Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 30. November 2016, 12:06

Schweizerische Nationalbank verteidigt Negativzinsen

und die Folgen:
Bereits im Sommer war bekannt geworden, daß immer mehr Schweizer Unternehmen ihr Bargeld in Tresoren lagern, um Negativzinsen bei Banken zu umgehen. „Aufgrund des tiefen Zinsniveaus stellen wir eine höhere Nachfrage nach Versicherungslösungen für das Einlagern von Bargeld fest“, sagte Philipp Surholt, zuständig für Schweizer Großkunden bei der Versicherung Zurich, Ende August dem Schweizer Tagesanzeiger.
Ähnlich hätten sich auch Mitarbeiter der Axa-Winterthur und der Helvetia-Versicherungen geäußert. Letztere verzeichne „vermehrte Anfragen von Kunden, die Bargeld in ihrem eigenen Bankschließfach aufbewahren wollen“. Während Privatkunden von der Belastung durch Negativzinsen nicht direkt betroffen seien, spürten dies Großkonzerne sehr wohl.
(...)
Erstaunlich hoch seien die angefragten Versicherungssummen, sagte Surholt. Sie bewegten sich zwischen 100 und 500 Millionen Franken (rund 93 und 465 Millionen Euro).
Das Geld würde „bei professionellen Anbietern von Tresorräumen und Lagerstätten“ aufbewahrt. Hierfür würden auch frühere Armeebunker genutzt.
Aufgrund der starken Stellung des Stimmvolkes in der Schweiz dürfte die SNB kaum an eine Abschaffung des Bargeldes oder des 1.000-Franken-Scheines denken. Die entsprechende Volksabstimmung würde sie wohl krachend verlieren.

In Indien konnte man jetzt sehen, was passiert, wenn plötzlich die Geldscheine mit der höchsten Denomination über nicht für ungültig erklärt werden und bei den Banken umgetauscht werden müssen. Chaos pur und die Leidtragenden sind die Armen, die kein Bankkonto haben und ihre Ersparnisse horten.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 30. Dezember 2016, 19:53

„2017 wird ein schlimmes Jahr für Sparer“
von ifo-Chef Clemens Fuest
„Es könnte das allerschlechteste Jahr für Kleinsparer seit langem werden“, sagte Clemens Fuest der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Schuld daran sei die steigende Inflation, die in Deutschland auf 1,5 Prozent zulegen werde, während die Zinsen weit darunter blieben. „Das heißt, das Vermögen der Bürger wird so stark wie lange nicht mehr entwertet.“
Der Preis des Euros und der vollkommen verfehlten "Rettungs"politik durch die Kanzlerin. Es sind ja nicht nur die Sparer, die leiden. Jede Lebensversicherung oder Betriebsrente ist betroffen. Aber das wird in den Medien kaum thematisiert....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 21. Februar 2017, 12:55

Trump wirft der Eurozone und speziell D. Währungsmanipulation vor und auch in den osteuropäischen Staaten, Zulieferer für die deutsche Exportindustrie, regt sich der Widerstand. Weil die interne Abwertung in GR & Co nicht funktioniert, will die EZB jetzt die Inflationsrate erhöhen. Die neue Marke ist - wie bisher - 2% - aber als Mittelwert über einen längeren Zeitraum. Da die Inflation in der Vergangenheit aber bei Null lag, tlw. negativ war, ergäbe sich ein jetzt ein Spitzenwert von 4%, um den angepeilten Mittelwert zu erreichen.
Der Euro als Einheitswährung überdeckt die unterschiedliche Leistungsfähigkeit: unterschiedlich hohe Lohnniveaus, unterschiedliche Produktivität und Infrastruktur. Gemessen daran müssten Länder wie Griechenland und Italien abwerten, die Deutschen aufwerten. Weil dies im Euroraum nicht geschieht, panzern deutsche Exporteure ihre europäische Konkurrenz nieder. Selbst brutalstmögliche Lohnsenkungen in diesen Ländern würden der Wirtschaft nicht mehr aufhelfen – so schnell kann man Fabriken nicht aufbauen, wie sie mit dem Eurosprengstoff weggeschossen werden.
Das ist der Grund, warum der griechische Joghurt im Supermarktregal aus dem Allgäu stammt und nicht vom Peloponnes: Es gibt in Griechenland die modernen Großagrarier mit Massenviehställen und den Produktionsverbund mit hocheffizienten Molkereien gar nicht, die mit elektronischen Signalen bis zur letzten Kuh, Futterstelle und Melkmaschine die Milchproduktion nach Absatzlage steuern.
(...)
Europa spielt dabei eine wichtige Rolle: Tschechien, die Slowakei und Polen sind heute billige Zulieferer für Deutschlands Endmontage und das wertsteigende Label „Made in Germany“. Audis Motoren werden günstig in Győr, Ungarn, gefertigt; Skoda-Ingenieure kassieren nur ein Drittel von dem, was vergleichbar gut ausgebildete VW-Werker in Wolfsburg verdienen, und das in völlig vereinheitlichten, weltweit normierten Fabriken gleicher Produktivität: Im Supermarkt in Prag aber gelten Europreise, sogar höher als in Deutschland, und im Zweifel ist es eine Filiale von Lidl oder Aldi.
Es klingt nicht freundlich – aber mit dem Euro hat sich Deutschland sein Großdeutsches Wirtschaftsreich wiedergeholt. Natürlich gehört mehr dazu – effiziente Fabriken, glänzende Ingenieurkunst, divers verbrämtes, aber erbarmungsloses Management, Technik und Innovation: Die vielen Cluster aus Unis, Fraunhofer-Instituten und damit verbundenen Mittelständlern liefern den Rohstoff, der mit dem Einheitseuro zur Blitzkriegswaffe wird.
Man darf die wachsende Wut in Osteuropa nicht unterschätzen: Schaffen für die Deutschen, Einkaufen teurer als die Deutschen und bei den Deutschen, aber Verdienen so dreckig wie ein Pole eben oder ein Tscheche – dies erklärt, warum die Osteuropäer nicht bei Merkels „Flüchtlingspolitik“ mitmachen wollen. Es ist nicht „Rassismus“ – sie wollen nicht auch noch zum Asylantenheim für die Migranten werden, die germanischen „Gutmenschen“ das Herz wärmen.
(...)
Wenn die Inflation eine Reihe von Jahren unter zwei Prozent lag, dann dürfte sie genau so lang auch über zwei Prozent liegen, erklärte praktisch unbeachtet von der Öffentlichkeit das EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen. Seine Rechnung: Da in den vergangenen Jahren die Inflationsrate bei 0,2 Prozent lag, also 1,8 Prozent unterhalb der magischen Zweiergrenze, dürfe sie danach genauso lang auch auf 3,8 Prozent steigen, oder eben vier Prozent für einige Zeit. Liikanen steht mit dieser Meinung nicht allein. EZB-Präsident-Draghi bestätigte, dass die zwei Prozent „over the medium term“, also im Durchschnitt, erreicht werden müssten. Wenn die Inflation längere Zeit unter der Grenze verharrt habe, müsse sie schon aus logischen Gründen ähnlich lange auch darüber liegen dürfen. Die Vier lässt grüßen, sie wird rhetorisch langsam vorbereitet. Wenn sie kommt, sind die Deutschen die Dummen, weil sie wieder nichts gemerkt haben.
(...)
Damit steht der Fahrplan für die nächste Große Koalition schon fest: Während die CDU bei Steuersenkungen wenigstens zurückhaltend ist, gibt die SPD Gas – und wird sich durchsetzen. Der Karren schleudert nach links, hin zu einem Staat, der bald weit über 50 Prozent der Wirtschaftsleistung für sich beansprucht und trotz der ungeheuren Geldschwemme doch Straßen und Brücken verfallen lässt, Schulen vergammeln und die innere wie äußere Sicherheit verludern. Noch nie in der Geschichte Deutschlands zeichnete sich eine derart brutale Ausweitung der staatlichen Verarmungsstrategie ab.
Was uns arm macht - Wie Inflation vorbereitet wird

