Zukunft von Währungsunion und Euro

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Caviteño
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 7. Dezember 2017, 09:35

Die Situation in IT ist besorgniserregend. Die EU verzichtet aber auf die Einleitung eines Verfahrens - aus wahltaktischen Gründen:
Rom verstosse gegen die EU-Regeln, wenn das strukturelle Defizit nicht stärker reduziert werde, sagt die Kommission. Aus Rücksicht auf die Wahlen hat sie den Entscheid über die Einleitung eines Defizitverfahrens aber auf das Frühjahr verschoben. Sie will den europaskeptischen Populisten offensichtlich nicht in die Hände spielen.
(...)
Die EU hatte den Regierungen in Rom in den letzten Jahren immer wieder «Flexibilität» zugestanden, um deren Reformpolitik nicht zu torpedieren. Doch nun wird immer offener Kritik geübt.
(...)
In Brüssel ist man überzeugt, dass Italien die Zahlen auch diesmal «frisiert» hat. Für noch grösseres Bauchweh sorgt jedoch die politische Unsicherheit. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass es nach den Wahlen keine klare Mehrheit im Parlament geben wird. Das bedeutet, dass die nächste Regierung noch stärker von Partikularinteressen abhängig sein wird. Oder es könnten gar die populistischen Fünf Sterne an die Macht kommen, die den Stabilitätspakt grundsätzlich infrage stellen.
Italien: Der uneinsichtige Sünder der Euro-Zone

Die Folgen dürfen dann die Nordstaaten tragen. Droht Grillo nach gewonnen Wahlen damit, aus dem Euro auszutreten oder die Schulden zu "vergemeinschaften", kann man sich die Antwort einer GroKo mit Merkel und Schulz an der Spitze vorstellen...
Aber vielleicht wäre das auch eine Möglichkeit, daß der Euro endlich auseinanderfliegt. Im Gegensatz zur letzten Legislaturperiode sitzen diesmal zwei Parteien im Parlament, die gegen die dauernde "Rettung" stimmen werden. Auch die CSU dürfte sich ein anderes Thema kurz vor der Landtagswahl wünschen... :breitgrins:

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 27. Dezember 2017, 07:47

Die wahrscheinlichen Auswirkungen einer "vergemeinschafteten" europ. Einlagensicherung (EDIS) werden hier gut erklärt:

Anstiftung zur großen Bankenkrise

Man sollte immer im Hinterkopf haben, daß in der EU Vereinbarungen und Verträge nachweislich das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben wurden. So sind auch die "Beruhigungspillen", die verabreicht werden, allenfalls ein Placebo. In dem Artikel wird auf die Sparkassenkrise der USA in den 80'iger Jahren verwiesen:
Ein abschreckendes Beispiel ist die amerikanische Sparkassenkrise der achtziger Jahre. Zu ihr kam es, nachdem die Sparkassen mit Hilfe eines gemeinsamen Einlagensicherungsfonds sehr viele Spargelder anlockten und mit diesen hemmungslos zockten. In der Folge gingen zunächst die schwachen Banken und Sparkassen bankrott. Die Einlagensicherung zahlte, bis ihr das Geld ausging.
Letztlich sind die Sparer der schwachen Institute mit den Geldern der starken Sparkassen gerettet worden. Aber als am Ende auch den stärkeren Instituten das Geld ausging, sprang der Steuerzahler ein. Und obwohl der Staat zweimal noch Milliarden aus Steuermitteln hinzugab, war die Einlagensicherung am Ende selber pleite – ein Misserfolg nach dem anderen.
Ähnlich wird es dann im Euroraum sein. Insbesondere die Banken im Süden sind mit notleidenden Krediten und Staatspapieren "gut ausgestattet". Durch EDIS werden die Risiken einzelner Institute/Länder dann auf alle Mitgliedsländer des Euro-Raums verteilt.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 10. Januar 2018, 02:59

Die italienische Bankenkrise bestätigt die Kritiker

Seit der Euroeinführung ist die ital. Wirtschaft nicht gewachsen - mit entsprechenden Folgen für das dortige Finanzwesen:
15,3% der Kredite in den Bankbilanzen sind notleidend, die Summe beläuft sich auf sagenhafte 330 Mrden € und ist somt ein Drittel aller notleidenden Kredite in der EU. Erschwerend kommt hinzu, daß die sog. Kernkapitalquote der Banken in IT unter dem EU-Durchschnitt liegt.
Bezogen auf eine gemeinsame europ. Einlagensicherung bedeutet das wie der oa Artikel ausführt:
1. Die europäischen Bankensysteme sind zu instabil und haben ihre Altlasten längst nicht beseitigt.(...)
2. Die Sicherung der Einlagen durch andere Staaten nimmt den Anreiz, eine eigene stabile Einlagensicherung aufzubauen: Wenn die Einlagen durch ein eurozonenweites Sicherheitsnetz garantiert werden, in dem stabile Staaten und Bankensysteme wesentlich zu dessen Sicherheit beitragen, mindert dies die Anreize für Mitgliedsländer selber eine stabile Einlagensicherung aufzubauen.(...)
3. Erst muss sich zeigen, ob sich die erste und zweite Säule der Bankenunion in der Praxis bewähren:(...) Italien will derzeit sowohl die Regeln des Fiskalpaktes als auch der Bankenunion, vor allem die vorgeschriebene Eigentümer- und Gläubigerbeteiligung, nicht beachten.
Berlusconi scheint erkannt zu haben, daß die Banken schwach sind und man die Euromitglieder (sprich D.) dazu zwingen kann, die Lasten zu schultern. In IT ist jedenfalls kurz vor der Wahl ein Kampf um die Mitgliedschaft im Euro ausgebrochen:

Berlusconi streitet mit Bündnispartner über Euro-Abkehr

Allerdings sind die Positionen der möglichen Bündnispartner bzgl. Euro auch nicht gut für D.:
Stärkste Einzelpartei ist demnach aktuell die europaskeptische Fünf-Sterne-Bewegung, die in der Wählergunst sogar die Demokratische Partei (PD) von Ministerpräsident Paolo Gentiloni überrundete. Allerdings hat die Fünf-Sterne-Bewegung ihre frühere Ankündigung eines Referendums über den Euro relativiert. Demzufolge betrachtet Parteichef Luigi Di Maio diesen Schritt nun nur noch als "letztes Mittel", falls Italien keine Änderungen an den EU-Haushaltsregeln durchsetzen kann.
Wirtschaftsthemen stehen im Wahlkampf ganz oben. Alle Parteien versprechen eine Änderung oder Abschaffung der EU-Haushaltsregeln, Steuersenkungen und mehr Wirtschaftsförderung.
Was dabei herauskommt, wenn Merkel als Regierungschefin und Schulz als Finanzminister in die Verhandlungen mit Südländern, insbesondere IT und F, gehen und die Zukunft des Euros auf dem Spiel steht, kann man sich vorstellen.....
Aber kein Problem: Dann weiß man auch, wofür die Haushaltsüberschüsse (falls die reichen sollten) verwendet werden. Es geht ja schließlich auch nicht, daß ein Land Überschüsse hat und ein anderes noch Schulden macht. :D

Ein Trost bleibt aber: Weil AfD und FDP im Parlament sitzen, gehören die Zeiten der Abnickorgien bei diesem Thema der Vergangenheit an. :daumen-rauf:

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Mittwoch 10. Januar 2018, 07:20

:auweia:

Forderungen der Bundesbank aus TARGET2:
Betrag: 906.941.417.444,22 Euro
(Stand: 31. Dezember 2017)

(Quelle)

Das ist ca. das dreifache Haushaltsvolumen des Bundes! :hmm:
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 10. Januar 2018, 08:52

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 10. Januar 2018, 07:20
:auweia:

Forderungen der Bundesbank aus TARGET2:
Betrag: 906.941.417.444,22 Euro
(Stand: 31. Dezember 2017)

(Quelle)

Das ist ca. das dreifache Haushaltsvolumen des Bundes! :hmm:
oder fast ein Drittel des deutschen Bruttoinlandprodukts iHv 3,4 Billionen €

Bemerkenswert ist, daß die hohen Target-"Forderungen" kaum auf dem Warenhandel beruhen. Der Überschuß mit IT - als einem der größten Target-Schuldner - betrug "nur" knappe 10 Mrden €, die Griechen waren mit 3 Mrden und die Spanier mit 12 Mrden dabei (alle Zahlen 2016, Quelle: hier - Tabelle S. 45.)

Es ist also nicht nur so, daß D. im Grunde die Exporte hätte verschenken können - auch die Gelder aus den Fluchtbewegungen muß es bezahlen, wenn der Euro implodieren sollte.
Man stelle sich nur das Erpressungspotential unserer "Partner" vor, wenn es um den Erhalt der Eurozone geht.... Der Fehler wurde von Frau Merkel im Frühjahr 2010 gemacht, als sie GR um jeden Preis in der Eurozone halten wollte und den Maastricht-Vertrag aufgab. Die Rechnung zahlen die folgenden Generationen.

Eine andere interessante Statistik der Bundesbank zeigt, daß der Euro für die deutsche Wirtschaft immer mehr an Bedeutung verliert. So sind ist der Anteil der in Euro fakturierten Exporte in Drittländer von 2012 bis 2016 von 64,6% auf 59,4% gesunken. Bei den Importen war der Rückgang nicht so dramatisch (von 50,9% auf 49,4%).

https://www.destatis.de/DE/PresseServic ... ernetLive2

Zusammen mit der Verschiebung bei den Exporten - von den fünf wichtigsten Exportnationen gehören drei nicht zum Euroverbund - sollte man die immer wieder zu hörende Beteuerung, wie wichtig der Euro für "uns" sei, mit gehöriger Skepsis aufnehmen.

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Raphael
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Donnerstag 11. Januar 2018, 07:35

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 10. Januar 2018, 08:52
Man stelle sich nur das Erpressungspotential unserer "Partner" vor, wenn es um den Erhalt der Eurozone geht.... Der Fehler wurde von Frau Merkel im Frühjahr 2010 gemacht, als sie GR um jeden Preis in der Eurozone halten wollte und den Maastricht-Vertrag aufgab. Die Rechnung zahlen die folgenden Generationen.
Damit wird exakt das thematisiert, was eine gute Wirtschaftspresse hätte schon längst thematisieren müssen. :daumen-rauf:

Jedem Ökonomen ist völlig klar, daß die Höhe einer finanziellen Forderung den Gläubiger ([Punkt]) in "ungewollte" Abhängigkeiten bringt. Der Schuldner kann sich sehr schnell auf die Position "Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen!" zurückziehen.
Und mir ist es schleierhaft, daß eine Bundesbank so einfach und offenbar gesetzeskonform derart exorbitante Risiken eingehen kann/darf. Unabhängigkeit hin oder her! :regel:
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 11. Januar 2018, 09:34

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 07:35
Damit wird exakt das thematisiert, was eine gute Wirtschaftspresse hätte schon längst thematisieren müssen. :daumen-rauf:

Jedem Ökonomen ist völlig klar, daß die Höhe einer finanziellen Forderung den Gläubiger ([Punkt]) in "ungewollte" Abhängigkeiten bringt. Der Schuldner kann sich sehr schnell auf die Position "Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen!" zurückziehen.
Und mir ist es schleierhaft, daß eine Bundesbank so einfach und offenbar gesetzeskonform derart exorbitante Risiken eingehen kann/darf. Unabhängigkeit hin oder her! :regel:
Ich darf in diesem Zusammenhang noch einmal auf die "Entdeckung" der TARGET-Salden durch Prof. Sinn hinweisen.

Er hat einmal geschrieben, daß er von dem früheren Bundesbank-Präsidenten Schlesinger auf eine "merkwürdige" Position in der Bilanz der Bundesbank hingewiesen wurde, die auffällig gestiegen war und für die Prof. Schlesinger keine Erklärung hatte. Schlesinger war in seiner aktiven Zeit auch für die Bilanzaufstellung verantwortlich.
Prof. Sinn schrieb daraufhin Volkswirtschaftsprofessoren in D. an, erhielt aber auch keine zufriedenstellende Antwort - das Problem war nicht bekannt. Er wandte sich an Bundesbank und Bundesregierung und konnte mühsam ermitteln, um was es sich handelte. Die Bundesregierung wiegelte ab und bezeichnete es als "bloße Verrechnungsposten" - eine rechtliche Einstufung, die Prof. Sinn später immer wieder zu der Aussage führte, daß die Beträge dann erst recht nicht einklagbar wären.....

Ohne Prof. Sinn (von Schäuble als "Prof. Unsinn" verunglimpft) wäre die TARGET-Saldenproblematik heute noch niemanden bekannt. Sie ist den Abgeordneten, die den Euro-Vertrag durchwinkten (weil man eine Volksabstimmung angesichts der "Komplexität" nicht durchführen wollte) überhaupt nicht bekannt gewesen. Sie haben dieses Problem - obwohl sie sich nach eigenem Bekunden "intensiv" mit dem Vertrag beschäftigt haben - überhaupt nicht erkannt. Selbst bei der Stimmgewichtung im EZB-Rat hat sich das Parlament über den Tisch ziehen lassen und haben D. das gleiche Stimmgewicht wie Malta zugestanden, auf das es jetzt auch noch turnusmäßig verzichten muß... :vogel:
Es ist daher angebracht, das solche wichtigen Entscheidungen dem Parlament entzogen und dem Volk vorgelegt werden - denn das muß schließlich auch für die Fehler, die im politischen Raum gemacht wurden, haften. Es sind ja nicht die "klugen" Abgeordneten, die die Folgen ihrer falschen Entscheidungen mit ihrem Privatvermögen zu tragen haben...

Ach so: Für die TARGET-"Forderungen" hätte D. -rein betragsmäßig- das wertvollste Unternehmen der Welt (Apple) kaufen können. Das hätte man zwar auch zuviel bezahlt, aber man bekäme bei einer Veräußerung immer noch mehr als man bei einem Zusammenbruch des Euros erhalten würde. Und die hohen "Rettungskredite" sind dabei noch nicht einmal eingerechnet...... Demnächst wird es noch mehr, wenn die französischen Pläne von Macron verwirklicht werden sollten.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Donnerstag 11. Januar 2018, 13:04

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 09:34
Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 07:35
Damit wird exakt das thematisiert, was eine gute Wirtschaftspresse hätte schon längst thematisieren müssen. :daumen-rauf:

Jedem Ökonomen ist völlig klar, daß die Höhe einer finanziellen Forderung den Gläubiger ([Punkt]) in "ungewollte" Abhängigkeiten bringt. Der Schuldner kann sich sehr schnell auf die Position "Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen!" zurückziehen.
Und mir ist es schleierhaft, daß eine Bundesbank so einfach und offenbar gesetzeskonform derart exorbitante Risiken eingehen kann/darf. Unabhängigkeit hin oder her! :regel:
Ich darf in diesem Zusammenhang noch einmal auf die "Entdeckung" der TARGET-Salden durch Prof. Sinn hinweisen.

Er hat einmal geschrieben, daß er von dem früheren Bundesbank-Präsidenten Schlesinger auf eine "merkwürdige" Position in der Bilanz der Bundesbank hingewiesen wurde, die auffällig gestiegen war und für die Prof. Schlesinger keine Erklärung hatte. Schlesinger war in seiner aktiven Zeit auch für die Bilanzaufstellung verantwortlich.
Prof. Sinn schrieb daraufhin Volkswirtschaftsprofessoren in D. an, erhielt aber auch keine zufriedenstellende Antwort - das Problem war nicht bekannt. Er wandte sich an Bundesbank und Bundesregierung und konnte mühsam ermitteln, um was es sich handelte. Die Bundesregierung wiegelte ab und bezeichnete es als "bloße Verrechnungsposten" - eine rechtliche Einstufung, die Prof. Sinn später immer wieder zu der Aussage führte, daß die Beträge dann erst recht nicht einklagbar wären.....

Ohne Prof. Sinn (von Schäuble als "Prof. Unsinn" verunglimpft) wäre die TARGET-Saldenproblematik heute noch niemanden bekannt. Sie ist den Abgeordneten, die den Euro-Vertrag durchwinkten (weil man eine Volksabstimmung angesichts der "Komplexität" nicht durchführen wollte) überhaupt nicht bekannt gewesen. Sie haben dieses Problem - obwohl sie sich nach eigenem Bekunden "intensiv" mit dem Vertrag beschäftigt haben - überhaupt nicht erkannt. Selbst bei der Stimmgewichtung im EZB-Rat hat sich das Parlament über den Tisch ziehen lassen und haben D. das gleiche Stimmgewicht wie Malta zugestanden, auf das es jetzt auch noch turnusmäßig verzichten muß... :vogel:
Es ist daher angebracht, das solche wichtigen Entscheidungen dem Parlament entzogen und dem Volk vorgelegt werden - denn das muß schließlich auch für die Fehler, die im politischen Raum gemacht wurden, haften. Es sind ja nicht die "klugen" Abgeordneten, die die Folgen ihrer falschen Entscheidungen mit ihrem Privatvermögen zu tragen haben...

Ach so: Für die TARGET-"Forderungen" hätte D. -rein betragsmäßig- das wertvollste Unternehmen der Welt (Apple) kaufen können. Das hätte man zwar auch zuviel bezahlt, aber man bekäme bei einer Veräußerung immer noch mehr als man bei einem Zusammenbruch des Euros erhalten würde. Und die hohen "Rettungskredite" sind dabei noch nicht einmal eingerechnet...... Demnächst wird es noch mehr, wenn die französischen Pläne von Macron verwirklicht werden sollten.
Die Geschichte war mir bekannt und sie ist mir Beweis dafür, daß die Herren genau wissen, was sie da tun. :hmm:

Das Ungleichgewicht bei den Targetsalden hat mehrere Gründe:
- Folge der Staatsschuldenkrise, da die Aufkäufe des OMT-Programms der EZB dort ihren buchhalterischen Abdruck hinterlassen
- Kapitalflucht aus den Ländern, die Target2-Schuldner sind
- Exportstärke der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren

Man stelle sich nur 'mal als Gedankenspiel vor, daß die Target2-Forderungen der Bundesbank notleidend würden; Möglichkeiten sind da viele denkbar. Selbst eine sofortige Sonder-Garantie des Bundes würde die Bundesbank nicht vor der Insolvenz schützen können, weil der Garantiegeber selber insolvent würde.

Eine katastropahle Kettenraktion an den Finanzmärkten wäre nicht aufzuhalten ................


Disclaimer: Ich glaube nicht, daß dieser Fall eintritt und möchte hier nicht die Kassandra herauskehren. Aber genau so ist die Finanzkrise 2007/2008 verursacht worden, nur ein einem kleineren Maßstab. Erst wurden die Hypothekenkredite in den USA notleidend und haben dann über den Transmissionsriemen Asset Backed Securities die weltweite Krise ausgelöst ...........
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

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Petrus
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Petrus » Donnerstag 11. Januar 2018, 13:49

was mich tröstet:

mein letztes Hemd hat keine Taschen.

(und, btw: mein letzter Wagen wird ein Kombi sein).

in der sicheren und gewissen Hoffnung
auf eine fröhliche Auferstehung.
non moriar sed vivam et narrabo opera Domini

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 11. Januar 2018, 14:34

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 13:04
Man stelle sich nur 'mal als Gedankenspiel vor, daß die Target2-Forderungen der Bundesbank notleidend würden; Möglichkeiten sind da viele denkbar. Selbst eine sofortige Sonder-Garantie des Bundes würde die Bundesbank nicht vor der Insolvenz schützen können, weil der Garantiegeber selber insolvent würde.

