Umgang mit Tod und Trauer

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
Coturnix
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Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Coturnix » Mittwoch 17. August 2016, 12:32

Hallo,
ich frage mich, wie man als Gläubiger am besten mit dem Tod von anderen Menschen aus dem eigenen Umfeld umgehen soll? Dass man trauert, was ja die "natürliche" Reaktion ist, halten die meisten, auch die Gläubigen, ja für akzeptabel, solange die Trauer nicht in Hoffnungslosigkeit umschlägt. Manche sagen sogar, man müsse in jedem Fall trauern. Wenn ich mich recht entsinne, schildert Augustin in den Bekenntnissen, wie er um seine gestorbene Mutter getrauert hat, aber dann mit sich selber unzufrieden war, weil es ja keinen Grund zur Trauer geben würde, da sie ja nun bei Gott sei. Auch wenn dieser Schritt wahrscheinlich emotional schwer ist, auf rationaler Ebene scheint mir Augustin ja aber doch recht zu haben. Auf was bezieht sich unsere Traurigkeit denn dann aber eigentlich? Also wenn wir eigentlich doch davon ausgehen, dass die geliebte Person nun bei Gott ist? Oder trauern wir, weil sie möglicherweise noch im Fegefeuer leidet? Weil wir vielleicht sogar Angst haben, dass sie doch nicht in den Himmel kommt? Oder hängt die Trauer mit uns selbst zusammen, da wir die Person nun nicht mehr bei uns haben (aber ist das nicht ein sehr selbstbezogenes Argument?) Oder sind wir traurig, weil uns der Tod and die Sünde erinnert, deren Folge er ja bekanntlich ist und die auch etwas mit uns zu tun hat?
Vielen Dank!

Dieter
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Dieter » Mittwoch 17. August 2016, 13:04

" weil es ja keinen Grund zur Trauer geben würde, da sie ja nun bei Gott sei."


Das ist richtig. Deswegen tragen viele Menschen selbst bei der Beerdigung keine schwarze Kleidung, sondern Alttagskleidung.

Es gibt Freikirchen, etwa die Herrnhuter Brüdergemeine oder die Heilsarmee, die bei einer Beerdigung helle, weiße Kleidung tragen.

Als König Balduin von Belgien starb, zeigte sich seine Witwe, Königin Fabiola, ganz in Weiß. Viele Menschen waren damals leicht geschockt.

Lilaimmerdieselbe
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Mittwoch 17. August 2016, 18:03

Ich trauere, weil ich vermisse. Natürlich ist das selbstbezogen, aber das macht es nicht weniger wahr oder weniger schmerzhaft.

Meine Mutter hat verfügt, dass in der Friedhofskapelle das Halleluja zu singen sei. Das wird sie sicher kriegen, aber ich wünsche mir trotzdem, dass das noch Zeit hat, und bete darum.

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guatuso
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von guatuso » Freitag 19. August 2016, 15:48

Wir alle sind eingebettet in ein soziales Gefuege. Es bestehen gewachsene Wurzeln, unsere Eltern und Geschwister. Es bestehen Verkleidungen (wie der sichtbare Baumstamm). All das gehoert zu unserem Leben.

Wenn ein Teil der Wurzeln abstirbt, stirbt ein Teil unserer selbst. Egal was mit dem abgestorben Teil geschieht. Das kann daher nicht selbstbezogen sien.
Haben nicht auch die Frauen unterm Kreuz um Jesus Christus getrauert? Es wird nirgendwo geschrieben, sie haetten sich freuen muessen, weil Jesus zu Gottvater ins Paradies kommt (wie er zu einem der Gekreuzigten sagte "Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein).

Unsere frommen Kirchenvaeter, die der Welt entsagten und die Gemeinde als Kinder sahen, fuer die sie sorgten, schrieben spaeter rationalisiert "freut euch der Tote kommt zu Gott" (nicht woertlich, inhaltlich).

Nun ja, intellektuell mag das stimmen. Es kollidiert aber mit unseren menschlichen Gefuehlen, die wir auch von Gott bekamen. Er schenkte uns Liebe und die Faehigkeit zu lieben. Und somit auch die Faehigkeit zu trauern.

Ich bin sicher, Gott schenkte uns diese Gaben damit wir sie auch nutzen.
Daher bin ich ueberzeugt, Trauer ist legitim. Das Wissen, dass sie zu Gott eingeht kann die Trauer natuerlich mildern.
Wir trauern in solch einem Fall um den Verlust unserer Wurzel, zumindest um Teile der Wurzel. Das sollte man nie vergessen.

Ich weiss nicht an welcher Krankheit deine Mutter leidet und will daher nichts falsches sagen, aber mein Vater bekam noch eine Lebenszeit von Monaten durch die Aerzte und meine Mutter bekam gesagt "machen sie ihm noch eine schoene Zeit".
Er lebte zehn Jahre weiter.

