Ralf hat geschrieben:Nietenolaf hat geschrieben:Der Ablativ kommt vom "ex patre filioque", welches "aus" bedeutet.
Müßte es dann nicht "ex patre ex filioque heißen", um linguistisch auf der sicheren Seite zu sein? Altphilologen vor!
(Oder mir sagen/verlinken, wo das schon besprochen wurde)
(Gerade gesehen, Bernardo: ist mir nie aufgefallen vorher, ich meine ja nur, schließlich liegt in den verschiedenen Sprach- und Denkwelten von Latein und Griechisch ja der Hund begraben)
Ich glaube nicht, daß es an der Sprache liegt.
Die griechische Version, wie sie hier vor einigen Tagen zitiert wurde, sagt "Καὶ εἰς τὸ Πνεῦμα τὸ Ἅγιον ... τὸ ἐκ τοῦ Πατρὸς ἐκπορευόμενον". Da ist vom Sohn überhasupt nicht die Rede, da gibt es keinen Raum für verschiedene Sprach und Denkwelten - die Alten konnten meistens auch recht gut zwischen Griechisch und Latein hin- und herwechseln.
Das filioque ist ein Zusatz in dem Sinne, daß es andere, ältere Versionen des Glaubensbekenntnisses gibt, in denen der Sohn an dieser Stelle schlicht und einfach nicht erwähnt wird. Die philologische Maus beißt da keinen Faden ab. Aber auf die kommt es auch nur begrenzt an.
Worauf es ankommt, ist einmal, was das
filioque aussagen soll - und da scheint mir die Lehre der Väter bei weitem nicht so eindeutig ablehnend zu sein, wie hier manchmal getan wird. Da gab es immer einen Deutungsraum. Daran schließt sich die Frage an, wie gut beraten Konzilien und Synoden sind, in diesem Deutungsraum, wo vieles spekulativ ist und es von schwer nachvollziehbaren Begrifflichkeiten nur so wimmelt, Dogmatisierungen vorzunehmen.
Und das zweite ist, ob es in der Vollmacht der Kirche liegt, solche Ergänzungen eines altehrwürdigen Textes vorzunehmen, bzw. wie überzeugend es ist, zu sagen: Bis zum Konzil von Nikäa durfte sich der Text entwickeln, nachher nicht mehr. Schließlich gibt es ja andere Punkte, wo Entwicklungen nicht so vehement abgelehnt werden.
Das hat drittens etwas damit zu tun, daß das
filioque auch aus zeitgebundenen und politischen Überlegungen ins Bekenntnis reinkam und
auch aus zeitgebundenen und politischen Überlegungen nachdrücklich abgelehnt wurde. Überdetermination nennt man das, und von dem Ross kommt der, der draufsitzt, schwer wieder runter.