EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

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Libertas Ecclesiae
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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Donnerstag 17. Januar 2019, 10:19

„Junius-letter“ aus Brüssel:

Die eigentliche Frage hinter dem Brexit-Drama

:daumen-rauf:
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Petrus
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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Petrus » Donnerstag 17. Januar 2019, 10:42

oben steht da "Brief aus Brüssel"

und unten steht da "mit besorgten Grüßen aus Straßburg".

Es scheint sich bei "Junius" um einen weit-reisenden Menschen zu handeln.
non moriar sed vivam et narrabo opera Domini

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Raphael
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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Raphael » Donnerstag 17. Januar 2019, 11:01

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Donnerstag 17. Januar 2019, 10:19
„Junius-letter“ aus Brüssel:

Die eigentliche Frage hinter dem Brexit-Drama

:daumen-rauf:
Daraus:
Zur Erinnerung: Mehrfach wurden wir gebeten, die Identität des Briefeschreibers aus Brüssel preiszugeben. Es handelt sich um eine Gemeinschaftsarbeit von Informanten und Redaktion. Sie erinnert an die sogenannten Junius letters, in denen ein Pseudonym namens Junius in der Zeitschrift Public Advertiser in London vom 21. Januar 1769 bis zum 12. Mai 1772 Briefe über die Geschehnisse am Hofe und im Parlament veröffentlichte. Darin wurden die Machenschaften in der Königsfamilie, von Ministern, Richtern und Abgeordneten satirisch und mit Sachkenntnis der internen Vorgänge und Intrigen aufgespießt. Die Junius-letters gelten als erster Beleg des journalistischen Zeugnisverweigerungsrechts.
Genial! :ikb_clap: :ikb_clap: :ikb_clap:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

Caviteño
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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 17. Januar 2019, 11:16

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 17. Januar 2019, 07:38
Die Spanier waren doch in der Presse immer als vergleichsweise rigoros bei der Grenzsicherung geoutet worden. :achselzuck:
Kanarische Inseln, Melilla und Ceuta sollten doch keine Einfallstore gewesen sein. :achselzuck:
Ceuta und Melilla können durch hohe Zäune halbwegs gesichert werden, zumindest ist es nicht einfach, sie zu überwinden. Von den Kanaren ist es zunächst einmal schwierig, das Festland zu erreichen, um sich dann weiter nach Mittel- bzw. Nordeuropa mit den besseren Sozialleistungen durchzuschlagen. Dementsprechend landen die sog. "Flüchtlinge" jetzt wohl direkt an der südspanischen Küste - im Netz gibt es darüber einige Videos, z.B. hier

Die neue sozialistische Regierung hatte die strengere Migrationspolitik von Aznar immer verurteilt und bot direkt nach ihrem Amtsantritt dem "Flüchtlings"schiff Aquarius an, in Valencia anzulaufen. Malta und IT hatten dem Schiff keine Erlaubnis gegeben:

Flüchtlingsschiff Aquarius: „Valencia, Stadt der Zuflucht“

Natürlich spricht es sich herum, wenn eine Regierung sich großzügig gibt - s. D. im September 2015. Dann gibt es kein Halten mehr, die Karawane setzt sich in Bewegung.
Gleichzeitig führt ein solches Regierungshandeln aber auch zu einem Anstieg sog. "rechter" Parteien; auch hier ist D. ein gutes Beispiel. Bei den letzten Provinzwahlen in Andalusien - dort kommen die meisten "Flüchtlinge" an - hat die "rechte" Partei "Vox" Sitze im Regionalparlament erlangt - ein Schock für die seit 36 Jahren regierenden Sozialisten:

Rechtspopulisten ziehen in spanisches Regionalparlament ein

Man darf gespannt sein, wie sich die großzügige Politik der jetzigen Regierung bei den Regional- (und ggfs. Cortes)-Wahlen in diesem Jahr auswirkt. Die Wahlen könnten möglicherweise der Grund sein, warum man die sog. "Flüchtlinge" mit Bussen in den Norden bringt, während man gleichzeitig wenig tut, um der illegalen Einwanderung die Stirn zu bieten. Auch in Spanien dürfte es das geben, was hierzulande als "Gutmenschen" bezeichnet wird.

