Fromme Mathematik

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Galilei hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Die Gleichung für den Menschen lautet also 1 = 1 / (1/2 + 1/2).
Erklär mir bitte noch mal, warum Du die Zerlegung immer in den Nenner setzest. Wären nicht

1 = 1/3 + 1/3 + 1/3

und

1 = 1/2 + 1/2

genauso aussagekräftige und im Sinne von Einfachheit bessere Gleichungen?
In diesen Fälle wären die entsprechenden Formulierungen:

Gott ist die Summe dreier Personen.
Der Mensch ist die Summe zweier Geschlechter.

Mit geht es aber um die Formulierungen:

Gott ist die Einheit aus drei Personen.
Der Mensch ist einer in zwei Geschlechtern.

Du weist im Sinne der Vereinfachung zurecht daraufhin, dass die Summe im Prinzip die Einheit darstellt und dass die Aussage "...ist mehr als die Summe ihrer Teile" mathematisch Unsinn ist.

Der Bruchstrich hebt die Beziehung zwischen dem Ganzen und ihren Teilen deutlicher hervor.

Die Beziehung der Dreifaltigkeit zum Menschen lässt sich auch komplizierter darstellen in der Gleichung:

1 = (1 / (1/3 + 1/3 + 1/3)) / (1 / (1/2 + 1/2))

Benutzeravatar
Galilei
Beiträge: 1144
Registriert: Freitag 8. Januar 2010, 18:21
Wohnort: Bistum Münster

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Galilei »

overkott hat geschrieben:Die Beziehung der Dreifaltigkeit zum Menschen lässt sich auch komplizierter darstellen in der Gleichung:

1 = (1 / (1/3 + 1/3 + 1/3)) / (1 / (1/2 + 1/2))
Was bedeutet diese Gleichung in Worten? :hmm:

Benutzeravatar
Torsten
Beiträge: 6479
Registriert: Dienstag 17. Februar 2004, 02:23

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Torsten »

Galilei hat geschrieben:Was bedeutet diese Gleichung in Worten? :hmm:
Dass bei einer statischen Vorstellung von höchster Einheit und Einfachheit des Seins in 1 jede Beziehung in die Brüche gehen muss.

Benutzeravatar
Torsten
Beiträge: 6479
Registriert: Dienstag 17. Februar 2004, 02:23

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Torsten »

Wie können wir overkott aus dem Brechen und Klammern helfen?

Die höchste Einheit ist nicht Einfachheit des Seins in 1, sondern eine in Primzahlen wachsende Vielfalt aus zwei natürlichen Teilern. Von denen der eine unberührt bleibt und der andere den ersten Schritt zur drei macht.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Galilei hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Die Beziehung der Dreifaltigkeit zum Menschen lässt sich auch komplizierter darstellen in der Gleichung:

1 = (1 / (1/3 + 1/3 + 1/3)) / (1 / (1/2 + 1/2))
Was bedeutet diese Gleichung in Worten? :hmm:
Sie orientiert sich an:

Joh 17,21 Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein...

Allerdings steht in der Gleichung: sind eins.

Wie man mathematisch eine Norm ("sollen") ausdrücken kann und eine Funktion ("damit"), ist mir noch nicht eingefallen.

Benutzeravatar
Robert Ketelhohn
Beiträge: 26022
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26
Wohnort: Velten in der Mark
Kontaktdaten:

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Robert Ketelhohn »

overkott hat geschrieben:Schöpfungsvorgang als Differenzierung der Einheit Gott / Welt
Gut gerahnert. Aus kirchlicher Sicht ist das aber häretische Emanationskacke.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Benutzeravatar
Robert Ketelhohn
Beiträge: 26022
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26
Wohnort: Velten in der Mark
Kontaktdaten:

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Torsten hat geschrieben:
Galilei hat geschrieben:Was bedeutet diese Gleichung in Worten? :hmm:
Dass bei einer statischen Vorstellung von höchster Einheit und Einfachheit des Seins in 1 jede Beziehung in die Brüche gehen muss.
:freude:
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Schöpfungsvorgang als Differenzierung der Einheit Gott / Welt
Gut gerahnert. Aus kirchlicher Sicht ist das aber häretische Emanationskacke.
Du bist zu oberflächlich. Gerade die Differenzierung der Einheit ist eben nicht Emanation, sondern "in der Welt, aber nicht von der Welt" (vgl. Joh 17,14-18).

