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Re: Neue deutsche Übersetzung des Messbuchs
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 10:45
von Gamaliel
@Raimund
Danke, für den Hinweis auf den Text von Kardinal Meisner!
Zum Glück sitzt mir der Kardinal nicht gegenüber, sonst hätte ich ihm vieles zu sagen, z.B. dazu:
Kard. Meisner hat geschrieben:In dieser großen Tradition stehen die nachkonziliare Liturgiereform und die mit ihr verbundenen liturgischen Bemühungen in unseren Gemeinden. Wir dürfen sie wohl auch – unbeschadet aller Kritik im Einzelnen – als ein Geschenk des Heiligen Geistes an die Kirche ansehen.

Re: Neue deutsche Übersetzung des Messbuchs
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 10:48
von Berolinensis
In liturgischer Hinsicht ist bei Card. Meisner sowieso - wie bei nahezu allen "Aufbrüchlern" seiner Generation - Hopfen und Malz verloren. Auf menschlicher Ebene ist es auch verständlich.
Re: Neue deutsche Übersetzung des Messbuchs
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 10:59
von Gamaliel
Zweifellos richtig.
Ein Zitat von Kardinal Meisner "muß" ich aber noch bringen:
Denn jede Übersetzungsarbeit wird beeinflusst von den theologischen Vorstellungen der jeweiligen Zeit. So wird sich beispielsweise bei einer Überarbeitung zeigen, ob das Gottesbild der 1970er Jahre Spuren hinterlassen hat, die nicht von der lateinischen Vorlage gefordert waren, sondern nur dem theologischen Zeitgeist entsprachen.
Welches Gottesbild haben wir den im Jahr 2010 und gilt das nach Neujahr 2011 auch noch?

(Ich glaube, ich sollte solche Texte nur noch unter einem Sauerstoffzelt lesen.)
Kommission "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 11:07
von taddeo
Die Homepage des Vatikan bringt nichts Erhellendes, was diese ominöse Kommission angeht.
Ihr Name scheint aus dem Kapitel 9 der Instruktion "
Liturgiam authenticam" abgeleitet zu sein:
9. Ubi Congregationi de Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum visum fuerit, exarabitur, collatis consiliis cum Episcopis, quibus interest, textus «ratio translationis» nuncupandus, auctoritate eiusdem Dicasterii definiendus, quo principia translationis in hac Instructione exposita ad certam quandam linguam pressius applicentur. Documentum illud, pro opportunitate, variis ex elementis constare potest, ex. gr., elencho vocabulorum popularium cum aliis latinis aequiparandorum, expositione principiorum specialiter ad determinatam linguam spectantium, et cetera.
Demnach wäre es einfach eine Arbeitsgruppe, die von der Gottesdienstkongregation eingesetzt wurde, um mit den zuständigen Bischöfen über eine Arbeitsübersetzung zu beraten, die sich aber strikt nach den Vorschriften ("principia") der Kongregation richten muß. So könnte man den ersten Satz frei paraphrasieren.
Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 11:11
von Berolinensis
taddeo hat geschrieben:Die Homepage des Vatikan bringt nichts Erhellendes, was diese ominöse Kommission angeht.
Ihr Name scheint aus dem Kapitel 9 der Instruktion "
Liturgiam authenticam" abgeleitet zu sein:
9. Ubi Congregationi de Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum visum fuerit, exarabitur, collatis consiliis cum Episcopis, quibus interest, textus «ratio translationis» nuncupandus, auctoritate eiusdem Dicasterii definiendus, quo principia translationis in hac Instructione exposita ad certam quandam linguam pressius applicentur. Documentum illud, pro opportunitate, variis ex elementis constare potest, ex. gr., elencho vocabulorum popularium cum aliis latinis aequiparandorum, expositione principiorum specialiter ad determinatam linguam spectantium, et cetera.
Demnach wäre es einfach eine Arbeitsgruppe, die von der Gottesdienstkongregation eingesetzt wurde, um mit den zuständigen Bischöfen über eine Arbeitsübersetzung zu beraten, die sich aber strikt nach den Vorschriften ("principia") der Kongregation richten muß. So könnte man den ersten Satz frei paraphrasieren.
Diese Stelle hatte ich gestern auch gefunden, sie ergibt aber - im Hinblick auf die Kommission - keinen Sinn. Dort geht es ja - im Vorfeld der Übersetzung - um die Erarbeitung eines Instruments, das die Übersetzungsprinzipien noch einmal spezifisch für die jeweilige Sprache darlegt. Das ist ja offenkundig nicht die Aufgabe dieser Kommission, die vielmehr im Nachhinein die Ergebnisse der Übersetzung prüft.
Re: Neue deutsche Übersetzung des Messbuchs
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 11:12
von michaelis
Berolinensis hat geschrieben:(...) aber auf der (immer top-aktuellen

) Website von
Ecclesia celebrans (...)
Das sieht Tobias Weber auf seinem
Blog ähnlich:
schön ist auch:
(...) bis sich schließlich 25 eine Kommission konstituiert, deren Wirken von einer Offenheit und Transparenz gekennzeichnet ist, daß die italienische Mafia ob solcher "omertà" vor Neid erblassen möchte (...)
Es ist beinahe zum

, wenn es nicht zum

und zum

wäre.
Re: Neue deutsche Übersetzung des Messbuchs
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 11:21
von michaelis
Nachdem gerade im Nachbarstrang nochmal auf
liturgiam authenticam hingewiesen wurde, hier noch ein Passus dieser Instruktion, den sich die DBK vielleicht nochmal genauer ansehen sollte:
liturgiam authenticam hat geschrieben:104. Um des Wohls der Gläubigen willen reserviert sich der Heilige Stuhl das Recht, Übersetzungen in jede beliebige Sprache anzufertigen und für den liturgischen Gebrauch zu approbieren.
Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 11:49
von Gamaliel
Vielleicht stehen diese Infos schon irgendwo im Forum, dann diene dieser Beitrag als Auffrischung.
Auszüge chronologisch aus den
Pressemeldungen (2003-2007) der DBK zur Revison des Meßbuchs:
Die bislang gültige 2. Auflage wurde von der Deutschen, der Österreichischen und der Schweizer Bischofskonferenz sowie den (Erz-)Bischöfen von Bozen/Brixen, Luxemburg und Straßburg erarbeitet und herausgegeben. In Zukunft sollen auch die (Erz-)Bischöfe von Lüttich und Vaduz zur Herausgebergruppe gehören.
Die Neuübersetzung wird gemeinsam von der Deutschen, Österreichischen und der Schweizer Bischofskonferenz sowie von den Erzbischöfen von Luxemburg und Vaduz durchgeführt. Die römische Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung hat für die Übersetzung der liturgischen Texte im deutschen Sprachgebiet mit Dekret vom 10. Februar 2004 eine entsprechende Gemischte Bischöfliche Kommission (Ecclesia celebrans) errichtet. Die personelle Besetzung der Kommission erfolgt in den nächsten Wochen.
Für die katholische Kirche in Deutschland gehören der Kommission an: Kardinal Joachim Meisner, Köln, (Präsident), Bischof Dr. Felix Genn, Essen, Dr. Friedhelm Hofmann, Würzburg, und Bischof Wilhelm Schraml, Passau.
Der offizielle Beginn der Arbeit wird im Rahmen einer Auftaktveranstaltung am 30./31. März 2005 in Bensberg erfolgen. Fünf Arbeitsgruppen werden in einem gestuften Verfahren Textentwürfe bis hin zur Approbationsvorlage erstellen. Vor der Approbation haben alle Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz nochmals Gelegenheit, Vorschläge einzubringen.
Nach einer Auftaktveranstaltung am 30./31.03.2005 in Bensberg haben die Arbeitsgruppen und Berater die Textarbeit aufgenommen. Anfang 2006 sollen die ersten Entwurfstexte den Bischöfen des deutschen Sprachgebiets zur Eingabe von Modi zugeleitet werden.
Aus dem Frühjahr 2006 gibt es nichts Berichtenswertes.
Der Präsident der Kommission, Erzbischof Joachim Kardinal Meisner (Köln), hat uns jetzt den überarbeiteten Entwurf der deutschen Übersetzung der Grundordnung des Römischen Messbuchs (Institutio Generalis Missali Romani) vorgelegt, den die Vollversammlung zustimmend zur Kenntnis genommen hat. Mit dem Einverständnis der Gottesdienstkongregation in Rom – die noch erwartet wird – soll der Text mit einer Einführung, die Aufbau und Inhalt erläutert, zunächst als Vorabpublikation veröffentlicht werden. Die förmliche abschließende Approbation der „Grundordnung“ durch die Deutsche Bischofskonferenz wird zu einem späteren Zeitpunkt mit dem gesamten Text des revidierten Deutschen Messbuchs erfolgen.
Aus dem Frühjahr & Herbst 2007, sowie
Frühjahr &
Herbst 2008, sowie
Frühjahr &
Herbst 2009 gibt es nichts Berichtenswertes bzw. in den letzten Jahren wurden die Arbeiten in den Presseberichten gar nicht mehr erwähnt.
Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 12:22
von Gamaliel
Jetzt habe ich noch einen alten Artikel (Jänner 2009) aus Linz ausgegraben:
Eine Woche Arbeit in Rom
Daraus:
Bischof Dr. Ludwig Schwarz wurde von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung zum Leiter der Arbeitsgruppe für die Übersetzung des Ablaufes der Messe (Ordo Missae) ernannt. Mitte Jänner wurde ein Woche lang in Rom gearbeitet.
[...]
Mit dieser Arbeitsgruppe ist der Linzer Diözesanbischof praktisch auf allen Ebenen bei der Übersetzung des Messbuches vom Latein ins Deutsche tätig. Schon vor fünf Jahren wurde er in die Bischöfliche Kommission „Ecclesia celebrans“ unter der Leitung des Kölner Kardinals Joachim Meisner berufen und er leitet dort die Untergruppe, die vor allem die Tages-, Gaben-, Schluss- und Segensgebete übersetzt.
[...]
Die römische Arbeitsgruppe überprüft die erarbeiteten Übersetzungen und hat sie jetzt in ihrer Gesamtheit fertig gestellt als Vorschlag für die Bischöfliche Kommission und für die Kongregation.
=> Während es "Ecclesia celebrans" seit 2004 (Errichtung 1. Februar,
konstituierende Sitzung 2. November) gibt, existiert "Quo principia" erst seit Jänner 2009.
Das selbst gesetzte Ziel lautete Ende 2004 übrigens noch:
DBK hat geschrieben:Die Revision und Neufassung der deutschen Übersetzung des Römischen Messbuchs soll bis zum Jahr 2009 abgeschlossen werden.
(Auch die Kommissionsmitglieder wurden nur für 5 Jahre ernannt.)
Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 12:57
von Gamaliel
Einige weitere Namen, die "Ecclesia celebrans" zuarbeiten:
- Prof. Dr.
Helmut Hoping, Freiburg
Sekretär der Arbeitsgruppe "Ordo Missae" der bischöflichen Kommission "Ecclesia Celebrans" zur Übersetzung des römischen Messbuchs in die deutsche Sprache
- Prof. Dr.
Winfried Haunerland, München
seit März 2005: Berater der Kommission „Ecclesia celebrans“ für die Übersetzung liturgischer Texte in die deutsche Sprache
- Prof. Dr.
Jürgen Bärsch, Eichstätt
Bischöfliche Kommission "Ecclesia celebrans" (Orationen I) (Sekretär der AG2)
- Prof. Dr.
Stefan Klöckner, Essen
Mitarbeit in der Kommission zur Übersetzung des Missale Romanum (Editio tertia), "Ecclesia celebrans" (Vorsitz: Joachim Kardinal Meisner), seit 2005
- Prof. Dr.
Karl-Heinz Menke, Bonn
2005 Berufung in die Clearing-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz zur Revision des Missale
-O. Univ.-Prof. Dr.
Rudolf Pacik, Salzburg
Bischöfliche Kommission „Ecclesia celebrans“ (zur Revision des deutschen Messbuchs) seit März 2005
Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 14:06
von taddeo
Das ist fein, daß Du Dir diese Fleißarbeit machst!
Auf diese Weise wird der Kreuzgang wahrscheinlich zur einzigen Dokumentationsstelle, an der man überhaupt solche Angaben zur Meßbuchrevision gebündelt finden kann.
Danke dafür!

Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 14:12
von Hubertus
Also zu Hoping und Haunerland kann ich sagen, daß ich sie beide auf einer Veranstaltung zur Liturgie hier in München erlebt habe - und da standen sich ihre Ansichten zur Liturgiereform wie Feuer und Wasser gegenüber. Ob sich das auch bei der Arbeit in der Kommission niederschlägt, weiß ist nicht, aber es steht zu vermuten.
Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 14:16
von Berolinensis
Hubertus hat geschrieben:Also zu Hoping und Haunerland kann ich sagen, daß ich sie beide auf einer Veranstaltung zur Liturgie hier in München erlebt habe - und da standen sich ihre Ansichten zur Liturgiereform wie Feuer und Wasser gegenüber. Ob sich das auch bei der Arbeit in der Kommission niederschlägt, weiß ist nicht, aber es steht zu vermuten.
Es dürfte auch unschwer zu erraten sein, daß Hoping von der Kongregation, Haunerland von den deutschen Bischöfen durchgesetzt wurde.
Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 14:24
von cantus planus
Klöckner ist auch von den Bischöfen entsandt worden. Er ist ein guter Mann, wird sich aber in dieser Frage kaum gegen den DBK-Konsens stellen.
Re: Liturgie: "Reform der Reform" konkret
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 17:44
von Gamaliel
Hier noch ein paar Namen für "Ecclesia celebrans":
- Prof. Dr.
Martin Klöckener, Fribourg (CH)
SBK hat geschrieben:Der Liturgiewissenschaftler ist im Auftrag der SBK Mitglied der Übersetzergruppe „Orationen“ der internationalen bischöflichen Kommission „Ecclesia celebrans“.
- Prof. Dr.
Dieter Böhler, Sankt Georgen
Mitteilungen Sankt Georgen hat geschrieben:Mitarbeiter in der Bischöflichen Kommission „Ecclesia Celebrans“ für die Übersetzung liturgischer Bücher in die deutsche Sprache.
Mitarbeiter in der Bischöflichen Kommission „Ecclesia Celebrans“ für die Revision der Einheitsübersetzung.
Mitglied des „coetus consultivus Quo principia“ bei der römischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung für die Übersetzung des Missale Romanum in die deutsche Sprache.
Quelle:
http://www.sankt-georgen.de/hochschule/ ... ngen3.pdf
- Prof. Dr.
Prof. Dr. Andreas Heinz, Trier
Elisabeth-Bote hat geschrieben:In Trier leite ich die Arbeiten der von den Bischöfen des deutschen Sprachgebietes eingesetzten “Arbeitsgruppe 1" (AG 1) für die Herausgabe des neuen Deutschen Messbuchs; Vorsitzender unserer AG 1 von “Ecclesia celebrans” ist Weihbischof Paul Vollmar (Zürich).
Quelle:
http://www.auw-an-der-kyll.de/st-elisab ... -28.rtf
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 19:07
von Gamaliel
Zur Leitung von "Ecclesia celebrans" (Stand: 2005, also am Beginn der Arbeit):
Bischof Paul Vollmar hat geschrieben:Die Leitung der Kommission ist folgendermassen zusammengesetzt: Präsident ist Kardinal Joachim Meisner aus Köln, zum Vizepräsidenten wurde Bischof Klaus Küng aus St. Pölten ernannt und ich wurde zum Sekretär gewählt. Meine Aufgabe besteht vor allem darin, die Arbeit der fünf Übersetzungsgruppen zu verfolgen, zu überprüfen und zu koordinieren. Ich bin also gewissermassen der Moderator der Kommission, derjenige, der den Überblick haben soll.
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 20:43
von Raimund J.
Auch interessant, zur Übersetzungsfrage von "pro multis" noch einmal die alten Threads aus dem Jahr 2006 anzuschauen:
viewtopic.php?f=1&t=10749&view=previous
Zuversichtlich:
Leguan hat geschrieben:Roma locuta, causa finita.
Skeptisch:
Ewald Mrnka hat geschrieben:Man sehen, wie sich das in Deutschland gestalten wird.
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 21:05
von Benedikt
Vielen Dank für die hier zusammen getragenen Informationen. Als ich den Pressebericht der Bischofskonferenz gelesen habe, bin ich ja bald vom Glauben abgefallen. Wenn man sich allerdings mal das genauere Procedere anschaut, dann wird das ganze klarer. Anscheinend hoffte man von deutscher Seite, das ganze aussitzen zu können. Man schaffte es noch nicht mal, innerhalb von 5 Jahren eine Übersetzung des Meßbuches vorzulegen.
Vor diesem Hintergrund wird auch die Haltung Meisners verständlich, der guter Hoffnung ist. Das ganze ist nämlich jetzt an Rom übergeben worden und somit in guten Händen.
Wir sollten uns jedoch klarmachen, dass bei der derzeitigen Lage die Neuübersetzung noch größere Schwierigkeiten haben wird. Der Kreis um Zollitsch wird schon wissen, wie er es so darstellen kann, dass die guten Bischöfe die "modernen" Texte (=die aus den 70ern) verteidigen wollten, jedoch von Rom überrumpelt wurden. Das neue Messbuch wird dann in noch geringerer Treue verwendet werden als das bisherige.
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Freitag 1. Oktober 2010, 21:13
von Ivo Matthäus
Benedikt hat geschrieben:
Wir sollten uns jedoch klarmachen, dass bei der derzeitigen Lage die Neuübersetzung noch größere Schwierigkeiten haben wird. Der Kreis um Zollitsch wird schon wissen, wie er es so darstellen kann, dass die guten Bischöfe die "modernen" Texte (=die aus den 70ern) verteidigen wollten, jedoch von Rom überrumpelt wurden. Das neue Messbuch wird dann in noch geringerer Treue verwendet werden als das bisherige.
In der Passage steckt leider eine bittere Wahrheit...
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Samstag 2. Oktober 2010, 11:08
von Robert Ketelhohn
Ich gebe zu bedenken, daß der Teufel oft bereits im lateinischen Original steckt.
Man hätte darum unbedingt erst mit der Revision dieser Originaltexte beginnen
müssen. Eine Neuübersetzung der derzeitigen Texte des novi ordinis kann zwar
einige Auswüchse zurückschneiden, das Problem aber nicht an der Wurzel pak-
ken.
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Samstag 2. Oktober 2010, 20:43
von iustus
Benedikt hat geschrieben:Vielen Dank für die hier zusammen getragenen Informationen. Als ich den Pressebericht der Bischofskonferenz gelesen habe, bin ich ja bald vom Glauben abgefallen. Wenn man sich allerdings mal das genauere Procedere anschaut, dann wird das ganze klarer. Anscheinend hoffte man von deutscher Seite, das ganze aussitzen zu können. Man schaffte es noch nicht mal, innerhalb von 5 Jahren eine Übersetzung des Meßbuches vorzulegen.
Vor diesem Hintergrund wird auch die Haltung Meisners verständlich, der guter Hoffnung ist. Das ganze ist nämlich jetzt an Rom übergeben worden und somit in guten Händen.
Die Aussage Meisners verstehe ich noch immer ganz anders. Er sagte:
Wir haben natürlich eine Entscheidung getroffen. Wie alle Entscheidungen bei den Übersetzungen ist das noch nicht endgültig. Wir haben heute die Promulgation vorgenommen. Die Rekognizierung geschieht durch Rom. Und die werden das sehr kritisch lesen und dann wird man entweder korrigieren oder in Ordnung finden, was ich nicht glaube. Aber ich bin in guter Hoffnung.
Er ist also guter Hoffnung, dass "die" in Rom das in Ordnung finden, auch wenn er es nicht glaubt. Es ist also keineswegs so, dass er auf eine Korrektur hofft.
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Samstag 2. Oktober 2010, 22:55
von Benedikt
Das "Aber ich bin in guter Hoffnung" sehe ich eher als eine Art selbstversicherndes Mantra. Er weiß ja, dass seine Kommission Mist gebaut hat. Aber er ist guter Hoffnung, dass das alles irgendwie gut wird.
Der Mann ist immerhin 76 Jahre alt, dass sollte man nicht vergessen.
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Samstag 2. Oktober 2010, 23:22
von Robert Ketelhohn
Hauptsache, er ist nicht wirklich guter Hoffnung.
Re: DBK und „Ecclesia celebrans“
Verfasst: Sonntag 3. Oktober 2010, 21:35
von Galilei
Berolinensis, erinnerſt Du Dich an
unſeren Disput über die von Dir behauptete Parallelität der Kommiſſionen »Ecclesia celebrans« und »Vox clara«?
Die neu aufgetauchte Kommiſſion »Quo principia« beſtätigt mich in meiner damals geäußerten Meinung. Ich vermute
Quo principia iſt das deutſchſprachige Pendant zu
Vox clara.
Re: DBK und „Ecclesia celebrans“
Verfasst: Sonntag 3. Oktober 2010, 21:52
von Berolinensis
Galilei hat geschrieben:Berolinensis, erinnerſt Du Dich an
unſeren Disput über die von Dir behauptete Parallelität der Kommiſſionen »Ecclesia celebrans« und »Vox clara«?
Die neu aufgetauchte Kommiſſion »Quo principia« beſtätigt mich in meiner damals geäußerten Meinung. Ich vermute
Quo principia iſt das deutſchſprachige Pendant zu
Vox clara.
Das mag in der Tat so sein, die damals bekannten Tatsachen stützten aber deine Meinung nicht. Eindeutig ist die Sache auch jetzt noch nicht: Auch die Kommission
Ecclesia celebrans ist ja von der Kongregation errichtet. Für die englischsprachige Übersetzung gibt es nur eine von der Kongregation errichtete Kommission, nämlich
Vox clara.
Vox clara wurde auch schon 2001 (!) errichtet, während
Quo principia ja nach den von Gamaliel dankenswerter Weise zusammengetragenen Informationen erst im letzten Jahr errichtet wurde. Deshalb ist - bei der im Vergleich zum anglophonen Bereich nach wie vor in völlig unbegreiflicherweise undurchsichtigen und mangelhaften Informationslage - mein Eindruck eher, daß die Funktionen, die für das Englische die Kommission
Vox clara erfüllt hat, für das Deutsche - aus welchen Gründen auch immer - auf zwei Kommissionen, nämlich
Ecclesia celebrans und
Vox clara aufgeteilt wurden.
Re: DBK und „Ecclesia celebrans“
Verfasst: Sonntag 3. Oktober 2010, 21:57
von Benedikt
Berolinensis hat geschrieben:bei der im Vergleich zum anglophonen Bereich nach wie vor in völlig unbegreiflicherweise undurchsichtigen und mangelhaften Informationslage
Unbegreiflich finde ich die Intransparenz nicht, eher sehr durchsichtig: Die Intransparenz hat Methode. Das Volk soll vom Procedere ausgeschlossen werden. Das ist ähnlich wie mit dem Test-Gotteslob. Das hätte man ja einfach mal als Buch mit ISBN veröffentlichen können, dann hätte sich das jeder anschauen können.
Re: DBK und „Ecclesia celebrans“
Verfasst: Sonntag 3. Oktober 2010, 22:01
von Berolinensis
Benedikt hat geschrieben:Berolinensis hat geschrieben:bei der im Vergleich zum anglophonen Bereich nach wie vor in völlig unbegreiflicherweise undurchsichtigen und mangelhaften Informationslage
Unbegreiflich finde ich die Intransparenz nicht, eher sehr durchsichtig: Die Intransparenz hat Methode. Das Volk soll vom Procedere ausgeschlossen werden. Das ist ähnlich wie mit dem Test-Gotteslob. Das hätte man ja einfach mal als Buch mit ISBN veröffentlichen können, dann hätte sich das jeder anschauen können.
Mag sein. Man muß aber auch sagen daß bei
Vox clara dauernd Pressemitteilungen auf der Seite des Hl. Stuhls veröffentlicht wurden (s.
hier), während weder
Ecclesia celebrans noch
Quo principia dort überhaupt erwähnt werden.
Re: DBK und „Ecclesia celebrans“
Verfasst: Sonntag 3. Oktober 2010, 22:02
von Galilei
Benedikt hat geschrieben:Das ist ähnlich wie mit dem Test-Gotteslob. Das hätte man ja einfach mal als Buch mit ISBN veröffentlichen können, dann hätte sich das jeder anschauen können.
In einigen Bibliotheken steht das immerhin.
Re: DBK und „Ecclesia celebrans“
Verfasst: Sonntag 3. Oktober 2010, 22:04
von Berolinensis
Benedikt hat geschrieben:Berolinensis hat geschrieben:bei der im Vergleich zum anglophonen Bereich nach wie vor in völlig unbegreiflicherweise undurchsichtigen und mangelhaften Informationslage
Unbegreiflich finde ich die Intransparenz nicht, eher sehr durchsichtig: Die Intransparenz hat Methode. Das Volk soll vom Procedere ausgeschlossen werden. Das ist ähnlich wie mit dem Test-Gotteslob. Das hätte man ja einfach mal als Buch mit ISBN veröffentlichen können, dann hätte sich das jeder anschauen können.
Ergänzung: Ich meinte mit "unbegreiflich" auch eher, daß ich nicht verstehe, warum man es den deutschen Bischöfen durchgehen läßt, als daß ich nicht verstünde, warum diesen an Intransparenz gelegen ist.
Re: DBK und „Ecclesia celebrans“
Verfasst: Sonntag 3. Oktober 2010, 22:06
von Sascha B.
Berolinensis hat geschrieben:Benedikt hat geschrieben:Berolinensis hat geschrieben:bei der im Vergleich zum anglophonen Bereich nach wie vor in völlig unbegreiflicherweise undurchsichtigen und mangelhaften Informationslage
Unbegreiflich finde ich die Intransparenz nicht, eher sehr durchsichtig: Die Intransparenz hat Methode. Das Volk soll vom Procedere ausgeschlossen werden. Das ist ähnlich wie mit dem Test-Gotteslob. Das hätte man ja einfach mal als Buch mit ISBN veröffentlichen können, dann hätte sich das jeder anschauen können.
Ergänzung: Ich meinte mit "unbegreiflich" auch eher, daß ich nicht verstehe, warum man es den deutschen Bischöfen durchgehen läßt, als daß ich nicht verstünde, warum diesen an Intransparenz gelegen ist.
Weil Rom kein Schisma riskieren möchte welches ich den DBK-Häretikern größtenteils zutrauen würde? Oder weil man dort sowieso weiß das die Deutschen alles ignorieren was man sagt?
Re: DBK und „Ecclesia celebrans“
Verfasst: Sonntag 3. Oktober 2010, 22:08
von Berolinensis
Deo iuvante hat geschrieben:Berolinensis hat geschrieben:Benedikt hat geschrieben:Berolinensis hat geschrieben:bei der im Vergleich zum anglophonen Bereich nach wie vor in völlig unbegreiflicherweise undurchsichtigen und mangelhaften Informationslage
Unbegreiflich finde ich die Intransparenz nicht, eher sehr durchsichtig: Die Intransparenz hat Methode. Das Volk soll vom Procedere ausgeschlossen werden. Das ist ähnlich wie mit dem Test-Gotteslob. Das hätte man ja einfach mal als Buch mit ISBN veröffentlichen können, dann hätte sich das jeder anschauen können.
Ergänzung: Ich meinte mit "unbegreiflich" auch eher, daß ich nicht verstehe, warum man es den deutschen Bischöfen durchgehen läßt, als daß ich nicht verstünde, warum diesen an Intransparenz gelegen ist.
Weil Rom kein Schisma riskieren möchte welches ich den DBK-Häretikern größtenteils zutrauen würde? Oder weil man dort sowieso weiß das die Deutschen alles ignorieren was man sagt?
Die Bischöfe in vielen englischsprachigen Ländern sind ja auch nicht besser (in den USA mittlerweile allerdings schon). (Übrigens: Diese "Schisma-Gefahr", die hier dauernd umhergeworfen wird, halte ich, wenn damit ein offenes Schisma gemeint ist, für völlig fernliegend.)
Re: DBK und "Ecclesia celebrans"
Verfasst: Montag 4. Oktober 2010, 08:33
von michaelis
Was passiert eigentlich, wenn z.B. die österreichische BK eine andere Übersetzung beschließen sollte?
Edit: (Oder der EB von Vaduz?)