Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

Moderator: Hubertus

Isidor Matamoros
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Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Isidor Matamoros » Dienstag 6. Februar 2018, 11:50

Wir wollen die allbekannte Schriftstelle, da der Herr selbst dem Petrus die Schlüssel des Himmelreiches vermacht, hier eingangs nicht erörtern; auch nicht die Stellen in der Apostelgeschichte, da Petrus als erster dem Pfingststurm und der Herabkunft des Hl. Geistes zu den staunenden Menschen spricht, oder die Sichtweise der Apostel vor dem Hohen Rat verteidigt, sondern auf eine anderes, oft übersehenes Schriftzitat verweisen (Apg. 15.7):
Nachdem man nun viel disputiert hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: „Männer, Brüder, ihr wisset wohl, daß Gott von frühen Tagen an die Wahl unter euch getroffen hat, daß durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hören und glauben sollten;

Cum autem magna conquisitio fieret, surgens Petrus dixit ad eos: Viri fratres, vos scitis quoniam ab antiquis diebus Deus in nobis elegit, per os meum audire gentes verbum Evangelii et credere.

πολλῆς δὲ ζητήσεως γενομένης ἀναστὰς Πέτρος εἶπεν πρὸς αὐτούς, ἄνδρες ἀδελφοί, ὑμεῖς ἐπίστασθε ὅτι ἀφ' ἡμερῶν ἀρχαίων ἐν ὑμῖν ἐξελέξατο ὁ θεὸς διὰ τοῦ στόματός μου ἀκοῦσαι τὰ ἔθνη τὸν λόγον τοῦ εὐαγγελίου καὶ πιστεῦσαι:
Mag es auch in dieser Schriftstelle zuerst einmal nur darum gehen, daß er als erster die Heiden in die Kirche aufnahm und die anderen ihm sodann folgten, so bleibt immerhin der Umstand, daß hier wieder mal die herausragende Stellung Petri offenbat wurde, zumal er eben wiedermal der erste ist, der sich auch erhebt.

KOMMEN WIR ZU DEN DEUTLICHSTEN BEZEUGUNGEN DES RÖMISCHEN PRIMATES im ZWEITEN JAHRHUNDERT:
Die Zentralstellung der römischen Kirche, tritt im zweiten Jahrhundert mit solcher Klarheit hervor, daß selbst nichtkatholische Kirchenhistoriker von den Anfängen des römischen Primates im zweiten und seiner Konsolidierung im dritten Jahrhundert sprechen. Einem unparteiischen Geschichtsforscher ist es ja auch gar nicht möglich, in Abrede zu stellen, daß das Bewußtsein von dem Vorrang der römischen Kirche in der Christenheit des zweiten Jahrhunderts lebendig war, angesichts der Bemühungen von Gnostikern und Montanisten um ihre Anerkennung durch die römische Kirche sowie der autoritativen Maßnahmen universalen Charakters von römischen Bischöfen in Sachen des Montanismus und anläßlich der Osterstreitigkeiten.

Die erwähnten Historiker führen allerdings diesen Vorrang auf die Zentralstellung Roms als der Hauptstadt des römischen Reiches zurück; das ist aber eine, wenn nicht polemisch oder konfessionell orientierte, so doch subjektive Erklärung, die in den Quellen des zweiten Jahrhunderts keinen Rückhalt hat. Zu den angedeuteten Tatsachen treten die Äußerungen von zwei nicht-römischen Kirchenmännern hinzu, von denen die eine aus dem Anfang, die andere aus dem Ende des 2. Jahrhunderts stammt.

Die erste liegt in der Überschrift, die der Bischof Ignatius von Antiochien seinem Brief an die römische Kirche gab, und die folgenden Wortlaut hat: „Ignatius, der auch Gottesträger (Theophorus) heißt, an die Kirche, die Barmherzigkeit gefunden hat in der Größe des allerhöchsten Gottes und seines einzigen Sohnes Jesus Christus, die geliebte und erleuchtete im Willen dessen, der alles gewollt hat, was ist, gemäß der Liebe Jesu Christi, unseres Gottes, die den Vorsitz hat im Ländergebiet der Römer, die da ist gotteswürdig, ehrwürdig, der Seligpreisung würdig, lobeswürdig, des Erfolges würdig, der Heiligkeit würdig und Vorsteherin der Liebe, deren Gesetz Christus ist, die den Namen des Vaters führt, die ich auch herzlich liebe im Namen Jesu Christi, des Sohnes des Vaters, entbietet (ihren Mitgliedern), die nach Fleisch und Geist geeinigt sind in jedem. seiner Gebote und gereinigt von jeder fremden Farbe, viele Grüße in Jesus Christus."

Die Adressen der Briefe an die fünf kleinasiatischen Kirchen gehen allerdings auch über das gewöhnliche Formular weit hinaus; man braucht sie aber nur mit der an die römische Kirche zu vergleichen, um die Überzeugung zu ge-winnen, daß Ignatius diese unvergleichlich höher einschätzt als jene. Vor allen Lobsprüchen, mit denen er die römische überhäuft, hat ihre Bezeichnung als Vorsteherin der Liebe die Aufmerksamkeit der Interessenten auf sich gezogen; in ihrer Erklärung gehen sie aber weit auseinander. Ad. von Harnack hat darin nur die lobende Anerkennung der Liebestätigkeit der römischen Kirche vor anderen Gemeinden erblickt und das Wort „Vorsteherin" im Sinne von Schützerin, Patronin aufgefaßt. Diese Erklärung ist mit Sicherheit abzulehnen; denn der griechische Ausdruck für „Vorstehen" kommt in der Adresse zweimal vor und kann das zweite Mal keinen andern Sinn haben als das erste Mal. Hier bat er aber sicher nicht die von etlichen protestantischen Kirchenhistorikern vorgeschlagene Bedeutung, sondern die der kirchlichen Vorsteherschaft. Das beweist der Umstand, daß an der einzigen Stelle, an der derselbe griechische Ausdruck in den Ignatiusbriefen wiederkehrt (Magnes. c. 6, 1. 2), das kirchliche Vorsteheramt des Bischofs, der Presbyter und der Diakonen gemeint ist. In dem Brief an die Römer tritt das zweite Mal das Wort „Liebe" (Agape) als Objekt des Vorstehens hinzu. Da feststeht, daß Ignatius dem von ihm viel gebrauchten Ausdruck „Agape" verschiedene Sinne gibt, entsteht die schwierige Frage, was er an dieser Stelle von der römischen Kirche eigentlich aussagen wollte. Von der Annahme ausgehend, daß er an vier Stellen das Wort Liebe als Synonym für Einzelkirchen verwendet, hat man des öfteren die Übersetzung „Vorsteherin des Liebesbundes (= Gesamtkirche)" vorgeschlagen, die katholischerseits gang und gäbe geworden ist. Wenn man aber erwägt, daß in zwei von diesen Stellen (Philad. c. 11, 2; Smyrn. c. 12, 2) von der Liebe der Brüder in Troas, und an der dritten von der Liebe der Smyrnäer und Ephesier (Trall. 13, 1) die Rede ist, will diese Erklärung nicht recht befriedigen, weil sie Ignatius eine Tautologie zumutet. Die Brüder in Troas bilden ja die Kirchengemeinde von Troas, und unter den Smyrnäern und Ephesiern sind nicht die Bewohner dieser beiden Städte, sondern die Kirchengemeinden in denselben zu verstehen.

Die vierte Stelle in dem Brief an die Römer selbst: „Es grüßt euch mein Geist und die Liebe der Kirchen, die mich aufgenommen haben" (c. 9, 3), schließt die obige Erklärung m. E. direkt aus. Denn hier stehen die beiden Ausdrücke nebeneinander, und zwar der eine in Abhängigkeit von dem andern; sie können also nicht synonym sein. Viel ansprechender ist daher das Wort „Agape" an dieser Stelle weiter und zugleich tiefer zu fassen als Ausdruck für „die gesamte übernatürliche Wirklichkeit des von Christi Liebe entzündeten Lebens", und die Stelle dahin zu verstehen, daß Ignatius der römischen Kirche in dem, was das Wesen des Christentums ausmacht, die führende, maßgebende Autorität zuspricht. Wer aber diese Auffassung vertritt, darf sie nicht selbst dahin abschwächen und erweichen, als besage die Stelle, daß in der römischen Kirche das Christentum vorbildlich zur Erscheinung komme, daß ihr der Vorzug eigne, wie keine der übrigen Kirchen das Wesen des Christentums darzustellen und daß in dieser Reindarstellung des christlichen Wesens ihre führende, maßgebende Rolle beschlossen liege. Was eine voll und ganz befriedigende Erklärung dieser Stelle äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich macht, das ist die Eigenart der Denk- und Schreibweise des Ignatius selbst und die allzuschmale Grundlage, die seine Gelegenheitsbriefe dem Forscher bieten. Wie man aber auch die Verbindung beider Ausdrücke: Vorsteherin der Liebe, deuten mag, die Adresse des Briefes als Ganzes und Einzelheiten in demselben, der Hinweis auf die Belehrung anderer Kirchen (3, 1), die Bitte sich der Kirche in Syrien anzunehmen wie Christus und nach Art des Bischofs (9, 1) stellen außer Zweifel, daß Ignatius der römischen Kirche eine Stelle an der Spitze aller Kirchen zuweist, die ihr allein zukommt und die über ihre Liebestätigkeit hinaus in die Sphäre eines allgemeinen kirchlichen Vorsteheramtes hineinragt.


