Film "Von Menschen und Göttern"

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HeGe
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Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von HeGe » Dienstag 26. Oktober 2010, 14:18

Bei gloria.tv habe ich gerade den Trailer zu einem neuen, interessanten Film entdeckt, der sich um die Geschehnisse der Ermordung der sieben, zwischenzeitlich als Martyrer selig gesprochenen Trappisten in Algerien im Jahr 1996 dreht:



Hier ein Bericht des domradios dazu: http://www.domradio.de/aktuell/64269/vo ... ttern.html

Der Film kommt am 16.12.21 in die Kinos.

http://www.vonmenschenundgoettern-derfilm.de/
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von HeGe » Freitag 10. Dezember 2010, 11:43

Nächste Woche ist es soweit, der Film kommt in die Kinos. :klatsch:

Hier noch ein Bericht von kath.net:

http://www.kath.net/detail.php?id=29296
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cantus planus
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von cantus planus » Freitag 10. Dezember 2010, 11:43

Ich bin schon sehr gespannt. :ja:
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Linus
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Linus » Freitag 10. Dezember 2010, 12:21

HeGe du bist zu spät dran.

viewtopic.php?p=46716#p46716 ;)
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von HeGe » Freitag 10. Dezember 2010, 12:26

Linus hat geschrieben:HeGe du bist zu spät dran.

viewtopic.php?p=46716#p46716 ;)
Du warst zu spät, das Thema habe ich schon am 26.1.21 eröffnet! Bild :breitgrins:
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Linus » Freitag 10. Dezember 2010, 12:31

mist :aergerlich: :motz:
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Irenaeus
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Irenaeus » Freitag 10. Dezember 2010, 14:38

Kann man bei http://www.Amazon.fr schon als DVD vorbestellen. "Des hommes et des dieux"
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Germanus
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Germanus » Sonnabend 11. Dezember 2010, 11:29

Die sieben Zisterzienser von Tibhirine sind zwar noch nicht als Martyrer kanonisiert, ihrer wird jedoch im "Menologium cisterciense" am 21. Mai gedacht. Der Film über die Geschehnisse von 1996 hat in Frankreich großen Zuspruch erhalten und wird auch von unmittelbar beteiligten Menschen gelobt. Der damalige Generalprokurator ocso, Dom Armand Veilleux, erwärmt sich für die Darstellung, aber auch der unmittelbare Nachfolger von P. Christian de Chergé (als Prior von Notre-Dame de l'Atlas) findet lobende Worte für die Inszenierung. Das will schon etwas heißen, da die überaus komplexen Ereignisse von 1996 nur schwer in ihrer Gesamtheit dargestellt werden können. In Frankreich wurden in einigen Kinos meines Wissens zusammen mit der Ausstrahlung auch Diskussionen (o.ä.) angeboten, wohl auch mit ausgewählten Mönchen.
Gruß G.
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Berolinensis
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Berolinensis » Sonnabend 11. Dezember 2010, 11:36

Germanus hat geschrieben:Die sieben Zisterzienser von Tibhirine sind zwar noch nicht als Martyrer kanonisiert, ihrer wird jedoch im "Menologium cisterciense" am 21. Mai gedacht.
Wie verträgt sich das mit den Dekreten Urbans VIII. super non cultu?

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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Germanus » Sonntag 12. Dezember 2010, 21:07

Berolinensis hat geschrieben:
Germanus hat geschrieben:Die sieben Zisterzienser von Tibhirine sind zwar noch nicht als Martyrer kanonisiert, ihrer wird jedoch im "Menologium cisterciense" am 21. Mai gedacht.
Wie verträgt sich das mit den Dekreten Urbans VIII. super non cultu?
Im "Menologium" finden sich viele Mönche und Mönchinnen, die nicht kanonisiert sind, aber trotzdem ihres vorbildlichen Lebenswandels wegen erwähnt werden. Diese Praxis gab es schon lange vor dem Papst Urban, dessen Dekret sich ja wohl nur auf den "Kult" der Person bezieht.
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Galilei » Montag 13. Dezember 2010, 22:42

Gerade wurde im Heute-Journal eine Rezension zum Film gesendet. Die Bewertung war durchweg positiv, allerdings wurde das Wirken der Mönche bezeichnenderweise umgedeutet: Es gehe in dem Film nicht um Religion, sondern um Humanismus; die Mönche seien nicht zur Mission in Algerien gewesen, sondern hätten mit den Einheimischen islamische Feste gefeiert.
:patsch:

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Irenaeus
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Irenaeus » Mittwoch 15. Dezember 2010, 17:52

Am Sonntag und Montag lief auf WDR 5 ein Feature.... den Text habe ich online gefunden:

http://www.wdr5.de/sendungen/dok-5/s/d/ ... 11.5.html
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Pit » Mittwoch 15. Dezember 2010, 18:44

cantus planus hat geschrieben:Ich bin schon sehr gespannt. :ja:
Den Film werde ich mir auf jeden Fall anschauen,, das ist sicher :) :ja: .
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von cantus planus » Mittwoch 15. Dezember 2010, 18:46

Falls es noch nicht alle wissen: es gibt schon lange ein brauchbares Buch über das Kloster und seine Bewohner: http://www.deutschesfachbuch.de/info/de ... 9b21b3c89
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von HeGe » Donnerstag 16. Dezember 2010, 11:56

cantus planus hat geschrieben:Falls es noch nicht alle wissen: es gibt schon lange ein brauchbares Buch über das Kloster und seine Bewohner: http://www.deutschesfachbuch.de/info/de ... 9b21b3c89
Habe ich vor einigen Jahren mal gelesen, ist wirklich empfehlenswert.
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Ralf
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Ralf » Donnerstag 16. Dezember 2010, 16:06

Meine Rezension zum Film:

http://paxetbonum.de/index.php/21/12/ ... um-extrem/

Meine Rezension zum genannten Buch (schon ein paar Jahre alt):

http://paxetbonum.de/index.php/27/1/ ... em-rutsch/
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

iustus
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von iustus » Donnerstag 16. Dezember 2010, 20:44

Die Rezension in der FAZ:

http://www.faz.net/s/Rub8A25A66CA9514B9 ... ntent.html

Daraus:
„Von Menschen und Göttern“ ist ein großer Erfolg geworden - und ein phantastischer Film. Das liegt daran, dass Beauvois sich vielleicht als Einziger die richtige Frage gestellt hat zu Tibhirine.

Denn das eigentliche Rätsel ist nicht, wer die Mönche ermordet hat und welche Motive dabei eine Rolle gespielt haben könnten. Beauvois und sein Drehbuchautor Etienne Comar haben begriffen, dass die Hauptrolle die Mönche selbst spielen müssen und die Frage danach, warum sie in ihrem Kloster geblieben sind, während um sie herum die Gewalt überhand nahm. Die einfache Antwort ist: wegen ihres Glaubens. Wie aber soll man den erklären, wie vor allem in einem Film?

Beauvois geht ganz geradlinig vor, er zeigt den Zuschauern zunächst das Leben in Tibhirine. Er tut das in gewohnter Manier: unaufgeregt, nüchtern, mit einer dokumentarischen Zurückhaltung. Wir sehen die Mönche früh am Morgen, wie sie ihre Zellen verlassen und in die kleine Kirche gehen. Man hört das Rauschen des Stoffes, wenn sie ihr Ornat anlegen. Wir sehen sie in zwei Reihen voreinander stehen und den Gottesdienst feiern, eine strenge Liturgie, getragen vom gemeinsamen Gesang. Wir sehen sie schweigend bei der Arbeit im Garten und auf dem Feld.

Das Leben im Kloster bedeutet eine Einkehr, einen Rückzug auf das eigene Ich vor Gott. Das ganze Leben wird dieser Meditation unterstellt. Obwohl die Mönche wenig reden, gelingt es Beauvois, das deutlich zu machen. Es gelingt ihm, die tiefe Frömmigkeit dieser Männer als eine menschliche Möglichkeit, als eine Fakultät des Geistes durchscheinen zu lassen, die schwer zu verstehen ist und die eigenen Gesetzen folgt, die aber nichts Kindliches hat, sondern in erster Linie etwas Schweres, Hochkomplexes, furchtbar Ernstes ist. Die heitere Gelöstheit des Bruders Luc (Michael Lonsdale), der von sich sagt, er habe vor nichts mehr Angst, er sei frei, ist unter den Mönchen eine Ausnahme. „Warum ist der Glaube derart bitter?“, liest einer von ihnen aus dem Text eines Glaubensbruders vor.

