Robert Ketelhohn hat geschrieben:Das gilt erst recht von der Streichung der Exorzismen. Sie wurden durch fütbittweise vorgetragene Gebete um Befreiung von den Dämonen ersetzt. Die Dämonen selber dagegen werden nicht mehr angeredet, bedroht und vertrieben.
Rituale Romanum, 1953 hat geschrieben:Exorcizo te, immunde spiritus, in nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti, ut exeas, et recedas ab hoc famulo Dei N. etc.
Die Dämonen wurden nicht nur direkt angeredet, sondern ihnen wurde befohlen, jetzt aus diesem Kind zu entweichen. Im Klartext: Man unterstellt, das Kind sei dämonisch besessen, solang es nicht getauft sei. Es wird doch wohl nicht zu laut geschrien haben?
Das Konzil dachte da ein wenig anders.
Lumen Gentium (Art. 16) hat geschrieben:Die göttliche Vorsehung verweigert auch denen das zum Heil Notwendige nicht, die ohne Schuld noch nicht zur ausdrücklichen Anerkennung Gottes gekommen sind, jedoch, nicht ohne die göttliche Gnade, ein rechtes Leben zu führen sich bemühen. Was sich nämlich an Gutem und Wahrem bei ihnen findet, wird von der Kirche als Vorbereitung für die Frohbotschaft und als Gabe dessen geschätzt, der jeden Menschen erleuchtet, damit er schließlich das Leben habe.
Heutige Exorzismusgebete dagegen sprechen deutlich die reale Gefahr an, dass das Kind unter den Einfluss des Satans kommen kann und das zweite Exorzismusgebet schließt ausdrücklich die Möglichkeit ein, dass sich dieser Einfluss auch auf die Gegenwart beziehen kann ("Entreiße es jetzt und immer der Macht des Satans").
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Als erstes sollte man schlicht die alten Orationen wieder in Kraft setzen, geringfügig an den modifizierten Festkalender angepaßt, wo nötig. Dann kann man sich Gedanken machen, wo vielleicht doch behutsame Änderungen ratsam sind. Dann noch einmal neu übersetzen.
Vor zwei Jahren, es sei daran erinnert, ist das Missale Romanum zum dritten mal seit dem Konzil neu aufgelegt worden. Jetzt ist es also tatsächlich Zeit, neu zu übersetzen, aber über neue oder andere lateinische Texte zu diskutieren, halte ich zunächst einmal für müßig.
Eine Konkordanz zu den Texten der dritten Auflage findet sich
hier.
Ad infinitam dei gloriam.