Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Ostkirchliche Themen.
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Robert Ketelhohn
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Raphael hat geschrieben:Zwei Denkanstöße zum filioque:
1. Der Vater haucht den Geist durch den Sohn!
Wenn man also den Hl. Geist erschaut, dann kann man ihn auch durch den Sohn hindurchscheinen sehen. In diesem Sinne ist dann der Sohn Ursprung des Hl. Geistes, nicht jedoch ursprünglicher Ursprung der dritten Hypostase; letzteres ist und bleibt der Vater auf Ewigkeit.
2. Innertrinitarisch kann das Bild der Familie die Position der einzelnen Hypostasen annähernd darstellen: Der Sohn und der Hl. Geist sind wie zwei Brüder aus demselben Vater; die eine Hypostase ist gezeugt, die andere Hypostase geht hervor.
Pi mal Daumen biste damit auf der Linie der Kappadozier. Jetzt müßten dir
die Ostler plaudieren. (Ich verstehe noch nicht – inzwischen auf Seite 14 –,
weshalb ihr euch statt dessen in die Haare geraten seid.)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Robert Ketelhohn
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Robert Ketelhohn »

songul hat geschrieben:Jou. :breitgrins:
Danke schön!
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Robert Ketelhohn
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Mary hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben: 1. Der Vater haucht den Geist durch den Sohn!
Wie war denn das genau bei der Empfängnis Jesu = der Inkarnation des Logos in Maria?
Jedenfalls bezieht diese Frage sich auf die Ökonomie. Das filioque bezieht
sich dagegen auf die „Immanenz“, auf die ontische Seite der Medaille. Bloß
mal angemerkt. (Welche Seite Raphael im Sinn hatte, ist nicht ganz klar.)
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Sebastian
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Sebastian »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Dieweil ich mit der Lektüre immer noch auf Seite 13 dieses Strangs herumgammele,
Roman mit seiner Aufräumaktion auch noch nicht zu Potte gekommen ist und einige
schon mit den Hufen scharren, endlich antworten zu können (werden sie bestimmt
können), mißbrauche ich frecherweise meine Administratorenmöglichkeiten – dies-
mal wissentlich –, trotz Sperre noch ein paar Gedanken beizusteuern.

Mary hat geschrieben:Was mag Bekkos und Peter Gillquist motiviert haben? Es ist bei beiden der Wille zur Einheit, zum Konsens. Es ist die Frage, ob nicht im Grunde der gleiche Glaube nur in unterschiedlichen Worten ausgedrückt wird. In dieser Weise müssten auch ökumenische Gespräche geführt werden. Da kann es nicht darum gehen, sich gegenseitig zu erklären, was der jeweils andere glaube... oder dass da ja garkeine Unterschiede bestünden...
Es geht darum, im Gespräch und Austausch über den Glauben rauszufinden, was der andere glaube und ob sich das vielleicht mit dem eigenen Glauben deckt.
… wobei wir auch versuchen müssen zu unterscheiden, was Kern des Glaubens ist
und was bloß unterschiedliche Redeweisen, theologische Methoden und dergleichen,
und was endlich nur theologische Spekulationen sind und auch gar nicht mehr sein
wollen – außer vielleicht hilfreich. Ob aber wirklich hilfreich, das muß sich dann auch
erst wieder erwiesen.

Aber vielleicht sind ein paar Punkte doch vorab konsensfähig. Etwa dies:
  1. Die Einführung des filioque im westgotischen Spanien des 6. Jht.s war keines-
    wegs häretisch intendiert, im Gegenteil, sie wollte Häresien (wohl arianischen
    Restbeständen) wehren.
  2. Unglücklich war sie gleichwohl, weil sie eigenmächtig in einen höchstrangigen
    Lehramts- und Bekenntnistext eingriff.
  3. Trotz späterer Festschreibung des filioque durch die römische Kirche verwenden
    deren oberste Hirten das Constantinopolitanum gelegentlich durchaus auch ohne
    filioque; so nicht etwa erst Johannes Paul II. und der seinerzeitige Kardinal Joseph
    Ratzinger, sondern auch schon Pius XI.
  4. Bei den Vätern (damit meine ich das kirchliche Altertum, sagen wir bis Johannes
    Damascenus) finden wir Äußerungen, die sich für und gegen das filioque verwen-
    den lassen, im Osten wie im Westen. Im Osten gibt es wohl eine gewisse Prävalenz
    der Formel »aus dem Vater durch den Sohn«, doch kommt das auch im Westen
    vor, und ob der jeweilige Verfasser die Formel nun immanent oder ökonomisch
    gemeint hat, ist nicht immer leicht auszumachen. Jedenfalls bestand eine nicht
    bloß ganz schmale Bandbreite von Möglichkeiten, die Formel von Constantinopel
    zu erklären.
  5. Als das filioque sich in liturgischer Verwendung verbreitete, fand es namentlich
    im Osten immer mehr Widerspruch und wurde angefochten, ja bisweilen be-
    kämpft, wobei das Movens der Gegnerschaft primär nicht theologisch, sondern
    disziplinär ist.
  6. Solcher Streit führte nicht zur Kirchentrennung. Bestanden aber (aus andern Grün-
    den) schismatische Situationen, so zog man auch den filioque-Streit heran, um Ar-
    gumente wider den Gegner vorbringen zu können. Zur Illustration dieser Feststel-
    lung sei an den Patriarchen Photius erinnert, einen der schärfsten Anti-Filioquisten,
    der im Westen so sehr verketzert wurde (und mitunter noch wird) und im Osten
    als Heiliger verehrt wird. Er starb trotz filioque in Einheit mit dem römischen Patri-
    archenstuhl, aber vom Constantinopolitaner vertrieben.
  7. Angesichts all dessen könnte man vorschlagen, auszuschließen sei nicht, wer diese
    oder jene Position in der Sache verträte, sondern wer die Vertreter einer andern Po-
    sition unbedingt ausschließen will.
[/color]
Robert, für Deine Ausarbeitung und die hier reingesteckte Mühe hab recht herzlichen Dank.