Was ich sagen will,ist: Es ist wirklich alleine in Gottes Hand.
Ich bete fuer dich und deine Mutter. Ich weiss was Schmerz und Trauer ist.

Fragesteller
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Fragesteller » Montag 22. August 2016, 15:14

Coturnix hat geschrieben:Hallo,
ich frage mich, wie man als Gläubiger am besten mit dem Tod von anderen Menschen aus dem eigenen Umfeld umgehen soll? Dass man trauert, was ja die "natürliche" Reaktion ist, halten die meisten, auch die Gläubigen, ja für akzeptabel, solange die Trauer nicht in Hoffnungslosigkeit umschlägt. Manche sagen sogar, man müsse in jedem Fall trauern. Wenn ich mich recht entsinne, schildert Augustin in den Bekenntnissen, wie er um seine gestorbene Mutter getrauert hat, aber dann mit sich selber unzufrieden war, weil es ja keinen Grund zur Trauer geben würde, da sie ja nun bei Gott sei. Auch wenn dieser Schritt wahrscheinlich emotional schwer ist, auf rationaler Ebene scheint mir Augustin ja aber doch recht zu haben. Auf was bezieht sich unsere Traurigkeit denn dann aber eigentlich? Also wenn wir eigentlich doch davon ausgehen, dass die geliebte Person nun bei Gott ist? Oder trauern wir, weil sie möglicherweise noch im Fegefeuer leidet? Weil wir vielleicht sogar Angst haben, dass sie doch nicht in den Himmel kommt? Oder hängt die Trauer mit uns selbst zusammen, da wir die Person nun nicht mehr bei uns haben (aber ist das nicht ein sehr selbstbezogenes Argument?) Oder sind wir traurig, weil uns der Tod and die Sünde erinnert, deren Folge er ja bekanntlich ist und die auch etwas mit uns zu tun hat?
Vielen Dank!
Je stärker der Glaube an das Jenseits, desto schwächer die Trauer, schätze ich - Trauer wäre dann ein Symptom von schwachem Glauben, der das intellektuell Erfasste emotional nicht so ganz "realisiert" hat. Aber Glaube ist ein Geschenk, keine krampfhaft einzuhaltende Verpflichtung - und darum ist ein schwacher Glaube sicher hundertmal besser als ein erzwungener und darum falscher. Nach einer theologischen Rechtfertigung für die Trauer zu suchen und sie sich außerhalb des solchermaßen "legalisierten" Bereichs zu verbieten, scheint mir nicht der richtige Weg.

Raphaela
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Raphaela » Samstag 27. August 2016, 08:58

Dieter hat geschrieben:"
Es gibt Freikirchen, etwa die Herrnhuter Brüdergemeine oder die Heilsarmee, die bei einer Beerdigung helle, weiße Kleidung tragen.
.
Die Herrnhuter Brüdergemeinde hat ja auch insgesamt einen weißen Talar. Das weiß ich deswegen, weil ich Urlaubsvertretung für unsere Mesnerin gemacht wird. In unserer katholischen Kirche halten auch die Protestanten ihre Gottesdienste, Andachten...
Als letztes zwei Kinder getauft wurden, war ein Pfarrer anwesend, der zur Herrehuter Brüdergemeinde gehört. Er hatte einen weißen Talar und erklärte mir, dass seine Gemeinschaft keinen schwarzen Talar trägt.
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

Dieter
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Dieter » Samstag 27. August 2016, 10:10

In der Herrnhuter Brüdergemeine (ohne "d") trägt der Pfarrer einen schwarzen Anzug und Krawatte.

http://www.neuwied.de/fileadmin/_proces ... 9c1fc.jpg


Nur beim Abendmahl tragen der Pfarrer und die Abendmahlhelfer einen weißen Talar.

http://static.evangelisch.de/get/?daid= ... dfid=i-21

Ich hörte einmal, dass dieser weiße Talar an das eigene Leichenhemd erinnern soll. Ich habe aber darüber nichts im Internet gefunden.

Petrus
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Petrus » Samstag 29. Oktober 2016, 00:49

Umgang mit Tod und Trauer.

ich nerv mal wieder bisschen:

ich kann dazu persönlich, falls Du das schaffst, Dir empfehlen, beim Sterben eines Dir nahen Menschen einfach dabei zu sein.

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incarnata
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von incarnata » Freitag 11. November 2016, 14:55

Petrus hat geschrieben:Umgang mit Tod und Trauer.

ich nerv mal wieder bisschen:

ich kann dazu persönlich, falls Du das schaffst, Dir empfehlen, beim Sterben eines Dir nahen Menschen einfach dabei zu sein.
Da hast Du recht;ich konnte z.B beobachten am Sterbebett meines Vaters wie er genau in dem Augenblick als seine O2-Sättigung
auf null ging die Mundwinkel zum Lächeln verzog und quasi von innen strahlte,als habe er etwas Wunderschönes gesehen.Das hat mich sehr getröstet.Und ich glaube,obwohl selbst Medizinerin nicht,dass das nur ein Muskelreflex war.
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
Licht aus der Höhe.......(Lk1,76)

Petrus
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Petrus » Freitag 11. November 2016, 16:51

hallo incarnata,

das kann ich gut verstehen.

meint

Petrus, der seinen Vater auf der Intensivstation einfach die ganze Nacht begleitet hat.

(und das war gestern, vor siebzehn Jahren).

Raphaela
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Raphaela » Samstag 12. November 2016, 09:46

edit

Dieter
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Dieter » Samstag 12. November 2016, 11:42

Raphaela hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben:"
Es gibt Freikirchen, etwa die Herrnhuter Brüdergemeine oder die Heilsarmee, die bei einer Beerdigung helle, weiße Kleidung tragen.
.
Die Herrnhuter Brüdergemeinde hat ja auch insgesamt einen weißen Talar. Das weiß ich deswegen, weil ich Urlaubsvertretung für unsere Mesnerin gemacht wird. In unserer katholischen Kirche halten auch die Protestanten ihre Gottesdienste, Andachten...
Als letztes zwei Kinder getauft wurden, war ein Pfarrer anwesend, der zur Herrehuter Brüdergemeinde gehört. Er hatte einen weißen Talar und erklärte mir, dass seine Gemeinschaft keinen schwarzen Talar trägt.

Das ist richtig. Ein Pfarrer oder eine Pfarrerin der Herrnhuter Brüdergemeine (ohne "d") tragen keinen schwarzen Talar, sondern einen dunklen Anzug bzw ein dunkles Kleid. Sie sitzen während des gesamten Gottesdienstes vorne am Liturgentisch.

Nur beim Abendmahl trägt der Pfarrer/die Pfarrerin einen weißen Talar (der symbolisch für ein Leichenhemd steht).

Übrigens: Am 4. Dezember 216 ZDF-Fernsehgottesdienst aus dem Kirchensaal der Brüdergemeine in Herrnhut.

http://rundfunk.evangelisch.de/kirche-i ... stern-7554

Wolkentänzer
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Wolkentänzer » Samstag 12. November 2016, 23:27

Hallo ihr Lieben,

ich persönlich denke auch, dass es nichts mit einem "schwächeren Glauben" zu tun hat, wenn man um geliebte Menschen trauert - das ist meiner Meinung nach in Ordnung und absolut erlaubt! Es ist natürlich ein großer Trost, zu wissen, dass es nach dem Tod eben nicht vorbei ist, sondern dass unsere Hoffnung in Christus liegt! Dennoch leben wir noch in einer Welt, zu der auch der Tod und Leiden gehört - und auch Trauer hat seine Zeit!

Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft für diese Zeit!
Herzliche Grüße :)

Marcus, der mit dem C
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Marcus, der mit dem C » Samstag 12. November 2016, 23:35

1 Thess. 4,13f hat geschrieben:13 Brüder, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.
14 Wenn Jesus - und das ist unser Glaube - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen.
Die Trauer muß nicht durch den Glauben schwächer sein, aber sie ist anders, denn sie beinhaltet verheißene Hoffnung auf die größte Gabe Gottes und nicht ewiges Vergessen.
Es geht hier nicht um Nicht-Trauern sondern um Anders-Trauern.
"Das katholische Modell ist ja seit 2000 Jahren am Scheitern und daher dringend ablösungsbedürftig"

Petrus
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Petrus » Mittwoch 16. November 2016, 11:12

ich habe auch schon "dienstlich" getrauert. für Menschen, die mir im Leben nie begegnet waren.

Kreuzträger, vom Dienst. ca. eintausendfünfhundertmal.

Und das Kreuz vorausgetragen. Das Zeichen des Sieges. Über den Tod.

matürlich mußte ich dann auch "Abstand" gewinnen, neuerdings sagt man "debriefing" dazu.

nuja.

nächster Tag, Zeitung aufgeschllagen, von hinten. Drei Beerdigungen haben wir heute.

nu,

wir haben sie alle begraben. ohne Ansehen der Person.

Details bleiben in meinem Herzen.

Peter.

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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Maja » Dienstag 25. Dezember 2018, 16:12

Ich sehe gerade https://www.br.de/mediathek/video/stati ... 0017b14980

Mich bewegt sehr der Beitrag über die Mutter, deren Tochter mit Anfang 20 bei einem Unfall starb. Und mir fiel wieder ein, dass mir in der Adventszeit eine Kollegin begegnete, deren Sohn im November 2017 starb. Sie sah bedrückt aus und ich überlegte, sie danach zu fragen, wie es ihr geht. Aber dann war ich zu feige, fürchtete nicht die richtigen Worte zu finden - oder sie durch mein Nachfragen erst recht an den Tod ihres Sohnes zu "erinnern".

Aber jetzt, wo ich den Beitrag sehe denke ich mir, dass so tun als würde ich nix merken vermutlich die schlechteste Lösung war. Und wollte euch mal fragen, ob ihr Ideen habt, wie man in einer guten Weise auf Leute zugehen kann, die einen geliebten Menschen verloren haben?
"Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin." 1 Kor 12

Petrus
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Petrus » Freitag 4. Januar 2019, 07:29

Maja hat geschrieben:
Dienstag 25. Dezember 2018, 16:12
Und wollte euch mal fragen, ob ihr Ideen habt, wie man in einer guten Weise auf Leute zugehen kann, die einen geliebten Menschen verloren haben?

hmm …

das wenn ich wüßte.

ich krame in meiner Erinnerung.

dienstlich war ich da oft unterwegs.

persönlich auch.

so. persönlich. einfach "situativ".

als ich meinen Vater im Sterben begleitet hatte (05:32 tot), hatte ich erst mal meine Frau angerufen, zur Information. Dann bin ich da hin gefahren, und dann haben wir (meine Frau und ich) beschlossen, dann meine Mutter erstmal schlafen zu lassen. Und haben Kaffee gemacht. Dann ist meine Mutter aufgewacht.

Dann habe ich meiner Mutter die Todesnachnachricht überbringen müssen.

Was hat sie mir dann gesagt? "Peter - das ist aber Scheisse!"

wir haben uns dann gekümmert. Meine Frau - und ich.

Petrus
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Petrus » Sonntag 6. Januar 2019, 19:02

es gibt Phasen des Trauerns.

1. Phase: Schock. Wie vor den Kopf geschlagen.
2. Phase: Trauer geht noch nicht. Alles organisieren, Nachsendeantrag stellen, Verwandtschaft anrufen …
3. Phase: Begräbnis. Da kommt noch mal ein Schock, wenn die Oberkante des Sarges beim Herablassen nicht mehr zu sehen ist.
4. Phase: Leichenschmaus. Da kann man sich so unterhalten, sich erzählen aus dem Leben des Verstorbenen.

So. Und nach ca. sechs Wochen kann man dann anfangen, zu trauern. Nicht umsonst gibt es (die Kirche ist da nicht doof) traditionell das "Sechswochenamt".

Und dann: Nach etwa einem Jahr kehrt Ruhe ein, in der Trauer. Jetzt darf der geliebte Mensch wirklich "tot sein". Die Kirche (auch da nicht doof) bietet uns an, den Jahrtag zu feiern.

Alles hat seine Zeit. (Kohelet, mein Trautext). Auch Trauern braucht seine Zeit.

Juergen
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Re: Umgang mit Tod und Trauer

Beitrag von Juergen » Sonntag 6. Januar 2019, 19:07

Petrus hat geschrieben:
Sonntag 6. Januar 2019, 19:02
es gibt Phasen des Trauerns.

1. Phase: Schock. Wie vor den Kopf geschlagen.
2. Phase: Trauer geht noch nicht. Alles organisieren, Nachsendeantrag stellen, Verwandtschaft anrufen …
3. Phase: Begräbnis. Da kommt noch mal ein Schock, wenn die Oberkante des Sarges beim Herablassen nicht mehr zu sehen ist.
4. Phase: Leichenschmaus. Da kann man sich so unterhalten, sich erzählen aus dem Leben des Verstorbenen.

So. Und nach ca. sechs Wochen kann man dann anfangen, zu trauern. Nicht umsonst gibt es (die Kirche ist da nicht doof) traditionell das "Sechswochenamt".

Und dann: Nach etwa einem Jahr kehrt Ruhe ein, in der Trauer. Jetzt darf der Mensch wirklich "tot sein". Die Kirche (auch da nicht doof) bietet uns an, den Jahrtag zu feiern.
Hm… diese Phasen kenne ich nicht.
Ich bin offenbar nach Erhalt des Todesnachricht immer gleich zum Gefühl am Jahrestag gesprungen. :roll:


Übrigens gibt es heute auch die Möglichkeit, daß den Menschen (institutionell) verwehrt wird, jemals mit der Trauer abzuschließen. Das ist der Fall bei bestimmten Katastrophen (z.B. Terroranschlag, Flugzeugabsturz, große Unfälle etc.), wo die Organisation von Trauer in Fremde Hände gelegt wird und diese fremden Hände regelmäßig (meist im Jahresrhythmus) die Wunden wieder aufreißen.
Wenn ich sowas sehe, kann ich nur noch kotzen.
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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