Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
Maximin
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Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Maximin » Montag 7. Januar 2019, 17:35

Was mich aus reformierter Sicht der Dinge auch in Hinblick meiner katholischen Vergangenheit wundert (im Sinne von: warum habe ich mich dies nie früher gefragt):
Wie steht das Sühnopfer Jesu für die Sünde seiner Schafe im Verhältnis zur eigenen Buße im Fegefeuer für zeitliche Sündenstrafen?
Oder anders gefragt: Wenn Jesus bereits das Opfer meiner begangenen Sünden gab, wofür habe ich im Fegefeuer abzusitzen?

Hoffe auf interessante Gespräche. :)

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taddeo
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von taddeo » Montag 7. Januar 2019, 18:16

Maximin hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 17:35
Oder anders gefragt: Wenn Jesus bereits das Opfer meiner begangenen Sünden gab, wofür habe ich im Fegefeuer abzusitzen?
Ich würde dir raten, zunächst mal mit der Suchfunktion des Forum nach den passenden Schalgwörtern (zB "Fegefeuer") zu suchen. Da findest du schnell etliche Stränge, in denen genau diese Frage schon thematisiert und auch beantwortet wurde. :huhu:

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Amigo
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Amigo » Montag 7. Januar 2019, 18:41

Auch ich empfehle zunächst die Suchfunktion mit Begriffen wie "Purgatorium" und "Sündenstrafen".

Zusätzlich (nicht stattdessen) biete ich folgenden Denkansatz: Zwar wurde mir komplett vergeben und meine Schuld komplett bezahlt; aber das impliziert leider nicht, dass ich diese Vergebung komplett und ohne Vorbehalte auch annehme, sodass mir die "komplette Wirkung dieser Vergebung" auch tatsächlich und unmittelbar zuteil wird. Vielmehr kann es durchaus sein, dass ich zwar diese Vergebung grundsätzlich annehmen will, aber in vielen Dingen dennoch irgendwie dem anhänge, was mich von Gott trennt. Damit bin ich dann zwar erlöst, aber noch nicht vollständig bereit, diese Erlösung anzunehmen.

Das Sühnopfer Christi ist also weder "unvollständig" noch "in Einzelfällen minder wirksam", und dennoch bin ich vielleicht nicht in der Situation, es vollumfänglich anzunehmen. Dann bedarf es einer zusätzlichen Reinigung (Purgatio)...

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taddeo
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von taddeo » Montag 7. Januar 2019, 20:22

Amigo hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 18:41
Zusätzlich (nicht stattdessen) biete ich folgenden Denkansatz: Zwar wurde mir komplett vergeben und meine Schuld komplett bezahlt; aber das impliziert leider nicht, dass ich diese Vergebung komplett und ohne Vorbehalte auch annehme, sodass mir die "komplette Wirkung dieser Vergebung" auch tatsächlich und unmittelbar zuteil wird. Vielmehr kann es durchaus sein, dass ich zwar diese Vergebung grundsätzlich annehmen will, aber in vielen Dingen dennoch irgendwie dem anhänge, was mich von Gott trennt. Damit bin ich dann zwar erlöst, aber noch nicht vollständig bereit, diese Erlösung anzunehmen.

Das Sühnopfer Christi ist also weder "unvollständig" noch "in Einzelfällen minder wirksam", und dennoch bin ich vielleicht nicht in der Situation, es vollumfänglich anzunehmen. Dann bedarf es einer zusätzlichen Reinigung (Purgatio)...
Naja, das ist aber schon arg weit hergeholt im Vergleich zur katholischen Lehre. Warum so kompliziert? :hmm: :D

Das Sühnopfer Christi hat die Sünden getilgt. Das Fegefeuer tilgt die zeitlichen Sündenstrafen, die auf diese Sünden fällig sind. Ganz einfach.