Deutliche Worte - allerdings hat der Autor die Hoffnung wohl aufgegeben, daß die sich aufdrängende Lösungsmöglichkeit - die Abschaffung der Zwangswährung Euro - Wirklichkeit wird. Welche Verluste sind höher: der Verlust der gegebenen Kredite und Target-Forderungen oder die Entwertung der Altersversorgung und der Sparguthaben? :hmm:

Solange niemand der Politik in den Arm fällt, wird sie weiter auf den Erhalt der Eurozone setzen- auch unter Inkaufnahme einer höheren Inflation. Schließlich gehört der Staat mit seinen Schulden zu den Gewinnern. Da kann man nur hoffen, daß in einem großen Euroland die Bevölkerung die Reißleine zieht und den Ausstieg beschließt. Grillo und Le Pen haben entsprechende Referenden versprochen.....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 3. März 2017, 01:45

Euro und Inflation - „Bewegliche Ziele“ - Es geht nur um die Rettung der EU
Das ganze Wirtschaftssystem, allen voran die Staaten, ist in den letzten Jahren an ein Niedrig- bis Nullzins-Klima gewöhnt worden. Legt man ein „normales“ Zinsniveau von vier Prozent zugrunde, sparte beispielsweise Deutschland auf diese Weise allein 2016 47 Milliarden Euro (Quelle: Bundesbank), die bei ansteigenden Zinsen nicht länger zur Verfügung stünden. Für den Zeitraum von 2009 bis 2016 kommt die Bundesbank auf die Summe von 240 Milliarden. Auch wenn die Zinsen nicht enorm stiegen, wäre ein fettes Minus in sämtlichen europäischen Staatshaushalten sicher.
(...)
Die durch und durch ideologische Konstruktion Euro darf nach real 15, gefühlt 50 Jahren Durchhalteparolen nicht scheitern. Dass die herbeigebetete Homogenität der europäischen Volkswirtschaften geringer ist, als sie es in der Zeit nationaler Währungsregime je war, darf nicht zur Debatte stehen. Dass das Euro-System eine reine Umverteilungs- und Entwertungsmaschine zugunsten der Banken und Staaten geworden ist, ebenso wenig. Oder anders gesagt: Ohne die QE- und Niedrigzins-Politik der EZB wäre das Euro-Schuldgeldsystem längst gegen die Wand gefahren
(...)
Für uns heißt das: Die Geldverschlechterung geht weiter. Es ist die neue „Stabilität“ – schließlich ließen uns SNB-Jordan und EZB-Draghi fast zeitgleich wissen, an der Sache mit der Währungsmanipulation sei nichts, aber auch gar nichts dran – das „wirke nur so“. Wir Normalsterblichen sind allerdings besser beraten, uns darauf gefasst zu machen, dass jedwedes „bewegliche Ziel“ allzu beweglich und die Inflation außer Kontrolle geraten könnte. Dann nämlich, wenn sie aus den Vermögenswerten, die sich ein großer Teil der Mittelschicht als Absicherung längst nicht mehr leisten kann und wo sie schon heute rumtrabt, auf die Konsumentenpreise überspringt und partout nicht auf das Zentralbanker-Stopp-Signal achten will. Aber darum geht’s ja längst nicht mehr – weder um Inflationsziele, noch um Obergrenzen oder irgendwelche Korridore. Es geht um die Rettung des zur Ideologie verkommenen Polit-Monsters EU. Nicht mehr und nicht weniger.
Vor der Inflation hat auch Prof. Sinn gewarnt. Er befürchtet, daß die EZB auch bei einer Inflationsrate von 4% nicht tätig werden wird, weil es auf den Durchschnittswert eines mittelfristigen Zeitraums ankomme. Aufgrund der vergangenen Jahre, in denen es kaum eine Geldentwertung gab, müsse diese nun naturgemäß höher sein, um den Zielwert 2% im mittelfristigen Bereich zu erreichen.

Eine Zinserhöhung kann es im Euroraum nicht geben, weil dann - vor allem den Südstaaten - die Haushalte um die Ohren fliegen würden. Außerdem würde aufgrund des Devisenzuflusses der Euro aufwerten. Das hätte entsprechend negative Folgen für die Exporte der heute schon kaum wettbewerbsfähigen Südländer. Wir dürfen uns daher auf eine lange Zeit niedrigster, möglicherweise sogar negativer Zinsen einrichten. Der erste Finanzdienstleister hat inzwischen negative Zinsen für alle Kunden und jede Kontohöhe eingeführt:
Der Finanzdienstleister Fintech Group belastet Kunden seiner Online-Wertpapierhandelsbank Flatex mit Strafzinsen. „Wir führen zum 15. März einen Negativzins von 0,4 Prozent für all unsere Kunden ein“, sagte Frank Niehage, Vorstandschef der Fintech Group, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. „Das gilt unabhängig davon, wie viel Einlagen sie bei Flatex haben.“
Grund ist die Niedrigzinspolitik der EZB, die Banken Strafzinsen von minus 0,4 Prozent für gehortete Gelder bei der Notenbank in Rechnung stellt. Daher haben bereits manche Banken Negativzinsen für Privatkunden mit meist hohen Einlagen eingeführt.
Bei Kundeneinlagen von über einer Milliarde Euro müsse Flatex die Kosten der EZB-Politik weitergeben, sagte Niehage. „Bei durchschnittlich rund 10.000 Euro Einlagen je Kunde verursacht das Kosten von 10 Euro im Quartal“.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 65308.html

Ich bin gespannt, ob nach der BTW weitere Banken an dieser Schraube drehen werden. Wahrscheinlich wird ihnen nichts anderes übrig bleiben.....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 14. März 2017, 10:47

Das Thema ist inzwischen aus den Medien verschwunden, trotzdem ist es nicht gelöst. Gedanken zur Bankenrettung in IT:

Die europäischen Partner beugen das Recht und werden es weiter tun
Zur Erinnerung: Deutschland hatte sich lange gegen die Bankenunion gesträubt, die letztlich auf eine Sozialisierung der Risiken und Verluste von Banken hinausläuft und das Anzapfen des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) ermöglicht, und wollte gesetzlich in Form einer europäischen Abwicklungsrichtlinie (Bank Recovery and Resolution Directive, kurz BRRD) verankert wissen, dass vor dem Anzapfen des ESM zuerst die Anteilseigner und Gläubiger einer Pleitebank herangezogen werden („Bail-in“). Die Verluste treffen dann zuerst diejenigen, die in die Bank investiert hatten, statt unbeteiligte Steuerzahler.
(...)
Das deutsche Interesse an der Bailin-Option kam nicht von ungefähr. Denn ein Bail-out bekommt auf europäischer Ebene eine pikante Note. Zapft beispielsweise Griechenland den ESM an, um seine Banken zu rekapitalisieren, dann haften indirekt die deutschen Steuerzahler für die Misswirtschaft griechischer Finanzinstitute. Mit der Abwicklungsrichtlinie BRRD wollte die deutsche Politik verhindern, dass deutsche Steuerzahler zur Sanierung von Banken in den Südstaaten der EU belangt werden können.
(...)
Nach dem Verletzen der Maastricht-Regeln, des Fiskalpakts und des Verbots der Staatsfinanzierung durch die EZB kommt es mit der italienischen Entscheidung vom Dezember 2016 also erneut zu einem Rechtsbruch – und das, bevor die Tinte auf dem Papier der Abwicklungsrichtlinie richtig getrocknet ist. Und wieder bekommt die deutsche Europapolitik die Quittung für ihre Blauäugigkeit. Die deutsche Regierung ist offenbar wider besseres Wissen noch immer der Meinung, sie habe es bei den entsprechenden Verhandlungen mit sich treu an Verträge haltenden Partnern zu tun – die in Wirklichkeit aber unverfroren opportunistisch geltendes Recht beugen und brechen, wenn und so oft sie wollen.
Die deutsche Politik ließ sich auf die Bankenunion und das Bereitstellen von ESM-Geldern als letzte Option ein, weil sie davon ausgehen wollte, dass sich alle an die Abwicklungsregeln halten würden. Einigen europäischen Regierungen sind aber die Interessen ihrer Wähler stets wichtiger als Verträge.
(...)
Das Vorgehen Roms bedeutet das Ende des Bail-in-Prinzips in der EU. Banken können weiterhin darauf vertrauen, dass ihre Risiken im Notfall von europäischen Steuerzahlern, Sparern und Geldnutzern übernommen werden. Der Versuch, marktwirtschaftliche Prinzipien im Finanzsektor einzuführen, ist gescheitert. Neue Krisen sind programmiert.
Die Beträge, die ital. Staat zur Bankenstützung braucht, werden nicht etwa durch Steuererhöhungen oder Haushaltskürzungen bereitgestellt. Die ital. Lösung ist viel, viel einfacher:
Wenn Rom 20 Milliarden Euro zu Sanierung des italienischen Bankensystems bereitstellt, dann zahlen das nicht die Italiener in Form einer Steuererhöhung. Die italienische Regierung gibt stattdessen neue Staatsanleihen im Wert von 20 Milliarden Euro aus, die sie an ihren Landsmann, den EZB-Präsidenten Mario Draghi, verkauft – der seinerseits für den Ankauf neues Geld schafft. Auf diese Weise rettet Rom die italienischen Banken, die ihrerseits in italienischen Staatspapieren investiert sind.
Heute benötigen die regierenden Politiker in Rom nicht mehr den ESM, um die italienischen Banken aufzupäppeln – Nullzinsen und EZB-Staatsanleihenkäufe haben dafür gesorgt. Die deutsche Politik hat sich hier gründlich und fatal verrechnet. Sie hatte nicht bedacht, dass die EZB in die Staatsfinanzierung einsteigen und so den ESM überflüssig machen würde. Diese politische Fehleinschätzung bezahlen die Sparer und Geldnutzer teuer. Sparanlagen werfen immer weniger ab. Der Wert des Euros fällt.
Wenn dann "Hilfs-" oder "Rettungskredite" über den ESM an IT vergeben werden, hat man die Rechnung dort, wo man sie immer haben wollte: In D. und in den anderen nordeuropäischen Ländern.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 31. März 2017, 09:04

Einige (genau 43) Sparkassen verlangen jetzt eine Gebühr für das Abheben von Bargeld (auch am Automaten)

Erste Sparkassenkunden zahlen fürs Geldabheben

Eine Folge der Niedrigzinsen, die von der EZB "whatever it takes" durchgesetzt werden. Die deutschen Bankkunden zahlen für den Euro und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht:

Negativzinsen für alle
Das Ende der in Deutschland bislang noch kostenlosen Bargeldversorgung innerhalb bestimmter Bankengruppen – Sparkassen, VR-Banken, private Banken – dürfte damit eingeläutet sein. Denn die Sparkassen sind Marktführer, sie setzten damit die Standards. Weitere Zumutungen dürften bald folgen.
Ein beabsichtiger(?) Nebeneffekt: Wenn weniger Bargeld abgehoben wird, weil Gebühren anfallen, wird mehr bargeldlos bezahlt. Die Bedeutung des Bargelds schwindet - und damit wird die Abschaffung immer schneller zu einem "natürlichen" Prozeß. Was nicht genutzt wird, benötigt man auch nicht und das kann abgeschafft werden.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 19. April 2017, 12:56

Zu den Wahlen in F. und der weiteren Zukunft des Euros ein lesenswerter Artikel von Daniel Stelter im Cicero:

Volksfront gegen den Euro

Sollte Macron die Wahl gewinnen, würde dies - wie Stelter schreibt - zu Unrecht eine Erleicherung auslösen.
Zwar wäre die unmittelbare Gefahr für das europäische Projekt abgewendet. Angesichts von fast 50 Prozent Franzosen, die eine Anti-EU- und Anti-Euro Haltung unterstützen, dürfte es dem parteilosen Macron aber sehr schwer fallen, in dem ohnehin reformunfähigen Land die erforderlichen Schritte durchzusetzen. Viel wahrscheinlicher sind fünf weitere Jahre ohne großen Fortschritt an deren Ende die Wahlchancen der Extremen noch höher liegen als heute.
Es stimmt schon: Bei den ganzen Jubelrufen - vor allem in der deutschen Presse, wenn ein "rechter" Kandidat "geschlagen" wurde - wird vergessen, daß die Probleme nicht gelöst sind. In den NL konnte Rutte die Wahl nur gewinnen, weil er die Forderungen von Wilders übernahm. Man darf gespannt sein, wie seine künftige Regierungspolitik aussieht. In Österreich wurde zwar ein Gründer Bundespräsident - trotzdem fährt das Land einen verschärften Asylkurs.

Stelter weist darauf hin, daß in F. fast die Hälfte der Bevölkerung gegen den Euro seien und zwar im linken und im rechten Parteienspektrum. Le Pen und Jean-Luc Mélenchon sei eine anti-deutsche und eine anti-amerikanische Haltung gemeinsam. Beide sähen das Wohl in steigenden Staatsausgaben, mehr Protektionismus und Finanzierung durch die Notenbank. Wie entspricht das den Vereinbarungen des Maastrichtvertrages, der Schuldenbremse und den zahllosen Bekenntnissen zum Freihandel?

Ähnlich sieht es in IT aus, dort wirbt die Opposition geschlossen für einen Euro-Austritt. Auch hier einen sich linke und rechte Parteien im Kampf gegen den Euro.

