"Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst ...

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Angelika
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"Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst ...

Beitrag von Angelika »

Hallo,

ich brauche mal wieder eure Hilfe. ;-)

Das Eucharistie-Verständnis der katholischen Kirche gründet u.a. auf Joh. 6,22 ff. Dort ist die Rede davon, dass Jesus das Brot des Lebens ist, das lebendige Brot und dass dies Brot sein Fleisch ist. Die Worte Jesu von seinem Fleisch als der wahren Speise und von seinem Blut als dem wahren Trank werden wörtlich verstanden.

In Joh. 6,53 nun steht:
Der Evangelist Johannes hat geschrieben:Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
Würde man dies auch wörtlich verstehen, dann würde es bedeuten, dass jemand, der nicht die Eucharistie empfängt, das ewige Leben nicht haben wird. Also: Ein gläubiger Christ, der niemals die Kommunion empfangen hat, wäre verloren. :roll:

Andererseits: Warum sollte man dies denn nun nicht wörtlich verstehen, wenn man alles vorher und hinterher wörtlich versteht ?

Was meint ihr dazu ?

Gruß
Angelika

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Benedictus
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Re: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst

Beitrag von Benedictus »

Angelika hat geschrieben:
Andererseits: Warum sollte man dies denn nun nicht wörtlich verstehen, wenn man alles vorher und hinterher wörtlich versteht ?

Was meint ihr dazu ?
Ich denke, vieles in der Bibel ist eben nicht wortwörtlich zu verstehen. Jesus sprach oft in Bildern und Gleichnissen. Ich verstehe es so: Wer sich nicht für Jeses entscheidet, wer nicht Anteil haben will an seinem Opfer, der wird auch keinen Anteil am ewigen Leben haben.

Andersherum wird es aber demjenigen, der von einer Sehnsucht nach Gott getrieben ist, ein inneres Bedürfnis sein, die Kommunion zu empfangen und so vom Leib Jesu zu kosten.

Benedictus

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Angelika
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Re: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst

Beitrag von Angelika »

Benedictus hat geschrieben:Ich verstehe es so: Wer sich nicht für Jeses entscheidet, wer nicht Anteil haben will an seinem Opfer, der wird auch keinen Anteil am ewigen Leben haben.
Das ist die protestantische Auslegung für diese Bibelstelle. Die Protestanten sehen in Joh. 6,22 ff. keinen Bezug zum Abendmahl/zur Eucharistie. Die katholische Kirche stützt sich bei ihrem Eucharistie-Verständnis, nämlich dass Jesus Christus in Gestalt von Brot und Wein gegenwärtig ist, auch auf diesen Text.


Benedictus hat geschrieben:Andersherum wird es aber demjenigen, der von einer Sehnsucht nach Gott getrieben ist, ein inneres Bedürfnis sein, die Kommunion zu empfangen und so vom Leib Jesu zu kosten.
Das glaube ich nicht. Ich kenne viele nicht-katholische Christen, die kein inneres Bedürfnis nach der Kommunion haben.

Gruß
Angelika

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Benedictus
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Re: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst

Beitrag von Benedictus »

Angelika hat geschrieben: Das ist die protestantische Auslegung für diese Bibelstelle. Die Protestanten sehen in Joh. 6,22 ff. keinen Bezug zum Abendmahl/zur Eucharistie. Die katholische Kirche stützt sich bei ihrem Eucharistie-Verständnis, nämlich dass Jesus Christus in Gestalt von Brot und Wein gegenwärtig ist, auch auf diesen Text.
Nun ja, in erster Linie bezieht sich die Kirche auf die Einsetzungsworte: "Nehmt und esset alle davon, dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, zur Vergebung der Sünden, tut dies zu meinem Gedächtnis"

Angelika hat geschrieben:
Benedictus hat geschrieben:Andersherum wird es aber demjenigen, der von einer Sehnsucht nach Gott getrieben ist, ein inneres Bedürfnis sein, die Kommunion zu empfangen und so vom Leib Jesu zu kosten.
Das glaube ich nicht. Ich kenne viele nicht-katholische Christen, die kein inneres Bedürfnis nach der Kommunion haben.
Eben, nicht katholische Christen. Wenn ich nun nicht daran glaube, dass Gott in Wein und Brot gegenwärtig ist, dann wäre es geradezu unlogisch ein inneres Bedürfnis nach der Kommunion zu haben. Denn dann wäre die Kommunion ja nur ein Erinnerungsritual, auf das man letztendlich auch ganz verzichten könnte.

Glaube ich aber daran, dass Wein und Brot auf dem Altar Fleisch und Blut Christi werden, dann muss es mir doch ein tiefestes inneres Bedürfnis sein, möglichst oft an der Kommunion teilhaben zu dürfen.

Gruss, Benedictus

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Angelika
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Re: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst

Beitrag von Angelika »

Benedictus hat geschrieben:Eben, nicht katholische Christen. Wenn ich nun nicht daran glaube, dass Gott in Wein und Brot gegenwärtig ist, dann wäre es geradezu unlogisch ein inneres Bedürfnis nach der Kommunion zu haben.
Ja, und solche Christen haben - nach Joh. 6,53 - nicht das ewige Leben. Und genau das verstehe ich ja nicht.

Gruß
Angelika

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Benedictus
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Re: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst

Beitrag von Benedictus »

Angelika hat geschrieben:Ja, und solche Christen haben - nach Joh. 6,53 - nicht das ewige Leben. Und genau das verstehe ich ja nicht.
Damit wären wir nun beim Thema: "Können andere Glaubensrichtungen außer dem Katholizismus zum Heil führen?" In diesem Zusammenhang möchte ich Dir die Lektüre von Dominus Iesus empfehlen, in der der von mir hochverehrte Joseph Ratzinger detailliert auf diese Frage eingeht und derartige Punkte in der ihm eigenen Brillianz herausgearbeitet hat.

Gruss, Benedictus

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Jo
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Beitrag von Jo »

Warum soll man das nicht wörtlich verstehen? Daß diese Frage überhaupt gestellt wird, ist wieder mal ein Zeichen unserer Zeit. Die Kirche hat verlernt, klar zu denken, das Evangelium klar und konsequent auszulegen und zu verkünden. Alles ist vernebelt, verwässert, verökumenisiert, nahe an der Auflösung.

Klar ist das wörtlich zu verstehen. Deshalb gibt es die Kirche. Und zwar die EINE heilige katholische Kirche. Sie ist alleinseligmachend. Durch sie wird selig, wer sich beim Tod in der heiligmachenden Gnade befindet. Um diesen Zustand zu erreichen, hat Christus die Sakramente eingesetzt. Unter anderem die heilige Eucharistie. Deshalb werden alle die nicht gerettet, die Seinen Leib nicht empfangen, als da sind abtrünnige Katholiken, Angehörige anderer Konfessionen und selbstverständlich alle nichtgetauften Andersgläubigen.
So ist das nunmal. Wem das zuviel ist, wer sich da in seiner persönlichen Handlungsfreiheit eingeschränkt sieht, kann sich jederzeit bekehren.

Gruß, Jo

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asderrix
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Beitrag von asderrix »

Jo hat geschrieben:Warum soll man das nicht wörtlich verstehen? Daß diese Frage überhaupt gestellt wird, ist wieder mal ein Zeichen unserer Zeit. Die Kirche hat verlernt, klar zu denken, das Evangelium klar und konsequent auszulegen und zu verkünden. Alles ist vernebelt, verwässert, verökumenisiert, nahe an der Auflösung.

Klar ist das wörtlich zu verstehen. Deshalb gibt es die Kirche. Und zwar die EINE heilige katholische Kirche. Sie ist alleinseligmachend. Durch sie wird selig, wer sich beim Tod in der heiligmachenden Gnade befindet. Um diesen Zustand zu erreichen, hat Christus die Sakramente eingesetzt. Unter anderem die heilige Eucharistie. Deshalb werden alle die nicht gerettet, die Seinen Leib nicht empfangen, als da sind abtrünnige Katholiken, Angehörige anderer Konfessionen und selbstverständlich alle nichtgetauften Andersgläubigen.
So ist das nunmal. Wem das zuviel ist, wer sich da in seiner persönlichen Handlungsfreiheit eingeschränkt sieht, kann sich jederzeit bekehren.

