Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

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Niels
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Niels » Samstag 25. Juni 2016, 06:41

overkott hat geschrieben: Sie weisen auf ein wichtiges Thema der Friedens- und Konfliktforschung hin.
Entweder bleibst Du ab sofort beim Du, wie das hier im Forum üblich ist, oder ich werde dafür sorgen, dass Du dauerhaft gesperrt wirst. :onkel:
Das dusselige Gesieze stört den Forenfrieden erheblich. :regel:
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Raphael
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Raphael » Samstag 25. Juni 2016, 06:59

Niels hat geschrieben:Entweder bleibst Du ab sofort beim Du, wie das hier im Forum üblich ist, oder ich werde dafür sorgen, dass Du dauerhaft gesperrt wirst. :onkel:
Das dusselige Gesieze stört den Forenfrieden erheblich. :regel:
Da plädiere ich doch ganz entschieden und in aller Freundschaft dafür, daß ab sofort Herr Overkott von allen anderen Foranten gesiezt werden sollte!
Er bleibt eine Ausnahmeerscheinung in diesem Forum, für ihn wurde bereits ein eigenes Unterforum, das Parlatorium, eingerichtet. Diese Ausnahmestellung, die er sich auch mit überragend vielen Beiträgen "hart" erarbeitet hat, muß ([Punkt]) gewürdigt werden. :roll:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
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Hubertus
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Hubertus » Samstag 25. Juni 2016, 07:22

HeGe hat geschrieben:Das ist ja alles gut und schön, was ihr hier an der EU kritisiert und vielleicht habt ihr in manchen Punkten auch recht. Nur macht euch doch nichts vor. Wer hat den für den Brexit gestimmt? Der Durchschnittsbefürworter hat doch nicht dafür gestimmt, weil er sich Gedanken über den freien Binnenverkehr gemacht hat, die Grundrechtcharta oder den Einfluss von Lobbyisten, sondern weil ihnen irgendein minderbemittelter Depp von Ukip erzählt hat, dass ihnen die Polaken und Zigeuner die Arbeitsplätze wegnehmen oder weil sie noch irgendwelche bierseligen Träume von ihrem britannischen Weltreich haben.
Das ist wohl etwas zu oberflächlich analysiert. Die "offizielle" Brexit-Kampagne wurde maßgeblich von Boris Jonson, dem früheren Bürgermeister von London, und Michael Gove, Lorkanzler und Justizminister (und mein Geheimtipp für die Cameron-Nachfolge) getragen, die beide den Konservativen angehören. Selbst Jeremy Corbyn, der Vorsitzende der Arbeitspartei, wollte sich nicht absolut vorbehaltlos hinter einen Verbleib in der EU aussprechen. Ukip bließ zwar ins gleiche Horn, war aber nie Teil der "offiziellen" Brexit-Kampagne.

Es hat wohl tatsächlich viel mit der Kernvorstellung dessen zu tun, was ein "geeintes Europa" bedeutet:
"Warum sich die Briten in der EU immer fremd fühlen mussten"
Daraus:
Den liberalen Geist der Briten hat man in Europa nicht verstanden und häufig mit allen Mitteln bekämpft. Der Brexit wird die Gewichte in der EU verschieben. Nur weniger Europa verspricht mehr Europa.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Raphael
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Raphael » Samstag 25. Juni 2016, 07:34

Hubertus hat geschrieben:Daraus:
Den liberalen Geist der Briten hat man in Europa nicht verstanden und häufig mit allen Mitteln bekämpft. Der Brexit wird die Gewichte in der EU verschieben. Nur weniger Europa verspricht mehr Europa.
Diese Verschiebung ist in der Tat DIE entscheidende Veränderung, die durch den Brexit bewirkt wird. UK war bislang eines der Mitglieder, das sich am stärksten gegen Staatsinterventionismus ausgesprochen hat. Aufgrund seiner Größe, seiner wirtschaftlichen Potenz und seinem sehr frühen Beitritt zur EWG hatte die Stimme darüber hinaus besonderen Einfluß.
Das wird in der Zukunft fehlen!
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von RomanesEuntDomus » Samstag 25. Juni 2016, 09:41

Google meldet seit gestern eine erhebliche Steigerung der Suchanfragen für den Begriff "Irish passport", aber auch für bestimmte andere Suchbegriffe wie "move to Gibraltar". Angeblich bieten schon erste Ir(inn)en Scheinehen an, damit Briten schneller an das gewünschte Dokument kommen.

http://www.irishexaminer.com/examviral/ ... 683.html
Brexit caused a spike in online searches for 'Irish passport'

Google Trends tweeted a graphic showing a 1% spike in searches for ’Irish passport’, beginning at around 4am this morning as news trickled in of the referendum result.