Das Szenario im Falle eines Sieges von Le Pen oder Mélenchon sieht Stelter düster - aber realistisch:
Es käme zu einer massiven Kapitalflucht aus Frankreich. Das Bankensystem könnte nur durch Notkredite der EZB stabilisiert werden. Die Target II-Forderungen der Bundesbank, ohnehin wegen der bereits laufenden Kapitalflucht vor allem aus Italien auf einem Rekordniveau von 830 Milliarden Euro, würden innerhalb weniger Tage die 1000-Milliarden-Grenze überschreiten. Nur durch sofortige Kapitalverkehrskontrollen ließe sich die Kernschmelze des Finanzsystems stoppen. Damit aber wäre die Eurozone faktisch am Ende.
Grund ist die "Bunkermentalität" der politischen Entscheidungsträger. Der Euro wurde gegen den Rat der Ökonomen durchgedrückt und hat statt Wohlstand den Südländern steigende Arbeitslosigkeit beschert. Niemand hat jetzt den Mut, das Projekt abzublasen - zumal die Kosten hoch und dem Steuerzahler zu erklären wäre, das er von Regierung und Parlament die letzten sieben Jahre nur angelogen wurde.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Niels » Sonnabend 29. April 2017, 10:36

"Bisher haben lediglich Verschwoerungstheoretiker und Notenbankkritiker das Geldsytem in Frage gestellt. Jetzt jedoch beschäftigt sich auch die Bundesbank mit radikalen Ideen": https://www.welt.de/finanzen/article164 ... l#Comments
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 29. April 2017, 16:54

Niels hat geschrieben:
Sonnabend 29. April 2017, 10:36
"Bisher haben lediglich Verschwoerungstheoretiker und Notenbankkritiker das Geldsytem in Frage gestellt. Jetzt jedoch beschäftigt sich auch die Bundesbank mit radikalen Ideen": https://www.welt.de/finanzen/article164 ... l#Comments
In der Schweiz (wo sonst gibt es diese Freiheit?) wird im nächsten Jahr die Frage des Vollgeldes einer Volksabstimmung unterzogen:

http://www.vollgeld-initiative.ch/

Die NZZ spricht von einem interessanten Experiment mit ungewissem Ausgang, das nur einen Nachteil habe: Die Schweiz sei das Versuchskaninchen.

Die Schweiz als Versuchskaninchen

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 9. April 2018, 00:52

Er sollte - neben der Vergemeinschaftung der Einlagensicherungssysteme - einer der letzten Bausteine für die "Bankenunion" sein: Der Einsatz des ESM und seiner Gelder zur Bankenrettung. Jetzt regt sich dagegen Widerstand. Nicht nur die Nutzung des ESM als "Letztabsicherung" wird kritisch gesehen, auch die verfahrensrechtliche Abwicklung ist unklar.
Würde eine Großbank zusammenbrechen, dann hätte Königs Behörde nur ein Wochenende Zeit, um das Schlimmste zu verhindern. Zuerst müsste König die Gläubiger der Bank zur Kasse bitten. Anschließend könnte sie auf den europäischen Bankenabwicklungsfonds mit einem Volumen von 55 Milliarden Euro zurückgreifen.
Wenn das immer noch nicht reicht, um Verluste abzudecken, käme der ESM ins Spiel. Er müsste über Nacht einen milliardenschweren Kredit für eine Bankenrettung bewilligen und Königs Abwicklungsfonds überweisen.
(...)
ESM-Chef Klaus Regling darf ein Darlehen erst auszahlen, wenn es von allen 19 Euro-Finanzministern einstimmig bewilligt wurde. Außerdem müssen die Parlamente einiger Euro-Staaten zustimmen, darunter der Deutsche Bundestag. Binnen eines Wochenendes ist das wohl nicht zu schaffen.
Abwicklung von Pleitebanken mit Hilfe des ESM stößt auf Widerstand

In D. muß das Parlament jedes ESM-Darlehn bewilligen - so wurde es vom BVerfG festgelegt und daran kommt auch die Kanzlerin nicht vorbei. Lt. Bericht stehen aber viele Staaten auf der Bremse: "Dazu gehörten neben Finnland und den baltischen Staaten auch die Niederlande, Deutschland, Österreich und Belgien."

Immer deutlicher zeigt sich die Fehlkonstruktion der gemeinsamen Währung. Nord vs. Süd - historische wirtschaftskulturelle Unterschiede verschwinden eben nicht über Nacht....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 21. April 2018, 03:26

Lesenswert:

Pläne für eine „Europäische Bankenunion“ - EDIS und die italienische Krankheit

Die ital. Kreditinstitute sitzen auf Problemkrediten iHv 330 Mrden €.
Italien leidet unter einem strukturellen Problem, das mit der Einführung der unseligen europäischen Esperantowährung drastisch verschärft wurde. Die bis dahin oft und gerne gespielte Abwertungskarte kann seither nämlich nicht mehr gezogen werden. Ergebnis: Italien hat zwar einen Konsumrausch erlebt, aber stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die Unternehmen haben sich aus den internationalen Märkten gepreist, und die Wirtschaft liegt entsprechend darnieder. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt heute unter dem Niveau von 1999 (!), dem Jahr der Euro-Einführung.
Man darf gespannt sein, zu welchen Erpressungsmitteln eine neue ital. Regierung greifen wird, um Geld aus D. zu erhalten - und so dem eigenen Land Reformen zu ersparen. Wie der Artikel beschreibt, sind die Chancen gering, daß dem unter Merkel großer Widerstand entgegengesetzt wird.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 30. April 2018, 03:39

Vor zwei Wochen hatte das Handelsblatt gemeldet, daß Scholz bei der Europäischen Einlagensicherung (Edis) den Kurs seines Vor-Vorgängers Schäuble weitgehend übernehme.

http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 70650.html

Inzwischen scheint er sogar eine härtere Linie zu vertreten, wie das Handelsblatt heute meldet:
Das European Deposit Insurance Scheme (Edis) sei ein langfristiges Projekt, teilte Scholz seinen Amtskollegen mit. Mit politischen Beratungen darüber wolle Deutschland vorläufig nicht beginnen. Das gelte völlig unabhängig von der Frage, wie die Euro-Zone mit dem Abbau nicht bedienter Kredite (non performing loans, NPL) in den Bankbilanzen vorankomme.
Deutschlands Nein zu Edis hat sich damit sogar verhärtet. Schäuble hatte noch signalisiert, dass der EU- Sparerfonds kommen könne, wenn man die faulen Kredite im Griff habe. Diese Verbindung zwischen NPL und Edis hat Scholz nun gekappt.
Handelsblatt 30. 04. 2018 - S. 12 - noch nicht online

Wahrscheinlich hat sich der massive Widerstand der Sparkassen und Volksbanken ausgezahlt. Auch in der Union soll es Bedenken gegen das Vorhaben geben; die Chefin sieht das auch kritisch.

Deutlich wird der Sinneswandel, wenn man einen Blick auf das Schulz-Programm für "noch mehr Vergemeinschaftung" wirft. Im Gegensatz zu früheren Zeiten scheint diesmal D. auf der Bremse zu stehen. Wahrscheinlich hat man sogar in Berlin aus dem Mißerfolg der zahllosen "Rettungs"programme gelernt und sieht vieles jetzt kritischer. Auch die Anwesenheit einer EU ropa-kritischen Partei im Bundestag dürfte sich auswirken. Schließlich will man der AfD nicht unnötig Wahlkampfthemen liefern, bei denen die Bevölkerung sehr sensibel reagiert.

Alles in allem eine erfreuliche Entwicklung.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 15. Mai 2018, 13:30

Die wahrscheinliche neue Regierung in IT plant eine erhebliche Ausweitung der Schulden. Es sind Größenordnungen iHv ca. 100 Mrden € im Gespräch.
Die populistischen Parteien haben teure Wahlversprechen gemacht. So streben die 5 Sterne ein bedingungsloses Grundeinkommen für arme Bürger an, was pro Jahr rund 17 Milliarden Euro kosten könnte. Die Lega will eine Pauschalsteuer für Unternehmen und Bürger von 15 Prozent einführen, was zu Mindereinnahmen von rund 80 Milliarden Euro jährlich führen würde.
Zudem soll eine unbeliebte Rentenreform rückgängig gemacht werden, was weitere 15 Milliarden Euro kosten würde. Beide wollen das Renteneintrittsalter wieder senken.
Gegen Italiens Erpressermethode ist Europa machtlos

IT verstößt seit Euro-Gründung gegen die Maastricht-Kriterien, doch niemand hatte den Mut, IT deswegen nicht in den Euro aufzunehmen - auch der damalige Finanzminister Waigel nicht.

In der Fachpresse wird bereits eine Lösung diskutiert: IT verschuldet sich nicht in Euro sondern in eigenen Schuldscheinen (Fiskalgeld), die dann zur Zahlung von Steuern und staatlichen Dienstleistungen vom Staat akzeptiert werden. Andere (Händler, Privatpersonen) können - müssen aber nicht - die neue Währung akzeptieren.

Näheres hier:

Kommt in Italien die Parallelwährung?

In Italien beginnt das Ende des Euro

In GR war ein ähnlicher Plan an mangelnden Vorbereitungen gescheitert. Solange dieses Fiskalgeld nicht als "Parallelwährung" bezeichnet werden, werden EU und EZB dagegen wenig unternehmen können.

Positiv wird vermerkt, daß D. bei diesen Absichten der möglichen neuen ital. Regierung i.S. Euroreform durch eigenes Budget und gemeinsame Anleihen wohl zurückhaltender sein wird. Ab Herbst könnte es interessant werden. Macrons Träume von einer Stärkung der Eurozone könnten so einen dauerhaften Dämpfer erhalten. :klatsch:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von ar26 » Dienstag 15. Mai 2018, 23:37

Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 15. Mai 2018, 13:30
Die wahrscheinliche neue Regierung in IT plant eine erhebliche Ausweitung der Schulden. Es sind Größenordnungen iHv ca. 100 Mrden € im Gespräch.
Die populistischen Parteien haben teure Wahlversprechen gemacht. So streben die 5 Sterne ein bedingungsloses Grundeinkommen für arme Bürger an, was pro Jahr rund 17 Milliarden Euro kosten könnte. Die Lega will eine Pauschalsteuer für Unternehmen und Bürger von 15 Prozent einführen, was zu Mindereinnahmen von rund 80 Milliarden Euro jährlich führen würde.
Zudem soll eine unbeliebte Rentenreform rückgängig gemacht werden, was weitere 15 Milliarden Euro kosten würde. Beide wollen das Renteneintrittsalter wieder senken.
Gegen Italiens Erpressermethode ist Europa machtlos

IT verstößt seit Euro-Gründung gegen die Maastricht-Kriterien, doch niemand hatte den Mut, IT deswegen nicht in den Euro aufzunehmen - auch der damalige Finanzminister Waigel nicht.

In der Fachpresse wird bereits eine Lösung diskutiert: IT verschuldet sich nicht in Euro sondern in eigenen Schuldscheinen (Fiskalgeld), die dann zur Zahlung von Steuern und staatlichen Dienstleistungen vom Staat akzeptiert werden. Andere (Händler, Privatpersonen) können - müssen aber nicht - die neue Währung akzeptieren.

Näheres hier:

Kommt in Italien die Parallelwährung?

In Italien beginnt das Ende des Euro

In GR war ein ähnlicher Plan an mangelnden Vorbereitungen gescheitert. Solange dieses Fiskalgeld nicht als "Parallelwährung" bezeichnet werden, werden EU und EZB dagegen wenig unternehmen können.

Positiv wird vermerkt, daß D. bei diesen Absichten der möglichen neuen ital. Regierung i.S. Euroreform durch eigenes Budget und gemeinsame Anleihen wohl zurückhaltender sein wird. Ab Herbst könnte es interessant werden. Macrons Träume von einer Stärkung der Eurozone könnten so einen dauerhaften Dämpfer erhalten. :klatsch:
Man darf gespannt sein. Macron soll richten, was Hollande nicht geschafft hat. Schafft es Macron auch nicht, ist der nächste französische Präsident eine Frau, die auf den Namen Le Pen hört. Bin mir aber nicht sicher, welche von beiden es wird.
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 16. Mai 2018, 01:39

Ein Problem ist auch, das Merkel nicht mehr so schalten und walten kann wie in der letzten Legislaturperiode. Da gab es keine nennenswerte Opposition in vielen Fragen. Das hat sich durch den Einzug von AfD und tlw. FDP geändert.
Merkel kann heute nicht mehr sicher sein, daß sie Gesetzesvorlagen zur "Stärkung des Euros" problemlos durchbekommen würde. Da es wieder eine Opposition im Parlament gibt, werden auch in der Union Abgeordnete ihre Bedenken "deutlicher" vortragen als in der vergangenen Legislaturperiode, zumal sie die Zeit nach Merkel im Hinterkopf haben und um das Wahlkampftheme "Vergemeinschaftung" und den entsprechenden Nutznießer Bescheid wissen.
Breite Diskussionen sind aber Gift für alle Pläne, die auf eine weitere "Vergemeinschaftung" hinzielen. Da müssen die vorbereiteten Entscheidungen in wenigen Stunden durchgewunken und abgenickt werden.
Hinzu kommt, daß inzwischen auch andere Länder (NL, A, baltische Staaten) derartige Aktionen kritisch sehen und andererseits die Südstaaten auf eine Ausweitung drängen. Widerstand in der eigenen Fraktion, im Parlament und noch in Brüssel (Rat) - da wird so manches zerredet oder auf die lange Bank geschoben werden, was bisher noch als "zwingend" angesehen wurde.

Außerdem könnte Merkel inzwischen als "lame duck" bei ihren Kollegen gelten. Einerseits zeigte die Regierungsbildung, daß ihre "Macht" bröckelt und andererseits dürfte wohl niemand damit rechnen, sie für eine weitere Legislaturperiode als Kanzlerin zu sehen. Auf Macron und nicht auf Merkel werden die Hoffnungen ruhen, wenn EU ropa mit der US-Administration sprechen muß - bei Obama war das noch anders.

Man muß zwar aufmerksam sein, allerdings scheinen die Horrorszenarien nach der Wahl Macrons (und mit Schulz als (Vize-)Kanzler) nicht zu bewahrheiten. Merkel möchte zwar gerne die EU-Probleme mit deutschem Geld lösen - aber das erscheint erheblich schwieriger als bisher angenommen. Ihre Macht bröckelt - zumindest das wurde durch die Wahl von AfD und FDP in den Bundestag erreicht.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 16. Mai 2018, 03:14

Ein neues Spielfeld der sog. "Vergemeinschaftungen": die Staatsanleihen

Die Kommission möchte, daß die Eurostaaten ihre Staatsanleihen zusammenlegen und als sog. „Sovereign bond-backed Securities“ über eine private Zweckgesellschaft an Investoren verkaufen. Dadurch soll verhindert werden, daß sich die Banken mit den Staatsanleihen "ihres" Landes vollsaugen. Die wechselseitige Abhängigkeit z.B. zwischen dem hochverschuldeten ital. Staat und seinen Banken, die die entsprechenden Staatspapiere halten, gilt als gefährlich und soll so gemindert werden.

Kritik kommt nicht nur aus D., das darin einen ersten Schritt zur gemeinsamen Haftung (sog. Eurobonds) sieht, sondern auch von Italien. Der Grund sagt viel über die Absicht der Italiener aus:
Insbesondere in Italien ist der Widerstand groß. Der Grund: Es soll nur ein bestimmter Anteil aller Euro- Staatsanleihen in den neuen Papieren gebündelt werde, der für alle Länder gleich hoch ist. Für das hochverschuldete Italienbedeutet das, dass ein großer Teil der italienischen Staatsanleihen nicht gebündelt wird. Italien fürchtet, dadurch mehr Zinsen auf seine normalen Schuldpapiere zahlen zu müssen.
http://www.handelsblatt.com/my/politik/ ... 74872.html

Mehr Zinsausgaben kann sich IT aber nicht leisten - schließlich will die neue Regierung - s.o. - noch mehr Wohltaten verteilen.
Während die einen auf dem Maastricht-Vertrag bestehen, obwohl dieser von Frau Merkel praktisch aufgekündigt wurde, wollen die anderen genau das Gegenteil: Geld ausgeben, dafür Schulden machen und die Rechnung weiterreichen.

Aber "wir" sind ja angeblich die Hauptprofiteure der Gemeinschaftswährung.... :D :kugel: :freude:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Mittwoch 16. Mai 2018, 10:20

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 16. Mai 2018, 12:28

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 16. Mai 2018, 10:20
Öfter 'mal was Neues: :D :D :D
5 Sterne und Lega wollen Schuldenerlass von 250 Milliarden Euro von der EZB
Ob Schuldenerlaß oder nicht - das Geld ist weg... bzw. bei den Italienern. Neben dem Schuldenerlaß fordert IT auch Vorkehrungen, wenn ein Land aus dem Euro austritt..... :breitgrins:

Dabei ist die Forderung von 250 Mrden wirklich noch zurückhaltend - so preiswert wie jetzt wird es nicht mehr..... Man sollte ihnen die 250 Mrden € erlassen, für den Rest Sicherheiten (Gold) einfordern und sie aus dem Euroverbund entlassen.

Die Target-Salden für Italien liegen inzwischen bei 426 Mrden €, dazu kommen die Staatspapiere aus IT, die die EZB aufgekauft hat, die inzwischen einziger Käufer ist:
Wie die Citigroup berichtet, ist die EZB inzwischen praktisch der einzige Käufer italienischer Staatsanleihen. Private Investoren haben in den vergangenen Jahren demnach entweder ihre italienischen Papiere an die EZB verkauft, oder diese erst gar nicht gekauft, wie der Finanzblog Zerohedge berichtet.
Aus der Grafik der Citigroup geht hervor, dass die Nachfrage der Investoren nach italienischen Staatsanleihen etwa im Jahr 2014 zu sinken begann. Heute besitzen Banken, andere Finanzinstitutionen und Ausländer so gut wie keine Anleihen des Landes mehr, sondern fast ausschließlich die EZB. Diese ist dazu übergegangen, mehr italienische Papiere zu kaufen, als nach dem sogenannten Kapitalschlüssel eigentlich vorgesehen ist.
https://deutsche-wirtschafts-nachrichte ... sanleihen/

ähnlich auch hier

Im Grunde ist es doch egal, ob IT austritt und nichts mehr zahlt oder ob man ihm einen Schuldenerlaß gibt, sie noch drinbleiben, anschreiben lassen und dann austreten und sich einer Regelung zur Schuldenrückzahlung unterwerfen - oder auch nicht....

Wenn möglich sollte man so schnell wie möglich eine geordnete Abwicklung des Euros anstreben; die Gelegenheit ist günstig, die Preise niedrig. Natürlich wäre es bei Ausbruch der GR-Krise noch preiswerter gewesen, schon damals wurde darüber nachgedacht. Inzwischen sind die Preise gestiegen und steigen immer weiter, weil die EZB noch immer Staatsanleihen kauft und das Target-System nicht reformiert wird. Wie sollen unter diesen Umständen die Preise sinken können?

Das Euro-Experiment ist gescheitert und schon jetzt läßt sich sagen, daß das Ziel, die Völker Europas über eine gemeinsame Währung zusammenzubringen, nicht erreicht wurde.
Das Gegenteil ist der Fall: Die Währung hat den Kontinent gespalten und die Völker gegeneinander aufgebracht. Oder glaubt jemand, das ein Schuldenerlaß in solcher Größenordnung oder ein ungeordneter Zusammenbruch mit noch viel höheren Summen, zu keinen Ressentiments führen wird?

Die Schlagzeilen bei der GR-"Rettung" waren nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was los sein wird, wenn mit IT über einen Schuldenerlaß verhandelt werden sollte.....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Mittwoch 16. Mai 2018, 12:48

Die Sache ist doch die:
Wenn IT tatsächlich einen Schuldenerlaß von 250 Mrd. € erhält, führt dies zu einem buchhalterischen Verlust in gleicher Höhe im Jahresabschluß der EZB. Die EZB hat aber in der Bilanz 2017 nur ca. 100 Mrd. € als Eigenkapital ausgewiesen. Sie wäre damit überschuldet und die Eigner müßten wohl in Höhe ihrer landeseigenen Quote nachschießen, um die Insolvenz der EZB zu vermeiden.


Das System kann sich nurmehr halten, wenn man die Verluste, die man - wenn man denn nach den Grundsätzen eines vernünftigen und vorsichtigen Kaufmannes vorgehen würde :unbeteiligttu: - eigentlich zeigen müßte, als stille Lasten weiterführt; wobei stille Lasten das genaue Gegenteil von stillen Reserven sind. :pfeif:
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 16. Mai 2018, 15:25

Überschuldungen von Zentralbanken sind ja nicht so ungewöhnlich, wie man meinen mag. Sogar die Bundesbank hat es mal getroffen:

Als die Bundesbank pleite war

Die Tschechische Nationalbank wies von 2002 bis 2014 konstant ein negatives Eigenkapital aus:

Zwölf Jahre lang insolvent und trotzdem quietschfidel. Was bedeuten Verluste für Zentralbanken?

Da Zentralbanken das Geld selber drucken können, können sie auch nicht illiquide werden.

"Bankrott von Zentralbanken"

Das Problem sehe ich daher weniger im buchhalterischen Bereich der EZB als in den politischen Folgen eines Schuldenerlasses. Allein schon der Umstand, das solche Fragen in der Bevölkerung und den Medien diskutiert werden, zeigt doch, wie "weit" wir inzwischen mit der Währung Euro gekommen sind. Das ist auch nicht zu vergleichen mit dem oben erwähnten Fall der Bundesbank, bei dem die Verluste auf Interventionen am Devisenmarkt zurückzuführen waren. Der angesprochene mögliche Verlust der EZB durch einen Forderungsverzicht bei den ital. Staatspapieren würde entstehen, weil die EZB den Euro "retten" will - "Whatever it takes..." und deswegen Staatspapiere aufkauft, die dann abgeschrieben werden müssen.

Im übrigen hilft auch ein Blick auf den Schuldenschnitt in Griechenland. Der damalige Schuldenschnitt war kleiner, lag bei ca. 105 Mrden € und betraf ausschl. private Gläubiger. Daran hatte sich die EZB nicht beteiligt, weil sie es "gesetzlich nicht dürfe" lautete die Begründung. Um das technisch umzusetzen erhielten die von der EZB gehaltenen Griechen-Anleihen eine neue Wertpapierkenn-Nummer, die dann vom Schuldenschnitt ausgenommen wurde.

Man wird daher - wenn überhaupt - versuchen, eine Lösung a la 2. Schuldenschnitt GR durchzuziehen:
Einen zweiten, verdeckten Schuldenerlass gewährten die Euro-Finanzminister im November 2012. Ihr Paket umfasste damals einen kreditfinanzierten Schuldenrückkauf, eine Senkung der Zinsen für die Hilfskredite und eine sehr lange Streckung ihrer Laufzeiten (um 15 auf 30 Jahre).
Was so alles bei einem solchen Schnitt möglich ist, erfährt man dann:
Griechenland zahlt nur 4,4 Prozent vom BIP für den Schuldendienst. Dies ist weniger als etwa Portugal. Im Durchschnitt zahlen die Griechen auf ihre Staatsschulden nur 2,4 Prozent Zinsen, weniger als der Durchschnittszins der deutschen Bundesanleihen.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 91476.html

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Donnerstag 17. Mai 2018, 07:07

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 16. Mai 2018, 15:25
Überschuldungen von Zentralbanken sind ja nicht so ungewöhnlich, wie man meinen mag. Sogar die Bundesbank hat es mal getroffen:

Als die Bundesbank pleite war

Die Tschechische Nationalbank wies von 2002 bis 2014 konstant ein negatives Eigenkapital aus:

Zwölf Jahre lang insolvent und trotzdem quietschfidel. Was bedeuten Verluste für Zentralbanken?

Da Zentralbanken das Geld selber drucken können, können sie auch nicht illiquide werden.

"Bankrott von Zentralbanken"

Das Problem sehe ich daher weniger im buchhalterischen Bereich der EZB als in den politischen Folgen eines Schuldenerlasses. Allein schon der Umstand, das solche Fragen in der Bevölkerung und den Medien diskutiert werden, zeigt doch, wie "weit" wir inzwischen mit der Währung Euro gekommen sind. Das ist auch nicht zu vergleichen mit dem oben erwähnten Fall der Bundesbank, bei dem die Verluste auf Interventionen am Devisenmarkt zurückzuführen waren. Der angesprochene mögliche Verlust der EZB durch einen Forderungsverzicht bei den ital. Staatspapieren würde entstehen, weil die EZB den Euro "retten" will - "Whatever it takes..." und deswegen Staatspapiere aufkauft, die dann abgeschrieben werden müssen.

Im übrigen hilft auch ein Blick auf den Schuldenschnitt in Griechenland. Der damalige Schuldenschnitt war kleiner, lag bei ca. 105 Mrden € und betraf ausschl. private Gläubiger. Daran hatte sich die EZB nicht beteiligt, weil sie es "gesetzlich nicht dürfe" lautete die Begründung. Um das technisch umzusetzen erhielten die von der EZB gehaltenen Griechen-Anleihen eine neue Wertpapierkenn-Nummer, die dann vom Schuldenschnitt ausgenommen wurde.

Man wird daher - wenn überhaupt - versuchen, eine Lösung a la 2. Schuldenschnitt GR durchzuziehen:
Einen zweiten, verdeckten Schuldenerlass gewährten die Euro-Finanzminister im November 2012. Ihr Paket umfasste damals einen kreditfinanzierten Schuldenrückkauf, eine Senkung der Zinsen für die Hilfskredite und eine sehr lange Streckung ihrer Laufzeiten (um 15 auf 30 Jahre).
Was so alles bei einem solchen Schnitt möglich ist, erfährt man dann:
Griechenland zahlt nur 4,4 Prozent vom BIP für den Schuldendienst. Dies ist weniger als etwa Portugal. Im Durchschnitt zahlen die Griechen auf ihre Staatsschulden nur 2,4 Prozent Zinsen, weniger als der Durchschnittszins der deutschen Bundesanleihen.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 91476.html
So weit, so interessant. ;)

Insolvenzrechtlich muß jedoch der Gang zum Konkursrichter nicht nur bei Illiquidität, sondern auch bei - absehbar dauerhafter - Überschuldung angetreten werden. Das alle diese Begriffe in typisch juristischer Rabulistik gedehnt werden können, ist mir schon klar. Die EZB wird also rein rechtlich gesehen den Frankfurter Konkursrichter unbelästigt lassen.

NUR: Eine EZB wird das politisch nicht durchhalten können!
Bspw. würde der Dominoeffekt dazu führen, daß auch andere Staaten auf die Idee kommen, sich per Erlaß von den Schulden zu befreien. Wenn Italien das darf, warum dann nicht auch Spanien? :detektiv:

Und das Portfolio umfaßt mittlerweile ca. 2,4 Billionen €. :auweia:
Die fortgesetzten Wertpapierankäufe im Rahmen des APP führten zu einer Ausweitung der konsolidierten Bilanz des Eurosystems um 22 % auf 4 472 Mrd € (2016: 3 661 Mrd €). Die Bestände des Eurosystems an zu geldpolitischen Zwecken gehaltenen Wertpapieren erhöhten sich um 732 Mrd € auf 2 386 Mrd € (2016:1 654 Mrd €). Die Bestände der im Rahmen des APP erworbenen Wertpapiere stiegen um 754 Mrd € auf 2 286 Mrd €, während die Bestände der im Rahmen der ersten beiden Programme zum Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen und des SMP erworbenen Wertpapiere aufgrund von Tilgungen um 9 Mrd € bzw. 13 Mrd € zurückgingen.
(Quelle)
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Donnerstag 17. Mai 2018, 07:20

Im Übrigen warte ich entspannt auf das Ergebnis dieser Abstimmung am 10.6.2018: :ikb_smoke:
Vollgeld-Initiative
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 17. Mai 2018, 11:04

Du hast Dich wahrscheinlich vertippt:
Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 17. Mai 2018, 07:07

Und das Portfolio umfaßt mittlerweile ca. 2,4 Billionen €. :auweia:
Die fortgesetzten Wertpapierankäufe im Rahmen des APP führten zu einer Ausweitung der konsolidierten Bilanz des Eurosystems um 22 % auf 4 472 Mrd € (2016: 3 661 Mrd €).
(Quelle)
Nicht 2,4 Billionen, schlappe 4,4 Billionen € :breitgrins:

Zurück zu IT und der bekanntgewordenen Überlegung, von der EZB eine Schuldenstreichung iHv 250 Mrden (ist doch wirklich bescheiden) zu verlangen. Daniel Stelter schreibt dazu:
Die italienischen Politiker haben aus den Fehlern von Griechenland gelernt. Einfach mit dem Austritt drohen funktioniert nicht. Besser ist es, ihn mit einer Parallelwährung vorzubereiten, gegen deren Einführung weder Brüssel noch die EZB etwas tun können.
Ist die neue Lira erst mal im Umlauf, genügt ein Dekret und der Euro ist in Italien Geschichte. Dann kann man auch einen guten Teil der Schulden auf die neue Währung umstellen. Die Gläubiger, denen das nicht passt, können ja in London klagen. Das dauert.
Die Koalition aus Lega und Cinque Stelle wollte genau diesen Weg gehen. Doch selbst bei der Umstellung bleibt das Problem hoher Schulden. Da die meisten Gläubiger im Inland sitzen - die reichen italienischen Privathaushalte - ist es natürlich eine gute Idee, die Forderungen der EZB einfach zu annullieren. Nur der Zeitpunkt der Veröffentlichung war unglücklich. Sicher wollte die neue Regierung damit erst später aus der Deckung kommen.
Regierungspläne in Rom: Italien läutet das Ende des Euro ein

Der Artikel ist sehr lesenwert. Neben die jetzigen Problemen und der Behauptung D. sei der größte Profiteur der gemeinsamen Währung, werden auch Fragen eines Schuldenschnitts bzw. Schuldenstreichung durch die EZB und andere Optionen (incl. eines deutschen Euro-Austritts) untersucht. Bzgl einer Schuldenstreichung verweist er auf das Beispiel Japan:
Japan ist bereits auf dem Weg, die Entschuldung des Staates über die Notenbank durchzuführen. Die Notenbank hält bereits mehr als 50 Prozent aller Staatsschulden und der Privatsektor diversifiziert in Aktien im In- und Ausland. Geht es gut, passiert nichts. Kommt es zu Inflation, so sind die Ersparnisse wenigstens zum Teil in globalen Realwerten angelegt.
Herr Stelter hat in Bezug auf die hohen deutschen Außenhandelsüberschüsse vor einigen Monaten einen wichtigen und einleuchtenden Satz geprägt:
Es ist keine gute Idee in einer überschuldeten Welt Gläubiger zu sein.
https://think-beyondtheobvious.com/stel ... -der-welt/

Am Beispiel der hohen deutschen Target II - Forderungen wird das Problem am besten deutlich.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Donnerstag 17. Mai 2018, 11:27

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 17. Mai 2018, 11:04
Du hast Dich wahrscheinlich vertippt:
Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 17. Mai 2018, 07:07

Und das Portfolio umfaßt mittlerweile ca. 2,4 Billionen €. :auweia:
Die fortgesetzten Wertpapierankäufe im Rahmen des APP führten zu einer Ausweitung der konsolidierten Bilanz des Eurosystems um 22 % auf 4 472 Mrd € (2016: 3 661 Mrd €).
(Quelle)
Nicht 2,4 Billionen, schlappe 4,4 Billionen € :breitgrins:

....................
In der Bilanzsumme der EZB sind noch andere Posten enthalten als die zur "Rettung des Euros" erworbenen Wertpapiere. :huhu:

Die Summe für die Wertpapiere (Expanded asset-purchase programm) beträgt laut dem Link tatsächlich "nur" 2.400.000.000.000 €.
(Das mußte jetzt 'mal ausgeschrieben werden, man gönnt sich ja sonst nichts! :pfeif: )

In China hört man hin und wieder den Gruß: Mögest Du interessante Zeiten erleben!

Ich glaube, das tun wir gerade ................
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Benedikt » Donnerstag 17. Mai 2018, 14:30

"Kommt ihm der Staatsumwälzer nicht wie Sisyphus vor? Die Last wird nie oben bleiben, wenn nicht eine Anziehung gegen den Himmel sie auf der Höhe schwebend erhält." - Novalis: Europa

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Sempre » Donnerstag 17. Mai 2018, 15:42

Benedikt hat geschrieben:
Donnerstag 17. Mai 2018, 14:30
OECONOMICAE ET PECUNIARIAE QUAESTIONES
Daraus:
In einer wahrhaft menschlichen Perspektive entsteht hingegen ein positiver Kreislauf zwischen Profit und Solidarität, der dank des freien Tuns des Menschen das ganze positive Potential der Märkte freisetzen kann.
Der Optimismus von Pacem in terris in bezug auf den modernen Menschen ist ungebrochen.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 17. Mai 2018, 15:57

Hört sich für mich eher nach dem hohen Lied auf die soziale Marktwirtschaft an.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Donnerstag 17. Mai 2018, 16:12

Ein totaler Skeptizismus hinsichtlich der anthropologischen Verfaßtheit des Menschen ist eher der lutherischen Denkwelt entsprungen als den ursprünglichen Einsichten der Kirchenväter.
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 23. Mai 2018, 02:15

Das HB berichtet, daß Italiens Pläne bzgl. einer "Parallelwährung" konkreter werden:

Minibots: Roms Parallelgeld-Pläne verunsichern Investoren

Bot steht für: „Buoni Ordinari del Tesoro“ - ein bereits gebräuchlicher Name für ital. Staatspapiere
Nach Ansicht des Experten bilden die hohen Zahlungsrückstände des Staates den Hintergrund für die neue Idee. Er nennt eine Größenordnung von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder rund 40 Milliarden Euro. Die Rückstände könnten mit dem neuen Wertpapier quasi in Geld umgewandelt werden, das neben dem offiziellen Euro existiert.
(...)
Im Detail sollen die neuen Papiere, wenn sie denn tatsächlich kommen, weder Zinsen versprechen noch ein Ablaufdatum besitzen – ganz ähnlich wie klassische Geldscheine. Die Papiere würden vom Staat garantiert, wären aber kein gesetzliches Zahlungsmittel. Niemand wäre also gezwungen, sie im Geschäftsverkehr zu akzeptieren. Dennoch könnten sie genutzt werden, um zum Beispiel Zugtickets oder staatliche Unternehmen zu bezahlen.
Das Volumen solle bei 70 - 100 Mrden € liegen, schreibt das HB. Das entspräche in etwa dem Betrag, der von den Koalitionären zur Realisierung ihrer Versprechungen (Steuersenkungen, Bürgergeld, früherer Renteneintritt) notwendig wäre. Argentinien habe ein entsprechendes Konzept zeitweise umgesetzt, GR habe mit dem Gedanken gespielt. Varoufakis hatte bereits entsprechende Vorbereitungen getroffen, war dann aber von Tsipras und dem Kabinett gebremst worden.

Yanis Varoufakis musste gehen, weil er Schuldscheine als Parallelwährung drucken wollte

Wie man in all den Artikeln jener Zeit lesen kann, wird die Ausgabe von Schuldscheinen (sog. IOU für I Owe You) der erste Schritt zur Etablierung einer Parallelwährung, die dann das Ende des Euros in dem betreffenden Land einläuten könnte.

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