Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

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cantus planus
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Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von cantus planus »

Heute erschien bei kreuz.net ein Artikel, der sich mit den Wortblasen in bischöflichen Predigten beschäftigt. Für den Titel dieses Stranges greife ich einen Beitrag von Robert auf, der den "schwülstig-herumsalbadernden Sprachduktus" in einigen Konzilsdokumenten kritisierte.

Ist das nichtssagend vielsagende Gerede ein kennzeichen der nachkonziliaren Kirche? Woher kommt dieses Phänomen?

Wenn ich mir manche Predigt in unserem Pfarrverband so anhöre, gewinne ich den Eindruck, dass sich die Priester nicht trauen, offen zu ihrer Meinung zu stehen; sie haben Angst, das Wort Gottes unverkürzt zu verkünden.

Muss Kirche gerade in unseren Tagen wieder den Mut haben, einigen ein Ärgernis zu sein, und anderen als Torheit zu erscheinen?

In diesem Zusammenhang darf ich mich einmal selbst zitieren:
cantus planus hat geschrieben:
holzi hat geschrieben:Die Leute würde man schon erreichen, es gäbe wohl genug Gelegenheiten, so etwas in die Predigten einfließen zu lassen.
Ja, diesen Eindruck habe ich auch. Es herrscht an der Basis eine große Offenheit für diese Fragen, die aber leider nicht angegangen werden. Unsere Hirten sind immer noch zu sehr damit beschäftigt, Fragen zu beantworten, die niemand gestellt hat.
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taddeo
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von taddeo »

cantus planus hat geschrieben:Ist das nichtssagend vielsagende Gerede ein kennzeichen der nachkonziliaren Kirche?
Ich nehme an, Du meinst diese Frage rhetorisch, und weißt selber, daß man darauf eigentlich nur mit einem klaren NEIN antworten kann.
cantus planus hat geschrieben:Woher kommt dieses Phänomen?
"Die Kirche" bzw. ihre höheren Chargen reden so, wie sie es gelernt haben und in ihrer Umgebung vorfinden. Schau Dir bloß mal Fernsehnachrichten an, und wie unsere Politiker daherreden, dann weißt Du, was ich meine. Im Äon der Toleranz ist nur eines überhaupt nicht tolerabel, nämlich Klartext zu reden - also muß man jede Aussage so verklausulieren, daß man sie hinterher notfalls auch andersrum auslegen könnte. Und das ist eine sehr praktische Methode, auszudrücken, daß man mit einer bestimmten Meinung nicht einverstanden ist. Wenn man etwa unsere deutsche Bischöfe (zumindest die meisten) zwingen würde, zu bestimmten Aussagen des Papstes ein eindeutiges "Ja" oder "Nein" zu sagen - da wäre wahrscheinlich ein großes Schweigen im Walde, denn keiner würde sich festlegen wollen. Hinter idiotischem Blabla hingegen kann man sich wunderbar verstecken.

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FranzSales
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von FranzSales »

Woher kommt dieses Phänomen?
Das liegt an unserer geschöpflichen Kreatürlichkeit und unser Geworfensein in die Existenz. Abhilfe kann durch heilende Rituale und transzendenten Dialog mit den Religionen erreicht werden.
"Herr Jesus Christus, wir beten Dich an und benedeien Dich. In Deinem Heiligen Kreuz hast Du die Welt erlöst."

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cantus planus
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von cantus planus »

taddeo hat geschrieben:
cantus planus hat geschrieben:Ist das nichtssagend vielsagende Gerede ein kennzeichen der nachkonziliaren Kirche?
Ich nehme an, Du meinst diese Frage rhetorisch, und weißt selber, daß man darauf eigentlich nur mit einem klaren NEIN antworten kann.
Die Frage war schon ernst gemeint. Ich wäre froh, wenn ich klar "Nein" antworten könnte. Sicher gibt es auch nach dem Konzil viele gute Priester, die fundierte, sorgfältig überdachte Predigten halten. Aber die Substanzlosigkeit der Predigten (und sonstiger Aussagen) aus den "oberen Rängen" scheint mir doch auffallend zu sein. Allerdings wurde der Sprachstil der Politiker ja auch schon mehrfach unter die Lupe genommen. Möglicherweise ist es also einfach ein Kennzeichen unserer Zeit, einer "politisch korrekten" Nach-68er-Zeit. Mir fällt auf, dass gerade die jüngeren Priester auch wieder deutlicher und klarer Predigen. Nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich!
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taddeo
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von taddeo »

Sorry, ich hab da Deine Frage wohl anders verstanden - ob das Geschwafel ein Kennzeichen nur oder besonders der nachkonziliaren Kirche sei, im Gegensatz zur sonstigen Gesellschaft. Du meintest wohl ein Kennzeichen der nachkonziliaren Kirche im Gegensatz zur vorkonziliaren. Aber laß Dich trösten, auch damals gab es viel blödsinniges Gerede - wir wissen es heute nur nicht mehr.

Nur ein Beispiel: Ich habe vor kurzem einen Artikel über Georg Ratzinger (1844-1899) gelesen, einen Großonkel der heutigen Ratzinger-Brüder Georg und Joseph. Dieser Georg war Priester, Historiker und Politiker im Bayerischen Landtag. Was der über die "Judenfrage" verzapft hat, ist aus heutiger Sicht von haarsträubender Ignoranz; Williamson könnte davon echt noch was lernen. Ein Glück, daß das die "Richtigen" noch nicht mitgekriegt haben (aber dazu müßten sie ja ein paar hundert Seiten wisschenschaftlicher Literatur studieren), sonst wäre der nächste Aufschrei schon wieder perfekt: "Der Papst muß sich von seinem Großonkel distanzieren und den posthum exkommunizieren und suspendieren!" :daumen-runter:

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holzi
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von holzi »

FranzSales hat geschrieben:
Woher kommt dieses Phänomen?
Das liegt an unserer geschöpflichen Kreatürlichkeit und unser Geworfensein in die Existenz. Abhilfe kann durch heilende Rituale und transzendenten Dialog mit den Religionen erreicht werden.
Du overkottest - es fehlt aber noch ein "gleichsam".

Raphael

Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von Raphael »

holzi hat geschrieben:
FranzSales hat geschrieben:
Woher kommt dieses Phänomen?
Das liegt an unserer geschöpflichen Kreatürlichkeit und unser Geworfensein in die Existenz. Abhilfe kann durch heilende Rituale und transzendenten Dialog mit den Religionen erreicht werden.
Du overkottest - es fehlt aber noch ein "gleichsam".
Und "stückweit"! :pfeif:

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cantus planus
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von cantus planus »

Das ereignet sich in seiner ganzen Wesenheit wohl in der nächsten Predigt! :D
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Linus
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von Linus »

irgendwie.... ein Stückweit .... sagt mal wo ist das Pastoralsprechbingo....
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
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cantus planus
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von cantus planus »

Hier!

Nachtrag: Oh, schade! Es ist unter dem angegeben Link nicht mehr zu finden.
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Na, vielleicht könnte der Jürgen ja …
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Juergen
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von Juergen »

cantus planus hat geschrieben:Ist das nichtssagend vielsagende Gerede ein kennzeichen der nachkonziliaren Kirche? Woher kommt dieses Phänomen?
Es ist kein Kennzeichen der nachkonziliaren Kirche, da sie sich nicht durch dieses "Gelaber" auszeichnet, sondern man dieses an sehr vielen verschiedenen Bereichen findet.

Daß Politker so reden, wurde schon genannte, aber noch weitaus verbreiteter ist dieser Sprachduktus bei Sozialpädagogen, Sozialarbeitern und natürlich bei allen junggebliebenen Alt-68ern.

Einerseits kommt mir jedesmal das Essen hoch, wenn ich manche Dinge höre, andererseits erwische ich mich hin und wieder (eher selten) dabei, daß mir sowas auch schonmal passiert.

Wir können ja mal typische Floskeln sammeln.
Oder anders gesagt: Ich lade Euch ein, daß wir uns gemeinsam ein stückweit darauf einlassen, eine Zusammenstellung solcher Redeweisen zusammenzutragen und unverbindlich aufzuschreiben.

Die Frage ist allerdings wirklich, warum man sowas auch in der Kirche findet.
Eine Antwort könnte sein, daß man bewusst sogenannte "niederschwellige Angebote" unterbreiten will. Das führt dann zu dazu, daß auch Dinge umbenannt werden, teilweise, weil wirklich etwas anderes gemacht wird, teilweise auch nur, um der Sache einen anderen Namen zu geben.
Statt einer Laudes gibt es ein Morgengebet und wenn man das Wort Gebet vermeiden will, eben einen Morgenimpuls.
Statt einer Komplet gibt es ein Abendgebet und wenn man das Wort Gebet vermeiden will, eben eine Abendmeditation.
etc.
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Na, vielleicht könnte der Jürgen ja …
Pastoral-Bingo ist wieder online :)
http://www.fontes-ecclesiae.de/forum/pastoral-bingo.pdf
Gruß Jürgen

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Niels
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von Niels »

Juergen hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Na, vielleicht könnte der Jürgen ja …
Pastoral-Bingo ist wieder online :)
http://www.fontes-ecclesiae.de/forum/pastoral-bingo.pdf
:daumen-rauf:
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

maliems
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Re: Schwülstiges Salbadern in kirchlichen Dokumenten

Beitrag von maliems »

ich denke. das salbadern ist eine modeerscheinung hervorgerufen durch rahner und konzil.

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