Was passiert in Brasilien?

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Torsten
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Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 2. April 2016, 14:29

dradio kultur hat geschrieben:Amtsenthebung für Brasiliens Präsidentin
Nina Schneider im Gespräch mit Liane von Billerbeck 31.03.2016

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff soll wegen Korruption des Amtes enthoben werden - das gilt als sicher. Formal sei das Verfahren legal, doch die Art und Weise, wie es passiere, wecke Erinnerungen an den Putsch von 1964, sagt die Brasilien-Expertin Nina Schneider.
[...]
"Dann haben wir eine Regierung, die nicht vom Volk legitimiert ist, also die nicht gewählt ist, die fragwürdig an die Macht gekommen ist, unter anderem mit illegitimen Mitteln, mit Einschüchterung, und die selbst im Korruptionsskandal verwickelt ist. Also, die Wahrscheinlichkeit, dass dann, nachdem sozusagen das Ziel erreicht ist und die Rousseff-Regierung abgesetzt wird, die Korruption weiter bekämpft wird, ist natürlich sehr minimal. Weil, wer bekämpft schon sich selber?"
[...]
rt deutsch hat geschrieben:Brasilien: Chronik eines angekündigten Staatsstreichs - Teil 1

Von RT Deutsch-Lateinamerikakorrespondent Frederico Füllgraf 2.04.2016

[...]
Zum einen ist dieser Zustand zweifellos die Saat Sergio Moros gegen den brasilianischen Rechtsstaat. Zum anderen offenbaren die Aufmärsche der konservativen, weißen Elite, mit der pseudo-patriotischen Aneignung des grüngelben Trikots der Fußball-Nationalmannnschaft, und der Vormarsch der extremen Rechten den Januskopf ausländischer Drahtzieher.

Es mehren sich konkrete Hinweise auf die ferngesteuerte Finanzierung von ultrarechten Organisationen – wie “Komm auf die Straße”, “Bewegung Freies Brasilien” und “Rebellen Online” - durch US-Stiftungen wie die Charles Koch Foundation, Liberal Institute, Cato-Institut und Atlas Network, die das neoliberale Gedankengut mit dem “Recht auf Widerstand” propagieren und junge Putschisten ausbilden und finanzieren.
[...]
Ein "Regime-Change" wie in der Ukraine und anderswo erwartet Brasilien. Sicher nicht von ungefähr, sondern um die Front gegen Russland zu stärken.
"BRICS" ist dann nur noch "RICS".

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Marion
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Marion » Sonnabend 2. April 2016, 15:53

Torsten hat geschrieben:
rt hat geschrieben:Zum einen ist dieser Zustand zweifellos die Saat Sergio Moros gegen den brasilianischen Rechtsstaat.
Das ist nicht korrekt. Die Saat haben die korrupten Politiker gesät, nicht der, der die Verbrechen aufdeckt. Selbst dann, wenn auch noch andere Interessen dahinter stecken, die man selbstverständlich kritisieren darf und auch muss. Das ist aber eine andere Baustelle.

Daß Dilma nicht die Unschuldige ist wie in dem Artikel weis gemacht werden will, weiß hier zwischenzeitlich tatsächlich jeder. Es ging letzte Woche ein Telefongespräch durch alle Medien (Internet und auch Fernsehen), sodaß jeder Idiot weiß was los ist. Wer heute noch die PT in Schutz nimmt, hat entweder überhaupt keine Ahnung was geschehen ist, oder er ist selber ein Verbrecher, der Verbrechen gut heißt oder zumindest billigt.
Daß das, was danach kommt, falls die nun abgesägt werden, irgendwie besser sein könnte ist natürlich ebenfalls zu bezweifeln.
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guatuso
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von guatuso » Sonnabend 2. April 2016, 16:09

Da koennte Sempre wohl eher was dazu sagen, aber er wird das hier wohl erst spaeter lesen, bedingt durch den Zeitunterschied.

Nicht woertliche (!) aber inhaltliche Wiedergabe einer Beschreibung von Gabriel Marquez ueber Korruption:
Ihr nennt es Korruption.
Da lag ich mit meinem Nachbarn Martin im Dreck und hungerte,waehrend sich die Regierungstruppen naeherten. Es wurde wild geschossen. Ich wurde schwer verwundet, aber lebte weiter. Mein Nachbar zog mich unter Gefahr aus dem Drecksloch und schleppte mich in Sicherheit. Wir hungerten noch immer. Zuhause kannten wir nichts anderes als Hunger. Die Erde war trocken, der Mais klein und nicht nur die Kinder starben an der Colera. Auch meine Frau siechte dahin. Schuld war die Regierung, die nicht fuer uns Peons (einfache Arbeiter) sorgen wollte, wir waren nur Material, damit sie immer reicher wurden.
Und wer nicht seine Abgaben puenktlich zahlet, wurde zusammen geschlagen oder verlor den letzten Rest seiner Habe. Bis es zum Aufstand kam. Jose, Adrian, Joannes, Pablo, alles meine Freunde aus dem Dorf, und alle kaempften ums ueberleben gegen die Truppen.
Am Ende haben wir gesiegt. Die Regierung dankte ab.
Martin wurde zum neuen Praesidenten gewaehlt. Ich war politisch vorher nie aktiv. Doch Martin gab mir einen Posten. Dort konnte ich politisch nicht viel Schaden anrichten, aber es gab endlich genuegend Geld. Auch die anderen aus dem Dorf erhielten alle ihre Posten, sozusagen aus Dankbarkeit fuer ihre Beteiligung beim Kampf.
Nein, keiner hatte politische Erfahrung. Wozu auch? Besonders Jose war angetan. Er, der vormals ein jaemmerlicher Jauchetraeger war, trug nun stolz einen Anzug und seine Familie lebte in einem fuerstlichem Haus.
Ihr nennt das Korruption.
Ihr habt auch nicht zusammen im Dreck gelegen. Wie sonst sollen wir unseren Nachbarn den gebuertigen Dank aussprechen, denn ohne ihren Einsatz waeren wir alle noch im Elend oder Tot.


Nun ist das heute nicht mehr, aber es gibt endlos viele arme Familien, und wenn da einer einen guten Posten erhaschen konnte, sieht er schon zu dass ein anderer aus der Familie irgendwo gut unterkommt.
Bei uns zur Zeit steht die Ministerin fuer Gesundheit unter Beschuss. Ihr Chauffeur von 26 Jahren, 5-Tage-Woche, mit einem Monatslohn von 800.000 Colon, also etwa 1600 Dollar (Verkaeuferin: etwa 350 Dollar, 6 Tage-Woche) ist der Verlobte der Tochter ihrer Schwester.
Das Antikorruptionsgesetz verbietet solche Zuschusterungen sehr deutlich. Aber es wird nichts dabei herauskommen. Weder wird sie zurueck treten noch den jungen Mann, der sich reich stossen kann, entlassen.

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Torsten
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 2. April 2016, 17:08

Marion hat geschrieben:
Torsten hat geschrieben:
rt hat geschrieben:Zum einen ist dieser Zustand zweifellos die Saat Sergio Moros gegen den brasilianischen Rechtsstaat.
Das ist nicht korrekt. Die Saat haben die korrupten Politiker gesät, nicht der, der die Verbrechen aufdeckt. Selbst dann, wenn auch noch andere Interessen dahinter stecken, die man selbstverständlich kritisieren darf und auch muss. Das ist aber eine andere Baustelle.
Dass es Sergio Moro wirklich nicht um Korruptionsbekämpfung geht, und er nur eine Marionette ist, um eine demokratisch gewählte Präsidentin zu stürzen und einem genehmen Regime den Boden zu bereiten, das zu glauben nehme ich mir die Freiheit.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 2. April 2016, 17:10

RT hat geschrieben:Doch was die Mainstream-Medien systematisch verschweigen, gelangte nun Mitte März schwarz auf weiß durch WikiLeaks in die Öffentlichkeit: Sergio Moro ist seit 2009 Absolvent von George W. Bushs Anti-Terror-Ausbildung im US State Departement.
Nächste Woche kommt auf RT der zweite Teil:
"Untersuchungsrichter Sergio Moro, das State Department und die Finanzierung der “Straße“

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Sempre
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Sonnabend 2. April 2016, 20:13

Torsten hat geschrieben:Dass es Sergio Moro wirklich nicht um Korruptionsbekämpfung geht, und er nur eine Marionette ist, um eine demokratisch gewählte Präsidentin zu stürzen und einem genehmen Regime den Boden zu bereiten, das zu glauben nehme ich mir die Freiheit.
Die bilaterale Zusammenarbeit brasilianischer Behörden und Politiker mit den USA im Zusammenhang mit der Bekämpfung des organisierten Verbrechens, Geldwäsche, Drogenhandel, Entführungen etc. ist nichts besonderes. Auch andere südamerikanische Länder beteiligen sich. Sergio Moro ist einer der vielen Teilnehmer aus Justiz, Polizei und Staatsanwaltschaft. Berühmter ist Gilson Dipp, der unter Cardoso, Lula und Dilma ministro do Superior Tribunal de Justiça war und noch berühmter der Politiker José Serra, der Governeur, Bundesminister, Parteipräsident der PSDB u.v.a.m. war. Serra hat die USA seinerzeit um Hilfe gebeten, als die PCC (Das erste Kommando der Hauptstadt, Verbrecherbande mit zigtausenden Mitgliedern) mal wieder schwerbewaffnete Angriffe gegen Polizei und Behörden durchgeführt hat.

Der derzeitige Versuch der Regierung und ihrer nur noch wenigen Unterstützer, Sergio Moro wegen Teilnahme an diesen Veranstaltungen als Verräter darzustellen, ist lächerlich.

Dass die von RT-Deutsch genannten volksbewegenden Organisationen aus dunklen Quellen womöglich auch aus dem Ausland finanziert sind, überrascht niemanden. Die kann man sich in etwa wie Jürgen Elsässer vorstellen. Der gibt ja auch bloß zu, einen Sponsor zu haben, nicht aber, ob der Putin heißt. Bei RT-Deutsch nicht genannt wird Olavo de Carvalho, brasilianischer Philosoph, der in den USA lebt, aber per Weltnetz weite Teile der Konservativen hier massiv beeinflusst.

Der Grund aber dafür, dass Dilma lange schon unter 10% Zustimmung im Volk hat und dass Millionen auf die Straßen gehen, liegt nicht an solchen Aktivisten, sondern u.a. daran, dass die Medien von Aktionen der Polizei und Justiz gegen die Korruption berichten, was vor allem Lula, seine Arbeiterpartei und Dilma trifft. Letztere war so doof, Lula anzurufen, dessen Telefon auf richterliche Anordnung hin abgehört wurde, und sich dabei als das zu outen, was jeder sowieso schon wusste und nur noch nie aus ihrem eigenen Mund gehört hatte.

Von wegen "Aufmärsche der konservativen, weißen Elite" ist zu sagen, dass auch das PT-Propaganda ist. Die Elite in Brasilien umfasst keine 10 Millionen Menschen und würde sich nicht ohne Sicherheitsleute unter das Volk auf die Straße begeben.

Der Grund dafür, dass so viele Brasilianer auf die Straße gehen, liegt schlicht und einfach am "negativen Wirtschaftswachstum", an der Korruptheit der Regierung, an der Inflation und am Dollarkurs (US-Dollar - Real, vergangene 5 Jahre):

Bild

Dilma ist in Brasilien unübertroffene Meisterin im Schaffen von Bankrott, Arbeitslosigkeit und Armut.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Sonnabend 2. April 2016, 20:47

guatuso hat geschrieben:Nicht woertliche (!) aber inhaltliche Wiedergabe einer Beschreibung von Gabriel Marquez ueber Korruption:
Ihr nennt es Korruption.
Da lag ich mit meinem Nachbarn Martin im Dreck und hungerte,waehrend sich die Regierungstruppen naeherten. Es wurde wild geschossen. Ich wurde schwer verwundet, aber lebte weiter. Mein Nachbar zog mich unter Gefahr aus dem Drecksloch und schleppte mich in Sicherheit. Wir hungerten noch immer. Zuhause kannten wir nichts anderes als Hunger. Die Erde war trocken, der Mais klein und nicht nur die Kinder starben an der Colera. Auch meine Frau siechte dahin. Schuld war die Regierung, die nicht fuer uns Peons (einfache Arbeiter) sorgen wollte, wir waren nur Material, damit sie immer reicher wurden.
Und wer nicht seine Abgaben puenktlich zahlet, wurde zusammen geschlagen oder verlor den letzten Rest seiner Habe. Bis es zum Aufstand kam. Jose, Adrian, Joannes, Pablo, alles meine Freunde aus dem Dorf, und alle kaempften ums ueberleben gegen die Truppen.
Am Ende haben wir gesiegt. Die Regierung dankte ab.
Martin wurde zum neuen Praesidenten gewaehlt. Ich war politisch vorher nie aktiv. Doch Martin gab mir einen Posten. Dort konnte ich politisch nicht viel Schaden anrichten, aber es gab endlich genuegend Geld. Auch die anderen aus dem Dorf erhielten alle ihre Posten, sozusagen aus Dankbarkeit fuer ihre Beteiligung beim Kampf.
Nein, keiner hatte politische Erfahrung. Wozu auch? Besonders Jose war angetan. Er, der vormals ein jaemmerlicher Jauchetraeger war, trug nun stolz einen Anzug und seine Familie lebte in einem fuerstlichem Haus.
Ihr nennt das Korruption.
Ihr habt auch nicht zusammen im Dreck gelegen. Wie sonst sollen wir unseren Nachbarn den gebuertigen Dank aussprechen, denn ohne ihren Einsatz waeren wir alle noch im Elend oder Tot.
Wer von Verbrechern misshandelt wird, erwirbt dadurch kein Recht darauf, die Rolle der Verbrecher übernehmen zu dürfen. Ich hoffe, der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez verteidigt diese Idee nicht, sonst ist er schlimmer als solche Verbrecher, indem er die Verbrechen rechtfertigt.

Das Forum von São Paulo ist das lateinamerikanische Schmiergeldnetzwerk der hiesigen Sozialisten, deren einziges Ziel darin besteht, die Macht zu erlangen und dann nie wieder abzugeben.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 2. April 2016, 21:24

Sempre hat geschrieben: Der Grund aber dafür, dass Dilma lange schon unter 10% Zustimmung im Volk hat und dass Millionen auf die Straßen gehen, liegt nicht an solchen Aktivisten, sondern u.a. daran, dass die Medien von Aktionen der Polizei und Justiz gegen die Korruption berichten, was vor allem Lula, seine Arbeiterpartei und Dilma trifft.
Dies scheint nicht nur auf Brasilien beschränkt zu sein. Auch auf den PH trauen sich inzwischen die Medien über Korruption oder Unregelmäßigkeiten zu berichten. Vor Jahren wäre das noch unvorstellbar gewesen.
@Sempre:
1. Besteht nach Deiner Meinung/Kenntnis ein Zusammenhang zwischen den jetzt stattfindenden Demonstrationen und den Olympischen Spielen in Rio in diesem Jahr?
Bei derartigen Großereignissen, wenn die Welt auf ein Land blickt, ist die Regierung meist geneigt, den Forderungen nachzugeben bzw. es ist schwieriger, dagegen "hart" vorzugehen.

2. Wie ist die Stellung der kath. Kirche zu den Demonstrationen? Welchen Einfluß hat sie in Brasilien?
Auf den PH ist in solchen Fragen die Stellung der Kirche von entscheidender Bedeutung. Die Präsidenten Marcos und Estrada mußten auch auf Druck der kath. Kirche zurücktreten. Sie war in diesen Fällen das Sprachrohr - bei Marcos spielte der kath. Sender "Radio Veritas" eine entscheidende Rolle.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von umusungu » Sonnabend 2. April 2016, 21:26

Caviteño hat geschrieben: Die Präsidenten Marcos und Estrada mußten auch auf Druck der kath. Kirche zurücktreten. Sie war in diesen Fällen das Sprachrohr - bei Marcos spielte der kath. Sender "Radio Veritas" eine entscheidende Rolle.
Gott sei Dank!

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Torsten
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 2. April 2016, 21:31

Sempre hat geschrieben:Wer von Verbrechern misshandelt wird, erwirbt dadurch kein Recht darauf, die Rolle der Verbrecher übernehmen zu dürfen. Ich hoffe, der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez verteidigt diese Idee nicht, sonst ist er schlimmer als solche Verbrecher, indem er die Verbrechen rechtfertigt.

Das Forum von São Paulo ist das lateinamerikanische Schmiergeldnetzwerk der hiesigen Sozialisten, deren einziges Ziel darin besteht, die Macht zu erlangen und dann nie wieder abzugeben.
Obama hat vor nicht einmal zwei Wochen die frühere US-Politik in Lateinamerika missbilligt:
Focus hat geschrieben:Obama missbilligt frühere US-Politik in Lateinamerika
Mittwoch, 23.03.2016

US-Präsident Barack Obama bewertet die Unterstützung seines Landes für der lateinamerikanischen Diktaturen der 70er Jahre im Rückblick kritisch.
In dieser Zeit sei den Menschenrechten derselbe Rang eingeräumt worden wie dem Kampf gegen den Kommunismus, sagte Obama bei einer Pressekonferenz in Buenos Aires mit seinem argentinischen Kollegen Mauricio Macri. Das habe sich zum Besseren verändert.
„Heute ist alles, was wir tun, darauf gerichtet, auf Transparenz und Menschenrechte zu achten“ sagte Obama zum Auftakt seines zweitägigen Argentinien-Besuchs, der mit dem 40. Jahrestag der Machtübernahme der letzten argentinischen Diktatur (1976-83) zusammenfällt.
Heute ist alles besser: Gabriel García Márquez ist schon seit knapp zwei Jahren tot. (Pablo Neruda hatte noch gelebt).

Was ist der Unterschied zwischen einem Fehler und einem Verbrechen? Aus dem einen lernt man, aus dem anderen zieht man Profit.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 2. April 2016, 21:53

umusungu hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben: Die Präsidenten Marcos und Estrada mußten auch auf Druck der kath. Kirche zurücktreten. Sie war in diesen Fällen das Sprachrohr - bei Marcos spielte der kath. Sender "Radio Veritas" eine entscheidende Rolle.
Gott sei Dank!
Richtig!
Beim Sturz von Marcos war ich in Manila und habe die wichtige Rolle von Radio Veritas erlebt. Radio Veritas wurde im übrigen durch Spenden zum 50jährigem Priesterjubiläum von Kardinal Höffner ermöglicht bzw. wieder aufgebaut.

Auf diese Rolle der kath. Kirche kann man immer wieder verweisen, wenn in den Diskussionen mit deutschen Expats dort auf den Einfluß der Kirche geschimpft wird.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von guatuso » Sonnabend 2. April 2016, 22:15

Sempre hat geschrieben:
guatuso hat geschrieben:Nicht woertliche (!) aber inhaltliche Wiedergabe einer Beschreibung von Gabriel Marquez ueber Korruption:
Ihr nennt es Korruption.
Da lag ich mit meinem Nachbarn Martin im Dreck und hungerte,waehrend sich die Regierungstruppen naeherten. Es wurde wild geschossen. Ich wurde schwer verwundet, aber lebte weiter. Mein Nachbar zog mich unter Gefahr aus dem Drecksloch und schleppte mich in Sicherheit. Wir hungerten noch immer. Zuhause kannten wir nichts anderes als Hunger. Die Erde war trocken, der Mais klein und nicht nur die Kinder starben an der Colera. Auch meine Frau siechte dahin. Schuld war die Regierung, die nicht fuer uns Peons (einfache Arbeiter) sorgen wollte, wir waren nur Material, damit sie immer reicher wurden.
Und wer nicht seine Abgaben puenktlich zahlet, wurde zusammen geschlagen oder verlor den letzten Rest seiner Habe. Bis es zum Aufstand kam. Jose, Adrian, Joannes, Pablo, alles meine Freunde aus dem Dorf, und alle kaempften ums ueberleben gegen die Truppen.
Am Ende haben wir gesiegt. Die Regierung dankte ab.
Martin wurde zum neuen Praesidenten gewaehlt. Ich war politisch vorher nie aktiv. Doch Martin gab mir einen Posten. Dort konnte ich politisch nicht viel Schaden anrichten, aber es gab endlich genuegend Geld. Auch die anderen aus dem Dorf erhielten alle ihre Posten, sozusagen aus Dankbarkeit fuer ihre Beteiligung beim Kampf.
Nein, keiner hatte politische Erfahrung. Wozu auch? Besonders Jose war angetan. Er, der vormals ein jaemmerlicher Jauchetraeger war, trug nun stolz einen Anzug und seine Familie lebte in einem fuerstlichem Haus.
Ihr nennt das Korruption.
Ihr habt auch nicht zusammen im Dreck gelegen. Wie sonst sollen wir unseren Nachbarn den gebuertigen Dank aussprechen, denn ohne ihren Einsatz waeren wir alle noch im Elend oder Tot.
Wer von Verbrechern misshandelt wird, erwirbt dadurch kein Recht darauf, die Rolle der Verbrecher übernehmen zu dürfen. Ich hoffe, der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez verteidigt diese Idee nicht, sonst ist er schlimmer als solche Verbrecher, indem er die Verbrechen rechtfertigt.

Das Forum von São Paulo ist das lateinamerikanische Schmiergeldnetzwerk der hiesigen Sozialisten, deren einziges Ziel darin besteht, die Macht zu erlangen und dann nie wieder abzugeben.
Das war eine alte Geschichte von Marquez (nichts biografisches) , und wie bei allen Autoren darf man die Protagonisten und die Geschichte nie mit dem Autor verwechseln. Aber ich denke dahinter steckte sein Wunsch Koprruption zu erklaeren, natuerlich nicht in dem Ausmass wie es heute bei euch ist. Aber "troeste" dich, in Panama und bei uns ist es nicht viel anders. Nur nicht in Nicaragua. Dort steckt Ortega automatisch alles Geld in seine Tasche. Vom armen Revolutionaer zum Multimillionaer mutiert.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 2. April 2016, 22:26

Gott ist faszinierend. Weil wirklich alle vor ihm zuschanden kommen. Die einen mehr, die anderen weniger, aber keiner ungeschoren, und ja, ich glaube an die letzte Konsequenz: An das ewige Leben, und daneben nichts.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Sonntag 3. April 2016, 00:39

Caviteño hat geschrieben:1. Besteht nach Deiner Meinung/Kenntnis ein Zusammenhang zwischen den jetzt stattfindenden Demonstrationen und den Olympischen Spielen in Rio in diesem Jahr?
Bei derartigen Großereignissen, wenn die Welt auf ein Land blickt, ist die Regierung meist geneigt, den Forderungen nachzugeben bzw. es ist schwieriger, dagegen "hart" vorzugehen.
Die Forderung lautet "Fora Dilma!" ("Dilma raus!"). Das will Dilma selbst nicht, vor allem aber auch Lula (die Ikone der PT) und die ganze PT (Arbeiterpartei) nicht. Es würde wohl auch den praktischen Untergang der PT bedeuten. Militär und Polizei kann Dilma wohl nicht gegen die Bevölkerung einsetzen. Hier und da wird spekuliert, dass sie eventuell ihr Aktivistengesindel zwecks Anstachelung von Unruhen einsetzen könnte. Meines Erachtens wäre das sinnlos, wenn nicht gar ein Schuß ins eigene Knie.
Caviteño hat geschrieben:2. Wie ist die Stellung der kath. Kirche zu den Demonstrationen? Welchen Einfluß hat sie in Brasilien?
Kirche und PT folgen hier im wesentlichen derselben Ideologie und hacken nicht nur einander kein Auge aus. Die PT wird von großen Teilen des Klerus offen unterstützt. Große Freude war, als Lula 2002 zum Präsidenten gewählt wurde. Mehr aber noch ist die Kirche mit diversen sozialen Bewegungen, wie Landlosenbewegung, Obdachlosenbewegung, Arbeiterzentrale u.v.a.m. verflochten, die praktisch die Parteibasis der PT bilden. Die Aktivisten dieser Bewegungen sind die letzten Unterstützer der Präsidentin, sie tanzen gegen Bezahlung in der Hauptstadt an, bzw. werden dorthin gekarrt. Der Einfluss der Kirche ist nicht so groß wie auf den Philippinen, aber auch nicht zu unterschätzen.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Mittwoch 6. April 2016, 19:01

Glauben, daß Gott existiert,
heißt glauben, daß er nicht unsere Idee,
sondern daß wir seine Idee sind.
(Robert Spaemann)
Christ sein, an Christus glauben, in Ihm den Sohn Gottes erkennen, das heißt, nicht länger mehr nur ein Gedanke sein, mit dem Gott spielt und den er verwerfen kann und verwerfen wird, sondern sich mit der gebotenen Reife der Prüfung dieses Lebens stellen. Anhand der Regeln und Gebote, wie sie die Liebe schreibt, die das ewige Leben in sich birgt.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Mittwoch 6. April 2016, 23:49

Torsten hat geschrieben:
Glauben, daß Gott existiert,
heißt glauben, daß er nicht unsere Idee,
sondern daß wir seine Idee sind.
(Robert Spaemann)
Christ sein, an Christus glauben, in Ihm den Sohn Gottes erkennen, das heißt, nicht länger mehr nur ein Gedanke sein, mit dem Gott spielt und den er verwerfen kann und verwerfen wird, sondern sich mit der gebotenen Reife der Prüfung dieses Lebens stellen. Anhand der Regeln und Gebote, wie sie die Liebe schreibt, die das ewige Leben in sich birgt.
Robert Spaemann spricht hier gegen moderne Auffassungen davon, wer oder was Gott sei. Sehe ich richtig, dass Du beabsichtigst, ihm zu widersprechen?
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Donnerstag 7. April 2016, 18:56

Sempre hat geschrieben:Sehe ich richtig, dass Du beabsichtigst, ihm zu widersprechen?
Nein. Was Spaemann hier schreibt, das entspricht auch meinen Vorstellungen von dem, was wir als Menschen vor und gegenüber Gott darstellen. Es gibt gute und schlechte Ideen, und eine gute Idee kann sich als Reinfall erweisen, und an einer schlechten Idee richtig gefeilt, das kann der Weg sein.

Wichtig ist: Sich die eine Idee als Vorbild nehmen. Den Gedanken weiterbilden, und aus sich mehr machen als nur ein ... Tier, das aufrecht geht, sprechen und abstrakt denken kann. Sich nicht von Leidenschaften und Instinkten treiben lassen, sondern sie beherrschen, durch Selbstbeherrschung. Der Idee, die Gott mit mir hat, einen Rahmen geben, mit dem wir beide leben können. Einfach erwachsen werden.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Freitag 8. April 2016, 00:07

Torsten hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Sehe ich richtig, dass Du beabsichtigst, ihm zu widersprechen?
Nein. Was Spaemann hier schreibt, das entspricht auch meinen Vorstellungen von dem, was wir als Menschen vor und gegenüber Gott darstellen. Es gibt gute und schlechte Ideen, und eine gute Idee kann sich als Reinfall erweisen, und an einer schlechten Idee richtig gefeilt, das kann der Weg sein.
Gott hat nicht nur nach christlicher Vorstellung keine schlechten Ideen, und seine guten Ideen erweisen sich zumindest aus christlicher Sicht nicht als Reinfall. Was als Reinfall erscheinen mag, ist der freie Wille des Menschen, den umzusetzen Gott nicht beliebig zulässt. Was davon er zulässt, und seien es zur Erde fallende Bomben, benutzt er zum Guten, und sei es, um den Schafen zu seiner Rechten Gutes zu tun und die Böcke zu seiner Linken zu bestrafen.

Torsten hat geschrieben:Wichtig ist: Sich die eine Idee als Vorbild nehmen.
Die eine Idee? Wir haben viele Menschen und einen Gott. Soll jetzt Gott die Idee sein, von der die Rede ist? Du hattest doch gerade erst Spaemann zugestimmt?!

Torsten hat geschrieben:Den Gedanken weiterbilden, und aus sich mehr machen als nur ein ... Tier, das aufrecht geht, sprechen und abstrakt denken kann.
Bzw. den Herrn um die Gnade bitten und seinen Willen tun.

Torsten hat geschrieben:Sich nicht von Leidenschaften und Instinkten treiben lassen, sondern sie beherrschen, durch Selbstbeherrschung. Der Idee, die Gott mit mir hat, einen Rahmen geben, mit dem wir beide leben können.
Die Idee, die Gott mit mir hat, hat einen sehr weiten Rahmen, in dem viel Platz für meinen freien Willen ist, insofern der Wille sich im von Gott vorgegebenen Rahmen bewegt. Sorum wird ein Schuh draus.

Torsten hat geschrieben:Einfach erwachsen werden.
Ja, entscheiden, wem man dienen will, und dann danach handeln.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Raphael » Freitag 8. April 2016, 08:22

Torsten hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Sehe ich richtig, dass Du beabsichtigst, ihm zu widersprechen?
Nein. Was Spaemann hier schreibt, das entspricht auch meinen Vorstellungen von dem, was wir als Menschen vor und gegenüber Gott darstellen. Es gibt gute und schlechte Ideen, und eine gute Idee kann sich als Reinfall erweisen, und an einer schlechten Idee richtig gefeilt, das kann der Weg sein.

Wichtig ist: Sich die eine Idee als Vorbild nehmen. Den Gedanken weiterbilden, und aus sich mehr machen als nur ein ... Tier, das aufrecht geht, sprechen und abstrakt denken kann. Sich nicht von Leidenschaften und Instinkten treiben lassen, sondern sie beherrschen, durch Selbstbeherrschung. Der Idee, die Gott mit mir hat, einen Rahmen geben, mit dem wir beide leben können. Einfach erwachsen werden.
Stimmt! :ja:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von holzi » Freitag 8. April 2016, 13:52

Nachdem nun Einigkeit in dieser Frage herrscht, bitte wieder zurück zum Thema Brasilien: Sempre, was hat es mit der Odebrecht-Liste auf sich und warum liest man so wenig darüber in den Mainstreammedien?
Die Zeit ist, bei Licht besehen, immer gleich gut und gleich schlecht am Ende vom Jahre wie am Anfange desselben, nur die besseren Menschen machen die Zeiten besser, und bessere Menschen macht nur das treu geübte Christentum.
Adolph Kolping

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Sonnabend 9. April 2016, 01:49

holzi hat geschrieben:Nachdem nun Einigkeit in dieser Frage herrscht, bitte wieder zurück zum Thema Brasilien: Sempre, was hat es mit der Odebrecht-Liste auf sich und warum liest man so wenig darüber in den Mainstreammedien?
M.E. beweist die Liste nichts. Mag eine gezielte Provokation sein oder auch nicht. Da müsste die Justiz erstmal klären, was da dran ist.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Dienstag 12. April 2016, 00:50

Der Vize-Präsident, Michel Temer, hat bereits eine Ansprache an das brasilianische Volk aufgezeichnet für den Fall, dass die Câmera dos Deputados dem Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff zustimmen sollte. Irgendwer hat die Audioaufnahme umgehend (vor 3 Stunden) geleakt. Man findet sie z.B. hier (in portugiesischer Sprache). Temer sieht optimistisch in die Zukunft. Er verspricht Maßnahmen, um wieder Arbeitsplätze zu schaffen und Investitionen zu stimulieren, und er hofft so, in wenigen Jahren Sozialleistungen wieder zurückfahren zu können.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Freitag 15. April 2016, 00:45

Am Sonntag wird das Parlament in Brasília (Câmera dos Deputados) über das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff entscheiden. Nach aktueller Stimmungslage wird die Abstimmung gegen die Präsidentin ausgehen. Danach wandert das Verfahren in den Senat, der nach vorherrschender Einschätzung eher noch als das Parlament gegen die Präsidentin entscheiden wird.

Rousseff versucht derweil allerlei, um ihr Schicksal noch abzuwenden. Darunter auch der Versuch, solche Kräfte wiederzugewinnen, die sie zuvor selbst als Umstürzler bezeichnet hat.

Dollar und Euro sind bereits zeitgleich gefallen, als die parlamentarische Kommission jüngst die Sache dem Parlament übergeben hat.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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guatuso
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von guatuso » Freitag 15. April 2016, 00:54

Sempre hat geschrieben:Am Sonntag wird das Parlament in Brasília (Câmera dos Deputados) über das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff entscheiden. Nach aktueller Stimmungslage wird die Abstimmung gegen die Präsidentin ausgehen. Danach wandert das Verfahren in den Senat, der nach vorherrschender Einschätzung eher noch als das Parlament gegen die Präsidentin entscheiden wird.

Rousseff versucht derweil allerlei, um ihr Schicksal noch abzuwenden. Darunter auch der Versuch, solche Kräfte wiederzugewinnen, die sie zuvor selbst als Umstürzler bezeichnet hat.

Dollar und Euro sind bereits zeitgleich gefallen, als die parlamentarische Kommission jüngst die Sache dem Parlament übergeben hat.
Und wenn ich bedenke mit welchen guten Wuenschen ich ihren Amtsantritt beim ersten mal begleitet habe - und heute ist das Chaos da. Ich druecke euch die Daumen dass sich Brasilien wieder hochrappeln kann und mit neuem Schwung und Mut.... na, du kennst die Sprueche.
Kein Trost: wir haben auch so einen komischen Praesidenten, ohne Linie ohne Ziel, er ist halt Jurist, tiefe Entaeuschung ueber ihn im Land.
Und etwa 1000 Cubaner stuermen von Panama aus ueber die Grenze zu uns, und wollen letztendlich dass sie, wie die vorherigen 7000 Menschen, per Flugzeug in die USA transportiert werden.
Unruhe Ueberall. Sollen das doch die Praesideneten unter sich ausmachen.
Saludos

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Sempre
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Freitag 15. April 2016, 02:10

guatuso hat geschrieben:Und wenn ich bedenke mit welchen guten Wuenschen ich ihren Amtsantritt beim ersten mal begleitet habe - und heute ist das Chaos da. Ich druecke euch die Daumen dass sich Brasilien wieder hochrappeln kann und mit neuem Schwung und Mut.... na, du kennst die Sprueche.
Kein Trost: wir haben auch so einen komischen Praesidenten, ohne Linie ohne Ziel, er ist halt Jurist, tiefe Entaeuschung ueber ihn im Land.
Und etwa 1000 Cubaner stuermen von Panama aus ueber die Grenze zu uns, und wollen letztendlich dass sie, wie die vorherigen 7000 Menschen, per Flugzeug in die USA transportiert werden.
Unruhe Ueberall. Sollen das doch die Praesideneten unter sich ausmachen.
Saludos
Damit, dass es wirklich mal gut werden könne, ist nicht zu rechnen. Nicht einmal aus Sicht liberaler Kräfte. Es geht erstmal nur darum, aus den tiefsten Niederungen des schlimmsten Sumpfs himmelschreiender Ungerechtigkeiten wieder in Sphären hinaufzusteigen, in denen die allgemeine Lage wenigstens für die meisten wieder halbwegs akzeptabel ist.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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holzi
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von holzi » Freitag 15. April 2016, 08:14

Sempre hat geschrieben:Damit, dass es wirklich mal gut werden könne, ist nicht zu rechnen. Nicht einmal aus Sicht liberaler Kräfte. Es geht erstmal nur darum, aus den tiefsten Niederungen des schlimmsten Sumpfs himmelschreiender Ungerechtigkeiten wieder in Sphären hinaufzusteigen, in denen die allgemeine Lage wenigstens für die meisten wieder halbwegs akzeptabel ist.
Wie ernst zu nehmen sind denn die separatistischen Töne aus dem Süden?
Die Zeit ist, bei Licht besehen, immer gleich gut und gleich schlecht am Ende vom Jahre wie am Anfange desselben, nur die besseren Menschen machen die Zeiten besser, und bessere Menschen macht nur das treu geübte Christentum.
Adolph Kolping

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Sonnabend 16. April 2016, 01:07

holzi hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Damit, dass es wirklich mal gut werden könne, ist nicht zu rechnen. Nicht einmal aus Sicht liberaler Kräfte. Es geht erstmal nur darum, aus den tiefsten Niederungen des schlimmsten Sumpfs himmelschreiender Ungerechtigkeiten wieder in Sphären hinaufzusteigen, in denen die allgemeine Lage wenigstens für die meisten wieder halbwegs akzeptabel ist.
Wie ernst zu nehmen sind denn die separatistischen Töne aus dem Süden?
Ernstzunehmen sind die sulistas schon. Aber sie sind wohl zu wenige, um sich durchsetzen zu können, selbst jetzt, wo sie Aufwind haben. Sie dürfen nicht von Separation reden, weil das verfassungswidrig wäre, weshalb die Rede von Autonomie bevorzugt wird. Gegen den Rassismusvorwurf wehrt man sich. Tatsächlich ist der Süden am reichsten an Diversität. Sind halt nur vorwiegend (über 80%) ekelhaft weiße europäische und nicht nett schwarze afrikanische Völker. Im Jahr 2012 sollen die sulistas ca. 100 Beitragende (R$15 (damals ca. €5-7) / Monat) und 26 größere Spender gehabt haben.
Zuletzt geändert von Sempre am Sonnabend 16. April 2016, 01:17, insgesamt 2-mal geändert.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Sempre » Sonnabend 16. April 2016, 01:12

In der Câmera dos Deputados sollen derzeit über 70% der deputados für die Amtsenthebung sein, was für die nötige Zweidrittelmehrheit reichte.

Derweil sperrt das rote Gesocks mit vielen kleinen Gruppen Autobahnen, verbrennt dort alte Autoreifen und dergleichen, um zu verhindern, dass die Demonstrationen gegen die Präsidentin und ihren Tintenfisch (Lula) morgen und übermorgen in Brasília gar zu zahlreich werden.
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 16. April 2016, 12:25


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Torsten
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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 16. April 2016, 12:37

Sempre hat geschrieben:Derweil sperrt das rote Gesocks mit vielen kleinen Gruppen Autobahnen, verbrennt dort alte Autoreifen und dergleichen, um zu verhindern, dass die Demonstrationen gegen die Präsidentin und ihren Tintenfisch (Lula) morgen und übermorgen in Brasília gar zu zahlreich werden.
RT hat geschrieben:Brasilien vor der Eskalation?

Frederico Füllgraf 18.03.2016

[...]
Es reicht, ein rotes Hemd auf der Haut zu tragen, um von fanatisierten, faschistischen Horden überfallen und blutig geschlagen zu werden - wie es seit zwei Tagen vielen Brasilianern und ahnungslosen, ausländischen Touristen geschieht.
Das mag Zufall sein ..

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Marion » Sonnabend 16. April 2016, 13:33

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Re: Was passiert in Brasilien?

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 16. April 2016, 14:30

Eine Darstellung in der NZZ:

Brasilien – vom Aufschwung in die Sackgasse - Am Ende des Lulismo

sempre und Marion - was haltet Ihr von dem Artikel? Ist das nach Eurer Ansicht zutreffend?

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