Von Vogelschiß und Donnerseiche

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Robert Ketelhohn
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Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonntag 3. Juni 2018, 17:10

Als Vater von vier Kindern erlebe ich seit Jahren, wie den Heutigen das Bewußtsein eingeprägt wird, alle Geschichte und Kultur habe um 1945 bis 1950 ihren Anfang genommen. Davor steht nur, auf der tabula rasa präsentiert, der manichäische Mythus vom Kampf des 1789er Guten und des 1933-45er Bösen, welcher mit dem Sieg des Guten ausging, das seit dem fortschreitend Geschichte und Kultur emaniert, solange nur dem Bösen ein staatlicher Kultus, zu dessen Teilnahme alle verpflichtet werden, fortwährend Opfer bringt, es gleichsam zu besänftigen und fernezuhalten.

Es gibt Mythen und Opferkulte, welche, so irreal, ja irrsinnig sie sind, ein Volk gleichwohl stark machen können, weil es aus ihnen Identität, Kraft und Mut bezieht. (Sehr lehrreich berichtet etwa Augustin, was der alte Varro darüber zu sagen hatte – kleiner Lektüretip für Interessierte.) Der Pferdefuß unsres heutigen Kults besteht darin, daß er das Böse als das Eigene, das Gute dagegen als das stets Fremde feiert.

Daraus kann keine gesunde Identität, kann kein gesundes Volk gedeihen. Vielmehr stellt dieser Kultus eine perpetuierte religiöse Unterwerfungsgeste dar – faktisch gegenüber jenen, die von außen diesen Kultus oktroyiert haben.

Natürlich ist zusammen mit dem Kult auch eine eigene einheimische Priesterkaste eingesetzt worden, welche den Kult zelebriert, die Teilnahme aller am Opfer überwacht und Widerstrebende brandmarkt.

Genau dies ist jetzt wieder zu beobachten. Einer hat öffentlich zwar nicht einmal die Teilnahme am Opferkult verweigert, wohl aber ihm durch ganz säkulare Flapsigkeit die sakrale Maske von der Fratze gerissen. Sakrileg! Blasphemie! kreischen die Hohenpriester des bizarren Unterwerfungskults.

Der heilige Bonifatius hat seinerzeit bei Geismar die Donnerseiche umgehauen. Der Donnerschlag blieb aus, kein Mjǫllnir kam geflogen, allenfalls ein Vogelschiß. Wie die Hessen vom Donners- und Wodenskult befreit wurden, warten die Stelen des ungleich härter knechtenden Kults unserer Gegenwart ihrer Fällung.
http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 20333.html
http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 20603.html
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umusungu
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von umusungu » Sonntag 3. Juni 2018, 17:19

als Teil einer Familie mit vier Söhnen muss ich sagen: welch ein Unfug!

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Robert Ketelhohn
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonntag 3. Juni 2018, 17:30

umusungu hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 17:19
als Teil einer Familie mit vier Söhnen muss ich sagen: welch ein Unfug!
Wahrhaft stringente Argumentation.
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Niels
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Niels » Sonntag 3. Juni 2018, 17:47

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 17:30
umusungu hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 17:19
als Teil einer Familie mit vier Söhnen muss ich sagen: welch ein Unfug!
Wahrhaft stringente Argumentation.
:kugel:
Surrexit Christus spes mea

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Peti
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Peti » Sonntag 3. Juni 2018, 18:08

Auch wenn man einen Überblick über die gesammte deutsche Geschichte hat,
muss man sich nicht Gaulands Wortwahl bedienen.
Es leben noch sehr viele Menschen in unserem Land, deren Verwandte und Freunde
in dieser Zeit ermordet wurden.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

Caviteño
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Caviteño » Sonntag 3. Juni 2018, 18:27

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 17:30
umusungu hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 17:19
als Teil einer Familie mit vier Söhnen muss ich sagen: welch ein Unfug!
Wahrhaft stringente Argumentation.
Dafür ist umusungu doch bekannt - mehr als zwei Sätze braucht er selten... :D

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umusungu
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von umusungu » Sonntag 3. Juni 2018, 18:56

Caviteño hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 18:27
Dafür ist umusungu doch bekannt - mehr als zwei Sätze braucht er selten... :D
kann ja nicht jeder ein Romancier sein.

Lilaimmerdieselbe
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Sonntag 3. Juni 2018, 19:06

Ich habe zwar nur einen Sohn, kann aber schon der Bestandsaufnahme dieses Strangs nicht zustimmen. Mein Sohn hat erst zwei Jahre lang die Entwicklung deutscher Geschichte gelernt, bevor er lernte, wie diese unter den Nazis deformiert wurde.

