Ukraine

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Martin O
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Ukraine

Beitrag von Martin O » Montag 22. November 2004, 11:33

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Juschtschenko versucht – wie zu erwarten war –, nun Saakaschwilis Methode zu koopieren. Oder besser, er wurde drauf getrimmt. Mal sehen, was draus wird.
Hast du, Robert (oder jemand anderes) Ahnung, was in der Ukraine wirklich gespielt wird? Manipulieren beide Seiten oder nur eine?

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 23. November 2004, 09:02

Hallo Martin, ich werd’ heut’ abend mal was dazu schreiben, eher kann ich nicht.
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Fichtel-Wichtel
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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Dienstag 23. November 2004, 19:16

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Hallo Martin, ich werd’ heut’ abend mal was dazu schreiben, eher kann ich nicht.
Gut, Danke @Robert Ketelhohn !
Bis jetzt ist noch alles friedlich ,auch wenn die Demonstranten nun in Richtung Präsidentenpalast maschieren.

Wann wird Putin unruhig, denn solche Ereignisse mag der bestimmt net als TV-Bilder für seine Russen sehen?

Gebe Gott das es nicht zu chin.Zuständen kommt (Platz des himmlischen Friedens)


Gruß,
Elisabeth

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Donnerstag 25. November 2004, 02:19

Guten Abend. Nun endlich ein paar Beobachtungen und Gedanken zum Thema. – Erstens. Es scheint, als werde Juschtschenkos Putsch erfolgreich sein, wiewohl das letzte Wort noch nicht gesprochen ist und neben Erfolg und Mißerfolg des Umsturzversuchs auch das Auseinderbrechen der Ukraine als reale dritte Möglichkeit besteht. Doch noch läuft alles nach dem Drehbuch von Tiflis ab, dessen wesentliche Elemente im übrigen bereits zuvor in Belgrad erprobt worden waren.

Auf Hintergrunddetails brauche ich nicht einzugehen, das habe ich bereits im Nachbarstrang über Georgien getan. Der Kiewer Vorgänge gleichen jenen aus Tiflis haargenau. Zentrale Elemente sind das von George Soros kontrollierte – im gemeinsam mit atlantischen Regierungen finanzierte – Netz „demokratischer“ Institute – wie überall in Mittel- und Osteuropa – und die nach dem Vorbild der georgischen »Kmara!« aufgebaute „Studentenorganisation“ »Porá!«, eine schlagende, seit langem in Ausbildungslagern gut geschulte Revolutionstruppe, die sowohl gezielte Aktionen im Stile von Green Peace oder Atomtransportblockierern durchführt als auch die Massendemonstrationen logistisch koordiniert und orchestriert.

Zweitens. Die überall behauptete und vielfach geglaubte Behauptung eines umfassenden Wahlbetrugs wird allein durch die von den Fernsehbildern vermittelten Eindrücke der Großdemonstrationen in Kiew gestützt, nicht von Fakten oder gar Beweisen. Meine Informationen über Wahlen in der Ukraine – nicht erst diese Wahl – haben mir vor allem das Bild beträchtlicher Unorganisiertheit vermittelt, einer Nachlässigkeit, die ohne Zweifel gesetzwidrige Mißbräuche ermöglicht.

Das soll heißen, es ist durchaus vorstellbar, daß zum Beispiel jemand unter dem Namen seines Vaters, seiner Tochter oder seines Nachbarn seine Stimme abgibt und damit ohne Prüfung der Identität durchkommt. Meist wird er nicht durchkommen, aber mir wurden chaotische Situationen geschildert oder auch sträfliche Nachlässigkeit Verantwortlicher, die solche Mißbräuche ermöglicht hätten, wenn die eine oder andere anwesende Person nur gewollt hätte.

Solche Möglichkeiten lassen sich allerdings schlecht planen, sie ergeben sich. Und zwar potentiell für jeden, unabhängig von der politischen Ausrichtung. Dieselbe Unorganisiertheit aber, die unter Umständen solche Möglichkeiten schafft, macht nach meinem Eindruck jeden organisierten Betrug großen Stils praktisch unmöglich. Das in unsern Medien vermittelte Bild finster verschworener Staatsdiener, die als Marionetten grauer Eminenzen quer durchs Land beschäftigt sind, einen umfassenden Betrug zu organisieren, ist mit der Realität ukrainischer Behörden kaum in Einklang zu bringen.

Hinzukommt, daß die Beamten keineswegs überall Anhänger der bisherigen Regierung oder des Kanidaten Janukowitsch waren. Im Gegenteil, im Westen und auch in nicht unbeträchtlichen Teilen der Zentralukraine stellen Anhänger Juschtschenkos längst die lokale oder regionale Staatsgewalt dar.

Drittens. Im Vorfeld dieses Wahlgangs kam es besonders im Westen zu teils massiven Übergriffen gegen solche, die nicht bereit waren, Juschtschenko zu unterstützen. So wurde eine Anzahl orthodoxer Kirchen in Brand gesteckt, mehrere orthodoxe Priester wurden von Unbekannten zusammengeschlagen, nachdem sie sich geweigert hatten, in der Liturgie zur Wahl Juschtschenkos aufzurufen.

Das erste Todesopfer dieser Wahl schließlich war ein Vertreter der angeblich bösen, wahlfälschenden Staatsmacht: ein Polizist im Dorf Molodezka in der Oblast von Tscherkassy, eingesetzt zur Bewachung eines Wahllokals. Wer eigentlich hat ihn erschlagen und weshalb?

Viertens. Auffällig sind in der Tat die erheblichen regionalen Unterschiede in der Wahlbeteiligung, von 66 % im Gebiet Ungvar (Uschhorod) an der ungarischen Grenze bis 96 % in der gegen von Donjezk. Wenn Juschtschenko angesichts dessen mit dem Finger nach Osten zeigt und »Betrug!« ruft, dann klingt das sehr nach der bekannten Haltet-den-Dieb-Masche. Wieso denn hat er in dem Gebiet, das er doch selber praktisch kontrolliert, also im ganzen Westen der Ukraine, das Volk nicht besser mobilisieren können?

Wer war motivierter, wählen zu gehen: die endlich den Wandel wollten, den Umsturz – oder aber im Gegenteil jene, die vor genau diesen Umstürzlern Angst hatten um den letzten Rest ihrer Zukunft?

Fünftens. Die ukrainische Präsidentenwahl zeigt, unabhängig von der Frage eines Betrugs, wessen auch immer, und unabhängig vom Ausgang der Wahl ein zutiefst gespaltenes Volk. Denn natürlich sind nicht alle, die jetzt in Kiew auf die Straße gehen, in Soroschs Ausbildungscamps gewesen. Ein beträchtlicher Teil des ukrainischen Volks erhofft sich sehnlichst einen Wandel, und er hat diese Hoffnung diesmal an Viktor Juschtschenko geknüpft. Maßgeblich für diese Entscheidung ist die Ausrichtungs des Blicks auf den vermeinten Wohlstand der westlichen Länder, zugleich aber oft auch das historisch bedingte Mißtrauen gegen Rußland.

Ein nicht kleinerer Teil des ukrainischen Volks aber verbindet – und zwar zu Recht, wie ich meine – mit den westlichen Einflüssen sowohl die Unkultur von Gewalt, Drogen, Pornographie und organisierter Kriminalität, die seit den neunziger Jahren über das Land hereingebrochen ist, als auch und ganz besonders die wirtschaftliche Katastrophe, welche zugleich von der kapitalistischen Entfesselung hervorgerufen wurde. Denn man vergesse nicht, daß all das, was man bei uns immer noch „Reformen“ nennt, den meisten Menschen nur Not, Elend und den frühen Tod Verwandter beschert hat.

Dieser Teil des ukrainischen Volks saß während der Auftritte Juschtschenkos vor der Rada verängstigt und paralysiert vor dem Fernseher und konnte nicht glauben, was sich da abspielte. Die eine Hälfte von Kiew ging auf die Straße, die andere traute sich nicht mehr aus dem Haus. Das war, zugespitzt formuliert, die Situation am Montag und Dienstag. Der Ausgang ist offen. Und damit gute Nacht.
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Ralf
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Beitrag von Ralf » Donnerstag 25. November 2004, 07:21

Robert Ketelhohn hat geschrieben:

Zweitens. Die überall behauptete und vielfach geglaubte Behauptung eines umfassenden Wahlbetrugs wird allein durch die von den Fernsehbildern vermittelten Eindrücke der Großdemonstrationen in Kiew gestützt, nicht von Fakten oder gar Beweisen.
Du glaubst also, die OSZE stützt ihre Aussage der Unregelmäßigkeiten und daß die Wahl nicht internationalen Standards entspräche (sowie daß es bspw. erstaunlicherweise 100% Wahlbeteiligung in der Heimat des bisherigen offiz. Siegers gegeben hat) bloß auf Fernsehbilder?
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

Marlene
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Beitrag von Marlene » Donnerstag 25. November 2004, 09:14

Einfach als Info ein Aufruf der Studentischen Vertreterschaft der Universität Lviv, der gestern Abend bei mir ankam:
*******************************************

From the student body of Ukrainian Catholic University
L'viv, Ukraine

22 November 2004

To our fellow students and youth throughout the world:

We, the students of the Ukrainian Catholic University (Lviv, Ukraine), are sending you this letter in order to attract your attention to the current presidential elections in Ukraine, one of the biggest (although not wealthiest) European countries. There is a true battle for democracy going on here right now. Ukrainian journalists work under constant pressure; all major Ukrainian media are under control of pro-government political forces. Those who oppose the current highly corrupt political regime are heavily persecuted in many Ukrainian regions. The examples of such violent intimidation are the following cases. Observers of the opposition candidate have been cruelly beaten. The same happened with the leaders of student organization “Pora” (It`s time) and the members of their families. Workers of governmental organizations in all regions of Ukraine were threatened with losing their jobs if they did not vote for the pro-government candidate. Thousands of people are now in the streets protesting against the falsifications of elections. At this moment about half a million people are at the main square of the capital of Ukraine in Kyiv. At this moment 99,7% of votes have been counted. The pro-government candidate got 49,7% and the candidate from opposition got 46,7%. However, these results are falsified.

We ask all students to support us in defending truth and justice in Ukrainian society. We need to feel that we are not alone, that there are a lot of people ready to help us to protect our Motherland from violations of freedom and democracy which is made by the government candidate.

You can express your support by
1) prayer together with your friends, that God, Justice, Truth and Love will grant Ukraine justice and protect our freedom of choice;
2) if possible, appeal to your local media to pay attention to falsifications of voting and intimidations during the second round of Ukraine's elections;
3) write to us with your support. It helps us to defend our free choice when we feel support of the youth of other countries;
4) spread this information to all your friends.


Thank you for your support! Together we are the strength which cannot be ignored!


Sincerely,
The Student Body
Ukrainian Catholic University
L'viv, Ukraine

Edith
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Beitrag von Edith » Donnerstag 25. November 2004, 10:01

Ralf hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:

Zweitens. Die überall behauptete und vielfach geglaubte Behauptung eines umfassenden Wahlbetrugs wird allein durch die von den Fernsehbildern vermittelten Eindrücke der Großdemonstrationen in Kiew gestützt, nicht von Fakten oder gar Beweisen.
Du glaubst also, die OSZE stützt ihre Aussage der Unregelmäßigkeiten und daß die Wahl nicht internationalen Standards entspräche (sowie daß es bspw. erstaunlicherweise 100% Wahlbeteiligung in der Heimat des bisherigen offiz. Siegers gegeben hat) bloß auf Fernsehbilder?
naja... es stimmt schon.... ich habe momentan auch nicht eben den Eindruck "neutral" infromiert zu werden.
Hat mal jemand eine gute Quelle?

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Donnerstag 25. November 2004, 10:46

Ein Aufruf von Studenten der katholischen Universität Lemberg (zitiert von Marlene) hat geschrieben:»all major Ukrainian media are under control of pro-government political forces«
Das ist eine wissentliche Lüge dieser nationalistischen Extremisten aus Lemberg.
Dieselbe Quelle hat geschrieben:»Those who oppose the current highly corrupt political regime are heavily persecuted in many Ukrainian regions.«
Auf die komplexe Frage politisch-wirtschaftlicher Verquickungen einzugehen habe ich jetzt keine Zeit. Bloß dies: Im unmittelbaren Umfeld Juschtschenkos hat sich ein erhebliches Potential an Korruption und krimineller Energie versammelt. Seine besonders lautstarke Verbündete Julia Timoschenko war selbst die engste Verbündete des 1997 von Kutschma wegen Korruption im Hunderte-Millionen-Dollar-Bereich gefeuerten Ministerpräsidenten Lasarenko, der, soweit ich weiß, immer noch in Amerika in Auslieferungshaft sitzt. In dieser Zeit ist sie selbst zu ihren ungezählten Millionen gekommen, dann war sie unter Juschtschenkos Ministerpräsidentschaft noch Ministerin und wurde mit dessen Entlassung von der Macht entfernt. Seitdem kämpft sie erbittert gegen Kutschma.

In Odessa beispielshalber werden die Juschtschenko-Leute von Eduard Gurwitz angeführt, dem ehemaligen, 1997 oder 1998 abgewählten Bürgermeister, einem Inbegriff der Politkriminalität in der Grauzone zwischen internationalem Schwarzgeld und lokaler Bandenkriminalität, also eine kleinere Ausgabe des berüchtigten Milliardärs und „Paten“ Wadim Rabinowitsch. Dieser übrigens wird gewiß keine Träne weinen, wenn Janukowitsch hopsgeht und Juschtschenko ans Ruder kommt. Ebensowenig die Kiewer Paten Viktor Medwedschuk und Grischa Surkis.
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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Donnerstag 25. November 2004, 10:57

Es gab doch auch schon Interviews mir den OSCD -Beobachtern. Meine mich zu erinnern, ein Interview gesehen zu haben im TV.

Und wo sind bitte die Russen in der Ukraine gelandet.
Das Putin gerade derzeit recht heftig an einer Wiedererstarkung Russlands hämmert, ist net zu übersehen.
Der Bericht von Robert ist typischn stark russisch-osteuropäisch gefärbt.
Mutmasse die Infoquellen stammen aus dem Umfeld der russ.orthodoxen Kirche, und das die ziemliche dicke auf Freundschaft mit Putin machen ,ist bekannt.

Kann man nur hoffen und beten, daß es zu keinerlei gewalt kommt.

Jedenfalls freut es mich außerordentlich, daß die Menschen in der Ukraien ,solch großartigen Mut haben und trotz schwerer Kälte kämpfen. Das das nicht nur viele Ukrainer sondern auch für die übrigen GUS-Bewohner emotional sehr anstrengende Zeiten sind, sehr verständlich.
Ginge uns vermutlich auch net anders, insbesondere wenn man Kinder hat, ob nun klein oder gerade mitten in solchen Demos an der Uni.

Gruß,
Elisabeth

Peter
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Beitrag von Peter » Donnerstag 25. November 2004, 15:02

Gestern in der FAZ.

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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Donnerstag 25. November 2004, 16:38

Wir hatten zu den ukrainischen Ereignissen heut morgen einen kleinen Ausschnitt aus einem Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Lokalzeitung. Die PDF ist nur einige Seiten lang. Enthält ähnliches wie der FAZ-Bericht.Schlimm was dort passiert. Und gut das wir es alle live miterleben können .Was wäre wenn das nicht der Fall ist.......Das mag man sich gar net ausmalen.
Können wir froh um unsere funktionierende Demokratie sein, in der wir leben.
Und so furchtbar, grausam und schlimm ist der Westen nun auch net ,in dem wir alle recht gut leben.


Gruß,
Elisabeth

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk » Donnerstag 25. November 2004, 17:53

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Das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature geht auf seiner News-Seite den Gerüchten über eine Vergiftung Juschtschenkos nach. Laut Angaben eines Londoner Toxikologen handelt es sich um typische "Chlorakne", die auf eine Vergiftung durch Dioxin hindeutet. Seiner Meinung nach reichte eine einzige hohe Dosis Dioxin im Essen versteckt aus, um solch eine Hautveränderung zu erzeugen. Beweisen könne er das aus der Ferne allerdings nicht.

Wenn es wirklich so wäre wie Robert beschreibt, dann verstecken die Juschtschenko-Gefolgsleute ihre Angriffe aber wesentlich besser als die Regierungsseite - die doch eher ziemlich plump zu agieren scheint (OSZE-Bericht zur Wahl, Vergiftung(?), Schweigen zu den Vorwürfen der OSZE).

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk » Donnerstag 25. November 2004, 18:40

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Auf die komplexe Frage politisch-wirtschaftlicher Verquickungen einzugehen habe ich jetzt keine Zeit. Bloß dies: Im unmittelbaren Umfeld Juschtschenkos hat sich ein erhebliches Potential an Korruption und krimineller Energie versammelt. Seine besonders lautstarke Verbündete Julia Timoschenko war selbst die engste Verbündete des 1997 von Kutschma wegen Korruption im Hunderte-Millionen-Dollar-Bereich gefeuerten Ministerpräsidenten Lasarenko, der, soweit ich weiß, immer noch in Amerika in Auslieferungshaft sitzt. In dieser Zeit ist sie selbst zu ihren ungezählten Millionen gekommen, dann war sie unter Juschtschenkos Ministerpräsidentschaft noch Ministerin und wurde mit dessen Entlassung von der Macht entfernt. Seitdem kämpft sie erbittert gegen Kutschma.
n-tv hat geschrieben:In den 1990er Jahren gehörte Timoschenko zu den Skandalfiguren der ukrainischen Wirtschaft. Mit ihrem Mann Alexander betrieb die "Gasprinzessin" ein florierendes Energieimportunternehmen mit engen Beziehungen zu Russland. Als Juschtschenko 1999 Ministerpräsident wurde, berief er Timoschenko zu seiner Stellvertreterin mit Verantwortung für den Energiebereich.

Tatsächlich räumte sie auf diesem Posten mit genau den unsauberen Praktiken der Branche auf, die ihre Firma vorher auch betrieben haben soll. Nach ihrer Entlassung beim Regierungswechsel in Kiew 2001 holte diese Vergangenheit sie kurzfristig ein, als sie und ihr Mann einige Wochen lang unter dem Vorwurf der Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft saßen.

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk » Donnerstag 25. November 2004, 19:06

Robert Ketelhohn hat geschrieben:

Zweitens. Die überall behauptete und vielfach geglaubte Behauptung eines umfassenden Wahlbetrugs wird allein durch die von den Fernsehbildern vermittelten Eindrücke der Großdemonstrationen in Kiew gestützt, nicht von Fakten oder gar Beweisen. Meine Informationen über Wahlen in der Ukraine – nicht erst diese Wahl – haben mir vor allem das Bild beträchtlicher Unorganisiertheit vermittelt, einer Nachlässigkeit, die ohne Zweifel gesetzwidrige Mißbräuche ermöglicht.
OSZE hat geschrieben:The International Observation Mission concluded in a preliminary statement on Monday that state executive authorities and the Central Election Commission displayed a lack of will to conduct a genuine democratic election process.

OSZE-Statement von Montag

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Fichtel-Wichtel
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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Donnerstag 25. November 2004, 19:31

Es geistern die Begriffe Bürgerkriegsgefahr durch die Medien, und die Behauptung das es bereits zur Landung von russ.Truppen in der Ukraine gekommen sein.
Warum ,warum sollte es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern der Ukraine kommen.
In Lemberg wurde bereits von der Armee klargestellt, daß man keinesfalls auf die eigene Bevölkerung schießen würde.
Jelzin hat seinerzeit in Moskau das schlimmste verhindert.
Hoffentlich verhält sich Putin schlau und intelligent.
Aus meinen langjährigen Kontakten mit Bürgern der ehemaligen UdSSR und jetzigen GUS, ist mir so eine Berichterstattung wie die von Robert recht gut bekannt.
Sollte man jedoch sehr distanziert betrachten und bewerten. Der von Robert erwähnte Mord kommt allerdings auch in dem KAS -Bericht vor.
Das Korruption immer noch an der Tagesordnung in der GUS, wen sollte das erstaunen. Das war auch unter den Kommunisten net anders. Und wie soll ein Staat der GUS ,funktionieren, ohne jegliche Korruption ,wenn der Staat oft genug seine Beamten und Angestellten nur umzureichend oder gar net bezahlen kann.
Damit will ich keineswegs die vorherrschende Korruption und Kriminalität beschönigen oder verteidigen.

Die Demostrationen die wir derzeit live erleben, sind eigentlich endlich ein richtiger Weg der Bevölkerung, auf dem Weg zur Wahrnehmung ihrer demokratischen Rechte.

Solche Demos wünsche ich mir schon seit Jahren für den Roten Platz in Moskau, als Protest der russ.Eltern die seit Jahren ihre Söhne opfern müssen ,für den furchtbaren Krieg in Tschetschenien.
Vielleicht hat Gott meine Wünsche ein wenig erhört.

Korruption gibt es bei uns in Deutschland , in China sehr ausgeprägt ,und auch andernorten.


Gruß,
Elisabeth

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 26. November 2004, 02:11

Peter hat geschrieben:»Gestern in der FAZ
Peter, mit geringem Aufwand an Unterscheidungsvermögen kann man Andrij Bondars Pamphlet schon anhand der Textgattung als das einordnen, was es ist: eine Sammlung von Räuberpistolen und Schauergeschichten. Fakten, Zeugen, Beweise wären besser. Dann muß man seine Autoren allerdings anders auswählen. Bondar als nationalistischer, gleichwohl einigermaßen entwurzelt erscheinender Jungpoet, welcher sich derzeit nicht einmal in der Heimat befindet, sondern als Gast der »Kulturstiftung des Bundes« in Krakau weilt, wird von der FAZ wohl eher nicht als Zeuge eingesetzt.

Übergriffe wurden im übrigen bereits den ganzen Wahlkampf über berichtet. Und zwar von allen Seiten. Die Informationen, die euch hier erreichen und die unsere Medien verbreiten, sind gefiltert. Es steht keineswegs eine finster-verschworene Clicque, die um jeden Preis die Staatsmacht in ihrer Gewalt behalten will, gegen ein unterdrücktes, gegen die bösen Herren aufbegehrendes Volk. Vielmehr ist – wie ich gestern bereits schrieb – das Volk selber zutiefst gespalten. Ich wiederhole das noch einmal: Während die eine Hälfte von Kiew auf der Straße ist und den Umsturz herbeisehnt, hockt die andere Hälfte verängstigt zu Hause vor den Bildschirmen und traut sich nicht aus dem Haus.

Hinter dieser Spaltung des Volks – dessen einer Teil eher auf den Westen, der andere auf Rußland traut – streiten jedoch auch mächtige Wirtschaftsinteressen gegeneinander. Diejenigen „Oligarchen“, die unter Krawtschuks Präsidentschaft bereits aufgestiegen sind – mit guten Verbindungen zu dubiosen westlichen Finanzkreisen, tätig ganz überwiegend im Finanz- und Spekulations-, Handels-, Medien- und Unterhaltungsbereich – sind nervös.

Mit Kutschma hatte zwar ein Vertreter der realen Wirtschaft aus dem Dnjepropetrowsker Industriegebiet den korrupten Bonzen abgelöst, doch die Oligarchen waren längst zu stark, der Präsident zu schwach und zudem glücklos in der Wahl seiner Mitarbeiter, wie am drastischsten das Beispiel des Ministerpräsidenten Lasarenko zeigte, der 1996/97 Summen im dreistelligen Millionenbereich beiseiteschaffen konnte, bevor er aufflog und Kutschma ihn feuerte. Kurz, Kutschma arrangierte sich letztlich irgendwie mit den Oligarchen.

Was sich nun geändert hat – und die Nervosität der meisten „alten“ Oligarchen begründet – ist der Aufstieg eines neuen Spielers in diesem Spiel: Ich meine Rinat Achmetow – ein Tatar übrigens, auch wenn er ausschaut wie ein braver ukrainischer Junge –, der Herr von Donjezk, Milliardär und mittlerweile angeblich reichster Mann der Ukraine. Was ihn von den andern unterscheidet, ist nicht nur der Umstand, daß er Muslim ist – ob gläubig, das stehe dahin –, sondern daß er weitaus stärker und von Anfang an auf die reale Wirtschaft gesetzt hat.

Das hat ihm den wirtschaftlichen Erfolg eingebracht, das macht ihn bei den Menschen seines Reviers beliebt – allerdings nur dort –, und das hat seinen Einfluß auch in Kiew wachsen lassen. Janukowitsch, ebenso aus Donjezk, gilt als Mann Achmetows. Und genau dies macht ihn vielen Ukrainern nicht bloß im Westen, sondern auch im Zentrum verdächtig.

Umgekehrt ist Juschtschenko – der Name Buschtschenko macht längst die Runde – der andern Hälfte der Ukrainer auch und gerade darum so zuwider, weil offenkundig seine Kampagne aus dem westlichen Ausland dirigiert wird, unter Federführung von Soroschs Netzwerken.

Vielleicht hilft das ein wenig zur besseren Einordnung der Vorgänge. (Auf ein paar absonderliche Einzelheiten einiger eurer obigen Beiträge gehe ich vielleicht morgen noch einmal ein.)
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Beitrag von prim_ass » Freitag 26. November 2004, 09:15

Ich verstehe die Empörung nicht:

Moskau unterstützt die moskautreue Fraktion. Nicht wirklich überraschend, oder?

Der Westen unterstützt die eher westorientierte Fraktion. Auch nicht gerade total überraschend.

Dann gibts hinter allem wirtschaftliche Interessen. Ja, so neu ist uns das hier wohl auch nicht, oder?

Es stehen sich also zwei Fraktionen gegenüber, die im Hintergrund gut organisiert wurden.

Wir leben nun mal in einer Zeit des Wandels. In Georgien und der Ukraine und hoffentlich auch noch in Weißrussland und Russland setzt sich einfach nur fort, was mit dem Fall des eisernen Vorhangs losgetreten wurde, aber noch hier und da seine letzte Konsequenz nicht erreicht hat.

Die ukrainisch-katholische Kirche hat eine klare Stellungnahme zur Rechtfertigung der friedlichen Demonstrationen abgegeben.

Ein Staatsanwalt hat sein Amt aus Protest niedergelegt, wie auch ein Vizeminister und sogar Armeeeinheiten und ihre Offiziere erklären sich solidarisch.

Wichtig ist doch, dass es friedlich bleibt und dass das Recht gewahrt wird.

Letztlich wird die Regierung die Macht erhalten/behlaten, die Gott zulässt. Wenn angesichts der Geschichte mit dieser Sichtweise viele Bauchschmerzen haben, müssen wir uns der Tatsache stellen. Letztlich wird alles irgendwann dem Finale des zweiten Kommens Christi münden.

Was wir Christen aus den Chancen einer solchen Zeit machen, liegt bei uns, nicht bei den Eigeninteressen weltlicher Fraktionen.
Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Hauswesen Gottes verhalten muss, das heißt in der Kirche des lebendigen Gottes, die die Säule und das Fundament der Wahrheit ist.

1.Tim 3:15

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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Freitag 26. November 2004, 10:57

Menschen die 70 Jahre Kommunismus hinter sich haben, davor nur die Leibeigenschaft der Zarenzeit kannten, sind natürlich heutzutage in dieser Zeit, wenige Jahre nach dem Zusammenbruch der UdSSR , immer noch sehr erschrocken , und wesentlich mehr als wir demokratieverwöhnten Westler.
Das Robert über etliche andere Infoquellen verfügt , als wir übrigen, ok. Seis drum! Doch möchte ich net den Eindruck gewinnen, daß er der Meinung ist, nur seine Sichtweise sei richtig, und alles was Superreich ist seien Verbrecher. Auch so ne typische russische Denke!
Wenn wie gestern abend, im heute-journal, junge Ukrainer sagen, sie seien bereit 1 Jahr durchzuhalten um dann für ihre Kinder ein Leben in Demokratie und Freiheit zu erringen, dann finde ich das sehr gut. Ob nun irgendjemand namens Soros dahintersteht, interessiert mich net.
Das dies jungen Ukrainer nun den Mut haben überhaupt zu demonstrieren, nach all den Jahrzehnten des Totalitarismus, finde ich ganz wunderbar und toll.
Das vor allem die ältere Generation, und auch die etwas weniger Gebildeten, voller Angst dem für sie unfassbaren Geschehen zu schauen, ist mir sehr gut vorstellbar.
Den " Westen " auf die Schlagworte,Drogen, Aids, Kriminalität zu reduzieren ,finde ich schlimm.
Jegliche Meldungen die wir zu was für Themen, auch immer zu lesen ,zu hören ,zu sehen bekommen .ist gefiltert.

Jedenfalls sollten alle Meinugen zum Thema Ukraine hier zu Wort kommen, und keiner meinem er besässe die alleinige richtige Sichtweise.

Das Putin offensichtlich nicht mit dem andauernden Protest der Ukrainer grechnet hatte, und die schallende Ohrfeige die er erhielt, ihn ein wenig sprachlos erscheinen lässt, wird ihn denn doch zu sehr heftigem Nachdenken anregen.
Warum er insgesamt 2x zum Wahlsieg gratulierte, mag nur er wissen.
Eine größere Niederlage hat ein russ.Präsident bisher net erlitten.Dagegen sind das was Gorbatschow und Jelzin erlebten,Kleinigkeiten .
Wenn Putin der Meinung ist, er könnte nach dem Wahlsieg von Bush, auf der Schiene des Kampfes gegen den Terrorismus, so mal eben wieder Atombomben bauen, dem Westen Angst machen ,wie zu Zeiten des Kalten Krieges, dann dürfte er jetzt gerade eines anderen belehrt werden.
Das das ein massiver Gesichtsverlust für das Jüngelchen vom KGB ,ist nicht übersehbar. Auf Rache sinnt Putin bestimmt schon.Das er wahrheitsgetreuen Journalismus net gut ertragen kann, erfuhr immerhin bereits eine westdt. Journalistin, die nach jahrelange Tätigkeit , ihre Arbeit beenden mußte.
Doch so einfach ist es für die Russen auch net mehr. Und im Schnellverfahren wieder Weltmacht werden , den Plan sollte man sich in Moskau auch schnell aus dem Kopf schlagen.
Was sich Herr Schröder so denkt seinen Freund Putin als Demokraten hinzustellen, fragt sich bestimmt auch schon so mancher.
Das beide aus recht einfachen Verhältnissen stammen und sich Schröder in Moskau wesentlich wohler fühlt im russischen Sessel ,als im Weissen Haus im Salonsessel ist net zu übersehen.
Ein dt.Bundeskanzler vom Format eines Helmut Kohls täte Putin, Russland und er gesamten Weltgemeinschaft jetzt wesentlich besser.
Und Putin gilt als Fan von Helmut dem Buddah von Oggersheim.
Gottseidank!
Hoffen wir, also daß die Russen eines Tages dem Beispiel der Ukrainer folgen und das massenhafte demonstrieren lernen.

