Diakonissen

Ostkirchliche Themen.
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Robert Ketelhohn
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Re: Diakonissen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Richtig sollte der Strangtitel "Diakoninnen" lauten. Diakonissen sind etwas anderes - sie gibt es ja seit langem.

http://de.wikipedia.org/wiki/Diakonisse
Der Vorschlag von St. D. ist grober Blödsinn.

Diaconissa (deutsch: „Diakonisse“) ist die althergebrachte Bezeichnung jenes weiblichen Dienstamtes in der Kirche (im biblischen Griechisch übrigens einfach ἡ διάκονος, dort freilich wohl in der Regel unspezifisch gebraucht, vgl. dazu meine früheren Beiträge zum Thema).

Die Bildung „Diakonin“ ist ein Neologismus, der von Anfang an mit der ideologisierten Diskussion um eine „Frauenweihe“ verknüpft ist und die Forderung nach angeblicher Wiedereinführung eines dem männlichen Diakonat entsprechenden Frauendiakonats impliziert (welches es in Wahrheit nie gegeben hat).

Der Begriff „Diakonin“ verschiebt die von »Ad fontes« sinnvoll gestellte Frage nach Möglichkeiten einer Wiederbelebung des früheren kirchlichen Diakonissenamts unweigerlich auf die gender-ideologische Schiene. Solchen Gesprächen muß man sich in Konfrontation mit „denen draußen“ mitunter stellen. Stellte man dagegen das interne Gespräch unter Brüdern von vornherein derart unter die Anleitung eines antikirchlichen Geists, bleibt es nicht nur unfruchtbar, sondern wird schädlich wie ein Krebsgeschwür.
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Robert Ketelhohn
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Re: Diakonissen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:
Petra hat geschrieben:Die Diakoninnenweihe war also dasselbe wie heute ein Studienabschluss im pastoralen Dienst. Die Pflichten und Rechte eines männlichen Diakons waren damals sicher umfangreicher.
Diakonissen, auch wenn sie geweiht sind bzw. waren (consecratae), üben keinen liturgischen Dienst im engeren Sinn aus (Altardienst), d.h. sie wurden nicht (durch Handauflegung) ordiniert und gehör(t)en - wie auch die Mönche, Jungfrauen und Witwen - zum Laienstand.
Das widerspricht nun eklatant den Aussagen, die ich weiter oben zitiert habe (siehe Link auf der Seite des antiochenischen Patriarchates): Auch Diakoninnen wurden durch Handauflegung geweiht und sie wurden zum Klerikerstand gezählt.
Handauflegung gibt’s auch z. B. für Subdiakone oder Lektoren. Das Problem liegt anderswo. Die heutigen Propagandisten einer „Frauenweihe“ folgern daraus, solche Weihen seien „sakramental“ gewesen, also das weibliche Gegenstück zur Weihe männlicher Diakone, und drum müssen das heute auch möglich sein.

Die Gegner – auch ich – pflegen in Verteidigung der definitiv zu haltenden kirchlichen Tradition zu erwidern, die Weihe der früheren Diakonissen sei eben kein Sakrament gewesen, sondern bloß ein „Sakramentale“, also nicht „sakramental“, sondern, wie ich das einmal genannt habe, bloß „sakramentalisch“, wie etwa die Abtsweihe, die „niederen Weihen“ der Kleriker oder die Jungfrauenweihe.

Nun war der Zeit, zu welcher die Kirche Diakonissen weihte, unsere heutige – im Prinzip auch keineswegs nur im Westen, sondern auch im Osten gültige, wenn auch dort nicht so scharfe – Unterscheidung von Sakrament und Sakramentale gänzlich fremd. Das ist eine spätere theologische Begriffsentwicklung.

Das heißt aber nicht, daß man damals nicht unterschieden hätte. Alte Quellen grenzen etwa die Diakonissenweihe sehr klar von der Diakonenweihe ab. Es geht da aber nicht um den noch nicht geklärten Unterschied von Sakrament und Sakramentale – ob das heute restlos geklärt ist, stehe dahin –, sondern darum, wozu jemand geweiht wurde.

Was die Diakonissen betrifft, ist das ganz eindeutig. Die Aufgaben wurden oben genannt. Sie unterscheiden sich grundsätzlich von den Aufgaben der Diakone. Deren Aufgaben in der heiligen Messe oder göttlichen Liturgie kommen den Diakonissen nicht zu, und kamen ihnen nie zu. Einzig möglich waren gewisse „Ministrantenfunktionen“ von Frauen – wozu es aber auch keiner Diakonissenweihe bedurfte – in Nonnenklöstern, wo es notwendigerweise an Männern mangelte, diese Aufgaben zu übernehmen.

Wer sich heute am früheren kirchlichen Brauch orientieren will, der muß zuallererst die Weibspersonen als dem Altarraum entfernen und sie ihrer heute gegen alle Tradition faktisch ausgeübten Funktionen in der Messe entkleiden. Die statt ihrer einzusetzenden Männer sind aber zu weihen – von Kindern als Ministranten einmal abgesehen –, denn es ist ein Unding, daß jemand permanent und von Amts wegen in der Liturgie dient, ohne dazu geweiht zu sein.

