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet). Wenn man hingegen bspw. ein zum feierlichen Stundengebet im Chor verpflichteter Benediktinermönch ist, verbringt man jeden Tag mehrere Stunden mit dem Officium, dazu kommt noch das feierliche Konventamt.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Lycobates
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Lycobates »

Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 14:07
Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 12:05
philipp hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 11:48


wie oft muss ein Priester beten? natürlich ist beten was schönes, aber ich frage mich dennoch ob es da mindesterfordernisse gibt
Tja, das Offizium dauert bis zu 90 Minuten, dazu noch der tägliche Rosenkranz, die Feier der hl. Messe, macht zusammen schon lockere 135 Minuten.
Je nach den anderen Standespflichten (wer mehrere Stunden am Tag Unterricht erteilt, wird weniger beten können) kann dann noch etwas dazukommen.
Das kommt darauf an. Wenn ein Weltpriester die nachkonziliare Liturgia Horarum im vorgeschriebenen Mindestumfang betet (Lesehore, Laudes, Vesper, Komplet, wenigstens eine der kleinen Horen), kann man das ohne Hudelei auch in einer knappen Stunde schaffen, aber es soll ja der Tagesheiligung dienen und wenn man alles hintereinander wegbetet statt die Laudes morgens, die Vesper abends, die Komplet zum Abschluß des Tages, ist das nicht allzu zweckdienlich. Wenn man das traditionelle römische Brevier betet, sind das beim privaten Gebet in etwa die genannten anderthalb Stunden (Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet). Wenn man hingegen bspw. ein zum feierlichen Stundengebet im Chor verpflichteter Benediktinermönch ist, verbringt man jeden Tag mehrere Stunden mit dem Officium, dazu kommt noch das feierliche Konventamt.
Ich bin natürlich vom heute verbreitetsten Fall des nicht anderweitig verpflichteten Weltpriesters ausgegangen, der das Brevier privat betet, nicht singt.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
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philipp
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von philipp »

danke für all eure antworten!
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Protasius
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Protasius »

Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 15:41
Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 14:07
Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 12:05


Tja, das Offizium dauert bis zu 90 Minuten, dazu noch der tägliche Rosenkranz, die Feier der hl. Messe, macht zusammen schon lockere 135 Minuten.
Je nach den anderen Standespflichten (wer mehrere Stunden am Tag Unterricht erteilt, wird weniger beten können) kann dann noch etwas dazukommen.
Das kommt darauf an. Wenn ein Weltpriester die nachkonziliare Liturgia Horarum im vorgeschriebenen Mindestumfang betet (Lesehore, Laudes, Vesper, Komplet, wenigstens eine der kleinen Horen), kann man das ohne Hudelei auch in einer knappen Stunde schaffen, aber es soll ja der Tagesheiligung dienen und wenn man alles hintereinander wegbetet statt die Laudes morgens, die Vesper abends, die Komplet zum Abschluß des Tages, ist das nicht allzu zweckdienlich. Wenn man das traditionelle römische Brevier betet, sind das beim privaten Gebet in etwa die genannten anderthalb Stunden (Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet). Wenn man hingegen bspw. ein zum feierlichen Stundengebet im Chor verpflichteter Benediktinermönch ist, verbringt man jeden Tag mehrere Stunden mit dem Officium, dazu kommt noch das feierliche Konventamt.
Ich bin natürlich vom heute verbreitetsten Fall des nicht anderweitig verpflichteten Weltpriesters ausgegangen, der das Brevier privat betet, nicht singt.
Mir ist der Fall bislang noch eher nebulös, daher wollte ich den Horizont etwas weiten, solange noch Diskussionen über Klöster mitlaufen.

Das Stundengebet zu verrichten ist im übrigen beileibe nicht auf die Priester beschränkt, auch Laien sind dazu durchaus ermutigt (das war mW auch eine der Motivationen für die nachkonziliaren Vereinfachungen, aber das nur nebenbei). Die gedruckten liturgischen Bücher sind recht teuer, aber es gibt eine kostenlose App namens Stundenbuch vom Deutschen Liturgischen Institut, die ich im Google App Store gefunden habe; damit kann man das vollständige nachkonziliare Stundengebet beten (inklusive der Lesehore).

philipp, falls dir die lateinische Sprache keine Probleme bereitet und du mal das traditionelle Brevier ausprobieren möchtest, gibt es eine Seite namens divinumofficium.com, auf der man die Texte findet. Die Seiten habe den Vorteil, daß einem das heraussuchen der für den Tag vorgeschriebenen Texte abgenommen wird, was mit gedruckten Büchern etwas Übung erfordert um es richtig zu machen.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Lycobates »

Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 16:23
[...]
Das Stundengebet zu verrichten ist im übrigen beileibe nicht auf die Priester beschränkt, auch Laien sind dazu durchaus ermutigt (das war mW auch eine der Motivationen für die nachkonziliaren Vereinfachungen, aber das nur nebenbei).
[...]
Ja, das gehört zu den Riesenerfolgen des Neuen Pfingsten.
Es müssen mittlerweile über 90% aller Laien sein, die sich weltweit tagein tagaus an der erneuten, vereinfachten, verbesserten, entklerikalisierten Liturgia Horarum beteiligen!
:breitgrins:
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von RomanesEuntDomus »

"Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.
Macht es nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet." (Mt 6, 7f)

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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von Protasius »

Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 16:31
Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 8. Oktober 2020, 16:23
[...]
Das Stundengebet zu verrichten ist im übrigen beileibe nicht auf die Priester beschränkt, auch Laien sind dazu durchaus ermutigt (das war mW auch eine der Motivationen für die nachkonziliaren Vereinfachungen, aber das nur nebenbei).
[...]
Ja, das gehört zu den Riesenerfolgen des Neuen Pfingsten.
Es müssen mittlerweile über 90% aller Laien sein, die sich weltweit tagein tagaus an der erneuten, vereinfachten, verbesserten, entklerikalisierten Liturgia Horarum beteiligen!
:breitgrins:
Das ist ein hervorragendes Beispiel für eine gutgemeinte Idee, die dann schlecht ausgeführt wurde. Das neue Stundenbuch ist merklich kürzer als das alte, man betet nicht mehr alle 150 Psalmen in einer Woche, sondern in vier Wochen, und man kann es in der Volkssprache feiern. Alles Dinge, die das Stundengebet zugänglicher machen sollten. Die Liturgiekonstitution schreibt sogar ausdrücklich
Sacrosanctum Concilium hat geschrieben:100. Die Seelsorger sollen darum bemüht sein, daß die Haupthoren, besonders die Vesper an Sonntagen und höheren Festen, in der Kirche gemeinsam gefeiert werden. Auch den Laien wird empfohlen, das Stundengebet zu verrichten, sei es mit den Priestern, sei es unter sich oder auch jeder einzelne allein.
Nun kann sich allerdings jeder denken, daß ein gemeinsames Sprechen der Psalmen nur wenig erbaulich ist, so daß sich dann natürlich der Gesang anbietet, vor allem beim feierlichen Stundengebet. Es hat allerdings bis 2009 gedauert, bevor auch nur der erste Band des Antiphonale Romanum für die Sonn- und Festtagsvesper fertig war, und dann nochmal mehrere Jahre, ehe der zweite Band für die Laudes auch fertig war. In den Volkssprachen gab es schon früher entsprechende Bücher, aber die offiziellen liturgischen Bücher sind fürchterlich teuer, und die Vespern im alten bzw. neuen Gotteslob passen nur teilweise zum Stundenbuch.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand sich in den Gottesdienstordnungen größerer Kirchen oft an jedem Sonn- und Feiertag eine feierliche Vesper. Heute muß man sie selbst in Kathedralkirchen suchen. In meiner Heimatdiözese hat interessanterweise das Metropolitankapitel beschlossen, die Vesper am Patronatsfest mit der vorausgehenden Erhebung des Liborischreins nach den alten Büchern zu feiern, also eine lateinische Pontifikalvesper vom Thron mit fünf Psalmen, Kapitel, Hymnus, Versikel, Magnifikat statt der neuen Vesper mit Hymnus, zwei Psalmen und einem Canticum, Lesung, Responsorium breve, Magnifikat.

Für das Thema dieses Strangs ist das allerdings vermutlich haarscharf an der Grenze zu „Thema verfehlt“; da ich selbst beteiligt bin, werde ich nicht darüber entscheiden, auf welcher Seite der Grenze wir uns befinden.
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philipp
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Re: 2 Fragen zum Priestertum

Beitrag von philipp »

warum ist es so wichtig dass geistliche so viel beten? sollte nicht viel wichitger sein, dass sie durch das lebendige Tun Gott und den Menschen dienen?
Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm (1. Joh. 4, 16)

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