... Some opportunistic Irish people have also been doling out offers of marriage for those looking for a quicker route.
http://www.heraldscotland.com/news/1457 ... es_remain/
Google searches for the phrase "Irish passport" rocketed as the result became apparent, from a normal rate of around three an hour to hundreds, peaking in the early hours of Friday morning.
Die Polizei in Nordirland meldet "Panik" und Massen von Antragstellern für einen irischen Pass:

http://www.newsletter.co.uk/news/psni-r ... -1-7448223
PSNI report ‘unexpected’ Irish Passport panic

Police in Newtownabbey have reported an “unexpected” outcome of the EU Referendum.

A post on PSNI Newtownabbey Facebook page says: “Absolute scenes down here in Newtownabbey as hordes of punters descend upon the enquiry office to have their Irish Passport forms signed.

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overkott
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von overkott » Samstag 25. Juni 2016, 10:00

Hubertus hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:Das ist ja alles gut und schön, was ihr hier an der EU kritisiert und vielleicht habt ihr in manchen Punkten auch recht. Nur macht euch doch nichts vor. Wer hat den für den Brexit gestimmt? Der Durchschnittsbefürworter hat doch nicht dafür gestimmt, weil er sich Gedanken über den freien Binnenverkehr gemacht hat, die Grundrechtcharta oder den Einfluss von Lobbyisten, sondern weil ihnen irgendein minderbemittelter Depp von Ukip erzählt hat, dass ihnen die Polaken und Zigeuner die Arbeitsplätze wegnehmen oder weil sie noch irgendwelche bierseligen Träume von ihrem britannischen Weltreich haben.
Das ist wohl etwas zu oberflächlich analysiert. Die "offizielle" Brexit-Kampagne wurde maßgeblich von Boris Jonson, dem früheren Bürgermeister von London, und Michael Gove, Lorkanzler und Justizminister (und mein Geheimtipp für die Cameron-Nachfolge) getragen, die beide den Konservativen angehören. Selbst Jeremy Corbyn, der Vorsitzende der Arbeitspartei, wollte sich nicht absolut vorbehaltlos hinter einen Verbleib in der EU aussprechen. Ukip bließ zwar ins gleiche Horn, war aber nie Teil der "offiziellen" Brexit-Kampagne.

Es hat wohl tatsächlich viel mit der Kernvorstellung dessen zu tun, was ein "geeintes Europa" bedeutet:
"Warum sich die Briten in der EU immer fremd fühlen mussten"
Daraus:
Den liberalen Geist der Briten hat man in Europa nicht verstanden und häufig mit allen Mitteln bekämpft. Der Brexit wird die Gewichte in der EU verschieben. Nur weniger Europa verspricht mehr Europa.
Das Thema Zuwanderung und Zukunftsangst im Common Wealth hat sich seit dem vergangenen Sommer verdichtet, begleitet von populistischen Medien: Desperation is the English way.

https://www.youtube.com/watch?v=VAxtHllmpZE

RomanesEuntDomus
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von RomanesEuntDomus » Samstag 25. Juni 2016, 11:18

Hubertus hat geschrieben:... Daraus:
Den liberalen Geist der Briten hat man in Europa nicht verstanden und häufig mit allen Mitteln bekämpft. Der Brexit wird die Gewichte in der EU verschieben. Nur weniger Europa verspricht mehr Europa.
Nur schade, daß während der Brexit-Kampagne so wenig von diesem "liberalen Geist" zu spüren war. Dafür sah es für meine Begriffe über weite Strecken eher nach einer verspäteten komplexbeladenen Trotzreaktion gegen die Tatsache aus, daß man in der Welt nicht mehr die erste Geige spielt. Vorrangiges Angriffsziel der Kampagne war nach meinem Eindruck auch weniger das Konstrukt EU an sich mit allen seinen beängstigenden diktaturähnlichen Macken (das hätte ich richtig gut gefunden), sondern unerwünschte Zuwanderer und vor allem "die Deutschen", wie man leicht alle paar Kilometer an den Billboards erkennen konnte bzw. musste, die entlang der Autobahnen aufgestellt waren.

