Goldhagen und der Antisemitismus

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Uwe Schmidt
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Goldhagen und der Antisemitismus

Beitrag von Uwe Schmidt »

Das Thema wurde abgesplittet aus "Spekulatives zu den Jesuiten". Uwe hat es nicht eröffnet.
Biggi



Ist zwar aus haggalil, aber immerhin:

Diese strikte Unterscheidung zwischen 'antijüdischen Ressentiments', oder Antijudaismus, wie die Vertreter der Kirche es nennen, und 'modernem neuheidnischen Antisemitismus' läßt Goldhagen nicht gelten und verweist unter anderem auf diverse Ausgaben der Jesuiten Zeitung Civiltà cattolica, die, gegründet 1850, gewissermaßen als das Sprachrohr des heiligen Stuhls galt. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber auch unmittelbar vor und nach Hitlers Machtergreifung finden sich in dieser Publikation antisemitische Formulierungen, die von denen eines Julius Streicher in seinem Hetzblatt Der Stürmer kaum zu unterscheiden sind, wie einige Artikel belegen, die Goldhagen in Auszügen zitiert:
"1922 hieß es zum Beispiel: 'Die Welt ist krank [...] Überall werden Völker von unerklärlichen Krämpfen geschüttelt [...]' Wer ist daran schuld? 'Die Synagoge.' 'Jüdische Eindringlinge' steckten hinter Russland und der Kommunistischen Internationale, der größten Gefahr für die Weltordnung. 1936 – die Nürnberger Gesetze waren erlassen, und die Juden in Deutschland standen seit Jahren unter Beschuss – griff Civiltà cattolica auf gängige antisemitische Floskeln der NS-Propaganda zurück und warf den Juden vor, sie seien 'einzig und allein mit den Eigenschaften von Parasiten und Zerstörern versehen' und zögen im Kapitalismus wie im Kommunismus die Fäden, um durch einen Zangengriff die Weltherrschaft an sich zu reißen. 1938 erinnerte sie an 'die anhaltenden Verfolgungen der Christen, insbesondere der katholischen Kirche, durch die Juden und an ihre Allianz mit den Freimaurern, den Sozialisten und anderen antichristlichen Parteien.' (...)
Außerdem schlug sie eine noch extremere Lösung der vermeintlichen Judenfrage vor, in eigenen Worten: 'drastisch feindselig' durch 'Vernichtung' " (S. 111f)

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D »

Goldhagen, so so. Na, da weiss man ja, aus welcher Ecke der Wind bläst. Statt Wind könnte man natürlich auch das handfestere "Furz" sagen. Jedenfalls stinkts.

Goldhagen ist keine Quelle, sondern ein Mistkübel. Offensichtlich hast Du auch nicht verstanden, dass Goldhagen nicht die Jesuiten, sondern den Heiligen Stuhl attackiert.
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

Ralf
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Beitrag von Ralf »

Und wenn Du, Uwe, schon hagalil.com zitierst, dieser Quelle also vertraust, dann solltest Du auch gucken, wo hagalil Goldhagen zitiert und wo dieser wiederum die Civiltà cattolica zitiert und aus welchem Zusammenhang dieser das Zitat dort reißt.

Bei Verleumdungen muß man redlicherweise so vorgehen, sonst zeigt der lapidare Umgang mit Zitaten nur, daß man bereits vorhandene eigene Vorurteile bestätigt sehen will.

Mit so einer Zitierweise wie bisher, Uwe, landest Du hier nicht gut.
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Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt »

Wird denn IMPRIMATUR eher akzeptiert?

http://www.phil.uni-sb.de/projekte/impr ... 20205.html:


Die Amtszeit Leos XIII. (1878-1903 ) brachte für die Juden im Kirchenstaat - in diesem, nun auf den heutigen Vatikan reduziert, gab es seit 1871 kein Ghetto mehr - eine "fatale Wendung": "Der Vatikan stellte sie zusehends als Drahtzieher einer Verschwörung zur Zerstörung der Kirche dar" (S. 182). An die Spitze dieses Kreuzzuges gegen die Juden, damit den "Aufstieg des modernen Antisemitismus" begünstigend (S. 182), setzte sich die 1850 gegründete, unter der Kontrolle des Papstes und seines Kardinalstaatssekretärs gehaltene Jesuitenzeitschrift "Civiltà cattolica". 1880 begann diese einflussreiche Publikation einen auf Jahre angelegten Feldzug mit einer Reihe antijüdischer Artikel, die sich des öfteren auf zeitgenössische antisemitische Pamphlete stützten, mit einem - bildlich gesprochen - heftigen Paukenschlag, als sie europäischen Regierungen empfahl, "Sondergesetze für eine Rasse einzuführen, die in so außergewöhnlicher Weise durch und durch verdorben ist", womit sie die Juden meinte (S. 181). Mit gewissermaßen päpstlichem Imprimatur konnte die Zeitschrift über Jahre ihren Lesern einhämmern, dass die Juden,