Zu ii.
Und genau gegen diese Eigenmächtigkeit wandte sich der Hl. Papst Leo III. Sein mutiges Eintreten gegen die häretische Hinzufügung des filioque war mitnichten nur aus kirchenpoltischen Motiven zu erklären, sondern geschah aus Bekenntnis.

Zu iii.
Und? Was soll uns das bedeuten? "Wir können auch ohne!"? Das geht mehr in die von Ewald erwähnte Haltung: "zum Aussuchen"

Zu iv.
Das finde ich interessant. Welche Kirchenväter des Ostens meinst Du (z.B.), dessen Äußerungen sich für das filioque auslegen lassen?

Zu vi.
Ohne Frage. Die Kirchenspaltung entstand nicht aus diesem Streit herraus, wohl aber möchte ich sagen, dass dieser Streit ein großer Schritt in der Entfremdung beider Kirchen war (und ist). Ob man nun Photius heranzieht, oder andere: Das innerkirchliche Verhältnis wurde dadurch gestört

Frage an Dich: Sind Dir Berichte über gemeinsame Konzelebrationen westlicher und östlicher Hierachen nach der liturgischen Aufnahme des filioque bekannt? Frage mich nur gerade, wie es da gehandhabt wurde!? Die Römer beteten ihr filioque und die Oströmer verzogen das Gesicht ;-D

Naja, wir wissen ja auch, dass die Entfremdung nicht nur eine Theologische und auf machtpolitische Bestrebungen basierende Entfremdung war, sondern auch eine Liturgische ...
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)

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Nietenolaf
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Nietenolaf »

Sebastian hat geschrieben:Zu iv.
Das finde ich interessant. Welche Kirchenväter des Ostens meinst Du (z.B.), dessen Äußerungen sich für das filioque auslegen lassen?
Augustinus! ;)

Abgesehen von Raphael, der dem menschlichen Verstand und der theologischen Spekulation eine Offenbarungsfunktion zubilligt, sehen wir hier die Tendenz, das "Filioque" als Theologoumenon bzw. als Option darzustellen. Es gibt Für und Wider. M.W. ist das "Filioque" bei den Lateinern spätestens seit 1274 (Lyon II) Pflicht, bzw. dessen Ablehnung wird verdammt:

Lyons II, II:1 hat geschrieben:II.1. On the supreme Trinity and the catholic faith

1. We profess faithfully and devotedly that the holy Spirit proceeds eternally from the Father and the Son, not as from two principles, but as from one principle; not by two spirations, but by one single spiration. ... we, wishing to close the way to such errors, with the approval of the sacred council, condemn and reprove all who presume to deny that the holy Spirit proceeds eternally from the Father and the Son ...

(Das auch zu Pkt. vii. von Robert.)
Ich habe leider keine anderssprachige Quelle, aber "eternally" verstehe ich als "innertrinitarischen" Hervorgang des Hl. Geistes. Damit ist jedenfalls nicht Christi Gabe an die Apostel ("Empfanget den Heiligen Geist") gemeint.

Es liegt nicht an mir zu erörtern, kraft welcher Autorität oder zu welchem Behufe die Lateiner mitunter das Filioque weglassen. Naheliegend wäre anzunehmen, das sei ein diplomatischer Zug. Jedenfalls hat Ralf aus Sicht des römischen Lehramtes Unrecht, wenn er schreibt, mit "Filioque" sei das Credo ok, ohne aber auch. Wenn es ohne auch ok wäre, könnte man - je nach Bedarf und Auditorium - auch beliebig andere Passagen daraus weglassen.
ἐὰν γὰρ ἀποϑάνῃ ἄνϑρωπος, ζήσεται συντελέσας ἡμέρας τοῦ βίου αὐτοῦ· ὑπομενῶ, ἕως ἂν πάλιν γένωμαι.