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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Amigo » Montag 7. Januar 2019, 20:31

taddeo hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 20:22
Naja, das ist aber schon arg weit hergeholt im Vergleich zur katholischen Lehre. Warum so kompliziert? :hmm: :D
Einige Jahre Erfahrung im (nicht immer erfolgreichen, zugegeben...) Bemühen, die Inhalte des Glaubens Menschen mit recht spezifischen „Denkmustern“ greifbar zu machen :detektiv:

Maximin
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Maximin » Montag 7. Januar 2019, 21:14

Amigo hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 18:41
Auch ich empfehle zunächst die Suchfunktion mit Begriffen wie "Purgatorium" und "Sündenstrafen".
Danke für den Tipp. Zwar habe ich zuvor die Funktion genutzt, aber gefunden habe ich nichts. Ich werde sie in Zukunft sorgfältiger benutzen.
Amigo hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 18:41
Zwar wurde mir komplett vergeben und meine Schuld komplett bezahlt; aber das impliziert leider nicht, dass ich diese Vergebung komplett und ohne Vorbehalte auch annehme, sodass mir die "komplette Wirkung dieser Vergebung" auch tatsächlich und unmittelbar zuteil wird. Vielmehr kann es durchaus sein, dass ich zwar diese Vergebung grundsätzlich annehmen will, aber in vielen Dingen dennoch irgendwie dem anhänge, was mich von Gott trennt. Damit bin ich dann zwar erlöst, aber noch nicht vollständig bereit, diese Erlösung anzunehmen.
Wenn aber unsere Schuld bezahlt wurde, weshalb zahle ich dann noch etwas? Das begreife ich nicht. :hae?: Wenn ich deinen Text richtig verstehe, so liegt das an unserem Willen, der uns von Gott trennt, da wir noch anderen Dingen anhängen.

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Edi
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Edi » Montag 7. Januar 2019, 21:45

Die Sünden hinterlassen Deviationen in Leib und Seele, die nicht schlagartig behoben werden können. Daher muss müssen auch diese Sündenfolgen ausgereinigt werden, damit wir eines Tages Gott schauen können.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Amigo
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Amigo » Montag 7. Januar 2019, 22:13

Maximin hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 21:14
Zwar habe ich zuvor die Funktion genutzt, aber gefunden habe ich nichts.
Ja, wir sind halt alle "Google-verwöhnt", wo man meist passende Suchergebnisse bekommt, auch wenn man den Suchbegriff falsch geschrieben hat... :roll:
Wenn aber unsere Schuld bezahlt wurde, weshalb zahle ich dann noch etwas? Das begreife ich nicht. :hae?:
"Schuld" und "bezahlen" sind in der Wirtschaft und der Theologie übliche Begriffe, und weil man ja weiß, was eine "Geld-Schuld" ist und dass sie durch "bezahlen" beglichen und damit getilgt wird, lässt sich das als Analogie trefflich auch in anderen Bereichen (wie Beziehungen oder eben der Theologie) nutzen. Durch die Sünde entstehen, um die Begriffe weiter zu verwenden, nicht nur eine, sondern zwei "Schulden", die getilgt werden müssen:

1. die eigentliche Sündenschuld, die die Trennung von Gott bewirkt; von ihr befreit uns das Opfer Jesu, das alle, die dieses unverdiente Geschenk in der Taufe annehmen, vom ewigen Tod rettet, weil Gott uns dank Jesu Sühneopfer die Schuld vergibt. Diese Schuld ist also vollständig und unwiderruflich bezahlt, und zwar ausschließlich durch Jesu Opfer. Diesen Aspekt sehen evangelische Christen wohl genauso. [Zwar gibt es hier zwischen katholischer und evangelischer Sichtweise möglicherweise durchaus gravierende Unterschiede in Bezug auf Todsünde - also den selbst verschuldeten Verlust dieser rettenden Gnade durch die Zurückweisung von Gottes Vergebung, und die neuerliche Annahme dieser unwiderruflichen Gnade im Sakrament der Beichte - aber das ist nicht das Thema hier.]

