Beamte zu Marktpreisen?

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overkott
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Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von overkott » Freitag 27. Juni 2014, 18:35

Politiker fühlen sich chronisch unterbezahlt. Deshalb kam der Bundestag schon auf die Idee, die eigenen Bezüge mit Automatik zu dynamisieren. Auch der geplante Einkauf einer Abteilung im Verteidigungsministerium zu Markt nahen Preisen stellt die Beamtenbesoldung in Frage. Mit welchen Sicherheiten wird die niedrigere Beamtenbesoldung gegenüber Marktpreisen begründet?

Inwieweit schaffen hohe Bezüge von Effizienzberatern Anreize, diese durch noch höhere Streichungsempfehlungen zu rechtfertigen? Wie verändern sich die Berater einer Behörde, wenn sie selbst Teil davon werden? Was geschieht mit den Beratern, wenn ein relatives Optimum in der Aufbau- und Ablauforganisation einer Behörde erreicht ist? Ist es sinnvoll, eine politisch motivierte Installation einer Abteilung über die Amtszeit eines Ministers zu zementieren?

Das werden die Koalitionspartner unter sich ausmachen. Eine Kontrolle der Exekutive scheint hier ein schwieriges Unterfangen.

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Marcus
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Samstag 28. Juni 2014, 13:00

In Baden-Württemberg wird der Gewinn von Akademikern für die gehobene und höhere Beamtenlaufbahn derart gefördert, dass Neueingestellte in den Besoldungsgruppen A 9 bis A 11 in den ersten drei Jahren einen Besoldungsabschlag von 4 % und ab der Besoldungsgruppe A 12 gar einen Besoldungsabschlag von 8 % hinnehmen müssen. Bewerbungskosten (Fahrtkosten zum Vorstellungsgespräch; Gebühr für die amtsärztliche Untersuchung etc.) werden ebenfalls nicht erstattet. Absurderweise beklagt man sich aber immer darüber, nicht genügend Hochqualifizierte für den öffentlichen Dienst gewinnen zu können. Warum mit FH-Diplom oder Bachelorabschluss für 2377,39 EUR brutto im Monat 41 h pro Woche arbeiten gehen, wenn man in der Industrie bei einer 35-h-Stunden-Woche als Jungakademiker wahrscheinlich monatlich 3.500 EUR als Einstiegsgehalt bekommt, zumal größere Unternehmen auch BA-Studiengänge finanzieren und zusätzlich den Studenten eine Ausbildungsvergütung bezahlen? In Berlin hatte man vor ein paar Jahren mal festgestellt, zu wenig Rechtspfleger ausgebildet zu haben. Kein Problem hatte man sich wohl gedacht und Volljuristen als Rechtspfleger mit einem befristeten Jahresvertrag nach E 9 gewinnen wollen. :vogel:
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ar26
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von ar26 » Samstag 28. Juni 2014, 13:53

@ Marcus
Ganz so prekär würde ich den Vergleich nicht anstellen. Volljuristen die nicht mindestens zweimal befriedigend haben, würden sich über ein Einsteigergehalt von T€ 2,3 durchaus freuen. Dabei muss man berücksichtigen, daß die beim Berufseinstieg auch noch 4-5 Jahre älter sind, als ein Dipl.-Rechtspfleger.

Und selbst wenn man bessere Noten hatte und damit auch einen leichteren und besser bezahlten Einstieg ins Berufsleben, so muss man in der freien Wirtschaft (nicht nur in Kanzleien) wesentlich mehr Wochenarbeitszeit hinnehmen als ein Dipl.-Rechtspfleger.

PS: In welcher Abteilung bist Du bei Gericht tätig?
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

Bibelleser
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Bibelleser » Samstag 28. Juni 2014, 14:03

Marcus hat geschrieben: Warum mit FH-Diplom oder Bachelorabschluss für 2377,39 EUR brutto im Monat 41 h pro Woche arbeiten gehen, wenn man in der Industrie bei einer 35-h-Stunden-Woche als Jungakademiker wahrscheinlich monatlich 3.500 EUR als Einstiegsgehalt bekommt,
Bitte die Sozialabgaben nicht vergessen.
Wir rechnen mal richtig mit Steuerklasse I und Kirchensteuer in Baden-Württemberg (kinderlos):

Bruttolohn 3500 Euro

Lohnsteuer: 596,16
Solidaritätszuschlag: 32,78
8% Kirchensteuer: 47,69
Summe der Steuern 676,63

9.45% Rentenversicherungsanteil: 330,75
1.5% Arbeitslosenversicherungsanteil: 52,50
8.2% Krankenversicherungsanteil (incl. 0,9% AN-Aufschlag): 287,00
1.275% Pflegeversicherungsanteil: 44,63
Summe der Sozialversicherungsbeitäge 714,88

Nettolohn: 2.108,49 Euro


Der Beamte kommt auf knapp unter 2000 Euro und darf davon noch seine private Krankenkasse zahlen (ca. 200 Euro).

