Kirchenaustritt - eine Option?

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.

Moderator: asderrix

Kirchenaustritt - eine Option?

Niemals!
32
52%
Unter gewissen Umständen...
10
16%
...kann ich mir schon vorstellen!
6
10%
Bin kurz davor!
5
8%
Bin schon weg...
8
13%
 
Abstimmungen insgesamt: 61

CIC_Fan
Beiträge: 7332
Registriert: Donnerstag 24. April 2014, 14:08

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von CIC_Fan » Dienstag 1. August 2017, 07:40

Fragesteller hat geschrieben:
Montag 31. Juli 2017, 11:40
Diesen "Kirchenbeitrag" ziehen die Kirchen in Österreich aber selber ein? Mit der staatlich eingezogenen Kirchensteuer in Deutschland ist es eher nicht möglich, dank bischöflichem Entgegenkommen den Einzelfall in dieser Weise zu berücksichtigen.
ja natürlich die Justiz wird nur bemüht wenn jemand nicht zahlt

Benutzeravatar
Harlekin
Beiträge: 3
Registriert: Mittwoch 13. Dezember 2017, 13:42

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Harlekin » Sonntag 17. Dezember 2017, 23:28

Für alle hier, die überlegen aus der Kirche (welche Konfession nun auch immer) auszutreten, hier einige Überlegungen von meiner Seite, jemand der bereits aus der Römisch-Katholischen Kirche ausgetreten ist, und der im Januar 2018, sofern zeitlich alles klappt und der Bischof meines Bistums nicht unerwarteterweise NÖ sagt, wieder in die Römisch-Katholische Kirche eintreten wird.

Kirchenaustritt bringt nichts und ändert nichts. Ob du nun ein Mitglied der Körperschaft 'Kirche' bist oder nicht, dadurch ändern sich die Zustände innerhalb deiner Glaubensgemeinschaft weder zum Positiven noch zum Negativen. Es ist auch kein Zeichen eines besonders hohen Intellekts, wenn man aus Protest (gegen wenn oder was auch immer in der Kirche), aus der Kirche austritt. Es ist höchstens ein Zeichen dafür, dass man sich nie mit dem Kern und und den vielfältigen Formen seines Glaubens auseinandergesetzt hat bzw. diesen Glauben niemals richtig vermittelt bekommen hat.

Zum Glauben gehört mehr dazu, als nur Sonntags brav in den Gottesdienst zu gehen, bei anschließendem Kaffee und Kuchen möglichst viele Zucker- und Kalorienbomben in sich reinzustopfen, oder brav seine Kirchensteuer zu zahlen. Die meisten "Taufschein-Christen" in Deutschland haben nicht mal den Hauch einer Ahnung, in wessen Fussstapfen sie da treten und welche spirituellen und mystischen Schätze der Katholizismus und die Orthodoxie der Ost-Kirchen zu bieten haben (über die evangelischen/lutherischen Kirche schreibe ich bewusst nichts, weil ich mich auf dem Gebiet nicht auskenne).

Die wahre Sünde unserer Zeit ist, dass die meisten Christen in Deutschland (trotz Zugang zu Büchern, Internet etc.) keinen Zugang zu diesen Schriften bekommen. Der Katholizismus (um jetzt bei dem zu bleiben, was ich noch am besten kenne) ist kein einheitlicher Massenbrei. Die katholische Tradition bietet so viele verschiede Formen und Wege des gelebten Glaubens und Spiritualität an, dass wirklich jeder dort was für sich finden kann, um seinen Glauben im Leben Ausdruck verleihen zu können.

Und noch ein Wort zum Abschluß, sollte man sich vorher im Klaren sein, warum man austreten will. Tritt man aus, weil man mit dem christlichen Glauben (in der Form wie man ihn kennt) nichts mehr anfangen kann, dann ist der Kirchenaustritt nur der logische letzte Schritt, nachdem man ohnehin schon vom Glauben abgefallen ist. Tritt man aber aus der Kirche aus, weil Menschen, die für die Institution Kirche arbeiten, schwere Fehler und moralische Verfehlungen begangen haben, dann ist das einfach nur dämmlich. Denn dann hat man einen wirklich schwachen Glauben gehabt, wenn man es zulässt durch die Taten anderer so stark in seinem Glaubens- und Seelenleben verletzt zu werden.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 22595
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Niels » Montag 18. Dezember 2017, 00:35

Sehr erfreulich, dass Du der Kirche treu bleibst - und willkommen im Forum! :)

Aber: Hat unser Herr und Heiland seine Jüngerschaft an die (Zwangs-)Inkorporation in eine "Körperschaft öffentlichen Rechts" - so eine Art "Kirchen-GEZ" - gebunden? Mit Sicherheit nicht. Das ist eine Fehlentwicklung, die korrigiert werden sollte - Stichwort: "Entweltlichung".
Resurrexit, sicut dixit, alleluia

Benutzeravatar
Petrus
Beiträge: 1758
Registriert: Sonntag 5. Oktober 2003, 20:58
Wohnort: Süßholz (my sweet home)

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Petrus » Dienstag 19. Dezember 2017, 13:21

Harlekin hat geschrieben:
Sonntag 17. Dezember 2017, 23:28
Kirchenaustritt bringt nichts und ändert nichts.
hallo Harlekin,

ich widerspreche Dir audrücklich. Ich spreche für mich persönlich. Mein Kirchenaustritt hat mir viel gebracht, für mich viel geändert, und mir sehr geholfen. Und war für mich - rückblickend - gut, und für mich notwendig.

also. ich versuche, mich einigermaßen kurz zu fassen. Was mir schwer fällt. (Zitat meiner Frau, die viele Sachen oft auf den Punkt bringt: "Peter, Du bist damals dann doch kein Priester geworden, aber predigen tust Du immer noch gern"). :)

ich war sehr, sehr, sehr eingebunden in kirchliche Strukturen. Dann habe ich gemerkt: Ich brauche Abstand, von diesem Milieu. Ich habe dann sieben Jahre (ist kein Schaiss) darüber "gehirnt" (ich bin ursprünglich lutherisch sozialisiert, typisch lutherisch, diese Frage): Wird Gott mich verstoßen, wenn ich aus der Kirche austrete?

An Allerheiligen 1989, das war ein Sonntag, wußte ich: Gott wird mich nicht verstoßen, wenn ich aus der Kirche austrete.

Gesagt, getan. Am Montag morgen habe ich dann gleich in der Firma angerufen, dass ich ein bißchen später komme heute, weil ich noch etwas Wichtiges zu erledigen habe, und habe dann meinen Kirchenaustritt auf dem Standesamt erklärt.

Diese "Auszeit" hat mir sehr gut getan.

Teil 2: Ich war dann elf Jahre lang aus der Kirche ausgetreten. Dann durfte ich Exerzitien machen in Gries. Für den Franz war ein großes Thema: Versöhne Dich. (Erst viel später habe ich gemerkt, dass das ein großes Thema auch für ihn in seinem Leben war). Nun, dann habe ich gemerkt: Jetzt wird es Zeit, mich wieder zu versöhnen mit der Kirche. Gesagt, getan. Am Samstag, den 01.06.2002, um 16:00 Uhr, habe ich mich mit der Kirche wieder versöhnt (dieses Datum weiß ich, weil nicht nur Sterbebildchen, sondern auch der Kirchenzettel dieser Woche in meinem Gotteslob liegt.)

Peter.
non moriar sed vivam et narrabo opera Domini

Benutzeravatar
Harlekin
Beiträge: 3
Registriert: Mittwoch 13. Dezember 2017, 13:42

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Harlekin » Freitag 22. Dezember 2017, 18:32

Niels hat geschrieben:
Montag 18. Dezember 2017, 00:35
Sehr erfreulich, dass Du der Kirche treu bleibst - und willkommen im Forum! :)

Aber: Hat unser Herr und Heiland seine Jüngerschaft an die (Zwangs-)Inkorporation in eine "Körperschaft öffentlichen Rechts" - so eine Art "Kirchen-GEZ" - gebunden? Mit Sicherheit nicht. Das ist eine Fehlentwicklung, die korrigiert werden sollte - Stichwort: "Entweltlichung".
@ Niels

Was die Kirchensteuer angeht, da stimme ich dir voll und ganz zu: die Jüngerschaft Jesu ist sicherlich nicht an die Mitgliedschaft in einer deutschen "Körperschaft des öffentlichen Rechts" gebunden. Ich vollziehe diesen Schritt zurück in diese Körperschaft, als sichtbares Zeichen für meine Rückkehr zum Glauben, aber sicherlich nicht, weil ich diese "Körperschaft des öffentlichen Rechts" als Willen Gottes betrachte. Ob diese Fehlentwicklung, die es auch in meinen Augen ist, jemals korrigiert wird - im reformmüden Deutschland - wage ich zu bzweifeln. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 22595
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Niels » Sonnabend 23. Dezember 2017, 09:21

:daumen-rauf:
Resurrexit, sicut dixit, alleluia

Benutzeravatar
Harlekin
Beiträge: 3
Registriert: Mittwoch 13. Dezember 2017, 13:42

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Harlekin » Sonntag 24. Dezember 2017, 11:20

@ Peter/Petrus

Deiner Ansicht will ich nicht widersprechen. Ähnlich war es ja auch bei mir. Mein Kirchenaustritt hat auch mich erst wirklich dazu gebracht mich mit meiner Religion und generell mit Religion zu beschäftigen. Und genau wie bei dir, hat mich das wieder zurück in die Kirche gebracht. Dabei stimme ich sicher nicht allen Lehren der Kirche zu, die heute so "gängige Praxis" sind, aber dass spielt für meinen Glauben keine gewichtige Rolle. Aber so einen "Weg", der erstmal raus und dann später wieder rein in die Kirche führt, gehen nur sehr wenige Menschen. Die meisten Menschen, die aus der Kirche austreten, haben sich bis zum offiziellen Kirchenaustritt soweit schon von der Kirche und dem christlichen Glauben entfernt, dass eine Rückkehr wohl ausgeschlossen sein wird.

Junias
Beiträge: 59
Registriert: Donnerstag 31. August 2017, 20:58

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Junias » Sonntag 24. Dezember 2017, 12:12

Harlekin hat geschrieben:
Sonntag 24. Dezember 2017, 11:20
@ Peter/Petrus

Deiner Ansicht will ich nicht widersprechen. Ähnlich war es ja auch bei mir. Mein Kirchenaustritt hat auch mich erst wirklich dazu gebracht mich mit meiner Religion und generell mit Religion zu beschäftigen. Und genau wie bei dir, hat mich das wieder zurück in die Kirche gebracht. Dabei stimme ich sicher nicht allen Lehren der Kirche zu, die heute so "gängige Praxis" sind, aber dass spielt für meinen Glauben keine gewichtige Rolle. Aber so einen "Weg", der erstmal raus und dann später wieder rein in die Kirche führt, gehen nur sehr wenige Menschen. Die meisten Menschen, die aus der Kirche austreten, haben sich bis zum offiziellen Kirchenaustritt soweit schon von der Kirche und dem christlichen Glauben entfernt, dass eine Rückkehr wohl ausgeschlossen sein wird.
Welche Lehren sind denn „gängige Praxis“, die keine große Rolle für dich spielen? Es ist irgendwie anmaßend, wenn man zu wissen glaubt, was in anderen auf ihrem „Weg“ vorgeht.

Raphaela
Beiträge: 5088
Registriert: Dienstag 11. September 2007, 17:53
Wohnort: Erzbistum Freiburg;südlichster Südschwarzwald "Dreiland": CH-D-F
Kontaktdaten:

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Raphaela » Freitag 29. Dezember 2017, 18:05

Harlekin hat geschrieben:
Sonntag 24. Dezember 2017, 11:20
@ Peter/Petrus

Deiner Ansicht will ich nicht widersprechen. Ähnlich war es ja auch bei mir. Mein Kirchenaustritt hat auch mich erst wirklich dazu gebracht mich mit meiner Religion und generell mit Religion zu beschäftigen. Und genau wie bei dir, hat mich das wieder zurück in die Kirche gebracht. Dabei stimme ich sicher nicht allen Lehren der Kirche zu, die heute so "gängige Praxis" sind, aber dass spielt für meinen Glauben keine gewichtige Rolle. Aber so einen "Weg", der erstmal raus und dann später wieder rein in die Kirche führt, gehen nur sehr wenige Menschen. Die meisten Menschen, die aus der Kirche austreten, haben sich bis zum offiziellen Kirchenaustritt soweit schon von der Kirche und dem christlichen Glauben entfernt, dass eine Rückkehr wohl ausgeschlossen sein wird.
Interessant, der Lehre der Kirche wird nicht ganz zugestimmt? :hmm:
Ich freue mich darüber, wenn die Lehre der Kirche wirklich gängige Praxis ist.
Schade dass diese Lehre für deinen Gauben keine gewichtige Rolle spielt!
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

Raphaela
Beiträge: 5088
Registriert: Dienstag 11. September 2007, 17:53
Wohnort: Erzbistum Freiburg;südlichster Südschwarzwald "Dreiland": CH-D-F
Kontaktdaten:

Re: Kirchenaustritt - eine Option?

Beitrag von Raphaela » Freitag 29. Dezember 2017, 18:08

Junias hat geschrieben:
Sonntag 24. Dezember 2017, 12:12
Harlekin hat geschrieben:
Sonntag 24. Dezember 2017, 11:20
@ Peter/Petrus....
Es ist irgendwie anmaßend, wenn man zu wissen glaubt, was in anderen auf ihrem „Weg“ vorgeht.
Weißt du, wie gut, oder ob sich Peter/Petrus und Harlekin kennen bzw. ob sie sich nicht kennen? Ob sie sich vielleicht irgendwie ausgetauscht haben? Daher kannst du auch nicht wissen, ob der Post anmaßend war.
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema