Situation der deutschen Medienlandschaft

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TeDeum
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von TeDeum » Donnerstag 13. Dezember 2018, 06:53

Wie verzweifelt man versucht, die Deutungshoheit wiederzuerlangen. Bezeichnend auch, dass als Beispiel der Alt-Right Befürworter genannt wird - und nicht etwa der grüne Welcome Klatscher. Ein Schelm wer Böses dabei denkt ...

Caviteño
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 13. Dezember 2018, 09:24

In der Tat!
Es ist ja auch nicht solange her, daß die öffentl.-rechtl. Sender und die Tageszeitungen das Nachrichtenmonopol hatten und bestimmten, was verbreitet wurde bzw. werden durfte.
Die Zeiten sind unwiderruflich vorbei und das schmerzt.
Dazu kommt, daß die Menschen, die eine vom mainstream abweichende Meinung vertreten, durch das Netz die Erfahrung machen, daß sie keineswegs Außenseiter sind. In Foren, sozialen Medien usw. finden sie Gleichgesinnte.

Wäre der Erfolg der AfD - gegen die herkömmlichen Medien - ohne das Internet überhaupt denkbar? Da darf man erhebliche Zweifel haben. Dementsprechend setzt diese Partei auch überproportional auf die neuen Medien, bedient sich twitter, facebook & Co, um ihre Reichweite zu erhöhen.
Ein Gegenmittel haben weder die Altparteien noch Zeitungen und TV gefunden. Sie verweisen zwar immer auf ihren -angeblichen- "Qualitätsjournalismus" und die -angeblich- "sauber recherchierten Berichte". Aber egal ob durch Ereignisse wie in Köln, in Chemnitz, beim Migrationspakt oder der Einstufung als "Vorkommnis von regionaler Bedeutung", über das nicht berichtet wird - die Berichterstattung der Edelfedern wird von einem Teil der Bevölkerung als parteiisch wahrgenommen und nicht (mehr) beachtet.

Nachtrag:
Von einem neuen - man muß es schon so nennen - Versagen der deutschen Medien berichtet die NZZ. Bei der Diskussion um den Migrationspakt wurde eine Studie lanciert, die von einer Einflußnahme durch Bots berichtete.
Die Analyse wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen und als Tatsache präsentiert. Kurz nachdem die ersten Texte dazu erschienen waren, meldeten sich Experten zu Wort und erhoben schwere Vorwürfe. «An der Studie stört mich, dass sie nicht einmal in Auszügen einsehbar ist. Dadurch sind die Ergebnisse wertlos», sagte der Social-Media-Analyst Luca Hammer. Florian Gallwitz, Professor für Medieninformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg, sprach von einer «gezielt lancierten, unveröffentlichten Quatschstudie ohne belastbare Daten».
(...)
Trotz einigen Unschärfen hat die Bot-Analyse politische Wirkung entfaltet. Die sozialdemokratische Justizministerin Katarina Barley rief angesichts der Ergebnisse die Betreiber sozialer Netzwerke dazu auf, gegen gefälschte Accounts vorzugehen.
Haben Bots die Debatte um den Migrationspakt einseitig beeinflusst?

Besonders pikant:
Die Geschäftsführerin des Unternehmens, das die Studie verfaßt hat, ist CDU-Mitglied, hat Kontakte zum Bundeskanzleramt und:
Zu den Beratern von Botswatch gehört der bestens vernetzte PR-Fachmann Axel Wallrabenstein, der sich selbst als «Merkel-Fan» bezeichnet. Ausserdem wird Botswatch von dem christlichdemokratischen Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker beraten, der Merkel-Kritiker mit «Säuen» verglich, die sich im Dreck suhlen.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Presse sich selbst die Gruben gräbt, in die sie dann hineinfällt.... - oder haben die einen Werbevertrag mit der AfD? ;D

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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi » Donnerstag 13. Dezember 2018, 20:31

Offener Brief von Willy Wimmer an den Bundespräsidenten und ehemaligen Außenminister Steinmeier.

https://de.sputniknews.com/kommentare/2 ... teinmeier/

Ich wollte hier keinen neuen Thread eröffnen, daher habe ich das mal hier reingestellt.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 20. Dezember 2018, 04:21

"Fake news" - das wird meist den "Rechten" vorgeworfen. Jetzt hat das "Sturmgeschütz der Demokratie" - der Spiegel - eine Affäre im eigenen Haus:

Gefälschte Reportagen: "Spiegel" legt Betrugsfall im eigenen Haus offen

Der Reporter Claas Relotius habe in großem Umfang Geschichten gefälscht oder erfunden, schreibt der Spiegel. Relotius war mehrfach ausgezeichnet und er war mit einigen "Reportagen" auch in diesem Jahr wieder für den Reporterpreis nominiert. Der Peter Scholl-Latour-Preis 2018 wurde ihm bereits entzogen.

Eine Kostprobe seiner Phantasie kann man in seinem Artikel Schicksale - Königskinder lesen. In der Einleitung heißt es:
Ahmed und Alin sind zehn und elf Jahre alt, als ihre Eltern in Aleppo sterben. Sie fliehen in die Türkei und arbeiten hier, getrennt voneinander, als Schrottsammler und Näherin. Manchmal, im Traum, erscheint ihnen Angela Merkel.
:D

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Niels
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Niels » Donnerstag 20. Dezember 2018, 08:07

Noch ein Artikel dazu: https://www.welt.de/kultur/medien/artic ... aucht.html

Ein Einzelfall? Oder eine Art Karl May des Journalismus? :indianer: :cowboy:
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 20. Dezember 2018, 11:01

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 20. Dezember 2018, 08:07
Ein Einzelfall? Oder eine Art Karl May des Journalismus? :indianer: :cowboy:
Mit Sicherheit kein Einzelfall.
Der Begriff "Lügenpresse" entstand ja nicht aus den "großen (erfundenen) Geschichten", sondern aus alltäglichen Begebenheiten, die von den Lesern ganz anders erfahren wurden als sie in dem Bericht geschildert wurden, den man am nächsten Tag in der Zeitung las.

Ich bezweifle, daß der Vorgang zu einem Umdenken in den MSM führen wird. Weiterhin werden uns Berichte vorgesetzt werden, bei denen "Haltung" wichtiger ist als Information.

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Niels » Donnerstag 20. Dezember 2018, 11:55

Was ist mit dem "Handelsblatt" los? Der lustige Herr Gabriel - beliebter Redner und Schöngeist - schreibt eine Lobeshymne auf die "Politiker des Jahres" Annalena Baerbock und Robert Habeck: https://www.handelsblatt.com/unternehme ... 50188.html
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"Doppelspitze mit Emotion und Substanz"
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 20. Dezember 2018, 12:47

Plant er für R2G?
Da muß die SPD aber noch ein paar Punkte zulegen...


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Edi
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Edi » Samstag 22. Dezember 2018, 21:24

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 20. Dezember 2018, 11:01
Niels hat geschrieben:
Donnerstag 20. Dezember 2018, 08:07
Ein Einzelfall? Oder eine Art Karl May des Journalismus? :indianer: :cowboy:
Mit Sicherheit kein Einzelfall.
Der Begriff "Lügenpresse" entstand ja nicht aus den "großen (erfundenen) Geschichten", sondern aus alltäglichen Begebenheiten, die von den Lesern ganz anders erfahren wurden als sie in dem Bericht geschildert wurden, den man am nächsten Tag in der Zeitung las.

Ich bezweifle, daß der Vorgang zu einem Umdenken in den MSM führen wird. Weiterhin werden uns Berichte vorgesetzt werden, bei denen "Haltung" wichtiger ist als Information.
Da wird sich nichts ändern. Seit langem wird Berichterstattung mit Meinung vermischt bei den meisten Medien, auch und gerade bei den Öffentlich Rechtlichen, die mit Zwangsgeldern finanziert werden. Manches wird gleich gar nicht berichtet, weil man die Bürger angeblich nicht verunsichern will. Das alles hat Absicht.
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño » Montag 31. Dezember 2018, 00:51

In Chemnitz sprachen Kanzlerin und Medien von "Hetzjagden" - und wie nennt man das, was am Samstag in Amberg geschah?
Es spielten sich erschreckende Szenen ab. Menschen versuchten zu entkommen, wurden aber eingeholt, teilweise zu Boden geschleudert, geprügelt und getreten, bevor sich das Quartett weiter Richtung Altstadt bewegte.
In der Oberen Nabburger Straße attackierte die Gruppe wieder Passanten. Kurz danach endete die Gewalttour: Polizisten nahmen die Männer gegen 21 Uhr fest. Bei den 17- bis 19-Jährigen handelt es sich um Asylbewerber verschiedener Nationalitäten.
https://www.mittelbayerische.de/region/ ... 34232.html

Der Unterschied zu Chemnitz: Die Männer waren betrunken, wird dann noch entschuldigend berichtet.....

Na dann....

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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Caviteño » Montag 31. Dezember 2018, 02:47

Gerechtigkeit für Claas Relotius!

Alexander Wendt sieht Claas Relotius als modernen Hauptmann von Köpenick:
Der Fall CR besitzt, wie Bernd Zeller mit seiner Hellsicht schreibt, für die merkelistische Bundesrepublik mindestens die gleiche Signifikanz wie der Marsch des Hauptmann von Köpenick für das wilhelminische Deutschland. Schreiber Relotius ist eine so überragende Wahrheitsfigur, wie des seinerzeit Schuster Voigt war, der an die Stadtkasse nur kommen konnte, weil er in die richtige Hülle schlüpfte und Haltung zeigte.
(...)
In dem Moment, in dem Klaus Brinkbäumer, Heribert Prantl und Jakob Augstein die Reportagen von Relotius lasen, glaubten sie ihre eigenen Kommentare.
Wendt zählt dann die vielen Falschmeldungen auf, die in den letzten Jahren durch den Blätterwald geisterten: Von den 50 Skinheads, die einen irakischen Jungen ertränkt haben sollen über den ersten Pegida-Toten bis zur den "Hetzjagden" in Chemnitz - einer Falschmeldung, die sich sogar die Kanzlerin zu eigen machte.

Es bedarf - wie in der Natur - eines gewissen (gesellschaftlichen) Klimas, das solche Geschichten wachsen können.

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Niels
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Re: Situation der deutschen Medienlandschaft

Beitrag von Niels » Montag 31. Dezember 2018, 11:15

Das wird wohl offenbar auch im Ausland so wahrgenommen. Meine Tante, gebürtige Koreanerin, erzählte mir vor ein paar Tagen, dass aus ihrer alten Heimat derzeit kaum jemand in Deutschland Urlaub machen will. Danke, deutsche Presse!
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