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Wie stark vereinfacht und ungenau die mathematische Beschreibung von Beziehungen ist, sehen wir daran, wie vielfältig der Teilstrich oder Doppelpunkt übersetzt werden kann mit: durch, von, aus, in, zu.

Andererseits stellt sich die Frage, wie ungenau unsere Sprache ist. Was meinen wir, wenn wir von differenziertem Denken sprechen? Meinen wir dividiertes Denken? Wie hängen Division und Differenz zusammen, wie unterscheiden sie sich? Offenbar betrachten wir bei der Division eher den Teil, während wir bei der Differenz den Nichtteil, also den Rest betrachten. Beispiel: Teilt man das Ganze durch drei, beträgt der Teil ein Drittel, dessen Differenz zum Ganzen zwei Drittel.

Raphael

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Wie stark vereinfacht und ungenau die mathematische Beschreibung von Beziehungen ist, sehen wir daran, wie vielfältig der Teilstrich oder Doppelpunkt übersetzt werden kann mit: durch, von, aus, in, zu.

Andererseits stellt sich die Frage, wie ungenau unsere Sprache ist. Was meinen wir, wenn wir von differenziertem Denken sprechen? Meinen wir dividiertes Denken? Wie hängen Division und Differenz zusammen, wie unterscheiden sie sich? Offenbar betrachten wir bei der Division eher den Teil, während wir bei der Differenz den Nichtteil, also den Rest betrachten. Beispiel: Teilt man das Ganze durch drei, beträgt der Teil ein Drittel, dessen Differenz zum Ganzen zwei Drittel.
Versuchst Du Dich jetzt in der Dekonstruktion der mathematischen Sprache oder willst Du gleich die Sprache an sich als nicht hinreichend sinnhaltig desavouieren? :hae?:

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Wie stark vereinfacht und ungenau die mathematische Beschreibung von Beziehungen ist, sehen wir daran, wie vielfältig der Teilstrich oder Doppelpunkt übersetzt werden kann mit: durch, von, aus, in, zu.

Andererseits stellt sich die Frage, wie ungenau unsere Sprache ist. Was meinen wir, wenn wir von differenziertem Denken sprechen? Meinen wir dividiertes Denken? Wie hängen Division und Differenz zusammen, wie unterscheiden sie sich? Offenbar betrachten wir bei der Division eher den Teil, während wir bei der Differenz den Nichtteil, also den Rest betrachten. Beispiel: Teilt man das Ganze durch drei, beträgt der Teil ein Drittel, dessen Differenz zum Ganzen zwei Drittel.
Versuchst Du Dich jetzt in der Dekonstruktion der mathematischen Sprache oder willst Du gleich die Sprache an sich als nicht hinreichend sinnhaltig desavouieren? :hae?:
Fromme Mathematik ist ein Versuch, komplizierte theologische Ideen einfacher auszudrücken. Dabei muss man aber auch überprüfen, was man mathematisch sagen kann und was nicht. Beim Überprüfen fällt auf, dass wir einfache mathematische basics anwenden, ohne ihren genauen Zusammenhang zu kennen.

Manchmal müssen wir genau überlegen: Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen einer Division und einem Bruch? 1:3 ist zwar kompatibel zu 1/3, aber offenbar nicht dasselbe. Im ersten Fall teilen wir etwa einen Kuchen in drei Stücke, im zweiten Fall sprechen wir von einem Kuchenstück von drei Stücken. Im ersten Fall steht vorne das Ganze, während hinten die Teile stehen, während im zweiten Fall vorne ein Teil und hinten oder unten die Gesamtmenge steht.