Bild

Und da hakt's bei mir aus, denn so ähnlich hatten wir das alles schon mal.

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CIC_Fan
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von CIC_Fan » Samstag 25. Juni 2016, 11:33

Caviteño hat geschrieben:
RomanesEuntDomus hat geschrieben: Was mich aber bestürzt, ist die geradezu hysterische Überraschtheit über das Ergebnis der Abstimmung, die einem jetzt aus Politikermündern und aus jeder Pressezeile entgegenkommt. Offensichtlich war niemand darauf vorbereitet.
Glaub ich nicht.
Die Notenbanken hatten entsprechende Pläne, das wurde in den letzten Tagen bestätigt und heute umgesetzt. Man konnte auch lesen, daß sich hohe Beamte auf Arbeitsebene trafen, um Strategien festzulegen und Erklärungen vorzubereiten.

Die Politiker spielen ihr Spiel - man könnte sie auch für den Oscar nominieren.
RomanesEuntDomus hat geschrieben: Die jüngere Geschichte hat aber gezeigt, daß man normalerweise nicht so einfach schmerzlos aus Staatenbünden austreten kann, oder daß diese Staatenbünde sich, egal wie unbeliebt sie sind, falls von der Mehrheit gewünscht, einfach in Luft auflösen, und dann ist alles gut. Friede, Demokratie, Eierkuchen.
Ich glaube (und hoffe) nicht, daß es so schlimm kommt wie z.B. beim Zerfall der Sowjetunion oder Jugoslawiens, bei dem jeweils auch zuerst ein Staat den Austritt erklärt hat, und der für die Bürger dieser Staatenbünde gelinde gesagt in eine Katastrophe mit hunderttausenden von Todesopfern mündete und der in kriegerischen Auseinandersetzungen teilweise noch bis heute nachwirkt und zu einer Anzahl von halbtoten staatenähnlichen Gebilden (Kosovo, Transnistrien, Berg-Karabach ...) geführt hat.
Die Aufteilung der Tschechoslowakei verlief nach meinen Erinnerungen ziemlich problemlos, incl. einer neuen Währung.
Sollte sich das Vereinigte Königreich wirklich auflösen, wird dies sicherlich unter dem Einfluß der EU (der die beiden neuen Staaten ja angehören wollen) geschehen. Es handelt sich ja schließlich nicht um einen Austritt aus der früheren Sowjetunion. :breitgrins:
Es stellt sich doch vielmehr die Frage, wer unter welchen Bedingungen ein Unabhängigkeitsreferendum für Schottland, Nordirland (vielleicht demnächst Katalonien, Baskenland, Lombardei, Bretagne, Korsika) anordnen kann. Auf Dauer wird man sich einem entsprechenden Wunsch der Bevölkerung nicht verweigern können und ob Schotten und Nord-Iren in einigen Jahren, wenn die vorhergesagten düsteren Auswirkungen eines Brexits nicht eintreten sollten, noch den Wunsch nach Unabhängigkeit verspüren werden, wissen wir auch nicht.

Was Gibraltar betrifft: Wie sieht es denn mit Ceuta und Melilla aus? :breitgrins:
RomanesEuntDomus hat geschrieben: Dafür hat offensichtlich niemand einen Plan (UKIP & Co schon gar nicht) und so geht es in Nordirland im schlimmsten Fall genau da weiter, wo es in den 80ern aufgehört hat.
Soweit mir bekannt ist, hat Cameron sowohl dieses Referendum als auch das frühere Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands veranlaßt. Wäre es nicht an ihm gewesen, diese Möglichkeit ins Kalkül zu ziehen? Warum erwähnst Du explizit UKIP, die an der Regierung nicht beteiligt und im Parlament nur mit einem oder zwei Abgeordneten vertreten sind?