2. die sogenannte Sündenstrafe, die in der katholischen Theologie (etwas unpräzise ausgedrückt) die "schädlichen Auswirkungen der Sünde in die Welt hinein" bezeichnet. Wer sündigt, schädigt sich und andere damit; auch wenn diese Sünde vollständig vergeben wird, sind die Schäden dennoch vorhanden, diese Schuld bleibt also zunächst bestehen. Diese Schuld kann aus der Portokassa der Kirche, pardon, aus dem immateriellen Kirchenschatz ("Gnadenschatz") bezahlt werden. Zwar hat Jesus durch sein Opfer auch diesen Schatz überreich ausgestattet - und auch die Gebete und guten Werke von uns allen tragen zu diesem Schatz bei! - aber, und das wollte ich oben ausdrücken, müssen wir uns auch intensiv aus diesem Schatz "bedienen", um unsere Sündenstrafen zu bezahlen. Und da wir das oft nicht ausreichend tun, weil wir an Sünde und weltlichen Dingen verhaftet bleiben, bleibt auch diese Schuld teils unbezahlt; nicht, weil die Portokasse leer ist, sondern weil wir anderes zu tun haben, als uns fleißig daraus zu bedienen, wenn ich das so salopp sagen darf. Und wenn davon bei unserem Tod etwas noch nicht bezahlt ist, dann... wird der Rest im Fegefeuer abgestottert.
Wenn ich deinen Text richtig verstehe, so liegt das an unserem Willen, der uns von Gott trennt, da wir noch anderen Dingen anhängen.
Nun, das ist eine Darstellungsweise, die - wie schon angemerkt wurde - nicht unmittelbar die katholische Lehre wiedergibt, aber die eventuell hilfreich sein kann, um sich der katholischen Lehre zu nähern. Ob man nun den korrekten Begriff der "Sündenstrafen" nutzt oder eine vielleicht zunächst leichter fassbare Formulierung wie "nicht vollständig geläutert sein, sich noch nicht ganz von der Anhänglichkeit zur Sünde befreit haben" - in Übereinstimmung mit der Bibel (und daher ziemlich sicher auch mit evangelischem Verständnis) ist klar, dass vor Gott nichts Unreines bestehen kann (vgl. Offb 21,27); da aber nicht alle, die nach diesem Leben auch nur ein klein wenig unrein sind, von Gott für immer verworfen werden, ist für viele Verstorbene eine Reinigung vonnöten, bevor sie vor Gottes Angesicht treten können.

Die katholische Lehre sagt zu dieser Reinigung einiges, u.a.
* dass sie eine spezielle Art von "Prozess, Vorgang" bedeutet und daher eine gewisse Verbindung zur "Zeit" hat (im Gegensatz zur Ewigkeit),
* dass man in diesem Reinigungsvorgang leidet (Loslassen von Liebgewonnenem für immer... wieder so eine Analogie), und
* dass man bei diesem Reinigungsvorgang Hilfe (aus dem Kirchenschatz - durch Gebete und andere spirituell hilfreiche Handlungen, die unter dem teils verpönten Begriff "Ablässe" bekannt sind) bekommen kann, weil wir keine Einzelchristen sind, sondern alle miteinander unterwegs zu Gott.

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taddeo
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von taddeo » Montag 7. Januar 2019, 22:56

https://books.google.de/books?id=1SItAA ... en&f=false

Man lese mal das Stichwort "Ablaß". Das erhellt vieles zu diesem Thema.

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Sascha B.
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Sascha B. » Dienstag 8. Januar 2019, 17:16

Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

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Petrus
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Petrus » Mittwoch 9. Januar 2019, 12:25

Edi hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 21:45
Die Sünden hinterlassen Deviationen in Leib und Seele, die nicht schlagartig behoben werden können.
doch, alle Sünden sind schlagartig behoben - in der Taufe.
Amor Vincit Omnia.

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Amigo
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Amigo » Mittwoch 9. Januar 2019, 12:42

Petrus hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 12:25
Edi hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 21:45
Die Sünden hinterlassen Deviationen in Leib und Seele, die nicht schlagartig behoben werden können.
doch, alle Sünden sind schlagartig behoben - in der Taufe.
In der Tat: Die Taufe reinigt vollständig von aller Schuld, inklusive sämtlicher Sündenstrafen zum Zeitpunkt der Taufe. Allerdings ist sie leider einmalig und unwiederholbar... :blinker:

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Raphael
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Raphael » Mittwoch 9. Januar 2019, 13:06

Amigo hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 12:42
Petrus hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 12:25
Edi hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 21:45
Die Sünden hinterlassen Deviationen in Leib und Seele, die nicht schlagartig behoben werden können.
doch, alle Sünden sind schlagartig behoben - in der Taufe.
In der Tat: Die Taufe reinigt vollständig von aller Schuld, inklusive sämtlicher Sündenstrafen zum Zeitpunkt der Taufe. Allerdings ist sie leider einmalig und unwiederholbar... :blinker:
Der Forant Petrus übt sich weiterhin im protestantischen Widerspruchsgeist, denn aus dem Kontext von Edi's Posting war bereits unmißverständlich erkennbar, daß nur diejenigen Sünden gemeint waren, welche von dem Gläubigen nach einer Taufe begangen werden können.
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Petrus
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Petrus » Mittwoch 9. Januar 2019, 19:24

Amigo hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 12:42
Petrus hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 12:25
Edi hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 21:45
Die Sünden hinterlassen Deviationen in Leib und Seele, die nicht schlagartig behoben werden können.
doch, alle Sünden sind schlagartig behoben - in der Taufe.
In der Tat: Die Taufe reinigt vollständig von aller Schuld, inklusive sämtlicher Sündenstrafen zum Zeitpunkt der Taufe. Allerdings ist sie leider einmalig und unwiederholbar... :blinker:
gottseidank.
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Petrus » Mittwoch 9. Januar 2019, 19:31

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 13:06
Der Forant Petrus übt sich weiterhin im protestantischen Widerspruchsgeist
ich darf kurz ergänzen:

Das Wort "Protestant" komt nicht von Widerspruch, sondern von dem Wort "protestari",
das verdolmetscht ist mit
"für etwas Zeugnis ablegen."

stets hilfreich aufklärend (nicht jeder Mensch kann alles wissen)

Petrus.
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Petrus » Mittwoch 9. Januar 2019, 19:38

Maximin hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 17:35
Wenn Jesus bereits das Opfer meiner begangenen Sünden gab, wofür habe ich im Fegefeuer abzusitzen?
unorthodoxe Antwort:

weil Du dort vielleicht interessante Leute triffst, und weil es da hoffentlich nicht so langweilig ist wie im Himmel, wo es nur Manna gibt und man den ganzen Tag, auf einer Wolke sitzend, immer nur "Halleluja" singen muß.

bittschön:
(Achtung Vorsicht: Musik).

https://www.youtube.com/watch?v=2ZRiAyPu69s
Amor Vincit Omnia.

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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Raphael » Mittwoch 9. Januar 2019, 19:46

Petrus hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 19:31
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 9. Januar 2019, 13:06
Der Forant Petrus übt sich weiterhin im protestantischen Widerspruchsgeist
ich darf kurz ergänzen:

Das Wort "Protestant" komt nicht von Widerspruch, sondern von dem Wort "protestari",
das verdolmetscht ist mit
"für etwas Zeugnis ablegen."

stets hilfreich aufklärend (nicht jeder Mensch kann alles wissen)

Petrus.
Der Verweis auf die lateinischen Wurzeln geht fehl! :daumen-runter:

Protestieren hat im Deutschen die Bedeutung von Einspruch erheben, Verwahrung einlegen, sein Mißfallen kundtun. Dies zeigt sich auch in der substantivierten Version, dem Protest!

Die Protestanten wurden (und werden nachwievor) Protestanten genannt, weil sie gegen die katholische Kirche protestierten (sic!). Sie sprachen sich öffentlich gegen die katholische Kirche aus und etablierten mit massiver Unterstützung weltlicher Mächte eine Gegenkirche bis sich die in der Gesellschaft aufgebauten sozialen Spannungen im dreißigjährigen Krieg entluden.

Es wäre nicht das erste Mal, daß der Versuch von Aufklärung ein Schuß in das eigene Knie war. :pfeif:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Petrus » Donnerstag 10. Januar 2019, 07:24

nun, ich kann auch "katholisch".

Wem das Fegefeuer nicht behagt, erwerbe sich einen (möglichst "vollkommenen") Ablaß oder er nutze das sog. "Samstagsprivileg" (1322 päpstlich anerkannt), d. h. er trage ein bestimmtes Skapulier (seit 1910 ist gemäß päpstlichem Dekret stattdessen auch das Tragen einer bestimmten Medaille erlaubt, außerdem kann seitdem der skapulierauflegende Priester entscheiden, dass anstelle der zu verrichtenden Gebete und des Fastens z. B. ein Angelus täglich reicht), verrichte Zeit seines Lebens bestimmte Gebete, und faste Mi/Fr/Sa, dann wird ihn Maria am ersten Samstag nach seinem Tod aus dem Fegefeuer holen.

Näheres z. B. hier:
http://www.magnificat-koeln.de/index.php?page=skapulier
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Peti » Donnerstag 10. Januar 2019, 08:47

Das Fegefeuer ist ein Akt der Barmherzigkeit Gottes.
Einfach hat es Papst Benedikt in
"Gott und die Welt" ausgedrückt:

"Was das Rechtwerden angeht, auf das wir trotz all unseres Versagens alle hoffen,
so spielt hier das Fegefeuer eine wichtige Rolle. Es wird wenig Menschen geben,
deren Leben rundum rein und erfüllt ist. Und es wird hoffentlich auch wenig Menschen
geben deren Leben zu einem unheilbaren, totalen Nein geworden ist.
Meistens ist irgendwo trotz vielen Versagens die Sehnsucht
nach dem Guten bestimmend geblieben. Gott kann die Scherben auffangen
und etwas daraus machen. Wir brauchen allerdings eine gewisse letzte Reinigung,
ein Fegefeuer eben, indem uns der Anblick Christi sozusagen noch mal richtig freibrennt,
und erst in diesem reinigenden Blick sind wir quasi gottfähig
und können dann zu Hause sein bei ihm."
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Petrus
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Petrus » Donnerstag 10. Januar 2019, 09:14

Peti hat geschrieben:
Donnerstag 10. Januar 2019, 08:47
Das Fegefeuer ist ein Akt der Barmherzigkeit Gottes.
Einfach hat es Papst Benedikt in
"Gott und die Welt" ausgedrückt:

"Was das Rechtwerden angeht, auf das wir trotz all unseres Versagens alle hoffen,
so spielt hier das Fegefeuer eine wichtige Rolle. Es wird wenig Menschen geben,
deren Leben rundum rein und erfüllt ist. Und es wird hoffentlich auch wenig Menschen
geben deren Leben zu einem unheilbaren, totalen Nein geworden ist.
Meistens ist irgendwo trotz vielen Versagens die Sehnsucht
nach dem Guten bestimmend geblieben. Gott kann die Scherben auffangen
und etwas daraus machen. Wir brauchen allerdings eine gewisse letzte Reinigung,
ein Fegefeuer eben, indem uns der Anblick Christi sozusagen noch mal richtig freibrennt,
und erst in diesem reinigenden Blick sind wir quasi gottfähig
und können dann zu Hause sein bei ihm."
also, Peti,

ich teile Dir (nur vorsichtshalber, man weiß ja nie) mit, das Du mit Deinem Beitrag gegen die Zitationsregeln dieses Forums verstoßen hast.

