Jungfrauenweihe

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Raphaela
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Raphaela » Freitag 4. August 2017, 10:52

Ecce Homo hat geschrieben:
Freitag 28. Juli 2017, 10:16
"Offiziell" wissen wir Augsburger Virgines nicht, dass es das gibt.Wurde weder mitgeteilt noch irgendwie per Rundmail oder so kundgetan.
Die meisten von uns sind im Netz auch nicht so präsent, glaub ich.
Mir persönlich (wusste das, hab es durch googeln entdeckt) ist das jetzt auch zu stressig - jetzt, nach dem Messopfer letzer Schultag vor den Ferien.
Erst mal Morgen früh zu meinem Beichtvater zum Messopfer und zur wöchentlichen Beichte, dann Schulkram räumen etc...
Es waren Augsburger da, schließlich gibt es einen E-Mail-Verteiler. Vielleicht bist du dort nicht drin? Da die Bischöfe nichts damit zu tun haben, ist es eben per Mail verschickt worden.
Und: Es war ein Stück Weltkirche erfahrbar: Die Virgines waren nicht nur aus Deutschland, sondern auch Frankreich, Schweiz, Österreich (eine Polin) und England (Diözese Birmingham, deine Deutsche)
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Ecce Homo » Freitag 4. August 2017, 13:54

Also, von Augsburgern kriege ich häufiger mal was - vom Mentor etc... da bin ich definitiv im Verteiler. :) Und vom Bistum her kam dazu nix. Woher die anderen das hier wissen, keine Ahnung.

In einem anderen Verteiler von irgendwoher sonst kann ich nicht sein - weil da weiß ich nix!
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Raphaela
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Raphaela » Donnerstag 10. August 2017, 15:46

Bei katholisch.de stand vor ein paar Tagen ein Bericht zu einer Jungfrauenweihe. - Besonders gelungen finde ich das alles nicht, gerade die ersten Sätze finde ich daneben:

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... e-jungfrau
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von leiseFrage » Sonntag 15. April 2018, 09:36

Hallo zusammen,

erstmal vielen herzlichen Dank für die vielen interessanten Beiträge zur Jungfrauenweihe. Auch wenn ich mir nicht alles durchgelesen habe, doch recht viel und ich meine, die Antwort auf meine spezifische Frage noch nicht gefunden zu haben. Entschuldigt bitte, wenn ich sie doch übersehen habe und durch meine Frage eine Doppelung auftritt.

Ich liebe Jesus. Und ER hat mir das große Geschenk gemacht, dass ich seine Liebe entdecken darf. Ich habe den Wunsch, IHM mein Leben zu schenken, IHM nachzufolgen, SEINE Braut zu sein. Aktuell suche ich noch nach dem Weg der SEINEM Sinn und Plan für mich entspringt. Ich hatte auch mit verschiedenen Ordensgemeinschaften Kontakt, jedoch ist in mir immermehr die Idee gereift, hier in dieser Welt SEINE Frau zu sein und IHM und der Kirche damit einen Dienst zu erweisen. Daher würde ich mir auch gerne eine offizielle Form, eine offizielle Anerkennung wünschen. In diesem Zuge habe ich mich immermal wieder auch mit der Jungfrauenweihe beschäftigt.

Soweit erstmal zu meinen Beweggründen nachfolgende Frage zu stellen. Jetzt zu meiner Frage: Auch wenn es sich sehr seltsam anhören mag, ich weiß einfach nicht, ob ich Jesus das Geschenk meiner Jungfräulichkeit noch anbieten kann. Ich habe versucht, hier, in diesem Thread, eine Antwort zu finden, doch ich finde sie nicht. Ihr habt mal in etwa geschrieben "entweder man hat mit einem Mann geschlafen oder man hat es eben nicht" und dass das ganz klar sei. Nein, ich habe noch nicht mit einem Mann geschlafen, dennoch würde ich mich nicht mehr als sexuell unversehrt bezeichnen. Leider hatte das Thema der Jungfräulichkeit für mich in meiner Jugendzeit keinen hohen Wert. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass das von der Gemeinde, in der ich aufwuchs, so vermitttelt worden ist. Leider hatte ich in meiner Jugend auch eine lange Phase in der ich Gott nicht mehr wirklich erkannt habe und mich von der Kirche abgewandt habe. Jesus hat mir die Gnade geschenkt, dass ich dann doch ganz neu entdecken durfte, was es heißt eine Beziehung mit IHM zu leben und IHN zu begegnen. Er hat mich zurück in die Kirche geführt und hat mich IHN in der Eucharistie entdecken lassen/lässt mich IHN in der Eucharistie entdecken. Und durch SEIN Licht sehe ich inzwischen vieles, was für mich früher normal war, aus einer anderen Perspektive und bereue es.

Habe ich früher darunter gelitten, zu wenig sexuelle Erfahrungen zu haben, fürchte ich heute, dass ich vielleicht zu viele habe :,,-(
Und jetzt mal konkret:
-ich habe mich über verschiedene Phasen in meinen Leben immer wieder selbstbefriedigt, zum Teil recht häufig und manchmal scheitere ich jetzt immernoch daran
- mit ein paar Männern habe ich mich beim Küssen an intimen Körperstellen berührt und wir hatten doch recht nahen Körperkontakt, allerdings behielten wir unsere Kleider dabei komplett an (das letzte Mal ist ca. 3 Jahre her)
- in meiner Jugendzeit und im frühen Erwachsenenalter hatte ich ein paar Mal intimere Kontakte mit Frauen. Es ist halt schwer bei Kontakten unter Frauen eine eindeutige Grenze zu ziehen ab wann Geschlechtsverkehr anfängt und was noch zu "vorspielähnlichen Zärtlichkeiten" gehört -entschuldigt bitte mir fällt gerade kein passender Begriff ein und ich weiß auch nicht ob die Unterscheidung generell passend ist.
Also ich habe noch nie mit einen Mann geschlafen, kann aber auch nicht aus reinem Herzen sagen, dass ich Jesus das Geschenk einer unversehrten Jungfräulichkeit anbieten kann, oder? Wie seht ihr das? Wenn möglich bitte ich um empathische und keine verunglimpfenden Antworten, da mich das Thema sehr mitnimmt.

Meine zweite Frage: Wenn die Jungfrauenweihe dann wegfällt, welche anderen Wege habe ich, wenn ich IHN mein Leben schenken und seine Braut sein möchte? Ich sehe keine wirkliche Berufung zu einem Ordensleben, erst recht zieht mich nichts zu einem Sekularinstitut oder einer anderen Gemeinschaftsform. Apostolatshelferin spricht mich nicht wirklich an. Es bleibt dann nur ein persönliches Gelübde, oder?
Und es gibt keine Möglichkeit SEINE Braut zu sein, wenn man keine Jungfrau mehr ist, oder?

Ich weiß ich habe viel falsch gemacht und ich bereue es, aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen, auch wenn ich es mir so sehr wünschte.

Ich danke im Voraus herzlich für die Antworten.

Liebe Grüße,
von einer leisen Frage

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Ecce Homo » Sonntag 15. April 2018, 10:26

Hallo "Leise Frage" -

... also, mal ganz vorweg, vor allen und allem anderen - hast Du einen geistlichen Begleiter/Beichtvater?
Mit dem man diese ganz persönlichen Dinge wirklich en detail besprechen könnte?
Der Dich persönlich - im Idealfall natürlich! - länger kennt, der Deinen Weg kennt und einfach "weiß"?
Dort würde eine solche Frage nämlich ohnehin zuerst hingehören ...

In jedem Fall aber ist das, was Du am Ende schreibst, das persönliche Gelübde, "ohnehin" ein allererster Schritt - und ob dies irgendwann einmal in einen anderen Weg münden kann (sei es zur Consecratio Virginum, sei es eine anderen Form geistlichen Lebens ...), das wird sich zeigen ...

Wenn Du möchtest, schreib mir doch eine private Nachricht.
Sonntägliche Grüße von nach dem Hochamt

Ecce Homo :)
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Maja
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Maja » Sonntag 15. April 2018, 20:49

Guten Abend,

ich denke auf deine Frage wirst du - je nachdem ob die antwortende Person eher traditionell oder liberal orientiert ist - ganz unterschiedliche Antworten erhalten.

Grundsätzlich bist du deiner Schilderung nach "biologisch" Jungfrau, so dass ich davon ausgehen würde, dass niemand grundsätzlich deine Jungfräulichkeit in Frage stellen dürfte.

Es gab auch schon Witwen (mit erwachsenen Kindern), die in ein Kloster eintraten, wo (wie allgemein bekannt) auch Jungfräulichkeit gelobt wird. Auch deshalb bin ich persönlich der Ansicht, dass der biologische Aspekt möglicherweise nicht der Zentralste ist - auch nicht in zumindest moderat traditionellen Kreisen.

Die Sehnsucht nach - auch körperlicher - Nähe ist ganz normal und im Menschen so angelegt. Diese Sehnsucht ist bei manchen Personen stärker, und es besteht dann manchmal auch ein stärkeres Bedürfnis nach sexuell-genitalen Erfahrungen, und bei anderen eben schwächer. Und das führt u.a. dazu, dass manche Menschen eine Partnerschaft suchen und Nähe und Sexualität sehr vermissen, wenn sie sie nicht erleben können, und andere nicht.

In der aktuelleren Literatur, die sich mit dem Thema Jungfräulichkeit beschäftigt, wird dieses Bedürfnis nach Nähe inzwischen besser berücksichtigt, als früher, als es gar nicht zum Thema gemacht wurde bzw. wenn dann unter dem Gesichtspunkt des "Versagens", wenn man sich selbst befriedigt o.ä.
Das finde ich schlimm, denn ich denke nicht zuletzt die Missbrauchsskandale oder auch die in diesen Tagen erfolgte Aufdeckung des Kreises an Priestern, die in Rom Kunden eines Call Boys waren (dazu z.B.: https://www.stern.de/panorama/weltgesch ... 36482.html), zeigen, dass es wichtig ist, offener über Sexualität zu sprechen und auch zu akzeptieren, dass sie ein menschliches Grundbedürfnis ist. Frage ist eben, wie das verantwortungsbewusst gelebt werden kann.

Doch das führt nun etwas von deiner Frage weg. Obgleich ich schon viel zu dem Thema las, ist meine persönliche Hausbibliothek in diesem Bereich eher überschaubar. Was ich in selbiger aber zu diesem Thema gerade fand ist "Himmelreich leben. Die evangelischen Räte - für alle Christen" von Pater Reinhard Körner. Darin schreibt er unter anderem: "Mit einem jungfräulichen Menschen muss nicht in jedem Fall ein sexuell enthaltsam lebender Mensch gemeint sein" (S. 26), "Jungfräulichkeit ist die innere Lebensform, die sich in das Gewand der Ehelosigkeit wie auch der Ehe und jeglicher liebender Partnerschaft kleiden kann" (S. 34). Er beschreibt, dass es bei Jungfräulichkeit vor allem um eine Haltung geht und "jungfräuliche Menschen sind Frauen und Männer, die in Jesus und seinem Gott der großen Liebe ihres Lebens begegnet sind" (S. 36).

Vielleicht ist es auch eine Frage des Gottesbildes. Ich sehe Sexualität in ihrer gesamten Bandbreite, also wenn man darunter z.B. auch Beziehungsfähigkeit, Interesse am und Sorge um den Anderen usw. versteht, als existentielle Grundlage menschlichen Lebens und darum auch als ein Geschenk Gottes an den Menschen. Bei Jugendlichen erlebe ich, dass viele erst herausfinden müssen, wo die eigenen Grenzen sind, die des anderen, welchen Umgang mit Sexualität die eigene Kultur und/oder die Religion vorgibt etc. Und dann, wenn man eine entsprechende Berufung verspürt, auch, wie mit dem Bedürfnis nach Nähe, Beziehung und Sexualität umgegangen werden kann, wenn man z.B. Ordenschrist oder Priester wird. Und ich glaube an einen liebenden und verzeihenden Gott, der diesen Weg mitgeht und darum weiß, dass der oder die Berufene auch mal in die falsche Richtung geht oder gegangen ist. Und ich würde sagen, dass ist auch das Bild, dass Jesus von seinem himmlischen Vater erfahrbar werden lässt.
"Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin." 1 Kor 12

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von taddeo » Sonntag 15. April 2018, 21:09

Maja hat geschrieben:
Sonntag 15. April 2018, 20:49
Grundsätzlich bist du deiner Schilderung nach "biologisch" Jungfrau, so dass ich davon ausgehen würde, dass niemand grundsätzlich deine Jungfräulichkeit in Frage stellen dürfte.

Es gab auch schon Witwen (mit erwachsenen Kindern), die in ein Kloster eintraten, wo (wie allgemein bekannt) auch Jungfräulichkeit gelobt wird. Auch deshalb bin ich persönlich der Ansicht, dass der biologische Aspekt möglicherweise nicht der Zentralste ist - auch nicht in zumindest moderat traditionellen Kreisen.
Sorry, wenn ich mich hier kurz einmische, obwohl ich weder jung noch Frau noch Jungfrau bin. :pfeif:

Nur eine kurze sachliche Klarstellung: Für die Jungfrauenweihe ist die fehlende biologische Jungfräulichkeit ein Ausschlußkriterium. Eine Frau, die diese Weihe anstrebt, darf noch mit keinem Mann Geschlechtsverkehr gehabt haben.

Für den Ordenseintritt gilt das nicht! Eine Ordensfrau gelobt nicht Jungfräulichkeit, sondern Keuschheit, also den Verzicht auf sexuelle Betätigung jeder Art, und das nicht schon "rückwirkend", sondern erst ab dem Zeitpunkt ihres Gelübdes für die Zukunft.

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Sperling » Montag 16. April 2018, 16:12

Danke Taddeo, für die wichtige Richtigstellung, gerade was die Ordensgelübde betrifft! :daumen-rauf:

Ich möchte hinzufügen: genau aus dieser Tatsache heraus, dass die biologische Jungfräulichkeit logischerweise Voraussetzung ist für die Jungfrauenweihe, habe ich so meine Schwierigkeiten mit dieser Feier an sich.

Nicht immer ist diese Voraussetzung persönlicher Verdienst, bezw. das Fehlen persönliche Schuld: was ist mit den Vielen, die Missbrauch oder Vergewaltigung oft sogar in der Kindheit erfahren haben? :traurigtaps: Sie sind schuldlos ausgeschlossen... :bedrippelt:

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Ecce Homo » Montag 16. April 2018, 20:50

Also, ich weiß, dass "Chiara" dazu was Zitierwürdiges hatte - hab das eben mal gesucht - aus erlauchter Quelle - Kongress Rom 2008:
... 2. Die reale körperliche Unversehrtheit ist notwendige Bedingung der Jungfrauenweihe, es sei denn in Fällen sexueller Gewalt. Eine Frau, die sich freiwillig einem Mann hingegeben hat, kann die Konsekration nicht mehr empfangen. ..
Siehe hier: viewtopic.php?p=210705#p210705
(Unterstreichung von mir jetzt - aber ich glaube, wir hatten das hier im Thread schon mal - muss nochmals suchen... )

Ich wollte es bewusst mit da nochmals mit dem Bezug auf den Bischöflichen Moderator haben - wusste es natürlich, auch aus meiner Vorbereitung zur Weihe etc ...

Theoretisch ist der Bischof frei - wenn eine Frau vergewaltigt wurde, hat sie sich nicht FREIWILLIG hingegeben. Sie bliebe trotzdem "weihefähig". Sie kann ja eben nix für - und hat es nicht gewollt.

Es wäre halt die Frage, ob es dann in jedem Fall "klug" wäre, sie zur Weihe zuzulassen ... wie vermittelt man das? Ich meine, er ist immer frei, wen er zulässt oder nicht ...

Meines Wissens gab es sogar mal den Fall, wo eine Frau in Vorbereitung auf die Weihe war und dann vergewaltigt wurde und dann schwanger war. Und sie hat sich für das Kind entschieden.
Der Bischof hat daraufhin gesagt - klar, sie hat sich nicht freiwillig diesem Vergewaltiger hingegeben - er könnte sie trotzdem weihen, aber er wird es nicht machen ... auch nicht im Geheimen, nur ihm bekannt ... Sie kann ja im Privatgelübde weiterleben ...
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Sperling » Montag 16. April 2018, 21:08

danke :daumen-rauf:

leiseFrage
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von leiseFrage » Dienstag 17. April 2018, 00:12

Herzlichen Dank für eure Antworten!
Danke, dass ihr auf meine Fragen wertschätzend und annehmend reagiert. Mich hat das Thema doch ziemlich emotional aufgewühlt, daher habe ich etwas Abstand gebraucht und antworte jetzt erst.

Ja, ich habe einen geistlichen Begleiter, der Priester ist, und bei dem ich auch beichte. Er kennt meinen Weg jetzt seit in etwa einem Jahr. Anfänglich hat sich noch viel um die Frage nach einem Leben als Ordensschwester gedreht. Inzwischen ist diese Frage für mich aber mehr und mehr in den Hintergrund geraten. Ich hatte schon immer wieder Gedanken zu der Jungfrauenweihe, wollte in der geistigen Begleitung für mich aber erst mal die Frage nach einer Berufung zum Ordensleben klären. Generell habe ich die auch noch nicht 100% verneint, auch wenn ich mich seit Anfang dieses Jahres einfach immer mehr davon entferne. Sicherlich gehören aber auch diese Fragen in die geistige Begleitung. Ich werde sie zu gegebener Zeit dort ansprechen. Es ist mir ehrlich gessgt aber auch recht unangenehm. Daher danke ich euch, dass ich sie hier unter dem Schutz der Anonymität des Internets erstmal stellen durfte! Danke @EcceHomo für die Ermutigung diese in der geistlichen Begleitung anzugehen.

Danke @Maja für deine ausführliche, liebe Antwort. Und danke, dass du mir in Erinnerung rufst, dass wir einen, liebenden, verzeihenden Gott haben. Manchmal neige ich dazu, mir selbst viel Druck zu machen und mich zu verurteilen.

Generell kann ich es inzwischen auch wieder gelassener sehen. Gott hat mich IHN durch Jesus wieder neu entdecken und spüren lassen und in SEINE Nähe geführt und das nachdem diese Erfahrungen waren. Und er zeigt mir jetzt aber auch, dass diese Erfahrungen noch nicht ausgeheilt sind, ich mich nochmal mit ihnen auseinandersetzen sollte. Ich will IHN lieben und dienen. Und ich denke dazu beruft ER mich auch. ER wird mich aber sicher nicht zu einer Art der Nachfolge berufen für die ich die (formalen) Vorraussetzungen nicht erfülle. Und wenn ich/oder die Kirche zu dem Entschluss komme, dass ich IHM trotz biologischer Jungfräulichkeit keine Jungfräulichkeit mehr anbieten kann, dann wird es auch nicht das sein, was Jesus für mich vorgesehen hat.

