Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Gespräche über ausgewählte litterarische Texte.
Cassian
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Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Cassian »

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Aus dem Klappentext:

"Alles sprach dagegen, dass aus dem kleinen Giovanni Maria Mastai Ferretti (1792 - 1878) etwas wird. Hubert Wolf schildert den erstaunlichen Weg des kränkelnden jungen Adligen aus der Provinz zum mächtigsten und am längsten amtierenden Papst der Geschichte (1846 - 1878), der den Katholizismus neu erfand. Das fesselnd und anschaulich geschriebene Buch ist eine kalte Dusche für alle, die im Papst den Repräsentanten uralter Traditionen sehen.


Leseprobe
Zuletzt geändert von Hubertus am Donnerstag 21. April 2022, 09:09, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Überlanges Zitat aus urheberrechtlichen Gründen gekürzt.

Hofrat_Haberditzl
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Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Hofrat_Haberditzl »

Ich kann das Buch sehr empfehlen

Cassian
Beiträge: 298
Registriert: Mittwoch 20. Juni 2018, 11:51

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Cassian »

Die Leseprobe ist unbedingt lesenswert, insbesondere der Prolog "La tradizione sono io". :)

Bruder Donald

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Bruder Donald »

Eine durchschaubar anti-katholische Agitation.
Allein schon der aggressiv-herablassende Stil des Autors, der vermeintlich Historiker und Priester ist.
Es wird seine Gründe haben, warum das Machwerk in keinem christlichen Verlag erschienen ist. ;)

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FranzSales
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Registriert: Dienstag 14. Oktober 2003, 08:46

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von FranzSales »

Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 22. April 2022, 17:23
Eine durchschaubar anti-katholische Agitation.
Allein schon der aggressiv-herablassende Stil des Autors, der vermeintlich Historiker und Priester ist.
Es wird seine Gründe haben, warum das Machwerk in keinem christlichen Verlag erschienen ist. ;)
Hast Du das Buch überhaupt gelesen? Den von Dir beschriebenen Tonfall hat das Buch nicht, es ist ein sehr informatives Sachbuch. Es ist eher im angelsächsischen Stil lebendig geschrieben und kein dröges Akademikerelaborat.

Pio Nono hat -wenngleich auch fromm- mit seinem Pontifikat der Kirche mehr geschadet als genützt. Sehr informativ ist auch das Buch von Hasler über die Genese des Unfehlbarkeitsdogmas.
"Herr Jesus Christus, wir beten Dich an und benedeien Dich. In Deinem Heiligen Kreuz hast Du die Welt erlöst."

Kolleen

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Kolleen »

Das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit in Glaubensdingen hat die Kirche mehr entweltlicht als verweltlicht. Daher kann ich den Schaden, den das Dogma angerichtet haben soll, nicht erkennen.

kukHofnarr
Beiträge: 701
Registriert: Dienstag 10. August 2021, 14:02

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von kukHofnarr »

Was die Kirche verweltlicht, ist uns sogar in den alten Schriften überliefert: wenn ein Papst will, was die Menschen wollen. In diesem Fall macht er sich unseren König zum Feind! Er ruft solchen Päpsten zu allen Zeiten das Vade Retro entgegen (und denen, die flüchten das Quo Vadis!).

Und was sehen wir?

Wen Gott strafen will, dem erfüllt er seine Wünsche.

Aber

es muss nicht so bleiben.

Cassian
Beiträge: 298
Registriert: Mittwoch 20. Juni 2018, 11:51

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Cassian »

kukHofnarr hat geschrieben:
Samstag 23. April 2022, 09:49
Was die Kirche verweltlicht, ist uns sogar in den alten Schriften überliefert: wenn ein Papst will, was die Menschen wollen. In diesem Fall macht er sich unseren König zum Feind! Er ruft solchen Päpsten zu allen Zeiten das Vade Retro entgegen (und denen, die flüchten das Quo Vadis!).

Und was sehen wir?

Wen Gott strafen will, dem erfüllt er seine Wünsche.

Aber

es muss nicht so bleiben.
Bitte beim Thema bleiben. Danke.

kukHofnarr
Beiträge: 701
Registriert: Dienstag 10. August 2021, 14:02

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von kukHofnarr »

Aber Cassian!

Ich bin absolut in dem von Dir vorgegebenen Thema der Erfindung des "Katholizismus"!

:)

kukHofnarr
Beiträge: 701
Registriert: Dienstag 10. August 2021, 14:02

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von kukHofnarr »

Meine Sichtweise ist die:

Jeder "Ismus" ist eine Ideologie. Das Wesen einer Ideologie hatte ich hier versucht zu erläutern.

Die Ecclesia mithin die kath. Kirche ist keine Ideologie sondern steht für das Lebensprinzip schlechthin ein, welches die kath. Kirche in ihrer Eigenschaft als Anwältin des Naturrechtes /1 anzumahnen hat gegen jedwede Bestrebung seitens eines Herrschaftssystems, sie für seine Ziele zu verzwecken. Sie lässt sich also von keinem Herrschaftssystem instrumentalisieren,...

jedoch:

sobald ein Papst wollte, was die Menschen wollen, beginnt die Ideologie, nämlich "Katholizismus" als Hebel der Politik.

Papst Pius IX. war kein Katholizist, das beweist das Buch...

aber

meine These lautet:

der seitens Pius IX. nicht erfolgte Abschluss des ersten Vatikanischen Konzils ist zu bewerten als Einknicken vor dem, was die Menschen wollen, das bedeutet also im Hinblick auf den Titel des von Dir empfohlenen Buches, dass mit diesem Papst "Katholizismus" begann, denn immerhin hatte er noch einige Jahre nach der Konzilsunterbrechung Zeit zur Fortsetzung wenn nicht gar zum Abschluss, ...sei's d'rum, seither wartet das erste Vatikanische Konzil auf den Abschluss mithin auf das Ende des "Katholizismus".

Soweit meine These.

___
/1 Handlungsgrundsätze im Naturrecht: https://kreuzgang.org/viewtopic.php?p=930334#p930334

Bruder Donald

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Bruder Donald »

FranzSales hat geschrieben:
Samstag 23. April 2022, 07:30
Hast Du das Buch überhaupt gelesen?
Die Leseprobe war sehr aufschlussreich.

FranzSales hat geschrieben:
Samstag 23. April 2022, 07:30
Den von Dir beschriebenen Tonfall hat das Buch nicht, es ist ein sehr informatives Sachbuch.
Es ist mehr wertend als deskriptiv.

FranzSales hat geschrieben:
Samstag 23. April 2022, 07:30
Pio Nono hat -wenngleich auch fromm- mit seinem Pontifikat der Kirche mehr geschadet als genützt.
Da habe ich gegenteiliges gehört.
Der Punkt ist: Wer das Buch liest, wird man wohl unweigerlich zu keiner anderer Einschätzung kommen, als du ausgesagt hast.
Ich denke nicht, dass dem Leser hier eine gewisse Entscheidungsfreiheit geboten wird, sich selbst eine Meinung zu dem Thema zu bilden.

FranzSales hat geschrieben:
Samstag 23. April 2022, 07:30
Sehr informativ ist auch das Buch von Hasler über die Genese des Unfehlbarkeitsdogmas.
Ist das jenes mit dem Vorwort von Hans Küng?

Kolleen

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Kolleen »

FranzSales hat geschrieben:
Samstag 23. April 2022, 07:30
............
Sehr informativ ist auch das Buch von Hasler über die Genese des Unfehlbarkeitsdogmas.
Ist damit der August Bernhard Hasler gemeint, welcher 1980 an Lymphdrüsenkrebs gestorben ist? :hmm:

Bruder Donald

Re: Der Unfehlbare: Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert

Beitrag von Bruder Donald »

Zufällig ein Artikel indirekt zu dem hier vorgestellten Machwerk:
Theologe: These vom "doppelten Lehramt" beruht auf haltlosen Schlüssen
Weiter schreibt Rhonheimer, dass das "Narrativ" von einem "doppelten Lehramt" im Orientierungstext des Synodalpräsidiums offenbar dazu dienen solle, "der Theologie die Lehrkompetenz für alle 'theologischen Streitfragen jenseits konziliarer Entscheidungen' zurückzugeben, die das Lehramt seit dem Ersten Vatikanum angeblich traditionswidrig an sich gerissen hat". [...] Doch weder sei die These von Lehre und Realität eines "doppelten Lehramts" im Mittelalter historisch korrekt noch habe das erste Vatikanum hier einen Bruch mit der Tradition vollzogen. "Die im Orientierungstext des Synodalen Weges übernommene Konstruktion, derzufolge mit Pius IX. und dem Ersten Vatikanum die akademische Theologie entmachtet worden sei und deren Kompetenzen dem Papst und der Kurie übertragen worden seien, ist historisch nicht haltbar", betont Rhonheimer. Die Programmatik des Synodalpräsidiums gründe auf einer Geschichtsschreibung, die "selektiv, willkürlich und geradezu irreführend" mit ihren Quellen umgehe.

Populär gemacht habe die These vom "doppelten Lehramt" der Theologen und Bischöfe der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf mit seinem Buch "Der Unfehlbare. Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert” aus dem Jahr 2020, so Rhonheimer. Wolf berufe sich dabei auf den Regensburger Kirchenhistoriker Klaus Unterburger, laut dessen Habilitationsschrift die theologischen Fakultäten für sich beansprucht hätten, in Glaubensfragen lehramtlich Stellung zu nehmen und Thesen offiziell zu verbieten, wodurch Theologen und Bischöfe in ihrer Gesamtheit Lehrautorität besessen hätten. Laut Rhonheimer behaupten Unterburger und Wolf, die Lehre vom "doppelten Lehramt" stamme von Thomas von Aquin. Dabei führe Unterburger drei Thomas-Stellen an, die jedoch als Belege für eine thomistische Lehre von einem "doppelten Lehramt" nichts hergäben. Sie seien "Fehlanzeigen".
Die Kirsche auf diesem entlarvenden Sahnehäubchen: Der Artikel wurde auf katholisch.de veröffentlicht. :kugel:

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