Seite 1 von 1
Lust am Negativen
Verfasst: Montag 8. Oktober 2007, 11:03
von pierre10
Vor Jahren haben wir einen Versuch gemacht und dabei 2 ganz unterschiedliche Gerüchte über einen unserer Freunde in die Welt gesetzt, der sich für dieses Experiment zur Verfügung stellte. Mehr als 90% der Menschen, die wir nach einer Woche befragten, kannten nur das skandalöse Gerücht, das positive über eine besondere Leistung unseres Freundes interessierte niemand.
Am Besten kann man es an den Artikeln der Presse sehen, die Bildzeitung ist da ein hervorragendes Beispiel. Wenn man die uninteressanten Füllartikel außer Acht lässt, die negativen, dramatischen Artikel schwarz anstreicht, die Positiven dagegen grün, wird die Zeitung weitgehend schwarz sein. Da diese Art Zeitung dem Publikumsbedürfnis Rechnung trägt, kann man sich Fragen stellen ob unserer inneren Einstellung.......
Pierre
Re: Lust am Negativen
Verfasst: Montag 8. Oktober 2007, 11:35
von Edi
Pierre hat geschrieben: Da diese Art Zeitung dem Publikumsbedürfnis Rechnung trägt, kann man sich Fragen stellen ob unserer inneren Einstellung.......
Du schreibst unserer...
Ich habe noch nie eine Bildzeitung oder ähnliche gekauft und ich kenne auch Leute, die ebenso keinen Wert auf solche Revolverblättchen legen. Aber es gibt sicher genug Leute, die derart Bedürfnisse, die du schilderst, haben, sonst hätten sie ja keine so grossen Auflagen.
Verfasst: Montag 8. Oktober 2007, 11:40
von Linus
Die Lust am Negativen nennt der Theolog' Konkupiszenz
Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 05:46
von Ewald Mrnka
Positive Nachrichten sind nun mal eher öde. Das ist ein alter Hut. Presse, Geschichtsbücher, Romane - alle werden doch erst so richtig interessant, wenn sie über negative Ereignisse und Zustände berichten.
Krig ist interessanter als Frieden; man mag das beklagen, aber es scheint zu den anthropologischen Konstanten zu gehören.
bad news are good news - die quote läßt grüßen ...
Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 09:43
von Maya
Ewald Mrnka hat geschrieben: ... Krieg ist interessanter als Frieden; man mag das beklagen, aber es scheint zu den anthropologischen Konstanten zu gehören.
Krieg ist gefährlicher als Frieden. Gefährliche Situationen ("negative Nachrichten") müssen genauer antizipiert werden (sind deshalb interessanter), um "zu überleben" (humanethologisch betrachtet).
Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 11:43
von pierre10
Vielleicht entstehen Kriege durch unsere Beschäftigung mit Negativem?
Für mich ist sicher, dass, wenn ich auf eine Katastrophe warte, sie auch eintreten wird, nur wann ist ungewiss.
Bush redet so viel vom Krieg gegen den Iran, eines Tages wird er ihn haben und unendliches Leid bringen, wie im Irak.
Pierre, ganz nachdenklich
Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 13:31
von ad_hoc
Pierre hat geschrieben:
Vielleicht entstehen Kriege durch unsere Beschäftigung mit Negativem?
Für mich ist sicher, dass, wenn ich auf eine Katastrophe warte, sie auch eintreten wird, nur wann ist ungewiss.
Bush redet so viel vom Krieg gegen den Iran, eines Tages wird er ihn haben und unendliches Leid bringen, wie im Irak.
Pierre, ganz nachdenklich
Na, dann kennen wir doch bereits den Schuldigen: Nicht Bush, der denkt nicht an die Leiden, sondern
Pierre, infolge seiner Beschäftigung mit dem Negativen
Gruß, ad_hoc
Re: bad news are good news - die quote läßt grüßen ...
Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 14:05
von Ewald Mrnka
Maya hat geschrieben:
Krieg ist gefährlicher als Frieden. Gefährliche Situationen ("negative Nachrichten") müssen genauer antizipiert werden (sind deshalb interessanter), um "zu überleben" (humanethologisch betrachtet).
Das dürfte an den Kern rühren; insofern sind gewisse Pazifisten potentiell gefährliche Traumtänzer, Spinner und Ideologen.
Krieg ist eben der Zustand, der Friedenszeiten gelegentlich unterbricht.
Re: Lust am Negativen
Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 23:37
von Peregrin
Pierre hat geschrieben:Vor Jahren haben wir einen Versuch gemacht und dabei 2 ganz unterschiedliche Gerüchte über einen unserer Freunde in die Welt gesetzt, der sich für dieses Experiment zur Verfügung stellte. Mehr als 90% der Menschen, die wir nach einer Woche befragten, kannten nur das skandalöse Gerücht, das positive über eine besondere Leistung unseres Freundes interessierte niemand.
Vielleicht habt ihr das skandalöse mit mehr Begeisterung weiterverbreitet?

Re: Lust am Negativen
Verfasst: Mittwoch 10. Oktober 2007, 10:00
von pierre10
Peregrin hat geschrieben:Pierre hat geschrieben:Vor Jahren haben wir einen Versuch gemacht und dabei 2 ganz unterschiedliche Gerüchte über einen unserer Freunde in die Welt gesetzt, der sich für dieses Experiment zur Verfügung stellte. Mehr als 90% der Menschen, die wir nach einer Woche befragten, kannten nur das skandalöse Gerücht, das positive über eine besondere Leistung unseres Freundes interessierte niemand.
Vielleicht habt ihr das skandalöse mit mehr Begeisterung weiterverbreitet?

Zweifel bedeutet nicht unbedingt Suche.
Pierre
Frust am Negativen
Verfasst: Mittwoch 10. Oktober 2007, 16:12
von Maya
Peregrin hat geschrieben:Vielleicht habt ihr das skandalöse mit mehr Begeisterung weiterverbreitet?

Ist nicht so einfach von der Hand zu weisen - (medizinische) Studien werden i.a. aus diesem Grund (Testleitereffekt) "doppelblind" durchgeführt - weder Testleiter noch Proband wissen wer den Placebo und wer die "echte Pille" kriegt - um Verfälschungen durch psychologische Komponenten so weit als möglich zu reduzieren.
