Lutheraner hat geschrieben:
Nein. Du hast es immer noch nicht verstanden: Der "summus episcopus" war eine rein kirchenrechtiche Festlegung, das war kein kirchlich notwendiges Amt.
Gerade darin liegt ja die theologische Grundentscheidung, oder genau genommen gleich mehrere:
1. Es gibt keine Notwendigkeit für das Bischofsamt in ap. Sukzession
2. Die kirchliche Aufsicht kann von einem Laien übernommen werden ohne Weihe.
3. Der Landesfürst hat aufgrund seiner Stellung als weltlicher Herrscher die Befugnis, dieses Amt auszuüben.
Was Du hier als "rein kirchenrechtlich" abtust, hat höchste theologische und ekklesiologische Brisanz.
Damit gibst du aber (endlich) zu, dass die Anglikanische Kirche sich in den USA anfangs aufgrund der engen Verbindung zwischen Staat und kirchlicher Hierarchien nicht ausbreiten konnte.
Sie hatte aufgrund der Bindung an England bis 1784 schlechtere Startbedingungen. Später spielte das aber keine Rolle mehr, denn da kamen andere Faktoren zum Tragen.
Sicher war die Kirche von England eine Staatskirche. Aber eine mit eigener kirchlicher Hierarchie.
Diese Aussage stimmt so pauschal auch nicht. Die Methodisten - als Abspaltung der Anglikanischen Kirche mit lutherischem Amtsverständnis - konnten sich nur wegen ihrer Loslösung vom monarchischen Episkopat in der anglikanischen Form und damit der staatlichen Kontrolle über die Ausbreitung der Kirche in den USA entfalten und dort missionarisch wirken.
Das ist Unsinn. Erstens vermischst Du zwei Dinge miteinander, die nichts direkt miteinander zu tun haben: Monarchischen Episkopat und Staatskirchenwesen. Daß das auch ohne einander geht, haben zahlreiche anglikanische Kirchen außerhalb Englands bewiesen. Und es gibt ja auch gute Beispiele von anglikanischen Kirchen außerhalb Englands, die massiv wuchsen und noch wachsen. Daß Du das alles auf die USA einengen willst, verfälscht nur das Bild. Wenn man auf die weitere Landschaft schaut, sieht man schnell, daß Deine These nicht stimmt.
Diese Tatsache führt doch deinen Vorwurf ad absurdum: denn gerade erst durch Übernahme des lutherischen Amtsverständnisses konnte sich eine englische Kirche in den USA ausbreiten.
Die Methodisten haben kein lutherisches Amtsverständnis. Wie kommst Du denn darauf?
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Richtig. Das war aber einerseits eine spätere Entwicklung und andererseits konnte aufgrund der Unterordnung des Episkopats unter den Papst und nicht unter einen Landesherrn (wie bei der Anglikanischen Kirche) die Ausbreitung der Kirche nicht von einem Staat kontrolliert und verhindert werden.
te="Stephen Dedalus"]
Also jetzt sprichst Du wirklich wirr. Wo bitte konnte denn der Staat in den USA, der von Anfang an (seit der Trennung von England) keine Einflußnahme auf die Kirchen kannte, die Ausbreitung von Kirchen in den USA verhindern? Der englische Staat konnte das seit 1784 jedenfalls nicht mehr...
Deine These ist also, daß die Katholiken in den USA wachsen konnten, weil deren Bischöfe nicht unter staatlicher Kontrolle waren. Die Anglikaner konnten nicht wachsen, weil sie vom Staat kontrolliert wurden? Vielleicht sollte ich Dir historisch nochmal auf die Sprünge helfen und Dir erklären, daß die USA ab 1784 oder so von England unabhängig waren und die Anglikaner in den USA ebenfalls. Das große Wachstum der Freikirchen fand aber erst seit ca. 1820 statt. Hierarchisch gesehen hatten sich die Anglikaner bis dahin längst von der Mutterkirche in England emanzipiert, durch die Weihe der ersten Bischöfe durch die schottische Episkopalkirche bereits 40 Jahre zuvor! Deine These ist historisch also unhaltbar. Daß die Anglikaner in den USA nicht so sehr gewachsen sind wie die anderen Gemeinschaften, muß also andere Gründe gehabt haben. Diese wurden von Dir bisher ignoriert.
Ich weiß ja nicht, woher Dein Haß auf das Bischofsamt kommt. Du scheinst überall zu versuchen, das Bischofsamt für alle möglichen Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen. Das ist natürlich Unsinn.
Von einem Katholiken würde ich mir die von dir vorgebrachten Vorwürfe auch anhören - aber ausgerechnet von einem Anglikaner vorgebracht sind sie einfach nur absurd.
Welche Vorwürfe denn eigentlich? Bleiben wir doch vielleicht einfach mal bei den historisch belegbaren Tatsachen und nicht bei den Wunschvorstellungen...
Tatsache ist, daß die extremste denkbare Form von Staatskirchenwesen, die die Geschichte hervorgebracht hat, die deutschen evangelischen Territorial- und Landeskirchen waren. Und daß Luther dieser Form der Kirchenverfassung schließlich seinen Segen gegeben hat, ist ein Unfall der Kirchengeschichte.