Raphael

Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Raphael »

Nietenolaf hat geschrieben:Abgesehen von Raphael, der dem menschlichen Verstand und der theologischen Spekulation eine Offenbarungsfunktion zubilligt, sehen wir hier die Tendenz, das "Filioque" als Theologoumenon bzw. als Option darzustellen.
Nur um das Eine klarzustellen:
Meine Position gibst Du in dem zitierten Beitrag verzerrt wieder!

Mein theologischer Ausgangspunkt ist der, daß der Gott, an den die Christen glauben, der Vernunft zugänglich ist; ja, ER ist selber das Licht, welches die Vernunft erleuchtet. Diese erleuchtete Vernunft kennt die Tradition unter dem Namen »Sophia«.
»Sophia« liegt nun mit dem von Dir vertretenen Agnostizismus hinsichtlich des filioque im Widerstreit ...............

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Sebastian
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Sebastian »

Raphael hat geschrieben:Mein theologischer Ausgangspunkt ist der, daß der Gott, an den die Christen glauben, der Vernunft zugänglich ist; ja, ER ist selber das Licht, welches die Vernunft erleuchtet.
Warum soll Er die Vernunft erleuchten? Er ist selber das Licht, welches alle Vernunft übersteigt!
Raphael hat geschrieben:Diese erleuchtete Vernunft kennt die Tradition unter dem Namen »Sophia«.
Wir würden das >>Sophia<< eher als "Weisheit" übersetzen.
Raphael hat geschrieben:»Sophia« liegt nun mit dem von Dir vertretenen Agnostizismus hinsichtlich des filioque im Widerstreit ...............
Du wärmst Deinen ollen, kalten Kaffee immer wieder auf. Hast Du denn noch kein Sodbrennen? Wir sind mit der Göttlichen "Sophia" keineswegs im Widerstreit, denn wir richten uns strikt nachdem, was der Göttliche Logos uns selbst offbarte (Vergl. Johannes 15,26) und was die Väter uns lehrten. Welche Quellen hast Du?
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)

Raphael

Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Raphael »

Sebastian hat geschrieben:Warum soll Er die Vernunft erleuchten?
Weil ER gnädig ist und die durch den Sündenfall der Menschen verdunkelte humane Vernunft erleuchten will!
Sebastian hat geschrieben:Er ist selber das Licht, welches alle Vernunft übersteigt!
Das sagte ich doch bereits ...........
Sebastian hat geschrieben:Wir würden das eher als "Weisheit" übersetzen.
Mithin ist die nicht erleuchtete Vernunft unweise; nicht aber unnütz!
Sebastian hat geschrieben:Du wärmst Deinen ollen, kalten Kaffee immer wieder auf.
Danke, mein Kaffee ist stark und schwarz. Er schmeckt gut und ist sehr bekömmlich! :)
Sebastian hat geschrieben:Hast Du denn noch kein Sodbrennen?
Deine freundlich-umsorgende Nachfrage ehrt Dich! :roll:
Sebastian hat geschrieben:Wir sind mit der Göttlichen "Sophia" keineswegs im Widerstreit, denn wir richten uns strikt nachdem, was der Göttliche Logos uns selbst offbarte (Vergl. Johannes 15,26) und was die Väter uns lehrten. Welche Quellen hast Du?
Wie würdest Du denn Logos übersetzen?
Mit Wort oder mit Ratio?

Ralf

Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Ralf »

Nietenolaf hat geschrieben:Jedenfalls hat Ralf aus Sicht des römischen Lehramtes Unrecht, wenn er schreibt, mit "Filioque" sei das Credo ok, ohne aber auch. Wenn es ohne auch ok wäre, könnte man - je nach Bedarf und Auditorium - auch beliebig andere Passagen daraus weglassen.
Ich weiß, Nietenolaf, daß auch Du es nicht magst, wenn andere Nichtorthodoxe erklären, was so alles orthodoxe Lehre sei.

Umgekehrt muß ich sagen, daß Du bezuüglich der Feststellung meines Irrtums daneben liegst.

Ich bin mit erst einmal sehr sicher, daß Josef Cardinal Ratzinger wußte, daß in dem von ihm verantworteten Dokument DOMINUS IESUS das Credo ohne filioque steht - Dein Vorwurf wäre dann auch an ihn gerichtet.

Das Credo ist natürlich ohne filioque okay, es ist sogar ohne die zweite Hälfte oder irgendeinen anderen weggelassenen Teil okay. Denn es ist dadurch nicht falsch, bloß unvollständig. Umfaßt das vollständige Credo alle Glaubensinhalte? Wohl kaum.

Für uns ist es sowohl mit als auch ohne filioque vollständig und somit sowieso "ok". Verurteilt wurden ja solche, die meinen, das "filioque" sei inhaltlich falsch, nicht dagegen die, die meinen, es gehört nicht ins Credo (wobei eben die Frage ist, was jetzt exakt mit dem Ablativ und -que gemeint ist - ich habe in der Schule immer gelernt, der Ablativ steht u.a. auf die Frage "womit/wodurch?", also wäre die folgende Übersetzung korrekt: "der aus dem Vater und durch den Sohn hervorgeht" - aber das nur nebenbei).

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Nietenolaf
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Nietenolaf »

Ralf hat geschrieben:Ich bin mit erst einmal sehr sicher, daß Josef Cardinal Ratzinger wußte, daß in dem von ihm verantworteten Dokument DOMINUS IESUS das Credo ohne filioque steht - Dein Vorwurf wäre dann auch an ihn gerichtet.
Lieber Ralf, ich werfe ihm nichts vor, vielmehr frage ich mich nach der Motivation. Es ist bekannt, daß das Fehlen des Einschubs an der Stelle von der "Ostkirche" (auch von mir) als sehr positiv gewertet wurde.

Damit und angesichts der Verurteilungen von Lyon II (s.o.) muß man aber genau zu dem Schluß kommen, den Du ziehst:

Ralf hat geschrieben:Verurteilt wurden ja solche, die meinen, das "filioque" sei inhaltlich falsch, nicht dagegen die, die meinen, es gehört nicht ins Credo..."

Ich meine, das Filioque ist inhaltlich falsch, ganz besonders mit den Präzisierungen, die Lyon II dazu trifft ("proceeds eternally"). Ich will hier noch nichts endgültiges sagen, aber momentan bleibe ich dabei.

Das Weglassen in "Dominus Iesus" könnte demnach nur ein diplomatischer Zug sein. Um es durch ein anderes Beispiel zu verdeutlichen: hätte dieses Dokument ein großes potentielles Publikum in gnostischen Kreisen, könnte man aus dem Credo das "der gesprochen hat durch die Propheten" (für den hl. Geist) weglassen. Oder für die Arianer ließe man die entsprechenden Passagen über den Sohn weg, etc.

Ralf hat geschrieben:..wobei eben die Frage ist, was jetzt exakt mit dem Ablativ und -que gemeint ist - ich habe in der Schule immer gelernt, der Ablativ steht u.a. auf die Frage "womit/wodurch?", also wäre die folgende Übersetzung korrekt: "der aus dem Vater und durch den Sohn hervorgeht" - aber das nur nebenbei).

Der Ablativ kommt vom "
ex patre filioque", welches "aus" bedeutet.
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Warum soll man nicht behaupten, das filioque sei inhaltlich falsch? In der alten Kirche war das inhaltliche filioque doch eine klare Minderheitsmeinung.

Natürlich hatte man mit dem filioque ursprünglich gute Absichten, das ist aber kein Beweis, dass es richtig sein muss...


Ich würde jetzt nicht so weit gehen, das inhaltliche filioque als häretisch zu bezeichnen, da es z.B. von Augustinus vertreten wurde. Problematisch ist es aber dennoch und ich kann es nicht vertreten, nicht inhatlich und schon gar nicht im Credo.

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Bernado
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Bernado »

Ralf hat geschrieben:ich habe in der Schule immer gelernt, der Ablativ steht u.a. auf die Frage "womit/wodurch?", also wäre die folgende Übersetzung korrekt: "der aus dem Vater und durch den Sohn hervorgeht" - aber das nur nebenbei).
Nur als Randbemerkung: Das war sicher nur der gutgemeinte, aber untaugliche Versuch zur Entschärfung des Streites mit philologischen Mitteln.

Ohne das "-que" kann man so übersetzen: "vom Vater durch den Sohn", aber mit dem Que des Anstoßes ist doch "vom Vater und dem Sohn" sprachlich fast unvermeidlich und inhaltlich jedenfalls gewollt.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

Ralf

Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Ralf »

Nietenolaf hat geschrieben:Der Ablativ kommt vom "ex patre filioque", welches "aus" bedeutet.
Müßte es dann nicht "ex patre ex filioque heißen", um linguistisch auf der sicheren Seite zu sein? Altphilologen vor!

(Oder mir sagen/verlinken, wo das schon besprochen wurde)

(Gerade gesehen, Bernardo: ist mir nie aufgefallen vorher, ich meine ja nur, schließlich liegt in den verschiedenen Sprach- und Denkwelten von Latein und Griechisch ja der Hund begraben)

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Robert Ketelhohn
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Raphael hat geschrieben:Geh einfach ein paar Beiträge zurück. Dort geht es um den Ursprung und den ursprünglichen Ursprung. Mit diesen Worten wurde eine innertrinitarische Beschreibung der Gegebenheiten versucht.
…
…
Oder anders: Durch Otto Normalchrist kann der Hl. Geist sprechen, es muß aber nicht so sein!
Bei dir gehen Ökonomie und Immanenz permanent durcheinander.
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Miserere Nobis Domine
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Bei dir gehen Ökonomie und Immanenz permanent durcheinander.[/color]
Der Rahner ist eben doch allgegenwärtig. :D

Raphael

Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Raphael »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Geh einfach ein paar Beiträge zurück. Dort geht es um den Ursprung und den ursprünglichen Ursprung. Mit diesen Worten wurde eine innertrinitarische Beschreibung der Gegebenheiten versucht.
…
…
Oder anders: Durch Otto Normalchrist kann der Hl. Geist sprechen, es muß aber nicht so sein!
Bei dir gehen Ökonomie und Immanenz permanent durcheinander.
Nun, ich gehe von der Allgegenwart Gottes aus, die sich in SEINER Liebe zu den Menschen gezeigt hat!

Der Hl. Paulus schreibt dazu:
Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten
der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

(Römer 8, 38 f.)

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Bernado
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Bernado »

Ralf hat geschrieben:
Nietenolaf hat geschrieben:Der Ablativ kommt vom "ex patre filioque", welches "aus" bedeutet.
Müßte es dann nicht "ex patre ex filioque heißen", um linguistisch auf der sicheren Seite zu sein? Altphilologen vor!

(Oder mir sagen/verlinken, wo das schon besprochen wurde)

(Gerade gesehen, Bernardo: ist mir nie aufgefallen vorher, ich meine ja nur, schließlich liegt in den verschiedenen Sprach- und Denkwelten von Latein und Griechisch ja der Hund begraben)
Ich glaube nicht, daß es an der Sprache liegt.
Die griechische Version, wie sie hier vor einigen Tagen zitiert wurde, sagt "Καὶ εἰς τὸ Πνεῦμα τὸ Ἅγιον ... τὸ ἐκ τοῦ Πατρὸς ἐκπορευόμενον". Da ist vom Sohn überhasupt nicht die Rede, da gibt es keinen Raum für verschiedene Sprach und Denkwelten - die Alten konnten meistens auch recht gut zwischen Griechisch und Latein hin- und herwechseln.

Das filioque ist ein Zusatz in dem Sinne, daß es andere, ältere Versionen des Glaubensbekenntnisses gibt, in denen der Sohn an dieser Stelle schlicht und einfach nicht erwähnt wird. Die philologische Maus beißt da keinen Faden ab. Aber auf die kommt es auch nur begrenzt an.

Worauf es ankommt, ist einmal, was das filioque aussagen soll - und da scheint mir die Lehre der Väter bei weitem nicht so eindeutig ablehnend zu sein, wie hier manchmal getan wird. Da gab es immer einen Deutungsraum. Daran schließt sich die Frage an, wie gut beraten Konzilien und Synoden sind, in diesem Deutungsraum, wo vieles spekulativ ist und es von schwer nachvollziehbaren Begrifflichkeiten nur so wimmelt, Dogmatisierungen vorzunehmen.

Und das zweite ist, ob es in der Vollmacht der Kirche liegt, solche Ergänzungen eines altehrwürdigen Textes vorzunehmen, bzw. wie überzeugend es ist, zu sagen: Bis zum Konzil von Nikäa durfte sich der Text entwickeln, nachher nicht mehr. Schließlich gibt es ja andere Punkte, wo Entwicklungen nicht so vehement abgelehnt werden.

Das hat drittens etwas damit zu tun, daß das filioque auch aus zeitgebundenen und politischen Überlegungen ins Bekenntnis reinkam und auch aus zeitgebundenen und politischen Überlegungen nachdrücklich abgelehnt wurde. Überdetermination nennt man das, und von dem Ross kommt der, der draufsitzt, schwer wieder runter.
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Nassos
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Nassos »

Robert Ketelhohn hat geschrieben: [*]Solcher Streit führte nicht zur Kirchentrennung. Bestanden aber (aus andern Grün-
den) schismatische Situationen, so zog man auch den filioque-Streit heran, um Ar-
gumente wider den Gegner vorbringen zu können. Zur Illustration dieser Feststel-
lung sei an den Patriarchen Photius erinnert, einen der schärfsten Anti-Filioquisten,
der im Westen so sehr verketzert wurde (und mitunter noch wird) und im Osten
als Heiliger verehrt wird. Er starb trotz filioque in Einheit mit dem römischen Patri-
archenstuhl, aber vom Constantinopolitaner vertrieben.
Hier sollte noch angemerkt werden, dass aus orthodoxer Sicht das filioque (und weitere Irrungen) eine Folge des Abfalls der Westkirche (und somit der o.g. Kirchentrennung) vom aufrechten Glauben sind. Dies ist dann auch der Grund, warum solche Argumente angeführt werden.

Etwas krasser ausgedrückt: durch das Fehlen des Hl. Geistes sind solch Irrtümer erst möglich. Selbsverständlich werden sie dann auch als Argumente verwendet.
Aus dieser Sicht ist es nicht nötig, sich über das filioque als Orthodoxer zu indentifizieren.
In innerorthodoxen Gesprächen spielt das filioque fast keine Rolle (da fehlt das "wir und die").

Nassos
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Robert Ketelhohn
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Miserere Nobis Domine hat geschrieben:Wenn die RKK nicht meint, dass der hl. Geist auch vom Sohn ausgeht, dann soll sie das eindeutig klarstellen und auch die Formulierung, die allgemein so verstanden wird, nicht mehr verwenden.
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Ewald Mrnka hat geschrieben:Das Filioque ist eine späte häretische Erweiterung.
Die theologische Diskussion über das filioque ist eine Folgewirkung der Abwehr einer Häresie, genauerhin des Arianismus.
Mithin sollte mithilfe der ergänzenden Einfügung des filioque klargestellt werden, daß der Arianismus verworfen wird.
Nur blöd, dass dabei eine neue Häresie entstanden ist.
Nun mal langsam. Keines der sieben großen alten Konzilien hat die theologische Meinung,
der Geist gehe auch vom Sohn aus, verworfen. Sie haben dies andererseits auch nicht gelehrt,
das ist wahr.

Daraus kann man schließen, daß es – soweit es diese Konzilien angeht – keine sichere Lehre
und darum Freiheit der theologischen Meinung gebe.

Natürlich ist spätere Präzisierung oder „Entwicklung“ – oder sagen wir: Ausfaltung – der
Lehre nicht ausgeschlossen. Solche Präzisierung sollte aber – postuliere ich – in gesamtkirch-
licher Einmütigkeit erfolgen. Faktisch lief es anders, und das ist eigentlich das Problem an der
Sache.

Wechselseitige Häresievorwürfe jedenfalls sind nicht bloß nicht hilfreich, sie sind mit Blick auf
die Väterzeit auch historisch-dogmatisch unhaltbar.
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Miserere Nobis Domine hat geschrieben:Ich weiss gar nicht, was ich hier nachzuweisen brauche. Thomas von Aquin beispielsweise
hat behauptet, es gäbe für Gott notwendige Handlungen. Und was ist der Modernismus
anderes als die Infragestellung der Souveränität Gottes auf Grundlage menschlicher Logik?
Mit Verlaub, ich habe nicht den Eindruck, daß du recht eigentlich verstehest, was du Thomas
ankreidest, wenn ich das als bekannter Nicht-Thomist einmal einflechten darf. Falls doch, dann
konkretisier’s doch bitte mal am Beispiel. Aber mit Rücksicht auf unser hiesiges Thema, wenn’s
geht: filioque.
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:In der RKK wird kaum noch missioniert, und kaum der eigene Wahrheitsanspruch bekundet.
Es ist den deutschen Bischöfen sogar peinlich, wenn man in Rom klarstellt, dass der Protestan-
tismus eben nicht gleichwertig ist.
Thema?
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Nietenolaf hat geschrieben:
Ralf hat geschrieben:..wobei eben die Frage ist, was jetzt exakt mit dem Ablativ und -que gemeint ist - ich habe in der Schule immer gelernt, der Ablativ steht u.a. auf die Frage "womit/wodurch?", also wäre die folgende Übersetzung korrekt: "der aus dem Vater und durch den Sohn hervorgeht" - aber das nur nebenbei).
Der Ablativ kommt vom "ex patre filioque", welches "aus" bedeutet.
So ist es.
Bernado hat geschrieben:
Ralf hat geschrieben:ich habe in der Schule immer gelernt, der Ablativ steht u.a. auf die Frage "womit/wodurch?", also wäre die folgende Übersetzung korrekt: "der aus dem Vater und durch den Sohn hervorgeht" - aber das nur nebenbei).
Nur als Randbemerkung: Das war sicher nur der gutgemeinte, aber untaugliche Versuch zur Entschärfung des Streites mit philologischen Mitteln.

Ohne das "-que" kann man so übersetzen: "vom Vater durch den Sohn"
Nein, nicht mal das. Das wäre komplett unverständlich. Ex patre filio, das klänge wie: „aus dem Vater-Sohn“. Man muß da irgendwas einschieben. Tatsächlich lautet die Formel lateinisch auch: ex patre per filium.
Bernado hat geschrieben:aber mit dem Que des Anstoßes ist doch "vom Vater und dem Sohn" sprachlich fast unvermeidlich und inhaltlich jedenfalls gewollt.
Ja. Bloß „aus“ statt „von“.
Ralf hat geschrieben:
Nietenolaf hat geschrieben:Der Ablativ kommt vom "ex patre filioque", welches "aus" bedeutet.
Müßte es dann nicht "ex patre ex filioque heißen", um linguistisch auf der sicheren Seite zu sein?
Nein. Gerade -que verbindet gern zwei Begriffe ganz direkt. Nicht einmal bei Verbindung durch et müßte das ex wiederholt werden. Bei -que kann es praktisch nicht wiederholt werden. Das heißt, wenn schon, dann nicht ex filioque, sondern exque filio. Aber das klänge hier grausam, weil völlig überflüssig. Wenn man eine längere Periode durch -que anschließt, die ausgerechnet mit ex beginnt, dann kann man auch exque sagen. Aber nicht hier, wo man sinnvollerweise das zweite ex getrost und sprachlich eleganter weglassen kann.

(So viel zum Sprachlichen. Zum Rest später … Gute Nacht.)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Nassos
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Nassos »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Nun mal langsam. Keines der sieben großen alten Konzilien hat die theologische Meinung,
der Geist gehe auch vom Sohn aus, verworfen. Sie haben dies andererseits auch nicht gelehrt,
das ist wahr.

Daraus kann man schließen, daß es – soweit es diese Konzilien angeht – keine sichere Lehre
und darum Freiheit der theologischen Meinung gebe.
Hallo Robert,

könntest Du das etwas näher erläutern? Es hört sich nämlich so an, wie "alles was nicht explizit von den großen alten Konzilien verworfen wurde, könnte richtig sein".
Ich glaube aber nicht, das du dies meintest.

Danke und Gruß,
Nassos
Ich glaube; hilf meinem Unglauben

Miserere Nobis Domine
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Robert Ketelhohn hat geschrieben: Falls doch, dann
konkretisier’s doch bitte mal am Beispiel.
Zum Beispiel in der Summa contra Gentiles, liber primus, ab caput 82.

Besonders heftig finde ich cap. 83, n. 4:
Quicquid Deus potuit, potest: virtus enim eius non minuitur, sicut nec eius essentia. Sed non potest nunc non velle quod ponitur voluisse: quia non potest mutari sua voluntas. Ergo nunquam potuit non velle quicquid voluit. Est ergo necessarium ex suppositione eum voluisse quicquid voluit, sicut et velle: neutrum autem necessarium absolute, sed possibile modo praedicto.
http://www.corpusthomisticum.org/scg172.html

Wenn Gott aufgrund einer Argumentation in aristotelischer Tradition etwas nicht mehr wollen kann, ist seine vollkommene Souveränität zerstört.
Meines Erachtens ist der Schritt dann ein geringer zum Gedanken der Modernisten, dass Gott nicht wollen kann, was nicht dem Zeitgeist entspricht.

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Ewald Mrnka
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Ewald Mrnka »

Raphael hat geschrieben: Gott hat seine Souveränität im Neuen Bund insoweit eingeschränkt, daß er Teilbereiche seines Handeln auf die Kirche übertragen hat.
...............Jetzt entscheidet Sein Prokurist in Rom.
...............und Thomas v. Aquin ist für die Hausordnung im Fegefeuerbereich zuständig.
Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

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Pelikan
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Pelikan »

Miserere Nobis Domine hat geschrieben:Wenn Gott aufgrund einer Argumentation in aristotelischer Tradition etwas nicht mehr wollen kann, ist seine vollkommene Souveränität zerstört.
Meines Erachtens ist der Schritt dann ein geringer zum Gedanken der Modernisten, dass Gott nicht wollen kann, was nicht dem Zeitgeist entspricht.
Du hättest das besser in deinem "Hat Christus in seiner göttlichen Natur gelitten?"-Thread gepostet. Es ist dieselbe Baustelle, und dort kannst du auch sehen, daß es keines Aristoteles bedarf, um jeglichen Wandel der absolut einfachen göttlichen Substanz abzulehnen.

Miserere Nobis Domine
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

1. Ich habe dort geantwortet, wo Robert das Beispiel gefordert hat.

2. Ich habe nicht behauptet, Gottes Substanz würde sich ändern, sondern ich habe behauptet, dass dass Gott in seinem Willen völlig frei ist. Wenn er etwas nicht tut, dann weil er es nicht tun will, aber er ist doch nicht durch eine logische Notwendigkeit daran gehindert.

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Bernado
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Bernado »

Miserere Nobis Domine hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben: Falls doch, dann
konkretisier’s doch bitte mal am Beispiel.
Zum Beispiel in der Summa contra Gentiles, liber primus, ab caput 82.

Besonders heftig finde ich cap. 83, n. 4:
Quicquid Deus potuit, potest: virtus enim eius non minuitur, sicut nec eius essentia. Sed non potest nunc non velle quod ponitur voluisse: quia non potest mutari sua voluntas. Ergo nunquam potuit non velle quicquid voluit. Est ergo necessarium ex suppositione eum voluisse quicquid voluit, sicut et velle: neutrum autem necessarium absolute, sed possibile modo praedicto.
http://www.corpusthomisticum.org/scg172.html

Wenn Gott aufgrund einer Argumentation in aristotelischer Tradition etwas nicht mehr wollen kann, ist seine vollkommene Souveränität zerstört.
Meines Erachtens ist der Schritt dann ein geringer zum Gedanken der Modernisten, dass Gott nicht wollen kann, was nicht dem Zeitgeist entspricht.
Herzlich willkommen im Islam - der argumentiert ziemlich ähnlich, wenn nicht sogar genauso.

Thomas hingegen stellt dankenswerterweise klar, daß der eine und einfache Gott - auch wenn er alles in sich enthält - doch nicht der "wahnsinnige Gott" ist, der nicht will, was er will, und will, was er nicht will.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Bernado
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Bernado »

Ja, das kennzeichnet auch nach vollzogener Aufräumaktion den Diskussionsstand dieses Stranges. Da finde ich es besonders kennzeichnend und gleichzeitig traurig, daß niemand die vorgeschlagene "salvatorische Klausel" aufgegriffen hat:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Angesichts all dessen könnte man vorschlagen, auszuschließen sei nicht, wer diese oder jene Position in der Sache verträte, sondern wer die Vertreter einer andern Position unbedingt ausschließen will.
Diese Formel ist ja keine Erfindung Roberts, sondern sie hat sich schon in der Kirchengeschichte bewährt, um Gegensätze zu überbrücken, die durch menschliche Unzulänglichkeit bei gutem Willen aufgerissen worden waren.

Natürlich kann man mit dieser Formel nicht alles überbrücken. Aber das, was durch allzu große Bereitschaft zur gelehrten Spekulation oder durch allzu einseitige Auslegung einzelner Texte der Väterzeit nicht mehr dem sicher Geoffenbarten angehört, schon.

Hier, wo die Orthodoxen in einer doppelten Diasporasituation sind, ist die dazu erforderliche Fähigkeit zum Umdenken wahrscheinlich einfach nicht gegeben. In den Zentren der Orthodoxie scheint man das ja - ähnlich wie in Rom auch - inzwischen eteas anders zu sehen.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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lifestylekatholik
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von lifestylekatholik »

Bernado hat geschrieben:Hier, wo die Orthodoxen in einer doppelten Diasporasituation sind, ist die dazu erforderliche Fähigkeit zum Umdenken wahrscheinlich einfach nicht gegeben.
Ja, das ist ziemlich deutlich. Statt »Umdenken« würde ich aber vielleicht »Wohlwollen« sagen.

Der Bereitschaft zum Wohlwollen ist natürlich auch manch aufgeregtes Krakeel von katholischer Seite in diesem Strang abträglich. :aergerlich:
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

Miserere Nobis Domine
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Bernado hat geschrieben: Herzlich willkommen im Islam - der argumentiert ziemlich ähnlich, wenn nicht sogar genauso.

Thomas hingegen stellt dankenswerterweise klar, daß der eine und einfache Gott - auch wenn er alles in sich enthält - doch nicht der "wahnsinnige Gott" ist, der nicht will, was er will, und will, was er nicht will.
Ich habe nicht behauptet, dass Gott wahnsinnig sei, sondern dass er frei ist. Im Islam scheint übrigens die Allmacht Gottes durch seine "Würde" begrenzt zu sein... es wird immer wieder behauptet, die Menschwerdung sei unmöglich, da sie unterhalb von Gottes Würde liege.

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Nietenolaf
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Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Nietenolaf »

Bernado hat geschrieben:Da finde ich es besonders kennzeichnend und gleichzeitig traurig, daß niemand die vorgeschlagene "salvatorische Klausel" aufgegriffen hat:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Angesichts all dessen könnte man vorschlagen, auszuschließen sei nicht, wer diese oder jene Position in der Sache verträte, sondern wer die Vertreter einer andern Position unbedingt ausschließen will.
Habe ich. An der Stelle stünde die "salvatorische Klausel" im Widerspruch zum Römischen Lehramt (Lyons 2, II:1). Siehe bitte oben.
ἐὰν γὰρ ἀποϑάνῃ ἄνϑρωπος, ζήσεται συντελέσας ἡμέρας τοῦ βίου αὐτοῦ· ὑπομενῶ, ἕως ἂν πάλιν γένωμαι.

Raphael

Re: Trennung zwischen Ost und West: das Filioque

Beitrag von Raphael »

Ewald Mrnka hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Gott hat seine Souveränität im Neuen Bund insoweit eingeschränkt, daß er Teilbereiche seines Handeln auf die Kirche übertragen hat.
...............Jetzt entscheidet Sein Prokurist in Rom.
Bist Du jetzt orthodox geworden oder Bultmann-Jünger? :hae?:
Ewald Mrnka hat geschrieben:...............und Thomas v. Aquin ist für die Hausordnung im Fegefeuerbereich zuständig.
Hast Du das bei der FSSPX gelernt oder erst bei der OK? :hmm:

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