Die zweite Äußerung stammt von dem Bischof Irenäus und steht im Zusammenhang mit der von ihm gegen die gnostischen Schul- und Sektenhäupter aufgestellten dritten Regel. Im Anschluß an seine Aussage, er sei imstande, die von den Aposteln bestellten Bischöfe sowie ihre Nachfolger bis auf seine Zeit aufzuzählen, bemerkt er, es würde ihn zu weit führen, die Reihenfolge der Bischöfe aller Kirchengemeinden anzugeben; er beschränke sich daher auf die Bischofsliste der größten, ältesten, allbekannten, von den glorreichen Aposteln Petrus und Paulus gegründeten römischen Kirche, weil die Konstatierung ihres durch diese ununterbrochene Abfolge von der Zeit der Apostel bis zur Gegenwart überlieferten Glaubens genüge, um alle Häretiker zu widerlegen. Dann folgt die schwierige Stelle, die nicht im Urtexte vorliegt, sondern in einer alten lateinischen Übersetzung, die augenscheinlich sehr wortgetreu, aber gerade deswegen unklar ist. Ich übersetze sie dem Sinne nach folgendermaßen: „Denn mit dieser Kirche müssen infolge ihrer wirksameren Führerschaft alle (anderen) Kirchen allerorts übereinstimmen, da in ihr Christen aller Orte die apostolische Überlieferung unversehrt erhalten haben" (III 3, 2).

… so werden wir nur die apostolische Tradition und Glaubenspredigt der größten und ältesten und allbekannten Kirche, die von den beiden ruhmreichen Aposteln Petrus und Paulus zu Rom gegründet und gebaut ist, darlegen, wie sie durch die Nachfolge ihrer Bischöfe bis auf unsere Tage gekommen ist. So widerlegen wir alle, die wie auch immer aus Eigenliebe oder Ruhmsucht oder Blindheit oder Mißverstand Konventikel gründen. Mit der römischen Kirche nämlich muß wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen, d. h. die Gläubigen von allerwärts, denn in ihr ist immer die apostolische Tradition bewahrt von denen, die von allen Seiten kommen.
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel651-1.htm

MPG 007(1) Kol. 849; http://documentacatholicaomnia.eu/20vs/ ... us,_GM.pdf

Von einer Rechtfertigung dieser Übersetzung anderen gegenüber muß ich hier absehen, weil sie zuviel Raum beanspruchen würde. Wohl aber darf ich auf den Fehler aufmerksam machen, der gemacht wird, wenn das „Müssen", um mich kurz auszudrücken, im Sinne einer necessitas juris, statt einer necessitas facti gefaßt wird. Irenäus spricht nicht von einer Verpflichtung der übrigen Kirchen, mit der römischen im Glauben übereinzustimmen; er will vielmehr sagen, daß die Konstatierung ihres Glaubens zugleich die Feststellung des tatsächlich bestehenden Glaubens aller übrigen Kirchen bedeutet. Er argumentiert vom Boden der Tatsachen aus und mußte es tun, wenn er mit Erfolg seine These beweisen wollte, daß die Fabeleien der Gnostiker der apostolischen Tradition fremd seien.

