Theosis

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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FranzSales
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Theosis

Beitrag von FranzSales »

Hat jemand einen guten Literaturtip zu diesem Themenbereich für mich. Insbesondere würde mich interessieren, wie die Schriftstellen, in denen davon die Rede ist, dass Christus für unsere Sünden gestorben bzw. sogar für uns zur Sünde gemacht wurde, von den Orthodoxen interpretiert wird.
Vielen Dank!
:hmm:
"Herr Jesus Christus, wir beten Dich an und benedeien Dich. In Deinem Heiligen Kreuz hast Du die Welt erlöst."

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Khatja
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Beitrag von Khatja »

"dass Christus ... für uns zur Sünde gemacht wurde"

Könntest du mir evtl. näher erklären, was du mit dieser Formulierung meinst? Es kann sein, dass ich dich mißverstanden habe, denn "Christus als Sünde" kann ich mir schlecht vorstellen. Danke!

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Linus
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Beitrag von Linus »

Khatja hat geschrieben:"dass Christus ... für uns zur Sünde gemacht wurde"

Könntest du mir evtl. näher erklären, was du mit dieser Formulierung meinst? Es kann sein, dass ich dich mißverstanden habe, denn "Christus als Sünde" kann ich mir schlecht vorstellen. Danke!
In den liturgischen Texten ist die Rede davon, dass Christus selbst für uns zur Sünde geworden ist, um für uns zu sühnen
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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf »

Hl. Ap. Paulus (2 Kor. 5:20f) hat geschrieben:So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott. Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.
t.b.c.

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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf »

Hl. Ap. Paulus (2 Kor 5:21) hat geschrieben:τον γαρ μη γνοντα αμαρτιαν υπερ ημων αμαρτιαν εποιησεν ινα ημεις γενωμεθα δικαιοσυνη θεου εν αυτω.
Hl. Ap. Paulus (2 Kor 5:21) hat geschrieben: Bild
Die slawische Version spricht also auch von "Sünde", die moderne russische (synodale) Version allerdings von "Opfer für die Sünde". Interessanterweise bezieht sich der sel. Theophilakt von Bulgarien (12. Jh.) in seinem Kommentar aber genau auf diese Umschreibung: "Opfer für die Sünde", ja, er betont sogar:
Sel. Theophilakt von Bulgarien (Kommentar zu 2 Kor. 5:21) hat geschrieben:Er sagt nicht: machte ihn zum Sünder, sondern zum Opfer für die Sünde, was mehr bedeutet.
:hmm:

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Ambrosiaster hat geschrieben:In II Cor 5,21. Eum qui non noverat peccatum, pro nobis peccatum fecit. Deum dicit Patrem peccatum fecisse Filium suum Christum, eum utique qui peccatum nesciebat, id est qui non peccaverat; quia factus caro non immutatus, sed incarnatus factus est peccatum. […] Propter quod autem omnis caro sub peccato est, ideo factus caro, factus est etiam peccatum, et quoniam oblatus est pro peccatis, non immerito peccatum factus dicitur; quia et hostia, in lege, quae pro peccatis offerebatur, peccatum nuncupabatur.
s. Augustinus hat geschrieben:Ench. de fide spe & caritate 41. Nulla igitur voluptate carnalis concupiscentiae seminatus sive conceptus et ideo nullum peccatum originaliter trahens, Dei quoque gratia Verbo Patris unigenito, non gratia Filio, sed natura, in unitate personae modo mirabili et ineffabili adiunctus atque concretus et ideo nullum peccatum et ipse committens; tamen propter similitudinem carnis peccati [Rom 8, 3], in qua venerat, dictus est et ipse peccatum, sacrificandus ad diluenda peccata. […] Ait ‹apostolus›: Eum qui non noverat peccatum, id est Christum, pro nobis peccatum fecit [II Cor 5,21] Deus, cui reconciliandi sumus, hoc est, sacrificium pro peccatis, per quod reconciliari valeremus. Ipse ergo peccatum, ut nos iustitia ; nec nostra, sed Dei; nec in nobis, sed in ipso; sicut ipse peccatum, non suum, sed nostrum.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf »

Nietenolaf hat geschrieben:... die moderne russische (synodale) Version allerdings von "Opfer für die Sünde".
Das kursiv gedruckte (sic im russ. Druck der Hl. Schrift) ist Interpretation des Übersetzers.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

… und liegt durchaus auf der Linie der Väter, wie man sieht. (In einer Übersetzung halte ich solche Interpretationen gleichwohl für fehl am Platze, solang es irgend anders geht. Die russische Synodalfassung ist diesbezüglich allerdings auch sehr zurückhaltend.)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf »

Sie hat ihre Schwächen... aber diese Interpretation ist eindeutig als solche gekennzeichnet (Kursivdruck). Mich wunderte nur, daß der Hl. Theophilakt es offenbar in seinem 12. Jahrhundert schon genau so zitierte, obwohl die slawische Fassung noch die reine amartia ohne jegliche Interpretation bringt.

Worum ging's hier? (Die orthodoxe Auslegung dieser Stelle ist ja dank Robert nun erfolgt. ;) )

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Alexander
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Beitrag von Alexander »

Vielleicht sollte hier jemand auf die Bitte FranzSales' im Eröffnungsbeitrag achtgeben?
Nun, Literaturtips: vor allem Maximus der Bekenner, Simeon der neue Theologe und Gregor Palamas.
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

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FranzSales
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Beitrag von FranzSales »

Und wie steht die Katholische Kirche zu Theosis? Bei Papst Benedikt und Michael Kunzler meine ich Symphatien entdeckt zu haben.
"Herr Jesus Christus, wir beten Dich an und benedeien Dich. In Deinem Heiligen Kreuz hast Du die Welt erlöst."

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