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Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 14:14
von John Grantham
FranzSales hat geschrieben:Scott Hahn ist ziemliche Geschmackssache. Mir persönlich ist er auch zu amerikanisch und in den Büchern etwas oberflächlich.
Na schön, jetzt wo das zum 1000. Mal hier geschrieben wurde: Was in aller Welt soll "zu amerikanisch" heißen?
Ich wette, dass diejenigen, die das am liebsten schreiben, niemals dort gewesen sind (jedenfalls nicht länger als ein paar Tage), kaum jemand von dort kennt (wenn überhaupt) und sonstwie keine Ahnung haben.
Amerika ist nunmal ein sehr großes und komplexes Land, mit vielen Menschen aus allen Erdteilen und Sprachgebieten. Es ist schwierig genug, pauschal über die Deutschen zu sprechen (was haben ein Bayer und ein Friese gemeinsam, geschweige von einem Aussiedler oder Deutsch-Türken?), aber derart pauschal über Amerika und Amerikaner zu sprechen schießt weit über die Albern-Sein-Marke hinaus und trifft den Blödsinn-Punkt haargenau.
Cheers,
John
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 14:43
von johann
John Grantham hat geschrieben:Was in aller Welt soll "zu amerikanisch" heißen?
Ja. Scheint irgendeine negative Bedeutung zu haben, irgendetwas Schlimmes.
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 14:56
von Linus
Mh. Die Amis - ich hab verwandtschaft drüben - haben ein gewisses Sendungsbewusstsein und ein Missionsbedürfnis entspringend ihrer calvinistisch-puritanistisch-pragmatischen Art zu Denken. Und das da kann für Europäer leicht nervig sein.
Linus, auf den nächsten Missionsbrief aus Grand Rapids (Mi) wartend

Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 15:20
von John Grantham
Hi Linus,
Linus hat geschrieben:Mh. Die Amis - ich hab verwandtschaft drüben - haben ein gewisses Sendungsbewusstsein und ein Missionsbedürfnis entspringend ihrer calvinistisch-puritanistisch-pragmatischen Art zu Denken. Und das da kann für Europäer leicht nervig sein.
Nun, es gibt in der Tat viele in den USA, die calvinistisch-puritanistisch-pragmatisch denken -- die Nachfolger der Puritans und Pilgrims in Neu-England. Die s.g. Neo-Conservatives wurden ja von solchem Denken geprägt und sie sehen die Welt durch diese calvinistisch-puritanistisch-pragmatische Brille. Aber das gleich auf alle Amerikaner zu übertragen halte ich für etwas absurd, zumal die Menschen, die so denken, in der klaren Minderheit (!) sind. Es gibt ebenso einen großen Strang von "Isolationists", d.h. Amerikaner, die sich von der Welt abwenden wollen (z.B. Pat Buchanan), aber auch liberale Katholiken (u.a. John Kerry) und liberale Calvinisten oder sonstige Protestanten (Jimmy Carter, oder auch Bill und Hillary Clinton -- Bill ist Baptist, Hillary ist Methodist -- ironischerweise ist Dubya auch Methodist).
Das Aberwitzige bei dieser angedeuteten Gleichsetzung von amerikanischer Kultur und Oberflächigkeit ist, man ist in Deutschland genauso oberflächig -- nur hierzulande schafft man es, diese Oberflächigkeit in quasi-intellektueller Sprache zu formulieren (was eigentlich heißt, dass man es nicht schafft, mit Klarheit zu schreiben -- Hauptsache mit verwendet lange Sätze und viel Jargon). Die Aussagen -- wenn man damit auseinander setzt -- sind aber letztendlich genau so hohl und bedeutungslos, während die Kritiker gerne gegen Amerika poltern, aber auch Blue-Jeans, Hollywood-Filme, Hamburger, Computer und Software "made in the USA" kaufen kaufen kaufen. :-P
Soll nicht heißen, dass ich die USA als Himmel auf Erden hochhalte. Kritik ist auch durchaus gewünscht, und ich kritisiere vieles dort, vor allem unsere jetzige Regierung (für einen Wahlsieg der Demokraten betend). Aber irgendwann erreicht man einen Punkt, wo etwas aufhört, Kritik zu sein, und anfängt dummes Geschwätz zu sein, spätestens wenn man etwas pauschal und abtuend "amerikanisch" oder "französisch" oder "deutsch" etikiert.
Linus hat geschrieben:Linus, auf den nächsten Missionsbrief aus Grand Rapids (Mi) wartend

Viel Spaß damit.
Cheers,
John
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 15:33
von Ewald Mrnka
johann hat geschrieben:John Grantham hat geschrieben:Was in aller Welt soll "zu amerikanisch" heißen?
Ja. Scheint irgendeine negative Bedeutung zu haben, irgendetwas Schlimmes.
Das steht für die ganze
(zensiert, SD) dieses Weltzeitalters.
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 15:46
von johann
Linus hat geschrieben:Mh. Die Amis - ich hab verwandtschaft drüben - haben ein gewisses Sendungsbewusstsein und ein Missionsbedürfnis entspringend ihrer calvinistisch-puritanistisch-pragmatischen Art zu Denken. Und das da kann für Europäer leicht nervig sein.
Ist ja nicht alles schlecht. Fleiß, Ausdauer und Erfolg waren auch mal deutsche Eigenschaften. Manches ist inzwischen vielleicht ungewohnt, aber immer noch kein echter Grund, dieses Verhalten völkisch zu etikettieren. Bei den Moslems resp. Islamisten ist schließlich auch Differenzierung gefragt

Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 15:47
von johann
Ewald Mrnka hat geschrieben:johann hat geschrieben:John Grantham hat geschrieben:Was in aller Welt soll "zu amerikanisch" heißen?
Ja. Scheint irgendeine negative Bedeutung zu haben, irgendetwas Schlimmes.
Das steht für die ganze
(zensiert, SD) dieses Weltzeitalters.
So wie früher die Russen an allem Schuld waren?
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 16:49
von John Grantham
johann hat geschrieben:Ewald Mrnka hat geschrieben:johann hat geschrieben:John Grantham hat geschrieben:Was in aller Welt soll "zu amerikanisch" heißen?
Ja. Scheint irgendeine negative Bedeutung zu haben, irgendetwas Schlimmes.
Das steht für die ganze
(zensiert, SD) dieses Weltzeitalters.
So wie früher die Russen an allem Schuld waren?
Jepp. So viel einfacher, die Verantwortung für die Probleme der Welt und für die eigenen Probleme in die Schuhe anderer -- am liebsten unbekannter -- Menschen in die Schuhe zu schieben.
Wie ich und andere Ausländer (nicht nur in Deutschland) immer wieder zu hören bekommen:
REDNECK
Ausländer sind alle Sch**ße!
AUSLÄNDER
Und was ist mit mir?!
REDNECK
Nee, Du bist ja in Ordnung. Die anderen sind doch alle Sch**ße.
Kleine Lektüre für unseren lieben Ewald: Matthäus 22,34-40.
Cheers,
John
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 17:07
von Stephen Dedalus
Nach dem Motto:
Es gibt wirklich nur zwei Dinge, die die Briten nicht ausstehen können.
Chauvinistische Nationalisten.
Und Frankreich.

Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 17:28
von Ewald Mrnka
Ich kann Briten und Amerikaner wirklich nicht ausstehen; sie sind mir ein Greuel.
Dafür sind mir andere Völker und Nationen ausgesprochen sympathisch.
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 18:42
von Pelikan
These: Das Urteil über Scott Hahn, das den Bemerkungen Anlaß gab, läßt sich vorrangig durch sprachstilistische kulturelle Divergenzen erklären.
USAerklaert: Plain English für komplizierte Deutsche
Die Auszüge, die Walter zitiert hat, scheinen mir sehr nah an diesem Stil übersetzt zu sein, der nach der herrschenden Mode in Deutschland dann eben platt und plakativ wirkt.
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 21:06
von John Grantham
Pelikan hat geschrieben:These: Das Urteil über Scott Hahn, das den Bemerkungen Anlaß gab, läßt sich vorrangig durch sprachstilistische kulturelle Divergenzen erklären.
USAerklaert: Plain English für komplizierte Deutsche
Die Auszüge, die Walter zitiert hat, scheinen mir sehr nah an diesem Stil übersetzt zu sein, der nach der herrschenden Mode in Deutschland dann eben platt und plakativ wirkt.
Hi Pelikan,
Danke -- ich glaube, das trifft es ziemlich genau.
Cheers,
John
Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 23:12
von Sein_oder_Nichtsein
Ewald Mrnka hat geschrieben:Ich kann Briten und Amerikaner wirklich nicht ausstehen; sie sind mir ein Greuel.
Dafür sind mir andere Völker und Nationen ausgesprochen sympathisch.
Wenn schon, denn schon:
ALCESTE
Non: elle est générale, et je hais tous les hommes:
Les uns, parce qu'ils sont méchants et malfaisants,
Et les autres, pour être aux méchants complaisants,
Et n'avoir pas pour eux ces haines vigoureuses
Que doit donner le vice aux âmes vertueuses.
Le Misanthrope