"dieses fremde Volk, wenn es zu viel Freiheit erhält, sofort zum Verfolger, Unterdrücker, Tyrannen, Dieb und Zerstörer der Länder" werde, in denen es lebe (S. 183).

Die Zeitschrift zog auch gleich mit dem modernen nationalistischen und völkischen Antisemitismus, denn die Juden, "Diebe, Lügner, Ignoranten, Pestbeulen und die Plage aller in Nah und Fern ... sind nicht nur aufgrund ihrer Religion Juden ... sie sind Juden auch und besonders aufgrund ihrer Rasse" (S. 184). Ein weiteres Glied in dieser argumentativen Kette war die "Vorstellung einer jüdischen Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft" (S. 186), die schon seit dem Spätmittelalter virulent gewesen war, und die damit begründet wurde, dass der Talmud von den Juden verlange, "Christen zu betrügen und sogar zu ermorden" (S. 189). Die Juden, so war in der Civiltà cattolica in den 90er Jahren zu lesen, hätten "eine zügellose Kampagne des Wuchers, der Monopolisierung und des Diebstahls" begonnen zur "Vernichtung des Christentums" und zur "Unterminierung der christlichen Nation", letztlich, um ihre eigene Herrschaft "vorzubereiten, die der Talmud ihnen ... verheißen hat" (S. 193).

Auch der aus wirtschaftlichen und sozialen Ressentiments sich speisende Antisemitismus wurde von den Jesuitenredakteuren sehr bildhaft und drastisch bedient:

"Die jüdische Nation (sei) ein riesiger Krake, der mit seinen übergroßen Tentakeln alles ergreift. Sein Bauch sind die Banken ... und die Saugnäpfe sind überall: in Verträgen und Monopolen, in Postdiensten und Telegrafengesellschaften, in Schifffahrt und Eisenbahn, in Stadtsäckeln und Staatsfinanzen". Die jüdische Nation, so hieß es dann mit antikapitalistischem Akzent, verkörpere "das Königreich des Kapitals", die "Aristokratie des Goldes" und regiere unangefochten (S. 195). Als politische und ökonomische Instrumente zur Eroberung der Weltherrschaft benutzten die Juden die Börse, die Freimaurerei und die Presse (S. 195).

Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt »

Wie ich gerade sehe, fußt der obige Artikel auch wieder auf GOLDHAGENs Verleumdungen. Dennoch kann man davon ausgehen, dass dieser antikatholische Jude CIVILTÀ CATTOLICA korrekt zitiert; das sind ja Mindestanforderungen für wissenschaftliches Arbeiten, gell? :mrgreen:

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D »

Du willst uns also mit Deinen Zitaten sagen - die ich im Origninal nicht nachprüfen kann, die aber, wenn sie denn stimmen - sehr weh tun - die katholische Kirche des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sei antisemitisch gewesen und habe geholfen, den Boden für den Holocaust vorzubereiten?
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Stefan

Beitrag von Stefan »

Erich_D hat geschrieben:Du willst uns also mit Deinen Zitaten sagen
Wer ist "uns"?

Laura

Beitrag von Laura »

Ich glaube schon, dass beide Kirchen latent antisemitisch waren. Ich habe vor einigen Jahren mal die vorkonziliare Fassung der großen Fürbitten des Karfreitags gelesen. Die Fürbitte "Für die Juden" ist schon erschreckend. Da wundert es mich nicht, dass Katholiken (sicher nicht alle) möglicherweise auch noch geglaubt haben, dass das was Hitler tat, nicht schlecht war. Vorgestern war hier ein Artikel in der Zeitung über ein ev. Gemeindehaus, das in den 30er Jahren eingeweiht worden ist mit Ausschnitten aus der Predigt des damaligen Pfarrers. Da ist dann munter die Rede von "Hitler als Gottesgeschenk" etc.
Christlichen Antijudaismus hat es sicher gegeben ...

