Lutheraner hat geschrieben:
Abe welche Wahrheit würde man denn aufgeben? Ob jetzt der Papst (in Rücksprache mit Bischöfen und Kardinälen, blöd ist er ja auch nicht) oder ein Konzil ein Dogma verkündet, wäre mir als Katholik egal. Das Dogma kommt sowieso "irgendwie von oben".
Die Kritik an der päpstlichen Unfehlbarkeit halte ich für ein konstruiertes Problem, genauso wie die Kritik am Jurisdiktionsprimat.
Also wenn es sonst keine theologischen Differenzen gibt - die Papstdogmen sind doch dann wirklich kein Problem mehr.
Hallo Lutheraner,
nein, so können wir das nicht sehen, und ich wundere mich, eine solche Aussage von einem Lutheraner zu lesen.
Natürlich scheint es dem oberflächlichen Betrachter so, als gebe es wenige theologische Unterschiede. Die Liturgie ist sehr ähnlich, es gibt bei den Anglikanern die Verehrung der Gottesmutter, der Heiligen, Wallfahrten etc.
Aber dies ist nur auf den ersten Blick so. Wenn man etwas tiefer in die Ekklesiologie einsteigt, stellt man sehr schnell fest, daß hier Anglikaner und Orthodoxe viel mehr auf einer Wellenlänge liegen als Anglikaner und RKK (dies wurde mir jüngst auch von einem orthodoxen Mitglied der Dialogkommission zwischen Anglikanern und Orthodoxen bestätigt, der jetzt an den Verhanldungen mit der RKK beteiligt ist).
Das Problem ist, daß die Lehre vom Papstamt in der RKK eine ganz zentrale Stellung einnimmt. Zwar mag man in der Praxis dies relativieren, indem man auf die Freiheit der Ortskirchen verweist, auf Konzilien und den "praktischen Protestantismus", in dem sich viele Diözesen und Pfarreien eingerichtet haben. Gräbt man jedoch etwas tiefer, so stellt man fest, daß die Lehre vom Papst als "Fundament der Einheit" alle Lehren der RKK durchdringt, bis hin natürlich die Lehre von den Sakramenten. Keine Eucharistie ohne Papst. Keine Weihe ohne Papst. Keine Taufe ohne Papstkirche. Alle Sakramente, die in der Alten Kirche auf die Gemeinschaft der Kirche, symbolisiert und garantiert durch den Bischof, ausgerichtet waren, werden in der römischen Theologie im letzten auf das Papstamt ausgerichtet und dadurch korrumpiert.
Die traditionelle christliche Theologie sieht die Kirche als Bild der Heiligen Trinität. Die Trinität ist aber nur denkbar als Gemeinschaft der drei göttlichen Personen in Wesenseinheit. Die römische Ekklesiologie räumt in ihrer Ausrichtung auf Rom und den Papst dem Einen eine theologische und praktische Priorität vor den Vielen ein und zerstört von daher im Kern das Bild der Dreieinigkeit, das wir in der Kirche finden. Die römische Ekklesiologie hat dies mal stärker, mal weniger stark herausgekehrt. Die Verkündung der Papstdogmen hat diese Fehlentwicklung aber leider zu einem unaufgebbaren Fundament der römischen Gemeinschaft gemacht. Von daher ist römische Ekklesiologie von ihrem Fundament her korrumpiert.
Insofern ist es sicher möglich, über einige oberflächliche Verwerfungen hinwegzugehen. Wo aber die Wurzel nicht stimmt, ist eine Einigung nicht möglich. Darum werden auch die Gespräche zwischen Rom und den Orthodoxen nicht weit führen.