Also sind die „niederen Weihen“ wiederherzustellen. In diesem Zusammenhang ist durchaus auch an eine Wiederbelebung der Diakonissenweihe zu denken, denn die Funktion der Diakonissen – insbesondere in der „Frauenseelsorge“ – ist nach meinem Dafürhalten heute durchaus nicht inaktuell. Die Schwierigkeit könnte eher darin liegen, hinreichend geeignete Kandidatinnen zu finden (und ungeeignete fernzuhalten), was freilich bei Männern nicht anders ist.

Als erste Kandidatinnen kommen mir die bereits geweihten Jungfrauen, die es ja immerhin gibt, in den Sinn. Die freilich pflegen sich gegen den Gedanken eines öffentlich-gemeindlichen Dienstes vehement zu sträuben. Wie auch immer, zuerst bräuchten wir neue, gute Bischöfe. Ohne solche gehen auch an sich gute Reformationen in die Hose.

Diakonissen täten der Kirche also eigentlich nicht schlecht, doch sie sind kein Heilmittel gegen die bestehende Krankheit. (Wobei die Ostkirchen, an die sich die konkrete Frage hier ja richtete, sich vielleicht leichter tun, weil sie in weit geringerem Maß von der westlichen Krankheit befallen sind.) Die Frage nach dem Sakramentscharakter darf man dabei als von untergeordneter Bedeutung ansehen. Ich erinnere bloß daran, daß noch das Tridentinum die „niederen Weihen“ und den Subdiakonat als sakramental angesehen hat und erst das Vaticanum II das anders einsortierte, wiewohl es nie eine klare Entscheidung dazu gegeben hat. Auch nicht zur alten Frage nach dem Sakramentscharakter der Bischofsweihe.

Es geht also darum – ich wiederhole es –, wozu einer geweiht wird. Sich diesbezüglich an älteren Bräuchen zu orientieren, fände ich nicht schlecht, werden doch auch die Zeiten jenen früheren in vielem immer ähnlicher. Dabei käme aber etwas ganz anderes heraus, als die Frauenpriestersektierer sich vorstellen, ja: das gerade Gegenteil.
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ad-fontes
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Re: Diakonissen

Beitrag von ad-fontes »

Wenn es der Kirche frommt, berufe sie Diakonissen; wenn sie dadurch mehr Schaden als Nutzen befürchtet, lasse sie es bleiben.

Zur gelebten Realität vgl. diesen Artikel in "Al-Ahram" aus dem Jahr 2:
http://weekly.ahram.org.eg/2/479/spec1.htm
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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ad-fontes
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Re: Diakonissen

Beitrag von ad-fontes »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Handauflegung gibt’s auch z. B. für Subdiakone oder Lektoren.
Hiergegen mag SD einwenden, daß in can. 15 des Konzils von Chalcedon der Terminos Cheirotonie (und nicht Cheirotesie) verwendet wird:
Diakonon mi cheirotoneisthai gynaika pro eton tessarakonta - Diaconissam non ordinandum ante annum quadragesimum
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Stephen Dedalus
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Re: Diakonissen

Beitrag von Stephen Dedalus »

Es ist fragwürdig, aus den unterschiedlichen Aufgen der männlichen Diakone und der Diakonissen ableiten zu wollen, es habe sich um ein grundsätzlich unterschiedliches Amt gehandelt. Dies findet man nicht nur in der Literatur anders dargestellt, es widerspricht auch der augenscheinlichen Verbindung, die in der für beide gleichen Bezeichnung liegt. Es ist offensichtlich, daß weibliche Diakone andere Aufgaben wahrnahmen als männliche Diakone. Jedoch ist gerade das oft angeführte Hauptunterscheidungsmerkmal, nämlich die liturgischen Aufgaben der männlichen Diakone, offenbar eine spätere Entwicklung, sodaß wir davon ausgehen müssen, daß gerade zur Zeit seiner Stiftung eine größere Nähe der Aufgaben zwischen männlichen und weiblichen Trägern des Amtes bestand.

Abzuleiten, daß wegen der liturgischen Funktionen des männlichen Diakons ein fundamentaler Unterschied zur Weihe eines weiblichen Diakons bestand, verkennt dann, daß gerade im Ursprung des Amtes ein solcher Unterschied offenbar gar nicht vorhanden war.

Richtig scheint vielmehr zu sein: Die Weihen von männlichen und weiblichen Diakonen waren in ihrer Natur eng verbunden und befähigten zu weitgehend gleichen Aufgaben mit jeweils geschlechtsspezifischen Ausprägungen. Im Laufe der Zeit - verbunden mit der Ausbildung des dreistufigen Amtes - kamen den männlichen Diakonen zunehmend auch liturgische Aufgaben zu. Ebenso wurde das Diakonenamt der Männer zu einer Vorstufe des Presbyteramtes, was es in der Frühkirche nicht war und natürlich für die weiblichen Diakone nicht sein konnte.

In dieser - späteren - Form erscheint das Amt des männlichen Diakons von dem des weiblichen Diakons weitaus stärker unterschieden als es in seinem Kern und Ursprung gewesen ist.
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Lutheraner
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Re: Diakonissen

Beitrag von Lutheraner »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Abzuleiten, daß wegen der liturgischen Funktionen des männlichen Diakons ein fundamentaler Unterschied zur Weihe eines weiblichen Diakons bestand, verkennt dann, daß gerade im Ursprung des Amtes ein solcher Unterschied offenbar gar nicht vorhanden war.
Das ursprüngliche Diakonenamt hat wenig mit dem Kath./Orth./Anglik. Diakonenamt in seiner heutigen Ausprägung zu tun, das als Teil einer "dreistufigen Weihe" betrachtet wird. Ich bin ebenfalls der Auffassung, dass das ursprüngliche Diakonenamt Männern und Frauen geöffnet war. Erst als es sich zu einer Vorstufe des Priestertums entwickelte, wurde es nicht mehr für möglich erachtet, dass Frauen dieses Amt weiter ausüben könnten, da für sie aufgrund ihrer "Unreinheit" kein Dienst am Altar möglich ist.
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Nassos
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Re: Diakonissen

Beitrag von Nassos »

ad-fontes hat geschrieben:Cheirotesie
Cheirothesie. Oder wird das tatsächlich ohne h nach dem t geschrieben? Es ist nicht das erste mal, dass ich es so geschrieben sehe.
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Mary
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Re: Diakonissen

Beitrag von Mary »

Lutheraner hat geschrieben:Erst als es sich zu einer Vorstufe des Priestertums entwickelte, wurde es nicht mehr für möglich erachtet, dass Frauen dieses Amt weiter ausüben könnten, da für sie aufgrund ihrer "Unreinheit" kein Dienst am Altar möglich ist.
Wo soll denn das so sein, dass Frauen per se "unrein" und nicht am Altar zugelassen sind?

In der Orthodoxie ist auch der Dienst von Frauen im Altar möglich, bsp. in Klöstern.
Der Aufenthalt im Altar ist nicht vom Geschlecht abhängig, sondern davon, ob eine Person eine bischöfliche Beauftragung zum Dienst im Altar hat. Es können auch längst nicht alle Männer einfach so in den Altar, sondern nur diejenigen, die Auftrag und Dienst haben.
Auch ein Priester wird nicht einfach mal so im Altar Platz nehmen um die Füsse hochzulagern oder ein Buch zu lesen, sondern nur dann geht er hinein ins Heiligste, wenn sein Dienst es erfordert.
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Nassos
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Re: Diakonissen

Beitrag von Nassos »

Liebe Mary,

vielen Dank für diese wichtige Hervorhebung. Der Priester hat im Altar nichts verloren, wenn er dort nichts zu tun hat. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde auch Aaron diesbezüglich belehrt.

Gruß,
Nassos
Ich glaube; hilf meinem Unglauben

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anneke6
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Re: Diakonissen

Beitrag von anneke6 »

Ich habe über diese Sache viel nachgedacht, und ich denke, man sollte nicht zu strenge Parallelen zur Bundeslade und zum Tempel ziehen. Das Zelt der Bundeslade selbst durfte niemand betreten. Allein der Hohepriester durfte einmal im Jahr (am Versöhnungstag) hineintreten. Nicht nur das Berühren war verboten sondern auch auf sie zu schauen. Die Strafe für eine Übertretung war der Tod (1. Chr. 13:9f)
Ich glaube aber, daß dies für uns heute "nur" noch von symbolischer Bedeutung ist, da wir selber durch die Taufe in ein Priestertum aufgenommen sind, das größer ist als das Priestertum Aarons. Christus selbst gibt sich uns zur Speise — etwas Heiligeres als ihn gibt es nicht. Die Struktur des christlichen Gotteshauses ist jedoch eine Schule über Demut und Ehrfurcht, Himmel und Erde und das "ganz Andere".
???

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ad-fontes
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Re: Diakonissen

Beitrag von ad-fontes »

Aber das christliche Gotteshaus ist doch im Wesentlichen nach dem Vorbild des Jerusalemer Tempels aufgebaut: Allerheiligstes (Altarraum / Presbyterium), Heiligtum (Kirchenschiff), Vorhalle (Narthex / "Refektorium" / hinterer Bereich des Kirchenschiffs) und Außenbereich (Exo-Narthex / "Paradies").
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anneke6
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Re: Diakonissen

Beitrag von anneke6 »

Das leugne ich ja auch gar nicht. Das christliche Gotteshaus ist nach dem Vorbild des alten jüdischen Tempels gebaut, aber eben nicht sein Abbild. Und deshalb kann man — so denke ich — Begebenheiten über die Bundeslade und den Tempelkult nicht unkritisch auf den christlichen Gottesdienst übertragen. Ich denke hier jetzt nicht nur an Uzzah und seinen Versuch, die Bundeslade "zu retten", der mit seinem Tod endete, sondern auch daran, daß die Bundeslade mehr als einmal in die Hände der Feinde Israels fiel und dies als Strafe gegen Israel aufgefaßt wurde.
Dies wird uns in dieser Form heute nicht wieder passieren.
In der Bundeslade war Gott gegenwärtig und im Altarraum ist er es auch, aber "auf eine andere Art". Nun kann Gott nicht halb oder zu 2/3 anwesend sein, das ist klar. Aber das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen hat sich seit dem Kreuzesopfer Christi geändert. Deshalb braucht der Mensch, der ahnungslos oder ohne böse Absicht den Altarraum betritt, nicht um sein Leben zu fürchten.
???

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ad-fontes
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Re: Diakonissen

Beitrag von ad-fontes »

Einziger Einwand zu Roberts erstklassigem Beitrag: Ich würde das Diakonissenamt nicht so sehr in die Nähe des niederen Klerus rücken, denn der Eintritt in den Klerus erfolgt durch die Tonsur.

Gab es den Fall, daß altkirchliche Diakonissen Aufsicht über die geweihten Jungfrauen und Witwen ausübten, analog zum Archidiakon?
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ad-fontes
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Re: Diakonissen

Beitrag von ad-fontes »

ad-fontes hat geschrieben:Gab es den Fall, daß altkirchliche Diakonissen Aufsicht über die geweihten Jungfrauen und Witwen ausübten, analog zum Archidiakon?
Kanones für Priester und Kleriker, BKV 38 hat geschrieben:Man soll den Klerikern nicht gestatten, Versammlungen oder andere Orte zu besuchen, ausser in Begleitung von Priestern; deßgleichen dürfen die gottgeweihten Jungfrauen nur in Begleitung der Diakonissen ausgehen.
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ad-fontes
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Re: Diakonissen

Beitrag von ad-fontes »

Halten wir fest:

Die Diakonissenweihe zählt weder zum ordo noch zu den Sakramenten.



Einige hingegen sagen, die Diakonissenweihe, die sie als Diakoninnenweihe verstehen, war Teil des ordo (neben dem "Diakonat des Mannes") und wäre bei ihrer Wiedereinführung Sakrament.

Dieser Schluß gleicht jener Irrlehre, die besagt, Christus hätte eine synthetische Natur, so daß es in der Gottheit letztlich vier Hypostasen gäbe, was allem widerspricht, was uns über Gott offenbart ist.
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Stephen Dedalus
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Re: Diakonissen

Beitrag von Stephen Dedalus »

ad-fontes hat geschrieben:Halten wir fest:

Die Diakonissenweihe zählt weder zum ordo noch zu den Sakramenten.
Das ist die Position, die Robert oben vertreten hat. Dagegen spricht einiges - zumindest für Byzanz und den oben diskutierten Zeitraum scheint das so pauschal nicht zu gelten. Die Untersuchung von der Seite des antiochenischen Patriarchats hast Du aber offensichtlich zur Sicherheit gar nicht erst zur Kenntnis genommen.
Einige hingegen sagen, die Diakonissenweihe, die sie als Diakoninnenweihe verstehen, war Teil des ordo (neben dem "Diakonat des Mannes") und wäre bei ihrer Wiedereinführung Sakrament.
Ich sehe nicht, daß hier jemand im Strang eine solche Position vertreten hätte. Das scheint eine Projektion von Dir zu sein, die auch Dein theatralisches Beharren auf bestimmten Begriffen begründet hat.

Bemerkenswert ist auch, daß Du nach dem Faß, das Du zu Beginn der Diskussion hinsichtlich der Begrifflichkeiten aufgemacht hast, zum Thema selbst dann erstaunlich wenig beizutragen hattest. Nun erhebst Du offenbar noch den Anspruch, eine Zusammenfassung nach eigenem Gusto zu liefern.

Mir scheint: An Diskussionen bist Du eigentlich gar nicht interessiert. Auch Deine unzähligen Umfragen dienen offenbar vor allem der Volksbelustigung oder einer Art Selbstbestätigung.

Aber man kann's ja ignorieren, was ich in Zukunft auch tun werde.
Zuletzt geändert von Stephen Dedalus am Dienstag 26. Oktober 2010, 23:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Nietenolaf
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Re: Diakonissen

Beitrag von Nietenolaf »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Die Weihen von männlichen und weiblichen Diakonen waren in ihrer Natur eng verbunden und befähigten zu weitgehend gleichen Aufgaben mit jeweils geschlechtsspezifischen Ausprägungen. Im Laufe der Zeit - verbunden mit der Ausbildung des dreistufigen Amtes - kamen den männlichen Diakonen zunehmend auch liturgische Aufgaben zu.(...) In dieser - späteren - Form erscheint das Amt des männlichen Diakons von dem des weiblichen Diakons weitaus stärker unterschieden als es in seinem Kern und Ursprung gewesen ist.
Ich glaube, festhalten kann man genau das erstmal, wenngleich das auch nur geschätzt ist (und ich bin nicht der Meinung, daß es allgemein als Vorstufe zum Priesteramt aufgefaßt wird). Es gibt keine zuverlässige Quelle, aus der sich ableiten läßt, das Diakonat der Frau habe in der frühen Kirche (sagen wir, in den ersten beiden Jahrhunderten) als organisierte Institution existiert. Man kann es nur vermuten. Die entsprechenden Stellen beim hl. Ap. Paulus sind bekannt. Er erwähnt in 1 Tim. 3:11 die Qualitäten, welche die Diakone, Bischöfe und gewisse Frauen haben sollen: "γυναῖκας ὡσαύτως σεμνάς, μὴ διαβόλους, νηφαλίους, πιστὰς ἐν πᾶσιν" - in unseren Übersetzungen meist als "ihre Frauen" (also der Diakone aus Vers 8 ) wiedergegeben. Die Einfügung "ihre" bei Frauen kann man abstreiten. (Z.B.: Wieso erwähnt der Apostel die Frauen der Diakone, nicht aber die der Bischöfe? Meint er die Frauen der Diakone UND Bischöfe, warum beschreibt er bei ihnen die gleichen Eigenschaften, wie bei den Diakonen? - usw.).
Die sieben "Diakone" aus Apg. 6:1-6 werden an der Stelle übrigens auch nicht Diakone genannt: dort geht es nur um ihre Aufgaben. An anderen Stellen, bei denen irgendwie Diakone auftauchen, kann man auch noch keine liturgische Funktion herauslesen (Phil. 1:1 z.B.).

Phoebe aus Kenchrea ist bekannt. Nun gut. Diese galt später tatsächlich als die erste "Diakonisse". Auf dem Ölberg in Jerusalem gibt es ein Epitaph, das folgende Inschrift enthält:
Hier ruht die Braut Christi Sophia, Diakonisse, zweite Phoebe, entschlafen am 21. März des Jahres 11 im Indiktion...
(und das stammt aus der 2. Hälfte des 4. Jh.). In der Orthodoxen Kirche ist Phoebe als heilige Diakonisse verherrlicht. Allerdings neigt man deswegen dazu, spätere Inhalte des Diakonenamts auf sie zu übertragen. Wahrscheinlich ging es tatsächlich um die Funktion einer Gehilfin des Apostels, ähnlich, wie die Frauen aus dem Evangelium mit Christus, dem Herrn, unterwegs waren.

Im 2. Jh. schreibt Plinius d.J. aus Bithynien an Trajan über zwei Sklavinnen, welche sich "Gehilfinnen" nannten:
C. Plinius Secundus, Ep. X:96,8, hat geschrieben:...necessarium credidi ex duabus ancillis, quae ministrae dicebantur, quid esset veri, et per tormenta quaerere.
Es geht dort ja um die Christen. Welches giechische Wort er mit "ministrae" übersetzte, ist nicht klar. Jedenfalls gibt es im 2. Jh. keine andere Quelle. (Aber Diakonissen wurden im lat. m.W. auch später nie als "ministrae" bezeichnet.)

Das Diakonat der Frau als organisierte Institution taucht erstmals in den "Didaskalia" auf (3. Jh.). Da gibt es eine interessante Analogie zwischen Bischof, Diakon und Diakonisse mit der Dreifaltigkeit u.v.m.. Die Constitutiones apostolorum (4. Jh.) führen die Diakonissen als festen Bestandteil der kirchlichen Ämter auf: im Kapitel über die Ehe der Kleriker werden sämtliche Kleriker bezüglich ihrer Ehe instruiert, zuletzt tauchen die Diakonissen auf:
CA VI, 17 hat geschrieben:Diakonisse aber soll nur eine reine Jungfrau werden oder wenigstens eine einmal verheiratet gewesene Wittwe, gläubig und ehrsam.
Es besteht kein Grund, hier die Ehefrauen der Diakone zu vermuten. Eine Diakonisse konnte auch Kinder haben (cf. Codex Theodosianus 16.2.27). In Ausnahmefällen konnte auch die (ehemalige) Ehefrau eines Bischofs Diakonisse werden (cf. Trullanum, cn. 48).

Wie nun diese Diakonissen geweiht wurden ("Chirothesia" ist in diesem Zusammenhang auch ein späterer Begriff!), sieht man frühestens im 1. Oek. Konzil zu Nikaia. Und das ist früh genug, um das Postulat von ad-fontes oben zu stützen, nämlich daß Diakonissen nicht im sakramentalen Sinn Kleriker(innen?) waren. Es geht im cn. 19 um die Taufe derer, die sich von der paulinianischen Häresie der Kirche zuwenden.
I. Oek. Konzil, cn. 19, hat geschrieben:Was jene angeht, welche Paulinianer waren und danach in der Katholischen Kirche Zuflucht suchten, so wird festgelegt, daß sie absolut alle erneut zu taufen sind. Wenn solche vorher zum Klerus gehörten, so mögen sie, wenn sie makellos und unanfechtbar und nachdem sie wiedergetauft [αναβαπτισθέντες] worden sind, durch einen Bischof der Katholischen Kirche wieder geweiht werden. (...) Gleiches gilt für die Diakonissen und all jene, die zum Klerus zählen [όλως περί των εν τω κλήρω εξεταζομένων], (für diese gilt) das gleiche Verfahren. Wir erwähnen hier jene Diakonissen, welche ihrer Kleidung (?) nach als solche gelten [των εν τω σχήματι εξετασθεισών]. Diese haben ja keine Handauflegung [χειροθεσίαν] erhalten, so daß sie in jederlei Hinsicht zu den Laien zu zählen sind.
Offensichtlich unterscheidet man hier schon zwei Arten von kirchlichen Ämtern, eines von welchen "sakramental" war, denn die Kleriker "im eigentlichen Sinn" bekommen hier das Recht, nach ihrer Rückkehr in die Kirche als Kleriker zu fungieren. Die zweite Art sind offenbar die niederen Weihegrade, die man nicht in den Klerus zu übernehmen brauchte, weil sie keine sakramentalen Aufgaben wahrnahmen. Sie bekamen eine andere Art Weihe - die Chirothesie. Formell zählten hierunter auch die Frauen, welche das kanonische Alter (40) für das offizielle Amt der Diakonisse noch nicht erreicht hatten, die aber ab dem 25. Lebensjahr vom Bischof bereits als solche "eingekleidet" sein konnten. Sie zählten formal zum niederen Klerus, waren aber erst ab 40 "richtige" Diakonissen.

Die Const. apostolorum kennen dagegen schon eine ganz konkrete Anweisung zur Weihe von Diakonissen (CA VIII, 19f.). Dieses Gebet ist interessant, deswegen bringe ich es hier einmal:
Const. apost. VIII, 20 hat geschrieben:Ewiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, Schöpfer des Mannes und Weibes! Der du Maria, Debbora, Anna und Hulda mit dem hl. Geiste erfüllt hast, der du es nicht verschmähtest, deinen eingebornen Sohn aus einem Weibe geboren werden zu lassen, der du im Zelte des Zeugnisses und am Tempel Frauen aufgestellt hast als Wächterinen deiner hl. Thore: sieh auch jetzt auf diese zu deinem Dienste auserwählte Dienerin und verleihe ihr den hl. Geist; reinige sie von jeder Befleckung des Fleisches und Geistes, damit sie das ihr übertragene Amt würdig verwalte zu deiner Ehre und zum Lobe Christi, mit welchem dir und dem hl. Geiste Ehre und Anbetung sei in Ewigkeit. Amen.
(zitiert nach der BKV)

Interessant ist es deswegen, weil der Unterschied zwischen Chirotonie und Chirothesie eben darin liegt, daß bei der Chirothesie nicht der hl. Geist auf den zu Weihenden herabgerufen wird, eben weil er keine sakramentale Aufgaben wahrzunehmen hat. Allerdings ist diese strikte Unterscheidung eigentlich späteren Datums.

Aus späterer Zeit (gg. 9. Jh.) gibt es eine etwas detailliertere Beschreibung der Weihe von Diakonissen. Während der Liturgie erschien die Frau im Altarraum und neigte ihr Haupt vor dem Bischof. Dieser legte ihr die Hand auf den Kopf und sprach ein Gebet, wonach der Diakon die Litanei betete, während welcher der Bischof ein zweites Gebet hinzufügte. Danach bekam die Diakonisse ein Diakons-Orarion unter ihr Maphorion angelegt. Nach der Kommunion, welche ihr vom Bischof gereicht wurde, empfing sie den Kelch mit ihren Händen und setzte ihn auf den Altar.
(Diese Ordnung ist in dieser oder ähnlicher Form in einer Zahl von Monografien überliefert, die zwischen das 9. und 14. Jh. datieren. Man findet sie in der Nationalbibliothek in Paris oder in den Bibliotheken verschiedener Athos-Klöster, ich berufe mich hierber auf das Werk des A. Posternak "Der Dienst von Frauen in der frühen Kirche".)

Jedenfalls kommt das den liturgischen Befugnissen eines männlichen Diakons doch sehr nahe. Gleichzeitig verbietet aber das Konzil zu Laodicea (cn. 44) den Frauen, den Altarraum zu betreten. Dieses Verbot wurde aber in praxi nicht immer konsequent befolgt. Der hl. Gregor von Nazianz spricht in der Grabesrede auf seine Schwester Gorgonia z.B. davon, daß diese nächtens im Altarraum war und den Opfertisch berührte, um so von einer Krankheit geheilt zu werden (PG XXXV, 810). Im Codex Theodosianus (XVI 2.27) geht es u.a. um den Rechtsstatus der Diakonissen, und an gleicher Stelle wird ausgerechnet Frauen, die sich die Haare geschoren haben, verboten, die Altäre zu betreten. Offensichtlich ging es hier um Frauen mit einem bestimmten kirchlichen Status, denn "normale" Frauen durften auch so nicht in den Altar. Hier könnte man annehmen, daß die Diakonissen üblicherweise Zugang zum Altarraum hatten.