Die ganze Stelle steht aber im Dienste dieses Beweises. Der letzte Satz spricht daher nicht direkt und unmittelbar den Primat der römischen Kirche aus; denn in dem Zusammenhang, in dem er steht, ist nicht die Rede von der Kirche und ihrer Verfassung, sondern von dem allen Einzelkirchen gemeinsamen, der Gnosis und ihren Spekulationen entgegengesetzten Glauben. Wenn er ihr aber der römischen Kirche eine wirksamere, geeignetere Führerschaft zuspricht als allen übrigen Kirchen, und wenn er hinzufügt, sie sei durch ihre bischöfliche Sukzession und ihre Lehre der vollgültige Beweis des lebendigmachenden Glaubens, so liegt darin die Anerkennung eines Vorranges der römischen Kirche, deren letzter und innerster Grund nur der Primat im dogmatischen Sinne des Wortes sein kann.
Eine wichtige Bekundung liefert uns noch der hl. Serapion von Antiochien, der direkte Nachfolger des hl. Theophilus in seiner Verwerfung des apokryphen Petrus-Evangeliums (MPG 5, Kol. 1374):
Nos enim, fratres, et Petrum et reliquos Apostolos, perinde ac Christum ipsum suscipimus. Sed quae nomen illorum falso inscriptum praeferunt, ea nos utpote gnari periti repudiamus ; quippe qui compertum habeamus, ea nos a majoribus minime accepisse.

Wir nämlich, Brüder, haben den Petrus und die übrigen Apostel gleich wie Christum selbst angenommen.

http://documentacatholicaomnia.eu/20vs/ ... ii,_GM.pdf
Es ist also vollkommen logisch, daß er, wie er weiter darlegt, aufgrund dieser hohen Wertschätzung nichts dem Petrus fälschlicherweise untergeschobenes annehmen kann.

Marienkind
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Re: Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Marienkind » Mittwoch 7. Februar 2018, 12:55

@Isidor Matamores

Der höchstwürdigste Herr Bischof Johann Nikolaus von Hontheim erarbeitete dies aus den Quellen aber ganz anders!

Danach war die Mehrheit der Kirchenväter der Meinung, daß Christus die Schlüsselgewalt der Gesamtkirche übergeben hat, welche diese durch Papst und Bischöfe ausüben lässt.

Die Gesamtheit der Gläubigen besitzt diese Gewalt zwar RADICALITER und PRINCIPALITER, die Prälaten jedoch USUALITER und USUFRUCTALITER.

Der Papst ist wohl der Kern der kirchlichen Einheit, aber den Bischöfen gegenüber nur PRIMUS INTER PARES: der Erste unter Gleichgestellten. Er hat ein Primat in, nicht jedoch auch über die Kirche.

Daher kann ein Papst ohne Zustimmung der Bischöfe weder Glaubensentscheidungen treffen, noch Irrlehren verwerfen, noch Anordnungen für die Kirche gesamthaft erlassen, und demzufolge auch keine Handlungen in Bezug auf die Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung einzelner Diözesen vornehmen.

Zweifelsfreie Belege für diese bis 1870 herrschende Meinung bringt der höchstwürdigste Herr Bischof von Hontheim zu Hauf.

.

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Raphael
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Re: Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Raphael » Mittwoch 7. Februar 2018, 13:04

Marienkind hat geschrieben:
Mittwoch 7. Februar 2018, 12:55
Der höchstwürdigste Herr Bischof Johann Nikolaus von Hontheim erarbeitete dies aus den Quellen aber ganz anders!


Damit stellt er sich in die Tradition des errare humanum est! :pfeif:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Lycobates
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Re: Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Lycobates » Mittwoch 7. Februar 2018, 13:07

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 7. Februar 2018, 13:04
Marienkind hat geschrieben:
Mittwoch 7. Februar 2018, 12:55
Der höchstwürdigste Herr Bischof Johann Nikolaus von Hontheim erarbeitete dies aus den Quellen aber ganz anders!
Damit stellt er sich in die Tradition des errare humanum est! :pfeif:
und des perseverare diabolicum ...
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Isidor Matamoros
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Re: Febroniasmus

Beitrag von Isidor Matamoros » Mittwoch 7. Februar 2018, 13:29

Lycobates hat geschrieben:
Mittwoch 7. Februar 2018, 13:07
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 7. Februar 2018, 13:04
Marienkind hat geschrieben:
Mittwoch 7. Februar 2018, 12:55
Der höchstwürdigste Herr Bischof Johann Nikolaus von Hontheim erarbeitete dies aus den Quellen aber ganz anders!
Damit stellt er sich in die Tradition des errare humanum est! :pfeif:
und des perseverare diabolicum ...
Ja, liebes Marienkind, wer ist denn dieser Bischof von Hontheim?

War der das nicht der berüchtigte "Justinus Febronius", oder unter welchem Synonym schrieb er noch? Waren nicht seine Bücher auf dem Index? Ich will hier nicht Eulen nach Athen tragen, aber das I. vatikanische Konzil läßt bezüglich der Tatsache, daß Kathedralentscheidungen des Papstes aus sich und nicht aufgrund der Zustimmung der Gesamtkirche wirksam sind, keine Zweifel aufkommen.