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Raphael
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Raphael » Sonntag 3. Juni 2018, 19:36

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 17:10
Der heilige Bonifatius hat seinerzeit bei Geismar die Donnerseiche umgehauen. Der Donnerschlag blieb aus, kein Mjǫllnir kam geflogen, allenfalls ein Vogelschiß. Wie die Hessen vom Donners- und Wodenskult befreit wurden, warten die Stelen des ungleich härter knechtenden Kults unserer Gegenwart ihrer Fällung.
Wo denkst Du hin, Robert? :pfeif:

Heutzutage würde Bonifatius stante pede eingelocht, weil er gegen die Baumsatzung verstoßen hat und DAS ist bekanntlich Blasphemie in Reinkultur! :zirkusdirektor:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Robert Ketelhohn
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonntag 3. Juni 2018, 21:11

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 19:06
Ich habe zwar nur einen Sohn, kann aber schon der Bestandsaufnahme dieses Strangs nicht zustimmen. Mein Sohn hat erst zwei Jahre lang die Entwicklung deutscher Geschichte gelernt, bevor er lernte, wie diese unter den Nazis deformiert wurde.
Land? Schultyp?
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Sempre
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Sempre » Sonntag 3. Juni 2018, 23:56

Schöner Strangtitel und schöner Strang. Humorvoll. Angesichts von 12 Jahren Fremdenführerin in Berlin höchst erfrischend. Oder sind es gar schon mehr als 12?
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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ar26
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von ar26 » Montag 4. Juni 2018, 12:29

Peti hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 18:08
Auch wenn man einen Überblick über die gesammte deutsche Geschichte hat,
muss man sich nicht Gaulands Wortwahl bedienen.
Es leben noch sehr viele Menschen in unserem Land, deren Verwandte und Freunde
in dieser Zeit ermordet wurden.
Müssten die nicht eher dadurch gedemütigt sein, dass diese Vorgänge juristisch nur unzureichend aufgearbeitet worden sind als durch eine flapsige Formulierung? Adenauer hatte bekanntlich von Episode gesprochen und Globke zum Kanzleramtsminister gemacht. Ist das besser oder muss sich die Union hier distanzieren?
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

Petrus
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Petrus » Montag 4. Juni 2018, 12:48

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 21:11
Land? Schultyp?
hallo Robert,

gern antworte ich auf Deine Umfrage, was mich betrifft.

Land = Franken.
Schultyp = Oberrealschule.

p. s.

warum gibt es hier keine Serifenschriften mehr?

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Robert Ketelhohn
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 4. Juni 2018, 12:58

Petrus hat geschrieben:
Montag 4. Juni 2018, 12:48
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 21:11
Land? Schultyp?
hallo Robert,
gern antworte ich auf Deine Umfrage, was mich betrifft.
Land = Franken.
Schultyp = Oberrealschule.
Das war keine Umfrage, sondern bezog sich auf den Sohn Lilasimmerderselben …
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Petrus
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Petrus » Montag 4. Juni 2018, 13:04

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Montag 4. Juni 2018, 12:58
Petrus hat geschrieben:
Montag 4. Juni 2018, 12:48
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Sonntag 3. Juni 2018, 21:11
Land? Schultyp?
hallo Robert,
gern antworte ich auf Deine Umfrage, was mich betrifft.
Land = Franken.
Schultyp = Oberrealschule.
Das war keine Umfrage, sondern bezog sich auf den Sohn Lilasimmerderselben …

ah!

danke Dir.

Juergen
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Juergen » Montag 4. Juni 2018, 14:27

Petrus hat geschrieben:
Montag 4. Juni 2018, 12:48
warum gibt es hier keine Serifenschriften mehr?
Achwas‽ - Is ja komisch!
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Robert Ketelhohn
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 4. Juni 2018, 22:53

In den Bewertungen der Leserkommentare bei der FAZ ist das Verhältnis der Gauland-Verteidiger zu den Sakrileg!-Schreiern übrigens etwa 10:1.
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Siard
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Siard » Freitag 8. Juni 2018, 17:55

Deutschland schickt sich gerade an zu zeigen, daß sich Geschichte sehr wohl wiederholt.
Dieses Land und die Mehrheit dieses Bundestages (Schweigeminute für Susanna) lassen mich Claudia Roth und ihren "Aktivisten" zustimmen: Deutschland (der Staat Bundesrepublik) wird durch diese Gestalten zu einem miesen Stück, das zum Wohle Aller möglichst schnell verschwinden sollte. :heul:

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Sempre
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Re: Von Vogelschiß und Donnerseiche

Beitrag von Sempre » Mittwoch 18. Juli 2018, 04:57

Der Eingangsbeitrag war mal deutlich länger und wurde auch dem Strangtitel gerecht.

Schade eigentlich.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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