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overkott
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von overkott » Samstag 28. Juni 2014, 14:05

Vor allem der Bundesrechnungshof dürfte von dem Ansinnen, eine Abteilung Quereinsteiger mit ähnlichen Aufgaben wie der Bundesrechnungshof zu Marktpreisen einzukaufen, wenig begeistert sein.

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Marcus
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Samstag 28. Juni 2014, 15:03

Bibelleser hat geschrieben:
Marcus hat geschrieben: Warum mit FH-Diplom oder Bachelorabschluss für 2377,39 EUR brutto im Monat 41 h pro Woche arbeiten gehen, wenn man in der Industrie bei einer 35-h-Stunden-Woche als Jungakademiker wahrscheinlich monatlich 3.500 EUR als Einstiegsgehalt bekommt,
Bitte die Sozialabgaben nicht vergessen.
Wir rechnen mal richtig mit Steuerklasse I und Kirchensteuer in Baden-Württemberg (kinderlos):

Bruttolohn 3500 Euro

Lohnsteuer: 596,16
Solidaritätszuschlag: 32,78
8% Kirchensteuer: 47,69
Summe der Steuern 676,63

9.45% Rentenversicherungsanteil: 330,75
1.5% Arbeitslosenversicherungsanteil: 52,50
8.2% Krankenversicherungsanteil (incl. 0,9% AN-Aufschlag): 287,00
1.275% Pflegeversicherungsanteil: 44,63
Summe der Sozialversicherungsbeitäge 714,88

Nettolohn: 2.108,49 Euro


Der Beamte kommt auf knapp unter 2000 Euro und darf davon noch seine private Krankenkasse zahlen (ca. 200 Euro).
Es ist sicherlich richtig, bei Gehaltsvergleichen zwischen Arbeitnehmern und Beamten auf die Sozialabgaben zu achten. Bei dem Beispielsbeamten kämen hier folgende Bezüge heraus:

Besoldungsgruppe A 9 LBesGBW, Stufe 2, Tabelle ab 1. Juli 2014

Monatsbeträge

Grundgehalt: 2389.98 €
allg. Stellenzulage gD: 86.46 €
4% Abzug Neueinstellungen: -99.05 €

Monats-Brutto: 2377.39 €

Lohnsteuer: - 351.08 € (Klasse I)
Solidaritätszuschlag: - 19.30 €
Kirchensteuer: - 28.09 € (Satz: 8%)

Abzüge gesamt: - 398.47 € (Anteil: 16.8%)

netto bleiben: 1978.92 € (Steuerjahr 2014)

Zöge man 200 EUR für die PKV ab, blieben somit 1778,92 EUR übrig.

Man sollte aber auch noch bedenken, dass das sog. „Weihnachtsgeld“ bei Beamten in BW bereits im Grundgehalt enthalten ist, während Arbeitnehmer zumindest in tarifgebundenen Betrieben ja üblicherweise noch „Weihnachtsgeld“ und evtl. sogar noch Urlaubsgeld bekommen. Auch sollten man die Regelarbeitszeiten in den einzelnen Branchen beachten. Möchte der o.g. Beispielsbeamte z. B. nur 35 h pro Woche regelmäßig arbeiten wie im IG-Metallbereich, so würde er brutto 2040,33 EUR und netto 1743,95 EUR bekommen. Davon nochmals 200 EUR für die PKV abgezogen, blieben noch 1543,95 EUR. Hinzu kommt noch, dass auch im ÖD immer mehr Personalmangel herrscht, so dass es auch Beamte mit über 100 Überstunden trotz 41-h-Woche gibt. Und darunter befinden sich nicht nur Polizisten, sondern auch Verwaltungsbeamte.
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Bibelleser » Samstag 28. Juni 2014, 16:12

Sehr gut beschrieben.
In der Region Stuttgart kommen dann bei den Beamten noch hohe Anfahrtskosten zur Arbeitstelle hinzu, weil z.B. in Stuttgart mit dieser Besoldung kaum mehr gewohnt werden kann.

Ich kenne einige Angestellte der großen Firmen z.B. Bosch, wo im normalen Verwaltungsbereich Geld verdient wird, dass es nur so kracht. Mit Gratifikation. Realschule, Ausbildung Büro, IHK-Abschluss. Dann später so mit Mitte/Ende 20 der irreale Betriebswirt im Abendkurs.....Stellen werden immer intern zuerst besetzt. Da ist dein genannter Beamter im gehobenen Dienst finanziell extrem weit weg. Und die besagten Angestellten werden auch nie entlassen.

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 29. Juni 2014, 05:01

Besonders "gefährdet" für Abwanderungen in die freie Wirtschaft ist die Finanzverwaltung. Hier können die Angehörigen des gehobenen Dienstes entweder nach einigen Jahren prüfungsfrei "Steuerberater" werden oder - sogar während sich im Finanzamt tätig sind - die Steuerberaterprüfung ablegen.
Zielgruppe der freien Wirtschaft sind insbesondere Groß- und Konzernprüfer und Steuerfahnder. Erschwerend kommt hinzu, daß dieser Personenkreis täglich mit potentiellen "Abwerbern" zu tun hat und letztere sich schnell ein Bild über die Fähigkeite, Kenntnisse und die Arbeitsweise des Beamten machen können. Aber nicht nur die freie Wirtschaft wirbt ab. Vor einigen Jahren ging eine Meldung durch die Presse, daß der damalige bayerische Finanzminister sich mit dem Bundeszentralamt für Steuern "anlegte", weil das Amt erheblich bessere Besoldungsstrukturen hatte. Bayern ist berüchtigt für seine miserablen Stellenpläne; Steuerprüfer werden dort im allgemeinen höchstens bis A 11 bezahlt - das Bundeszentralamt bietet A 12 und A 13.

Hier zwei Berichte über die Abwanderung von Finanzbeamten:

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance ... ageIndex_2

http://www.focus.de/finanzen/news/steue ... 43465.html

@Marcus:
Aus Deinem Beitrag wird ein Hauptproblem deutlich - die absolute Herrschaft des Dienstherrn über die Konditionen des Beamtentums. Der Dienstherr (z.B. in NRW) kann einfach die Arbeitszeit erhöhen (natürlich ohne Lohnausgleich), das Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen, Urlaubstage "kassieren", die Beihilfevorschriften ändern, Besoldungsanpassungen verzögert oder überhaupt nicht vornehmen und andere Dinge mehr.
Der Etat für die Landesbeamten ist häufig der Steinbruch der Haushaltspolitiker aus dem sie sich trefflich bedienen können, weil er der größte Posten im Landeshaushalt ist und es keine bindenden Tarifverträge gibt. Nur in Ausnahmefällen werden dann die Maßnahmen des Gesetzgebers von den Verfassungsgerichten verworfen. Wer sich für die Beamtenlaufbahn entscheidet, sollte dies auch berücksichtigen.

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taddeo
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von taddeo » Sonntag 29. Juni 2014, 15:09

Caviteño hat geschrieben:@Marcus:
Aus Deinem Beitrag wird ein Hauptproblem deutlich - die absolute Herrschaft des Dienstherrn über die Konditionen des Beamtentums. Der Dienstherr (z.B. in NRW) kann einfach die Arbeitszeit erhöhen (natürlich ohne Lohnausgleich), das Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen, Urlaubstage "kassieren", die Beihilfevorschriften ändern, Besoldungsanpassungen verzögert oder überhaupt nicht vornehmen und andere Dinge mehr.
Der Etat für die Landesbeamten ist häufig der Steinbruch der Haushaltspolitiker aus dem sie sich trefflich bedienen können, weil er der größte Posten im Landeshaushalt ist und es keine bindenden Tarifverträge gibt. Nur in Ausnahmefällen werden dann die Maßnahmen des Gesetzgebers von den Verfassungsgerichten verworfen. Wer sich für die Beamtenlaufbahn entscheidet, sollte dies auch berücksichtigen.
Musterbeispiel dafür ist sind die verbeamteten Lehrer. Kein normaler Arbeitsnehmer müßte (und würde!) sich bieten lassen, was die in den letzten Jahrzehnten an entsprechenden Schikanen über sich ergehen lassen mußten.
Freilich - gerade heutzutage gibt es kaum mehr einen Beruf, wo man sicher sein kann, unkündbar vom Studium bis zur Pension denselben Job zu machen. Das ist ein Wert an sich, den man nicht unterschätzen darf. Aber dieser Wert kann teuer erkauft sein, je nachdem, welche Berufsauffassung man hat.

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Edi
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Edi » Sonntag 29. Juni 2014, 15:49

Wie ist es denn dann mit der Pension der Beamten? Ich kannte vor Jahren mal einen Finanzbeamten, der mit etwa 40 aus gesundheitlichen Gründen in Pension ging und etwa 75 % seines letzten Gehalts als Pension bekam. Habe als Nachbarn ein Lehrerehepaar. Beide sind um die 50 und jetzt gerade erfuhr ich, daß sie nicht mehr arbeiten. Der Mann soll in Pension sein auch aus gesundheitlichen Gründen.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Tinius » Sonntag 29. Juni 2014, 16:18

Edi hat geschrieben:Wie ist es denn dann mit der Pension der Beamten? Ich kannte vor Jahren mal einen Finanzbeamten, der mit etwa 40 aus gesundheitlichen Gründen in Pension ging und etwa 75 % seines letzten Gehalts als Pension bekam. Habe als Nachbarn ein Lehrerehepaar. Beide sind um die 50 und jetzt gerade erfuhr ich, daß sie nicht mehr arbeiten. Der Mann soll in Pension sein auch aus gesundheitlichen Gründen.
Wenn man mal Dienstunfälle außen vor lässt, stimmen die Daten nicht.
Die Höchstpension liegt bei 71,75 Prozent des aktuellen Brutto nach 40 Jahren Dienstzeit. HInzu kommen bei Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit vor dem 60.Lebensjahr noch 10,8 Prozent Abschlag von der Summe.
Diese Daten gelten für Bundesbeamte. Für einen 40-jährigen der seit 20 Jahren im Dienst ist, sähe das so aus.

71,75 Prozent durch 40 Jahre macht 1,79375 Prozent

20 Jahre plus 2/3 der Zeit bis zum 60.Geburtstag macht 33,33 Jahre mal 1,79375 Prozent sind 59,785 Prozent.

Ein Beamter A11 mit z.B. 3600 Euro Brutto würde dann ca. 2152 Euro MINUS 10,8 Prozent (232 Euro) = 1920 Euro bekommen.
Von diesen 1920 Euro sind Steuern und die private Krankenversicherung zu entrichten. Abzug bei Lohnsteuerklasse I dann ca. 196 Euro plus eventl Kirchensteuer, Krankenkasse ca. 200 bis 250 Euro.

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von taddeo » Sonntag 29. Juni 2014, 16:51

Für die private Krankenversicherung zahlt er aber mit Sicherheit mehr, wenn er keine Kinder (mehr im Haus) hat. Da ist der Beihilfesatz nämlich nur noch 50% und nicht 80% wie bei Beamten mit zwei oder mehr Kindern. Und dann wären 250 Euro kaum ausreichend, weil der Beitrag in der PKV ja mit dem Alter drastisch steigt.

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 29. Juni 2014, 19:27

taddeo hat geschrieben:Für die private Krankenversicherung zahlt er aber mit Sicherheit mehr, wenn er keine Kinder (mehr im Haus) hat. Da ist der Beihilfesatz nämlich nur noch 50% und nicht 80% wie bei Beamten mit zwei oder mehr Kindern. Und dann wären 250 Euro kaum ausreichend, weil der Beitrag in der PKV ja mit dem Alter drastisch steigt.
Auch in Bayern beträgt der Beihilfesatz für Ruhestandsbeamte 70% (Art. 96 III 2 BayBG). Die private KV ist mit knapp 200 €/Monat zu veranschlagen, bei Ehegatten der doppelte Betrag.

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von taddeo » Sonntag 29. Juni 2014, 19:53

Caviteño hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Für die private Krankenversicherung zahlt er aber mit Sicherheit mehr, wenn er keine Kinder (mehr im Haus) hat. Da ist der Beihilfesatz nämlich nur noch 50% und nicht 80% wie bei Beamten mit zwei oder mehr Kindern. Und dann wären 250 Euro kaum ausreichend, weil der Beitrag in der PKV ja mit dem Alter drastisch steigt.
Auch in Bayern beträgt der Beihilfesatz für Ruhestandsbeamte 70% (Art. 96 III 2 BayBG). Die private KV ist mit knapp 200 €/Monat zu veranschlagen, bei Ehegatten der doppelte Betrag.
OK, den Satz für Ruhestandsbeamte hatte ich nicht auf dem Schirm. Sorry. :tuete:

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Marcus
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Dienstag 1. Juli 2014, 10:58

Caviteño hat geschrieben: [...]
@Marcus:
Aus Deinem Beitrag wird ein Hauptproblem deutlich - die absolute Herrschaft des Dienstherrn über die Konditionen des Beamtentums. Der Dienstherr (z.B. in NRW) kann einfach die Arbeitszeit erhöhen (natürlich ohne Lohnausgleich), das Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen, Urlaubstage "kassieren", die Beihilfevorschriften ändern, Besoldungsanpassungen verzögert oder überhaupt nicht vornehmen und andere Dinge mehr.
Der Etat für die Landesbeamten ist häufig der Steinbruch der Haushaltspolitiker aus dem sie sich trefflich bedienen können, weil er der größte Posten im Landeshaushalt ist und es keine bindenden Tarifverträge gibt. Nur in Ausnahmefällen werden dann die Maßnahmen des Gesetzgebers von den Verfassungsgerichten verworfen. Wer sich für die Beamtenlaufbahn entscheidet, sollte dies auch berücksichtigen.
Hier findet man Vergleichstabellen zur Entwicklung der Gehälter und Beschäftigtenzahlen im ÖD seit 1993 (ohne Post, Bahn und Zweckverbände). Aus denen kann dann bereits entnommen werden, dass die Bedingungen vergleichsweise immer schlechter geworden sind. Auch die sog. "sicheren Jobs" gibt es nicht mehr. Mittlerweile beginnen 80 % aller Neueingestellten im ÖD mit einem befristeten Vertrag (FAZ-Artikel]. Auch Mehrfachbefristungen mit "Sachgrund" sind keine Seltenheit mehr. Verbeamtet wird, vor allem bei Kommunen, heute kaum noch. Und wer verbeamtet wird, darf dann mit seiner höheren Dienstzeit die abgebauten Stellen ausgleichen. Während vor zehn Jahren noch Anwärterstellen im gehobenen Dienst auch bei unter 2,0-Abiturienten hoch begehrt waren, so dass man es bei einem schon etwas schlechteren Abitur mit vielleicht "nur" 2,5 schon nahegelegt bekam, sich erst einmal als Anwärter für den mittleren Dienst zu bewerben und sich dann eben hochzuarbeiten, ist man heute überspitzt formuliert mancherorts schon genötigt, nahezu alles einzustellen, was auf dem Papier eine Hochschulreife besitzt.
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Dienstag 1. Juli 2014, 11:25

Beamtenbesoldung in NRW ist verfassungswidrig:

http://www.faz.net/aktuell/politik/nord ... 253.html
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 1. Juli 2014, 13:48

Marcus hat geschrieben:Beamtenbesoldung in NRW ist verfassungswidrig:

http://www.faz.net/aktuell/politik/nord ... 253.html
Gutes Beispiel mit welcher Unverfrorenheit die Beamtenbesoldung als Reservoir für sonst zu verteilende Wohltaten (in NRW z.B. Abschaffung der Studiengebühren) genutzt wird.

Ich bin mal gespannt, wie Herr Borjans sich jetzt aus der Affäre ziehen will - teuer wird es auf jeden Fall.
Marcus hat geschrieben: Während vor zehn Jahren noch Anwärterstellen im gehobenen Dienst auch bei unter 2,-Abiturienten hoch begehrt waren, so dass man es bei einem schon etwas schlechteren Abitur mit vielleicht "nur" 2,5 schon nahegelegt bekam, sich erst einmal als Anwärter für den mittleren Dienst zu bewerben und sich dann eben hochzuarbeiten, ist man heute überspitzt formuliert mancherorts schon genötigt, nahezu alles einzustellen, was auf dem Papier eine Hochschulreife besitzt.
Probleme geeignete Personen zu finden hat man vor allem in den Ballungsgebieten, wo auch andere interessante Arbeitgeber oder Ausbildungsbetriebe um den Nachwuchs werben. Hinzu kommt, daß die Besoldung (meist) gleich ist, egal ob man beim Amtsgericht/Finanzamt Coesfeld oder Düsseldorf beschäftigt ist, obwohl sich die Lebenshaltungskosten in beiden Orten erheblich unterscheiden.

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Dienstag 1. Juli 2014, 14:07

Caviteño hat geschrieben:
Marcus hat geschrieben:Beamtenbesoldung in NRW ist verfassungswidrig:

http://www.faz.net/aktuell/politik/nord ... 253.html
Gutes Beispiel mit welcher Unverfrorenheit die Beamtenbesoldung als Reservoir für sonst zu verteilende Wohltaten (in NRW z.B. Abschaffung der Studiengebühren) genutzt wird.

Ich bin mal gespannt, wie Herr Borjans sich jetzt aus der Affäre ziehen will - teuer wird es auf jeden Fall.
´

In anderen Bundesländern dürfte mit ähnlichen Entscheidungen zu rechnen sein. Der Freistaat Bayern war nämlich der einzige Landesdienstherr, der die letzten Tarifergebnisse zeit- und wirkungsgleich auf die Beamten übertrug:

http://oeffentlicher-dienst.info/tv-l/t ... eamte.html
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 1. Juli 2014, 16:59

Marcus hat geschrieben:
In anderen Bundesländern dürfte mit ähnlichen Entscheidungen zu rechnen sein. Der Freistaat Bayern war nämlich der einzige Landesdienstherr, der die letzten Tarifergebnisse zeit- und wirkungsgleich auf die Beamten übertrug:

http://oeffentlicher-dienst.info/tv-l/t ... eamte.html
Das Gesetz in Bayern wurde am 4. 7. 213 beschlossen. Ein Zusammenhang mit den am 15. 9. 213 stattgefundenen Wahlen zum Bayerischen Landtag wäre eine "sachfremde Unterstellung". :breitgrins:

In NRW sind die nächsten Landtagswahlen erst 217 - da spekulierte Frau Kraft an die Vergeßlichkeit.......

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Mittwoch 23. Juli 2014, 12:41

taddeo hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Für die private Krankenversicherung zahlt er aber mit Sicherheit mehr, wenn er keine Kinder (mehr im Haus) hat. Da ist der Beihilfesatz nämlich nur noch 5% und nicht 8% wie bei Beamten mit zwei oder mehr Kindern. Und dann wären 25 Euro kaum ausreichend, weil der Beitrag in der PKV ja mit dem Alter drastisch steigt.
Auch in Bayern beträgt der Beihilfesatz für Ruhestandsbeamte 7% (Art. 96 III 2 BayBG). Die private KV ist mit knapp 2 €/Monat zu veranschlagen, bei Ehegatten der doppelte Betrag.
OK, den Satz für Ruhestandsbeamte hatte ich nicht auf dem Schirm. Sorry. :tuete:
In Baden-Württemberg beträgt der Beihilfesatz für Beamte, deren Ehepartner/Lebenspartner und für Ruhestandsbeamte, die nach dem 31. Dezember 212 eingestellt worden sind, nur noch einheitlich 5%:

http://www.lbv.bwl.de/fachlichethemen/b ... ssungssatz

Lediglich die Kostendämpfungspauschale fällt bei Versorgungsempfängern niedriger aus:

http://www.lbv.bwl.de/fachlichethemen/b ... spauschale
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 23. Juli 2014, 13:46

Marcus hat geschrieben:
In Baden-Württemberg beträgt der Beihilfesatz für Beamte, deren Ehepartner/Lebenspartner und für Ruhestandsbeamte, die nach dem 31. Dezember 212 eingestellt worden sind, nur noch einheitlich 5%:

http://www.lbv.bwl.de/fachlichethemen/b ... ssungssatz

Lediglich die Kostendämpfungspauschale fällt bei Versorgungsempfängern niedriger aus:

http://www.lbv.bwl.de/fachlichethemen/b ... spauschale
Da werden andere Bundesländer nicht lange warten - insbesondere NRW dürfte - nach der letzten Ohrfeige zur Beamtenbesoldung - diese Anregung dankbar aufnehmen. Die augenblicklichen Sparpotentiale sind zwar begrenzt (Besitzstandswahrung), aber künftig dürften da schon mehrere Millionen eingespart werden.

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Samstag 26. Juli 2014, 20:19

Bild-Propaganda:

http://www.bild.de/geld/wirtschaft/rent ... .bild.html

In dem Artikel wird die Durchschnittsrente i. H. v. 854 EUR mit der Durchschnittspension i. H. v. 2.85 EUR verglichen.

Dass die niedrige Durchschnittsrente sicherlich auch dadurch zustande kommen wird, dass viele Rentnerinnen bedingt durch eine kurze Berufstätigkeit und durch eine anschließende jahrelange Tätigkeit als Hausfrau eine niedrige Rente haben, die den Durchschnitt reduziert, wird natürlich nicht klargestellt. Auch nicht, dass einige Rentner noch Anspruch auf eine Betriebsrente haben. Ebenso muss man natürlich bedenken, dass die meisten Beamten dem gehobenen oder höheren Dienst angehören, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass Lehrer in den meisten Bundesländern Beamte im gehobenen Dienst (Grund-Haupt-Real- und Sonderschule sowie für fachpraktische Fächer an beruflichen Schulen) oder im höheren Dienst (Gymnasien, Berufliche Gymnasien, Fachoberschulen/Berufskollegs, Berufsschulen, soweit fachwissenschaftlicher Unterricht erteilt wird) sind.