Eine katastropahle Kettenraktion an den Finanzmärkten wäre nicht aufzuhalten ................


Disclaimer: Ich glaube nicht, daß dieser Fall eintritt und möchte hier nicht die Kassandra herauskehren. Aber genau so ist die Finanzkrise 2007/2008 verursacht worden, nur ein einem kleineren Maßstab. Erst wurden die Hypothekenkredite in den USA notleidend und haben dann über den Transmissionsriemen Asset Backed Securities die weltweite Krise ausgelöst ...........
Das hat nichts mit Kassandra oä zu tun, das sind durchaus mögliche Entwicklungen. Prof. Sinn hat sie in seinem Buch "Der Schwarze Juni: Brexit, Flüchtlingswelle, Eurodesaster" beschrieben. Das entsprechende Kapitel "Risiko für die Überschußländer - insbesondere Deutschland" kann bei google books gelesen werden:

https://books.google.com.ph/books?id=Cj ... rs&f=false

Schwindlig wird einem, wenn man das Ansteigen vergleicht. Lt. Prof. Sinn betrugen die Target-Forderungen am 19. 09. 2016 = 680 Mrden €. Sie sind dann bis zum Endes des Jahres 2017 auf über 900 Mrden angestiegen.

@Petrus:
In einem stimme ich Dir zu:
Der Verlust der Target-Salden wäre "nur" Geld - aber hast Du auch daran gedacht, daß in einem solchen Fall die Abneigung zwischen den Völkern in Europa erheblich zunehmen würde? Du wirst doch nicht annehmen, daß man dann zur "Tagesordnung" übergehen würde, oder? Denk doch nur an das Frühjahr 2010, als die "Hilfskredite" für GR beschlossen wurden. Im Vergleich zu den TARGET-Beträgen waren das ein paar lächerliche Mrden. Schon damals wurde von "Pleite-Griechen" uä gesprochen und Angela in GR in Nazi-Uniform dargestellt. Selbst in D. ist der Soli noch immer ein Reizthema zwischen West und Ost, wie auch generell der Finanzausgleich.

Was wäre wohl los, wenn sich die Erkenntnis flächendeckend durchsetzen würde, daß die ganzen deutschen Exporte in den Süden nie bezahlt wurden und das jetzt erfolgen muß? Ich verrate Dir keine Überraschung, wenn ich Dir sage, daß Du den Zahlungsverpflichteten gut kennst.... :D

Natürlich wird die Politik alles Menschenmögliche tun, um einen solchen Fall zu vermeiden. Aber wie eingangs erwähnt: Damit haben IT & Co ein gewaltiges Erpressungspotential in der Hand, um noch weitere Forderungen (Bankenunion mit gemeinsamer [Punkt]) durchzusetzen.

Dem Frieden in Europa hat der Euro nicht gedient und er wird es auch nicht tun und die Zeiten, in denen in D. und anderen Ländern so etwas ohne große Diskussion in den Parlamenten abgenickt wurde, sind wahrscheinlich durch die stärker werdenden "rechten" Parteien vorbei.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 24. Januar 2018, 14:04

Altmaier öffnet Tür zur Einlagensicherung

Der endgültige Beschluß soll im Juni fallen - wenn das ganze Land gebannt auf die Fußball-WM starrt. Kennen wir doch irgendwo her.... war Merkels Taktik bei der größten Steuererhöhung der Nachkriegszeit.

Eine Hoffnung bleibt: Vielleicht kracht es mit der GroKo und es kommt zu Neuwahlen....

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Edi » Mittwoch 24. Januar 2018, 21:27

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 24. Januar 2018, 14:04
Altmaier öffnet Tür zur Einlagensicherung

Der endgültige Beschluß soll im Juni fallen - wenn das ganze Land gebannt auf die Fußball-WM starrt. Kennen wir doch irgendwo her.... war Merkels Taktik bei der größten Steuererhöhung der Nachkriegszeit.

Eine Hoffnung bleibt: Vielleicht kracht es mit der GroKo und es kommt zu Neuwahlen....
Wenn ich mich recht entsinne hat doch Schäuble vor noch nicht langer Zeit da dagegen gehalten und auf die deutsche Einlagensicherung der Volks- und Raiffeisenbanken verwiesen, die ja ausreichend ist. Kaum ist er weg vom Fenster, dann soll es anders kommen. Kein normaler [Punkt] Mensch hier wird doch einsehen, daß deutsche Banken bzw. deren Anleger für die Fehler und Schlampereien ausländischer Banken haften sollen.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 24. Januar 2018, 23:47

Edi hat geschrieben:
Mittwoch 24. Januar 2018, 21:27
Wenn ich mich recht entsinne hat doch Schäuble vor noch nicht langer Zeit da dagegen gehalten und auf die deutsche Einlagensicherung der Volks- und Raiffeisenbanken verwiesen, die ja ausreichend ist. Kaum ist er weg vom Fenster, dann soll es anders kommen. Kein normaler [Punkt] Mensch hier wird doch einsehen, daß deutsche Banken bzw. deren Anleger für die Fehler und Schlampereien ausländischer Banken haften sollen.
Böse Zungen behaupten, daß sein Widerstand ein Grund gewesen sein, ihn auf den neuen Posten als BT-Präsident abzuschieben und durch einen der größten Merkel-Claquere zumindest vorläufig zu ersetzen.

Bzgl. der Einlagensicherung ist noch darauf hinzuweisen, daß deutsche Kreditinstitute zwar haften sollen, aber keinerlei Möglichkeiten haben eine Kontrolle auszuüben. Aufgrund der Institutshaftung in D. finden auch immer Kontrollen durch die Verbände statt, um einer Schieflage vorzubeugen. Nur so ist eine gemeinsame Haftung des Sparkassen- bzw. Volksbankenverbandes überhaupt denkbar.
Es dürfte ein Irrglaube sein, daß die Anfang d.J. in Kraft getretenen Bestimmungen bzgl. Mifid II in Palermo, in Galicien oder Zypern mit der gleichen Akribie befolgt werden wie bei der Sparkasse/Volksbank in D..
Es handelt sich ausschl. um eine Maßnahme, um publikumswirksame Banken"rettungen" durch die Staatskasse künftig nach Möglichkeit zu verhindern - oder um im Merkel-Jargon zu bleiben: "Häßliche Bilder zu vermeiden."

Das Bild, das die Eurozone damit abwirft, spricht für sich. Man will sie "sicherer" machen und bei dem aufmerksamen Beobachter wachsen dadurch die Zweifel.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 25. Januar 2018, 13:27

Frank Schäffler sieht die gemeinsame Einlagenhaftung kommen und zwar aus folgendem Grund:
Deutschland ist auch deshalb mit Altmaier auf dem Rückzugsgefecht, weil die europäische Einlagensicherung auch gegen Deutschland durchgesetzt werden kann. Bereits Anfang 2016 hat der Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Rates die von der Europäischen Kommission gewählte Rechtsgrundlage für den Richtlinienentwurf gebilligt. Danach braucht es keine Einstimmigkeit im Europäischen Rat, sondern lediglich eine qualifizierte Mehrheit. Es müssen mindestens 55 Prozent der Staaten, also mindestens 15 bei 28 Staaten mit mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU zustimmen. Für eine Sperrminorität sind die Stimmen von mindestens vier Ratsmitgliedern, die mindestens 93 Stimmen im Rat aufbringen, notwendig.
(...)
Die Regierung hat bislang versäumt, die Rechtsgrundlage generell anzuzweifeln und dafür Verbündete in der EU zu suchen. Das fällt uns jetzt auf die Füße. Der nächste Schritt des Zentralismus in der EU ist daher vorbereitet. Mit dem ESM wurden erst die Schulden kollektiviert und mit der europäischen Einlagensicherung folgt bald das Sparvermögen. Sobald die neue Regierung in Berlin vereidigt ist, kann die Kommission einen Gang zulegen und muss keine Rücksicht mehr nehmen. Altmaier weiß das, billigt es also.
Roadmap Altmaier

Das würde auch zu dem alten Fuchs Schäuble passen: Nach außen gibt er sich als Verteidiger der deutschen Sparer, lehnt eine gemeinsame Einlagensicherung ab und sammelt bei der Bevölkerung Punkte. Intern weiß er genau über die Rechtslage Bescheid und vermeidet es, entsprechende Schritte zu ergreifen. Die Folge: Die Vergemeinschaftung kommt und D. hat nur die Wahl, gestaltend zuzustimmen oder bei Ablehnung gleich das Geld zu überweisen.

Gleichzeitig wird klar, was D. in Zukunft von dieser EU zu erwarten hat:
Durch die Möglichkeit von Mehrheitsentscheidungen kann auch gegen den Willen D. bzw. seines Abnickorgans entschieden werden. Welche Folgen das für D. hat, wenn erst einmal ein europ. Finanzminister installiert ist, der ESM der Kontrolle des EU-Parlaments unterliegt und ein europ. Haushalt steht, kann man sich vorstellen.

Prof. Sinn hat auf die durch den Brexit bedingte Machtverschiebung zugunsten der Südstaaten hingewiesen. Ein Veto der marktwirtschaftlich orientierten Nordstaaten (einschl. D.) ist dann nicht mehr möglich. Die Grenze von 35% der EU-Bevölkerung wird nur zusammen mit GB erreicht. Während es mittel- und langfristig zweifelhaft ist, ob Länder wie Dänemark oder die NL einem solchen Diktat folgen werden oder den Austritt wählen (insbesondere wenn GB wirtschaftlich erfolgreich sein sollte), gehört die EU-Mitgliedschaft zur DNA der deutschen Politik - koste es, was es wolle. Zahlen müssen ja diejenigen, die schon länger hier leben.....

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Donnerstag 8. Februar 2018, 06:42

Sinn spricht Klartext

Im bemerkenswerten Gegensatz zu dem messianischen Jubel, den der Mainstream dem französischen Präsidenten zukommen lässt, steht Sinns Warnung auf Seite 2: „Macrons Ideen sind gefährlich.“

Ich bin für eine Minderheitsregierung

Daraus:
Die Sparer zahlen über die Nullzinsen für den Boom. Das ist eine gewaltige Umverteilungsmaschine: Die Sparer und die Arbeitnehmer verlieren, dagegen gewinnen Staat, Exportindustrie, Immobilienbesitzer und Aktionäre.
Deshalb versucht die EZB freilich, auch in Deutschland Gas zu geben, um das Land nachzuinflationieren.
Die Zinsen sind bei null, und tiefer geht es kaum, weil sonst Banken wie Private ihr Geld bar horten würden, um den Negativzins zu umgehen. Solange es Bargeld gibt, kann es keine Negativzinsen in großem Umfang geben. Daher wird das Bargeld ja auch bekämpft, und im ersten Schritt hat man schon mal die großen Scheine abgeschafft und will jetzt die erlaubte Höchstgrenze für Barzahlungen absenken. Dabei braucht Deutschland keine Nullzinsen; die deutsche Wirtschaft könnte einen Zinsanstieg gut verkraften. Nur die hoch verschuldeten Südländer in Europa kämen in eine Haushaltskrise, weil sie die Zinsen einfach nicht mehr zahlen können. Es sind die deutschen Sparer, die in dieser Konstellation draufzahlen.
Kommt Macron mit seinen Plänen durch, gerät Deutschland in eine Randlage, in der es gebraucht wird, um Frankreichs Hinterland in Südeuropa zu finanzieren.
Wiederum gibt es von Berlin keinen Widerstand, sondern nur Phlegma. Die Kanzlerin mogelt sich nun schon jahrelang einfach so durch und wird ohne eigenen Plan von anderen getrieben, die klare Vorstellungen davon haben, wohin sich Europa entwickeln soll.
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 8. Februar 2018, 08:02

Der Nachfolger von Prof. Sinn im ifo-Institut, Prof. Fuest, äußert sich heute im Handelsblatt ähnlich und stellt die Frage, ob die GroKo (= Große Koalition nicht Große Ko..e) D. endgültig in die Transferunion führt. Dafür spricht nach seiner Meinung vor allem die im Koalitionsvertrag geäußerte Absicht, den ESM in Unionsrecht zu überführen:
Den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) wollen wir zu einem parlamentarisch kontrollierten Europäischen Währungsfonds weiterentwickeln, der im Unionsrecht verankert sein sollte.
Die Zuständigkeit fiele dann an das Europaparlament, in dem bereits ein gr. Abgeordneter mehr Stimmrecht hat (bezogen auf die von ihm vertretene Bevölkerung) als ein Deutscher. Wie die Abstimmungen dann ausgehen, kann man sich vorstellen.
Im Koalitionsvertrag findet sich auch kein Hinweis, daß die mögliche neue Regierung die Target-Salden in Frage stellen will. Stattdessen verspricht man noch mehr Geld, damit es im Süden versickert:
Wir wollen die EU finanziell stärken, damit sie ihre Aufgaben besser wahrnehmen kann. Dafür werden wir bei der Erstellung des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens Sorge tragen. Dabei befürworten wir auch spezifische Haushaltsmittel für wirtschaftliche Stabilisierung und soziale Konvergenz und für die Unterstützung von Strukturreformen in der Eurozone, die Ausgangspunkt für einen künftigen Investivhaushalt für die Eurozone sein können. Wir sind zu höheren Beiträgen Deutschlands zum EU-Haushalt bereit. Wir wollen einen Haushalt, der klar auf die Aufgaben der Zukunft mit europäischem Mehrwert ausgerichtet ist.
Kein Wort zur Bankenunion und der damit drohenden "Vergemeinschaftung der Einlagensicherung", kein Wort zur geforderten "Europäischen Arbeitslosenversicherung", zum "Europäischen Finanzminister"...

Der Zug ist abgefahren, die Ersparnisse werden sich in dieser Legislaturperionde Richtung Süden verabschieden. Dafür wird das Tandem "Schulz und Scholz" sorgen. Die deutschen Auslandsforderungen sind - soweit sie den südlichen Euroraum (Target, ESM) betreffen - als "verlorene Zuschüsse" einzustufen; sie sind wertlos. Die künftige Überweisung jedes zusätzlichen Euros wäre zwischen Privatpersonen ein schenkungssteuerpflichtiger Vorgang.

Aber der deutsche Michel soll nicht klagen: Bestellt - geliefert!

Nachtrag:
Zumindest im Südwesten scheinen einige Vertreter der Sparkassen aufgewacht zu sein:

Sparkassen könnten „100.000 Leute vor die EZB“ schicken
„Die zurückgelegten Mittel für die Absicherung der Sparer in Baden-Württemberg dürfen nicht als Haftungsmasse für Banken in anderen Ländern zweckentfremdet werden“, sagte der ehemalige Landrat aus Biberach mit dem Verve eines Politikers. Falls die europäische Einlagensicherung überstürzt eingeführt werden solle, würden die Sparkassen ihre Kunden informieren und mobilisieren. „.Da braucht man halt mal 100 000 Leute vor der EZB in Frankfurt. Und das schaffen wir“, geht Schneider auf die Barrikaden.
Natürlich fabuliert das Handelsblatt jetzt von "Akzeptanzproblemen", wenn "Banker" ebenso demonstrieren würden wie Gewerkschaften. Aber man denkt ja nicht an "Banker", sondern an den gewöhnlichen Sparer und der sieht die unfreiwillige Unterstützung für die Banken des Olivengürtels wohl kritisch. Bei einem Aufruf zur Demonstration könnte die Beteiligung doch manchen Politiker nachdenklich machen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Freitag 16. Februar 2018, 10:47

Italien dürfte die Party beenden – der weltgrößte Hedgefonds wettet auf die nächste Eurokrise

Der 04. März 2018 könnte für die nächste Zeit entscheidend sein. Dann wissen wir nicht nur, ob es zu einer neuen GroKo und einer Regierung Merkel IV kommt - dann wählen auch die Italiener.
Inzwischen will die Fünf-Sterne Bewegung von Grillo nicht mehr den Euro verlassen, sondern diskutiert offen darüber, wie man D. für die ital. Schulden und den Verbleib im Euro zahlen lassen kann. Dabei ist es im Grunde egal, ob dies durch direkte Transfers, durch eine Stützung der ital. Banken durch den ESM oder durch den Aufkauf ital. Staatsanleihen durch die EZB geschieht. Um die deutsche Bevölkerung nicht "zu beunruhigen" wird man wahrscheinlich die beiden letztgenannten Alternativen nutzen. Das versteht sowieso kaum jemand....

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Niels » Freitag 16. Februar 2018, 11:08

Was tun? Alles abheben und Gold kaufen?
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Freitag 16. Februar 2018, 14:02

Niels hat geschrieben:
Freitag 16. Februar 2018, 11:08
Was tun? Alles abheben und Gold kaufen?
:achselzuck:

Das kann Dir niemand seriös raten.
Nur eines ist sicher: Man sollte niemals alles in einen Topf werfen und auch beim Gold solltest Du Dich fragen, ob Du bereit bist, Verluste von 20 oder 30% auszusitzen. Sowohl der Goldpreis und auch die Rechnungswährung USD schwanken tlw. erheblich, ein Blick auf die entsprechenden Charts ist da hilfreich. Fallen USD und Goldpreis parallel um jeweils 10% beträgt Dein Verlust bereits 20%......

Noch ein Hinweis: Es gab in einigen Ländern auch Goldverbote, in den USA(!) sogar bis 1974. Dann kann man zwar sein Gold verstecken aber nicht oder nur auf dem Schwarzmarkt einlösen.

Absolute Sicherheit gibt es nicht. Bargeld kann entwertet werden, wie vor kurzem in Indien, Sparguthaben können rasiert werden wie in Zypern. Grundstücke sind "Immobilien", also nicht mobil und daher in besonderer Weise dem Zugriff des Staates (Grundsteuern, Mietvorschriften) ausgesetzt.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Freitag 16. Februar 2018, 14:39

Niels hat geschrieben:
Freitag 16. Februar 2018, 11:08
Was tun? ..............
Die Hl. Schrift rät:
Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen!
(Mt 6, 19f.)
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 17. Februar 2018, 11:34

Raphael hat geschrieben:
Freitag 16. Februar 2018, 14:39
Niels hat geschrieben:
Freitag 16. Februar 2018, 11:08
Was tun? ..............
Die Hl. Schrift rät:
Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen!
(Mt 6, 19f.)
Niels orientiert sich wahrscheinlich am Bodenpersonal... z.B. hier :breitgrins:

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Sonntag 18. Februar 2018, 09:36

Caviteño hat geschrieben:
Sonnabend 17. Februar 2018, 11:34
Raphael hat geschrieben:
Freitag 16. Februar 2018, 14:39
Niels hat geschrieben:
Freitag 16. Februar 2018, 11:08
Was tun? ..............
Die Hl. Schrift rät:
Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen!
(Mt 6, 19f.)
Niels orientiert sich wahrscheinlich am Bodenpersonal... z.B. hier :breitgrins:
Niels ist ja auch in Theologie examiniert worden! :pfeif:
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 21. Februar 2018, 09:50

Das Statistische Bundesamt hat die Außenhandelsstatistik 2017 veröffentlich. Wichtigster Abnehmer der deutschen Exporte sind die USA, vor Frankreich und China. Die meisten Importe kommen aus China, den NL und F..