Ablenkung finden die Mönche im Zusammenleben mit der Dorfgemeinschaft, zu der sie sehr lebendig gehören. Sie betreiben eine Krankenstation, verkaufen ihre Produkte auf dem Markt, pflegen Freundschaften mit den Dorfbewohnern. Der verschiedene Glaube spielt dabei kaum eine Rolle, ganz selbstverständlich sehen wir die Mönche an einer islamischen Zeremonie teilnehmen.
Abseits der Welt

Die Gewalt erscheint in dieser Welt wie etwas Außerirdisches. Im Leben der Mönche und des Dorfes kommt sie nicht vor, bis der Abt Christian (Lambert Wilson) eines Tages beim Imam sitzt und der entgeistert davon erzählt, dass seine Nichte in Algier erstochen worden sei - weil sie keinen Schleier getragen habe. „Was geht in diesen Leuten vor? Das versteht man nicht mehr, das ist neu“, sagt der Imam. „Niemand von denen kennt den Koran! Die Welt wird verrückt, Christian!“

Germanus
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Germanus » Donnerstag 13. Januar 2011, 21:28

Im Bernardus-Verlag erscheint, angeregt durch den Film, ein Buch (2. Auflage eines vergriffenen Werkes) über die Ereignisse in Algerien, spezielle im Kloster N.-D. de l'Atlas, während der Bürgerkriegszeit der 90-er Jahre - besonders natürlich über die Entführung und Ermordung der sieben Brüder der Gemeinschaft: Hier eine Verweisung auf den Vertrieb über Amazon.
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von HeGe » Freitag 14. Januar 2011, 09:40

Ich habe den Film mittlerweile auch gesehen. Am Anfang ist er etwas konfus geschnitten, wie ich finde, aber nach dem ersten Drittel wird er richtig gut. Sehr empfehlenswert!
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Debora
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Debora » Freitag 14. Januar 2011, 11:50

Ich habe den Film mittlerweile auch gesehen. Am Anfang ist er etwas konfus geschnitten, wie ich finde, aber nach dem ersten Drittel wird er richtig gut. Sehr empfehlenswert!
Ich wollte den Film auch ansehen, aber in Linz lief er gerade mal 2 Wochen, so dass ich in verpasst habe :(
Die Eucharistie ist das tägliche Brot, das wir als Heilmittel gegen die tägliche Schwachheit brauchen. Hl. Augustinus

iustus
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von iustus » Montag 17. Januar 2011, 20:40

http://www.bistum-limburg.de
Mit einem Pontifikalamt in der Limburger Domkirche beging Bischof Dr. Franz Peter Tebartz-van Elst den Jahrestag seiner Bischofsweihe und die Einführung als Bischof von Limburg. In seiner Predigt bezog er sich auf den aktuellen Film „Von Menschen und von Göttern“ des französischen Regisseurs Xavier Beauvois.

Er machte auf die Situation vieler Christen aufmerksam, die sich angesichts konkreter Angriffe oder gesellschaftlicher Infragestellung für ihren Glauben entscheiden müssen. Der Film zeige die Mönche eines von Fundamentalisten bedrohten Trappistenklosters in Algerien „in dieser quälenden Frage, in seinem eigenen Temperament, mit seinem eigenen Charisma und in seiner eigenen persönlichen Bedrängnis“. Sie entschieden sich „bei den Menschen vor Ort zu bleiben, die sie brauchen“. Indem sie blieben, bezeugten sie einen Gott, der die Menschen nicht aufgebe, so der Bischof. Sie bekennen sich damit zugleich zu einem „Menschen, für den Gott aufs Äußerste gegangen ist“. Ein Martyrium könne und dürfe man nicht freiwillig anstreben, es komme auf Menschen zu und für viele gebe es kein Entrinnen.

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overkott
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von overkott » Sonntag 23. Januar 2011, 22:08

Meiner Meinung nach ist das der beste spirituelle Film, den ich seit langem gesehen habe. Er überzeugt durch seine Vielschichtigkeit und Dichte. Die Frage nach Gott wird plötzlich existentiell. Der Film zeigt sehr behutsam unterschiedliche Typen von Ordensleuten und Spiritualitäten. Er reflektiert etwas von der Vielfalt, die in den Texten des heiligen Bonaventuras durchscheinen. Er zeigt Konkordanz und Konflikt mit dem Isalm und portraitiert die gesellschaftliche Krise eines Jahrzehnts in einem nordafrikanischen Land mit französischer Kolonialvergangenheit. Dramaturgisch wird die wachsende Spannung im Wechsel mit Entspannungsmomenten zum Höhepunkt gesteigert: Gesichter und Musik verschmelzen schließlich zur reinen Emotion, die unter die Haut geht. Nicht zuletzt vermag der Film auch, die Botschaft Jesus Christi intellektuell einem Kinopublikum zu vermitteln.

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Niels
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Niels » Montag 24. Januar 2011, 00:01

overkott hat geschrieben:Meiner Meinung nach ist das der beste spirituelle Film, den ich seit langem gesehen habe. Er überzeugt durch seine Vielschichtigkeit und Dichte. Die Frage nach Gott wird plötzlich existentiell. Der Film zeigt sehr behutsam unterschiedliche Typen von Ordensleuten und Spiritualitäten. Er reflektiert etwas von der Vielfalt, die in den Texten des heiligen Bonaventuras durchscheinen. Er zeigt Konkordanz und Konflikt mit dem Isalm und portraitiert die gesellschaftliche Krise eines Jahrzehnts in einem nordafrikanischen Land mit französischer Kolonialvergangenheit. Dramaturgisch wird die wachsende Spannung im Wechsel mit Entspannungsmomenten zum Höhepunkt gesteigert: Gesichter und Musik verschmelzen schließlich zur reinen Emotion, die unter die Haut geht. Nicht zuletzt vermag der Film auch, die Botschaft Jesus Christi intellektuell einem Kinopublikum zu vermitteln.
Danke für Deine Rezension, Ovi. Ich hoffe, dass ich mir den Film im Laufe der Woche anschauen kann.
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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overkott
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von overkott » Sonnabend 29. Januar 2011, 19:14

Nimm dir nicht zuviel vor.

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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von incarnata » Dienstag 1. Februar 2011, 20:16

Werde den Film übermorgen hier in unserem hübschen kleinen Programmkino sehen können. Bin schon sehr gespannt.Das Buch hatte ich ja schon einmal vor Jahren im Bücherregal empfohlen,allerdings damals selbst nur kursorisch überflogen.Habe es jetzt komplett gelesen.Es ist sehr interessant,nicht nur durch die sehr gute Erfassung des Lebens und der Motivation der Mönche inclusive ihrer individuellen Macken und Schwächen und wie sie zuletzt in der Situation der Dauerbedrohung jeder auf seine Weise über sich hinauswachsen-sondern auch auf Grund der exakten Beschreibung der politischen Hintergründe und Konflikte innerhalb der islamischen Welt.Dies insbesondere angesichts der aktuellen Ereignisse in Marokko und Ägypten.Das Buch zeigt eben auch,wie Mission im Sinne:das Wirken christlichen Glaubens aufleuchten lassen funktionieren kann,-einfach durch Vor-und Mitleben und tägliche Glaubenspraxis.
Der Muslim Mohammed z.B. begleitet den Abt auf einer Reise zu anderen Trappistenklöstern ,erlebt dort das mönchische Leben und kommentiert das Ganze
anerkennend mit dem satz,alle diese Männer seien wahre Muslime !
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Peti » Mittwoch 2. Februar 2011, 08:35

Danke für den Tipp. Werd mir den Film auch in Holzkirchen anschauen. :huhu:
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von incarnata » Freitag 4. Februar 2011, 14:37

War wirklich ein wunderschöner,ruhiger Film und die Charaktere sehr gut getroffen,teils sogar deutliche Ähnlichkeiten mit dem äusseren Erscheinungsbild der echten Mönche.
Die inneren Kämpfe-und das Ruhe -finden in Gott-alles sehr ergreifend;schön auch die Naturaufnahmen und Einblicke in das Leben der muslimischen Nachbarn.
ad Peti: wennśt am Wochenende ins Kino nach Holzkirchen kommst Langlaufski
nicht vergessen.!Loipen um den Ort laufen noch-am besten in Großhartpenning !
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Yeti » Sonntag 6. Februar 2011, 16:12

Ich habe den Film vor kurzem auch gesehen und war wirklich ergriffen. Sehr witzig fand ich die Stelle, als einer der ins Kloster eindringenden Terroristen im Ernst einen Pater fragte: "Bist du der Papst?" Ein wundervolles Schlaglicht auf diese analphabetisierten Halbwilden, die Allah zu Hilfe kommen wollen. Wundervoll auch die filmisch nachgestellte Abendmahlsszene mit Tschaikowsky-Untermahlung (Schwanensee!). Nicht ganz so gut fand ich den Synkretismus, der allenthalben hervorlugte; Allah und der christliche Gott seien ein- und derselbe (so auch der Prior), im Koran stünde nichts vom "Heiligen Krieg". Meine Frau und ich (wir sahen den Film gemeinsam) diskutierten danach auch, ob es wirklich weise war, den Schutz des Militärs abzulehnen (in zweierlei Hinsicht, weil man für das Militär dadurch auch verdächtig wurde). Ich war und bin der Ansicht, dass diese Entscheidung falsch war, weil man mit militärischem Schutz noch mehr und noch länger hätte positiv wirken können. In gewisser Weise haben sie dadurch das Martyrium gesucht - und gefunden.
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Yeti » Montag 7. Februar 2011, 21:12

berneuchen hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben: Ich war und bin der Ansicht, dass diese Entscheidung falsch war, weil man mit militärischem Schutz noch mehr und noch länger hätte positiv wirken können. In gewisser Weise haben sie dadurch das Martyrium gesucht - und gefunden.
Unter den Menschen, die dann vom selben Mititärapparat als vermeintliche Sympatisanten gefoltert und gemordet werden. :vogel:
Unter der Bevölkerung gab es im Film keine Sympathisanten für die Terroristen, gut möglich, dass es in der Wirklichkeit anders war. Und wenn das Militär nicht in Algerien nicht solche Macht hätte, gäbe es schon längst einen Mullah-Staat vor der Haustüre. Ob die dir als Ungläubigen dann noch so günstig Erdgas liefern, wäre fraglich. Wahrscheinlich würden sie andere Sachen schicken. :vogel:
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von Marion » Montag 14. Februar 2011, 15:54

Bischof Williamson:
ELEISON KOMMENTARE CLXXXVII. (12. Februar 2011) : BEACHTLICHER FILM

Es ist gut nachvollziehbar, warum der kürzlich veröffentlichte französische Spielfilm namens ,,Von Menschen und Göttern" (,,Des hommes et des dieux") auf den namhaften Filmfestspielen von Cannes in Frankreich zahlreiche Preise gewann. Der Film zeichnet die realen Ereignisse der letzten Monate im Leben eines Zisterzienserklosters im nach-kolonialen Algerien des Jahres 1996 nach, wo zum Schluß unbekannte Attentäter die acht Mönche umbrachten. Die Regie, die Schauspielkunst und die Aufnahmen des Filmes sind sehr schön. Für Katholiken jedoch, welche mit der Tradition vertraut sind, ist an diesem Spielfilm besonders seine Religion interessant, sowie aus religiöser Sicht seine Politik.

Am bemerkenswertesten an diesem Film ist vielleicht der wahre Sinn für die Religion - angesichts der Tatsache, daß er die konziliare Religion zeigt. Die Glaubenslehre betreffend kommen ökumenische Elemente vor, beispielsweise ein übermäßiger Respekt gegenüber dem Koran. Was die Liturgie betrifft, so sind die Worte und Musik, welche in dem einfachen, aber hehren Kloster gesungen werden, jene des modernen Menschen: also subjektiv und sentimental. Dennoch sind die regelmäßigen Szenen, welche die Mönche beim Gebet zeigen, so wahrhaft religiös, daß sie in unserem säkularen Zeitalter insgesamt überraschen. Genau das ist der Kern eines Klosters! - mag der Zuschauer sich sagen.

Und wir, was sollen wir dazu sagen? Zur Regie und zum Schauspiel im Spielfilm sei ein Vergleich erlaubt. Moderne Briten können immer noch am überzeugendsten die viktorianische Epoche darstellen, weil das britische Imperium genug in ihrem geschichtlichen Bewußtsein ist, um noch in ihrem Blut zu liegen. Auf ähnliche Weise können auch die französischen Schauspieler in diesem Film auf hervorragende Weise Mönche darstellen, weil das katholische Mönchtum ein elementarer Bestandteil ihres geschichtlichen Erbes ist. Entscheidend jedoch ist das, was aus dem Herzen eines Menschen kommt - wie unser Herr sagt (Matthäus 15,18-19). Weitgehend das beste muß also die beherzte Tradition sein, aber dieser Film soll uns Traditionalisten daran erinnern, daß ein beherzter Konziliarismus dem lieben Gott besser gefallen mag, als eine Tradition, deren Herz erkalten würde.

Von besonderem Interesse angesichts der derzeitigen islamischen Aufstände in verschiedenen arabischen Ländern ist die im Film dargestellte Politik. Die Mönche im Film stecken politisch in einer Zwickmühle - was im echten Leben zweifellos auch so war. Auf der einen Seite ist ihr nicht-islamisches Leben offensichtlich von den islamischen Rebellen bedroht, welche jeden umbringen, der einer politischen Übernahme Algeriens durch den Islam im Wege steht. Auf der anderen Seite ist es der nach-kolonialen algerischen Regierung höchst suspekt, daß die Mönche den Rebellen Hilfe und Beistand leisten, indem sie zum Beispiel die von der Kirche vorgesehenen Werke der tätigen Barmherzigkeit an den verwundeten Rebellen üben. Deswegen fordert die Regierung die Mönche auf, das Land zu verlassen. Bis heute vermuten sogar manche Menschen, daß die Regierung diese Mönche hinrichten ließ. Gott weiß, ob es so war.

Und wir, was sollen wir dazu sagen? Sicherlich ist ein beherzter Katholizismus einem beherzten Islam weit überlegen, weil der Islam eine anti-christliche, grob vereinfachende und brutale Sekte ist. Doch wenn dem Katholizismus das Herz entnommen wird, wie auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil geschehen, so können im wirklichen Leben irgendwo auf der Welt katholische Mönche und Priester sich dadurch schuldig machen, daß sie anti-katholischen Revolutionären nicht nur medizinische, sondern auch moralische Unterstützung geben. Schon Erzbischof Lefebvre sagte, daß modernistische Priester die schlimmsten Revolutionäre ausmachen können. Überrascht es dann, wenn eine bestehende Regierung die Unterwanderung von Recht und Ordnung durch konziliare Priester nicht hinnimmt? In der Tat wächst der Islam nur deswegen, weil die wahre katholische Kirche noch immer im Niedergang begriffen ist.

So viel hängt von den wenigen Seelen ab, welche noch an der katholische Tradition festhalten! Kyrie eleison.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von HeGe » Donnerstag 17. Februar 2011, 10:50

1. Cinema-for-Peace-Gala in Berlin

Xavier Beauvois' Film "Von Menschen und Göttern" wurde am Montag mit dem Cinema for Peace Award for the Most Valuable Movie ausgezeichnet.[...]
Quelle: http://www.gmx.net/themen/unterhaltung/ ... -in-berlin

Das hört sich zwar nach eine ziemlichen Gutmenschen-Veranstaltung an, aber über den Preis kann man sich ja trotzdem freuen.
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Re: Film "Von Menschen und Göttern"

Beitrag von HeGe » Freitag 1. September 2017, 12:25

Germanus hat geschrieben:
Sonnabend 11. Dezember 2010, 11:29
Die sieben Zisterzienser von Tibhirine sind zwar noch nicht als Martyrer kanonisiert, ihrer wird jedoch im "Menologium cisterciense" am 21. Mai gedacht. Der Film über die Geschehnisse von 1996 hat in Frankreich großen Zuspruch erhalten und wird auch von unmittelbar beteiligten Menschen gelobt. Der damalige Generalprokurator ocso, Dom Armand Veilleux, erwärmt sich für die Darstellung, aber auch der unmittelbare Nachfolger von P. Christian de Chergé (als Prior von Notre-Dame de l'Atlas) findet lobende Worte für die Inszenierung. Das will schon etwas heißen, da die überaus komplexen Ereignisse von 1996 nur schwer in ihrer Gesamtheit dargestellt werden können. In Frankreich wurden in einigen Kinos meines Wissens zusammen mit der Ausstrahlung auch Diskussionen (o.ä.) angeboten, wohl auch mit ausgewählten Mönchen.
Gruß G.
Es läuft bekanntlich derzeit der Seligsprechungsprozess für die Märtyrer. Heute waren der Erzbischof von Algier, der Bischof von Oran und P. Thomas Georgeon, O.C.S.O., der Postulator des Seligsprechungsprozesses, zur Audienz beim Papst, vielleicht gibt es also bald Neues in diesem Verfahren:

http://press.vatican.va/content/salasta ... 01214.html
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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