In Baden-Württemberg gehörten z. B. im Jahre 21 57 % aller Beamten dem gehobenen Dienst und 27,4 % dem höheren Dienst an. (Quelle: http://www.statistik.baden-wuerttemberg ... =12&eNr=1) Folglich gehörten nur 15,6 % der Beamten dem einfachen oder mittleren Dienst an, also den Laufbahnen, welche vom Qualifikationsniveau die breite Beschäftigtenmasse außerhalb der Beamtenschaft angehören würde, wenn sie verbeamtet worden wäre.

Daher müsste man einer Durchschnittspension in Höhe von 2.85 EUR, für die man vor seiner Pensionierung nach 4 Dienstjahren je nach Dienstherr in der Besoldungsgruppe A 11 (= Amtmann, Hauptkommissar u.a.), oder in Besoldungsgruppe A 12 (= Amtsrat, Grund- und Hauptschullehrer u.a.) gewesen sein müsste, auch die durchschnittliche Rente eines Rentners mit mindestens Fachhochschulabschluss und einer adäquaten akademischen Berufstätigkeit gegenüberstellen. Hierbei wäre schließlich noch die durchschnittliche Betriebsrente zu berücksichtigen. Denn gerade größere Betriebe treffen für ihre Mitarbeiter üblicherweise eine entsprechende Vorsorge. Steuerrechtlich wäre noch zu bedanken, dass die Pensionen der Beamten voll zu versteuern sind, während die Rente bis 24 sukzessiv mehr besteuert wird und erst dann voll zu versteuern ist. Zudem ist auch die private Krankenversicherung für Pensionäre nicht mehr so günstig wie für junge und gesunde Beamte.

P.S. Dass der Verfasser Ruhestandsbeamte als "Ex-Beamte" bezeichnet, zeugt bereits von seinem Sachverstand. :patsch: Infolge der Pensionierung wird lediglich das Beamtenverhältnis in ein Ruhestandsbeamtenverhältnis umgewandelt und der Ruhestandsbeamte dabei von seiner Dienstpflicht entbunden.
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Samstag 26. Juli 2014, 22:00

Alle Jahre wieder..... :gaehn:

Heute entblödete sich sogar die FAZ nicht, das Thema unter der Überschrift "Warum Pensionäre so reich wurden" (noch nicht online) auf der Seite 1 der Abteilung "Finanzen" zu behandeln.

Als Gründe werden aufgeführt:
- höherer Aktienbesitz, da Beamte gut verdienen und "es sich leisten können" - denn Aktien werfen eine höhere Rendite als Spareinlagen ab (jedenfalls im Augenblick....);
- geringer Anteil an Lebensversicherungen (28% zu 30% bzw. 32% bei Angestellten/Selbständigen) - denn Zinsen decken nicht die Inflation (jedenfalls im Augenblick....) und deswegen führen diese Anlagen zu Vermögensverlusten;
- höherer Anteil an Grundbesitz, weil sie "besseren Zugang zu Krediten für einen Hauskauf haben."

Demnächst wird die längere Lebenserwartung noch thematisiert werden - irgendwie muß man die künftigen Gehalts- und Pensionskürzungen ja vorbereiten...... :breitgrins:

Aber vielleicht wacht doch noch jemand in Staatskanzleien auf und merkt, daß Beamte treue (nicht auf eine Partei bezogen) Wähler sind - beim Sozialhilfeadel sind da wohl ehr Zweifel angebracht.

Caviteño
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 27. Juli 2014, 11:07

Caviteño hat geschrieben:
Heute entblödete sich sogar die FAZ nicht, das Thema unter der Überschrift "Warum Pensionäre so reich wurden" (noch nicht online) auf der Seite 1 der Abteilung "Finanzen" zu behandeln.
Der Artikel ist jetzt online:

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fon ... 6532.html

Caviteño
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 4. Januar 2015, 02:45


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holzi
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von holzi » Sonntag 4. Januar 2015, 08:40

Das Problem ist nicht nur begrenzt auf Beamte im engeren Sinn, sondern trifft auch die Angestellten und Arbeiter im öffentlichen Dienst. Ich seh's wöchentlich an den städtischen Stellenangeboten, die per Mail reinkommen,. Da war erst letzte Woche ein Kfz-Mechanikermeister für die Berufsfeuerwehr dabei. Eingruppiert als Tarifbeschäftigter in EG8, da kommen dann um die 1800€ netto raus. Ein Hausmeister kriegt um die 1500€, es wird aber eine handwerkliche Ausbildung verlangt. Das Problem bei der Sache ist: in MeckPomm oder Sachsen-Anhalt ist das in Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit durchaus attraktiv. Regensburg boomt aber. Wir haben deutschlandweit die zweithöchsten Wohnungskosten nach München. Qualifizierte Leute finden in der Wirtschaft hier momentan wesentlich bessere Konditionen. Folglich bleiben dann nur die weniger qualifizierten oder anderweitig motivierten Mitarbeiter für den öffentlichen Dienst. Also als Übergangsarbeit bis sich ein besseres Angebot auftut, oder wie im Beispiel eines direkten Kollegen aus dem PC-Support: der kam aus der Wirtschaft, baut aber gerade ein Haus für sich und da hat er gerechnet und ist zur Stadt, weil er darüber erstens günstigere Hypothekenkonditionen bekommt und einen vergleichsweise geregelten Feierabend hat, wenn er hinterher noch auf die Baustelle will. Ist das Haus erstmal fertig, will er sich wieder was draußen suchen, weil der Verdienst einfach höher ist.
Die Folge ist eine recht hohe Fluktuation, besonders in Berufen, die auch in der Wirtschaft nachgefragt sind, also meist Techniker.
Diese Nachricht wurde CO²-neutral, umweltfreundlich, aus wiederverwerteten Buchstaben von weggeworfenen E-Mails geschrieben und ist digital voll abbaubar.

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Marcus
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Montag 4. Januar 2016, 00:13

Nun verklagen mit Unterstützung des Beamtenbundes drei junge Landesbeamte das Land-Baden-Württemberg auf Gewährung einer amtsangemessenen Alimentation:

http://www.bbw.dbb.de/pdfs/215/151218_ ... _gruen.pdf

Und das kurz vor der anstehenden Landtagswahl...Ein Schelm, wer etwas Böses dabei denkt... :pfeif:
Zuletzt geändert von Marcus am Montag 4. Januar 2016, 00:17, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Link überarbeitet.
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

Tinius
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Tinius » Montag 4. Januar 2016, 00:16

Link funzt net...

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Marcus
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Marcus » Montag 4. Januar 2016, 00:18

Ich habe den Link nochmal neu eingestellt. Jetzt müsste die Verlinkung funktionieren.
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

Caviteño
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Caviteño » Montag 4. Januar 2016, 05:47

Marcus hat geschrieben:Nun verklagen mit Unterstützung des Beamtenbundes drei junge Landesbeamte das Land-Baden-Württemberg auf Gewährung einer amtsangemessenen Alimentation:

http://www.bbw.dbb.de/pdfs/215/151218_ ... _gruen.pdf

Und das kurz vor der anstehenden Landtagswahl...Ein Schelm, wer etwas Böses dabei denkt... :pfeif:
Solche Klagen werden doch scheint seit Jahren ziemlich erfolglos bundesweit erhoben.

Mir ist nur der Fall in NRW bekannt, wo das Landesverfassungsgericht auf Klage der CDU(!) eine Sparmaßnahme der Regierung Kraft kassiert hat:

http://www.rp-online.de/nrw/landespolit ... -1.435465

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overkott
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von overkott » Dienstag 12. Januar 2016, 07:54

Die Medizinische Hochschule Hannover sollte die förmliche Untersuchung in der Plagiatsaffäre von der Leyen zügig abschließen. Auch mutmaßliche Täter haben ein Recht auf eine umgehende Entscheidung. Es wäre einer Politikerin fair gegenüber, diese Entscheidung nicht erst kurz vor der Wahl zu präsentieren. Ihr Rücktritt sollte nicht verschleppt werden.

Isidor_von_Sevilla
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Re: Beamte zu Marktpreisen?

Beitrag von Isidor_von_Sevilla » Dienstag 12. Januar 2016, 09:00

Wichtiger ist in Deutschland heute die Gerichtsentscheidung darüber, ob eine Bibliotheksdirektorin ein Sofa und ein Laufband in ihr Büro (Quelle) stellen darf .........
Es gibt auch solche, die wohl die Sprache verehren, nicht aber DAS WORT anbeten!

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