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten ... cationFile

Besonders interessant: Unter den 20 wichtigsten Handelspartner (Exporte plus Importe) befinden sich nur 6 Euro-Länder. Der Euro hat also bei weitem nicht die überragende Bedeutung für unseren Außenhandel, der ihm in den Medien immer zugeschrieben wird. Der Außenhandel verlagert sich immer mehr zu Drittstaaten (China, USA, Schweiz, Russland, Japan, Türkei, Südkorea) bzw. EU-Ländern, die dem Euroverbund nicht angehören (Polen, Tschechien, Ungarn).

Für die Brexit-Verhandlungen sind folgende Zahlen interessant: GB ist die Nr. 5 bei den deutschen Export, ganz knapp hinter NL. Außerdem erzielt D. den zweithöchsten Handelsüberschuß (47 Mrden €, Exporte = 84Mrden, Importe = 37 Mrden) mit GB. Hier steht für die deutsche Wirtschaft einiges auf dem Spiel, wenn Merkel weiter die Linie der EU-Kommission, an den Briten ein Exempel zu statuieren, unterstützt.

Trotzdem wird weiter die Mär erzählt, daß "wir" vom Euro profitieren und es uns ohne Euro viel schlechter ginge. :D

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Freitag 23. Februar 2018, 01:19

Von der Lüge der risikofreien Bankenunion

Wichtige Zahlen:
„Laut Europäischer Bankenaufsichtsbehörde und der EZB sollen Ende 2016 die Anteile Not leidender Kredite – Non-Performing-Loans (NPL) – in Italien 15,3 Prozent, in Portugal 19,5 Prozent, in Zypern 44,8 Prozent und in Griechenland 45,9 Prozent betragen haben, in Deutschland jedoch nur 2,5 Prozent.“
Schon klar, warum man eine vergemeinschaftete Einlagensicherung haben will....
„Eine Zwangsvereinigung der Einlagensicherungssysteme der Eurozone ist für diese Länder deshalb mit großen Vorteilen verbunden. Man kann sich auf Kosten der Sparer der stabileren Länder absichern.“
Anstatt den Steuerzahler des eigenen Landes zur Kasse zu bitten, wenn die Banken "gerettet" werden sollen, greift man auf die Sparvermögen in anderen Staaten zurück.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Montag 26. März 2018, 11:10

IWF fordert 100 Milliarden von Deutschland für die Euro-Rettung

Wohlgemerkt - zusätzlich zu ESM-Beiträgen, Target-Forderungen und sonstigen Transferzahlungen.
Wenn in Zukunft ein finanzschwaches Euro-Land in eine Wirtschaftskrise gerät, soll es daraus automatisch Milliardenhilfen in seinen Haushalt überwiesen bekommen. „Um eine schmerzhafte Wiederholung der Krise zu verhindern, braucht die Euro-Zone eine zentral Fiskalkapazität“, sagte Lagarde in Berlin.
Automatisch sollen die Hilfen überwiesen werden - d.h. selbst die Abnicker im BT wären dann außen vor.... Den Spareifer der Südstaaten kann man sich bei einem solchen Polster im Rücken gut vorstellen....

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Edi » Montag 26. März 2018, 19:24

Caviteño hat geschrieben:
Freitag 23. Februar 2018, 01:19
Von der Lüge der risikofreien Bankenunion

Wichtige Zahlen:
„Laut Europäischer Bankenaufsichtsbehörde und der EZB sollen Ende 2016 die Anteile Not leidender Kredite – Non-Performing-Loans (NPL) – in Italien 15,3 Prozent, in Portugal 19,5 Prozent, in Zypern 44,8 Prozent und in Griechenland 45,9 Prozent betragen haben, in Deutschland jedoch nur 2,5 Prozent.“
Schon klar, warum man eine vergemeinschaftete Einlagensicherung haben will....
„Eine Zwangsvereinigung der Einlagensicherungssysteme der Eurozone ist für diese Länder deshalb mit großen Vorteilen verbunden. Man kann sich auf Kosten der Sparer der stabileren Länder absichern.“
Anstatt den Steuerzahler des eigenen Landes zur Kasse zu bitten, wenn die Banken "gerettet" werden sollen, greift man auf die Sparvermögen in anderen Staaten zurück.
Alles eine verlogene, in meinen Augen sogar eine verbrecherische Politik, die zu einer noch grösseren Verantwortungslosigkeit führen wird, als wir sie heute schon haben. Ein Firma, die konkurs ist, kann sich doch auch nicht vom Steuerzahler retten lassen. Was die deutschen Banken angeht, so sind jedenfalls die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken durch ihre Feuerwehrfonds gesichterr. Die haben bis dato immer gereicht, in Schleudern geraten Banken durch diese Fonds zu retten. Dieses System kann auch in anderen europäischen Ländern eingeführt werden.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Freitag 1. Juni 2018, 05:30

Die endlose Euro-„Rettung“ wird teuer

Daniel Stelter geht davon aus, daß die EZB weitere Billionen € an Staatsanleihen und privaten Schulden in ihre Bilanz nimmt, um einen Zerfall des Euros zu vermeiden.
Betreibt man die Käufe lange genug, können drei bis fünf Billionen Euro so auf den Büchern der EZB landen - und damit faktisch verschwinden. Denn die EZB kann diese Forderungen einfach zinslos stellen oder gar offiziell annullieren. Letzteres hatten die vorerst vereitelten Koalitionäre in Italien bereits in die Diskussion eingebracht, mit ihrer Forderung 250 Milliarden Schulden durch die EZB zu erlassen. Angesichts der Dimensionen vor denen wir stehen, wäre das allerdings zu wenig.
Ist das nicht verbotene Staatsfinanzierung? Ja, das ist es. Doch es wäre nicht der erste Vertrag, den die Euro-Retter brechen würden, im Dienst der übergeordneten Sache.
Traurig!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Freitag 1. Juni 2018, 07:27

Caviteño hat geschrieben:
Freitag 1. Juni 2018, 05:30
Die endlose Euro-„Rettung“ wird teuer

Daniel Stelter geht davon aus, daß die EZB weitere Billionen € an Staatsanleihen und privaten Schulden in ihre Bilanz nimmt, um einen Zerfall des Euros zu vermeiden.
Betreibt man die Käufe lange genug, können drei bis fünf Billionen Euro so auf den Büchern der EZB landen - und damit faktisch verschwinden. Denn die EZB kann diese Forderungen einfach zinslos stellen oder gar offiziell annullieren. Letzteres hatten die vorerst vereitelten Koalitionäre in Italien bereits in die Diskussion eingebracht, mit ihrer Forderung 250 Milliarden Schulden durch die EZB zu erlassen. Angesichts der Dimensionen vor denen wir stehen, wäre das allerdings zu wenig.
Ist das nicht verbotene Staatsfinanzierung? Ja, das ist es. Doch es wäre nicht der erste Vertrag, den die Euro-Retter brechen würden, im Dienst der übergeordneten Sache.
Traurig!
Die Überlegungen Stelters weisen womöglich in die richtige Richtung, denn - wie schon letztens angesprochen - kann eine Zentralbank per definitonem nicht pleite gehen. :hmm:

Wenn also die EZB alle in ihren Büchern befindlichen Anleihen annullieren würde, wäre sie zwar in katastrophaler Weise bilanziell überschuldet, aber das ist nicht weiter schlimm ( :glubsch: ), denn der Vorgang findet ja "nur in den Büchern" statt.

