...Ausblick
Die Gebetsrichtung bei der hl. Messe ist sicher nicht das Allerwichtigste aber auch keine Nebensache. Man darf auch nicht meinen, mit der Beseitigung der Volksaltäre wären alle Probleme der gegenwärtigen Kirche gelöst.
Aber der Volksaltar ist wie ein Symbol oder wie ein Brennpunkt für
die Krisenerscheinungen unserer Kirche. Erzbischof Eder von Salzburg schreibt: „Der eigentliche Bruch bestand natürlich in der Umdrehung des Altares.
Wenn ich mich um 180° drehe, so ist rechts und links vertauscht. Der Mensch steht dann in der Mitte, nicht mehr Gott.
Die selbst produzierten liturgischen Texte zeigen das rundum. Das
kann nicht gut gehen ... Der Sinn und das Ziel des Menschen liegen
nicht in ihm, sondern darüber. Wenn man das nicht mehr weiß, verliert der Mensch seinen eigentlichen Wert. Der Wert des Menschenlebens war nie so gering wie heute. ‚Genug vom Menschen geredet. Es ist Zeit an Gott zu denken!‘ (Andrej Sinjaroske, er war sieben Jahre im Gulag)“ (Der Fels, 8-9, S. 240).
Nicht nur in der Liturgie, sondern im gesamten christlichen Leben
müssen wir uns wieder neu zum Herrn hin wenden. Das erste Gebot muss in Theologie und Praxis wieder an erster Stelle stehen. Wenn sich alle Christen in ihrem Leben voll und ganz auf Gott ausrichten, dann wird die Kirche neu aufblühen. Dabei spielt aber die rechte Feier der heiligen Liturgie die entscheidende Rolle. Denn „die Liturgie ist der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“
(SC 10).
Der zweithöchste Mann der Kirche, Kardinal Ratzinger, rät:
„Deswegen sollte man die apostolische Tradition der Ostung im Kirchenbau wie im Vollzug der Liturgie unbedingt wieder aufgreifen, wo immer es möglich ist ... Wo die direkte gemeinsame Zuwendung zum Osten nicht möglich ist, kann das Kreuz als der innere Osten des Glaubens dienen. Es sollte in der Mitte des Altares stehen und der gemeinsame Blickpunkt für den Priester und für die betende Gemeinde sein ... Zu den wahrhaft absurden Erscheinungen der letzten Jahrzehnte zähle ich es, dass man das Kreuz auf die Seite stellt, um den Blick für den Priester
freizugeben. Stört das Kreuz bei der Eucharistie? Ist der Priester
wichtiger als der Herr? Diesen Irrtum sollte man so schnell wie möglich korrigieren; das geht ohne neuerliche Umbauten. Der Herr ist der Bezugspunkt.“
...
Trotzdem: ein Umdenken ist zur Zeit unverkennbar und gibt Anlass
zur Hoffnung. Selbst in der liberalen „Süddeutsche Zeitung“ findet man inzwischen schon folgende Erkenntnis: „Man muss kein großer Kirchgänger sein, um zu staunen über das, was da oft sonntags von religiös beschwingten Gurkengruppen am Altar und um ihn herum geleistet wird.
Vor lauter Selbstfeier kann man den aus dem Blick verlieren, dem die Begeisterung eigentlich gelten soll. Wer das ist? Aber dass es Gott ist, das zu sagen, kann sie schon riskieren. Früher wusste man das und hat ihm dadurch Rechnung getragen, dass die Gemeinde und Priester gemeinsam
in eine Richtung sahen: nach Osten, Gottes angestammtem liturgischem Ort. Kaum war das Konzil vorbei, kam über die Kirche ... eine demokratische Verwirrung, die den bisher völlig unbescholtenen Rücken des Pfarrers in den Verdacht brachte, ein Instrument der Volksferne und unchristlichen Überhebung zu sein. Seitdem sieht man sich ins Gesicht, doch an Zeichenhaftigkeit hat die Liturgie so viel eingebüßt, wie sie, zugegebenermaßen, an Leutseligkeit hinzugewann“ (Kolumne „Streiflicht“, 25. 9. 2003).
David Berger schreibt am Ende einer Analyse eines neuen Buches
über die Gebetsrichtung: „Die Tage des Volksaltars scheinen gezählt zu sein“ (DT, 14. 8. 2003)...
Quelle:
www.ik-augsburg.de/schriften/36.pdf