Cameron hätte das vorbereiten müssen und niemand anders.
Ach ja die bösen Eliten Schlumpfungen sind halt was feines

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Hubertus
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Hubertus » Samstag 25. Juni 2016, 12:25

RomanesEuntDomus hat geschrieben:Nur schade, daß während der Brexit-Kampagne so wenig von diesem "liberalen Geist" zu spüren war. Dafür sah es für meine Begriffe über weite Strecken eher nach einer verspäteten komplexbeladenen Trotzreaktion gegen die Tatsache aus, daß man in der Welt nicht mehr die erste Geige spielt. Vorrangiges Angriffsziel der Kampagne war nach meinem Eindruck auch weniger das Konstrukt EU an sich mit allen seinen beängstigenden diktaturähnlichen Macken (das hätte ich richtig gut gefunden), sondern unerwünschte Zuwanderer und vor allem "die Deutschen", wie man leicht alle paar Kilometer an den Billboards erkennen konnte bzw. musste, die entlang der Autobahnen aufgestellt waren.
Abgesehen von den gerne gepflegten, nicht ganz ernstgemeinten Vorurteilen gegen die Deutschen: Mich verwundert eine solche Kampgne nicht, denn sie greift genau einen der Zentralgründe auf, warum die EU derzeit in Europa nicht gut angesehen ist - und das ist eben die Rolle, die das Merkelsche Deutschland in ihr spielt. Voranpreschend, bevormundend, regelvergessen (Stabilitätskriterien; Asylrichtlinien).
Ich glaube, mit anti-deutschen Parolen ließe sich derzeit in vielen EU-Ländern auf Stimmenfang gehen. :/
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von RomanesEuntDomus » Samstag 25. Juni 2016, 13:20

Eilmeldung um 13:6:

http://www.welt.de/politik/article15656 ... m-vor.html
Schottland bereitet zweites Referendum vor

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat am Samstag bekanntgegeben, dass das Land ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien vorbereitet. Das sagte sie in Edinburgh nach einem Treffen des Kabinetts.

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overkott
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von overkott » Samstag 25. Juni 2016, 14:02

RomanesEuntDomus hat geschrieben:Eilmeldung um 13:6:

http://www.welt.de/politik/article15656 ... m-vor.html
Schottland bereitet zweites Referendum vor

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat am Samstag bekanntgegeben, dass das Land ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien vorbereitet. Das sagte sie in Edinburgh nach einem Treffen des Kabinetts.
Der Schritt ist aus schottischer Sicht verständlich, weil Schottland als Region in der EU bereits Mitglied ist und als Nettoempfänger von der EU profitiert. Zudem möchte Schottland durch ein denkbar knappes Referendum der Engländer finanziell nicht noch stärker von England abhängig werden. Die Schotten bauen Druck auf, um aus einer verzwickten Situation möglichst unbeschadet herauszukommen.

Das knappe Ergebnis des Referendums wirft die Frage nach dem Umgang damit auch für das britische Parlament auf. Das Referendum hat nämlich keine rechtsbindende Wirkung, sondern bedarf der Bestätigung durch das Parlament. Das Parlament hat die Möglichkeit, das Ergebnis als zu knapp zu bewerten und damit einen Austritt aus der EU zu verhindern. Meinungsverschiedenheiten in der konservativen Partei über den Verbleib in der EU hatten sich bereits vor dem Referendum abgezeichnet, weshalb konservative Abgeordnete aus Gewissensgründen im Parlament für einen Verbleib stimmen könnten. Der Ausgang der bevorstehenden Abstimmung ist offen.

Bei einem Antrag der Schotten auf eigenständigen Verbleib in der EU muss der Kommissionspräsident abwägen, ob er diesen Verbleib als Teil der Abwicklung Großbritanniens oder als Neumitgliedschaft bewerten oder als Entscheid seinem Nachfolger überlassen möchte. Verbleibt Schottland in der EU könnte das Land als Nachfolger Großbritanniens in der EU das Amt des Finanzkommissars übernehmen. Das ist eine Frage konkreter Verhandlung.

Die deutsche Europapolitik wird mit ruhiger Hand die Entwicklungen begleiten. Die Kommunikation vor der Entscheidung im britischen Parlament könnte die Mehrheit der Abgeordneten in ihrer Position bestärken. Sollte sich das Parlament für den Verbleib in der EU entscheiden, hätte auch Schottland keinen Grund, Großbritannien zu verlassen. Eine Zergliederung Europas in weniger effiziente und teure Verwaltungseinheiten nach dem Beispiel der kleinen Bundesländer dürfte nicht im deutschen Interesse an der EU liegen.

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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von HeGe » Samstag 25. Juni 2016, 14:26

RomanesEuntDomus hat geschrieben:Das ist auch der Grund, warum ich hier auf den unvermeidlichen Folge-Konfliktherden für den Brexit (Nordirland, Schottland ...) herumreite. Dafür hat offensichtlich niemand einen Plan (UKIP & Co schon gar nicht) und so geht es in Nordirland im schlimmsten Fall genau da weiter, wo es in den 80ern aufgehört hat.
Wenn es tatsächlich ein Referendum in Nordirland geben sollte (was ich für wesentlich unwahrscheinlicher halte, als in Schottland) und wenn dann auch noch die Mehrheit für eine Wiedervereinigung mit Irland stimmt (was auch nicht gerade wahrscheinlich ist), können sich die englischen Nationalisten immerhin auf die Fahne schreiben, in nur wenigen Jahren das erreicht zu haben, was die IRA in Jahrzehnten nicht geschafft hat. An dem Tag würde ich lächeln! :ja:
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von HeGe » Samstag 25. Juni 2016, 14:33

taddeo hat geschrieben:
martin v. tours hat geschrieben:Und wenn Du der Meinung bist: Ein Deutscher wird immer ein Deutscher bleiben - das ist dann doch nur mehr Folklore Kitsch, ähnlich wie ihr mit eurem "Freistaat Bayern".
Klingt ja toll, aber letztlich gelten für euch die selben Gesetze wie für den Rest Deutschlands. Das ist bestenfalls kraftloser Seelenbalsam für die bayrische Seele.
Letztlich wird es in der EU genauso sein. Du bist dann in erster Linie EU-Bürger und Brüssel entscheidet wie dein Furz zu riechen hat. Dein: Ich bin Deutscher, kannst Du dir dann zum Wohlfühlen aufs Auto kleben wie einen Sylt-Aufkleber.
Identität läßt sich nicht von oben verordnen, auch nicht von der EU. Schon deshalb nicht, weil die EU keine gemeinsame Sprache hat (Gottseidank!). Ich werde deshalb immer Bayer sein und bleiben, so wie Du Österreicher oder wer anders Rheinländer. Man wird es immer hören, wer jemand ist. Der Rest ist Bürokratie, aber für die Identität unerheblich. Zumindest für meine.
Die einzige supranationale Identität, die ich habe, ist mein katholischer Glaube. Da sind mir dafür Pfarrei-, Diözesan- oder Länderzuordnungen reichlich egal.
:klatsch:

Dieser ganze Nationalstaatsidealismus ist m.E. antikatholisch. Windhauch. Woher die Gesetze kommen, ist im Ergebnis unerheblich. Ich beurteile sie im Einzelfall danach, ob sie gut oder schlecht sind.
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von HeGe » Samstag 25. Juni 2016, 14:41

Hubertus hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:Das ist ja alles gut und schön, was ihr hier an der EU kritisiert und vielleicht habt ihr in manchen Punkten auch recht. Nur macht euch doch nichts vor. Wer hat den für den Brexit gestimmt? Der Durchschnittsbefürworter hat doch nicht dafür gestimmt, weil er sich Gedanken über den freien Binnenverkehr gemacht hat, die Grundrechtcharta oder den Einfluss von Lobbyisten, sondern weil ihnen irgendein minderbemittelter Depp von Ukip erzählt hat, dass ihnen die Polaken und Zigeuner die Arbeitsplätze wegnehmen oder weil sie noch irgendwelche bierseligen Träume von ihrem britannischen Weltreich haben.
Das ist wohl etwas zu oberflächlich analysiert. Die "offizielle" Brexit-Kampagne wurde maßgeblich von Boris Jonson, dem früheren Bürgermeister von London, und Michael Gove, Lorkanzler und Justizminister (und mein Geheimtipp für die Cameron-Nachfolge) getragen, die beide den Konservativen angehören. Selbst Jeremy Corbyn, der Vorsitzende der Arbeitspartei, wollte sich nicht absolut vorbehaltlos hinter einen Verbleib in der EU aussprechen. Ukip bließ zwar ins gleiche Horn, war aber nie Teil der "offiziellen" Brexit-Kampagne.
Damit widersprichst du mir aber nicht. Ich habe ja vom Durchschnittsbefürworter gesprochen, nicht von den Aushängeschildern. Das die im Zweifel andere Interessen verfolgen und sei es nur eigenes Machtinteresse, ist mir auch klar. Geködert wurden die Leute aber nicht mit sachlichen Argumenten.
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von RomanesEuntDomus » Samstag 25. Juni 2016, 15:24

HeGe hat geschrieben: Geködert wurden die Leute aber nicht mit sachlichen Argumenten.
Ganz offensichtlich nicht.

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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Dieter » Samstag 25. Juni 2016, 15:32

Frankfurt ist der große Gewinner des Brexits. Die Banken- und Finanzmetropole wird sich von der City von London nach Frankfurt verlagern. Entscheidend wird sein, dass sich in Frankfurt die Europäische Zentralbank sowie die meisten wichtigen Banken befinden. Andere Standorte wie etwa Amsterdam oder Dublin sind nicht ernsthaft im Rennen, da beide unsichere Kandidaten sind.

Es werden Zehntausende von hochbezahlten Angestellten, die jetzt noch in London arbeiten, nach Frankfurt drängen. Schon jetzt werden in Frankfurt die höchsten Mieten in Deutschland gezahlt. Demnächst werden die Mieten für den Durschnittsfrankfurter unbezahlbar sein.

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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von overkott » Samstag 25. Juni 2016, 15:33

HeGe hat geschrieben:
RomanesEuntDomus hat geschrieben:Das ist auch der Grund, warum ich hier auf den unvermeidlichen Folge-Konfliktherden für den Brexit (Nordirland, Schottland ...) herumreite. Dafür hat offensichtlich niemand einen Plan (UKIP & Co schon gar nicht) und so geht es in Nordirland im schlimmsten Fall genau da weiter, wo es in den 80ern aufgehört hat.
Wenn es tatsächlich ein Referendum in Nordirland geben sollte (was ich für wesentlich unwahrscheinlicher halte, als in Schottland) und wenn dann auch noch die Mehrheit für eine Wiedervereinigung mit Irland stimmt (was auch nicht gerade wahrscheinlich ist), können sich die englischen Nationalisten immerhin auf die Fahne schreiben, in nur wenigen Jahren das erreicht zu haben, was die IRA in Jahrzehnten nicht geschafft hat. An dem Tag würde ich lächeln! :ja:
EU-Kommissionspräsident Juncker nahm den Rücktritt des Finanzkommissars und Euroskeptikers, Hill, an. Damit ist die Leitung des Kommissariats ist derzeit vakant. Die Schotten dürften dafür Verständnis haben.

Ob sich eine staatliche Neuordnung Großbritanniens abwenden lässt, hängt auch vom Votum der Konservativen im Parlament ab, die die Staatsräson über eine knappe Mehrheit beim Referendum stellen könnten. Die Staatsräson hätten sie jedoch schon vor der Abstimmung kommunizieren können. Der Ausgang der nächsten Wahl für die Konservativen ist unsicher.

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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Caviteño » Samstag 25. Juni 2016, 16:05

Dieter hat geschrieben:Frankfurt ist der große Gewinner des Brexits. Die Banken- und Finanzmetropole wird sich von der City von London nach Frankfurt verlagern. Entscheidend wird sein, dass sich in Frankfurt die Europäische Zentralbank sowie die meisten wichtigen Banken befinden. Andere Standorte wie etwa Amsterdam oder Dublin sind nicht ernsthaft im Rennen, da beide unsichere Kandidaten sind.

Es werden Zehntausende von hochbezahlten Angestellten, die jetzt noch in London arbeiten, nach Frankfurt drängen. Schon jetzt werden in Frankfurt die höchsten Mieten in Deutschland gezahlt. Demnächst werden die Mieten für den Durschnittsfrankfurter unbezahlbar sein.
Da warten wir aber erst einmal ab.
Es kursieren auch Modelle, nach denen sich England zu einer Art "Schweiz" entwickeln könnte und London das Finanzzentrum bleibt, das wie bisher im Wettbewerb mit New York und Singapur/Shanghai steht.
Es wäre interessant für die Investoren aus dem Euro-Raum, die der immer verrückter werdenden Politik der EZB und den Reglementierungen der EU nicht trauen. Die Vorteile sind ja nicht gering: die englische Sprache, ein sicheres Rechtssystem und eine in Finanzen erfahrene City.