Wenn wir jetzt mathematisch das Verhältnis des Seins zu den Seinheiten beschreiben wollen, müssen wir offenbar schreiben:

Sein : Seinheiten

statt

Sein / Seinheiten

oder

Gott : Menschen

statt

Gott / Menschen

Eine weitere Frage ist: Was steht eigentlich auf jeder Seite einer Gleichung?

Rechnung = Ergebnis

Wertmäßig scheinen beide Seiten austauschbar und doch ist

Rechnung = Ergebnis

etwas anderes als

Ergebnis = Rechnung

In zweiten Fall haben wir eine Definition. Wenn wir Gott definieren wollen, schreiben wir

Gott =

Wie aber lautet unsere Rechnung (ceteris paribus) etwa im Hinblick auf die Zeit?

Gott = Zeit + Ewigkeit?

falsch

Gott = Ewigkeit : Zeit oder Gott = Zeit / Ewigkeit

richtig

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Wenn wir also unsern Begriff von Gott verstehen wollen, müssen wir uns die Frage beantworten, auf welcher Seite der Gleichung Gott steht. Ist er das Ergebnis oder Teil der Rechnung? Für Anselm von Canterbury stand fest: Gott ist das Ergebnis bzw. das Prinzip der Definition.

Benutzeravatar
Torsten
Beiträge: 6479
Registriert: Dienstag 17. Februar 2004, 02:23

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Torsten »

>Andererseits stellt sich die Frage, wie ungenau unsere Sprache ist. Was meinen wir, wenn wir von differenziertem Denken sprechen? Meinen wir dividiertes Denken?<

Geteiltes Denken. Nicht aus differenziertem Denken, aus differenzierter Betrachtung.

>Wie hängen Division und Differenz zusammen, wie unterscheiden sie sich? Offenbar betrachten wir bei der Division eher den Teil, während wir bei der Differenz den Nichtteil, also den Rest betrachten.<

Bei der Division entstehen Teile, von welcher jeder für sich gesehen eine Differenz zum Geteilten aufweist, sich nur als ein Teil dessen zeigt. Betrachten wir die Differenz eines Teiles zum Ganzen, dann betrachten wir die anderen Teile, den Rest. Ein "Nichtteil" ist nicht existent.

In Deiner "frommen Mathematik" so scheint es mir, willst Du nichts beweisen. Das wird Dir auch mit den verwirrendsten Gedanken von "dividiertem Denken" und Co. nicht gelingen.

Benutzeravatar
Torsten
Beiträge: 6479
Registriert: Dienstag 17. Februar 2004, 02:23

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Torsten »

>Der Schöpfungsvorgang als Differenzierung der Einheit Gott / Welt = 1 / 1, die weitere Differenzierung der Welt wäre in Finsternis und Licht = 1 / 0,5 + 0,5, usw.

Während die Einheit also immer erhalten bleibt, differenziert sich die Summe 1 des Nenners in immer mehr Summanden. Die Summanden des Nenners tendieren gegen 0 und können sogar beliebig häufig 0 sein.<

Ab der wievielten Stelle hinter dem Komma sollte bei der Differenzierung in immer kleinere Summanden endgültig eine 0 stehen? Bei Dir? Nicht einmal da.
Der Schöpfungsvorgang ist nicht die Differenzierung der höchsten und vollkommensten Einheit 1 (Gott) in die Welt und von dort in immer kleinere Bruchstücke bis zum nichts.
Der Schöpfungsvorgang ist die immer wiederkehrende Aussaat der Ernte zweier natürlicher Teiler.

Merke: Die Existenz von nichts ist ein Widerspruch in sich. Die Existenz von Allem als Gewinn dagegen nicht. Da wird nicht in Summanden gebrochen, sondern geschöpft.

Raphael

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Fromme Mathematik ist ein Versuch, komplizierte theologische Ideen einfacher auszudrücken.
Versuche können noch in Ordnung sein, wenn sie nicht zu einer Destruktion des Sinngehaltes führen!
overkott hat geschrieben:Dabei muss man aber auch überprüfen, was man mathematisch sagen kann und was nicht. Beim Überprüfen fällt auf, dass wir einfache mathematische basics anwenden, ohne ihren genauen Zusammenhang zu kennen.

Manchmal müssen wir genau überlegen: Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen einer Division und einem Bruch? 1:3 ist zwar kompatibel zu 1/3, aber offenbar nicht dasselbe. Im ersten Fall teilen wir etwa einen Kuchen in drei Stücke, im zweiten Fall sprechen wir von einem Kuchenstück von drei Stücken. Im ersten Fall steht vorne das Ganze, während hinten die Teile stehen, während im zweiten Fall vorne ein Teil und hinten oder unten die Gesamtmenge steht.

Wenn wir jetzt mathematisch das Verhältnis des Seins zu den Seinheiten beschreiben wollen, müssen wir offenbar schreiben:

Sein : Seinheiten

statt

Sein / Seinheiten

oder

Gott : Menschen

statt

Gott / Menschen

Eine weitere Frage ist: Was steht eigentlich auf jeder Seite einer Gleichung?

Rechnung = Ergebnis

Wertmäßig scheinen beide Seiten austauschbar und doch ist

Rechnung = Ergebnis

etwas anderes als

Ergebnis = Rechnung

In zweiten Fall haben wir eine Definition. Wenn wir Gott definieren wollen, schreiben wir

Gott =

Wie aber lautet unsere Rechnung (ceteris paribus) etwa im Hinblick auf die Zeit?

Gott = Zeit + Ewigkeit?

falsch

Gott = Ewigkeit : Zeit oder Gott = Zeit / Ewigkeit

richtig
Wenn man nun an diesen Text den jesuitischen Maßstab "Omnia Ad Maiorem Dei Gloriam" anlegt, fällt auf, daß dieser Text Deinerseits Gott klein zu machen versucht - selbst wenn im Folge-Posting noch der Hinweis auf Anselm von Canterbury gemacht wird - und demzufolge dem Maßstab nicht gerecht wird.

Das kann nun daran liegen, daß ich den falschen Maßstab angelegt habe, aber auch daran, daß Dein Text den Gottesbegriff zu einer mathematischen Variable zu reduzieren versucht. Letzteres halte ich für eine verschämte Form der Blasphemie. :daumen-runter:

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Torsten hat geschrieben:>Andererseits stellt sich die Frage, wie ungenau unsere Sprache ist. Was meinen wir, wenn wir von differenziertem Denken sprechen? Meinen wir dividiertes Denken?<

Geteiltes Denken. Nicht aus differenziertem Denken, aus differenzierter Betrachtung.
Ja, einteilendes Denken ist die Rechnung, geteiltes Denken das Ergebnis.
Ein "Nichtteil" ist nicht existent.
Während das Nichtsein nicht existent ist, ist ein Nichtteil schon existent, denn es meint den Rest. Wenn du lieber Rest sagen möchtest, ist das auch ok.
In Deiner "frommen Mathematik" so scheint es mir, willst Du nichts beweisen.
Das ist nur teilweise richtig. Denn meine Grundformel lautet

Gott = Sein

und

Gott = Sein + Nichtsein

Aber daraus folgt auch:

Nichtsein = Sein - Gott ( 0 = 1 - 1 )

Damit ist nichts bewiesen. Dieser mathematische Beweis ist eine mathematische Strukturierung von Begriffen.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Torsten hat geschrieben:>Der Schöpfungsvorgang als Differenzierung der Einheit Gott / Welt = 1 / 1, die weitere Differenzierung der Welt wäre in Finsternis und Licht = 1 / 0,5 + 0,5, usw.

Während die Einheit also immer erhalten bleibt, differenziert sich die Summe 1 des Nenners in immer mehr Summanden. Die Summanden des Nenners tendieren gegen 0 und können sogar beliebig häufig 0 sein.<

Ab der wievielten Stelle hinter dem Komma sollte bei der Differenzierung in immer kleinere Summanden endgültig eine 0 stehen? Bei Dir? Nicht einmal da.
Du kannst belieb häufig nichts hinzufügen. Aber das bringt natürlich nichts.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Torsten hat geschrieben:Der Schöpfungsvorgang ist die immer wiederkehrende Aussaat der Ernte zweier natürlicher Teiler.
Der Schöpfungsgeschichte entsprechend ist der Schöpfungsvorgang Gottes Selbstmitteilung zunächst als Teilung des Seins in ein höheres Sein (Himmel) und ein niederes Sein (Erde).

Gott = Sein

Nach den neueren Überlegungen zu Division und Bruch, die sich zu einander verhalten wie Rechnung und Ergebnis, schreibe ich jetzt aus formalen Gründen:

Gott = Sein : ( höheres Sein + niederes Sein ) ( 1 = 1 : ( 1/2 + 1/2 )

Gott verhält sich wie das Ganze zur Summe seiner Teile.

Die Schöpfung ist also ein Teilungsvorgang, bei dem in Gott alles schon da ist, bevor er es aussprach. So sind bereits alles Tage, als Gott den ersten Tag benannte, wenn auch die übrigen Tage noch nicht benannt waren.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Raphael hat geschrieben:Wenn man nun an diesen Text den jesuitischen Maßstab "Omnia Ad Maiorem Dei Gloriam" anlegt, fällt auf, daß dieser Text Deinerseits Gott klein zu machen versucht - selbst wenn im Folge-Posting noch der Hinweis auf Anselm von Canterbury gemacht wird - und demzufolge dem Maßstab nicht gerecht wird.

Das kann nun daran liegen, daß ich den falschen Maßstab angelegt habe, aber auch daran, daß Dein Text den Gottesbegriff zu einer mathematischen Variable zu reduzieren versucht. Letzteres halte ich für eine verschämte Form der Blasphemie. :daumen-runter:
Es gab in der franziskanischen Geschichte immer Einwände gegen Theologie, weshalb sich der hl. Franziskus genötigt sah den Brief zu schreiben:

Dem Bruder Antonius, meinem Bischof 5, wünsche ich, Bruder Franziskus, alles Gute.
Es gefällt mir, daß du den Brüdern die heilige Theologie vorträgst, wenn du nur nicht durch dieses Studium den Geist des Gebetes und der Hingabe auslöschest, wie es in der Regel 6 steht.

Raphael

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Es gab in der franziskanischen Geschichte immer Einwände gegen Theologie,
Nun, mein Einwand war ja nicht gegen die Theologie im Allgemeinen gerichtet, sondern vielmehr gegen die spezifische Form der "frommen Mathematik", wie Du sie hier vorträgst.
Insbesondere ist IMHO dabei zu beachten, daß das Wort Fleisch geworden ist, während die Zahl das geblieben ist, was sie auch schon vorher war:
Ein abstraktes Ding, welches eine rein quantitative Ordnung der Welt stützt.
overkott hat geschrieben: weshalb sich der hl. Franziskus genötigt sah den Brief zu schreiben:
AFAIK hat der Hl. Franz die Hl. Schrift durchaus wörtlich genommen, was u.a. dazu führte, daß heute noch in den katholischen Familien eine Weihnachtskrippe aufgebaut wird. Er begründete damit eine Sitte, die weit entfernt von irgendwelchen Zahlenspekulationen ist und war.

Deswegen ist meinerseits nicht nachvollziehbar, wieso Du Dich auf die Autorität eines Poverello berufst, um Deine an Kabbalistik erinnernden Zahlenspielereien hier darzulegen. Könntest Du den Zusammenhang freundlicherweise etwas näher ausführen?
overkott hat geschrieben:Dem Bruder Antonius, meinem Bischof 5, wünsche ich, Bruder Franziskus, alles Gute.
Es gefällt mir, daß du den Brüdern die heilige Theologie vorträgst, wenn du nur nicht durch dieses Studium den Geist des Gebetes und der Hingabe auslöschest, wie es in der Regel 6 steht.
Das Christentum kennt sicherlich auch eine Zahlensymbolik.
Robert hatte sie in vergangener Zeit schon zur Kenntnis gebracht:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Die Eins: die Zahl des Urgrunds.
Die Zwei: die Zahl des Gegensatzes.
Die Drei: die Zahl der Vollkommenheit.
Die Vier: die kosmische Zahl.
Die Fünf: die Zahl der Sinne; die Zahl des Teufels.
Die Sechs: die Zahl der Ehe; die Zahl des Menschen.
Die Sieben: die Zahl der Fülle; die Zahl der Sakramente; die siebente Zahl: die Zahl der Stille.
Die Acht: die erste Würfelzahl; die Zahl der Auferstehung und des Neuen Jerusalem.
Die Neun: die Zahl der englischen Ordnungen.
Die Zehn: eine vollkommene Zahl für die Pythagoräer; die Zahl der Weisheit und der Gebote Gottes.
Die Zwölf: die Zahl der Ganzheit.
Die Vierundzwanzig: eine zusammengesetzte Zahl (aus Verdoppelung der Zwölf), nämlich die Zahl der Patriarchen und Apostel.
Die 153: die Dreieckszahl der Siebzehn, deutbar als Zusammensetzung der Zehn und der Sieben.
Die 666: die Zahl des Tieres; auch die Dreieckszahl der 36, die ihrerseits die Quadratzahl der Sechs ist: also eine mehrfache Verstärkung der Sechs.
Das Tausend: Die Zahl der Gesamtheit oder der Unzählbarkeit.
Die 144.000: eine doppelte Verstärkung der Zwölf, durch Quadrierung und Vertausendfachung.
Da geht es jedoch immer um ganze Zahlen, niemals aber um Hälftelungen oder Drittelungen .........
Zuletzt geändert von Raphael am Mittwoch 14. Juli 2010, 16:19, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Juergen
Beiträge: 27029
Registriert: Mittwoch 1. Oktober 2003, 21:43

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Juergen »

DAS KARTENSPIEL (Bruce Low)
Ich fand zur Vesperzeit in einem Dom mich wieder
und setzte mich im Seitenschiff auf eine Holzbank nieder.
Schräg vor mir sass ein Mann, der spielte dort mit Karten!
"Sie müssen damit", sprach ich, "bis nach der Messe warten!"
Der Fremde hob den Kopf und sah mir ins Gesicht:
"Verzeihen Sie, mein Herr, aber ich spiele nicht!
Kommt mit hinaus", sagte er, indem er sich entfernte,
"ich zeig Ihnen, was man von meinen Karten lernt."
Und draussen im Portal, dort, wo es niemand stört,
hat mir der fremde dann sein kartenspiel erklärt.
"Mit jedem ASS", sprach er, "soll ich erinnert werden:
Es gibt nur EINEN Schöpfer des Himmels und der Erden.
DIE ZWEI sagt mir: ZWEI Menschen gab's im Paradies;
Adam und seine Frau, die welche Eva hiess.
Zieh ich die Karte DREI, so heisst das für den Frommen:
DREI heil'ge Könige sind nach Bethlehem gekommen.
VIER Evangelisten, zu uns'res Herren Ruhm,
haben uns gebracht das Evangelium.
FüNF Kieselsteine suchte sich David aus dem Bach,
dann legt' er mit der Schleuder den Goliath er flach.
In SECHS Tagen schwerer Arbeit erschuf sich unser Herr
die Menschen, Tiere, Pflanzen, die Erde und das Meer.
Am SIEBTEN Tage ruhte der liebe Gott sich aus
auf einer kleinen Bank vor seinem gold'nen Haus.
ACHT Menschen, wohlgezählt acht nur, und zwar die Frommen,
sind bei der grossen Sintflut damals nicht umgekommen:
Noah und die drei Söhne, das sind zusammen vier,
und jede ihrer Frau'n. Danach schloss sich die Tür.
NEUN Aussätzige in Israel, bis auf den Tod erkrankt,
haben für ihre Heilung dem Herrn nicht mal gedankt!
ZEHN Gebote Moses den Auserwählten gab,
als er vom Berge Sinai zum Volke stieg hinab.
Ich habe hier vier Buben, ich habe hier vier Damen,
ich habe hier vier Könige, das sind ZWöLF zusammen.
Zwölf Stunden hat der Tag, zwölf Stunden jede Nacht,
zwölf Monate das Jahr: So wird die Zeit gemacht.
Herz, Karo, Pik und Treff, VIER Farben in der Hand:
vier Jahreszeiten färben Wald, Wiese, Feld und Land.
ZWEIUNDFüNFZIG Karten hab' ich in meinem Spiel;
nun zähl im Jahr die Wochen, es sind genausoviel.
Und zählen wir die Punkte, so sind es ohne Frage
DREIHUNDERTFüNFUNDSECHZIG, soviel ein Jahr hat Tage."
"Moment", sagt ich, nachdem ich Papier und Blei genommen,
"ich kann nur auf dreihundert und vierundsechzig kommen".
"Ja", meinte da der Fremde mit einem stillen Lachen.
"Sie dürfen nie die Rechnung ohne den JOKER machen!"
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
- Offline -

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Denken wir Psalm 139, Paulus in der Apostelgeschichte und Anselm mit der ontologischen Gottesdefinition weiter, kommen wir zur Gleichung:

Gott = Sein : ( Summe der Seinheiten )

Seinheit = Einheit / Sein = Teil / Sein = niederes Sein

niederes Sein = Körper + Geist = Substanz + Akzidenzien = Substantiv + Adjektive = Eigenheit + Eigenschaften = Form + Inhalte

Je größer das Sein, desto größer die Summe der Eigenschaften, die Summe der Inhalte.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Ein Synonym für Sein ist Wesen

Sein = Wesen

Im alltäglichen Sprachgebrauch kommt Wesen in den Worten Lebewesen, Anwesen und Unwesen vor.

Wesen meint auch bei einer Person die Persönlichkeit als Summe ihrer Eigenschaften, bei einer Sache ebenfalls ihren Charakter als Summe ihrer Qualitäten, bei einem Gut seine Güte.

Je höher, größer das Wesen, desto größer ist die Summe seiner Eigenschaften, Qualitäten und Güte.

Durch diese Wort- und Werthierarchie wird verständlich:

Gott ist das höchste Wesen mit der größten Güte, dem größten Wert, der größtes Würde, der größten Größe (lat. maiestas).

Weiter stellt sich die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Eigenschaft und Fähigkeit, Sein und Macht, Realität und Potentialität.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Heidegger hat Leben als das Sein zum Tode definiert:

Leben = Sein zum Tode

Daraus folgt: Leben ist nicht das höchste Sein, weil es durch ein Ziel eingeschränkt ist.

Ferner stellt sich die Frage, ob Leben überhaupt ein Sein ist oder vielmehr eine Eigenschaft.

Der allgemeine Sprachgebrauch legt nahe, dass Leben eine Eigenschaft ist, die ein Körper, eine Form hat oder nicht.

Aber mit dem Hinweis auf die universale Konvertierbarkeit der Sprachformen Nomen, Adjektiv, Verb usw. kann man darauf hinweisen, dass eine Eigenschaft ein geistiges Sein ist, eine geistige Form mit eigenen Eigenschaften.

Auch beim Leben findet man die Eigenschaften heraus durch die Frage: Was macht das Leben zum Leben? Was macht das Leben eigen, besonders? Veränderung?

Lebt Wasser, weil es sich verändert, etwa im Hinblick auf den Aggregatszustand?

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Ja, ich glaube schon, dass Bewegung und Veränderung für Leben das entscheidende Kriterium ist. Ich glaube unbewegt und ständig sind Synonyme für ewig. Unbewegte Bewegung und ständige Veränderung sind ewiges Leben.

unbewegte Bewegung = ständige Veränderung = ewiges Leben

Benutzeravatar
Torsten
Beiträge: 6479
Registriert: Dienstag 17. Februar 2004, 02:23

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Torsten »

Leben labt sich am Wasser im Zustand unbewegter Bewegung. Das Wasser formt die Welle, aber es hat sie nicht gemacht. Hielte es an, um zu schauen, woher, es erhielte einen blassen Dunst vom erfrieren. Aber in diesem Moment für ewig keine Veränderung.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 24027
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Niels »

Wasser marsch!

Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Bewegung und Veränderung versteht man nicht nur metaphysisch, sondern auch physikalisch und biologisch etwas unterschiedlich. Naturwissenschaftlich beziehen wir den Begriff Leben quasi auf ein organisches Auto. Typisch für den Begriff Leben scheint eben die relativ selbstständige Mobilität zu ein, die biologische Veränderung durch Werden, Wachsen, Reifen und Vergehen.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

Aber mal wieder zur frommen Mathematik:

Wieviele Mittelpunkte hat die Ewigkeit?

Benutzeravatar
cantus planus
Beiträge: 24273
Registriert: Donnerstag 20. Juli 2006, 16:35
Wohnort: Frankreich: Département Haut-Rhin; Erzbistum Straßburg

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von cantus planus »

overkott hat geschrieben:Wieviele Mittelpunkte hat die Ewigkeit?
Keinen, weil die Ewigkeit nicht meßbar ist. Wäre sie es, könnte es zwangsläufig nur einen geben, wenn es denn der Mittelpunkt sein soll. Da wir aber nicht wissen, wie lang die Ewigkeit wirklich ist, können wir auch nicht den Mittelpunkt bestimmen.
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.

‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von overkott »

cantus planus hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Wieviele Mittelpunkte hat die Ewigkeit?
Keinen, weil die Ewigkeit nicht meßbar ist. Wäre sie es, könnte es zwangsläufig nur einen geben, wenn es denn der Mittelpunkt sein soll. Da wir aber nicht wissen, wie lang die Ewigkeit wirklich ist, können wir auch nicht den Mittelpunkt bestimmen.
Der erste Punkt der Ewigkeit ist ihr Mittelpunkt. Denn von ihm aus gemessen, sind alle Abstände gleich halbewig.

Raphael

Re: Fromme Mathematik

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Heidegger hat Leben als das Sein zum Tode definiert:

Leben = Sein zum Tode

Daraus folgt: Leben ist nicht das höchste Sein, weil es durch ein Ziel eingeschränkt ist.
Nein, daraus folgt nur, daß man sich durch transzendentalphilosophischen Unfug auf falsche Fährten locken lassen kann. Wieso sind eigentlich Bonavent(o)uristen so trittsicher neben dem Pfad? :/

Meines Wissens geht auf Augustinus der Aphorismus zurück, daß der Tod ein Ende ohne Ende ist. Dies trifft den Sinn des Lebens viel genauer als das heidegger'sche Geschwurbel.

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema