Heute (31.10.) ist Reformationstag

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
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Leguan
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Beitrag von Leguan »

Also Henry VIII hat die Kirche von England aus der unglückseligen Unterdrückung durch den Papst, der ein Autoritätsproblem hatte, herausgeführt.

Dann hat er alle, die ihm nicht gehorsam schwören wollten, köpfen lassen, um zu beweisen, daß er kein Autoritätsproblem hat.

Als er daraufhin gemerkt hat, daß die Kirche, deren Oberhaupt er war, so reich war, hat ihn das so gestört, daß er ihre Klöster hat anzünden lassen, um wenigstens etwas ärmer zu werden.

Habe ich das jetzt richtig zusammengefaßt? :hmm:

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Raphael hat geschrieben:In diesem Falle ist das keine Degradierung, sondern eine korrekte Beschreibung des Sachverhaltes.
Dein "Referat" über einige Aspekte des Gründungsprozesses der anglikanischen Gemeinschaft erfüllt die Kriterien, die an den Mythos angelegt werden müssen, um ihn überhaupt als das definieren zu können, was er ist:
Lustig. Du erklärst zur Wahrheit, was Du für diese hältst und wirfst uns Mythenbildung vor?

Wenn es Dir so sehr um Entmythologisierungen geht, solltest Du erstmal bei Deiner eigenen Truppe anfangen. Im Bezug auf das Papstamt gibt es da eine Menge zu entsorgen. Danach können wir uns dann über vermeintliche anglikanische "Mythen" unterhalten...

Dein "pun" mit dem Logos ist so schlecht, daß er sogar unter Deinem sonstigen Niveau bleibt.
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben: Widersprichst du in diesen beiden Beiträgen nicht dir selbst?

Einerseits behauptest du, dass es theologische Gründe für die Trennung von Rom gab, andererseits meinst du, dass die Anglikanische Kirche eine Fortsetzung der Westkirche ist, weil sie nichts veränderte.
Nein, darin liegt kein Widerspruch.

Zunächst einmal hat man 1534 die Trennung von Rom. Diese wurde theologisch untermauert durch ein vertiefstes Nachdenken über das Wesen der Kirche. Die Leitfragen waren einfach:

Ist es notwendig, daß die Kirche von England in Gemeinschaft mit dem Papst steht?
Ist es rechtmäßig, daß der Papst sich jurisdiktionelle Gewalt über die Kirche von England anmaßt?
Hat die Kirche von England als selbständige nationale Ortskirche das Recht und die Kompetenz, Entscheidungen unabhängig von Rom zu treffen

etc.

Diese theologischen Gründe führten zu einer Trennung von Rom. Dabei wurden zunächst Liturgie und Lehre weitgehend unangetastet gelassen.

Die Kirche von England blieb dabei das, was sie vorher war: Kirche von England. Daß sie nun nicht mehr in Gemeinschaft mit Rom resp. unter der päpstlichen Jurisdiktion stand, änderte ja nichts daran, daß sie weiterhin die Fortsetzung der mittelalterlichen englischen Kirche war.
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Leguan hat geschrieben: Habe ich das jetzt richtig zusammengefaßt? :hmm:
Nein.
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Raphael

Beitrag von Raphael »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Lustig. Du erklärst zur Wahrheit, was Du für diese hältst und wirfst uns Mythenbildung vor?
Deine Vereinzelungsstrategie kann nicht verfangen und soll lediglich von Wahrheit über den Gründungsprozeß der anglikanischen Gemeinschaft ablenken.
Stephen Dedalus hat geschrieben:Wenn es Dir so sehr um Entmythologisierungen geht, solltest Du erstmal bei Deiner eigenen Truppe anfangen. Im Bezug auf das Papstamt gibt es da eine Menge zu entsorgen. Danach können wir uns dann über vermeintliche anglikanische "Mythen" unterhalten... .
Angriff ist die beste Verteidigung?

In diesem Falle nicht, da dieser Angriff - wie ich bereits mit Hilfe des derzeitigen Papstes nachweisen konnte - die katholische Kirche keinem Papalismus huldigt.
Dies ist im Übrigen auch aus der Formulierung des in der Kritik stehenden "Infallibilitätsdogmas" herauszulesen!
Stephen Dedalus hat geschrieben:Dein "pun" mit dem Logos ist so schlecht, daß er sogar unter Deinem sonstigen Niveau bleibt.
Das, was Du für ein Wortspiel hältst, ist bittere Realität, die Du zu negieren beliebst ......

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Raphael hat geschrieben:Deine Vereinzelungsstrategie kann nicht verfangen und soll lediglich von Wahrheit über den Gründungsprozeß der anglikanischen Gemeinschaft ablenken
.

