Im Himmel und auf Erden

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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overkott
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Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

Ist mit dem Himmel der Bereich des Geistes gemeint? Und was soll eigentlich auf Erden geschehen?

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Marion
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von Marion »

overkott hat geschrieben:Ist mit dem Himmel der Bereich des Geistes gemeint?
Nicht nur, da gibt es ja auch Körper. Jesus und Maria sind auf jeden Fall schon mit Haut und Haar da.
overkott hat geschrieben:Und was soll eigentlich auf Erden geschehen?
Sein Wille
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Amandus2
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von Amandus2 »

Marion hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Ist mit dem Himmel der Bereich des Geistes gemeint?
Nicht nur, da gibt es ja auch Körper. Jesus und Maria sind auf jeden Fall schon mit Haut und Haar da.



Nicht nur Jesus und Maria, sondern auch noch andere, z.B. Romulus, der Bruder von Remus:

"Als Romulus, um das Heer zu mustern, auf dem Feld beim Ziegensumpf eine Volksversammlung abhielt, entstand plötzlich ein Unwetter mit furchtbarem Getöse und Donnerschlägen. Es bedeckte den König mit einer so dichten Wolke, daß es seine Gestalt den Blicken der Volksversammlung entzog. Danach war Romulus nicht mehr auf Erden...
...das römische Volk verharrte lange in traurigem Schweigen, denn leer sah es den Thron des Königs - wenn es auch den Senatoren, die in nächster Nähe gestanden hatten, glaubte, daß Romulus durch einen Strumwind in den Himmel entrückt worden sei.
Darauf machten einige den Anfang, und schließlich huldigten alle Romulus als einem Gott, von Gott bezeugt, als König und Vater der Stadt Rom.

(Römische Geschichte, zitiert nach Gerhard Lohfink. Die Himmelfahrt Jesu - Erfindung oder Erfahrung, Stuttgart 198, S.9)



Genauer gesagt: Der Himmel ist schon jetzt gut bevölkert:

http://de.wikipedia.org/wiki/Himmelfahrt

Thomas_de_Austria
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Ja, ja, so wurde Romulus zu Quirinus, der am Quirinal angebetet wurde ... - Die heidnischen Fabeln (bemerkenswert sind auch die Unterschiede: Hier kommt eine dicke Wolke und man sieht nichts mehr, bei unserem Herrn sahen die Apostel alles, was sie noch irgendwie wahrnehmen konnten, ganz offen usw.) ...

Heinrich
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von Heinrich »

overkott hat geschrieben:Ist mit dem Himmel der Bereich des Geistes gemeint? Und was soll eigentlich auf Erden geschehen?
Schon Philo hat einen Geist (nous) in der Welt und deren Gesetzmäßigkeit wirken gesehen, der sich dem menschlichen Geist (nous) erschließen kann. Mehr oder weniger ein Vorläufer des christlichen Logos. Diese platonische Vorstellung geht weiter davon aus, dass es eine ontologische Hierarchie von oben nach unten gibt, d.h. Gott hat die Welt von oben nach unten - vom Himmel zur Erde - geordnet und ins Sein gebracht. Auf Erden bleibt nichts Besseres zu tun, als den Weg nach oben zu finden und im Sinne des Oben zu leben.

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overkott
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

Heinrich hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Ist mit dem Himmel der Bereich des Geistes gemeint? Und was soll eigentlich auf Erden geschehen?
Schon Philo hat einen Geist (nous) in der Welt und deren Gesetzmäßigkeit wirken gesehen, der sich dem menschlichen Geist (nous) erschließen kann. Mehr oder weniger ein Vorläufer des christlichen Logos. Diese platonische Vorstellung geht weiter davon aus, dass es eine ontologische Hierarchie von oben nach unten gibt, d.h. Gott hat die Welt von oben nach unten - vom Himmel zur Erde - geordnet und ins Sein gebracht. Auf Erden bleibt nichts Besseres zu tun, als den Weg nach oben zu finden und im Sinne des Oben zu leben.
Auch Augustinus fand das kompatibel mit biblischem Denken. Vor ihm schon Johannes, was ja nun auch echt kein Wunder war.

Heinrich
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von Heinrich »

Das wichtigste daran ist meines Erachtens, dass wir dem Himmel und Erde umfassenden Kosmos nicht unbeteiligt gegenüberstehen, sondern - wie schon die antiken "Heiden" erkannt haben - einen "Mikrokosmos" bilden, also teilhaben an der Ganzheit. Und wie Philo schon so schön erkannt hat, repräsentiert sich diese Ganzheit vornehmlich in unseren Seelen.

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overkott
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

Jesus hat die Augen zum Himmel empor gehoben und den Willen des Vaters erkannt, der die Sonne scheinen lässt über Gerechte und Ungerechte und dessen Regen allen Segen spenden soll, und das Loblieb der Vögel des Himmels auf den himmlischen Vater gehört, der alles am Leben erhält bis zur Ewigen Ernte.

civilisation
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von civilisation »

Wenn man den Psalm 19 einmal aufmerksam durchgeht, dann kann man begreifen, wie Himmel und Erde einander zugeordnet sind. So wie im Himmel, d.h. in der unmittelbaren Umgebung des Herrschers, alles sein Glanz und sein Wohlgefallen ist, so sollte es auch auf der Erde sein. Diese Möglichkeit gibt es tatsächlich, und zwar im Gesetz. Es ist der Ausdruck des Willens Gottes auf der Erde.
Aber Wohlgefallen ist der Wille Gottes in seiner Vollendung. Darum ist es eine ungeheure Botschaft an Weihnachten, dass es Menschen des Wohlgefallens Gottes geben soll, dass es wirklich eine eudokia im Vollsinn des Wortes hier auf Erden geben soll, nicht nur das Gesetz. Denn das, was die Sonne am Himmel bewegt und sie wie einen Helden Tag für Tag die Bahn laufen lässt, ist die Freude, der Ausdruck des Wohlgefallen Gottes. Daß wir Träger des Wohlgefallen Gottes sind, merken wir daran (wenn wir es überhaupt merken), dass Gottes ganz große Kraft uns erfasst, zur freudigen Hingabe befähigt und sich in dieser Weise ohne Unterlaß auswirkt. Vollkommen ist die eudokia, die Freude, das Wohlgefallen Gottes in denen, die den Himmel bewohnen. Wenn darum der Herr seine Jünger beten lässt: „So wie es im Himmel ist, so möge es auch bei uns sein“, dann kündet er damit die baldige Abschaffung des Gesetzes an, einen Zustand, in dem nicht mehr die Differenz besteht zwischen Gesetz und Wohlgefallen, sondern einen Zustand, der das Gesetz seiner Last, seiner Unerträglichkeit entkleidet und an seine Stelle das Wohlgefallen Gottes setzt.
Das heißt aber nicht, dass man das Gesetz nicht mehr beobachten braucht; vielmehr wird der buchstäbliche Gesetzesgehorsam in dem Maße überhöht oder „erfüllt“, als er durch die bedingungslose Hingabe an den nicht mehr in Buchstaben festgelegten Willen Gottes ersetzt wird.
Den Sinn kann uns am besten der heilige Paulus klarmachen mit der ganzen Glut seiner Predigt. Er verkündet mit dem Einsatz seines Lebens und seiner Ehre: Nicht die alte Knechtschaft, nicht das Eingeengtsein unter einem Gesetz gilt jetzt mehr, denn er ist gekommen, der Sohn des lebendigen Gottes, der Wille des Vaters, das Wohlgefallen in Person, um uns dahin zu bringen, dass wir laufen wie die Sonne am Himmel, dass wir selbst wirklich aus innerem Bewegtsein, in der Teilnahme an Gottes Wohlgefallen, in der Freude des lebendigen Gottes an uns den Weg gehen, der uns führen soll in den ewigen Zustand der eudokia.
Quelle: Manuskript zu Exerzitien über das Vater Unser.)

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overkott
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

Ist das eine Eigenproduktion?

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overkott
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

Vor einigen Jahren vertrat auf Exerzitien für Journalisten ein Jesuit und Philosphieprofessor die Meinung, es gebe nur eine Welt und keine zwei, es gebe keinen zweiten Himmel.

Für den Normalgläubigen war das ein dicker Hund.

Für den aufgeklärten Normalgläubigen ist das heute noch eine Dummheit. Denn der Philosophieprofessor stellte die Einheit in Vielfalt in Frage. Demgegenüber geht die Bibel von ihrem allgemeinen Überblick über das All (Filmemacher sprechen von Supertotale) zu den Besonderheiten in Raum und Zeit über. Das Bild wird immer differenzierter.

Zu dieser Differenzierung gehört auch die Unterscheidung zwischen Himmel und Erde, zwischen oben und unten, zwischen ewig und zeitlich, zwischen gut und böse. Wer die Begriffe semantisch ordnet, gewinnt ein klareres Bild: Himmel, oben, ewig - zum Beispiel - meinen das Gleiche.

Dass der Himmel oben ist, dürfte kaum einer in Frage stellen. Dass aber oben und ewig ethymologisch auch im Deutschen zusammenhängen, erkennt man an der Namensentwicklung von Over, Ewer, Euer. Overrath und Ewersbusch etwa dürften beide Oberwald bedeuten. Ob es tatsächlich einen Zusammenhang gibt zwischen oben und ewig, zeigt sich in der Gegenprobe im Lateinischen: Aether (Himmel) und aeternus (ewig) hängen sprachlich ebenfalls zusammen.

Daraus ergibt sich im Hinblick auf den doppelten Himmel, dass es den natürlichen Himmel und den übernatürlichen Himmel gibt, den körperlichen Himmel und den geistigen Himmel. Ihr Zusammenhang ist bildlicher Art: Die sichtbare Welt ist ein Bild für die unsichtbare Welt.

Daraus ergibt sich im Hinblick auf das ewige Leben: Das ewige Leben ist das obere Leben, das geistige Leben. Von daher verstehen wir, dass Menschen mit tiefsitzenden körperlichen Interessen nicht zum höheren geistlichen Leben berufen sind.

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lutherbeck
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von lutherbeck »

Daher also der Name "overkott"?
:kussmund:
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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overkott
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

lutherbeck hat geschrieben:
Daher also der Name "overkott"?
:kussmund:
Overkott bedeutet das Gleiche wie Oberhausen.

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overkott
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

Wie der Himmel in der Naturwissenschaft auch heute noch in Sphären gedacht wird, sprach man auch früher vom Himmel im Plural:

Vater unser, der du bist in den Himmeln...

Den Wind im Makrokosmos verstand man wie den Atem als Bild für das Leben und die Seele. Das animal ist das atmende und beseelte Wesen, von dem sich der Mensch als animal rationale durch die Vernunft unterscheidet.

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overkott
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

Worin aber zeigt sich die Vernunft, wenn nicht in der Leitung der Herden?

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overkott
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Re: Im Himmel und auf Erden

Beitrag von overkott »

Wie der himmlische Vater also die Lichter lenkt, so hütet der Hirte seine Herde und seine Frau den Herd.

Die Bibel kannte auch die Königin von Saba zum Beispiel.

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