Situation der deutschen Medienlandschaft

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Juergen
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 31. Dezember 2019, 23:45
Juergen hat geschrieben:
Dienstag 31. Dezember 2019, 20:09
Ferner ist der Umgang mit der Kritik falsch. Diese muß man einfach mal aushalten, sonst wird man von der Scheiße-Sturm-Gemeinschaft vor sich hergetrieben.
Ob das in diesem Fall möglich gewesen wäre, da habe ich allerdings meine Zweifel. Als Begründung darauf zu verweisen, daß nur Omas gemeint sind, die im Hühnerstall Motorrad fahren - das erscheint mir doch ziemlich abwegig und hätte vermutlich die Kritik nur noch verstärkt.
Da ist schon besser, wenn man einen Fehler eingesteht und auch Konsequenzen zieht.
Erst dann, wenn die Leute, die so ein Theater in sozialen Netzwerken machen, merken, daß sie nichts ausrichten, verstummen sie.

Das erinnert an einen Fall vor ein paar Jahren, als es einen Scheiße-Sturm gegen die Verpackung eines Produktes gab. Der Hersteller hat mit einem Satz darauf reagiert: „Ihr braucht unser Produkt ja nicht zu kaufen“.
Kurz darauf war Ruhe, weil die Leute gemerkt haben, daß sie mit ihrem Theater nichts ausrichten können.
Die Verpackung wurde nicht geändert und der Hersteller ist auch nicht daran bankrott gegangen.

Der Verweis auf die Gebühren zieht nicht recht. Das Geld wird bei den Sendern zum Fenster raus geworfen und es ist prinzipiell egal, aus welchem Fenster.
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Juergen
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

Aus einem längeren, lesenswerten Artikel:
Affäre Umweltsau: Das Fass und der Tropfen

Manchmal genügt eine Kleinigkeit und ein System kracht zusammen. Niemand versteht dann, wie es passieren konnte, dass ein für sich genommen minimales Ereignis so eine große Wirkung entfaltet.

Die Kritiker behaupten, es gehe ihnen um ihre Omas. Das ist natürlich Quatsch. So könnten nur Leute pseudoargumentieren, die sich bei jedem nicht von der Goldwaage fallenden Wort berufsbeleidigt fühlen. Also Gender-Gagas, militante Müslis und andere Links- und Rechtsidentitäre. Aber die meisten Kritiker sind normale Menschen, die normalerweise eben nicht berufsbeleidigt sind, sondern eher mal alle Fünfe gerade sein und leben und leben lassen.

Warum also reihen sich jetzt auch normale Leute bei den Oma-Empörten ein und benehmen sich wie sonst nur die Angehörigen der populistischen Megasekten? Ganz einfach: Die Oma-Emörung gibt ihnen die Gelegenheit, das Fass aufzumachen, das schon lange bis zur Oberkante voll ist. Die Gelegenheit, die identitären Wortklauber mit der eigenen Waffe zu packen, indem man so tut, als werde die Oma beleidigt, was aber nicht der Fall ist, sich als Empörungsmuster aber anbietet, um das System des öffentlichen Rundfunks mit all seinen Begleiterscheinungen aufs Korn zu bekommen.

Aber die Heftigkeit, mit der die #Umweltsau beim WDR einschlug, dürfte die Damen und Herren alarmiert haben – und die Kritiker motivieren, fortzufahren.

Denn die Debatte ist überfällig. Seit Jahrzehnten. Und je länger sie noch verschoben wird, desto offensichtlicher und tiefer werden die Widersprüche, desto schwieriger wird es, sie zu überdecken und desto heftiger wird es am Ende ausgehen.

Und die Debatte dreht sich irgendwann auch nicht mehr um die Frage, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu reformieren wäre, sondern ob seine Reform überhaupt möglich ist oder ob er nicht komplett abgeschafft werden müsste.

Wenn es nicht jetzt schon zu spät ist.
Gruß Jürgen

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Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Das hohe Lohnniveau beim öffentl.-rechtl. Rundfunk ist immer wieder Thema. Im Dezember 2019 wurden die Tarifverhandlungen beim WDR abgeschlossen:
Festangestellte Mitarbeiter*innen erhalten rückwirkend ab 1.4.2019 eine Tarifsteigerung von 2,25% sowie von jeweils 2,25% ab 1.4.2020 und 1.4.2021. Hinzu kommen eine Einmalzahlung von 900 Euro (Auszahlung Ende Dezember 2019, Umwandlung der angekündigten Abschlagszahlung) sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro (Auszahlung im Juni 2020, enthält die nachträgliche Anpassung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld 2019). Für Arbeitnehmer*innen, die ab dem 1.1.2020 erstmals angestellt werden, gilt der besondere Steigerungsbetrag (§ 3 des TV) nicht.
https://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr ... s-100.html

Weihnachts- und Urlaubsgeld werden auch noch gezahlt - da wäre einmal die Höhe interessant.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) kritisiert die hohen Gehälter. Grundlage ist ein Gutachten der Kienbaum Unternehmensberatung:

Wegen zu hoher Gehälter: KEF will Gelder für Personalaufwand bei Rundfunkanstalten kürzen
Den MK-Informationen zufolge kommt Kienbaum in dem Gutachten zu dem Schluss, dass beim internen Vergleich der Vergütungsniveaus zwischen den elf Anstalten fünf Sender oberhalb des Durchschnitts liegen. Beim Saarländischen Rundfunk (SR) seien die Vergütungen etwas über dem Schnitt, während sie beim Bayerischen Rundfunk (BR), Hessischen Rundfunk (HR) und beim ZDF spürbar über dem Durchschnitt lägen. Noch darüber rangiert der Westdeutsche Rundfunk (WDR), bei dem die Gutachter „ein deutlich erhöhtes Gesamtvergütungsniveau“ festgestellt haben.
Die Kienbaum-Gutachter haben darüber hinaus ermittelt, dass die Vergütung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern höher ausfällt als bei den Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung. Bei den einbezogenen 20 Referenzfunktionen liege das Vergütungsniveau bei der weit überwiegenden Anzahl oberhalb des Mittelwerts (Median) beim öffentlichen Sektor.
Die Abweichungen sind erheblich, liegen tlw. bei mehr als 15%.

Stefan

Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Stefan »

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/wdr ... 03164.html

„Seine Auswertung zeigt, dass erste Accounts am 27. Dezember zu dem Video twittern. Die ersten Tweets dazu bekommen jedoch kaum Aufmerksamkeit. Doch dann springt der Funke über zu reichweitenstarken Accounts, die sich dem rechten Spektrum zuordnen lassen.“

...

„ Die Account-Analyse von Luca Hammer zeigt noch mehr: zwei große Empörungs-Cluster, die sich kaum berühren - sich aber untereinander retweeten und verbreiten. Der Empörung der eher rechten Szene folgt eine Gegenwelle aus dem eher linken politischen Spektrum - bis zum Morgen des 30. Dezember ist die Gesamtzahl der Tweets mit Hashtags wie #Umweltsau oder #Nazisau auf rund 210.000 gestiegen.

Abgesetzt wurden diese Tweets nur von rund 44.000 Accounts. 23 Prozent der Accounts lassen sich Luca Hammers Auswertung zufolge einem eher rechten Cluster zuordnen (hier grün dargestellt), 46 Prozent einem eher linken Cluster. Beide berühren sich kaum. Bei 31 Prozent der Accounts war eine Zuordnung zu den Clustern nicht möglich.

Auffällig dabei: 52 Prozent der Tweets kamen aus dem grünen Cluster, nur 38 Prozent aus dem pinken. Nur 10 Prozent konnten keinem der beiden Cluster zugeordnet werden. Das bedeutet: Im grünen Cluster gab es einige sehr aktive Accounts.“

Der kritische Umgang mit den extremistischen Meinungsmachern ist eine der wichtigsten Aufgabe.

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Siard
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Siard »

Stefan hat geschrieben:
Mittwoch 8. Januar 2020, 18:40
Der kritische Umgang mit den extremistischen Meinungsmachern ist eine der wichtigsten Aufgabe.
Das stimmt sicher, allerdings sehe ich einen Bezug zum davor stehenden Text nur bedingt.

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Der Redaktionsleiter von Monitor, Georg Restle, bringt es in twitter auf den Punkt:
Rundfunkfreiheit = Hohes Einkommen der Redakteure:
Georg Restle hat geschrieben: Georg Restle
@georgrestle
Jeder darf den ÖRR kritisieren. Wenn ein Ministerpräsident (!) allerdings fordert, die finanzielle Sicherheit von Redakteuren einzuschränken und damit Kampagnen zur Schwächung des ÖRR befeuert, muss er sich schon fragen lassen, ob er die Rundfunkfreiheit verstanden hat.
https://twitter.com/georgrestle/status/ ... 3940634624

Es wird höchste Zeit, die Finanzierung des ÖR zu ändern. Eine Umstellung auf pay-per-view wäre notwendig. Dann zahlen die, die auch tatsächliche die Leistung in Anspruch nehmen.

Wie weit muß man eigentlich abgehoben sein, um in dieser Situation, in denen viele sich auf den ÖRR "einschiessen", einen solchen Beitrag abzusetzen? :hmm:

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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi »

Caviteño hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 13:27
Der Redaktionsleiter von Monitor, Georg Restle, bringt es in twitter auf den Punkt:
Rundfunkfreiheit = Hohes Einkommen der Redakteure:
Georg Restle hat geschrieben: Georg Restle
@georgrestle
Jeder darf den ÖRR kritisieren. Wenn ein Ministerpräsident (!) allerdings fordert, die finanzielle Sicherheit von Redakteuren einzuschränken und damit Kampagnen zur Schwächung des ÖRR befeuert, muss er sich schon fragen lassen, ob er die Rundfunkfreiheit verstanden hat.
https://twitter.com/georgrestle/status/ ... 3940634624

Es wird höchste Zeit, die Finanzierung des ÖR zu ändern. Eine Umstellung auf pay-per-view wäre notwendig. Dann zahlen die, die auch tatsächliche die Leistung in Anspruch nehmen.

Wie weit muß man eigentlich abgehoben sein, um in dieser Situation, in denen viele sich auf den ÖRR "einschiessen", einen solchen Beitrag abzusetzen? :hmm:
Wer legt denn die Gehälter dieser Regierungsberichterstatter fest? Was mich angeht ich sehe selten fern, ja heute mal, weil ich das Handballspiel zwischen Deutschland und Spanien ansehen will. Da finde ich es viel besser, wenn man die Gebühren abschaffen würde und jede Sendung, die man sehen will, bezahlen würde. Das geht ja technisch schon lange.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Selbstversuch des Berliner NZZ-Korrespondenten:

Konstruktiver Journalismus in Grün: Ein Selbstversuch mit dem Deutschlandfunk

In dem Artikel wird ua die Berichterstattung des DF zum Buch von Kardinal Sarah und Co-Autor Papst Benedikt und die Nachricht zum Unwort des Jahres (Klimahysterie) dargestellt.

Der Autor kommt zu folgendem Ergebnis:
Kriminalität, Integrationsprobleme und Asylpolitik spielen zumindest an diesen zwei Tagen praktisch keine Rolle; Umwelt- und Klimapolitik dominieren. Früher, da schmähten Konservative die öffentlichrechtlichen Anstalten als «Rotfunk»; würden sie heute von einem «Grünfunk» reden, kämen sie der Wahrheit wohl recht nahe.
Es ist nicht alles schlecht im Deutschlandfunk, doch auf die Dauer entfaltet das Programm anästhesierende Wirkung. Diskussionen auf Portalen wie Twitter mögen oft wirken, als fänden sie in einer Parallelwelt statt, doch für das Programm des Deutschlandfunks gilt dasselbe. Und im Gegensatz zu vielen Zeitungen macht sich der Sender erst gar nicht die Mühe, Themen aufzugreifen, die weite Teile der Bevölkerung ganz offensichtlich bewegen.
Ganz neu ist das nicht, aber es ist schön, daß der grüne Anstrich des Senders jetzt auch von neutraler Seite bestätigt wird.

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Kommen nach dem Staatsfernsehen jetzt auch noch die Staatsmedien?
Es gibt Überlegungen, die GEZ-Abgabe um ein paar Euro zu erhöhen und zu einer allgemeinen Medienabgabe umzubauen.
Die Bundesregierung prüft Maßnahmen, um die Medienvielfalt in Deutschland zu sichern. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, seien zum Beispiel direkte oder indirekte Finanzhilfen für Zeitungen und Zeitschriften möglich.
So könnte die GEZ-Gebühr für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk um wenige Euro für eine allgemeine „Medienabgabe“ erhöht werden, schreibt das Magazin. Bei diesem Modell soll ein unabhängiges Fachgremium die Auswahl der Medien treffen.
https://www.pfalz-express.de/regierung- ... zeitungen/

Entsprechende Gedankenspiele gab es schon mal vor einiger Zeit und der überwiegende Teil der Printmedien hat sich ja auch brav an die Vorgaben der Regierung gehalten - wie man bei der mißglückten MP-Wahl in Thüringen sehen konnte....
Insofern wäre eine "Belohnung" schon angebracht, zumal man dann auch kritische Berichterstattung sanktionieren könnte...

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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi »

Es lebt der Mensch im alten Wahn.
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Da wird der öffentl.-rechtl. Rundfunk in D. aber schäumen und wieder auf Boris Johnson einschlagen:

No 10 could scrap BBC licence fee in favour of a subscription model
The Sunday Times quoted one source as saying: “We are not bluffing on the licence fee. We are having a consultation and we will whack it. It has got to be a subscription model. They’ve got hundreds of radio stations, they’ve got all these TV stations and a massive website. The whole thing needs massive pruning back.
“They should have a few TV stations, a couple of radio stations and massively curtailed online presence and put more money and effort into the World Service which is part of its core job. The PM is firmly of the view that there needs to be serious reform. He is really strident on this.”
Dabei hat die BBC bei weitem nicht den Wildwuchs wie die deutschen Fernsender, die sich viele Regionalsender (mit jeweiligen "Fenstern) und außerdem noch ein "Zweites" leisten.

Für die Abo- oder pay-per-view-Möglichkeit habe ich immer plädiert. Die Zwangsgebühr stammt aus einer Zeit, als es technisch nicht möglich war, den Empfang nur auf zahlende Konsumenten zu beschränken. Heute gibt es geeignete Verschlüsselungsverfahren, wie man bei den Privaten sehen kann.

Es wird Zeit, dies auch in D. einzuführen.

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Benedict Neffe, der Berlin-Korrespondet der NZZ, verläßt nach fünf Jahren das Land. Er kam zur Flüchtlingskrise und geht nach Erfurt. In seinem Rückblick beschreibt er seine Erfahrungen in D. während der Flüchtlingskrise und dem Aufkommen der AfD und beschäftigt sich mit der Berichterstattung der deutschen Medien in dieser Zeit.

Anmerkungen zur deutschen Erregungsgesellschaft

Benedict Neff wurde von den deutschen Medien kritisch gesehen. Nach der Wahl in Erfurt schrieb der Spiegel:
«Die Kritik vieler Kommentatoren fällt vernichtend aus – ein Schweizer sieht die AfD-Stimmen für Kemmerich hingegen nicht als Makel.»
Neff revanchiert sich auf seine Weise und gibt den deutschen Medien eine Mitschuld an dem Emporkommen der Schwefelpartei:
Die Umwälzungen im deutschen Parteiensystem sind zum Teil eine direkte Folge dieser Zeit. Die AfD war bis dahin eine unbedeutende Professorenpartei, die mit dem Euro haderte. Merkel hat sie gross gemacht. Aber auch deutsche Medien haben die AfD vitalisiert, weil sie den Asyl-Diskurs nicht in der nötigen Breite führten und weil sie etwas machten, was Medien nie tun sollten: sich relativ eindeutig auf die Seite der Mächtigen zu schlagen, anstatt sie kritisch zu begleiten.
:breitgrins:

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Niels
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Niels »

Onkel Steinmeier kann alles - auch Bilokation: https://www.focus.de/kultur/kino_tv/bei ... 36465.html
:zirkusdirektor:
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Siard
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Siard »

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 5. März 2020, 11:54
Onkel Steinmeier kann alles - auch Bilokation: https://www.focus.de/kultur/kino_tv/bei ... 36465.html
:zirkusdirektor:
Das ist wie mit den Bildern von den Grenzen, die heute exakt genauso aussehen, wie 2015.
Die selben Personen, im selben Alter und der selben Situation.

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Raphael
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Zur allgemeinen Information über Hintergründe und Methoden in der modernen Mediengesellschaft:
Wie funktioniert die Manipulation der Massen?
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Juergen
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

NZZ:
Die Corona-Show muss weitergehen

Die derzeitige Grosskrise gerät für die Medienbranche zum publizistischen Stresstest. Aber hat sich wirklich etwas geändert auf dem Markt der Eitelkeiten?

Ein neues Schlagwort geistert durch die Kommunikationskanäle: Systemrelevanz. Dieses Kriterium beanspruchen die Wortführer im Mediensektor auch für ihren Service. Das mache die vom Coronavirus ausgelöste Krise deutlich, sagen sie. Bisher war in medienpolitischen Diskussionen häufiger von Demokratierelevanz die Rede. Doch der Begriff scheint kontaminiert zu sein, weil ihn vor allem Wissenschafter und Linksliberale in die Arenen getragen haben. Letztlich läuft es…
Gruß Jürgen

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Libertas Ecclesiae
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Libertas Ecclesiae »

Hier findet sich eine interessante Grafik über die Medienverflechtungen in Deutschland:



Nicht zu vergessen: Merkels ehemaliger Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ist jetzt Intendant des Bayerischen Rundfunks, und Merkels jetziger Regierungssprecher Steffen Seibert war zuvor Redakteur und Sprecher beim ZDF in der „heute“-Redaktion.
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi »

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Dienstag 5. Mai 2020, 13:10
Hier findet sich eine interessante Grafik über die Medienverflechtungen in Deutschland:



Nicht zu vergessen: Merkels ehemaliger Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ist jetzt Intendant des Bayerischen Rundfunks, und Merkels jetziger Regierungssprecher Steffen Seibert war zuvor Redakteur und Sprecher beim ZDF in der „heute“-Redaktion.
Die Verflechtung von Politik und Medien, die du hier aufzeigst,ist schon lange der Fall, aber man kann nicht lange genug darauf hinweisen. Für Geld verkaufen viele noch ihre Seele und das auch in der Wissenschaft.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Dienstag 5. Mai 2020, 13:10
Hier findet sich eine interessante Grafik über die Medienverflechtungen in Deutschland:



Nicht zu vergessen: Merkels ehemaliger Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ist jetzt Intendant des Bayerischen Rundfunks, und Merkels jetziger Regierungssprecher Steffen Seibert war zuvor Redakteur und Sprecher beim ZDF in der „heute“-Redaktion.
Wie alt ist denn die Grafik? Der Springerverlag gehört ja inzwischen mehrheitlich KKR.

Durch die gestrichelten Linien ist das Bild schon arg suggestiv.
Gruß Jürgen

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Dienstag 5. Mai 2020, 13:10
Hier findet sich eine interessante Grafik über die Medienverflechtungen in Deutschland:



Nicht zu vergessen: Merkels ehemaliger Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ist jetzt Intendant des Bayerischen Rundfunks, und Merkels jetziger Regierungssprecher Steffen Seibert war zuvor Redakteur und Sprecher beim ZDF in der „heute“-Redaktion.
Aber die tun das alles doch nur aus echter und tiefster demokratischer Überzeugung; niemand von denen würde sein Gewissen für Geld verkaufen! :zirkusdirektor:

Außerdem darf man heute jegliche Meinung haben, denn schließlich war auch der Kannibale von Rotenburg ein Mensch! :panisch:
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Raphael »

Juergen hat geschrieben:
Dienstag 5. Mai 2020, 15:02
.............. schon arg suggestiv.[/font]
DAS allerdings würden die MSM sicherlich niemals nimmer sein! :kugel: :kugel: :kugel:
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Libertas Ecclesiae »

Juergen hat geschrieben:
Dienstag 5. Mai 2020, 15:02
Wie alt ist denn die Grafik? Der Springerverlag gehört ja inzwischen mehrheitlich KKR.
Die Grafik ist von 2017 (wenn man das Bild vergrößert, kann man es unten links sehen).
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Stephanie »

Weiß eigentlich zufällig jemand, ob die NZZ auch dabei ist? Ich lese nämlich hauptsächlich diese, weil ich dort stets Berichte aus verschiedenen Perspektiven zu einem Thema finde und nicht nur eine einzige.
(Und ich die Sprache der Berichterstattung in der NZZ wesentlich mehr schätze als in den deutschen Medien.)
Wird kaum der Gerechte gerettet, wo werde ich Sünder erscheinen? Die Last und Hitze des Tages habe ich nicht getragen. Die um die elfte Stunde kamen, denen zähle mich bei, Gott, und sei mein Erretter.

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Vinzenz Ferrer
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Stephanie hat geschrieben:
Dienstag 5. Mai 2020, 15:29
Weiß eigentlich zufällig jemand, ob die NZZ auch dabei ist? Ich lese nämlich hauptsächlich diese, weil ich dort stets Berichte aus verschiedenen Perspektiven zu einem Thema finde und nicht nur eine einzige.
(Und ich die Sprache der Berichterstattung in der NZZ wesentlich mehr schätze als in den deutschen Medien.)
Die schweizer Medien gelten mittlerweile als "Westfernsehen" ;)
Lass dich besser nicht beim Konsum erwischen, Stephanie! :D
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

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Vinzenz Ferrer
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Darf man Rainald Becker nach diesem Beitrag eigentlich jetzt offiziell als einen Jubelperser bezeichnen?
https://www.tagesschau.de/multimedia/vi ... 98361.html

Kritik hierzu:
https://www.journalistenwatch.com/2020/ ... itaet-ard/
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Juergen »

Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Freitag 8. Mai 2020, 11:34
Darf man Rainald Becker nach diesem Beitrag eigentlich jetzt offiziell als einen Jubelperser bezeichnen?
https://www.tagesschau.de/multimedia/vi ... 98361.html
Und für sowas bezahlt man Rundfunk-Abgaben. :/
Gruß Jürgen

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Barbarossa »

https://twitter.com/extra3/status/1259159719303938049

:kotz:

Asl, ob die Kirche Jemanden zwangsweise zum Zölibat verpflichten würde... aber "danke" extra-3 für diese Faktenbefreite Hetzpropaganda auf Zwangsgebührbasis! :würg:

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Mit diesem Artikel bestätigt die NZZ wieder einmal die Einordnung als "neue Westpresse":

Geldsegen trotz Krise? Widerstand aus der CDU gegen höheren Rundfunkbeitrag

Sachsen-Anhalt könnte den Rundfunkstaatsvertrag ablehnen und so die Gebührenerhöhung kippen. Ein Grund ist ua., daß der öffentl.-rechtl. Rundfunk im Osten nicht über die "Reputation" verfügt, auf die er im Westen zurückgreifen kann.
Es gibt im Osten auch keine über Generationen gewachsene Bindung an den öffentlichrechtlichen Rundfunk. So haben junge Menschen in Ostdeutschland beispielsweise keine Grosseltern, die schon seit fünfzig Jahren die «Tagesschau» gucken. Obendrein liegen die Zentralen von ARD und ZDF sowie die meisten Studios der Sender in westdeutschen Bundesländern. Mit dem Rundfunkbeitrag finanzieren somit ostdeutsche Bürger vorwiegend westdeutsche Arbeitsplätze.
(...)
Die FDP wolle die Abgabe mittelfristig um die Hälfte reduzieren. Um diese Summe einzusparen, sollten die Sender nach Auffassung der Liberalen weitgehend auf die Produktion von Unterhaltungsformaten verzichten. «Derzeit gibt es über zwanzig regionalisierte Krimi-Sendungen. Das muss nicht unbedingt sein», sagte Hacker gegenüber der NZZ.
Dazu kommen natürlich noch die Panegyriken auf Merkel & Co, die im Osten auf weniger Verständnis stoßen als im Westen. Schon eine mögliche Verschiebung der Gebührenerhöhung muß als Erfolg gewertet werden.

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Stephanie »

Tut mir leid, aber das lese ich total anders als du. In dem Bericht steht ja auch unten ziemlich eindeutig, dass die Intendanten die Wichtigkeit ihrer Stellung überhöhen und in früheren Zeiten alle auf die Berichterstattung gehört/gewartet hätten, während man mittlerweile eine Vielzahl anderer Medien zur Verfügung hätte.

Und weshalb du dich über die Erklärung beschwerst, weshalb man vermutlich in Ostdeutschland noch weniger einer GEZ Beitragserhöhung zustimmen würde, verstehe ich nicht. Falls du schon einmal in Ostdeutschland gewohnt hast, wirst du bemerkt haben, dass dort viele Menschen verständlicherweise tatsächlich andere nostalgische Bindungen haben. Warum denn auch nicht? Zusätzlich heißt es in dem Artikel, dass Ostdeutsche mit ihrem Beitrag vorwiegend westdeutsche Arbeitsplätze finanzierten...

Ich kann aus dem Bericht jedenfalls keine Befürwortung seitens des NZZ Autors für die GEZ Erhöhung herauslesen... und auch nicht, was daran "Westpresse" sein soll. Aber vielleicht verstehe ich diesen Kampfbegriff auch falsch.
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Protasius »

Stephanie hat geschrieben:
Samstag 16. Mai 2020, 08:40
Tut mir leid, aber das lese ich total anders als du. In dem Bericht steht ja auch unten ziemlich eindeutig, dass die Intendanten die Wichtigkeit ihrer Stellung überhöhen und in früheren Zeiten alle auf die Berichterstattung gehört/gewartet hätten, während man mittlerweile eine Vielzahl anderer Medien zur Verfügung hätte.

Und weshalb du dich über die Erklärung beschwerst, weshalb man vermutlich in Ostdeutschland noch weniger einer GEZ Beitragserhöhung zustimmen würde, verstehe ich nicht. Falls du schon einmal in Ostdeutschland gewohnt hast, wirst du bemerkt haben, dass dort viele Menschen verständlicherweise tatsächlich andere nostalgische Bindungen haben. Warum denn auch nicht? Zusätzlich heißt es in dem Artikel, dass Ostdeutsche mit ihrem Beitrag vorwiegend westdeutsche Arbeitsplätze finanzierten...

Ich kann aus dem Bericht jedenfalls keine Befürwortung seitens des NZZ Autors für die GEZ Erhöhung herauslesen... und auch nicht, was daran "Westpresse" sein soll. Aber vielleicht verstehe ich diesen Kampfbegriff auch falsch.
Ich halte letzteres für plausibel. Bei Politplatschquatsch findet sich folgende ganz brauchbare Erklärung:
Es kommt immer wieder vor, dass es wie damals ist, als der dummer DDR-Bürger gezwungen war, die "Westpresse" (Erich Mielke) zu lesen, um mitzubekommen, was vor seiner Haustür vor sich geht. Die Schundblätter des Klassenfeindes übernahmen die Funktion, die ursprünglich der Lebenszweck jeder Zeitung, jedes Radiosenders und jeder Fernsehstation war: Informieren über das, was geschieht. Berichten, was es bedeutet. Und analysieren, warum es so ist.

In der DDR, deren führende Genossen Informationen in "nützliche" und "schädliche" einteilten für das, was sie "unsere Sache" nannten, verweigerten Medien rundheraus und durchweg, was ihre Aufgabe gewesen wäre. Sie informierten nicht, sondern versuchten, zu erziehen. Sie nannten nicht Fakten, sondern versuchten, mit zumeist durchsichtigen Deutungen Applaus von denen einzufangen, die ihre Leserinnen und Leser sein sollten. So schnell, wie sie die staatsoffiziellen Codes zur Tarnung der Wahrheit entschlüsselten, konnte die staatsamtliche Propaganda sich gar keine neuen ausdenken
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño »

Stephanie hat geschrieben:
Samstag 16. Mai 2020, 08:40
Ich kann aus dem Bericht jedenfalls keine Befürwortung seitens des NZZ Autors für die GEZ Erhöhung herauslesen... und auch nicht, was daran "Westpresse" sein soll. Aber vielleicht verstehe ich diesen Kampfbegriff auch falsch.
Das habe ich auch nicht geschrieben - würde die NZZ wohl auch nie fordern bzw. dafür eintreten.

Wenn Du "Westpresse" als Kampfbegriff einordnest, bitte schön. ME bringt er gut auf den Punkt, daß die (Print-)Medien in D. ziemlich den gleichen Tenor haben. Geht es um die großen Entscheidungen der Merkel-Ära (von der Energiewende über die Eurorettung und dem Migrantenansturm bis zum aktuellen Corona-Lockdown) wirst Du kaum kritische Berichterstattung finden. Das mag ja alles begründet sein; es fällt jedoch auf, daß kritische Stimmen kaum Gehör finden. Wann hast Du in den talk-shows des öffentl.-rechtl. Rundfunks einmal einen Vertreter der größten Oppositionspartei im Bundestag gefunden - dagegen ist die kleinste Oppositionspartei dort Dauergast; Habeck könnte steuerlich bei den Werbungskosten fast einen doppelten Wohnsitz geltend machen....
Wie sieht es - im konkreten Fall des lock-downs - mit den Stimmen anderer Wissenschaftler aus, die die Maßnahme für falsch halten? Wurde ihnen im öffentl.-rechtl. Fernsehen den gleiche Platz eingeräumt wie den Herren Drosten & Co? Ähnliche Fragen stellen sich auch bei allen anderen Entscheidungen, die ich oben aufgeführt habe.

Wenn Du mit der Berichterstattung in den deutschen Medien zufrieden bist - schön.
Ich gewinne allerdings bei der Lektüre Schweizer Zeitungen den Eindruck, daß in D. sehr selektiv berichtet wird. In konkreten Fall des von mir verlinkten Artikels dürfte der Hinweis, daß die AfD i.S. Gebührenerhöhung den Bestand des öffentl.-rechtl. Rundfunkts in Frage stellt in den hieisgen Printmedien kaum - und wenn dann nur mit Adjektiven, die auf "räächts" lauten - erscheinen. Auch die Frage, welche Leistungen überhaupt vom öffentl-rechtl. Rundfunk angeboten werden sollen sowie die Finanzierung, werden hier doch - wenn überhaupt - ganz leise behandelt - vielleicht auch, weil die Schwefelpartei das Thema besetzt hat.

Eine Berichterstattung darüber, sowie eine Abwägung der Argumente findest Du dagegen zuverlässig in der Schweizer Presse.

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Vinzenz Ferrer
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Protasius hat geschrieben:
Samstag 16. Mai 2020, 09:09
Ich halte letzteres für plausibel. Bei Politplatschquatsch findet sich folgende ganz brauchbare Erklärung:
Ich kannte diesen Blog bis dato nicht. Gefällt mir aber wirklich sehr gut. :ikb_thumbsup:
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

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