Das sind nur ein paar Hinweise darauf, wie es gewesen sein könnte. Man darf natürlich nicht vergessen, daß die Diakonissen schon kurz darauf als Amt nicht mehr existierten. Patriarch Theodor Balsamon (12. Jh.) bezeichnet sie in den Kommentaren auf die Konzilstexte als etwas, das es "vor sehr langer Zeit" gegeben hat:
Theodor Balsamon, Kommentar zu Chalcedon, cn. 15, hat geschrieben:Das, worum es in diesem Kanon geht, ist vollkommen aus dem Gebrauch gekommen, denn heutzutage werden keine Diakonissen geweiht, obwohl einige Einsiedlerinnen nicht im eigentlichen Wortsinn Diakonissen genannt werden.
Baslamon meint, dieses Amt sei zurückgedrängt worden, weil sich das Verbot des Altarzutritts für Frauen durchgesetzt habe. Für Matthaios Blastares (14. Jh.) sind Diakonissen eine uralte und längst vergessene Institution:
Matthaios Blastares, Alphabetisches Syntagma, G 11, hat geschrieben:Welchen Dienst innerhalb des Klerus die Diakonissen versahen, das weiß heute fast niemand mehr.

Und das, obwohl die jüngsten Abschriften der Weiheordnung für Diakonissen noch auf das 14. Jh. datieren. Offenbar wurde diese Ordnung nie wirklich praktiziert.
ἐὰν γὰρ ἀποϑάνῃ ἄνϑρωπος, ζήσεται συντελέσας ἡμέρας τοῦ βίου αὐτοῦ· ὑπομενῶ, ἕως ἂν πάλιν γένωμαι.

Stephen Dedalus
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Re: Diakonissen

Beitrag von Stephen Dedalus »

Herzlichen Dank für diesen exzellenten Beitrag! :klatsch:
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Monergist
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Re: Diakonissen

Beitrag von Monergist »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Herzlichen Dank für diesen exzellenten Beitrag! :klatsch:
Dem schließe ich mich an! Ich wusste gar nicht, wieviele Bildungslücken ich habe...
1 Cor.11:30: That is why the work of a priest is not to distribute tickets, so that people might enter Paradise; he must heal people, so that when they encounter God, God will become light and not fire to them.

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anneke6
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Re: Diakonissen

Beitrag von anneke6 »

Wirklich ein beeindruckender Beitrag. Eine Überlegung von mir. In diesem Gebet…
Ewiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, Schöpfer des Mannes und Weibes! Der du Maria, Debbora, Anna und Hulda mit dem hl. Geiste erfüllt hast, der du es nicht verschmähtest, deinen eingebornen Sohn aus einem Weibe geboren werden zu lassen, der du im Zelte des Zeugnisses und am Tempel Frauen aufgestellt hast als Wächterinen deiner hl. Thore: sieh auch jetzt auf diese zu deinem Dienste auserwählte Dienerin und verleihe ihr den hl. Geist; reinige sie von jeder Befleckung des Fleisches und Geistes, damit sie das ihr übertragene Amt würdig verwalte zu deiner Ehre und zum Lobe Christi, mit welchem dir und dem hl. Geiste Ehre und Anbetung sei in Ewigkeit. Amen.
sind die Prophetinnen Debora und Hulda leicht zuzuordnen, aber Frauen namens Maria und Anna gibt es mehrere in der Bibel. Mein "Schuß aus der Hüfte" wäre, daß Mirjam, die Schwester von Mose und Aaron und Anna (EÜ: Hanna) die Prophetin aus dem Lukasevangelium sein könnten. Andere Möglichkeiten wären Maria Magdalena oder Hanna, die Mutter des Propheten Samuel.
Weiß wer Näheres?
???

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Nietenolaf
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Re: Diakonissen

Beitrag von Nietenolaf »

Ja, klar, guck Dir in den Const. apost., Kap. 20, einfach die Fußnoten in der BKV an...
ἐὰν γὰρ ἀποϑάνῃ ἄνϑρωπος, ζήσεται συντελέσας ἡμέρας τοῦ βίου αὐτοῦ· ὑπομενῶ, ἕως ἂν πάλιν γένωμαι.

Miserere Nobis Domine
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Re: Diakonissen

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Nietenolaf hat geschrieben:Ja, klar, guck Dir in den Const. apost., Kap. 20, einfach die Fußnoten in der BKV an...
Diese Fussnoten deuten Anna auf NT, was unchronologisch wirkt. Die Mutter des Samuel wäre also passender.