Weitere Zeugnisse zum Primat, z.B. in alt-syrischen Schriften finden Sie in extenso hier:

https://archive.org/stream/traditionofs ... /mode/2up

Isidor Matamoros
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Cyprian von Karthago († 258) - Über die Einheit der katholischen Kirche (De catholicae ecclesiae unitate)

Beitrag von Isidor Matamoros » Mittwoch 7. Februar 2018, 14:44

Teil 1

http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2074.htm ... C2%A3Petri

Kap. 4. Die Einheit der Kirche findet neben anderen Bibelstellen ihren klarsten Ausdruck in den Worten, mit denen der Herr Petrus und den Aposteln ihre besondere Stellung zuwies
Erwägt und prüft man dies, so bedarf es nicht erst noch einer langen Abhandlung und vieler Beweise. Die Beweisführung vermag leicht zu überzeugen schon bei kurzer Zusammenfassung der Wahrheit. Der Herr spricht zu Petrus die Worte: "Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich bauen meine Kirche, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; und was du binden wirst auf Erden, wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du lösen wirst auf Erden, wird auch im Himmel gelöst sein" . Auf e i n e n baut er die Kirche, und obwohl er den Aposteln allen nach seiner Auferstehung gleiche Gewalt erteilt und sagt: "Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch. Empfanget den Heiligen Geistt. Wenn ihr einem die Sünden erlasset, so werden sie ihm erlassen werden; wenn ihr sie einem behaltet, so werden sie ihm behalten werden" , so hat er dennoch, um die Einheit deutlich hervorzuheben, durch sein Machtwort es so gefügt, daß der Ursprung eben dieser Einheit von e i n e m sich herleitet. Gewiß waren auch die übrigen Apostel das, was Petrus gewesen ist, mit dem gleichen Anteil an Ehre und an Macht ausgestattet, aber der Anfang geht von der Einheit aus, damit die Kirche Christi als e i n e erwiesen werde. Auf diese eine Kirche weist auch im Hohen Liede der Heilige Geist hin aus der Person des Herrn heraus und sagt: "E i n e ist meine Taube, meine Vollkommene, sie ist die einzige ihrer Mutter, die Auserwählte ihrer Gebärerin" . Wer an dieser Einheit der Kirche nicht festhält, vermeint der an dem Glauben festzuhalten? Wer der Kirche widerstrebt und sich widersetzt, ist der noch überzeugt, innerhalb der Kirche zu stehen? Lehrt doch auch der selige Apostel Paulus das gleiche, indem er auf das heilige Geheimnis der Einheit hinweist mit den Worten: "Ein Leib und e i n Geist, e i n e Hoffnung eurer Berufung, e i n Herr, e i n Glaube, e i n e Taufe, e i n Gott" .

Isidor Matamoros
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Re: Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Isidor Matamoros » Mittwoch 7. Februar 2018, 15:58

Marienkind hat geschrieben:[...]
Lies doch erst einmal die syrischen Zeugnisse. Febroniasmus als Quelle ist ein wenig dünn.
Zuletzt geändert von Hubertus am Montag 12. Februar 2018, 07:36, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Obsolet gewordene Inhalte entfernt.

Isidor Matamoros
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Aus dem Brief des Klemens von Rom (+ um 100) an die Korinther

Beitrag von Isidor Matamoros » Mittwoch 7. Februar 2018, 20:24

Der Brief gehört nicht dem Bereich den pseudo-isidorischen Fälschungen an, wie wir mit einem Schuß Selbstironie im Hinblick auf unseren Namen sagen. Der ganze Brief ist im Duktus dem Hebräerbrief sehr ähnlich, weswegen Eusebius in seiner Kirchengeschichte den Klemens für den Autor beider Briefe hält, oder mindestens gibt der Klemens eine führende Rolle bei der Abfassung des Hebräerbriefes.
Zum Kontext:

in Korinth kam es zu Streitigkeiten, welche zu wilder Absetzung, oder sagen wir Vertreibung von Priestern führten. Dem Tritt Klemens energisch entgegen und sendet mit sanftem Druck seine Visitatoren und Legaten und will offensichtlich trotz seiner guten Umgangsformen nicht mißverstanden werden:
63. Kap. Erneute Mahnung und Einführung der römischen Gesandten

http://www.unifr.ch/bkv/kapitel4-63.htm

1. Daher ist es am Platze, dass wir solchen und so vielen Vorbildern uns anschließen, den Nacken beugen und die Pflicht des Gehorsams erfüllen, auf dass wir von dem nutzlosen Streite ablassen und dem uns in Wahrheit vorgesteckten Ziele ohne Tadel zueilen. 2. Ihr werdet uns Freude und Vergnügen bereiten, wenn ihr, gehorsam gegen das, was wir durch den Heiligen Geist (geleitet) geschrieben haben, den sündhaften Zorn eurer Erbitterung ableget, entsprechend der Mahnung, die wir euch über Frieden und Eintracht in diesem Briefe gegeben haben. 3. Wir haben euch zuverlässige und verständige Männer geschickt, die von Jugend auf bis in ihr Alter einen tadellosen Wandel unter uns geführt haben, diese sollen auch Zeugen zwischen euch und uns sein. 4. Dies haben wir getan, damit ihr einsehet, dass wir jede Sorgfalt angewendet haben und anwenden, damit ihr in Bälde den Weg zum Frieden findet.

65. Kap. Anordnungen über den Gang der Verhandlungen und Segen.

1. Unsere Abgesandten Klaudius Ephebus, Valerius Biton und Fortunatus schicket uns bald und in Frieden mit Freuden zurück, damit sie recht schnell Kunde bringen, dass der von uns sehnlichst erwünschte Friede und die Eintracht hergestellt sei, auf dass auch wir uns schneller freuen können über eure wohlgeordneten Verhältnisse.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch und überall mit allen, die berufen sind von Gott und durch ihn, durch den ihm Ruhm, Ehre, Stärke und Verherrlichung, ewige Herrschaft sei von Ewigkeit in alle Ewigkeit. Amen.

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Re: Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Marienkind » Donnerstag 8. Februar 2018, 10:53

Isidor Matamoros hat geschrieben:Lies doch erst einmal die syrischen Zeugnisse. Febroniasmus als Quelle ist ein wenig dünn.
:) Danke für den Ratschlag.
Ich sehe indessen überhaupt keinen Grund, mich vom Mainstream der akademischen Kirchengeschichte und Kanonistik abzukoppeln.

Im übrigen vertraue ich voll auf Augustinus, Bossuet, Petrus de Marca, van Espen, Febron und andere Wissenschaftler in Bezug auf diesem Lehrgegenstand.

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Re: Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Marion » Donnerstag 8. Februar 2018, 14:48

Marienkind hat geschrieben:
Donnerstag 8. Februar 2018, 10:53
Im übrigen vertraue ich voll auf Augustinus, ... in Bezug auf diesem Lehrgegenstand.
Sehr schön!
Zitate vom hl. Augustinus
Zählet alle die Oberpriester vom Stuhle Petri der Ordnung nach, und sehet, wer und wem jeder Nachfolge; das ist jener Fels, den die stolzen Pforten der Hölle nicht zu überwältigen vermögen.
Die Entscheidung zweier Concilien berichtete man schon an den hl. Stuhl, - es erfolgte auch ein Antwortschreiben hierauf, der Streit hat ein Ende.
Durch die Briefe, die wir von Innozenz erhielten, ist nun aller Zweifel, der früher in dieser Sache obwaltete, verschwunden.
In dem Bekenntnisse des apostolischen Stuhles ist der katholische Glaube so alt und fest begründet, so sicher und klar, daß es eine Gottlosigkeit wäre, an demselben zu zweifeln.
In der katholischen Kirche halte ich mich an den Stuhl des hl. Petrus selbst; denn ihm übergab der Herr nach seiner Auferstehung seine Schafe zu weiden; - und die Nachfolge der Oberhirten besteht fort und fort bis auf den gegenwärtigen Papst.
In diesem Beitrag gibt es sie auch auf Latein und mit Quellenangabe: http://kreuzgang.org/viewtopic.php?p=428280#p428280
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

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Re: Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Kirchenjahr » Donnerstag 8. Februar 2018, 21:42

@ Marion

Und hier werden die Zitate des hl. Augustinus wohlwollend in den Kontxt gesetzt:

http://kreuzgang.org/viewtopic.php?f=4& ... 24#p429547

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Re: Frühe Zeugnisse des römischen Primates

Beitrag von Marion » Donnerstag 8. Februar 2018, 22:56

Es ist interessant den Strang weiterzulesen, da hast du Recht. Also auch nicht aufzuhören nach dem von dir verlinkten Beitrag.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

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