Wie versteht ihr das?

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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asderrix
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Wie versteht ihr das?

Beitrag von asderrix »

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1. Mose 6   Und es reute Jehova, daß er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es schmerzte ihn in sein Herz hinein.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

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Gamaliel
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Re: Wie versteht ihr das?

Beitrag von Gamaliel »

Als anthropomorphe Sprechweise.

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asderrix
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Re: Wie versteht ihr das?

Beitrag von asderrix »

Ja, das ist es, das ist die Definition für dir Art dieser Aussage.
Verstehen kann ich dennoch nicht, das Gott etwas reut/bereut, da er ja zeitlos bei der Erschaffung der Erde bereits diese Situation sah.
Bereuen hat ja auch den Beigeschmack von "etwas falsch gemacht haben"
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Niels
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Re: Wie versteht ihr das?

Beitrag von Niels »

Vielleicht hilft Dir das hier weiter: http://www.libertas-online.de/th_anthr.htm
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

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Marion
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Re: Wie versteht ihr das?

Beitrag von Marion »

Ich hatte da das selbe Problem:
http://kreuzgang.org/viewtopic.php?p=354669#p354669
allerdings mit einer anderen Bibelstelle
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Allons
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Re: Wie versteht ihr das?

Beitrag von Allons »

asderrix hat geschrieben:

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1. Mose 6   Und es reute Jehova, daß er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es schmerzte ihn in sein Herz hinein.
Asder, das ist ein Reuewort. Davon gibts mehrere und Du bist nicht der Einzige, der damit Probleme hat. Schau hier mal rein, dass hat mir bei meiner Predigtvorbereitung auch geholfen. http://www.staff.uni-marburg.de/~hvsi/doehling.pdf Intro unten mit weiteren Reuetexten.

Grüße, Allons!

"Ein exemplarischer Durchgang durch theologiegeschichtliche Rezeptionen der Reuerede (Origines, Luther, Calvin) und zeitgenössische Exegesen zeigt im Einzelnen folgende Problemlagen:
1) Biblische Reuetexte (z.B. Ex 32, 7-14) berichten von erfolgreicher Fürbitte, die Gott zu einer Änderung seiner Absichten bewegt. Das einseitig assymetrisch gedachte Verhältnis der Gott-Mensch-Beziehung scheint dabei auf den Kopf gestellt. Gott reagiert, der Mensch agiert.
2) Biblische Reuetexte (z.B. Jona 3, 9; 4, 2) berichten von menschlicher Umkehr als Voraussetzung und Movens göttlicher Reue. Dies scheint mit den Distinktionen klassischen Rechtfertigungsdenkens zu kollidieren.
3) Biblische Reuetexte zeigen Gott in seinen konkreten Absichten mit der Welt (Gen 6, 6), den Einzelnen (1. Sam 15, 11.29.35), Israel und den Völkern gegenüber (Ex 32, 7-14; Jer 18, 1-17) als flexibel und wandelbar. Dies unterminiert die klassischen Vergewisserungsfiguren der Providenzlehre, da es psychologisch die bedrohliche Vorstellung der Unzuverlässigkeit Gottes wachruft.
4) Biblische Reuetexte (Gen 6, 6; 1. Sam 15, 11; Jer 42, 1) zeigen Gott fähig und willens zur Revision und Korrektur schon vollzogener Handlungen. Dies kollidiert mit dem topos der Proscienz und das Potential zu Selbstkorrektur insinuiert etwas wie Fehlbarkeit Gottes. Wie aber schon das Sprichwort weiß, ist Irren menschlich.

Hier ‚rächt’ sich eine semantische Verschiebung in den europäischen Sprachen: Während noch im Althochdeutschen ‚Reue’ generell den Seelenschmerz über eine selbst- oder fremdverschuldete oder auch nur beabsichtigte Tat meinte, ist ‚Reue’ seit dem Mittelhochdeutschen als Äquivalent der contritio cordis im lateinischen Bußsakrament erstens auf das gedankliche Bedauern einer vergangenen selbst zu verantwortetenden Tat eingeengt; sie ist zweitens moralisiert und theologisch in den Bereich menschlicher Sünde gerückt. Daraus folgt: Gott ist auschließlich Adressat menschlicher Reue – nicht umgekehrt. Als Ausweich- und Bewältigungsstrategien dienten in der Vergangenheit vor allem die Kategorie des Anthropomorphismus, -pathismus (Origines, Augustin, Calvin) und das Interpretament der Proscienz, die die menschliche Mitwirkung am Reueprozess in die Klammer des göttlichen Vorauswissens setzt und die Reue zum pädagogischen Täuschungsmanöver macht (Luther, Calvin)."

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asderrix
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Re: Wie versteht ihr das?

Beitrag von asderrix »

Dankeschön, das hat mir geholfen, wobei wir eben Gott einfach nicht verstehen können, das was sein Wesen, Denken und Tun betrifft, eben nur ansatzweise begriffen werden kann. So bleibt auch alles was wir als Erklärungsversuche haben schwach und treibt uns zur Anbetung und zum Staunen über Gottes Größe.
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Allons
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Re: Wie versteht ihr das?

Beitrag von Allons »

asderrix hat geschrieben:Dankeschön, das hat mir geholfen, wobei wir eben Gott einfach nicht verstehen können, das was sein Wesen, Denken und Tun betrifft, eben nur ansatzweise begriffen werden kann. So bleibt auch alles was wir als Erklärungsversuche haben schwach und treibt uns zur Anbetung und zum Staunen über Gottes Größe.
Da nicht für und google mal Prozeßtheologie, das wirst du auch ganz interessant finden. Grüße, Allons!

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asderrix
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Re: Wie versteht ihr das?

Beitrag von asderrix »

Hallo Allons,
na mit Prozeßtheologie hast du noch ne ganz schön harte Nuss in den Ring geworfen, ;)
Das hab ich noch nicht richtig begriffen, was die da wollen und irgendwie kommt es mir bissel seltsam vor.

Bin ja gerade an der Noah Geschichte, wie aus der obigen Stelle zu sehen ist, aber da gibt es neben all dem was einen über Gott staunen lässt doch so manche Fragen.

Ich las vorhin gerade in einem anderen Forum:
Ist die Geschichte mit der Arche Noah nicht ziemlich widerwärtig? Gott tötet alle Lebewesen außer jeweils ein Paar und das nur weil er merkte, dass das was er da geschaffen hatte doch nicht so gut war? Hätte ein allwissender Gott nicht von vornherein wissen müssen, dass es so kommt? Und warum dann der ganze Aufwand mit der Arche - Hätte er nicht alle töten und dann wieder neue Lebewesen machen können?
Das klingt ja ganz logisch, hat eben nur den Haken das man mit menschlichen Maßstäben an die Beurteilung Gottes ran geht.
Wobei ich mich auch drauf freue wenn ich das im Himmel mal richtig begreife, bis jetzt gib's da für mich noch so manche Fragezeichen.
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