Laura

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D »

Stefan hat geschrieben:
Erich_D hat geschrieben:Du willst uns also mit Deinen Zitaten sagen
Wer ist "uns"?
Nun, Ralf und ich, da wir uns beide kritisch gegenüber den Theses U.S. geäussert haben.
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Peter
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Beitrag von Peter »

Ich möchte, wenn es um den angeblichen kirchlichen «Antisemitismus» geht, auf Kardinal Lustigers Buch «Gotteswahl» verweisen.

Ich habe kaum je den Unterschied zwischen Antijudaismus und Antisemitsimus derart deutlich herausgearbeitet gefunden wie dort. Eigentlich würde ich euch gerne etwas dazu herauskopieren.

Und die Sache mit dem Daniel Goldhagen – man muß seine Religionszugehörigkeit nicht eigens betonen – «der Jude Goldhagen». Er ist jedenfalls sehr umstritten und Zitate von ihm nehme ich mit großer Reserviertheit zur Kentnis.

Micha

Beitrag von Micha »

leer
Zuletzt geändert von Micha am Donnerstag 3. Februar 2005, 16:36, insgesamt 1-mal geändert.

Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt »

Micha hat geschrieben:
Peter hat geschrieben:Und die Sache mit dem Daniel Goldhagen – man muß seine Religionszugehörigkeit nicht eigens betonen – «der Jude Goldhagen». Er ist jedenfalls sehr umstritten und Zitate von ihm nehme ich mit großer Reserviertheit zur Kentnis.
Was hat das mit seiner Religionszugehörigkeit zu tun? Oder meinst du seine Volkszugehörigkeit?
*kritischguck*

Na die meisten Antisemitismusvorwürfe kommen doch naturgemäß von jüdischer Seite. Es wäre mal interessant, so ein paar alte Nummern des "Papstorgans" LA CIVILTÀ CATTOLICA zu haben, das wäre bestimmt interessant. Mich wundert das überhaupt nicht, dass Christen von Anfang an unbekehrte Juden als die schlimmsten Feinde angesehen haben - und dann, als die Kirche das Erbe eines Weltreichs angetreten hatte, hatten die Juden sicher nicht mehr viel zu lachen. Diese ständige Unterdrückung während fast 2000 Jahren unter christlicher und muslimischer Knute hat dieses kleine Volk eben hart und schlau gemacht, das ist nur natürlich. Das darf aber nicht dazu verführen, aus Juden engelsgleiche Wesen zu machen, die keinerlei Ziele verfolgen würden; schließlich geht es um den Fortbestand der Ethnie wie der Religion.

Ralf
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Beitrag von Ralf »

Micha hat geschrieben:Oder meinst du seine Volkszugehörigkeit?
*kritischguck*
Goldhagen ist meines Wissens nach Amerikaner.
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beth
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Beitrag von beth »

Erich_D schreibt:
Goldhagen, so so. Na, da weiss man ja, aus welcher Ecke der Wind bläst. Statt Wind könnte man natürlich auch das handfestere "Furz" sagen. Jedenfalls stinkts.

Goldhagen ist keine Quelle, sondern ein Mistkübel. Offensichtlich hast Du auch nicht verstanden, dass Goldhagen nicht die Jesuiten, sondern den Heiligen Stuhl attackiert.
Deinen Anti-judaismus bzw. –semitismus will ich nicht kritiklos hier stehen lassen.
Das ist ja schon ein starkes Stück „Na, da weiss man ja, aus welcher Ecke der Wind bläst. … Jedenfalls stinkts.“

Ich frag mich, lese ich da einen thread aus einem Neonaziforum? Ist ja nicht zu fassen.
Schließlich ist Goldhagen ein international anerkannter Historiker und kein „Stürmer-schreiber“.

Auch wenn Dir seine Kritik „sehr weh tun - die katholische Kirche des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sei antisemitisch gewesen und habe geholfen, den Boden für den Holocaust vorzubereiten?“ – dann lass Dich doch von dieser Kritik hellhörig werden und betreffen lassen. Der Papst zumindest, der in Polen unter Juden aufgewachsen ist, lässt sich betreffen und bittet die Juden für die begangenen schweren Untaten der Kirche und der Christen um Vergebung.

Es ist für Christen aller Konfessionen höchste Zeit dieses „mea culpa“ zu sprechen und den nächsten Schritt zu tun, unsere Wurzeln als gemeinsame zu erkennen und Wege zu suchen, wie wir sie wieder gemeinsam zu Kraft und Blühen bringen können – „aus Jesse kam die Art“ – wozu gerade der Advent Dich doch auch ermutigen sollte, damit es keine fromme Floskel bleibt.

Ralf
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Beitrag von Ralf »

beth, Erich D hat null Antisemitismus oder -judaismus hier gezeigt.

Goldhagen ist in Fachkreisen eben kein anerkannter Historiker. Oder anders gesagt: ungefähr so anerkannt wie Drewermann bei Psychologen...

Fachliche Kritik ist immer erlaubt, ohne Ansehen der Person. Wenn Du das als Antisemitismus wertest, hast Du ein Problem, nicht Erich oder andere.
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Peter
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Beitrag von Peter »

Beth würde den Antisemitismus noch in ihrem Blumentopf entdecken …

beth
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Beitrag von beth »

Ralf
Fachliche Kritik ist immer erlaubt
Anscheinend kenntst Du nicht die Bedeutung von fachlicher Kritik.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Peter hat geschrieben:»Beth würde den Antisemitismus noch in ihrem Blumentopf entdecken …«
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beth
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Beitrag von beth »

Danke Robert für die schöne „Aloe vera“. Der Saft daraus soll sehr gesund sein und die Pflanze hat dazu noch heilende und hautpflegende Wirkung was man von Atijudaismus nicht sagen kann.
Sehr schön. ;)

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D »

Hoppala, das hätte ich fast übersehen. Antisemit? Weil ich von Goldhagen als Historiker nicht viel halte? Weil ich meine, dass er sein Material tendenziös aufbereitet?

Hm, wie weise ich jetzt nach, dass ich kein Antisemit bin? Meine Beteuerung keiner zu sein, wird das genügen? Oder muss ich Goldhagen mögen?
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Peter
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Beitrag von Peter »

Nein Erich, deine Beteuerung keiner zu sein, macht dich erst recht verdächtig …


Im Ernst, ich finde diese Bezichtigung schon sehr neben der Kappe. So etwas kann auch editiert werden. Du mußt dir das hier nicht anthun. (Dackel hin, Dackel her.)

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Edi
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Beitrag von Edi »

Du musst jetzt den Gegen-Antisemiteneid schwören, sonst bleibt für immer etwas an dir hängen. ;D

beth
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Beitrag von beth »

Erich_D schreibt:
Goldhagen, so so. Na, da weiss man ja, aus welcher Ecke der Wind bläst. Statt Wind könnte man natürlich auch das handfestere "Furz" sagen. Jedenfalls stinkts.

Goldhagen ist keine Quelle, sondern ein Mistkübel. Offensichtlich hast Du auch nicht verstanden, dass Goldhagen nicht die Jesuiten, sondern den Heiligen Stuhl attackiert.

**

Weil ich meine, dass er sein Material tendenziös aufbereitet
Antisemit: Weil ich meine, dass Du eine Person mit Attributen verläumdest, siehe oben, die das deutlich machen und ich deswegen Deine Äußerungen mehr als tendenziös bezeichnen würde.

Hättest Du auch nur eines der Bücher Goldhagens gelesen, würdest Du sehen, dass darin seitenweise Quellenangaben zu finden sind und würdest ihn dann trotzdem nicht mögen, weil Deine Meinung leider siehe oben vorgeprägt ist.
So ist das mit dem Antisemitismus.

Deswegen kann ich nur hoffen, dass Du Dich vielleicht doch irgendwann von der unseligen Geschichte des Christentums was z.B. die Juden angeht, betreffen lässt.

Cicero
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Beitrag von Cicero »

beth hat geschrieben:
Erich_D schreibt:
Goldhagen, so so. Na, da weiss man ja, aus welcher Ecke der Wind bläst. Statt Wind könnte man natürlich auch das handfestere "Furz" sagen. Jedenfalls stinkts.

Goldhagen ist keine Quelle, sondern ein Mistkübel. Offensichtlich hast Du auch nicht verstanden, dass Goldhagen nicht die Jesuiten, sondern den Heiligen Stuhl attackiert.

**

Weil ich meine, dass er sein Material tendenziös aufbereitet
Antisemit: Weil ich meine, dass Du eine Person mit Attributen verläumdest, siehe oben, die das deutlich machen und ich deswegen Deine Äußerungen mehr als tendenziös bezeichnen würde.

Hättest Du auch nur eines der Bücher Goldhagens gelesen, würdest Du sehen, dass darin seitenweise Quellenangaben zu finden sind und würdest ihn dann trotzdem nicht mögen, weil Deine Meinung leider siehe oben vorgeprägt ist.
So ist das mit dem Antisemitismus.

Deswegen kann ich nur hoffen, dass Du Dich vielleicht doch irgendwann von der unseligen Geschichte des Christentums was z.B. die Juden angeht, betreffen lässt.
In dem Wissen mich jetzt auch des Antisemitismus verdächtig zu machen, was, wie ich glaube, jeder, der mich etwas näher kennt, nur lächerlich finden kann, muß ich leider bestätigen, daß Goldhagen sein Material tendenziös, ich bin sogar versucht zu sagen, verfälschend auswertet.
Dazu habe ich vor einigen Jahren mal sein Buch "Hitlers willige Vollstrecker" auf einen bestimmten Aspekt hin untersucht.
Es ging um die Frage des Antesemitismus resp. Antijudaismus in der Katechese. Hier erhebt Goldhagen erhebliche Vorwürfe, die ich nach genauen Studien der Quellen so nicht bestättigt gefunden habe.
Goldhagen hängt daran aber unter anderem Seine These auf, daß ganz normale Deutsche gerade auch dadurch disponiert waren, am Holocaust mitzuwirken.
Von Einzelfällen, wie Goldhagen dies tut, auf die Gesamtheit zu schließen, halte ich mit Verlaub für unseriös. Solches zieht sich, so weit ich das einschätzen kann, durch das gesamte Buch. Er sucht sich Quellen und wertet diese willkürlich aus. Sicher ist die Anzahl der Quellen reichhaltig, so reichhaltig, daß sie in ihrer Gesamtheit nicht nachvollziehbar sind. Daher hatte ich mich auf einen ganz geringen Teil beschränkt und exemplarisch dieses Vorgehen beschrieben.
Erichs Einschätzung kann ich daher nur bestätigen.
Es stellt sich die Frage: qui bono?

Von der Beantwortung dieser Frage erschließt sich die Motivation.

beth
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Beitrag von beth »

Hallo Cicero
In dem Wissen mich jetzt auch des Antisemitismus verdächtig zu machen, was, wie ich glaube, jeder, der mich etwas näher kennt, nur lächerlich finden kann, muß ich leider bestätigen, daß Goldhagen sein Material tendenziös, ich bin sogar versucht zu sagen, verfälschend auswertet.
Dazu habe ich vor einigen Jahren mal sein Buch "Hitlers willige Vollstrecker" auf einen bestimmten Aspekt hin untersucht.
Es ging um die Frage des Antesemitismus resp. Antijudaismus in der Katechese. Hier erhebt Goldhagen erhebliche Vorwürfe, die ich nach genauen Studien der Quellen so nicht bestättigt gefunden habe.
Goldhagen hängt daran aber unter anderem Seine These auf, daß ganz normale Deutsche gerade auch dadurch disponiert waren, am Holocaust mitzuwirken.
Von Einzelfällen, wie Goldhagen dies tut, auf die Gesamtheit zu schließen, halte ich mit Verlaub für unseriös. Solches zieht sich, so weit ich das einschätzen kann, durch das gesamte Buch. Er sucht sich Quellen und wertet diese willkürlich aus. Sicher ist die Anzahl der Quellen reichhaltig, so reichhaltig, daß sie in ihrer Gesamtheit nicht nachvollziehbar sind. Daher hatte ich mich auf einen ganz geringen Teil beschränkt und exemplarisch dieses Vorgehen beschrieben.
Erichs Einschätzung kann ich daher nur bestätigen.
Dein Statement beeindruckt mich keineswegs, ist es doch an allgemeinen Bekundungen und Andeutungen reich aber besagt nichts konkretes.

„Seine These, dass ganz normale Deutsche gerade auch dadurch disponiert waren, am Holocaust mitzuwirken“ kann ich mit meiner Lebenserfahrung (einiges über 60) mit noch viel älteren und deren Geschichte bestätigen.
Die über zweihundertjährige Geschichte des „Deutschen Idealismus“ seit Schiller, Fichte u. noch viele andere hat dazu immens beigetragen, worauf ich aber im Detail nicht eingehen kann und will. Das heißt, die Grundstruktur ist seit langem im „Deutschen Volk“ gelegt gewesen. Antijudaismus und Antisemitismus gibt es wahrlich auch in anderen europäischen Nationen, aber die Auswirkungen wie sie sich konkretisierten, waren nur im „Deutschen Volk“ möglich an hand der besagten Vor-Geschichte.

„Er sucht sich Quellen und wertet diese willkürlich aus“.
Bei dem von Dir angesprochenen Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ bezieht er sich auf über 1300, in Worten, „eintausenddreihundert“ Quellenangaben.
Deshalb kann ich aus meiner Lebenserfahrung sehr wohl sagen, „dass sie in ihrer Gesamtheit nachvollziehbar sind“.

Peter
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Beitrag von Peter »

Wenn ich die Rezensionen richtig verfolgt habe, war die außerordentliche Fülle an Material in «Hitlers willige Vollstrecker» auch nicht der Kritikpunkt.

Dennoch mahne ich dich, Beth, diese Forum nicht für unbegründete und ehrenrührige Anschuldigungen zu mißbrauchen.

Cicero
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Beitrag von Cicero »

beth hat geschrieben:Dein Statement beeindruckt mich keineswegs, ist es doch an allgemeinen Bekundungen und Andeutungen reich aber besagt nichts konkretes.
Ich sehe, daß ich vergebens schrieb, wie erwartet.
beth hat geschrieben:, „dass sie in ihrer Gesamtheit nachvollziehbar sind“.
Ja, dann gebe ich jetzt meine Job auf und vollziehe bis an meine Lebensende nur Quellen nach. :D Würde nicht lange dauern, da ich in Kürze verhungert wäre.
Du wirst mich nicht davon abbringen, daß Goldhagen ein unseriöser Schreiberling ist, der zumindest tendenziös schreibt. Da ich Dich nicht beeindrucken kann, brauche ich auch nichts weiter dazu zu schreiben.

Ralf
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Beitrag von Ralf »

Begründet eiegtnlich der Vorwurf des Antisemiten den Bestand des Rufmordes hierzulande (nur aus Neugier, der Erich D ist ja auch Deutscher, wenn auch ein besonderer ;) )?

(Abgesehen scheint beth beharrlich die Meinungen von Goldhagens Fachkollegen zu dessen Arbeiten zu verdrängen. Naja, Knopp ist auch populär..)
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D »

Vorerst ein Eingeständnis: ja, mit meiner ersten Reaktion auf Uwe Schmidts Posting, in dem er Goldhagens Name in den Ring - die Diskussion - warf, habe ich überzogen. Ich neige mitunter zu plastischer Formulierung, hier aber war ich zu scharf. Diese Schärfe entsprang einem Ärger, der nicht Goldhagen, sondern Uwe und seiner Agitation gegen den Jesuitenorden geschuldet war. Die Formulierung bedaure ich, habe sie eigentlich bald nach dem Absenden bedauert, da dann aber bereits Beiträge darauf Bezug nahmen, ließ ich sie stehen.

Die Formulierung bedaure ich, in der Sache aber halte ich meine Kritik aufrecht. Goldhagen ist kein Historiker (ist er übrigens tatsächlich nicht, sondern Politologe), und obwohl er im Effekt als solcher auftritt, letztlich beansprucht eine geschichtliche Aussage zu treffen, arbeitet und argumentiert er nicht als Historiker. Es würde nichts bringen, wollte ich nun meine Argumente gegen ihn auflisten. Für beth wäre damit ja doch nur der Nachweis erbracht, dass ich eben doch, meinen Beteuerungen zum Trotz, ein unverbesserlicher Antisemit bin. Aus diesem Grunde bringe ich nicht meine Stimme zu Gehör, sondern jene von Rabbi David G. Dalin, Visiting Fellow an der Universität Princeton, Autor und Co-Autor mehrerer zeitgeschichtlicher Werke mit Bezug auf das Judentum (The Presidents of the United States & the Jews; The Pius War: Responses to the Critics of Pius XII; in Arbeit: Two Popes and the Jews: Pius XII and John Paul II).

Die von mir mir zitierten Ausschnitte sind im Magazin "The Weekly Standard", Volume 008, Issue 21, unter dem Titel "History as Bigotry. Daniel Goldhagen slanders the Catholic Church" erschienen. Sie sind eine kritische Auseinandersetzung mit Goldhagens Buch "A Moral Reckoning. The Role of the Catholic Church in the Holocaust and Its Unfulfilled Duty of Repair".
Rabbi David G. Dalin hat geschrieben:... In "A Moral Reckoning," Goldhagen's argument is, once again, simplistic. It's dishonest and misleading as well. He identifies Christianity, and particularly the Catholic Church, as the preeminent source of anti-Semitism in the world--ancient, medieval, and modern. While indicting Pius XII as an anti-Semite and a collaborator with Nazi Germany--and ignoring any contradictory evidence--Goldhagen goes on to attribute anti-Semitism to the entire Catholic Church and its leadership, even the present-day Church under John Paul II.

Indeed, the book is so flawed--its facts error-prone, its arguments tendentious, and its conclusion, equating Christianity in its essence with anti-Semitism, both bizarre and dangerous--that most scholars in field have simply tried to ignore it. "Hitler's Willing Executioners" sold very well and was widely praised in its early reviews. "A Moral Reckoning," however, has flopped badly, despite a large publicity effort by which the publisher Knopf tried to recoup its advance. More prepared this time, reviewers have also been considerably less kind to Goldhagen, and the reviews have generally run from lukewarm to outraged. In the Sunday Times, the British historian Michael Burleigh held his nose long enough to brand the book "vile" and "a strip cartoon view of European history."
...
He identifies Christianity itself as the source of anti-Semitism and declares, "the main responsibility for producing the all-time leading Western hatred lies with Christianity. More specifically, with the Catholic Church." The definition of Jews as Christ-killers, claims Goldhagen, goes back to the origins of Christianity. Indeed, it is still central to Catholic thought today, and it has an "obvious integral relationship to the genesis of the Holocaust."

As the Jewish scholar Michael Berenbaum has noted, Goldhagen "omits all mention of the countervailing traditions of tolerance" within Roman Catholic thought, past and present. He also misrepresents the thought of those early Church leaders who advocated a tolerant attitude toward the Jews. Goldhagen's misrepresentation of St. Augustine's views of Jews and Judaism is especially appalling. As Ronald Rychlak has noted, Goldhagen's exposition on St. Augustine "is little more than a crude and contemptuous canard." Similarly, Goldhagen's unsubstantiated claim that "there is no difference in kind between the Church's 'anti-Judaism' and its off-shoot European anti-Semitism" is as unsubtle a statement as someone who claims to be a historian could possibly make.
...
In short, Daniel Jonah Goldhagen's polemic against Pius XII, John Paul II, and the Catholic Church fails to meet even the minimum standards of scholarship. That the book has found its readership out in the fever swamps of anti-Catholicism isn't surprising. But that a mainstream publisher like Knopf would print the thing is an intellectual and publishing scandal.
Das sind nur einige kurze Zitate aus einem längeren Artikel, der eine vernichtende Abrechnung mit einem Werk ist, dass im Verständnis von Rabbi Dalin kein Geschichtswerk oder eine kritische Aufarbeitung von Antisemitismus und Antijudaismus im christlichen Glauben ist, sondern nichts weiter als ein Pamphlet, das selbst minimale Ansprüche an ein wissenschaftliches Werk nicht erfüllt. Der ganze, recht lesenswerte Artikel hier: History as Bigotry.
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

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Edi
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Beitrag von Edi »

Was soll man von einem Prof. Goldhagen halten, der das gesamte deutsche Volk als "Mörder von Geburt an" bezeichnet.

Schon beim Papst hat er sich geirrt, zumal, was auch inzwischen durch jüdische Kreise belegt ist, hunderttausende Juden durch den Vatikan gerettet wurden.

http://www.die-tagespost.de/Archiv/tite ... sp?ID=1963

beth
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Beitrag von beth »

An Erich_D

Danke für das Eingeständnis Deiner unkontrollierten Äußerungen worauf ich so heftig reagiert habe.

beth

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Na ja, das ändert nichts daran, daß Goldhagen vor allem von fanatischem Haß auf Jesus Christus und seine Kirche getrieben ist. Aber heute habe ich keine Lust, mir mit Gesprächen über diesen Kerl die Laune zu verderben.
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