Ein kleiner Rückblick in die Geschichte .Gerade die Kornkammer Ukraine hat in den ersten Jahren des Kommunismus und auch während der Stalinzeit immer wieder besonders gelitten.
Das hat nicht jeder vergessen, was seinen Vorfahren dank der Russen so geschah.
Hoffen und beten wir also für den Sieg der Wähler, der Demokratie , der Freiheit und der Weiterentwicklung der Menschen in der Ukraine und beten wir um einen friedlichen Weitergang der Ereignisse .


Gruß,
Elisabeth

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Beitrag von Peter » Freitag 26. November 2004, 13:12

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Peter hat geschrieben:»Gestern in der FAZ
Peter, mit geringem Aufwand an Unterscheidungsvermögen …
Lieber Robert, wenn ich einen Staatsstreich anzetteln wollte, dann würde ich es ebenso machen, wie du beschreibst. Mich der Zustimmung und Sympathie der westlichen Medien sichern, etc..

Etwas abenteuerlich erscheint mir das doch. Sollten sich wirklich alle unsere Redaktionen täuschen? Aber was ist in einem solchen Fall schon der Augenschein.

Deine Beiträge haben zumindest eines ausgelöst: Das Bewußtsein, die Staaten der ehemaligen UdSSR allzusehr an den Rand der politischen Wahrnehmung gedrängt zu haben.

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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Freitag 26. November 2004, 18:34

Osteuropa, das Gebiet des ehemaligen Warschauer Paktes interessiert mich schon immer.

Mir hatten im Ruhrpott seinerzeit einen Pastor, dessen Lieblingspredigtthema fast jeden Sonntag die Kommunisten und die kath. Kirche in der CSSR und in der DDR war.
Nun wohne ich bereits seit 1990 im Fichtelgebirge, net sehr weit weg von Cheb / Eger und dem Bundesland Sachsen.
Beide, sowohl die heutige CZ und ihre Bwohner ,wie das Bundesland Sachsen und seine Bewohner sind Opfer der SU, der russ.Besatzungsmacht.

Ein Kurzportrait fand sich heute in der Heimatzeitung zu Julia Timoschenko!
Julia Timoschenko ,ein Name den auch Robert bereits erwähnte. Scheint die Lady im Hintergrund zu sein. Das Frau Timoschenko ein Saulus-Paulus -Erlebnis hinter sich hat, was den Handel und Wandel angeht, wie auch von Robert erwähnt wird , während ihrer Ministertätigkeit in einer früheren Regierung, ist doch eher was gutes. Und bestimmt kein Makel an dieser offensichtlich sehr einflußreichen und auf Frieden bedachten und von vielen Ukrainern liebevoll-respektvoll Julia gerufenen.


Gruß,
Elisabeth

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Samstag 27. November 2004, 15:41

Die meisten Beiträge hier – ohne daß ich jetzt auf Einzelheiten eingehen wollte – zeigen dasselbe Maß an Unkennntis, vor allem aber auch an irrationaler Rußland-Angst, das ich in Gesprächen im persönlichen Umfeld leider immer wieder erfahre. Ich bin nicht sehr optimistisch, in dieser Generation etwas dagegen ausrichten zu können. Dennoch darf man ja nicht aufgeben. Darum heute nachmittag zunächst mal ein paar Hinweise auf Lesestoff zur Horizonterweiterung:
www.wsws.org (25. November 2004) hat geschrieben:

Machtkampf in der Ukraine verschärft internationale Spannungen

Von Peter Schwarz

Nach der ukrainischen Präsidentenwahl vom vergangenen Sonntag ist ein Machtkampf zwischen den beiden Kandidaten, dem amtierenden Regierungschef Wiktor Janukowitsch und Oppositionsführer Wiktor Juschtschenko, entbrannt. Die amtliche Wahlkommission hat Regierungschef Janukowitsch zum Wahlsieger erklärt, doch die Opposition hat dies nicht anerkannt. Sie behauptet [weiter]
RIA Nowosti (25. November 2004) hat geschrieben:

Lehren aus der ukrainischen Krise

Von Sergej Karaganow, Vorsitzender des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik, stellvertretender Direktor des Europa-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften

MOSKAU, 25. November – Bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine ließen sich meiner Meinung nach beide Seiten Rechtsverletzungen zuschulden kommen, und zwar schwere. Angesichts dessen werden wir die Wahrheit kaum je erfahren. Es ist jedoch offensichtlich, daß die beiden Kandidaten ungefähr die gleiche Stimmenzahl [weiter]
[/color]
Und ein drittes noch, wenn’s auch nicht direkt die Ukraine betrifft:
Die Moskauer Deutsche Zeitung (02. November 2004) hat geschrieben:

Diktator oder Volksfreund?

Nach Lukaschenkos Sieg muß Rußland neue Wege in der Außenpolitik finden

Von Oleg Nikiforow

Alexander Lukaschenkos Erdrutschsieg beim kürzlich abgehaltenen Referendum, daß dem weißrussischen Präsidenten eine dritte Amtszeit ermöglicht, hat in verschiedenen Teilen der Welt widersprüchliche Resonanz ausgelöst. 90 Prozent der weißrussischen Wähler [weiter]
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Beitrag von Uwe Schmidt » Sonntag 28. November 2004, 07:12

Also dass GEORGE SOROS mit seinen Netzwerken hinter dem antirussischen JUSCHTSCHENKO steckt glaube ich auch. In Polen beispielsweise hat SOROS mehrere Fernsehsender und die BATORY-Stiftung unter seiner Kontrolle und da geht es nur darum, die katholische Gesellschaft kaputtzumachen, um westeuropäische und nordamerikanische Verhältnisse zu schaffen, kurz um dort dasselbe Demoralisierungsprogramm durchzuführen, wie es bei uns seit 40 Jahren gelaufen ist.
Aber entsetzt bin ich auch darüber, dass die prorussichen Feinde JUSCHTSCHENKOs offensichtlich nicht davor zurückgeschreckt sind, sein Gesicht zu entstellen (das photogene Aussehen von Politikern spielt ja eine entscheidende Rolle).
Nicht vergessen darf man allerdings, dass die Ukraine die Wiege des russischen Staates ist, Moskau liegt auf altem finnischen Boden und wurde erst später russisch. Dass die Westukraine und Weissrussland sich gerne zum lateinischen Europa zählen, kommt durch die polnische Eroberung dieser Gebiete.

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Beitrag von Nietenolaf » Sonntag 28. November 2004, 14:01

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Drittens. Im Vorfeld dieses Wahlgangs kam es besonders im Westen zu teils massiven Übergriffen gegen solche, die nicht bereit waren, Juschtschenko zu unterstützen. So wurde eine Anzahl orthodoxer Kirchen in Brand gesteckt, mehrere orthodoxe Priester wurden von Unbekannten zusammengeschlagen, nachdem sie sich geweigert hatten, in der Liturgie zur Wahl Juschtschenkos aufzurufen.
Schoenen Gruss aus dem russischen Packeis. Hatte mir schon gedacht, dass dieses Thema hier einigermassen diskutiert wird.

Nur eine Bemerkung, denn das Internetz in der russischen Provinz ist doch eher eine Qual: ineressant (oder sagen wir, erschreckend) war, dass die orangen Massen in Lviv von unierten Priestern wenn nicht anefuehrt, so doch begleitet wurden. Einen Tag spaeter stand ein orthodoxer Mitropolit, den ich nicht erkannt habe, bei den Demonstranten in Donezk. Reitet da die griechisch-katholische Kirche wieder auf politischen Ressentiments mit? Sowas entgeht einem aufmerksamen Auge einfach nicht.

Wie auch immer, ich verschwinde wieder in die Kaelte. Schoenen Gruss!

PS: Die Westukrainer waren die, die in Russland die Billiglohnjobs machen, um wenigstens irgend etwas zum Leben zu haben. Sofern sie nicht in Portugal oder Spanien auf Plantagen racken. Das Bruttosozialprodukt, d.h. die funktionierende Wirtschaft, findet sich fast ausschliesslich im Osten. Das zur Information, nur damit klar ist, wer hier wen als "Bydlo" bezeichnet.

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Beitrag von prim_ass » Sonntag 28. November 2004, 14:18

Ist die übergroße Mehrheit des ukrainischen Parlaments auch von George Soros gekauft?

:kratz:
Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Hauswesen Gottes verhalten muss, das heißt in der Kirche des lebendigen Gottes, die die Säule und das Fundament der Wahrheit ist.

1.Tim 3:15

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonntag 28. November 2004, 18:49

Dirk hat geschrieben:»Das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature geht auf seiner News-Seite den Gerüchten über eine Vergiftung Juschtschenkos nach. Laut Angaben eines Londoner Toxikologen handelt es sich um typische "Chlorakne", die auf eine Vergiftung durch Dioxin hindeutet. Seiner Meinung nach reichte eine einzige hohe Dosis Dioxin im Essen versteckt aus, um solch eine Hautveränderung zu erzeugen. Beweisen könne er das aus der Ferne allerdings nicht.«
Uwe hat geschrieben:»Aber entsetzt bin ich auch darüber, dass die prorussichen Feinde Juschtschenkos offensichtlich nicht davor zurückgeschreckt sind, sein Gesicht zu entstellen (das photogene Aussehen von Politikern spielt ja eine entscheidende Rolle).«
Da wäre ich nun doch ein wenig vorsichtig. Es ist ja völlig unklar, worunter Juschtschenko eigentlich leidet. Erst recht kann man nicht begründete Vorwürfe erheben, dies Leiden sei von einem Gegner gezielt herbeigeführt worden.

N-TV, von Dirk zitiert, hat geschrieben:»In den 1990er Jahren gehörte Timoschenko zu den Skandalfiguren der ukrainischen Wirtschaft … Tatsächlich räumte sie auf diesem Posten mit genau den unsauberen Praktiken der Branche auf, die ihre Firma vorher auch betrieben haben soll.«
Fichtelwichtel hat geschrieben:»Daß Frau Timoschenko ein Saulus-Paulus-Erlebnis hinter sich hat, was den Handel und Wandel angeht, wie auch von Robert erwähnt wird, während ihrer Ministertätigkeit in einer früheren Regierung, ist doch eher was Gutes.«
Heilige Einfalt. Diesen Wandel nehmen 90 % der Ukrainer der schönen Julia nicht ab, sonst stünde sie heute an der Spitze der Umstürzler, nicht Juschtschenko. Denn an Intelligenz und rhetorischer Begabung ist sie ihm weit überlegen.
Fichtelwichtel hat geschrieben:»Und bestimmt kein Makel an dieser offensichtlich sehr einflußreichen und auf Frieden bedachten und von vielen Ukrainern liebevoll-respektvoll Julia gerufenen.«
Frieden. Ach ja. Träumst du? In den vorderen Reihen der Umsturzbewegung gibt es keinen zweiten Haßprediger wie die schöne Gasprinzessin. Allerdings beherrscht sie die Masse, vor der sie spricht und die sie knetet wie Teig.
Fichtelwichtel hat geschrieben:»Können wir froh um unsere funktionierende Demokratie sein, in der wir leben.«
:lol:
[/color]
Fichtelwichtel hat geschrieben:»Die Demostrationen die wir derzeit live erleben, sind eigentlich endlich ein richtiger Weg der Bevölkerung, auf dem Weg zur Wahrnehmung ihrer demokratischen Rechte.«
Es soll Recht sein, wenn man sich anstatt durch Wahlen und die vom Gesetz vorgesehenen Möglichkeiten die Macht durch die Gewalt der Straße aneignet?
Fichtelwichtel hat geschrieben:»Solche Demos wünsche ich mir schon seit Jahren für den Roten Platz in Moskau … Hoffen wir, also daß die Russen eines Tages dem Beispiel der Ukrainer folgen und das massenhafte Demonstrieren lernen.«
Das russische Volk hat diesem dummen und gefährlichen Ansinnen schon vorab die passende Antwort gegeben, als es bei der letzten Präsidentenwahl Wladimir Putin mit über 70 % der Stimmen im Amt bestätigte.
Primas hat geschrieben:»Wir leben nun mal in einer Zeit des Wandels. In Georgien und der Ukraine und hoffentlich auch noch in Weißrussland und Russland setzt sich einfach nur fort, was mit dem Fall des eisernen Vorhangs losgetreten wurde, aber noch hier und da seine letzte Konsequenz nicht erreicht hat.«
Wer in den von dir genannten Ländern die „Befreiung“ vom bolschewistischen Régime am eigenen Leibe durchmachen mußte, wer Arbeit und Brot, ja auch nahe Verwandte verloren hat, weil er das Krankenhaus nicht bezahlen konnte: der wird deine Wort als blanken Hohn empfinden und bestenfalls mit Sarkasmus quittieren.
Fichtelwichtel hat geschrieben:»Wenn Putin der Meinung ist, er könnte nach dem Wahlsieg von Bush, auf der Schiene des Kampfes gegen den Terrorismus, so mal eben wieder Atombomben bauen, dem Westen Angst machen ,wie zu Zeiten des Kalten Krieges, dann dürfte er jetzt gerade eines anderen belehrt werden. Das das ein massiver Gesichtsverlust für das Jüngelchen vom KGB ,ist nicht übersehbar. Auf Rache sinnt Putin bestimmt schon.«
Um Gottes willen. Das Schlimme ist, in wievielen Köpfen solche Ressentiments vom bösen Russen noch stecken. Sie vergiften euer Denken, und zwar – ohne daß ihr’s ahnt – auf selbstzerstörerische Weise. Dazu bloß eins: Die Kernwaffenabrüstung haben die USA gestoppt. Sie rüsten atomar auf, und neuerdings lautet die offizielle Nukleardoktrin auf Erstschlagsfähigkeit. Insbesondere werden mit Hochdruck„Mininukes“ zum begrenzten Einsatz gegen konventionelle Streitkräfte entwickelt. Überhaupt keine Frage, daß Rußland nicht länger zögern kann, dieser Herausforderung zu begegnen. Gott sei Dank, daß Putin gehandelt hat.
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonntag 28. November 2004, 19:08

The Guardian hat geschrieben:
US campaign behind the turmoil in Kiev

Ian Traynor
Friday November 26, 2004


With their websites and stickers, their pranks and slogans aimed at banishing widespread fear of a corrupt regime, the democracy guerrillas of the Ukrainian Pora youth movement have already notched up a famous victory - whatever the outcome of the dangerous stand-off in Kiev.

Ukraine, traditionally passive in its politics, has been mobilised by the young democracy activists and will never be the same again. But while the gains of the orange-bedecked "chestnut revolution" are Ukraine's, the campaign is an American creation, a sophisticated and brilliantly conceived exercise in western branding and mass marketing that, in four countries in four years, has been used to try to salvage rigged elections and topple unsavoury regimes.

Funded and organised by the US government, deploying US consultancies, pollsters, diplomats, the two big American parties and US non-government organisations, the campaign was first used in Europe in Belgrade in 2000 to beat Slobodan Milosevic at the ballot box. Richard Miles, the US ambassador in Belgrade, played a key role. And by last year, as US ambassador in Tbilisi, he repeated the trick in Georgia, coaching Mikhail Saakashvili in how to bring down Eduard Shevardnadze.

Ten months after the success in Belgrade, the US ambassador in Minsk, Michael Kozak, a veteran of similar operations in central America, notably in Nicaragua, organised a near identical campaign to try to defeat the Belarus hardman, Alexander Lukashenko. That one failed. "There will be no Kostunica in Belarus," the Belarus president declared, referring to the victory in Belgrade.

But experience gained in Serbia, Georgia and Belarus has been invaluable in plotting to beat the regime of Leonid Kuchma in Kiev. The operation - engineering democracy through the ballot box and civil disobedience - is now so slick that the methods have matured into a template for winning other people's elections.

In the centre of Belgrade, there is a dingy office staffed by computer-literate youngsters who call themselves the Centre for Non-violent Resistance. If you want to know how to beat a regime that controls the mass media, the judges, the courts, the security apparatus and the voting stations, the young Belgrade activists are for hire.

They emerged from the anti-Milosevic student movement, Otpor, meaning resistance. The catchy, single-word branding is important. In Georgia last year, the parallel student movement was Khmara. In Belarus, it was Zubr. In Ukraine, it is Pora, meaning high time.

Otpor also had a potent, simple slogan that appeared everywhere in Serbia in 2000 - the two words "gotov je", meaning "he's finished", a reference to Milosevic. A logo of a black-and-white clenched fist completed the masterful marketing. In Ukraine, the equivalent is a ticking clock, also signalling that the Kuchma regime's days are numbered.

Stickers, spray paint and websites are the young activists' weapons. Irony and street comedy mocking the regime have been hugely successful in puncturing public fear and enraging the powerful. Last year, before becoming president in Georgia, the US-educated Mr Saakashvili travelled from Tbilisi to Belgrade to be coached in the techniques of mass defiance. In Belarus, the US embassy organised the dispatch of young opposition leaders to the Baltic, where they met up with Serbs travelling from Belgrade.

In Serbia's case, given the hostile environment in Belgrade, the Americans organised the overthrow from neighbouring Hungary - Budapest and Szeged. In recent weeks, several Serbs travelled to the Ukraine. Indeed, one of the leaders from Belgrade, Aleksandar Maric, was turned away at the border. The Democratic party's National Democratic Institute, the Republican party's International Republican Institute, the US state department and USAid are the main agencies involved in these grassroots campaigns as well as the Freedom House NGO and billionaire George Soros's open society institute.

US pollsters and professional consultants are hired to organise focus groups and use psephological data to plot strategy. The usually fractious oppositions have to be united behind a single candidate if there is to be any chance of unseating the regime. That leader is selected on pragmatic and objective grounds, even if he or she is anti-American.

In Serbia, US pollsters Penn, Schoen and Berland Associates discovered that the assassinated pro-western opposition leader, Zoran Djindjic, was reviled at home and had no chance of beating Milosevic fairly in an election. He was persuaded to take a back seat to the anti-western Vojislav Kostunica, who is now Serbian prime minister. In Belarus, US officials ordered opposition parties to unite behind the dour, elderly trade unionist, Vladimir Goncharik, because he appealed to much of the Lukashenko constituency.

Officially, the US government spent $41m (£21.7m) organising and funding the year-long operation to get rid of Milosevic from October 1999. In Ukraine, the figure is said to be around $14m. Apart from the student movement and the united opposition, the other key element in the democracy template is what is known as the "parallel vote tabulation", a counter to the election-rigging tricks beloved of disreputable regimes.

There are professional outside election monitors from bodies such as the Organisation for Security and Cooperation in Europe, but the Ukrainian poll, like its predecessors, also featured thousands of local election monitors trained and paid by western groups. Freedom House and the Democratic party's NDI helped fund and organise the "largest civil regional election monitoring effort" in Ukraine, involving more than 1,000 trained observers.

They also organised exit polls. On Sunday night those polls gave Mr Yushchenko an 11-point lead and set the agenda for much of what has followed. The exit polls are seen as critical because they seize the initiative in the propaganda battle with the regime, invariably appearing first, receiving wide media coverage and putting the onus on the authorities to respond.

The final stage in the US template concerns how to react when the incumbent tries to steal a lost election. In Belarus, President Lukashenko won, so the response was minimal. In Belgrade, Tbilisi, and now Kiev, where the authorities initially tried to cling to power, the advice was to stay cool but determined and to organise mass displays of civil disobedience, which must remain peaceful but risk provoking the regime into violent suppression.

If the events in Kiev vindicate the US in its strategies for helping other people win elections and take power from anti-democratic regimes, it is certain to try to repeat the exercise elsewhere in the post-Soviet world. The places to watch are [weiter]
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Erich_D
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Beitrag von Erich_D » Sonntag 28. November 2004, 23:43

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Gott sei Dank, daß Putin gehandelt hat.
Da wird mir nur mehr schlecht. Putin ist kein "lupenreiner Demokrat", sondern ein alter KGB-Mann, ein Wolf, der seinen Pelz gewendet hat und der die Weltuhren einige Stündlein zurückdrehen will. Da kommt er aber zu spät. Gefährlich ist der Mann immer noch, aber hoffentlich immer weniger, wenngleich ich nicht überrascht wäre, wenn auch er mit seinen Helfershelfern an der russsischen Verfassung drehen würde, um ihm eine weitere Amtszeit zu bescheren. Am Ende gar Zar ... äh ... Präsident auf Lebenszeit?

Robert, uns kommt das Heil nicht aus Russland. Ebensowenig, wie es uns aus Deutschland kam.

Das Heil kommt von den Juden. (Joh 4,22).

Die Reiche dieser Erde sind einem anderen untertan. Alle Reiche dieser Erde, ob Russland, USA, Europa ... alle Reiche.
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 29. November 2004, 02:09

Nietenolaf hat geschrieben:»Nur eine Bemerkung, denn das Internetz in der russischen Provinz ist doch eher eine Qual: interessant (oder sagen wir, erschreckend) war, daß die orangen Massen in Lviv von unierten Priestern wenn nicht angeführt, so doch begleitet wurden«
Filaret war auch dabei, der schismatisch-orthodoxe Kiewer Patriarch von eigenen Gnaden. Mir scheint, das Motiv liegt meist nicht in der Zugehörigkeit zu einer kirchlichen Denomination, sondern in den persönlichen Ambitionen sowie besonders auch in einer nationalistischen Gesinnung. (Diese Motive können aber ihrerseits auch wieder mitursächlich für die jeweilige Zugehörigkeit zu einer kirchlichen Denomination sein.)

Zum Stichwort „Nationalismus“ noch eine Anmerkung. Juschtschenko ist von Hause aus gewiß kein ukrainischer Nationalist, aber er reitet jetzt auf der nationalistischen Welle der „Sapadenzy“, der Westler aus Lemberg (Lwiw), Stanislau (Iwano-Frankiwsk) etc. Man muß sich schon darüber klar sein, daß man in der Westukraine, wenn man in einen Laden geht und russisch spricht, oft im besten Falle einfach nicht bedient wird. Russen oder Ukrainer russischsprachiger Sozialisation bekommen auch schon mal Gewalt zu spüren.

In extremeren Kreisen tummeln sich Neuheiden (»Runawir«), Neonazis und Veteranen der Waffen-SS. Im Wahlkampf machte es in der Ukraine Schlagzeilen, daß einige Organe des Juschtschenko-Blocks sich mit besonders abstrusen antisemitischen Theorien hervortaten – und von Juschtschenko in Schutz genommen wurden, der sich unter Berufung auf die erforderliche Einheit des nationalen Kampfes strikt weigerte, sich von solchen Blättern zu distanzieren.

