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Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 01:20
von Berolinensis
Und
noch etwas von Hw. Carmelo Martínez zur Rivalität zwischen den älteren Orden und den jüngeren Jesuiten:
Die Rivalität zwischen Jesuiten und Dominikanern ist ja allgemein bekannt. Ein bekannter Austausch von Epigrammen war der, bei dem die Dominikaner vorlegten mit:
Si cum jesuitis, nunquam cum Jesu itis.
Woraufhin die Jesuiten entgegneten mit:
Si cum dominicanis, nunquam cum Domino canis.
Als nun P. Esteban Dávila SJ als Abgesandter des hl. Franz Borja nach Lima kam, um dort den ersten Kovent zu gründen, traf er auf P. Diego Angulo, den dortigen Komtur der Mercedarier, mit dem er heftige Auseinandersetzungen führte. P. Angulo war rotblond, und so rief P. Dávila einmal aus:
Rubicundus erat Judas.
Darauf erwiderte P. Angulo ohne Umschweife:
Et de societate Jesu.
Was P. Dávila verstummen ließ.
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 06:06
von Sempre
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 08:48
von Gamaliel
Aus dem kleinen aber feinen Büchlein „Humor und Weisheit Papst Pius’ IX.“ von Ulrich Nersinger, Edition Kirchliche Umschau, 2003:
Zeitungen
Louis Veuillot erzählt in einem seiner Briefe, wie er Pater Carrière, den Generaloberen der Sulpizianer, bei Pius IX. einzuführen hatte. Nachdem der Papst den Pater mit großer Freude begrüßt hatte, bat er ihn, Platz zu nehmen. Der bezeichnete Stuhl war jedoch mit Zeitungen bedeckt. Der Gast, etwas verwirrt, machte Anstalten, sie zu entfernen. „Ach“, sagte der Papst, „das sind revolutionäre Zeitungen, da können Sie sich ruhig draufsetzen“.
Die Jugend der Kirche
Bevor ihn sein Beinleiden daran hinderte, liebte es der Papst, ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen. Oft ließ er sich dabei auch von Mitgliedern des Kardinalskollegiums begleiten. Bei einem dieser „Ausflüge“ ging Pius IX. so forsch einher, daß die Purpurträger nicht mithalten konnten. Der bemerkte dies, verlangsamte seinen Schritt und murmelte leise vor sich hin: „Und das will die Jugend der Kirche sein“!
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 11:56
von Raphaela
Ich würde ja gerne hier mitlachen - genauso beim liturgischen Humor.
Könnte bitte jemand übersetzen?
Danke!
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 12:40
von Robert Ketelhohn
Zumindest die ersten beiden Sätze sind Wortwitze, die übersetzt des Witzes ledig sind.
Dennoch:
Si cum jesuitis, nunquam cum Jesu itis – „wenn mit Jesuiten, geht ihr nie mit Jesu“.
Si cum dominicanis, nunquam cum Domino canis – „wenn mit Dominikanern, singst du niemals mit dem Herrn“.
Rubicundus erat Judas – „rot war Judas“.
Et de societate Jesu – „und aus der Gesellschaft Jesu“.
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 12:54
von Berolinensis
Die Epigramme kann man schlecht übersetzen, da es sich um Sprachspiele handelt.
Der Austausch zwischen P. Dávila und P. Angulo heißt übersetzt:
"Rothaarig war Judas."
Antwort:
"Und er gehörte zur Gesellschaft Jesu." (Doppeldeutig: wörtlich heißt das, daß er zur Gemeinschaft der Jünger gehörte, aber Gesellschaft Jesu ist auch der offizielle Name der Jesuiten.)
edit: Ich sehe gerade, Robert ist mir zuvorgekommen. Doppelt hält besser.

Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 17:42
von Thomas_de_Austria
Von S. Hl. Papst Innozenz XII. (Amtszeit: AD 1691 - 1700) wird ja folgendes G'schichterl überliefert:
Als ein Maler Innozenz XII. gerade porträtiert hatte, fragte er den Heiligen Vater um ein passendes Sprüchlein, das man unter das Bildnis setzen könnte. Der Papst, dem das Konterfei nicht sonderlich gelungen schien, antwortete: "Matthäus 14,27 - Innozenz XII."
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 17:56
von Berolinensis
Thomas,
die Geschichte wird freilich von vielen Päpsten berichtet - aber hier gilt (wie wahrscheinlich oft in diesem Strang) si non è vero, è ben trovato.
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 18:03
von Berolinensis
Vom sel. Johannes XXIII. heißt es, als er Weihnachten 1958 das römische Heilig-Geist-Spital besuchte, habe ihn die Hausoberin bewegt begrüßt und sich vorgestellt: "Heiligkeit, ich bin die Oberin vom Heiligen Geist." Worauf Papst Johannes geantwortet haben soll: "Allerhand! Ich hingegen bin nur der Stellvertreter Christi."
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 11. August 2010, 18:07
von Niels
Berolinensis hat geschrieben:Vom sel. Johannes XXIII. heißt es, als er Weihnachten 1958 das römische Heilig-Geist-Spital besuchte, habe ihn die Hausoberin bewegt begrüßt und sich vorgestellt: "Heiligkeit, ich bin die Oberin vom Heiligen Geist." Worauf Papst Johannes geantwortet haben soll: "Allerhand! Ich hingegen bin nur der Stellvertreter Christi."

Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 1. September 2010, 16:12
von Stilus
Der spanische Maler Diego Velazquez malte 165 in nur wenigen Sitzungen mit Innozenz X. einen Pontifex, der alles andere als ein frommer und gütiger Kirchenvater war. Im Gegenteil lassen der mißtrauische, durchdringende Blick und die zusammengepressten Lippen auf einen illusionslosen Machtpolitiker schließen. Der für seine Zornesausbrüche gefürchtete Papst soll es mit den Worten „troppo vero“ („allzu wahr“) kommentiert haben.
Quelle: Wikipedia
Bild:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... ez_48.jpg
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Mittwoch 1. September 2010, 18:30
von Juergen
Johannes XIII. traf mit einem Rabbiner zusammen und es wird berichtet:
Da beide sehr beleibt waren, passten sie nicht gleichzeitig durch die Tür. Der Rabbiner wollte ihn vorlassen, doch er meinte: "Zuerst das alte Testament, dann das neue."
Re: Kirchenhistorische Anekdoten
Verfasst: Samstag 18. September 2010, 10:37
von Gamaliel
Aus einem alten (1966) "Spiegel"-Bericht:
Post für Papst Alfredo
Daraus:
Der Heilige Stuhl machte es versehentlich publik: Papst ist nicht Paul VI., sondern Alfredo Ottaviani - der bis zum vorletzten Freitag, dem 18. März 1966, nur Kurienkardinal war.
Unter diesem Datum unterschrieb Ottaviani ein Dekret über die Mischehe zwischen Katholiken und Nichtkatholiken, in dein er sich im Plural - der nur Päpsten zusteht - auf "Unseren Vorgänger Johannes XXIII." beruft. Doch Johannes XXIII. war Vorgesetzter Ottavianis und Vorgänger Pauls VI.
Die Beförderung des Kardinals zum Papst ist ein Lapsus, der dem Vatikan bei der Korrektur des Schriftstücks unterlief: Ursprünglich hatte es der Papst selbst unterschreiben wollen.