Zukunft von Währungsunion und Euro

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Caviteño
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 2. August 2018, 14:44

Man verschiebt die Probleme nur in die Zukunft und hofft darauf, daß sie dann verschwinden oder man selbst nicht mehr dafür verantwortlich gemacht wird.

Prof. Sinn: „Der Euro ist keine Erfolgsstory“
Selbst der größte Euro-Enthusiast muss zugeben, dass der Euro keine Erfolgsgeschichte war. Europa hat sich verhoben. Mit seiner Einschätzung „Die Währungsunion ist ein großer Irrtum, ein abenteuerliches, waghalsiges und verfehltes Ziel, das Europa nicht eint, sondern spaltet“ hatte der Ralf Dahrendorf leider recht.
Schwer zu sagen, wie es weitergeht. Mehr Schuldensozialisierung und Vergemeinschaftung von Risiken, sagen einige. Andere warnen, Europa fiele so noch tiefer in die Verantwortungslosigkeit und lädiere die Wirtschaft per Verfälschung des Kapitalmarkts weiter, was es sich angesichts des Wettbewerbs mit China sowie den USA und Russland nicht erlauben könne. Das dritte Jahrzehnt wird die Entscheidung bringen.
Der Wettbewerb mit den USA oder China ist doch schon verloren. Man schaue nur auf das Zukunftsfeld "Digitalisierung". Das wird beherrscht von den US-Firmen und nur die Chinesen sind in der Lage, hier etwas Ebenbürtiges zu schaffen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 3. Oktober 2018, 16:28

Italien will mehr Schulden machen und wundert sich, daß die Märkte entsprechend reagieren und die Zinsen für das Land erhöhen. Schuld sind natürlich nicht die ital. Politiker, Schuld ist die EU:
„Die Äußerungen und die Drohungen von Juncker und anderen europäischen Bürokraten lassen den Spread weiter steigen - mit dem Ziel, die Regierung und die Wirtschaft Italiens anzugreifen?“, erklärte Salvini am Dienstag auf Twitter. „Wir sind bereit, Schadenersatz zu verlangen“, fügte er hinzu.
https://www.krone.at/1781704

Der Abstand zwischen den als "sicher" geltenden 10jährigen deutschen Staatsanleihen und ihrem ital. Pendant hat sich innerhalb weniger Tage von 233 auf 290 Punkte erhöht. IT muß inzwischen knapp 3,3% zahlen während der Zinssatz für deutsche Anleihen nur bei knapp 0,5% liegt.

https://de.investing.com/rates-bonds/eu ... ment-bonds

Hier könnte sich für die EU (und den Euro) das nächste Problem zusammenbrauen - zumal der Brexit noch nicht geklärt ist.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Sonntag 7. Oktober 2018, 11:38

Der Euro macht schon wieder Stress
Jetzt ist es offensichtlich: Die Konstruktionsprobleme des Euros lassen sich nicht lösen, indem man Krisenherde mit Geld zuschüttet. Die Euro-Rettung, wie sie in Brüssel ersonnen wurde, verschiebt die Probleme nach hinten, anstatt sie zu lösen – und hat das Potential, sie sogar noch zu vergrößern.
In GR sind keine grundsätzlichen Reformen geschehen - auch weil diese dank der Gelder aus den "Hilfsprogramme", nicht als notwendig erachtet wurden.
IT scheint das nächste Problemfeld zu werden. Um die Wahlversprechen zu erfüllen, soll das Defizit über die vereinbarte Höhe wachsen. Wer zahlen soll, ist auch schon klar: Die Überschußländer - also vor allem D..

Italien fordert Anteil an deutschen Überschüssen

Wann kapiert man endlich, daß der Euro das Gegenteil von dem bewirkt, was seine Gründer bezwecken wollten? Anstatt die europ. Einigung zu vertiefen bringt er die Völker gegeneinander auf, denn wer in Nordeuropa will schon für den Süden zahlen? :achselzuck:

Demnächst werden wir einen neuen Akt sehen: Der Euro als Waffe gegen den US-Dollar, damit die EU sich künftig nicht mehr der US-amerikanischen (Sanktions-)Politik beugen muß. Der Euro soll als Handelswährung gestärkt werden.

SPD hinterfragt die Dollar-Dominanz im Rohstoffhandel

Allerdings:
Doch es ist faktisch unmöglich, den Euro kurzfristig zur Leitwährung aufzubauen. Die Euro-Krise hat Spuren hinterlassen. Hinzu kommt, dass der Dollar-Raum wesentlich mehr sichere Investitionsmöglichkeiten in Staatsanleihen bietet. Darum sei es an der Zeit, an einem Tabu zu rütteln, sagt SPD-Politiker Schmid: „Wenn wir den Euro stärken wollen, werden wir auch eine neue Diskussion über Euro-Bonds führen müssen.
(Hervorhebung von mir)

Genauso wird man dann die Schuldenvergemeinschaftung über Eurobonds der Öffentlichkeit verkaufen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Montag 8. Oktober 2018, 17:07

Die deutsche Angst vor den Schulden der Anderen

Ein Artikel zu EDIS - der gemeinsamen europ. Einlagensicherung. Die Bundesregierung scheint ihren Widerstand wohl aufzugeben.
Die faulen Kredite in Bankbilanzen betrugen Ende 2017 rd. 760 Mrden €, der größte Teil entfällt auf Institute in Zypern, Griechenland, Italien, Spanien und Portugal, aber auch in F. stehen 135 Mrden € im Feuer (D = 55 Mrden €). Verständlich, daß die Südländer nach der gemeinsamen Einlagensicherung schreien - schließlich will man z.B. in IT jetzt erst einmal Wohltaten verteilen und hätte kein Geld, die Bankguthaben im Falle einer Pleite auszuzahlen. Da muß dann halt der reiche Vetter aus dem Norden ran....

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Montag 5. November 2018, 00:14

Nordeuropäer fordern schärfere Kriterien für Hilfskredite
Sie fordern nun unter anderem, dass der ESM künftig die Fähigkeit des betreffenden Landes prüfen müsse, einen Hilfskredit zurückzuzahlen, bevor ein Kreditprogramm beschlossen werde. Diese Prüfung müsse vor jeder Freigabe einzelner Kredittranchen im Verlauf des Programms wiederholt werden. Diese Forderung ergebe sich aus dem Prinzip, dass Kredithilfe nur unter strengen Bedingungen („Konditionalität“) gewährt werden dürfe. Es müsse sichergestellt werden, dass ein Land, dem ein Kredit gewährt werde, verantwortlich für seine Schulden bleibe.
Die zehn Länder betonen, dass die ESM-Analyse unabhängig vom Urteil anderer Institutionen, etwa des Internationalen Währungsfonds oder der EU-Kommission, durchgeführt werden müsse. Hinter dieser Forderung steckt offenbar die Erwartung, dass der ESM, der auf einem zwischenstaatlichen Vertrag der Eurostaaten beruht, die Kreditwürdigkeit eines Krisenlandes kritischer beurteile als beispielsweise die Kommission.
Interessant ist, wer nicht zu der Gruppe gehört:
Natürlich D. - unter Merkel war das nicht anders zu erwarten; aber auch Österreich (da wundert man sich angesichts des dort regierenden Kanzlers schon ein wenig) sowie Belgien und Luxemburg.
Die Pläne zielen vor allem auf IT. Die dortigen Zombie-Banken müssen u.U. mit Hilfe des Bankenabwicklungsfonds rekapitalisiert werden. Reichen dessen Mittel nicht aus um z.B. die Mindestgarantiesumme von 100T €/Sparer auszuzahlen, soll man künftig auf den ESM zurückgreifen können.

Mit dem niederl. MP Rutte hat die Gruppe als Sprecher auch ein pol. "Schwergewicht" gefunden, der auf Augenhöhe mit Scholz/Merkel & Co verhandeln kann. Die Zeiten, in denen Mrden-Bürgschaften uä in den Parlamenten widerspruchslos abgenickt wurden, scheinen wohl vorbei zu sein. :daumen-rauf: :klatsch:

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Dienstag 20. November 2018, 11:45

Prof. Sinn:

Die italienische Tragödie
Italiens Regierung erpresst im Schuldenstreit die EU. Das haben sich die Euro-Retter mit ihren vielen Hilfskrediten selbst eingebrockt.
Lt. Prof. Sinn gibt es vier Lösungsmöglichkeiten
- eine weitere Vergemeinschaftung von Schulden, Einlagensicherung usw., bei denen im Endeffekt "die Steuerzahler der anderen Euroländer den Schuldnern Geld" schenken;
- Preis- (und damit auch) Lohnsenkungen in IT
- höherer Inflation in den nordeurop. Staaten
- vorübergehender Austritt aus dem Euro.

zum letzten Punkt schreibt Prof. Sinn:
Aber dadurch würden Frankreichs Banken, die in Italien etwa dreieinhalb Mal so stark exponiert sind wie die deutschen, schwer getroffen. Politisch käme dieser Schritt zudem einem Offenbarungseid der führenden Politiker Europas gleich. Und die Kapitalmärkte kämen in erhebliche Turbulenzen.
Ausgeschlossen sei dieser Weg jedoch nicht, denn IT mache sich bereits seit einiger Zeit Gedanken über die Einführung sog. "Mini-Bots".

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