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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Montag 21. Januar 2019, 12:06

Tja - das wird wohl nix mit den hochfliegenden "Europa"-Plänen des franz. Präsidenten:

Kurz lehnt Macrons EU-Pläne ab
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat den Plänen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für ein gemeinsames Budget der 19 Euro-Staaten eine klare Absage erteilt. „Emmanuel Macrons Vorschlag eines gemeinsamen Eurozonen-Budgets oder die Idee eines EU-Finanzministers halte ich für den falschen Ansatz“, sagte Kurz der Welt am Sonntag.
„Warum sollten wir mangelnden Reformwillen mit zusätzlichem EU-Geld belohnen?“ Dies lasse sich „hart arbeitenden Steuerzahlern in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden nicht erklären“, betonte der 32jährige. „Nur weil man etwas Reform nennt, muß es deswegen noch lange nicht in die richtige Richtung gehen.“
Werden wir Zeuge, wie das Mantra der "immer enger werdenden Union" zu Grabe getragen wird?
Die Bundesregierung beharrt darauf, daß zunächst die Altlasten in den Bilanzen der ital. Banken bereinigt werden, bevor man über eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung sprechen will. Für IT ein "no go", denn dann fiele zusätzlicher Kapitalbedarf an und wer soll das Geld bereitstellen?
Die Niederlande haben sich mit den nordeurop. und baltischen Ländern zu einer "hanseatischen Union" verbündet und blockieren auch den weiteren Geldfluß von Nord nach Süd.
Grund für die Änderung ihrer bisherigen Politik darf man wohl bei den "rechten" Parteien suchen, die in vielen Ländern immer stärker werden. Egal ob Wilders in NL, die Wahren Finnen, die Schwedendemokraten oder die AfD in D.- so einfach wie früher kann man nicht mal eben ein Hundert Mrden € Richtung Süden senden..

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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Montag 28. Januar 2019, 10:44

Zur Sendung "Hart, aber fair" hat Plasberg zum Thema "Briten weg, wir noch da: Wie muss Europa dann besser werden?" den bekannten EU-Kritiker Daniel Stelter eingeladen. Er muß seine Meinung gegen vier EU-Befürworter verteidigen und freut sich schon auf die Diskussion. Seine Argumente, daß der Brexit für GB kein Desaster sein muß und das Land in einigen Jahren besser dastehen könnte als D., hat er hier zusammengefaßt:

Die EU darf kein Elitenprojekt bleiben

Zu den Trümpfen von GB zählt er ua:
- hoch attraktiv für qualifizierte Einwanderer, z.B. aufgrund der Sprache;
- hervorragende Universitäten - acht der weltbesten Unis sind in GB, vier in D.;
- eigene Währung mit der Möglichkeit, diese auf- oder abzuwerten;
- eigene Fiskalpolitik;
- keine Bindung an die schwachen Volkswirtschaften des Südens.

Inzwischen wird auch klarer, daß eine Verlängerung über den 29. 03. 2019 hinaus nicht viel bringt - die Probleme müssen gelöst werden, wenn man einen harten Brexit vermeiden will.

Eine Verlängerung der Brexit-Verhandlung wäre große Zeitverschwendung

Die Frage ist auch, ob die EU tatsächlich ein Interesse daran haben könnte, wenn der Brexit nicht stattfinden würde - egal ob dies durch einen Parlamentsbeschluß, eine Regierungsentscheidung oder ein neues Plebiszit begründet wäre. GB wäre weiterhin ein gespaltenes Land und jede Regierung, jeder Abgeordnete würde sich dreimal überlegen, wie er bei wichtigen EU-Vorhaben abstimmen würde. GB wäre noch mehr als bisher ein Bremser.
Könnten überhaupt noch Beitrittsverhandlungen mit den Balkanländern oder Türkei geführt werden? Wohl kaum, denn sofort fände eine Diskussion über die freie Wohnsitz- und Arbeitsplatzwahl für Albanern, Kosovaren usw. statt.
Eine gemeinsame EU-Armee? Da hat GB bisher schon gebremst, als "wiedereingetretenes" Mitglied wäre mit einem noch deutlicheren "Nein" zu rechnen.

Man sollte GB "ziehen lassen" - ggfs. auch mit einem harten Brexit. Wie die EU immer wieder behauptet, würde das Land die größten Verluste erleiden. Einfach mal abwarten...

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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 29. Januar 2019, 06:39

Ich hatte bereits auf die Maßnahmen der EU hingewiesen, die Iran-Sanktionen der EU zu unterlaufen:

viewtopic.php?f=6&t=18234&p=870045&hilit=Iran#p870045

Man wollte ein sog. "Blocking-statut" einführen, um europ. Firmen Rechtssicherheit und Schutz zu geben. Außerdem sollte, weil der Handel überwiegend in USD stattfindet und dies von den USA untersagt wurde, eine Verrechnungsstelle (SPV - Special Purpose Vehicle) eingerichtet werden, die z.B. Öl- mit Maschinenlieferungen verrechnen würde.

Bisher ist das ganze Unternehmen ein Fehlschlag; die europ. Firmen ziehen sich aus dem Iran zurück; die Angst vor US-Sanktionen überwiegt. Für das SPV wurde noch nicht einmal ein Land gefunden, in dem es seinen Sitz haben könnte. Während es vor drei Monaten noch hieß, nach der Absage von Luxemburg würde mit einem anderen Land intensiv verhandelt, hat nun auch Österreich eine Absage erteilt. Jetzt soll es in F. angesiedelt werden und ein Deutscher soll es leiten....
Dabei haben sich massenhaft Firmen aus dem Iran zurückgezogen: Der französische Energiekonzern Total hat sein Milliardenprojekt beim weltgrößten Gasfeld South Pars am Persischen Golf ausgesetzt. Deutsche Firmen wie Siemens, BASF, Daimler und andere haben ebenfalls ihr Neugeschäft mit dem Iran eingestellt.
Das Blocking-Statut ist gescheitert, gibt die Bundesregierung inzwischen offen zu. Es „wirkt nicht und wird auch nicht ernst genommen“, bilanziert Ernst, der als Abgeordneter der Partei „Die Linke“ den Wirtschaftsausschuss leitet.
(...)
Das SPV soll laut Diplomaten in Frankreich angesiedelt und von einem Deutschen geführt werden. Großbritannien beteiligt sich demnach an der Verwaltung des Instituts.
https://www.handelsblatt.com/politik/in ... cege3x-ap2

Ach so - die Schweiz hat ein inzwischen ein entsprechendes Zahlungsvehikel etabliert. Darüber werden zwar überwiegend Medikamentenlieferungen abgewickelt, aber man kann sehen, daß es eben schneller geht, wenn keine Abstimmung mit 28 Staaten notwendig ist.

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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 31. Januar 2019, 12:50

Neue Partei polEXIT in Polen gegründet
Unmittelbarer Anlass der Parteigründung sind die Vorhaben der EU, die Zuweisung von Strukturhilfen von der Folgsamkeit der Mitteleuropäer abhängig zu machen.
(...)
Aber auch andere politische Vorhaben der EU würden negative Folgen für das Land haben: Polen drohten hohe Zahlungen für CO2-Emissionen, sollten entsprechende Gesetze verabschiedet werden, was zu einer enormen Erhöhung der Strompreise führen werde.
Nicht jedes Land scheint bereit zu sein, höhere Strompreise zu zahlen um das Klima zu "retten."

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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 7. Februar 2019, 03:42

Was soll man von einer solchen Äußerung halten? :hae?:
«Ich frage mich, wie dieser besondere Platz in der Hölle für diejenigen aussieht, die den Brexit gefördert haben, ohne auch nur eine Skizze eines Plans zu haben, wie man ihn sicher ausführen kann.» Das sagte Tusk nach einem Treffen mit Irlands Regierungschef Leo Varadkar in Brüssel.
https://www.srf.ch/news/international/b ... n-fettnapf

https://twitter.com/eucopresident/statu ... 2293266435

Offensichtlich liegen die Nerven in Brüssel wohl blank. Man scheint sich vollkommen verschätzt zu haben.
Die Ursache für einen harten Brexit wäre die Grenze in Nordirland und der damit verbundene backstop. Natürlich kann GB eine Zollgrenze im eigenen Land - besser in der Irischen See - nicht akzeptieren.

Tragisch ist, daß der Hauptleidtragende dieser Regelung Irland wäre. Das Land hat die engsten wirtschaftlichen Verflechtungen mit GB und würde demgemäß aber auch am meisten unter einem harten Brexit leiden. Andererseits beharrte es auch auf einer offenen Grenze - "ohne auch nur eine Skizze eines Plans zu haben, wie man das sicher ausführen kann". Irland oder ein anderes EU-Land würde doch auch keine Zollgrenze im eigenen Land zulassen - man erwartet das aber von GB.

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Niels
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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Niels » Donnerstag 7. Februar 2019, 18:03

"Die Absage eines gemeinsamen Auftritts von Macron und Merkle sei „auch immer ein symbolisches Signal“": https://www.welt.de/politik/ausland/art ... nz-ab.html
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Freitag 8. Februar 2019, 01:54

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 7. Februar 2019, 18:03
"Die Absage eines gemeinsamen Auftritts von Macron und Merkle sei „auch immer ein symbolisches Signal“": https://www.welt.de/politik/ausland/art ... nz-ab.html
Das es ein politisches Signal ist, daran wird wohl niemand zweifeln. Noch bedeutsamer dürfte allerdings sein, daß F. sich jetzt auf die Seite der Pipeline-Kritiker schlägt und somit Nordstream II verhindern könnte.
Bei einer wegweisenden Abstimmung an diesem Freitag in Brüssel wird sich die französische Regierung auf die Seite der Kritiker von Nord Stream 2 schlagen, bestätigte das französische Außenministerium.
(...)
Um auch von außerhalb der EU kommende Leitungen regulieren zu können, hatte die Kommission vorgeschlagen, die Gasrichtlinie aus dem Jahr 2009 zu ergänzen. An diesem Freitagmittag soll es nun zum Schwur kommen: Die Botschafter der EU-Staaten würden über die Anpassung diskutieren und aller Voraussicht nach auch abstimmen, heißt es in Brüssel.
Ohne die Stimmen Frankreichs könne Deutschland den Beschluss nicht mehr verhindern.
Nord Stream 2 steht plötzlich auf der Kippe

Das dürfte die Retourkutsche für die zögerliche Haltung von Merkel sein, die sie zu den Vorschlägen von Macron zu einer "Vertiefung" der EU eingenommen hat. Natürlich zielten die franz. Vorschläge (EU-Budget, "Vollendung" der Bankenunion durch gem. Einlagensicherung) nur darauf ab, daß das vermeintlich "reiche" D. mehr in die EU-Kassen zahlen soll und die Südländer (einschl. F) davon profitieren.
Die Proteste der Gelbwesten haben Macron deutlich vor Augen geführt, daß sein finanzieller Handlungsspielraum begrenzt ist. Ob er die 3%-Grenze bei der Neuverschuldung halten kann, ist sehr zweifelhaft, zumal er die Steuererhöhungen ausgesetzt und keine anderen zusätzlichen Einnahmen eingeführt hat.

Im Grunde zeigt sich erneut, daß D. ohne Probleme innerhalb der EU überstimmt werden kann; man offensichtlich auch überhaupt kein Konzept hat, die eigenen Interessen wirksam zu vertreten und sich von der EU-Kommission austricksen läßt. Neben den osteuropäischen Staaten, die Nordstream II vehement ablehnten, gab es eine ganze Reihe von Ländern, die unentschieden waren:
Viele andere Mitgliedstaaten stehen zwischen diesen beiden Lagern. Mit zahlreichen Ausnahmen etwa für kleinere Pipelines ist es der Kommission und den anderen Kritikern aber gelungen, zögerliche Staaten wie Spanien auf ihre Seite zu ziehen.
Quelle: s.o.

Na ja - der Preis der EU-Mitgliedschaft: Die eigenen Handlungsmöglichkeiten werden massiv beschnitten, egal ob bei Nordstream II oder den Dieselwerten...
Aber die Mitgliedschaft in der EU in Frage zu stellen, das ist Blasphemie.

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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 12. Februar 2019, 09:57

Wen hätten in D. vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren die Ergebnisse von Regionalwahlen in IT interessiert?
Niemanden!
Heute ist das anders. Da muß/sollte darüber berichtet werden, weil eine europakritische Partei - die Lega - dort einen Wahlsieg errungen hat und das für die Europawahlen im Mai kein gutes Zeichen ist. Auch die Stellung von Salvini wird innerhalb der ital. Regierung gefestigt.

Bei den EU-Wahlen droht ein Beben - Ein Fingerzeig: Die Lega von Salvini stärkste Partei

Für D. können sich durch die enge Verzahnung über die gemeinsame Währung erhebliche Auswirkungen ergeben. Schon bei der Haushaltspolitik hat man die EU provoziert und ist damit praktisch durchgekommen. In Brüssel hatte man Angst vor den Europawahlen. Diese Zugeständnisse helfen nichts, wie man jetzt sieht. Das ist auch nachvollziehbar, denn Salvini vermittelt das Bild eines Politikers, der deutlich sagt, was er will und was er nicht machen wird. Zur Not greift er auch auf Erpressung (Austritt aus dem Euro) zurück und bekommt dann seinen Willen.

Man sollte sich eben genau überlegen, mit wem man solche Verträge abschließt. Da muß nicht nur die persönliche Chemie bei den Politikern stimmen. Viel wichtiger sind die wirtschaftlichen Daten. Mit dem ganzen Mittelmeerraum (incl. Frankreich) hätte man niemals eine Währungsunion eingehen dürfen. Davor ist auch ausreichend gewarnt worden - aber man war blind.

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Re: EU am Scheideweg - wie geht es weiter?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 14. Februar 2019, 08:10

So klare Worte würde man sich auch von der Kanzlerin wünschen - dabei kommen sie von keinem "hardliner", sondern vom niederländischen MP:
Hat Brüssel mit seiner Austeritätspolitik in der Krise zum Aufstieg der Populisten beigetragen?

Es kann nicht sein, dass ein Land mehr ausgibt, als es verdient, und denkt, dass die EU es retten wird. So etwas kann ich den niederländischen Wählern nicht erklären. Wir haben ein Sparpaket von 46 Milliarden Euro geschnürt, um die Regeln einzuhalten. Aus einem Defizit von 4,5 Prozent ist ein Überschuss von 1,2 Prozent geworden. Die Niederlande sind gewappnet für die nächste Krise und können, wenn nötig, Kredite aufnehmen. Unsere Schuldenlast wird sich in den nächsten Jahren in Richtung 50 Prozent des Bruttoinlandproduktes verringern. Aber wie soll Italien neue Kredite aufnehmen, mit einer Verschuldung von 130 Prozent des Bruttoinlandproduktes? Oder Frankreich mit 100 Prozent? Man kann dann nicht zur EU gehen, um das Problem zu lösen. Denn die EU, das sind dann konkret Deutschland, die Niederlande, Österreich und andere, die ihr Haus in Ordnung halten. Dort wird die Unterstützung für Europa verloren gehen, wenn sie für die Nachlässigkeit anderer bezahlen müssen.
https://www.nzz.ch/international/europa ... ld.1459639

:klatsch: :klatsch: :klatsch:

Nicht umsonst wirft man den NL vor, eine Hanseatisch Liga zu bilden. Mit den skandinavischen und den baltischen Staaten schützen sie inzwischen das deutsche Steuergeld besser vor dem Zugriff aus dem Süden als es die eigene Regierung macht.

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