Der Wahlkampf Juschtschenkos trägt also – nicht ausschließlich, aber auch, und das sehr offen – antisemitische Züge. Dies wird von der Berichterstattung unserer Medien peinlichst ausgeblendet. Ziel dieses Teils der Juschtschenko-Kampagne sind vor allem die „jüdischen Oligarchen“, jene Paten der ukrainischen Wirtschaft, die in der Krawtschuk-Zeit nach dem Untergang der Sowjetunion mit kriminellen Methoden und Startkapital unbekannter Herkunft ihre ersten Milliarden gemacht haben.

Es handelt sich bei dieser ersten Garde der Superreichen in der Ukraine – ähnlich wie in Rußland, nur noch deutlicher – praktisch ausnahmslos um Juden. (Daß auch dies in der öffentlichen Debatte in Deutschland vollständig ausgeblendet wird, liege – sagte meine Frau mir heute – am »Tunnelblick« der Deutschen, der in unserm Schuldkomplex begründet sei.) Die einzige Ausnahme ist der Pate von Donezk, der erst Jahre später aufgestiegene muslimische Tatar Rinat Achmetow. Was aber erst recht Grund ist, nationalistische Parolen gegen ihn zu schwingen, zumal „sein Kandidat“ für das Präsidentenamt, Viktor Janukowitsch, auch wieder – na, was wohl? – Jude ist.

Die Ironie an der Geschichte ist, daß die antisemitischen Schreihälse in Juschtschenkos Gefolge gar nicht merken, daß ein ganz anderes Spiel gespielt wird. Der wichtigste Koordinator und Financier der Juschtschenko-Kampagne ist der ungarische Jude George Soros. Mit im Spiel ist wieder, wie schon in Tiflis, auch Boris Beresowskij, der in London exilierte russsich-jüdische Ex-Oligarch.

Die Kiewer Paten Grigorij Surkis (ein Odessit der Herkunft nach) und Viktor Medwedtschuk (aus Ungvar [Uschhorod], den ukainischen Namen hat er angenommen) hatten zwar ihre Arrangements mit Kutschma, und Achmetow hat versucht, im Vorfeld des Wahlkampfs zugunsten Janukowitschs Stillhalten von ihnen zu erkaufen, doch kann ihnen nichts Besseres passieren, als daß Konkurrent Achmetow gewaltig eins auf die Mütze bekommt. Dasselbe gilt für Wadim Rabinowitsch und Leonid Kutschmas Schwiegersohn Viktor Pintschuk, das Haupt der Dnjepropetrowsker Gruppe.

Weder Viktor Juschtschenko – der als Zentralbankpräsident den Aufstieg der Oligarchen begleitet hat – noch Julia Timoschenko, die damals als „Gasprinzessin“ selbst ihren Anteil am Kuchen gewann, werden im Traum daran denken, sich mit diesen Oligarchen zu überwerfen. Denn es sind ja die künftigen Geschäftspartner ihrer westlichen Geldgeber. Vielleicht wird man, falls man siegt, einen Oligarchen opfern, den übrigen zum Gewinn, dem Volk zur Belustigung.

Es ist wahr, daß ein von Paten bestimmtes Klientelsystem weite Teile der ukrainischen Wirtschaft regiert und daß dies, zumindest insoweit es mit Korruption, Schattenwirtschaft und Verbrechen verbunden ist, überaus schädlich ist. Falsch ist, daß im gegenwärtigen Machtkampf dies System nur auf der einen Seite steht.

Die westliche Einflußnahme bedient sich durchaus dieser Strukturen, schürt dabei aber die schlimmsten Emotionen, entfacht die ohnedies schon gefährlichen nationalistischen und antisemitischen Bestrebungen und vertieft die Spaltung des Volks bis hin zur akuten Gefahr des Auseinanderbrechens in einem blutigen Bürgerkrieg.

Die perfide Strategie dahinter ist dieselbe, die Zbigniew Brzezinski schon Ende der siebziger Jahre entwickelt hat: die Einkreisung und letztliche Zerschlagung Rußlands. Britische Politik war das schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Teile und herrsche. Das altbekannte Great Game. Mindestens für uns Kontinentaleuropäer wäre ein nachhaltiger Erfolg dieser Strategie verhängnisvoll, für viele von uns wahrscheinlich tödlich.

Eine Politik, die sich an den Prinzipien von Frieden und Recht orientiert, die auf friedlichen Handel und Wandel zum gegenseitigen Nutzen setzt, ist das Gebot der Stunde, nicht der heimtückische Untergrundkampf zur Schädigung und Unterminierung des Konkurrenten. Würde es den Strategen jenes neuen Great Game gelingen, Rußland zu zerschlagen, zu „balkanisieren“, bedeutete dies für uns das Hereinbrechen wahrscheinlich mehrerer „finsterer Jahrhunderte“. Eine Illusion zu meinen, wir könnten auf einer Insel der Seligen auch nur Teile unseres Wohlstands wahren, während nebenan Rußland im Chaos versinkt.

Sehr wahrscheinlich wird es aber, bevor Rußland sich widerstandslos zerschlagen läßt, zum nächsten großen Krieg kommen. Doch das verhüte der Herr. Möge den Strategen der Konfrontation jede Macht aus der Hand genommen werden.
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Beitrag von Uwe Schmidt » Montag 29. November 2004, 06:03

Das ganze ukrainische Szenarium scheint also ein Machtkampf Putin : westliche Hochfinanz zu sein. Ist die deutsche Wirtschaft da auch involviert, Robert?

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 29. November 2004, 07:35

Uwe Schmidt hat geschrieben:»Das ganze ukrainische Szenarium scheint also ein Machtkampf Putin : westliche Hochfinanz zu sein. Ist die deutsche Wirtschaft da auch involviert, Robert?«
Eher nicht. Zumindest habe ich keine Hinweise dieser Art. „Normale“ Wirtschaftskontakte bestehen natürlich.
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 29. November 2004, 07:49

Zur jüngsten Entwicklung: Die Umstürzler konterkarieren alle Bemühungen um Vermittlung, Verhandlung und Kompromißsuche. Es wird jedes Anzeichen guten Verhandlungswillens abgelehnt, kein blockiertes Regierungsgebäude wird wieder freigegeben, im Gegenteil: Neue Drohungen werden gegen den amtierenden Präsidenten (Kutschma) selbst gerichtet, man verlangt nun ultimativ Entlassung des Ministerpräsidenten (Janukowitsch) sowie die Inhaftierung der Gouverneure der Provinzen, die für Janukowitsch gestimmt haben.

In Deutschland wird Nötigung von Verfassungsorganen mit Gefängnis bestraft. In der Ukraine ruft Janukowitsch noch immer seine Anhänger ebenso wie die Sicherheitsorgane zu äußerster Zurückhaltung und Gewaltlosigkeit auf, um den Ausbruch eines offenen Bürgerkrieges zu verhindern. Juschtschenko und insbesondere Julia Timoschenko als rachedurstige Scharfmacherin tun das Gegenteil. Sie ziehen die Schraube immer weiter an, als wollten sie das Blutvergießen provozieren, als warteten sie nur auf die ersten Märtyrer der Bewegung, die »Kam’raden, die Rotfront und Reaktion erschossen«.

Höchste Zeit, daß die vermittelnden Kräfte in Europa, zum Beispiel Schröder und Chirac, von den Umstürzlern nachdrücklich verlangen, sich auf echte Verhandlungen mit dem Ziel eines Kompromisses einzulassen und deutliche Zeichen ihrer Bereitschaft zu solchen Verhandlungen zu setzen.
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 29. November 2004, 07:50

Erich Dumfarth hat geschrieben:»Da wird mir nur mehr schlecht.«
Ich vermute psychosomatische Zusammenhänge.
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