Interessant ist der Link aber deshalb, weil er ein weiteres Feminimum für das Wort "Diakon" ins Spiel bringt, "Diakonissin" nämlich.

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ad-fontes
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Re: Diakonissen

Beitrag von ad-fontes »

Nietenolaf hat geschrieben:Wie nun diese Diakonissen geweiht wurden ("Chirothesia" ist in diesem Zusammenhang auch ein späterer Begriff!), sieht man frühestens im 1. Oek. Konzil zu Nikaia. Und das ist früh genug, um das Postulat von ad-fontes oben zu stützen, nämlich daß Diakonissen nicht im sakramentalen Sinn Kleriker(innen?) waren. Es geht im cn. 19 um die Taufe derer, die sich von der paulinianischen Häresie der Kirche zuwenden.
I. Oek. Konzil, cn. 19, hat geschrieben:Was jene angeht, welche Paulinianer waren und danach in der Katholischen Kirche Zuflucht suchten, so wird festgelegt, daß sie absolut alle erneut zu taufen sind. Wenn solche vorher zum Klerus gehörten, so mögen sie, wenn sie makellos und unanfechtbar und nachdem sie wiedergetauft [αναβαπτισθέντες] worden sind, durch einen Bischof der Katholischen Kirche wieder geweiht werden. (...) Gleiches gilt für die Diakonissen und all jene, die zum Klerus zählen [όλως περί των εν τω κλήρω εξεταζομένων], (für diese gilt) das gleiche Verfahren. Wir erwähnen hier jene Diakonissen, welche ihrer Kleidung (?) nach als solche gelten [των εν τω σχήματι εξετασθεισών]. Diese haben ja keine Handauflegung [χειροθεσίαν] erhalten, so daß sie in jederlei Hinsicht zu den Laien zu zählen sind.
Offensichtlich unterscheidet man hier schon zwei Arten von kirchlichen Ämtern, eines von welchen "sakramental" war, denn die Kleriker "im eigentlichen Sinn" bekommen hier das Recht, nach ihrer Rückkehr in die Kirche als Kleriker zu fungieren. Die zweite Art sind offenbar die niederen Weihegrade, die man nicht in den Klerus zu übernehmen brauchte, weil sie keine sakramentalen Aufgaben wahrnahmen. Sie bekamen eine andere Art Weihe - die Chirothesie. Formell zählten hierunter auch die Frauen, welche das kanonische Alter (40) für das offizielle Amt der Diakonisse noch nicht erreicht hatten, die aber ab dem 25. Lebensjahr vom Bischof bereits als solche "eingekleidet" sein konnten. Sie zählten formal zum niederen Klerus, waren aber erst ab 40 "richtige" Diakonissen.[/color]
Sind die beiden letzten Sätze des Kanon tatsächlich in diesem Sinne zu verstehen (daß die Diak. grundsätzlich zum [niederen] Klerus zählten, nur nicht im konkreten Fall)?
Vgl.:
Meminius autem de diaconissis quae in eodem habitu esse probantur, quod non habeat aliquam manus impositionem, et ideo modis omnibus eas inter laicos deputari.
Üb. von Josef Wohlmuth hat geschrieben:Wir haben die Diakoninnen erwähnt, die zum Klerusstand gezählt wurden. Da sie nicht einmal die Handauflegung haben, gehören sie konsequenterweise in jeder Hinsicht zu den Laien.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Nietenolaf
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Re: Diakonissen

Beitrag von Nietenolaf »

ad-fontes hat geschrieben:Sind die beiden letzten Sätze des Kanon tatsächlich in diesem Sinne zu verstehen (daß die Diak. grundsätzlich zum [niederen] Klerus zählten, nur nicht im konkreten Fall)?
Ja, und dabei stütze ich mich auf den Kommentar des Bischofs Nikodim Milosch, welcher u.a. Johannes Zonaras als Referenz bringt. Daß Jungfrauen und Witwen ab dem 25. Lebensjahr "eingekleidet" sein konnten, ohne tatsächlich schon Diakonissen zu sein (denn das ging erst ab 40), kannst Du in cn. 126 (140) des Konzils zu Karthago nachlesen. Hier ein englischsprachiges Zitat von Newadvent.org:

Lokalkonzil zu Karthago (419 a.D.), cn. 126 (147), hat geschrieben:Item, it seemed good that whatever bishop, by the necessity of the dangers of virginal purity, when either a powerful suitor or some ravisher is feared, or if she shall be pricked with some scruple of death that she might die unveiled, at the demand either of her parents or of those to whose care she has been entrusted, shall give the veil to a virgin, or shall have given it while she was under twenty-five years of age, the council which has appointed that number of years shall not oppose him.

Um diese geht es in cn. 19 zu Nikaia, sofern sie "Paulinianer" (Paulos von Samosata ist gemeint) waren. Am besten wäre es, Du fändest einen anerkannten Kommentar zu Nikaia, cn. 19.
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ad-fontes
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Re: Diakonissen

Beitrag von ad-fontes »

Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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