Berechtigung von Freikirchen

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von asderrix »

Da die Frage aufkam, was ist besser, freie Gemeinde oder eine straff organisierte Institution,
hier ein Zitat zur Diskussion:
Konstantin schaffte die von den Judenchristen geprägte Hausgottesdienste ab und verbot Christen, sich in ihren Häusern zu versammeln. Der Wechsel von einer persönliche Hauskirche zu einer unpersönlichen Basilika änderte das ganze Konzept der Gemeinde. Vorher war die Gemeinde eine Familie von Gläubigen, unter Konstantin wurde die Gemeinde zu einem Gebäude, in dem Christen zu christlichen Beobachtern wurden und selbst eine untergeordnete Rolle spielten.
Aus die Decke des Schweigens von Jobst Bittner, mit einen Verweis, dass Dr. Robert D. Heidler in seinem Buch The Messianic Church Arissing, Denton 2006 auf Seite 44 darauf hinwies.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

CIC_Fan

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von CIC_Fan »

ich denke den freien Gemeinden gehört wie es zur Zeit ausschaut die Zukunft

Tritonus
Beiträge: 1451
Registriert: Samstag 25. Juni 2011, 03:03

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von Tritonus »

asderrix hat geschrieben:Da die Frage aufkam, was ist besser, freie Gemeinde oder eine straff organisierte Institution,
hier ein Zitat zur Diskussion:
Konstantin schaffte die von den Judenchristen geprägte Hausgottesdienste ab und verbot Christen, sich in ihren Häusern zu versammeln. [...]
Sorry, wenn ich keine Ahnung habe, aber für mich wirft schon der erste Satz eine Reihe von Fragen auf:
1. Hat Konstantin tatsächlich Hausgottesdienste abgeschafft?
2. Hat er Christen tatsächlich verboten, sich in ihren Häusern zu versammeln?
3. Falls man die ersten beiden Fragen (mit Quellen belegt) mit "ja" beantworten könnte: Was hat es mit dem Heute zu tun? Sind Hausgottesdienste verboten?

CIC_Fan

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von CIC_Fan »

Zur Zeit in unseren breiten nicht ;D

CIC_Fan

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von CIC_Fan »

Diesen Anpassungsdruck gibt es in allen überzeugten Religionsgemeinschaften egal ob bei kath Tradis mal ist er mehr äußerlich mal mehr geistig

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 19226
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von taddeo »

Tritonus hat geschrieben:
asderrix hat geschrieben:Da die Frage aufkam, was ist besser, freie Gemeinde oder eine straff organisierte Institution,
hier ein Zitat zur Diskussion:
Konstantin schaffte die von den Judenchristen geprägte Hausgottesdienste ab und verbot Christen, sich in ihren Häusern zu versammeln. [...]
Sorry, wenn ich keine Ahnung habe, aber für mich wirft schon der erste Satz eine Reihe von Fragen auf:
1. Hat Konstantin tatsächlich Hausgottesdienste abgeschafft?
2. Hat er Christen tatsächlich verboten, sich in ihren Häusern zu versammeln?
Das würde mich auch interessieren, davon habe ich in fast dreißig Jahren als Theologe noch nie was gehört, trotz Faible für Kirchengeschichte und Liturgik.

Benutzeravatar
Hubertus
Beiträge: 15234
Registriert: Montag 3. Mai 2010, 20:08

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von Hubertus »

asderrix hat geschrieben:Der Wechsel von einer persönliche Hauskirche zu einer unpersönlichen Basilika änderte das ganze Konzept der Gemeinde. Vorher war die Gemeinde eine Familie von Gläubigen, unter Konstantin wurde die Gemeinde zu einem Gebäude, in dem Christen zu christlichen Beobachtern wurden und selbst eine untergeordnete Rolle spielten.
Das scheint auch historisch nicht zu stimmen. Die "Hauskirchen" des 3./4. Jh. waren zwar äußerlich nicht als Kirchen erkennbar, aber das Innere zeigt deutlich mehr Ähnlichkeit mit einem Kirchengebäude als mit den mehr oder weniger improvisierten Orten der Zusammenkunft aus den Zeiten der Urgemeinden:
http://mujweb.cz/architektura/arch1.htm hat geschrieben:Eine der ältesten Hauskirchen, die heute noch bekannt sind, ist die Hauskirche von Dura am Euphrat. Sie entstand im 3. Jahrhundert und zeigt gegenüber den früheren Versammlungssälen bereits wichtige Veränderungen. [...] Während [...] in der Urkirche sich alle rund um den Tisch versammeln konnten, war dies bei größeren Gemeinden nicht mehr möglich. Der Altar blieb wohl auch weiterhin die Mitte des Geschehens, aber es bildete sich eine getrennte Sitzordnung heraus: hier die Geistlichkeit, dort die Gemeinde. [...] [Z]wischen Klerus und Gemeinde [steht] immer der Altar, die eigentliche Mitte der Eucharistiefeier, auf die alle hingerichtet sind.
Auch scheint das von asderrix oben angeführte Zitat eine (aus dieser Sicht) idealisierte Form einer Zusammenkunft darzustellen. Die Quellen hingegen bezeugen jedoch klar, daß auch damals - und selbstverständlich schon von den Anfängen her - die Eucharistiefeier unter dem Vorsitz geweihter Amtsträger stattfand, z.B.:
Ignatius von Antiochien († 107–110) hat geschrieben:Nur jene Eucharistie gelte als die gesetzmäßige, die unter dem Bischof vollzogen wird oder durch den von ihm Beauftragten. Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist. Ohne den Bischof darf man nicht taufen noch das Liebesmahl feiern; aber was immer er für gut findet, das ist auch Gott wohlgefällig, auf dass alles, was geschieht, sicher sei und gesetzmäßig.
oder
Justin der Märtyrer (ca. 110–165) [ebd.] hat geschrieben:Und wenn der Vorsteher Dank dargebracht hat und alle Leute ihre Zustimmung geäußert haben, geben jene, die bei uns Diakone genannt werden, einem jeden der Anwesenden um teilzuhaben am Brot und Wein gemischt mit Wasser, über welchen die Danksagung ausgesprochen war, und zu denen, die abwesend sind, tragen sie einen Teil weg. Und diese Speise wird bei uns Eucharistie genannt, an welcher niemand teilnehmen darf, außer wenn derjenige glaubt, dass die Dinge, welche wir lehren, wahr sind, und wer mit der Taufe zur Vergebung der Sünden gewaschen ist und erneuert ist und wer so lebt, wie Christus es vorgegeben hat. Denn nicht als übliches Brot und übliches Getränk empfangen wir dieses; sondern in gleicher Weise wie Jesus Christus unser Retter, welcher Fleisch wurde als das Wort Gottes und hatte sowohl Fleisch als auch Blut für unsere Errettung, so sind wir in gleicher Weise gelehrt worden, dass die Speise, welche gesegnet ist durch das Gebet Seines Wortes und von der unser Blut und Fleisch durch Umwandlung genährt werden, das Fleisch und Blut von jenem Jesus ist, der Fleisch wurde.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von asderrix »

taddeo hat geschrieben:
Tritonus hat geschrieben:
asderrix hat geschrieben:Da die Frage aufkam, was ist besser, freie Gemeinde oder eine straff organisierte Institution,
hier ein Zitat zur Diskussion:
Konstantin schaffte die von den Judenchristen geprägte Hausgottesdienste ab und verbot Christen, sich in ihren Häusern zu versammeln. [...]
Sorry, wenn ich keine Ahnung habe, aber für mich wirft schon der erste Satz eine Reihe von Fragen auf:
1. Hat Konstantin tatsächlich Hausgottesdienste abgeschafft?
2. Hat er Christen tatsächlich verboten, sich in ihren Häusern zu versammeln?
Das würde mich auch interessieren, davon habe ich in fast dreißig Jahren als Theologe noch nie was gehört, trotz Faible für Kirchengeschichte und Liturgik.
Dazu habe ich zu wenig Ahnung um diese Frage zu beantworten, dass der Übergang von der persönlichen Gemeinschaft unter Mitwirkung vieler in der Zeit, als die Staatskirche entstand festzementiert wurde, dürfte aber korrekt sein.

Die Auseinandersetzung oder das Verbot mit Hausgemeinden scheint mir auch unwahrscheinlich, da ich, mit meinem beschiedenen Geschichtswissen, vermute, die Etablierung der Staatskirche nicht durch Widerstand von Gläubigen gegen diese begleitet wurde, die sich weiter in Hausgemeinden versammeln wollten, oder irre ich.
Die Auseinandersetzung mit Hausgemeinden dürfte erst später begonnen haben, als die Irrungen in der Staatskirche dazu führten, dass es Christen gab, die merkten, dass sie diese Fehlentwicklungen in der Staatskirche nicht korrigieren konnten und deshalb im Gehorsam gegen Gott, diese verlassen wollten, leider ca. 1200 Jahre meist ohne Erfolg.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von Edi »

asderrix hat geschrieben: Die Auseinandersetzung mit Hausgemeinden dürfte erst später begonnen haben, als die Irrungen in der Staatskirche dazu führten, dass es Christen gab, die merkten, dass sie diese Fehlentwicklungen in der Staatskirche nicht korrigieren konnten und deshalb im Gehorsam gegen Gott, diese verlassen wollten, leider ca. 1200 Jahre meist ohne Erfolg.
Ich meine die Hausgemeinden seien im Wesentlichen ein recht neues Phänomen, wenn man mal von denen der Apostelzeit und den Verfolgungszeiten der Christen in Rom absieht. Begründet wird heutzutage die Hausgemeinde u.a. auch damit, daß es eines Tages wiederum Christenverfolgung geben könne und man sich schon vorher darauf einstellen müsse.

Ich selber war ja im Laufe der Zeit in mehreren Hauskreisen, so hat man die genannt, freikirchlichen und evangelischen. Nur haben die sich nach und nach wieder aufgelöst und das nicht nur, weil einige weggezogen sind. Vieles war zu programmhaft in diesen Kreisen. Einer, der so ein Israelfan war, wollte fast nur noch über Israel reden, andere waren Bibelstellenzuzzler, was zum Teil soweit ging, daß man Stellen, die klarer nicht sein könnten auch noch lange erklären musste usw. usw. Auf individuelle Wünsche und Belange ging man kaum ein und das müsste doch gerade in einem Hauskreis am ehesten möglich sein. Ich weiß noch, daß da mal ein Mann dabei war, der Schwierigkeiten im Leben hatte, aber das interesssierte keinen außer mir. Ich habe dem Mann dann zwar etwas geholfen, indem ich ihm eine sehr preisgünstige Unterkunft besorgte, aber am Ende war der leider für geistliche Dinge nicht offen.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Dschungelboy

Re: Berechtigung von Freikirchen

Beitrag von Dschungelboy »

Hier werden meines Erachtens zwei völlig unterschiedliche Sachen durcheinander geworfen.

Zum einen die Hauskirche als "Untergrundkirche", in der Diaspora etc.,, der sehr wohl ein Geistlicher vorsteht und dann die von Laien verantworteten Hauskreise.

Nicht außer Acht dürfen wir wohl auch Luthers "Vision" der Gemeinde derer, die "echte Christen sein" wollen:

Aber die dritte Weise, welche die rechte Art der evangelischen Ordnung haben sollte, dürfte nicht so öffentlich auf dem Platz unter allerlei Volk geschehen.  Sondern diejenigen, die mit Ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit der Tat und dem Munde bekennen, müßten sich mit Namen einzeichen und sich etwa in einem Haufen versammeln zum Gebet, lesen, zu taufen, das Sakrament empfangen und andere christliche Werke zu üben.  In dieser Ordnung könnte man die, welche sich nicht christlich hielten, kennen, strafen, bessern, ausstoßen oder in den Bann tun nach der Regel Christi Matth. 18,15 ff.  Hier könnte man auch ein gemeinsames Almosen auferlegen, das man freiwillig gäbe und nach dem Vorbild des Paulus austeilte (2.  Kor. 9,1).  Hier bedürfte es nicht vieler und großer Gesänge.  Hier könnte man auch Taufe und Sakrament auf eine kurze feine Weise halten und alles aufs Wort und Gebet und auf die Liebe richten.  Hier müßte man einen guten kurzen Unterricht über das Glaubensbekenntnis, die zehn Gebote und das Vaterunser haben.  In Kürze: wenn man die Menschen und Personen hätte, die mit Ernst Christen zu sein begehrten, die Ordnungen und Regeln dafür wären bald gemacht. (Vorrede zur Deutschen Messe 1526)

Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt heißt das wohl, die institutionalisierte Kirche ist für den Normalo-Christen und die "echten Christen" sollen Freikirchen bilden...

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema