Situation der deutschen Medienlandschaft

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Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 09:59
Die Focus-Kolumne von Jan Fleischhauer:

Selbstbetrug unter Journalisten: Wenn Medien einfach eine Welt erfinden
Die herkömmlichen Medien erreichen die Jugendlichen eben nicht mehr. Die öffentl.-rechtl. Sender sind dort kaum noch präsent und jetzt verabschieden sich auch die Printmedien mit ihren Ausgaben für die Jugendlichen.
Zulauf haben dagegen netflix und spotify.

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Irmgard
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Irmgard »

Caviteño hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 13:03
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 09:59
Die Focus-Kolumne von Jan Fleischhauer:

Selbstbetrug unter Journalisten: Wenn Medien einfach eine Welt erfinden
Die herkömmlichen Medien erreichen die Jugendlichen eben nicht mehr. Die öffentl.-rechtl. Sender sind dort kaum noch präsent und jetzt verabschieden sich auch die Printmedien mit ihren Ausgaben für die Jugendlichen.
Zulauf haben dagegen netflix und spotify.
Das finde ich jetzt nicht überraschend. Die Jugendlichen in Deutschland leben insgesamt vergleichsweise sorgenfrei. Warum sollten Sie sich da in großem Umfang mit Weltgeschehen und Politik beschäftigen. Sorgenloser Konsum halt...

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Juergen
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

Caviteño hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 13:03
Die herkömmlichen Medien erreichen die Jugendlichen eben nicht mehr. Die öffentl.-rechtl. Sender sind dort kaum noch präsent…
Was heißt hier Jugendliche?
Mein Arbeitskollege (Anfang 40) z.B. guckt so gut wie gar kein „normales“ TV mehr. Seine Familie guckt vor allem Streamingdienste (Netflixx, Amazon,…) und teilweise Bezahlsender (Sky, wegen Fußball und so).
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Irmgard hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 17:33
Das finde ich jetzt nicht überraschend. Die Jugendlichen in Deutschland leben insgesamt vergleichsweise sorgenfrei. Warum sollten Sie sich da in großem Umfang mit Weltgeschehen und Politik beschäftigen. Sorgenloser Konsum halt...
Das widerspricht allerdings dann dem Bild, das von den Medien vor allem bei fff gezeichnet wird/wurde:
Jugendliche, die sich um die Zukunft sorgen;
die fürchten, auf einem künftig durch Umwelteinflüsse zerstörten Planeten leben müssen;
die die Aufnahme von "Schutzsuchenden" aktiv unterstützen (Bahnhofsklatscher) usw.

Aber wahrscheinlich kann man so die Fehlentschätzung der Redaktionen von Zeit und Spiegel erklären: Die haben selbst geglaubt, daß das Verhalten der Jugendlichen so ist, wie sie immer schreiben.... Traurig, daß man vom Gegenteil erst dann überzeugt wird, wenn man vermutlich mehrere Millionen versenkt hat.

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ar26
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von ar26 »

Irmgard hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 17:33
Caviteño hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 13:03
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 09:59
Die Focus-Kolumne von Jan Fleischhauer:

Selbstbetrug unter Journalisten: Wenn Medien einfach eine Welt erfinden
Die herkömmlichen Medien erreichen die Jugendlichen eben nicht mehr. Die öffentl.-rechtl. Sender sind dort kaum noch präsent und jetzt verabschieden sich auch die Printmedien mit ihren Ausgaben für die Jugendlichen.
Zulauf haben dagegen netflix und spotify.
Das finde ich jetzt nicht überraschend. Die Jugendlichen in Deutschland leben insgesamt vergleichsweise sorgenfrei. Warum sollten Sie sich da in großem Umfang mit Weltgeschehen und Politik beschäftigen. Sorgenloser Konsum halt...
Also wenn ich Interesse am Weltgeschehen habe, dann wird mir der ÖR nicht helfen. Vieles, was in der Welt passiert, wird dort stiefmütterlich behandelt, sobald es aus dem polit. Raster fällt.
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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Juergen
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

Caviteño hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 00:34
Das widerspricht allerdings dann dem Bild, das von den Medien vor allem bei fff gezeichnet wird/wurde:

Aber wahrscheinlich kann man so die Fehlentschätzung der Redaktionen von Zeit und Spiegel erklären: Die haben selbst geglaubt, daß das Verhalten der Jugendlichen so ist, wie sie immer schreiben.... Traurig, daß man vom Gegenteil erst dann überzeugt wird, wenn man vermutlich mehrere Millionen versenkt hat.
Die Sache ist ganz einfach zu erklären: Die Journalisten erkennen sich selbst wieder. Sie sind selbst vor 20, 30 Jahren gegen Atomkraft, gegen sauren Regen, gegen Startbahn West, gegen… auf die Straße gegangen und hoffen, daß nun FFF mehr Erfolg hat, als sie damals. Deswegen unterstützen sie FFF und schreiben sie größer als sie sind.

Bei FFF gegen ja nicht „die“ Jugendlichen auf die Straße, sondern ein kleiner, elitäre Haufen, während dem großen Rest der Jugendlichen die Sache am Allerwertesten vorbei geht.
Gruß Jürgen

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Irmgard
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Irmgard »

ar26 hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 01:12
Irmgard hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 17:33
Caviteño hat geschrieben:
Samstag 11. Juli 2020, 13:03


Die herkömmlichen Medien erreichen die Jugendlichen eben nicht mehr. Die öffentl.-rechtl. Sender sind dort kaum noch präsent und jetzt verabschieden sich auch die Printmedien mit ihren Ausgaben für die Jugendlichen.
Zulauf haben dagegen netflix und spotify.
Das finde ich jetzt nicht überraschend. Die Jugendlichen in Deutschland leben insgesamt vergleichsweise sorgenfrei. Warum sollten Sie sich da in großem Umfang mit Weltgeschehen und Politik beschäftigen. Sorgenloser Konsum halt...
Also wenn ich Interesse am Weltgeschehen habe, dann wird mir der ÖR nicht helfen. Vieles, was in der Welt passiert, wird dort stiefmütterlich behandelt, sobald es aus dem polit. Raster fällt.
Sagen wir mal so: Tagesschau gucken (wegen mir aus der Mediathek) ist besser als nichts. Und im Vergleich zu Hauptnachrichtensendungen amerikanischer Standardsender auch inhaltlich gar nicht so schlecht. Hoffentlich erwächst daraus dann Interesse, sich anderweitig noch zu beschlauen.

Gruß
Irmgard

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Siard
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Siard »

Juergen hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 09:30

Bei FFF gegen ja nicht „die“ Jugendlichen auf die Straße, sondern ein kleiner, elitäre Haufen, während dem großen Rest der Jugendlichen die Sache am Allerwertesten vorbei geht.
:daumen-rauf:

Irmgard hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 17:10
Sagen wir mal so: Tagesschau gucken (wegen mir aus der Mediathek) ist besser als nichts.
Im Gegenteil, es ist gefährlich.

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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi »

Siard hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 17:24
Juergen hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 09:30

Bei FFF gegen ja nicht „die“ Jugendlichen auf die Straße, sondern ein kleiner, elitäre Haufen, während dem großen Rest der Jugendlichen die Sache am Allerwertesten vorbei geht.
:daumen-rauf:

Irmgard hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 17:10
Sagen wir mal so: Tagesschau gucken (wegen mir aus der Mediathek) ist besser als nichts.
Im Gegenteil, es ist gefährlich.
Jedenfalls wird man einseitig informiert. Übrigens bestätigen das auch Medienwissenschaftler.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Juergen
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

Edi hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 18:25
Jedenfalls wird man einseitig informiert. Übrigens bestätigen das auch Medienwissenschaftler.
Das bleibt nicht aus, da die große Mehrheit der Journalisten links/grün ist.
NZZ vom 08. November 2018 hat geschrieben: Das Herz des deutschen Journalisten schlägt links

Neutralen Journalismus gibt es kaum. Das fängt bei der Themenwahl an und endet beim Kommentar. In der Politikberichterstattung scheint das Phänomen jedoch besonders virulent zu sein, denn bei der Parteinähe haben deutsche Journalisten stark andere Präferenzen als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Gruß Jürgen

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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi »

Links/grüne Journalistenmehrheit, das hat vor rund zehn Jahren schon der bekannte christliche Journalist Liminski vom DLF festgestellt.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
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die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

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Irmgard
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Irmgard »

Edi hat geschrieben:Jedenfalls wird man einseitig informiert. Übrigens bestätigen das auch Medienwissenschaftler.
Welche Medienwissenschaftler sind das denn? Gibt es da eine Quelle?

Einseitig informiert, mag ja sein. Ich bleibe aber bei: besser als gar nichts.

Gruß
Irmgard

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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi »

Irmgard hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 19:52
Edi hat geschrieben:Jedenfalls wird man einseitig informiert. Übrigens bestätigen das auch Medienwissenschaftler.
Welche Medienwissenschaftler sind das denn? Gibt es da eine Quelle?

Einseitig informiert, mag ja sein. Ich bleibe aber bei: besser als gar nichts.

Gruß
Irmgard
Norbert Bolz hat sich schon oft zu dem Thema geäussert anhand von Untersuchungen, die er oder andere gemacht haben.
https://www.youtube.com/watch?v=E9J_mzUHz4s
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
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der Irrtum findet immer freie Bahn,
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Irmgard
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Irmgard »

Edi hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 19:56
Irmgard hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 19:52
Edi hat geschrieben:Jedenfalls wird man einseitig informiert. Übrigens bestätigen das auch Medienwissenschaftler.
Welche Medienwissenschaftler sind das denn? Gibt es da eine Quelle?

Einseitig informiert, mag ja sein. Ich bleibe aber bei: besser als gar nichts.

Gruß
Irmgard
Norbert Bolz hat sich schon oft zu dem Thema geäussert anhand von Untersuchungen, die er oder andere gemacht haben.
https://www.youtube.com/watch?v=E9J_mzUHz4s
I see, auch wenn ich die Ansichten des Herrn zur Familienpolitik nicht teile.
Ich sage es mal so: irgendwo muss man mit der Informationsbeschaffung ja mal anfangen. Dass dazu in Deutschland ein Medium nicht ausreicht, das ist so. Ich pflege auch regelmäßig ausländische Quellen zu lesen. Ich lese/höre sogar alternative Medien. Da wundere ich mich allerdings am meisten, insbesondere über das Rühren im eigenen Sumpf.

Gruß
Irmgard

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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi »

Irmgard hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 23:11
Edi hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 19:56
Irmgard hat geschrieben:
Sonntag 12. Juli 2020, 19:52


Welche Medienwissenschaftler sind das denn? Gibt es da eine Quelle?

Einseitig informiert, mag ja sein. Ich bleibe aber bei: besser als gar nichts.

Gruß
Irmgard
Norbert Bolz hat sich schon oft zu dem Thema geäussert anhand von Untersuchungen, die er oder andere gemacht haben.
https://www.youtube.com/watch?v=E9J_mzUHz4s
I see, auch wenn ich die Ansichten des Herrn zur Familienpolitik nicht teile.
Ich sage es mal so: irgendwo muss man mit der Informationsbeschaffung ja mal anfangen. Dass dazu in Deutschland ein Medium nicht ausreicht, das ist so. Ich pflege auch regelmäßig ausländische Quellen zu lesen. Ich lese/höre sogar alternative Medien. Da wundere ich mich allerdings am meisten, insbesondere über das Rühren im eigenen Sumpf.

Gruß
Irmgard
Jetzt hast du ja immerhin bestätigt, dass die Tagesschau nicht ausreicht bzw. nur einseitig informiert. Wenn man mal einige Fälle aus der Vergangenheit herausgreift wie den des ehemaligen CDU-Abgeordneten Hohmann und betrachtet wie einseitig da informiert und kommentiert wurde, dann muss man ja merken wie die meisten Medien hierzulande ticken. Damals war es m.W. nur die FAZ, die eine ausgewogenere Berichterstattung über diesen Fall an den Tag legte.
Die im Privatbesitz stehenden Medien sind Firmen, die auch eigene Interessen haben (Inserate) und daher Rücksicht nehmen auf ihre Inserenten. Schon allein deswegen werden sie nicht alles berichten. Bei den ÖR sind politische Einflüsse da. Da sitzen in den Gremien auch viele Politiker.
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Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Edi hat geschrieben:
Montag 13. Juli 2020, 08:31
Die im Privatbesitz stehenden Medien sind Firmen, die auch eigene Interessen haben (Inserate) und daher Rücksicht nehmen auf ihre Inserenten. Schon allein deswegen werden sie nicht alles berichten. Bei den ÖR sind politische Einflüsse da. Da sitzen in den Gremien auch viele Politiker.
Privatbesitz ist gut.... :D
Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) ist die Redaktion für überregionale Inhalte der Verlagsgesellschaft Madsack in Hannover. Deren größte Kommanditistin ist die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, das Medienbeteiligungsunternehmen der SPD.
Das RND wurde 2013 gegründet. Es versorgt nach eigenen Angaben „mehr als 50 Tageszeitungen mit einer täglichen Gesamtauflage von mehr als 2,3 Mio. Exemplaren“ mit überregionalen Inhalten. Das RND erreicht damit nach eigenen Angaben „täglich etwa 7 Millionen Leser“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Redaktion ... eutschland

s.a. Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft

Roland Tichy hat sich vor einem Jahr einmal mit dem Medienimperium der SPD beschäftigt und dabei auch ein Zitat von Inge Wettig-Danielmeier ausgegraben:
"Auch dort, wo wir nur 30 oder 40 Prozent haben,kann in der Regel nichts ohne uns passieren.“
https://cuvillier.de/uploads/preview/pu ... 278843.pdf

Das Problem der Medienbeteiligung der politischen Parteien ist natürlich seit Jahrzehnten bekannt und wurde immer mal diskutiert, wie die oben verlinkte Untersuchung zeigt. Geändert hat sich nichts.
Selbst wenn Zeitungen oder Zeitschriften formal unabhängig sind, liegen sie doch auf "Regierungslinie". Man denke an den Fall Relotius beim "Sturmgeschütz der Demokratie" - weil es paßte, wurde es ohne Überprüfung gedruckt.

Kann es da wirklich verwundern, wenn sich immer Bürger mit Grausen abwenden, auf den Medienkonsum von Zeitungen und/oder ÖR verzichten und sich netflix & Co zuwenden?

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Raphael
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Caviteño hat geschrieben:
Montag 13. Juli 2020, 10:05
Roland Tichy hat sich vor einem Jahr einmal mit dem Medienimperium der SPD beschäftigt und dabei auch ein Zitat von Inge Wettig-Danielmeier ausgegraben:
"Auch dort, wo wir nur 30 oder 40 Prozent haben,kann in der Regel nichts ohne uns passieren.“
https://cuvillier.de/uploads/preview/pu ... 278843.pdf
Angesichts des Medienimperiums der SPD ist es allerdings verwunderlich, daß die SPD nun mit der Einstelligkeit zu kämpfen hat. :umkuck:
Wenn der mediale Einfluß tatsächlich so groß wäre, wie man vermuten darf, dann hätte die SPD nicht von ihren 40% zu Brandts Zeiten abstürzen dürfen.

Oder aber:
Das SPD-Medienimperium macht Stimmung für die Grünen! :maske:

Oder aber:
Die Bürger sind durch Medien weniger manipulierbar als dies die Spin-Doktoren in den Parteien sich das erhoffen. :emil:
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Raphael hat geschrieben:
Montag 13. Juli 2020, 10:30
Angesichts des Medienimperiums der SPD ist es allerdings verwunderlich, daß die SPD nun mit der Einstelligkeit zu kämpfen hat. :umkuck:
Wenn der mediale Einfluß tatsächlich so groß wäre, wie man vermuten darf, dann hätte die SPD nicht von ihren 40% zu Brandts Zeiten abstürzen dürfen.

Oder aber:
Das SPD-Medienimperium macht Stimmung für die Grünen! :maske:

Oder aber:
Die Bürger sind durch Medien weniger manipulierbar als dies die Spin-Doktoren in den Parteien sich das erhoffen. :emil:
Oder aber:
Es fehlt der SPD an charismatischen Kandidaten. Ein Willy Brandt, Helmut Schmidt oder selbst ein Gerhard Schröder ist nirgendwo sichtbar. Ein Blick auf die Riege der farblosen SPD-Ministerpräsidenten reicht dazu und selbst die beiden Minister in den "klassischen" Ministerien (Scholz und Maas) drängen sich nicht als Kanzler auf - von den beiden SPD-Vorsitzenden bzw. dem Fraktionsvorsitzenden (wie heißt der eigentlich?) reden wir besser erst gar nicht. :traurigtaps:

Schröder erreichte 1998 mit knapp 41% mehr Stimmen als die Union und lag auch 2004 gleichauf mit der Union. Selbst 2005 siegte die Union nur denkbar knapp mit 35,2% zu 34,2% (SPD).
Der Niedergang setzte danach ein und ist bei den "Kanzlerkandidaten" auch kein Wunder:
2009 = 23% - Steinmeier
2013 = 25,7% - Gabriel
2017 = 20,5% - Schulz

Das ein zugkräftiger Kandidat Stimmen sammeln kann, sieht man in meiner Heimatstadt. Dort hat der SPD-OB beim letzten Mal ein Traumergebnis über 67% erzielt, während seine Partei nur 50% erreichte.

Aus gutem Grund lautete ein Wahlslogan der Union früher: "Auf den Kanzler kommt es an!" Wenn man da keinen geeigneten Kandidaten hat, kann auch die "beste Presse" keinen backen...

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Raphael
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Zum Thema "Deutscher Qualitätsjournalismus" las ich heute morgen: :kugel: :kugel: :kugel:
Warum die junge Generation Staatsschulden nicht fürchten muss
Die Schuldenlast ist für die junge Generation als Ganzes kein Problem. Denn sie erbt nicht nur die Schulden des Staates, sondern auch die Forderungen an ihn.
(Quelle)

Wer findet den Fehler? :detektiv:
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
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Protasius
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Protasius »

Raphael hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 07:33
Zum Thema "Deutscher Qualitätsjournalismus" las ich heute morgen: :kugel: :kugel: :kugel:
Warum die junge Generation Staatsschulden nicht fürchten muss
Die Schuldenlast ist für die junge Generation als Ganzes kein Problem. Denn sie erbt nicht nur die Schulden des Staates, sondern auch die Forderungen an ihn.
(Quelle)

Wer findet den Fehler? :detektiv:
Ich kann zwar nur ein kurzes Stück des Artikels lesen, aber wer ist denn so unbeleckt in Buchhaltung, daß er nicht weiß, daß Forderungen an den Staat Schulden sind; und wer ist bei derartiger Unwissenheit noch so dämlich das im Handelsblatt der breiten Öffentlichkeit mit eigenem Namen kundzutun?
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Protasius hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 08:18
Raphael hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 07:33
Zum Thema "Deutscher Qualitätsjournalismus" las ich heute morgen: :kugel: :kugel: :kugel:
Warum die junge Generation Staatsschulden nicht fürchten muss
Die Schuldenlast ist für die junge Generation als Ganzes kein Problem. Denn sie erbt nicht nur die Schulden des Staates, sondern auch die Forderungen an ihn.
(Quelle)

Wer findet den Fehler? :detektiv:
Ich kann zwar nur ein kurzes Stück des Artikels lesen, aber wer ist denn so unbeleckt in Buchhaltung, daß er nicht weiß, daß Forderungen an den Staat Schulden sind; und wer ist bei derartiger Unwissenheit noch so dämlich das im Handelsblatt der breiten Öffentlichkeit mit eigenem Namen kundzutun?
Bingo! :daumen-rauf:

Wenn der Herr Professor geschrieben hätte "Denn sie erbt nicht nur die Schulden des Staates, sondern auch die Forderungen von ihm." hätte er recht und ich keinen Spaß gehabt! :emil:

Das ist übrigens der eine von den zwei Autoren:
Bild
weitere Infos
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Raphael hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 08:26
Protasius hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 08:18
Raphael hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 07:33
Zum Thema "Deutscher Qualitätsjournalismus" las ich heute morgen: :kugel: :kugel: :kugel:
(Quelle)
Wer findet den Fehler? :detektiv:
Ich kann zwar nur ein kurzes Stück des Artikels lesen, aber wer ist denn so unbeleckt in Buchhaltung, daß er nicht weiß, daß Forderungen an den Staat Schulden sind; und wer ist bei derartiger Unwissenheit noch so dämlich das im Handelsblatt der breiten Öffentlichkeit mit eigenem Namen kundzutun?
Bingo! :daumen-rauf:
Wenn der Herr Professor geschrieben hätte "Denn sie erbt nicht nur die Schulden des Staates, sondern auch die Forderungen von ihm." hätte er recht und ich keinen Spaß gehabt! :emil:
Ich habe den Artikel nicht gelesen und werde es auch nicht tun, aber ihr habt offenkundig die Aussage des Anreißers – die völlig logisch ist – nicht begriffen. (Ob die Rechnung der Autoren in der Realität aufgeht, ist ein anderes Thema.)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 09:19
Ich habe den Artikel nicht gelesen und werde es auch nicht tun, aber ihr habt offenkundig die Aussage des Anreißers – die völlig logisch ist – nicht begriffen. (Ob die Rechnung der Autoren in der Realität aufgeht, ist ein anderes Thema.)
Die Darlegung von derlei Logik täte mich 'mal interessieren! :hmm:
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Das Volk Schuldner und Gläubiger zugleich = Nullsummenspiel.

In der Realität geht die Rechnung natürlich nicht auf, weil das Volk selber nur zum allergeringsten Teile Gläubiger ist. Vielmehr ist der Gläubiger die supranationale Großfinanz.
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 09:40
Das Volk Schuldner und Gläubiger zugleich = Nullsummenspiel.

In der Realität geht die Rechnung natürlich nicht auf, weil das Volk selber nur zum allergeringsten Teile Gläubiger ist. Vielmehr ist der Gläubiger die supranationale Großfinanz.
Wie Du selber feststellst:
Die Rechtspersönlichkeiten von Schuldner und Gläubigern klaffen eklatant auseinander.

Daher handelt es sich keineswegs um eine logische Einlassung des Herrn Professor, sondern um Volksverarschung im Gewande der Wissenschaftlichkeit. :daumen-runter:
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 09:40
Das Volk Schuldner und Gläubiger zugleich = Nullsummenspiel.

In der Realität geht die Rechnung natürlich nicht auf, weil das Volk selber nur zum allergeringsten Teile Gläubiger ist. Vielmehr ist der Gläubiger die supranationale Großfinanz.
Der Hauptgläubiger deutscher Staatsschulden ist die EZB bzw. die Bundesbank, die die Staatsanleihen kaufen muß. Sie hat bereits fast ein Drittel der Staatsanleihen erworben.

https://www.nzz.ch/wirtschaft/die-bunde ... duced=true

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.4897615

Ein anderer großer Gläubiger ist die Schweizer Nationalbank. Sie hat ihre 700 Mrden CHF Devisenreserven wie folgt angelegt:
Die SNB hatte Ende 2019 etwa 70 Prozent ihrer Devisenreserven sicher in Staatsanleihen mit im Schnitt 4,7 Jahren Restlaufzeit gesteckt und davon etwa zwei Drittel in solche mit der höchsten Bonitätsnote von Triple-A. Da kommen nur die Schweiz selber sowie Deutschland, Niederlande und Luxemburg infrage.
https://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage ... 90220.html

Damit hielte die SNB ca. 40 - 45% ihrer Devisenreserven in Staatsanleihen aus D. und den NL - also ca 300 Mrden CHF.

Die "Großfinanz" stößt doch schon seit Jahren ihre Staatsanleihen ab, weil diese -jedenfalls bei Gläubigern mit guter Bonität- keine Zinsen mehr abwerfen und sogar ein Minusgeschäft sind. Käufer sind inzwischen die Zentralbanken der Eurozone.
Große Kapitalsammelstellen, wie z.B. Munich Re oder die Schweizer Pensionskassen horten Bargeld und Gold - das ist im Augenblick preiswerter als Staatsanleihen zu halten, die nur eine Negativrendite abwerfen.

https://www.handelszeitung.ch/unternehm ... re-1025111

https://www.fuw.ch/article/nmtm-flucht- ... etsel-auf/

Nicht umsonst boomt die Nachfrage nach Tresoren und Schließfächern und vor allem bankenunabhängige Schließfächer erfreuen sich großer Beliebtheit.

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Raphael
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Genau DAS beschreibt das derzeit herrschende staatskapitalistische System! :pirat:

Es unterscheidet sich von der Planwirtschaft dadurch, daß keine 5-Jahres-Pläne gemacht werden, sondern ständig "auf Sicht" gefahren wird. Ad-hoc-Entscheidungen ersetzen die wirtschaftspolitische Strategie.
Von

O r d n u n g s p o l i t i k

kann nicht mehr die Rede sein, selbst wenn man diesen Begriff rein auf die Ökonomie beziehen würde.

Die Zügel fest in der Hand halten vordergründig die politischen Entscheidungsträger, die tlw. nicht demokratisch legitimiert wurden (Wurde die Ursel aus NS vom Souverän gewählt? :detektiv: ), deren Maßstab die politische Opportunität nicht aber das Wohl des Volkes ist.
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Raphael hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 12:38
Genau DAS beschreibt das derzeit herrschende staatskapitalistische System! :pirat:

Es unterscheidet sich von der Planwirtschaft dadurch, daß keine 5-Jahres-Pläne gemacht werden, sondern ständig "auf Sicht" gefahren wird. Ad-hoc-Entscheidungen ersetzen die wirtschaftspolitische Strategie.
Was soll man denn schon erwarten?
D. wird seit 15 Jahren von einer Kanzlerin regiert, die im Sozialismus aufgewachsen ist und die noch immer mit der Marktwirtschaft fremdelt. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn nicht zwei weitere Punkte hinzukämen:
- die Journalisten und die Medien träumen auch weitgehend von einem sozialen, grünen Staat, der die Wirtschaft in die "richtige Richtung lenkt" und - viel entscheidender:
- die EU, die in wirtschaftlichen Fragen die Richtung vorgibt, hofiert die französische (und südeuropäische) Vorstellung eines starken Staates und -leider- einer schwachen Währung, um Exporte zu fördern.

Planwirtschaft haben wir ganz ausgeprägt in der Energiewirtschaft - die immensen Kosten sind bekannt. In der Planwirtschaft der DDR wäre eine solche Pleite vermutlich nicht passiert. Auch das neue Steckenpferd der Regierung, Digitalisierung und Cloud "mit europäischen Werten beim Datenschutz" scheint zu scheitern, weil man sich vor der großmäuligen Ankündigung nicht die Fakten anschaute, sondern Altmaier vom Projekt GAIA-X als "moonshot" schwafelte. Bei aller Begeisterung hatte er übersehen, daß man nicht nur software, sondern auch hardware braucht....
Doch wie sich zeigt, hat die Initiative einen blinden Fleck: die Abhängigkeit Europas von Hardware aus dem Ausland. Das Projekt macht den Unternehmen, die Gaia-fähige Cloud-Angebote machen, keine Vorgaben darüber, welche Arten von Servern und Routern sie verwenden dürfen.
(...)
Eine rein technische Überprüfung der Komponenten sei nicht ausreichend, da bei vielen Teilen Fernwartung erforderlich sei, bei der ein Betreiber eines Funknetzes oder einer Cloud auf die Zusammenarbeit mit dem Hersteller angewiesen sei.
(...)
Europäische Firmen spielen kaum eine Rolle in der Herstellung von Servern (siehe Grafik). Mit Abstand
dominieren die beiden US-Konzerne Dell und Hewlett-Packard Enterprise das Geschäft mit den Großrechnern. Auf Platz drei folgt die chinesische Inspur-Gruppe, der die US-Regierung enge Beziehungen zum chinesischen Militär vorwirft.
https://www.handelsblatt.com/politik/de ... 99528.html

Wahrscheinlich wird das Projekt genauso enden wie zahlreiche groß angekündigte Projekte davor, z.B. Desertec oder Quaero. Zur Erinnerung: Das sollte die "europäische" Antwort auf google sein. Es wurde im April 2005 von Chirac und Schröder bekanntgegeben und dann im Dezember 2006 - also 20 Monate später beerdigt... :D

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Protasius
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Protasius »

Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 14. Juli 2020, 14:41
Wahrscheinlich wird das Projekt genauso enden wie zahlreiche groß angekündigte Projekte davor, z.B. Desertec oder Quaero. Zur Erinnerung: Das sollte die "europäische" Antwort auf google sein. Es wurde im April 2005 von Chirac und Schröder bekanntgegeben und dann im Dezember 2006 - also 20 Monate später beerdigt... :D
Das ist auch ein schönes Beispiel dafür, daß die Leute keine Ahnung von dem haben, was sie beschließen. Es gibt bereits seit den 1996 (ein Jahr vor der Gründung von Google) eine deutsche Suchmaschine, nämlich MetaGer.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

Zurück in die Zukunft mit der Suchfunktion auf der Webseite des WDR:

Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Die EU hat sich - so steht es in den deutschen Medien - auf ein Hilfspaket iHv 750 Mrden €(!) geeinigt. Man muß aber die Westpresse lesen, um die tatsächlichen Zahlen zu kennen:
Es bleibt dabei, dass die EU-Kommission die 750 Mrd. € (in Preisen des Jahres 2018) auf dem Kapitalmarkt finanzieren wird.
(...)
In laufenden Preisen – also inklusive der erwarteten Inflation – würde dies nach Prognose der Commerzbank (CBK 4.671 0.86%) rund 800 Mrd. € entsprechen.
Zusammen mit den bereits beschlos­senen 100 Mrd. € aus dem Sure-Programm – es dient zur Finanzierung von nationalen Kurzarbeitplänen – wird die EU-Kommission damit 900 Mrd. € an Anleihen emittieren. Sie wird damit erstmalig der grösste Emittent unter den EU-Institutionen und übertrifft selbst die Europäische Entwicklungsbank (EIB).
Ein historischer Schritt für die EU

Also 750 Mrden € in den Preisen von vor zwei Jahren - da kommt dann die angeblich nicht vorhandene Inflation als Sahnehäubchen oben drauf - und wahrscheinlich wird man sich nicht an die amtlichen Zahlen halten.

Hand aufs Herz: Wer von den Foranten weiß sofort, um was es sich beim Sure-Programm handelt? Dieser Einstieg in die vergemeinschaftete Arbeitslosenversicherung wurde von Scholz & Co ebenfalls während des Corona-Hypes still und leise beschlossen.

Daß die Schulden von der EU aufgenommen werden, wird ebenfalls kaum erwähnt. Bisher war so etwas nicht erlaubt - aber was interessiert das die Poliker. Legal, illegal - sch..egal.... ist die Devise.
Zwar soll nur jedes Land entsprechend des üblichen Verteilungsschlüssels haften - aber glaubt jemand ernsthaft, daß das bei Ausfall eines der Südländer auch gilt? :D
Ach so: Warum wurden die Schulden, wenn jedes Land nur beschränkt haftet, nicht von den einzelnen Ländern aufgenommen? Weil IT & Co schon bis zur Halskrause verschuldet sind. Zusätzliche Schulden wären auf dem Kapitalmarkt nicht gut angekommen - da doch besser ein neuer Schuldner, für den im Endeffekt D. als Bürge geradesteht... :kotz: :traurigtaps:

Während deutsche Medien sonst beim Aussterben jeden Käfers ein Geschrei erheben, wird diese Belastung künftiger Generationen nicht thematisiert. Schon klar, wer glaubt "Europa (gemeint ist die EU) ist unsere Zukunft" wird an diesen Beschlüssen auch kaum Kritik üben, gehen sie doch (angeblich) in die richtige Richtung.

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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi »

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 22. Juli 2020, 06:20
Die EU hat sich - so steht es in den deutschen Medien - auf ein Hilfspaket iHv 750 Mrden €(!) geeinigt.
Daß die Schulden von der EU aufgenommen werden, wird ebenfalls kaum erwähnt. Bisher war so etwas nicht erlaubt - aber was interessiert das die Poliker. Legal, illegal - sch..egal.... ist die Devise.
Man liest auch nichts drüber wie hoch die eigentlich unerlaubten Kredite an die EU verzinst werden sollen, die bis 2058 zurückgezahlt werden müssen, also in rund 40 Jahren. In dieser langen Zeit gibt es ja auch Inflation, am Ende wird dadurch auch schon ein Teil der Summe sozusagen getilgt. Je höher die Inflation wird, umso besser für die Tilgung falls nicht vorher etwas anderes dazwischen kommt.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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