Der Mythos vom "anglikanischen Gründungsprozeß" ist nach wie vor nur eine bloße Behauptung von Dir. Bisher ist es Dir lediglich gelungen, Dich selbst in Widersprüchen zu verfangen in Deinen verzweifelten Versuchen, die historischen Tatsachen so zurechtzubiegen, daß sie in Deine Weltsicht passen. Schlagende Beweise bist Du bisher jedenfalls schuldig geblieben. Du bleibst Deinen Kerner'schen Prinzipien treu indem Du meinst, man müsse eine falsche Behauptung nur lange genug wiederholen, dann werde sie einem schon irgendwann abgekauft...
In diesem Falle nicht, da dieser Angriff - wie ich bereits mit Hilfe des derzeitigen Papstes nachweisen konnte - die katholische Kirche keinem Papalismus huldigt.
Das wäre schön, ist aber leider theologisch wie praktisch eine Lüge.
Dies ist im Übrigen auch aus der Formulierung des in der Kritik stehenden "Infallibilitätsdogmas" herauszulesen!
Etwa aus dem "ex sese"?? Jetzt fängst Du wirklich an, mich zu amüsieren.... :D :D :D
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Raphael

Beitrag von Raphael »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Deine Vereinzelungsstrategie kann nicht verfangen und soll lediglich von Wahrheit über den Gründungsprozeß der anglikanischen Gemeinschaft ablenken.
Der Mythos vom "anglikanischen Gründungsprozeß" ist nach wie vor nur eine bloße Behauptung von Dir.
Nein, das ist für jeden verständigen und an der Wahrheit interessierten Menschen nachvollziehbar in den Geschichtsbüchern dokumentiert.
Stephen Dedalus hat geschrieben:Bisher ist es Dir lediglich gelungen, Dich selbst in Widersprüchen zu verfangen in Deinen verzweifelten Versuchen, die historischen Tatsachen so zurechtzubiegen, daß sie in Deine Weltsicht passen.
Welchen Widerspruch meinst Du konkret?

Bisher sehe ich die historischen Tatsachen lediglich ohne die anglikanisch rosa gefärbte Brille .............
Stephen Dedalus hat geschrieben:Schlagende Beweise bist Du bisher jedenfalls schuldig geblieben. Du bleibst Deinen Kerner'schen Prinzipien treu indem Du meinst, man müsse eine falsche Behauptung nur lange genug wiederholen, dann werde sie einem schon irgendwann abgekauft...
Wie ich bereits zu einem anderen Thema schrieb, bleiben die schlagenden Argumente Dir überlassen; mir reichen die vernünftigen völlig aus.
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:In diesem Falle nicht, da dieser Angriff - wie ich bereits mit Hilfe des derzeitigen Papstes nachweisen konnte - die katholische Kirche keinem Papalismus huldigt.
Das wäre schön, ist aber leider theologisch wie praktisch eine Lüge.
Was ist daran die theologische und was ist daran die praktische Lüge?

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Raphael hat geschrieben: Nein, das ist für jeden verständigen und an der Wahrheit interessierten Menschen nachvollziehbar in den Geschichtsbüchern dokumentiert.
In denen mit römischem Imprimatur? Leider irrst Du aber hier ebenfalls. Die Fakten sind in den Geschichtsbüchern dokumentiert, auch wenn Du sie teilweise geflissentlich ignorierst. Stattdessen setzt Du die römische Version des anglikanischen Mythus an deren Stelle, und die lautet, es habe eine Neugründung stattgefunden.
Bisher sehe ich die historischen Tatsachen lediglich ohne die anglikanisch rosa gefärbte Brille .............
Die anglikanische rosa Brille gibt es nicht.

Du bevorzugst die römische Brille. Die ist allerdings pechschwarz. Das verwundert nicht. Denn Rom kann an diesem PUnkt aufgrund seiner Wurzelsünde nicht klar sehen. Sobald die Römer hier etwas konzedieren würden, müßten sie von ihren eigenen Fehlern abrücken. Das können und wollen sie nicht. Dies mitzumachen, ist Deine Gewissensentscheidung. Aber mit Wahrheit hat das nichts zu tun.
Wie ich bereits zu einem anderen Thema schrieb, bleiben die schlagenden Argumente Dir überlassen; mir reichen die vernünftigen völlig aus.
Na, dann laß sie doch endlich hören...
Stephen Dedalus hat geschrieben: Das wäre schön, ist aber leider theologisch wie praktisch eine Lüge.
Was ist daran die theologische und was ist daran die praktische Lüge?
[/quote]
Theologisch: Lies im DH nach.

Praktisch: Das Papstamt als Dreh- und Angelpunkt der römischen Ekklesiologie verbunden mit der praktischen Zerstörung des Bischofsamtes an seiner Wurzel. Solange es einen Papst in Rom mit Lehr- und Jurisdiktionsgewalt über alle Bischöfe gibt (und er sie ausübt!) ist die apostolische Struktur und damit die Apostolizität der römischen Gemeinschaft in ihren Grundfesten deformiert, vielleicht sogar zerstört. Solange die römische Gemeinschaft ihre Ekklesiologie zentralistisch definiert und lebt, ist ebenfalls die trinitarische Grundstruktur der Kirche nicht mehr erkennbar. Die Kirche kann so nicht Leib Christi in dieser Welt sein.

Die Folgen des Papalismus der römischen Gemeinschaft sind also, in eine kurze Formel gebracht, die Zerstörung von mindestens zwei, wenn nicht drei Merkmalen der heiligen Kirche Jesu: der Einheit, der Apostolizität und der Katholizität.
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Raphael

Beitrag von Raphael »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Die anglikanische rosa Brille gibt es nicht.
Doch, denn Du lieferst hier im Thread den Beweis dafür!
Stephen Dedalus hat geschrieben:Denn Rom kann an diesem PUnkt aufgrund seiner Wurzelsünde nicht klar sehen.
Die Wurzelsünde bei dem hier diskutierten Thema liegt in den schismatischen Handlungen, die die von Heinrich VIII. und in seiner Nachfolge Elisabeth I. betrieben worden sind.
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Wie ich bereits zu einem anderen Thema schrieb, bleiben die schlagenden Argumente Dir überlassen; mir reichen die vernünftigen völlig aus.
Na, dann laß sie doch endlich hören....
Die entsprechende Passage in der Bibel als Ausgangspunkt hatte ich Dir bereits genannt. Schon vergessen?

Heinrich VIII. wollte einen anderen Grund legen und muß daher als Anstifter für den Abfall gelten!
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Das wäre schön, ist aber leider theologisch wie praktisch eine Lüge.
Was ist daran die theologische und was ist daran die praktische Lüge?
Theologisch: Lies im DH nach.
Was im DH steht, soll eine (theologische) Lüge sein?
Stephen Dedalus hat geschrieben:Praktisch: Das Papstamt als Dreh- und Angelpunkt der römischen Ekklesiologie verbunden mit der praktischen Zerstörung des Bischofsamtes an seiner Wurzel. Solange es einen Papst in Rom mit Lehr- und Jurisdiktionsgewalt über alle Bischöfe gibt (und er sie ausübt!) ist die apostolische Struktur und damit die Apostolizität der römischen Gemeinschaft in ihren Grundfesten deformiert, vielleicht sogar zerstört. Solange die römische Gemeinschaft ihre Ekklesiologie zentralistisch definiert und lebt, ist ebenfalls die trinitarische Grundstruktur der Kirche nicht mehr erkennbar. Die Kirche kann so nicht Leib Christi in dieser Welt sein.

Die Folgen des Papalismus der römischen Gemeinschaft sind also, in eine kurze Formel gebracht, die Zerstörung von mindestens zwei, wenn nicht drei Merkmalen der heiligen Kirche Jesu: der Einheit, der Apostolizität und der Katholizität.
Die Zerstörung in der empirisch erfahrbaren Kirche in England geht nun aber nicht auf Rom zurück, sondern ist in den schon häufiger ausgeführten Eigeninteressen der für die Anglikaner handelnden Personen begründet.

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Raphael hat geschrieben:Doch, denn Du lieferst hier im Thread den Beweis dafür!
Nur weil ich die Dinge anders sehe als Du, habe ich noch längst keine Brille auf. 8)

Die Wurzelsünde bei dem hier diskutierten Thema liegt in den schismatischen Handlungen, die die von Heinrich VIII. und in seiner Nachfolge Elisabeth I. betrieben worden sind.
Die "Wurzelsünde" der Anglikaner ist, daß wir aus dem römischen Tanz um das päpstliche Goldene Kalb ausgeschert sind. Solch einen Eigenwillen verzeiht Rom nicht und wird so lange mit Lügen und falschen Behauptungen aufwarten, bis wir wieder in den widerchristlichen Reigen eintreten. Da bildest Du leider keine Ausnahme.
Raphael hat geschrieben: Was im DH steht, soll eine (theologische) Lüge sein?
Habe ich nicht behauptet. Nur: Der Papalismus ist weiterhin ein Bestandteil der Lehre. Das ist im DH nachzulesen.
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sofaklecks
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Ich persönlich

Beitrag von sofaklecks »

Ich persönlich halte es für absolut unsinnig, die nur aus den Verhältnissen ihrer Zeit verständlichen Abläufe auf moralische oder sonstige Berechtigungen hin zu untersuchen. Wenn, dann nur, um das überhaupt zu verstehen.

Wir heute dürfen uns doch diesen ganzen Ballast beidseits gemachter Fehler nicht ans Bein binden.

Urteilen wir heute, ob die Separierung der Kirche Englands sinnvoll war oder nicht.

Wir sehen, dass sie sich schneller bewegen kann (Frauenordination), aber auch wesentlich gefährdeter ist, weil sie zu viele Strömungen zu bündeln versucht und dabei immer wieder Gefahr läuft, zu zerbrechen.

Und das scheint mir ein gutes Argument für Rom zu sein.

sofaklecks

John Grantham
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Re: Ich persönlich

Beitrag von John Grantham »

sofaklecks hat geschrieben:Wir sehen, dass sie sich schneller bewegen kann (Frauenordination), aber auch wesentlich gefährdeter ist, weil sie zu viele Strömungen zu bündeln versucht und dabei immer wieder Gefahr läuft, zu zerbrechen.

Und das scheint mir ein gutes Argument für Rom zu sein.
Es ist aber ein Irrtum, daß Rom alles zusammenhält oder daß die Kirche nicht zerbricht. Schließlich ist das mehrmals geschehen -- Orthodoxie, Lutheraner, Anglikaner, Alt-Katholiken, Piusbrüder und so weiter sehen die Kirche auf keinem Fall als "einig", weil jede von ihnen sieht, wie zerbrochen die Kirche ist (nun, Orthodoxe natürlich aus einer ganz anderen Perspektive, aber immerhin).

Vor allem die Argumente, wie man ohne Zögern mit Rom wieder einig werden kann -- daß man "nur" die Unfehlbarkeit und Leitungsgewalt des Papstes anerkennt -- zeigen, wie hoch der Preis der Einheit ist. In unseren Gesprächen mit Rom finden wir theologische Einheit immer wieder, bis auf sehr wenigen Ausnahmen -- aber das Papstamt in seiner heutigen Form (nach dem I. Vatikanum) trennt uns weiter. Ditto Alt-Katholiken, Orthodoxe und so weiter.

Cheers,

John
Der Beweis, dass Gott einen Sinn für Humor hat: Er hat die Menschheit geschaffen.
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Stephen Dedalus
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Re: Ich persönlich

Beitrag von Stephen Dedalus »

sofaklecks hat geschrieben:Ich persönlich halte es für absolut unsinnig, die nur aus den Verhältnissen ihrer Zeit verständlichen Abläufe auf moralische oder sonstige Berechtigungen hin zu untersuchen. Wenn, dann nur, um das überhaupt zu verstehen.

Wir heute dürfen uns doch diesen ganzen Ballast beidseits gemachter Fehler nicht ans Bein binden.

Urteilen wir heute, ob die Separierung der Kirche Englands sinnvoll war oder nicht.

Wir sehen, dass sie sich schneller bewegen kann (Frauenordination), aber auch wesentlich gefährdeter ist, weil sie zu viele Strömungen zu bündeln versucht und dabei immer wieder Gefahr läuft, zu zerbrechen.

Und das scheint mir ein gutes Argument für Rom zu sein.

sofaklecks
Die Probleme in der Anglican Communion kann man nicht wegdiskutieren (wobei es im Moment so aussieht, als würde es nicht zum großen Bruch kommen...).

Aber man kann nicht ein Problem dadurch lösen, daß man sich von der apostolischen Kirche entfernt, um das falsche Modell des römischen Zentralismus anzunehmen. Wie heißt es immer so schön: Keine Einheit auf Kosten der Wahrheit.
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Raphael

Beitrag von Raphael »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Doch, denn Du lieferst hier im Thread den Beweis dafür!
Nur weil ich die Dinge anders sehe als Du, habe ich noch längst keine Brille auf. 8)
Aber Hallo! 8)
Nicht nur, daß das erkennbar wäre, sondern es ist darüber hinaus erkennbar, daß selbige Brille rosa gefärbt ist ..............
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Die Wurzelsünde bei dem hier diskutierten Thema liegt in den schismatischen Handlungen, die die von Heinrich VIII. und in seiner Nachfolge Elisabeth I. betrieben worden sind.
Die "Wurzelsünde" der Anglikaner ist, daß wir aus dem römischen Tanz um das päpstliche Goldene Kalb ausgeschert sind. Solch einen Eigenwillen verzeiht Rom nicht und wird so lange mit Lügen und falschen Behauptungen aufwarten, bis wir wieder in den widerchristlichen Reigen eintreten. Da bildest Du leider keine Ausnahme.

Ubi Petrus, ibi ecclesia!

Und weil es so wahr ist, noch ein Zitat aus seinen Briefen:
Es gab aber auch falsche Propheten im Volk; so wird es auch bei euch falsche Lehrer geben. Sie werden verderbliche Irrlehren verbreiten und den Herrscher, der sie freigekauft hat, verleugnen; doch dadurch werden sie sich selbst bald ins Verderben stürzen.
Bei ihren Ausschweifungen werden sie viele Anhänger finden und ihretwegen wird der Weg der Wahrheit in Verruf kommen.
In ihrer Habgier werden sie euch mit verlogenen Worten zu kaufen versuchen; aber das Gericht über sie bereitet sich schon seit langem vor und das Verderben, das ihnen droht, schläft nicht.

(2. Brief des Petrus 2, 1 f.)

Einer der falschen Propheten trug den Namen Heinrich VIII. ............
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Was im DH steht, soll eine (theologische) Lüge sein?
Habe ich nicht behauptet. Nur: Der Papalismus ist weiterhin ein Bestandteil der Lehre. Das ist im DH nachzulesen.
Unfug, Daidalos!

Der Papalismus ist kein Bestandteil der katholischen Lehre und auch nicht im DH nachzulesen. Du biegst Dir Deine Wahrheit zurecht ............
Zuletzt geändert von Raphael am Donnerstag 1. November 2007, 20:25, insgesamt 2-mal geändert.

Raphael

Re: Ich persönlich

Beitrag von Raphael »

sofaklecks hat geschrieben:Ich persönlich halte es für absolut unsinnig, die nur aus den Verhältnissen ihrer Zeit verständlichen Abläufe auf moralische oder sonstige Berechtigungen hin zu untersuchen. Wenn, dann nur, um das überhaupt zu verstehen.

Wir heute dürfen uns doch diesen ganzen Ballast beidseits gemachter Fehler nicht ans Bein binden.

Urteilen wir heute, ob die Separierung der Kirche Englands sinnvoll war oder nicht.

Wir sehen, dass sie sich schneller bewegen kann (Frauenordination), aber auch wesentlich gefährdeter ist, weil sie zu viele Strömungen zu bündeln versucht und dabei immer wieder Gefahr läuft, zu zerbrechen.

Und das scheint mir ein gutes Argument für Rom zu sein.

sofaklecks
Metanoia heißt der Beginn des Christseins. Die Anglikaner haben sich abgewendet und demzufolge haben sie sich wieder hinzuwenden!

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Linus
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Beitrag von Linus »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Linus hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben: Wieder zusammen mit Rom wollen wir tatsächlich sein. Nur nicht um jeden Preis. :P
Ihr habt (wie die Lutheraner auch) ein Gehorsamkeitsproblem. Lucifer läßt grüßen. :roll:
Vielleicht haben wir ein Gehorsamsproblem. Leider hat Rom ein Autoritätsproblem. Das ist weitaus schwerwiegender, da es die Kirche auf ein falsches Fundament stellt.
Mag sein, daß wir ein Autoritätsproblem haben (v.a die Durchgriffsrechte Roms auf Diözesanebene können uU ein solches sein) Euer Gehorsamkeitsproblem ist mM nach schwerwiegender, da es nicht auf einem falschen wohl aber auf gar keinem Fundament fußt.
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Lutheraner
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Re: Ich persönlich

Beitrag von Lutheraner »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
sofaklecks hat geschrieben:Ich persönlich halte es für absolut unsinnig, die nur aus den Verhältnissen ihrer Zeit verständlichen Abläufe auf moralische oder sonstige Berechtigungen hin zu untersuchen. Wenn, dann nur, um das überhaupt zu verstehen.

Wir heute dürfen uns doch diesen ganzen Ballast beidseits gemachter Fehler nicht ans Bein binden.

Urteilen wir heute, ob die Separierung der Kirche Englands sinnvoll war oder nicht.

Wir sehen, dass sie sich schneller bewegen kann (Frauenordination), aber auch wesentlich gefährdeter ist, weil sie zu viele Strömungen zu bündeln versucht und dabei immer wieder Gefahr läuft, zu zerbrechen.

Und das scheint mir ein gutes Argument für Rom zu sein.

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Die Probleme in der Anglican Communion kann man nicht wegdiskutieren (wobei es im Moment so aussieht, als würde es nicht zum großen Bruch kommen...).

Aber man kann nicht ein Problem dadurch lösen, daß man sich von der apostolischen Kirche entfernt, um das falsche Modell des römischen Zentralismus anzunehmen. Wie heißt es immer so schön: Keine Einheit auf Kosten der Wahrheit.
Abe welche Wahrheit würde man denn aufgeben? Ob jetzt der Papst (in Rücksprache mit Bischöfen und Kardinälen, blöd ist er ja auch nicht) oder ein Konzil ein Dogma verkündet, wäre mir als Katholik egal. Das Dogma kommt sowieso "irgendwie von oben".

Die Kritik an der päpstlichen Unfehlbarkeit halte ich für ein konstruiertes Problem, genauso wie die Kritik am Jurisdiktionsprimat.

Die Unierten Ostkirchen können damit auch umgehen - sie ignorieren in ihrer Liturgie Dogmen, die nicht ihrer Tradition entsprechen und der Papst macht wohlweislich nicht von seinen Befugnissen Gebrauch, um theologische Widersprüche zwischen Ost- und Westkirche (z.B. Gültigkeit des Ehesakraments) aufzulösen, weil er weiß, dass seine Kirche daran zerbrechen könnte.

Also wenn es sonst keine theologischen Differenzen gibt - die Papstdogmen sind doch dann wirklich kein Problem mehr.

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Linus
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Beitrag von Linus »

John Grantham hat geschrieben: Da ist nichts schizophren dabei. Wir verehren Gläubige von diversen Kirchen, ob Bonhoeffer, Martin Luther King, Thomas Morus und so weiter
Doch. Offenbar hat man keine eigene Heiligen. Die Frage ist bloß (gut sehr polemisch jetzt, aber ich möchte nur Zuspitzen und nicht Verletzen) wie lang dauerts bis Anton laVey als Heiliger verehrt wird ? :shock: :roll:
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Petur
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Beitrag von Petur »

Die organisatorische Kontinuitaet zwischen der vorreformatorischen englischen kath. Kirche und der Church of England ist Tatsache.

Was die heutige römisch-kath. Kirche Englands betrifft, ist die Kontinuitaet auch bei ihr gegeben.

Die englische r.k. Kirche und die Church of England sind also auch in diesem Sinne Schwesterkirchen. ( Schwesterkirchen in doppeltem Sinne: wegen des gemeinsamen christlichen Glaubens und auch organisatorisch.)

Die innere Rekatholisierung der anglikanischen Kirche ist ein riesiges Wunder des Heiligen Geistes.

Raphael

Beitrag von Raphael »

Petur hat geschrieben:Die organisatorische Kontinuitaet zwischen der vorreformatorischen englischen kath. Kirche und der Church of England ist Tatsache.
Nein, denn zu einer organisatorischen Kontinuität gehört essentiell, das tun zu wollen, was die katholische Kirche im Auftrag von Jesus Christus in dieser Welt tut. Dieses kirchliche Handeln wollte die englische Kirche nach ihrer Abspaltung von Rom ausdrücklich nicht mehr fortführen. Der veränderte Willen wurde in der Suprematsakte dokumentiert.

Als Zeitzeuge für diesen veränderten Willen der neu gegründeten anglikanischen Gemeinschaft steht Thomas Morus, der seine Standhaftigkeit gegen den Ungeist mit dem Leben bezahlte.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Linus hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben: Da ist nichts schizophren dabei. Wir verehren Gläubige von diversen Kirchen, ob Bonhoeffer, Martin Luther King, Thomas Morus und so weiter
Doch. Offenbar hat man keine eigene Heiligen. Die Frage ist bloß (gut sehr polemisch jetzt, aber ich möchte nur Zuspitzen und nicht Verletzen) wie lang dauerts bis Anton laVey als Heiliger verehrt wird ? :shock: :roll:
Willst Du also abstreiten, daß Bonhoeffer, King, Morus usw. für den christlichen Glauben gestorben sind?

Natürlich haben wir auch "eigene" Heiligen (wenn Du anglikanische mit meinst) -- erstens die der englischen Kirche aus der vorreformatorischen Zeit, aber auch jede Menge nach der Zeit.

Falls es interessiert, hier unser liturgische Kalender aus ECUSA. In Januar gibt es von "unseren Heiligen" Harriet Bedell, Julia Chester Emery, William Laud und Phillips Brooks.

(Die Anglican Communion hat zwar auch eine formale Heiligsprechung, aber in der Praxis geht es in den Ortskirchen über den liturigischen Kalender, wie auch bei den Alt-Katholiken im Prinzip. Die C of E hat einen anderen Kalender, der eine noch buntere Mischung hat. Ansonsten Wikipedia hat eine Liste der formal heiliggesprochenen Personen.)

Wir sind nicht so eingeengt, daß wir nur noch die eigenen Heiligen anerkennen können. Schließlich erkennen wir die Kirchlichkeit und Christlichkeit anderer Gemeinschaften an -- und folgerichtig erkennen wir u.U. auch deren Heiligen an.

Nochmal -- da ist nichts schizophrenes dabei, sondern das ist durchaus konsequent. Ich finde es großartig, daß wir keine Hemmungen haben, Märtyrer wie Bonhoeffer zu ehren, oder Menschen wie Thomas Morus, der gewissenhaft und standfest sein Leben opferte.

Da Anton LeVay nicht mal ansatzweise christlich war, gibt's keine Gefahr, daß er auf unseren Heiligenkalender kommt. :P

Cheers,

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Linus
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Beitrag von Linus »

John Grantham hat geschrieben: Willst Du also abstreiten, daß Bonhoeffer, King, Morus usw. für den christlichen Glauben gestorben sind?
Bei Morus ist es sicher. Bei King und Bonhoeffer ist es möglich, daß sie für das gestorben sind, was sie für den christlichen Glauben hielten. Die Kirche hat darüber kein Urteil gesprochen. (Ich maße mir ausdrücklich kein Urteil über die beiden Genannten an)

Bezüglich der volrgeworfenen Enge: wir verehren natürlich auch von der Ostkirche, die katholisch ist, heiliggsprochenen Personen.
Ob Anglikaner oder Episkopale freilich katholisch sind hat die Kirche ein abschlägiges Urteil gefällt. (Aber keine Angst, auch ihr könnt euch ändern. ;D )
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Beitrag von Raimund J. »

Meine ganz persönliche unmaßgebliche Meinung ist, daß Bonhoeffer als christlicher Märtyrer verehrungswürdig ist!
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
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John Grantham
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Re: Ich persönlich

Beitrag von John Grantham »

Lutheraner hat geschrieben:Die Unierten Ostkirchen können damit auch umgehen - sie ignorieren in ihrer Liturgie Dogmen, die nicht ihrer Tradition entsprechen
Bitte was?

Das einzige Beispiel, was mir einfällt, bezieht sich auf den Filioque.

"Dogma" heißt jedoch, daß eine Lehre verbindlich für alle Gläubigen ist, und wird sehr genau definiert. Dein Beispiel mit dem Ehesakrament zum Beispiel betrifft m.W. kein Dogma.

Cheers,

John
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Linus hat geschrieben:Ob Anglikaner oder Episkopale freilich katholisch sind hat die Kirche ein abschlägiges Urteil gefällt. (Aber keine Angst, auch ihr könnt euch ändern. ;D )
Das stimmt so nicht. Zwar erkennt Rom unsere Weihen nicht an, aber erstens betrifft das einen Zustand vor 1931 (also vor der Mitwirkung der Alt-Katholiken bei Bischofsweihen*) und zweitens hat Rom mehrfach erklärt, unsere Kirchlichkeit wäre zwar anderer Natur von der der rkK, aber die anglikanischen Kirchen hätten trotzdem einen anderen Status in ihren Augen als z.B. Protestanten.

Cheers,

John

* - Es gibt Beispiele von Anglikanern, die ihre Weihen von Alt-Katholiken gespendet bekamen, die nachher sub conditione geweiht wurden -- ausdrücklich wegen der Mitwirkung der AKs. +Graham Leonard und John Jay Hughes, als Beispiele. Hinter vorgehaltener Hand sagen auch viele rk-Theologen und sogar Bischöfe, daß sie der Auffassung sind, unsere Weihen sind entweder dadurch geheilt worden oder daß Apostolicae Curae schon immer ein Eigentor war, oder beides. In so fern ist es m.E. nur eine Frage der Zeit, bis Rom unsere Weihen endgültig anerkennt -- es sei denn, Frauenordination wird als Vorwand genommen.
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Raimund Josef H. hat geschrieben:Meine ganz persönliche unmaßgebliche Meinung ist, daß Bonhoeffer als christlicher Märtyrer verehrungswürdig ist!
:ja: :ja: :ja:

Habe ich zwar woanders schonmal gepostet, aber hier nochmal:

Bild

Das sind die jüngsten Märtyrer, die den Staturen auf Westminster Abbey hinzugefügt wurden -- von links nach rechts, Großherzogin Elisabeth Fyodorovna, Martin Luther King Jr., ++Óscar Romero und Bonhoeffer.

Und Linus, ich zweifele gar nicht, daß sie alle für Christus gestorben sind und verehrt werden sollen.

Cheers,

John
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Petur
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Beitrag von Petur »

Raphael hat geschrieben:
Petur hat geschrieben:Die organisatorische Kontinuitaet zwischen der vorreformatorischen englischen kath. Kirche und der Church of England ist Tatsache.
Nein, denn zu einer organisatorischen Kontinuität gehört essentiell, das tun zu wollen, was die katholische Kirche im Auftrag von Jesus Christus in dieser Welt tut. Dieses kirchliche Handeln wollte die englische Kirche nach ihrer Abspaltung von Rom ausdrücklich nicht mehr fortführen. Der veränderte Willen wurde in der Suprematsakte dokumentiert.

Als Zeitzeuge für diesen veränderten Willen der neu gegründeten anglikanischen Gemeinschaft steht Thomas Morus, der seine Standhaftigkeit gegen den Ungeist mit dem Leben bezahlte.
Nein. Die englische Kirche ist unabhaengig von Rom geworden. Sie wollte aber auch weiterhin den apostolischen Glauben verkündigen.
Sie hat ganz sicher grosse theologische Fehler begangen, ihre Absicht, das wahre Evangelium Christi zu verkünden, war aber gut.
Sie hat die alte episkopale Kirchenstruktur und den Priesterstand, also die fundamentalen Elemente der Katholizitaet bewahrt. Das hat die künftige Rekatholisierung ermöglicht.

Raphael

Beitrag von Raphael »

Petur hat geschrieben:Sie hat die alte episkopale Kirchenstruktur und den Priesterstand, also die fundamentalen Elemente der Katholizitaet bewahrt.
Widerspruch!
Zu den fundamentalen Elementen der Katholizität gehört mehr, insbesondere die Einheit der Kirche.
Schon im Glaubensbekenntnis heißt es: ............ una, sancta, catholica et apostolica ecclesia .............
Petur hat geschrieben:Das hat die künftige Rekatholisierung ermöglicht.
Danke für diese Bestätigung meiner These: Der in der Zukunft liegenden Rekatholisierung Englands ging das anglikanische Schisma im 16. Jahrhundert voraus .............

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Raphael hat geschrieben:Ubi Petrus, ibi ecclesia!

Und weil es so wahr ist, noch ein Zitat aus seinen Briefen:
Es gab aber auch falsche Propheten im Volk; so wird es auch bei euch falsche Lehrer geben. Sie werden verderbliche Irrlehren verbreiten und den Herrscher, der sie freigekauft hat, verleugnen; doch dadurch werden sie sich selbst bald ins Verderben stürzen.
Bei ihren Ausschweifungen werden sie viele Anhänger finden und ihretwegen wird der Weg der Wahrheit in Verruf kommen.
In ihrer Habgier werden sie euch mit verlogenen Worten zu kaufen versuchen; aber das Gericht über sie bereitet sich schon seit langem vor und das Verderben, das ihnen droht, schläft nicht.

(2. Brief des Petrus 2, 1 f.)
Ein hübscher Beleg für den Bibelmißbrauch, den die römische Gemeinschaft betreibt, um den Papalismus zu rechtfertigen. Mit dem Apostelfürsten Petrus hat dies jedenfalls nichts zu tun. Das Petrusamt ging nach apostolischer und patristischer Lehre auf die Bischöfe in ihrer Gesamtheit über, nicht auf einen Bischof allein. Der römische Papalismus ist einer Pervertierung des apostolischen Gedankens und damit als Aberration abzulehnen. Er fügte und fügt der Kirche Christi allergrößten Schaden zu.
Einer der falschen Propheten trug den Namen Heinrich VIII. ............
Merkst Du eigentlich nicht, wie sehr Du mit dem ständigen Verweis auf Heinrich VIII. glühende Kohlen auf Dein Haupt lädst? Heinrich VIII. war ein König, der gewesen sein mag, wie er will. Er hatte schlimme Seiten, wer wollte das leugnen. Aber Heinrich VIII blieb Episode. Fehler seiner Amtseit wurden später korrigiert. Das Papsttum hingegen ist immer noch Gegenwart der RKK. Die Zerstörung der apostolischen Struktur der Kirche in der RKK hält an. Wenn Du Heinrich vorwirfst, einen "anderen Grund" der Kirche gelegt haben zu wollen, ist dies eine bloße Verleumdung. Anders als die Päpste hat Heinrich sich niemals die Rechte in sacris angemaßt, die den Bischöfen zustanden. Keine "unfehlbare Lehre", keine Abläße, keine Exkommunikationen. Alles Handeln Heinrichs blieb Handeln eines weltlichen Herrschers. Die gotteslästerlichen Anmaßungen eines "vicarius Christi" sind bei ihm nicht zu finden. Wenn Du also weiterhin meinst, Heinrich zum punching ball Deiner Kritik an den Anglikanern machen zu müssen, solltest Du nicht vergessen, daß diese Kritik tonnenschwer auf Dich zurückfällt.
Der Papalismus ist kein Bestandteil der katholischen Lehre und auch nicht im DH nachzulesen. Du biegst Dir Deine Wahrheit zurecht ............
Nein. Dies ist die Wahrheit. Papalismus ist dabei nur der häßliche Name für das, was man in der RKK lieber verschleiernd anders benennt. Du kannst das leugnen, so lange Du willst und die Augen davor verschließen. Es hat Tradition und Methode in der römischen Gemeinschaft, die Wahrheit und die Konsequenzen des Papalismus zu verschleiern und zu negieren. Wahr bleibt es trotzdem.
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Stephen Dedalus
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Re: Ich persönlich

Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben: Abe welche Wahrheit würde man denn aufgeben? Ob jetzt der Papst (in Rücksprache mit Bischöfen und Kardinälen, blöd ist er ja auch nicht) oder ein Konzil ein Dogma verkündet, wäre mir als Katholik egal. Das Dogma kommt sowieso "irgendwie von oben".

Die Kritik an der päpstlichen Unfehlbarkeit halte ich für ein konstruiertes Problem, genauso wie die Kritik am Jurisdiktionsprimat.

Also wenn es sonst keine theologischen Differenzen gibt - die Papstdogmen sind doch dann wirklich kein Problem mehr.
Hallo Lutheraner,

nein, so können wir das nicht sehen, und ich wundere mich, eine solche Aussage von einem Lutheraner zu lesen.

Natürlich scheint es dem oberflächlichen Betrachter so, als gebe es wenige theologische Unterschiede. Die Liturgie ist sehr ähnlich, es gibt bei den Anglikanern die Verehrung der Gottesmutter, der Heiligen, Wallfahrten etc.

Aber dies ist nur auf den ersten Blick so. Wenn man etwas tiefer in die Ekklesiologie einsteigt, stellt man sehr schnell fest, daß hier Anglikaner und Orthodoxe viel mehr auf einer Wellenlänge liegen als Anglikaner und RKK (dies wurde mir jüngst auch von einem orthodoxen Mitglied der Dialogkommission zwischen Anglikanern und Orthodoxen bestätigt, der jetzt an den Verhanldungen mit der RKK beteiligt ist).

Das Problem ist, daß die Lehre vom Papstamt in der RKK eine ganz zentrale Stellung einnimmt. Zwar mag man in der Praxis dies relativieren, indem man auf die Freiheit der Ortskirchen verweist, auf Konzilien und den "praktischen Protestantismus", in dem sich viele Diözesen und Pfarreien eingerichtet haben. Gräbt man jedoch etwas tiefer, so stellt man fest, daß die Lehre vom Papst als "Fundament der Einheit" alle Lehren der RKK durchdringt, bis hin natürlich die Lehre von den Sakramenten. Keine Eucharistie ohne Papst. Keine Weihe ohne Papst. Keine Taufe ohne Papstkirche. Alle Sakramente, die in der Alten Kirche auf die Gemeinschaft der Kirche, symbolisiert und garantiert durch den Bischof, ausgerichtet waren, werden in der römischen Theologie im letzten auf das Papstamt ausgerichtet und dadurch korrumpiert.

Die traditionelle christliche Theologie sieht die Kirche als Bild der Heiligen Trinität. Die Trinität ist aber nur denkbar als Gemeinschaft der drei göttlichen Personen in Wesenseinheit. Die römische Ekklesiologie räumt in ihrer Ausrichtung auf Rom und den Papst dem Einen eine theologische und praktische Priorität vor den Vielen ein und zerstört von daher im Kern das Bild der Dreieinigkeit, das wir in der Kirche finden. Die römische Ekklesiologie hat dies mal stärker, mal weniger stark herausgekehrt. Die Verkündung der Papstdogmen hat diese Fehlentwicklung aber leider zu einem unaufgebbaren Fundament der römischen Gemeinschaft gemacht. Von daher ist römische Ekklesiologie von ihrem Fundament her korrumpiert.

Insofern ist es sicher möglich, über einige oberflächliche Verwerfungen hinwegzugehen. Wo aber die Wurzel nicht stimmt, ist eine Einigung nicht möglich. Darum werden auch die Gespräche zwischen Rom und den Orthodoxen nicht weit führen.
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Petur hat geschrieben: Die englische r.k. Kirche und die Church of England sind also auch in diesem Sinne Schwesterkirchen. ( Schwesterkirchen in doppeltem Sinne: wegen des gemeinsamen christlichen Glaubens und auch organisatorisch.)
Diese Aussage entspricht dem heutigen ökumenischen Klima.

Genaugenommen ist die RKK in England aber eine unkanonische Mission von ortsfremden Bischöfen auf dem Territorium der rechtmäßigen Bischöfe der Kirche von England. Man nannte dies lange - und nicht ganz falsch - die "italienische Mission". Mittlerweile ist es allerdings eher die "polnische Mission".
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Linus hat geschrieben:Bei Morus ist es sicher. Bei King und Bonhoeffer ist es möglich, daß sie für das gestorben sind, was sie für den christlichen Glauben hielten. Die Kirche hat darüber kein Urteil gesprochen. (Ich maße mir ausdrücklich kein Urteil über die beiden Genannten an)
Die römische Gemeinschaft kann darüber kein Urteil fällen und wird es auch nicht tun. Das Heiligsprechungsverfahren läßt das nicht zu. Heiliggesprochen kann nur werden, wer "Wunder" vollbringt. Diese können aber nach kanonischem Recht nur innerhalb der RKK beglaubigt werden. Ein RKK-Priester könnte niemals ein "Wunder" am Dietrich Bonhoeffers beglaubigen. Daher wird Bonhoeffer von der RKK niemals als Heiliger akzeptiert werden. Es gilt das Motto: Wunder gibt es nur bei uns. Und daher auch nur Heilige.
Bezüglich der volrgeworfenen Enge: wir verehren natürlich auch von der Ostkirche, die katholisch ist, heiliggsprochenen Personen.
Auch solche von nach 1054?
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