Total korrekt wäre das so:
Joseph Ratzinger hat geschrieben: Was das Rechtwerden angeht, auf das wir trotz all unseres Versagens alle hoffen,
so spielt hier das Fegefeuer eine wichtige Rolle. Es wird wenig Menschen geben,
deren Leben rundum rein und erfüllt ist. Und es wird hoffentlich auch wenig Menschen
geben deren Leben zu einem unheilbaren, totalen Nein geworden ist.
Meistens ist irgendwo trotz vielen Versagens die Sehnsucht
nach dem Guten bestimmend geblieben. Gott kann die Scherben auffangen
und etwas daraus machen. Wir brauchen allerdings eine gewisse letzte Reinigung,
ein Fegefeuer eben, indem uns der Anblick Christi sozusagen noch mal richtig freibrennt,
und erst in diesem reinigenden Blick sind wir quasi gottfähig
und können dann zu Hause sein bei ihm.
Amor Vincit Omnia.

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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Petrus » Donnerstag 10. Januar 2019, 10:10

Edi hat geschrieben:
Montag 7. Januar 2019, 21:45
Die Sünden hinterlassen Deviationen in Leib und Seele, die nicht schlagartig behoben werden können. .
doch. geht. schlagartig. Beichte, Gebet nach Meinung des Hl. Vaters, vollkommenen Ablass erwerben.

das ist die Lehre der Kirche.
Amor Vincit Omnia.

Juergen
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Juergen » Donnerstag 10. Januar 2019, 11:25

Die lange Ablass-Diskussion findet man dort: viewtopic.php?f=4&t=4044

Hier im Strang wurden verschiedene in der Kirchengeschichte gewährte Ablassformen etc. erwähnt. Dabei muß man vorsichtig sein, ob die noch gültig sind.
In der Apostolischen Konstitution über die Neuordnung des Ablaßwesens (1967) heißt es nämlich:
Die Überprüfungen gemäß den Normen 14 und 15 müssen innerhalb eines Jahres der Heiligen Apostolischen Pönitentiarie vorgelegt werden. Nach Ablauf von zwei Jahren nach dem Datum dieser Konstitution verlieren alle Ablässe, die bis dahin nicht bestätigt werden, ihre Gültigkeit.


Wie man Ablässe erwirken kann, findet man zusammengefasst dort: https://www.ulrichrhode.de/sakr/ablaesse.pdf

Wichtig ist auch das, was ganz am Anfang steht:
Der Erwerb eines vollkommenen Ablasses setzt voraus:
• den Empfang des Bußsakraments,
• den Empfang der Kommunion,
• ein Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters
• und das Freisein von der Neigung zu irgendeiner (und sei es auch nur einer läßlichen) Sünde.

Gerade der letzte Punkt ist heikel, so daß man nie sicher sein kann, ob man tatsächlich einen vollkommenen Ablass erwirkt hat.
Gruß
Jürgen
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Petrus » Donnerstag 10. Januar 2019, 11:48

danke, Jürgen.

Achtung: zu Ziffer 4 möchte ich noch anmerken, dass urbi und orbi live (keine Ahnung, wie das auf deutsch heißt) angehört werden muß (irgendeine vatikanische Verlautbarung hat mal gesagt, das Du in der Wiederholung im Fernseh keinen vollkommenen Ablass erwerben kannst).

und - last, but not least:

Ziffer 12, § 2, tröstet mich - irgendwie.
Amor Vincit Omnia.

Juergen
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Re: Purgatorium in Hinblick auf Christi Sühnopfer

Beitrag von Juergen » Donnerstag 10. Januar 2019, 11:59

Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 10. Januar 2019, 11:48
Ziffer 12, § 2, tröstet mich - irgendwie.
Obacht!
Die Kirche ersetzt dabei die sonst für einen solchen Ablaß erforderlichen drei Bedingungen.
Das heißt, daß nicht alle 4 Bedingungen durch die Kirche ersetzt werden!
das Freisein von der Neigung zu irgendeiner (und sei es auch nur einer läßlichen) Sünde.
wird nicht ersetzt. Dafür mußt Du schon selbst sorgen.
Gruß
Jürgen
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