Es ist auch eher die bräutliche Liebe, die mich an der Jungfrauenweihe so anspricht, nicht die Jungfräulichkeit. Also ich meine damit, dass ich IHN als Bräutigam liebe und als SEINE Braut lieben will. Und natürlich würde das für mich Keuschheit und Enthaltsamkeit einschließen. Aber ich tue mir schwer mich als Jungfrau zu sehen, weil ich eben nicht makelos bin und IHM keine makelose Jungfräulichkeit schenken kann. Ich könnte mich eher mit Maria Magdalena aus der Jesus Dämonen ausgetrieben hat und die IHN fortan folgte und liebte oder mit der namenlosen Sünderin, der Jesus aufgrund ihrer Liebe vergeben hat, identifizieren als mit einer reinen, unberührten Jungfrau. Wobei ich solche Jungfrauen sehr schätze und achte und ich es sehr bewunderswert finde, wenn sich eine Frau eine solche Reinheit bewahrt hat.

Herzlichen Dank nochmal an euch alle, die ihr geantwortet habt. Ich schließe euch in meine Gebete mit ein!

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Raphaela » Donnerstag 19. April 2018, 10:29

taddeo hat geschrieben:
Sonntag 15. April 2018, 21:09

Sorry, wenn ich mich hier kurz einmische, obwohl ich weder jung noch Frau noch Jungfrau bin. :pfeif:

Nur eine kurze sachliche Klarstellung: Für die Jungfrauenweihe ist die fehlende biologische Jungfräulichkeit ein Ausschlußkriterium. Eine Frau, die diese Weihe anstrebt, darf noch mit keinem Mann Geschlechtsverkehr gehabt haben.
Weißt du auch, wie ein Bischof entscheiden würde? Ich denke, Nein. Also halte dich bitte zurück
Ich gebe Ecce Recht, dass es erst einmal in die geistliche Begleitung gehört.
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von taddeo » Donnerstag 19. April 2018, 10:37

Raphaela hat geschrieben:
Donnerstag 19. April 2018, 10:29
taddeo hat geschrieben:
Sonntag 15. April 2018, 21:09

Sorry, wenn ich mich hier kurz einmische, obwohl ich weder jung noch Frau noch Jungfrau bin. :pfeif:

Nur eine kurze sachliche Klarstellung: Für die Jungfrauenweihe ist die fehlende biologische Jungfräulichkeit ein Ausschlußkriterium. Eine Frau, die diese Weihe anstrebt, darf noch mit keinem Mann Geschlechtsverkehr gehabt haben.
Weißt du auch, wie ein Bischof entscheiden würde? Ich denke, Nein. Also halte dich bitte zurück
Ich gebe Ecce Recht, dass es erst einmal in die geistliche Begleitung gehört.
Ich hoffe doch sehr, daß sich ein Bischof an das geltende Recht halten würde. :hmm:

Das wäre im deutschen Sprachraum die "Allgemeine Einführung" zum Ritus der Jungfrauenweihe im Pontifikale, wo es heißt:
5. Für die Jungfrauen, die in der Welt leben, ist erforderlich:
a) daß sie niemals eine Ehe eingegangen sind und auch nicht offenkundig ein dem jungfräulichen Stand widersprechendes Leben geführt haben;
...
Jetzt kannst du natürlich mit Recht sagen, die zweite Satzhälfte biete einen gewissen Ermessensspielraum, denn ein nicht offenkundig (sondern verborgen) dem jungfräulichen Stand widersprechendes Leben sei kein Hindernis für eine Jungfrauenweihe. Offenkundig wäre also zB, wenn die Kandidatin ein uneheliches Kind hätte, oder wenn allgemein bekannt ist, daß sie über längere Zeit einen festen Partner hatte. Nicht offenkundig wäre wohl zB, wenn sie mal Sex gehabt hätte, ohne daß das irgendwer mitbekommen hat.
Die Frage ist natürlich schon, ob das dann noch dem Sinn - sowohl dem geistlichen als auch dem kanonischen - einer "Jungfrauen"weihe entspräche, so jemanden zuzulassen. Wie jeder geistliche Stand ist auch die geweihte Jungfrau kein Tummelplatz zur Selbstverwirklichung, für den man die Kriterien hinbiegen kann wie man will. Jedes geweihte Leben muß sich an den Maximalforderungen orientieren, die die Kirche dafür aufstellt.

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Ecce Homo » Donnerstag 19. April 2018, 12:59

taddeo hat geschrieben:Nicht offenkundig wäre wohl zB, wenn sie mal Sex gehabt hätte, ohne daß das irgendwer mitbekommen hat.
Ehem - Moment, wenn Sie mal Sex gehabt hätte, dann hätte es einen Zeugen. Ihren Sexpartner nämlich...
und das geht nun mal so nicht... also bitte! :nein:
taddeo hat geschrieben:Wie jeder geistliche Stand ist auch die geweihte Jungfrau kein Tummelplatz zur Selbstverwirklichung, für den man die Kriterien hinbiegen kann wie man will. Jedes geweihte Leben muß sich an den Maximalforderungen orientieren, die die Kirche dafür aufstellt.
:ja: :klatsch:
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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von taddeo » Donnerstag 19. April 2018, 13:15

Ecce Homo hat geschrieben:
Donnerstag 19. April 2018, 12:59
taddeo hat geschrieben:Nicht offenkundig wäre wohl zB, wenn sie mal Sex gehabt hätte, ohne daß das irgendwer mitbekommen hat.
Ehem - Moment, wenn Sie mal Sex gehabt hätte, dann hätte es einen Zeugen. Ihren Sexpartner nämlich...
und das geht nun mal so nicht... also bitte! :nein:
"Offenkundig" heißt nicht, daß es keinen Zeugen geben dürfte. Bei diesem Terminus ist schon eine gewisse "Amtlichkeit" der Tatsache nötig. Mir ist jetzt keine kanonische Definition bekannt, aber beispielsweise im deutschen Prozeßrecht bedeutet "offenkundig" entweder "allgemeinkundig" (Tatsachen, die einer größeren Anzahl von Personen bekannt oder für diese ohne weiteres zuverlässig wahrnehmbar sind), oder "gerichtsbekannt" (Tatsachen, von denen das erkennende Gericht amtlich bereits Kenntnis erlangt hat, z. B. in einem früheren Verfahren oder durch eine amtliche Mitteilung).
Statt "Gericht" müßte man bei der Jungfrauenweihe natürlich "Bischof" einsetzen. Aber die "Amtlichkeit" seiner Kenntnis wäre nur gegeben, wenn er von der Kandidatin im Rahmen des Zulassungsverfahrens offiziell eine Aussage erhält, ob sie schon mal freiwilligen Verkehr mit nem Mann hatte. Wenn er das nie fragt und sie (oder ihr damaliger Sexpartner) es nicht von sich aus angibt, hat man eigentlich auch keine "Offenkundigkeit" darüber.

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Lycobates » Donnerstag 19. April 2018, 13:28

taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 19. April 2018, 13:15
"Offenkundig" heißt nicht, daß es keinen Zeugen geben dürfte. Bei diesem Terminus ist schon eine gewisse "Amtlichkeit" der Tatsache nötig. Mir ist jetzt keine kanonische Definition bekannt, aber beispielsweise im deutschen Prozeßrecht bedeutet "offenkundig" entweder "allgemeinkundig" (Tatsachen, die einer größeren Anzahl von Personen bekannt oder für diese ohne weiteres zuverlässig wahrnehmbar sind), oder "gerichtsbekannt" (Tatsachen, von denen das erkennende Gericht amtlich bereits Kenntnis erlangt hat, z. B. in einem früheren Verfahren oder durch eine amtliche Mitteilung) ....
Unser CIC von 1917 unterscheidet ganz ähnlich zwischen notorietas iuris und notorietas facti.
Can. 2195.
§1. Nomine delicti, iure ecclesiastico, intelligitur externa et moraliter imputabilis legis violatio cui addita sit sanctio canonica saltem indeterminata.
§2. Nisi ex adiunctis aliud appareat, quae dicuntur de delictis, applicantur etiam violationibus praecepti cui poenalis sanctio adnexa sit.

Can. 2196. Qualitas delicti desumenda est ex obiecto legis; quantitas vero dimetienda non solum ex diversa gravitate legis laesae, sed etiam ex maiore minoreve imputabilitate aut damno illato.

Can. 2197. Delictum est:
1° Publicum, si iam divulgatum est aut talibus contigit seu versatur in adiunctis ut prudenter iudicari possit et debeat facile divulgatum iri;
Notorium notorietate iuris, post sententiam iudicis competentis quae in rem iudicatam transierit aut post confessionem delinquentis in iudicio factam ad normam can. 1750;
Notorium notorietate facti, si publice notum sit et in talibus adiunctis commissum, ut nulla tergiversatione celari nulloque iuris suffragio excusari possit;
4° Occultum, quod non est publicum; occultum materialiter, si lateat delictum ipsum; occultum formaliter, si eiusdem imputabilitas.

Can. 2198. Delictum quod unice laedit Ecclesiae legem, natura sua, sola ecclesiastica auctoritas persequitur, requisito interdum, ubi eadem auctoritas necessarium vel opportunum iudicaverit, auxilio brachii saecularis; delictum quod unice laedit legem societatis civilis, iure proprio, salvo praescripto can. 120, punit civilis auctoritas, licet etiam Ecclesia sit in illud competens ratione peccati; delictum quod laedit utriusque societatis legem, ab utraque potestate puniri potest.
Soweit ich sehe, wird der Begriff notorietas im 1983er nicht definiert.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von taddeo » Donnerstag 19. April 2018, 15:37

Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 19. April 2018, 13:28

Unser CIC von 1917 unterscheidet ganz ähnlich zwischen notorietas iuris und notorietas facti.

...

Soweit ich sehe, wird der Begriff notorietas im 1983er nicht definiert.
Ah, danke für die kundige Ergänzung!
Eben, im CIC 1983 gibt es keine Definition. Nach den üblichen Regeln ist daher die Definition von 1917 als einschlägig zu betrachten, die du zitierst.
Sie bestätigt letztlich, was ich gesagt habe: "Offenkundigkeit" hinsichtlich des eingeforderten "dem jungfräulichen Stand widersprechenden Lebens" wäre nur mit einem "Geständnis" der Kandidatin oder ihres einstigen Sexualpartners zu erlangen, soweit es nicht ohnehin öffentlich bekannt und unbestritten ist.

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von HeGe » Freitag 13. Juli 2018, 13:57

Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von fyndig » Montag 16. Juli 2018, 22:55

Aus der Instruktion "Ecclesiae Sponsae Imago":
Thus to have kept her body in perfect continence or to have practised the virtue of chastity in an exemplary way, while of great importance with regard to the discernment, are not essential prerequisites in the absence of which admittance to consecration is not possible.
(zu Deutsch: Die Jungfrauen müssen keine physischen Jungfrauen sein).

http://press.vatican.va/content/salasta ... 0704d.html

Ich hole schon mal Popcorn.

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von HeGe » Mittwoch 18. Juli 2018, 14:08

Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Re: Jungfrauenweihe

Beitrag von Seraph » Donnerstag 19. Juli 2018, 09:57

Ein düsterer Seraph möchte wohl selbst den dreieinigen Gott erschrecken.
(Mother Mary Francis)

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