Gruß, Jo
Logische Schlussfolgerung deiner liebevollen Ausführungen:
Der Schächer am Kreuz ging verloren!
Wenn nein, wenn es eine einzige Ausnahme gibt, dann kann es nicht wörtlich genommen werden.

lg
asder

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Angelika
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Re: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst

Beitrag von Angelika »

Benedictus hat geschrieben:In diesem Zusammenhang möchte ich Dir die Lektüre von Dominus Iesus empfehlen, in der der von mir hochverehrte Joseph Ratzinger detailliert auf diese Frage eingeht und derartige Punkte in der ihm eigenen Brillianz herausgearbeitet hat.
Beim Überfliegen bin ich auf folgendes gestoßen:
DOMINUS IESUS, Absatz 17 hat geschrieben:Deswegen »sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften trotz der Mängel, die ihnen nach unserem Glauben anhaften, nicht ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles. Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet«.
DOMINUS IESUS, Absatz 20 hat geschrieben:Die Kirche ist das »allumfassende Heilssakrament«. Sie ist immer auf geheimnisvolle Weise mit dem Retter Jesus Christus, ihrem Haupt, verbunden und ihm untergeordnet, und hat deshalb im Plan Gottes eine unumgängliche Beziehung zum Heil eines jeden Menschen. Für jene, die nicht formell und sichtbar Glieder der Kirche sind, »ist das Heil in Christus zugänglich kraft der Gnade, die sie zwar nicht förmlich in die Kirche eingliedert — obschon sie geheimnisvoll mit ihr verbunden sind —, aber ihnen in angemessener Weise innerlich und äußerlich Licht bringt. Diese Gnade kommt von Christus, sie ist Frucht seines Opfers und wird vom Heiligen Geist geschenkt«. Sie steht in Beziehung zur Kirche, die »ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet gemäß dem Plan Gottes des Vaters«.
Das klingt nicht danach, dass man ohne Empfang der Eucharistie verloren ist. :roll:

Gruß
Angelika

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Jo hat geschrieben:Deshalb werden alle die nicht gerettet, die Seinen Leib nicht empfangen, als da sind abtrünnige Katholiken, Angehörige anderer Konfessionen und selbstverständlich alle nichtgetauften Andersgläubigen.
Warum abtrünnige Katholiken ?
Die haben doch den Leib Christi irgendwann mal empfangen. :roll:

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Edi
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Beitrag von Edi »

Nun ja, es gibt ja auch eine geistliche Kommunion und es gibt die Beichte. Letztere ist ja auch eine geistliche Kommunion, denn ohne Jesu Blut gibt es da auch keine Versöhnung mit Gott. Die reale Kommunion festigt nur das Ganze, kann und darf aber ohne vorherige Beichte auch nicht praktiziert werden.
Jeder gut informierte Katholik kennt ja die Reihenfolge.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Nu versteh das man nicht als magisches Lebenselixier, Angelika.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Benedictus
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Re: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst

Beitrag von Benedictus »

Angelika hat geschrieben:Das klingt nicht danach, dass man ohne Empfang der Eucharistie verloren ist. :roll:
Nein, das klingt absolut nicht danach. Ratzinger sagt ja, dass es sich um eine göttliche Gande handelt, durch die auch nicht-Katholiken zum Heil gelangen können. Auf welche wundersame Weise ihnen diese Gnade zuteil wird, wissen wir nicht, aber sie wird es.

Gruss, Benedictus

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Nu versteh das man nicht als magisches Lebenselixier, Angelika.
Tu' ich ja nicht. ;D
Ich frag' mich nur, warum man einige Aussagen aus Joh. 6 wörtlich verstehen soll, andere aber nicht. Wenn Joh. 6,53 nicht wörtlich zu verstehen ist, dann vielleicht auch anderes nicht.

Gruß
Angelika

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Asderix hat geschrieben:Logische Schlussfolgerung deiner liebevollen Ausführungen:
Der Schächer am Kreuz ging verloren!
Wenn nein, wenn es eine einzige Ausnahme gibt, dann kann es nicht wörtlich genommen werden.
Nee, das ist nicht zu Ende gedacht. Auch die Taufe, zum Beispiel, ist heilsnotwendig. Ist der aber, der die Taufe begehrt, jedoch stirbt, bevor er sie empfangen konnte, darum verloren? – Nein, lehrt die Kirche, in diesem Fall kommt sein Begehren der sakramentalen Taufe gleich. Darum spricht man von der Begierdtaufe. Ähnlich ist es mit der Bluttaufe.

Das ist natürlich ebenso auf die Eucharistie zu übertragen.

Im übrigen könnte man hier generell noch einwenden, daß der Herr konkret nur Seine Zuhörer direkt anspricht. Ich will das aber nicht überbewerten. Denn ich meine, die Stelle sei doch nur so richtig zu deuten, daß ich, der ich dies Wort Jesu höre oder lese, selbst ganz ebenso angesprochen bin. Besser, in dem Augenblick bin genau ich allein angesprochen.

Also: Natürlich ist das Wort buchstäblich zu verstehen. Jedem, der es hört oder liest, pocht es Wort um Wort an Herz und Sinn und wartet der Antwort.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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