CDU / CSU - christliche Parteien?

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Caviteño
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 27. Juni 2017, 16:37

Das ging ja schnell: Merkel hebt in der Frage "Ehe für alle" den Fraktionszwang auf:

Unions-Abgeordnete dürfen ihrem Gewissen folgen

Allerdings scheint sie von den Ereignissen überrollt worden zu sein, wie das Handelsblatt schreibt:
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das Thema am Montag zu einer Gewissensentscheidung erklärt, offensichtlich aber nicht vorgehabt, das Thema noch vor der Bundestagswahl zur Abstimmung zu bringen.
Das sie - entgegen den Medienbehauptungen - häufig nicht mehr Herrin des Verfahrens ist, konnte man auch bei der Aussetzung der Wehrpflicht beobachten.

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Gallus
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Gallus » Dienstag 27. Juni 2017, 18:38

Jetzt bin ich endgültig vollkommen ratlos, was die Bundestagswahl angeht. Die CDU werde ich wohl meinen Lebtag nicht mehr wählen, die AfD ist unwählbar, Grüne und Linke ohnehin. Es läuft auf eine Enthaltung durch ungültig gemachten Stimmzettel hinaus.

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 27. Juni 2017, 19:20

Gallus hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 18:38
Es läuft auf eine Enthaltung durch ungültig gemachten Stimmzettel hinaus.
Ein anderer Gesichtspunkt wäre u.U. die 0,5%-Grenze. Parteien, die mindestens diese Quote erreichen, erhalten Gelder aus der Wahlkampfkosten-Erstattung. Vielleicht ist da etwas dabei....

Da wir keine Wahlpflicht kennen, ist eine ungültige Stimme mE weniger aussagekräftig als eine Wahlabstinenz. Eine geringe Wahlbeteiligung wird in den Medien diskutiert - ungültige Stimmen erhalten dagegen kaum Aufmerksamkeit.

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 27. Juni 2017, 21:36

Die Frage ist jetzt, ob/wann die EKD-Gliedkirchen nachziehen und ebenfalls die Homo-Ehe einführen.
Denn bislang geht es ja nur um die zivile Ehe. Die kirchliche Ehe ist davon noch unberührt, könnte in den staatsnahen Kirchen aber auch von dieser Entwicklung beeinflusst werden.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Edi
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Edi » Dienstag 27. Juni 2017, 22:24

http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 79952.html
"Ehe" für alle? Kann man dann Schwester, Bruder, Mutter, Vater, Kind heiraten oder gleich auch mehrere Personen. Luther hatte ja schon die Bigamie erlaubt.
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von RomanesEuntDomus » Dienstag 27. Juni 2017, 22:30

Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 21:36
Die Frage ist jetzt, ob/wann die EKD-Gliedkirchen nachziehen und ebenfalls die Homo-Ehe einführen.
Denn bislang geht es ja nur um die zivile Ehe. Die kirchliche Ehe ist davon noch unberührt, könnte in den staatsnahen Kirchen aber auch von dieser Entwicklung beeinflusst werden.
Irre ich mich, oder könnte das dann im schlimmsten Fall auch unerwartete Auswirkungen auf die katholische Kirche haben?

(Zufällig fiel mir gerade der Satz ein: "Jede Ehe zwischen Getauften ist sakramental".)

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Hubertus
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Hubertus » Dienstag 27. Juni 2017, 22:34

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 22:30
Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 21:36
Die Frage ist jetzt, ob/wann die EKD-Gliedkirchen nachziehen und ebenfalls die Homo-Ehe einführen.
Denn bislang geht es ja nur um die zivile Ehe. Die kirchliche Ehe ist davon noch unberührt, könnte in den staatsnahen Kirchen aber auch von dieser Entwicklung beeinflusst werden.
Irre ich mich, oder könnte das dann im schlimmsten Fall auch unerwartete Auswirkungen auf die katholische Kirche haben?

(Zufällig fiel mir gerade der Satz ein: "Jede Ehe zwischen Getauften ist sakramental".)
Welche Auswirkungen denn?
c. 1055 § 1CIC/1983 hat geschrieben:Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf das Wohl der Ehegatten und auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 28. Juni 2017, 05:55

umusungu hat geschrieben:
Montag 26. Juni 2017, 23:54
Zwischen einer staatlichen und einer kirchlichen Eheschließung lagen schon immer Welten.

Ich weiß nicht, warum sich jemand über die "Ehe für alle" aufregt. Gilt nur für das Finanzamt..
Und das allein ist schon ein Grund sich aufzuregen. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber ein "zölibatär Lebender" hat da vermutlich nicht die richtige Sicht der Dinge. Ein Ehepaar, das üblicherweise Kinder hat, bekommt dafür nicht "Vorteile", sondern erhält einen ganz kleinen Bruchteil davon zurück, was es für die Gesellschaft getan hat.
Diese Beträge, die durch Ehegattensplitting, Kinderfreibetrag, Kindergeld etc. hereinkommen, decken aber nur Bruchteile dessen ab, was diese Eltern für die Gesellschaft investieren und worauf sie verzichten:
Karriere der Frau, volle Rente der Frau (durch "fehlende Jahre", durch geringfügige oder minderbezahlte Tätigkeit). Dann die finanziellen Aufwendungen für die Kinder vom Kita-Beitrag bis zum Hochschulstudium: Dafür gibt es wirklich nur einen ganz geringen Ausgleich und wer € 60000,-- im Jahr verdient gilt in diesem Land als reich und wird selbst von diesen Dingen weitestgehend ausgeschlossen.
Und da muss ich wirklich sagen, diese wenigen ausgleichenden Unterschiede sollten nur denen zu gute kommen, die diesen Dienst tatsächlich der Gesellschaft gegenüber erbringen und nicht irgendwelchen schwulen oder lesbischen Paaren, die heute die sexuelle Identität zu haben glauben und morgen jene.
Daß ich eine solche Aussage wie "Gilt nur für das Finanzamt" von einem katholischen Pfarrer lesen muss, ist mir ein schweres Ärgernis.
Ich werde dies bei ggf. bei Ihrer bischöflichen Behörde vortragen und Sie dort zitieren!
Wenn das die Meinung der Kirche ist, dann gibt sie zu, daß ihr ausser dem Mammon gar nichts mehr heilig ist.
Hochwürden, langsam reicht es !
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 28. Juni 2017, 06:02

Interessanter Hintergrundbericht über die Ereignisse der letzten Tage zum Thema "Ehe für alle":

Ehe für alle - Große Politik im Talkshowsessel

Besonders bemerkenswert für mich die Äußerung der CSU-Spitze:
Die CSU-Führung stellt sich an diesem Tag der Überraschungen schnell auf die neue Wirklichkeit ein. Zwar sei es die „Ehe für alle“ nicht „Grundposition“ der Partei, heißt es in einer Erklärung. „Gleichwohl haben wir Respekt und Verständnis, wenn Bundestagsabgeordnete der CSU bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag ihrem Gewissen folgend eine abweichende Entscheidung treffen.“

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Edi » Mittwoch 28. Juni 2017, 08:11

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 28. Juni 2017, 06:02
Interessanter Hintergrundbericht über die Ereignisse der letzten Tage zum Thema "Ehe für alle":

Ehe für alle - Große Politik im Talkshowsessel

Besonders bemerkenswert für mich die Äußerung der CSU-Spitze:
Die CSU-Führung stellt sich an diesem Tag der Überraschungen schnell auf die neue Wirklichkeit ein. Zwar sei es die „Ehe für alle“ nicht „Grundposition“ der Partei, heißt es in einer Erklärung. „Gleichwohl haben wir Respekt und Verständnis, wenn Bundestagsabgeordnete der CSU bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag ihrem Gewissen folgend eine abweichende Entscheidung treffen.“
Für was das Gewissen heute alles herhalten muss. Die Dekadenten können doch ihre Verbindungen heutzutage längst privatrechtlich weitgehend absichern.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 28. Juni 2017, 09:05

Edi hat geschrieben:
Mittwoch 28. Juni 2017, 08:11
Für was das Gewissen heute alles herhalten muss. Die Dekadenten können doch ihre Verbindungen heutzutage längst privatrechtlich weitgehend absichern.
Es geht doch (fast) ausschließlich um die finanziellen Folgen, also Splittingtarif und Erbschaftsteuer. Die will der Fiskus nicht tragen (und wird das dementsprechend als "Steuerentlastung" bezeichnen und einrechnen). Mit Moral oder Ethik hat die politische Entscheidung nichts zu tun - das wäre ja auch mal ganz was Neues.

Bezeichnend ist mE, daß die Kanzlerin ihre Entscheidung nicht vor dem Parlament oder zumindest in der Fraktion bekanntgab, sondern in einer talk-show. Wo ist eigentlich der Unterschied zum vielgeschmähten US-Präsidenten, der sich über twitter direkt an die Bevölkerung wendet, (die ihn im übrigen - im Gegensatz zu Merkel - direkt gewählt hat)?
Gibt es da Kritik in der Presse? Kaum - man jubelt, daß die Abgeordneten jetzt "frei nach ihrem Gewissen" entscheiden dürfen....

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Gallus
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Gallus » Mittwoch 28. Juni 2017, 09:37

Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 21:36
Die Frage ist jetzt, ob/wann die EKD-Gliedkirchen nachziehen und ebenfalls die Homo-Ehe einführen.
Denn bislang geht es ja nur um die zivile Ehe. Die kirchliche Ehe ist davon noch unberührt, könnte in den staatsnahen Kirchen aber auch von dieser Entwicklung beeinflusst werden.
Wenn ich drauf wetten sollte, würde ich sagen: Länger als zehn Jahre wird es bei der EKD sicher nicht dauern, bis die "Homo-Ehe" vorm Altar Normalität ist. Und ich fürchte, das wird dazu führen, dass es das bei uns zwar in der Form nicht geben, aber die Zahl der "kreativen Segnungsfeiern" dramatisch zunehmen wird.

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 28. Juni 2017, 09:45

Gestern begründete [ein Homosexueller] seine Position im Radio wie folgt: Er müsste bei einer Bewerbung ja seinen Familienstand angeben. Wenn er nun schreibt "verpartnert", bekommt er die Stelle nicht. Also müsse er schreiben dürfen "verheiratet". Die Lüge als Einstellungsvoraussetzung.
Zuletzt geändert von Hubertus am Mittwoch 28. Juni 2017, 15:22, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Beitrag nach Beanstandung leicht sprachlich entschärft.
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von overkott » Mittwoch 28. Juni 2017, 09:48

Gallus hat geschrieben:
Mittwoch 28. Juni 2017, 09:37
Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 21:36
Die Frage ist jetzt, ob/wann die EKD-Gliedkirchen nachziehen und ebenfalls die Homo-Ehe einführen.
Denn bislang geht es ja nur um die zivile Ehe. Die kirchliche Ehe ist davon noch unberührt, könnte in den staatsnahen Kirchen aber auch von dieser Entwicklung beeinflusst werden.
Wenn ich drauf wetten sollte, würde ich sagen: Länger als zehn Jahre wird es bei der EKD sicher nicht dauern, bis die "Homo-Ehe" vorm Altar Normalität ist. Und ich fürchte, das wird dazu führen, dass es das bei uns zwar in der Form nicht geben, aber die Zahl der "kreativen Segnungsfeiern" dramatisch zunehmen wird.
Wenn in der Gesellschaft 4 Prozent und in der DKE 3, dann dürften solche Feiern auch in zehn Jahren sicher nicht normal sein. Es sei denn, die kriegen Kinder und vermehren sich erzieherisch.

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von HeGe » Mittwoch 28. Juni 2017, 10:37

Ehe für alle - Union fühlt sich von Merkel "überrumpelt"

Keine Ahnung, ob die jetzige Misere von Frau Merkel böswillig kalkuliert war oder "versehentlich" verursacht wurde, mit ihrer Aussage, die jedem Beschluss der CDU, sowie ihrem Grundsatzprogramm widerspricht, hat sie einmal mehr gezeigt, wie weit sie sich mittlerweile von der Basis der CDU entfernt hat. Die Steilvorlage, die sie den anderen Parteien damit geliefert hat, wird der CDU noch sehr weh tun.
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von RomanesEuntDomus » Mittwoch 28. Juni 2017, 11:39

Taktisches Kalkül, würde ich sagen.

Da Frau Merkel mit der Union allein immer noch nicht "durchregieren" (Copyright: Merkel 2005) kann, ist sie nach wie vor auf Koalitionspartner angewiesen, um weiterregieren zu können. Und die fangen jetzt langsam an zu lernen und lassen sich ihre Zusammenarbeit mit Madame bezahlen.

Denn schließlich hatte die SPD als Merkels Koalitionspartner die schwersten Verluste ihrer Geschichte hinzunehmen, und die FDP rutschte während und nach ihrer Rolle als Merkels Junior-Partner sogar zeitweise in den Bereich einer "Sonstige"-Partei.

Um mögliche Risiken für ihren Machterhalt (nämlich daß sie in Zukunft keinen masochistisch veranlagten Dummen mehr als Koalitionspartner findet) zu minimieren, macht sie lieber ein taktisches Zugeständnis. Die paar Leute in der Union, die jetzt mal kurz aufheulen, kann sie getrost ignorieren, denn die haben bisher noch jeden ihrer Richtungswechsel mitgemacht.

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Kai » Mittwoch 28. Juni 2017, 11:48

Ich fürchte, dass diese Taktik sogar aufgeht.

Mich jedoch hat die Dame als CDU-Wähler in den letzten Jahren schon gründlich vergrault und mit dieser Kiste zementiert sie das nur noch zusätzlich. Die CDU, wie sie sich unter dem System Merkel in den letzten Jahren entwickelt, ist für mich unwählbar geworden.
"Und wenn da ein Tabernakel rumsteht – heute neigen Tabernakel ein wenig zum Rumstehen – dann wird der überhaupt nicht beachtet."
(Dr. W. Haßelberg-Dingenskirchen)

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von HeGe » Mittwoch 28. Juni 2017, 13:43

kath.net hat geschrieben:Bosbach: CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist 'überrascht' bei Ehe für alle

Wolfgang Bosbach kritisiert gegenüber KATH.NET: „Wir waren überrascht, dass dieser erhebliche Politikwechsel beim Gespräch mit ‚Brigitte‘ verkündet wurde, nicht etwa nach sehr gründlichen Beratungen in Partei und Fraktion.“ [...]
Die Frage ist nun, welche Konsequenzen dieser Politikstil nach sich ziehen wird.
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von RomanesEuntDomus » Mittwoch 28. Juni 2017, 15:18

HeGe hat geschrieben:Die Frage ist nun, welche Konsequenzen dieser Politikstil nach sich ziehen wird.
Die Antwort ist einfach: Die Konsequenz wird sein, daß sie und ihr Hofstaat ihre Macht behalten. Im Gegenzug beißt sie samt ihrem Gefolge eben einmal in den sauren Apfel und lässt nach drei Legislaturperioden auch mal eine Abstimmung zu, bei der ausnahmsweise sogar einmal die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse in Deutschland und im Bundestag (ob es uns passt oder nicht) zur Geltung kommen dürfen.

Im übrigen kommen mir doch manchmal leichte Zweifel, ob sie sich tatsächlich so weit von der berühmten Basis der Union entfernt hat, denn ich habe in letzter Zeit verstärkt den Eindruck, daß es einem beachtlichen Teil dieser Basis und erst recht vielen Abgeordneten in Wirklichkeit völlig schnurzpiepegal ist, ob und wer sich mit wem "verpartnert" oder ihn "heiratet".

Gerade stolperte ich noch zufällig über einen mehrere Jahre alten Artikel, in dem ich zwar ziemlich oft "CDU" lese, in dem das Wort "Merkel" aber gar nicht vorkommt:

https://www.welt.de/politik/deutschland ... hzeit.html
Altkanzler Kohl Trauzeuge bei Schwulenhochzeit

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl (83) ist auf seine alten Tage noch einmal Trauzeuge geworden – bei der Hochzeit seines Anwalts Stephan Holthoff-Pförtner mit einem anderen Juristen. ... Holthoff-Pförtner, der ebenfalls CDU-Mitglied ist, verteidigte Kohl gegen Ende der 90er-Jahre in der CDU-Spendenaffäre. ...

Nach Berichten von „Bunte“ und „Westdeutscher Allgemeiner Zeitung“ waren bei der Hochzeit auch Kohls Ehefrau Maike Kohl-Richter und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) dabei. ...

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Pilgerer » Mittwoch 28. Juni 2017, 17:30

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 22:30
Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 27. Juni 2017, 21:36
Die Frage ist jetzt, ob/wann die EKD-Gliedkirchen nachziehen und ebenfalls die Homo-Ehe einführen.
Denn bislang geht es ja nur um die zivile Ehe. Die kirchliche Ehe ist davon noch unberührt, könnte in den staatsnahen Kirchen aber auch von dieser Entwicklung beeinflusst werden.
Irre ich mich, oder könnte das dann im schlimmsten Fall auch unerwartete Auswirkungen auf die katholische Kirche haben?

(Zufällig fiel mir gerade der Satz ein: "Jede Ehe zwischen Getauften ist sakramental".)
Sie könnte feststellen, dass wir in die Zeit vor die konstantinische Wende zurück gefallen sind, als das römische Reich heidnisch und mit heidnischen Prinzipien regiert war. Dann könnte sie ihre Beziehung zum Staat ähnlich definieren wie damals.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von ar26 » Donnerstag 29. Juni 2017, 13:40

Auch wenn die voraussichtliche Änderung des BGB im BT vmtl. nicht aufzuhalten ist, könnte sie dem angeblich Konservativen Teil der Union die Möglichkeit geben, sich zu profilieren. Denn es würde reichen, wenn etwas mehr als die Hälfte der Fraktion, d.h. 1/4 der Abgeordneten ein Normenkontrollverfahren nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG initiieren, um die Verfassungswidrigkeit feststellen zu lassen. Das ist momentan ungefährlich, denn alle Wahlkreise und Listenplätze sind vergeben, Ausreden gibt es nicht. Tun sie es nicht, kann kein Katholik diese Truppe mehr wählen, es sei denn er leidet an Geistesschwäche.
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von RomanesEuntDomus » Donnerstag 29. Juni 2017, 14:59

Warten wir's ab.

Gerade habe ich noch eine andere Version der Dinge gelesen, die mir jedenfalls nicht völlig unplausibel erscheint und die auch eines gewissen genialen Humors nicht entbehren würde, falls sie denn zuträfe:

https://qpress.de/2017/06/29/merkel-leg ... fuers-bvg/
.. Wer hätte das gedacht, dass Angela Merkel nochmal so fürchterlich nachlegt. Natürlich, das wird sie nicht selbst machen, das machen einige Gefolgsleute aus der Partei für sie. Demnach wird es unmittelbar nach dem “Ehe für alle“-Bundestagsbeschluss am Freitag auch die “Ehe fürs Bundesverfassungsgericht” geben. Wer meint, dass dies nicht von vornherein geplant sei, der träumt noch immer den sehr naiven Traum eines Martin Schulz. Wie es aussieht, wird Merkel den jetzt voll vor die Wand fahren und er macht vollends begeistert mit. ...

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 29. Juni 2017, 15:13

Sicher, wenn nicht mit der CDU dann durch irgendwen anders, vor dem Verfassungsgericht wird das Gesetz schon landen. Dann ist aber der Wahlkampf längst vorbei.

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 29. Juni 2017, 15:56

ar26 hat geschrieben:
Donnerstag 29. Juni 2017, 13:40
Das ist momentan ungefährlich, denn alle Wahlkreise und Listenplätze sind vergeben, Ausreden gibt es nicht. Tun sie es nicht, kann kein Katholik diese Truppe mehr wählen, es sei denn er leidet an Geistesschwäche.
"Ausreden gibt es nicht" - das gilt allenfalls für Abgeordnete, die nicht mehr kandidieren. Andernfalls können sehr wohl "Bestrafungen" nach der Wahl erfolgen. Wurden nicht die Abgeordneten Willsch, Bellmann und Funk aus dem Haushaltsausschuß versetzt, weil sie gegen die "Rettungspolitik" von Merkel stimmten?
Nach der Bundestags-Wahl 2013 bekam ich eine SMS aus der entscheidenden Sitzung zur Neubesetzung der Ausschüsse: Die Fraktionsführung dulde nur noch Kollegen im Haushaltsausschuss, die den 'Euro-Kurs der Kanzlerin' uneingeschränkt mittragen.
http://www.bild.de/politik/inland/cdu/b ... .bild.html

Im übrigen würde ein Abgeordneter, der gegen das Gesetz -und damit die Gewissensentscheidung der Parlamentsmehrheit- klagt als "schlechter Verlierer" dastehen. Was schert man sich seit Merkel denn um das Grundgesetz, Verträge oder einfache Gesetze, wenn es einem nicht paßt? :D

Auch in der Bevölkerung käme man schlecht an, hier herrscht das Streben nach Harmonie:
Angela Merkel ist zum Symbol dieser deutschen Sehnsucht nach einer Konsensdemokratie ohne Streit und Diskurs geworden. Selten vorher wurde diese Sehnsucht so schamlos ausgenutzt wie unter ihr, indem alles, was hätte Streit bedeuten können, aus dem Diskurs entfernt wurde. Dass dabei auch alles, was wirtschaftspolitische Strukturreformmaßnahmen oder den Umgang mit der sich seit Jahren abzeichnenden Völkerwanderung betrifft, aus dem Diskurs verschwand, hat ja nicht Frau Merkel geschadet, sondern nur dem Land und seinen Debatten.
Betreute Demokratie - das deutsche Missverständnis

Kisslers Konter:
Staat, Partei, einerlei

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 29. Juni 2017, 22:22

Die Position und die Wendung der CSU zur "Ehe für alle" wird in diesem Punkt dargestellt:

Herr der Wendungen

und wie man es erwartet von dieser sonst so großmäuligen Partei und ihrem Vorsitzenden: Umfallen, Beschwichtigungen, wenn eine zentrale Position im Wahlprogramm von der Kanzlerin in einer Interviewsendung abgeräumt wird.
Es gebe keinen Anlass für Kritik an der Bundeskanzlerin, sagte Blume dem Deutschlandfunk. „Wir liegen da nicht auseinander.“ Merkel habe die Ehe nicht relativiert, sondern die Verständigung in einer grundlegenden Frage gesucht.
Da fehlem einem doch glatt die Worte.

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Niels » Sonntag 18. Februar 2018, 16:54

"Laschet warnt vor Rechtsruck in der Union": https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 81157.html
In der Diskussion um eine Neuausrichtung hat der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet seine Partei vor einem Rechtsruck gewarnt. "Wir müssen deutlich machen, dass der Markenkern der Christlich Demokratischen Union eben nicht das Konservative ist, sondern dass das christliche Menschenbild über allem steht", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.)
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Caviteño » Montag 19. Februar 2018, 01:33

Niels hat geschrieben:
Sonntag 18. Februar 2018, 16:54
"Laschet warnt vor Rechtsruck in der Union": https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 81157.html
Der hat seinen Wahlsieg in 2017 auch nur der Tatsache zu verdanken, daß die SPD an Rhein und Ruhr bei ihren früheren Wählern "durch" ist und mit Kraft bzw. Innenminister Jäger auch gleich zwei Protagonisten hatte, die für Desinteresse (Funkloch) und Unfähigkeit (Köln) am bzw. im Amt standen. Dazu kam die vollkommen verfehlte Schulpolitik der Grünen.

Laschet kann von einem "Rechtsruck" soviel reden wie er will: Wenn die Union das "Flüchtlings"problem nicht in den Begriff bekommt, werden ihre Zustimmungswerte immer weiter sinken. Der Weg, jährlich eine Großstadt wie Mainz oder Kassel neu einwandern zu lassen, dürfte da nicht zielführend sein.

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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Niels » Montag 19. Februar 2018, 09:08

Nachdem Herr Tauber seinen baldigen Abschied als "CDU-Generalsekretär" verkündet hat (für mich kein Verlust; über die Gründe wird spekuliert; persönlich wünsche ich ihm alles Gute), liest man folgende "Eilmeldung": https://www.welt.de/politik/deutschland ... erden.html
Meine Meinung: Wenn Frau Kramp-Karrenbauer schlau ist, lässt sie's.
Ich hätte ja Frau Göring-Eckardt vorgeschlagen. :emil:
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Raphael » Montag 19. Februar 2018, 10:01

Niels hat geschrieben:
Montag 19. Februar 2018, 09:08
Nachdem Herr Tauber seinen baldigen Abschied als "CDU-Generalsekretär" verkündet hat (für mich kein Verlust; über die Gründe wird spekuliert; persönlich wünsche ich ihm alles Gute), ..............
Dem Vernehmen nach hat er's am Darm ................
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

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Niels
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Niels » Montag 19. Februar 2018, 10:07

So ein Amt bleibt wohl nicht ohne Spuren. Wünschen wir ihm baldige Genesung!
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Raphael
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Raphael » Montag 19. Februar 2018, 10:15

Niels hat geschrieben:
Montag 19. Februar 2018, 10:07
So ein Amt bleibt wohl nicht ohne Spuren. Wünschen wir ihm baldige Genesung!
In jeder Hinsicht! :ja:
Mit Weisheit wird der Umgang mit der Klugheit bezeichnet!

Caviteño
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Re: CDU / CSU - christliche Parteien?

Beitrag von Caviteño » Montag 19. Februar 2018, 10:26

Niels hat geschrieben:
Montag 19. Februar 2018, 09:08
Nachdem Herr Tauber seinen baldigen Abschied als "CDU-Generalsekretär" verkündet hat (für mich kein Verlust; über die Gründe wird spekuliert; persönlich wünsche ich ihm alles Gute), liest man folgende "Eilmeldung": https://www.welt.de/politik/deutschland ... erden.html
Meine Meinung: Wenn Frau Kramp-Karrenbauer schlau ist, lässt sie's.
Ich hätte ja Frau Göring-Eckardt vorgeschlagen. :emil:
Wow, die wurde eigentlich als Ministerin gehandelt, um sie als Merkel-Nachfolgerin aufzubauen - so spekulierten jedenfalls die Medien. Als Generalsekretärin ist sie direkt Merkel (der Parteivorsitzenden) unterstellt, die sie so unter "Kontrolle" hat. Schaut man sich die Liste an, steht am Ende meist ein Ministeramt (Ausnahme: Merkel) - mehr nicht.

Dann könnte es tatsächlich etwas werden mit einem Verteidigungsminister Spahn, sofern vdL nach Brüssel entsorgt wird.

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