Dieses Vorgehen wäre auch viel "eleganter" und daher in der Öffentlichkeit besser vermittelbar, weil alle Staaten davon profitieren, denn sie sind schließlich mit einem schlichten Buchungsvorgang ihrer Schulden entledigt worden. Und darüber hinaus würde kein privater Schuldner geschädigt werden, denn diese hatten ja beim Ankauf durch die EZB ihren Kapitaleinsatz (mehr oder weniger) zurückbekommen.
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Freitag 1. Juni 2018, 11:21

Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages zum Thema Wahl in Italien bzw. Italexit: Peter Böhringer!
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 2. Juni 2018, 01:09

Angesichts der neuen Regierung in IT und dem schon angekündigten Konfrontationsweg schlägt die NZZ vor:
Der Austritt aus dem Euro ist nicht das erklärte Ziel der neuen Regierung in Rom, aber sie zieht diesen Schritt zumindest in Betracht oder droht damit. Mit dieser Drohung hofft sie von der Europäischen Zentralbank und den andern Staaten im Währungsverbund weitere finanzielle Zugeständnisse für Italien zu erwirken oder zu erpressen.
(...)
Die Strategie ist ziemlich unverblümt und kann darum wirkungsvoll sein, weil sie gegen ein «europäisches» Tabu verstösst. In den Köpfen der Eurokraten ist es praktisch undenkbar, dass ein Land sich von der Gemeinschaftswährung verabschiedet. (...) Doch ist es jetzt an der Zeit, sich von diesem Dogma zu verabschieden. Den Italienern sollte ausdrücklich die Möglichkeit angeboten werden, sich vom Euro zu verabschieden, wenn ihnen das Dasein im Korsett der Finanzdisziplin nicht behagt. Damit erschliessen sich erweiterte Handlungs- und Verhandlungsspielräume, die Erpressung läuft ins Leere.
Bevor man so etwas tatsächlich anbieten würde, müßten aber die Regeln geändert werden, denn andernfalls würden sich Mrden und Mrden von IT aus Richtung D. machen und dort "Schutz suchen" vor der Abwertung bei Einführung einer eigenen Währung. Nach den Target-Regeln besäße die Bundesbank nur eine Ausgleichsforderung. Die ist bisher schon wertlos und werden bestimmt nicht werthaltig, wenn in IT die Lira eingeführt wird.... :D

Mit der heutigen Abwahl von Rajoy hat Merkel ihren letzten Verbündeten in den Südländern verloren. Wie sich der neue sozialistische MP positionieren wird, ist noch unklar. Ob allerdings ein Sozialist ein Vertreter strenger Haushaltsregeln sein kann, muß erst noch erwiesen werden. Wahrscheinlich wird sich in den nächsten Monaten eine Allianz von F, IT und E bilden und eine "großzügigere" Finanzpolitik fordern. Bankenunion, Eurobudget, direkte Transferzahlungen, europ. Arbeitslosenversicherung, Schuldenerlaß, synthetische Eurobonds - die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. :nein:

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 28. Juli 2018, 12:03

Die Bundesregierung hat dem Bundestag den Antrag: Finanzhilfen zugunsten Griechenlands: Vierte und letzte Überprüfung des ESM-Anpassungsprogramms, mittelfristige schuldenbezogene Maßnahmen zugeleitet.

Um einen Schuldenschnitt zu vermeiden wurden die lfden Kredite und Zinszahlungen prolongiert. Erste größere Rückzahlungen sind erst in den 2040'iger und 2050'iger Jahren vorgesehen. GR soll bis in die 2060'iger Jahre einen Primärüberschuß von mindestens 2,2% erzielen. :D
Da Geld nicht nur einen Nominalwert sondern auch einen Zeitwert hat, muß man dies als verkappten Schuldenerlaß sehen. Das ist der Preis, der von uns und den nachfolgenden Generationen gezahlt wird, um GR im Euro zu halten....

Ein Blick auf die 488 Seiten umfassende Vorlage des BMF zeigt (wer soll das eigentlich lesen?), was alles in GR im Argen liegt. Es gibt kaum einen Bereich, der nicht genannt ist; vorne sind natürlich Steuer- und Zollverwaltung, Krankenhäuser, Sozialversicherung. Aber auch in anderen Gebieten zeigen die "Vorbemerkungen" welche Zustände in dem Land herrschen, hier z.B. bei der Energieversorgung:
Für die griechischen Energiemärkte sind weitreichende Strukturreformen notwendig, um sie mit EU-Rechtsvorschriften und -Vorgaben in Einklang zu bringen, sie moderner und wettbewerbsfähiger zu gestalten, Monopolrenten und Ineffizienzen zu reduzieren, Innovation zu fördern, die stärkere Nutzung von erneuerbaren Energien und Gas zu unterstützen und die Weitergabe der Vorteile all dieser Änderungen an die Verbraucher sicherzustellen.
und bei den Wasserversorgern sieht es nicht besser aus:
Ein stabiler Regulierungsrahmen ist unabdingbare Voraussetzung für die dringend erforderlichen
Investitionen in das Wassernetz sowie für einen wirksamen Schutz der Verbraucher vor überhöhten
Preisen.
Eine diplomatische Umschreibung für Vetternwirtschaft, fehlenden Wettbewerb, veralteter Anlagen....

Insgesamt eine interessante Lektüre, die viele Unwahrheiten, die in der ersten Zeit der GR-Krise verbreitet wurden, aufdeckt.

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Hubertus
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Hubertus » Donnerstag 2. August 2018, 13:39

Informationen aus erster Hand zur Sondersitzung des Haushaltsausschusses bzgl. der GR-Hilfe (Peter Boehringer, Vorsitzender Haushaltsausschuß):


Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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