umusungu hat geschrieben:Gott sein Dank ist das heutige Kirchenjahr und der liturgische Kalender einfach und durchsichtig.
Man muss im alten Ritus verschiedene Epochen unterscheiden. Richtig ist, dass es noch um 1950 eine Reihe komplizierter Verästelungen gab (vgl. Thread "Rubriken um 1950") die tatsächlich zu etwas unübersichtlichen Verhältnissen führten.
Beispiele: Die Überschneidungen verschiedener Oktavfeiern, Verlegung von Festen, Nach- und Vorfeiern von Sonntagen...
Die Pianischen Reformen der 50er Jahre und schließlich die neuen Rubriken von Johannes XXIII. haben dem Römischen Meßbuch dagegen eine klare und übersichtliche Struktur gegeben, während der neue Ritus tatsächlich an einigen unglücklichen Prinzipien krankt, die für das Verständnis des Kirchenjahres nicht gerade von Vorteil sind.
Um nach Pfingsten mit einem bürgerlichen Kalender den jeweiligen Sonntag im Jahreskreis zu bestimmen, muss man zB vom 1. Advent immer Rückwärts zählen. Das ist nicht gerade eine befriedigende Lösung. Ohnehin ist die Konstruktion des Jahreskreises nicht gerade glücklich und bringt die neue katholische Weise das Kirchenjahr zu gliedern im Verhältnis zu den liturgischen Bräuchen der anderen christlichen Konfessionen in eine Außenseiterstellung.
Dazu kommt die quasi Nicht-Existenz des Pfingstmontags. Die abgewürgte Weihnachtszeit und die damit verbundene komplizierte Verortung des Festes Lichtmeß (weihnachtliches Fest außerhalb der Weihnachtszeit).
Schließlich die Entwertung des Ostersonntags durch die Fixierung auf die Vigilfeier und die Verklammerung derselben mit Abendmahlsmesse und Karftreitag zu den "drei österlichen Tagen". Zwar ist die Feier des Triduums alt, aber auch nicht unproblematisch, da es den Blick auf die herausragende Stellung des Oster
sonntags verstellt.