Nachteilig für die Finanzbranche ist bei einem Austritt der Verlust des sog. "EU-Passes". Man darf aber wohl davon ausgehen, daß die erfindungsreichen Banker da Mittel und Wege finden werden.
Grösste Sorge der Branche ist der Verlust der Vorteile des sogenannten «EU-Passes», mit dem in der gesamten Union Geschäfte gemacht werden können, ohne dass eigens regulierte Niederlassungen in anderen Mitgliedsländern gegründet werden müssen.
Für Finanzinstitute aus Drittstaaten – wie der Schweiz – ist die Lage hingegen komplizierter und kostenträchtiger: Für grenzüberschreitende Dienstleistungen an professionelle Anleger in der EU soll die Regelung gelten, dass keine Filiale in der EU errichtet werden muss, wenn Brüssel die Regulierung und Aufsicht eines Drittstaats als gleichwertig wie jene in der EU anerkennt. Bei Dienstleistungen an Privatkunden können die einzelnen EU-Staaten jedoch eine Niederlassung in ihrem Gebiet verlangen.
(...)
Lyons stellt den EU-Austritt Grossbritanniens dem Ausharren in einer unreformierten EU gegenüber. Das Zerren um die weitere Integration der Euro-Zone würde Ressourcen absorbieren. London müsse Abwehrschlachten liefern, worunter die Wettbewerbsfähigkeit leide. Bereits bei der Frage, ob Grossbritannien den Euro übernehmen solle, sei schwarzgemalt worden, sagte Lyons. Für die City sei es aber kein Nachteil gewesen, dass die Insel nicht dem Euro-Raum beigetreten sei.
http://www.nzz.ch/wirtschaft/kommentare ... g-ld.82571

Mir scheint im Augenblick viel Schwarzmalerei die Diskussion zu bestimmen. Manche Politiker und Medien verhalten sich wie ein Liebhaber, dem gerade der Laufpaß gegeben wurde und der jetzt meint, mit Unkenrufen noch eine Umstimmung zu erreichen. Wir sollten erst einmal abwarten, wie es sich entwickeln wird. Die Schweiz und Norwegen sind auch kein Teil der EU - geht es den Menschen dort schlechter? :neinfreu:

maliems
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von maliems » Sonntag 26. Juni 2016, 01:26

genau. Wozu im Steuerparadies British Virgin Islands investieren, wenn das demnächst auch in London selbst gilt? Es ist einen Versuch wert.

RomanesEuntDomus
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von RomanesEuntDomus » Sonntag 26. Juni 2016, 10:42

http://www.t-online.de/nachrichten/ausl ... rexit.html
Fast drei Millionen Unterschriften gegen Brexit

Kommt nach dem Brexit der "Breturn"? Fast drei Millionen Briten haben bereits eine Online-Petition für ein zweites Referendum über die Mitgliedschaft ihres Landes in der EU unterzeichnet.
Jetzt wird's langsam ein bisschen zu albern.

Nur um mal zu sehen, ob es da auch mit rechten Dingen zugehen kann, habe ich mir mal schnell eine frische Mailadresse zugelegt (es geht natürlich auch mit der eigenen) und probehalber unterzeichnet. (Nein, ich bin kein Brite, ich habe nur mal für einen Moment so getan, als sei ich einer.) Hat tadellos funktioniert:
2,927,364 signatures
We've added your signature to the petition:
EU Referendum Rules triggering a 2nd EU Referendum
Jede Wette, daß für die knapp 3 Millionen Unterschriften eine ganze Menge Personal nötig war, die jetzt ein paar extrem anstrengende Doppelschichten am PC hinter sich hat.

Lilaimmerdieselbe
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Sonntag 26. Juni 2016, 11:14

Diese Unterschriftenaktion finde ich nicht besonders sinnig. Schließlich waren beim Referendum auch jede Menge Leute gegen den Brexit, allerdings nicht die Mehrheit.
Wirklich erstaunlich ist,, dass Brexit-Befürworter bereits Argumente für den Brexit abräumen, zum Beispiel mehr Geld für das Gesundheitswesen und mehr Jobs für Briten, obwohl es ja noch lange nicht zum Schwur kommt. Damit kann man politisch aber kaum noch was machen.

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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von overkott » Sonntag 26. Juni 2016, 11:25

Das Kanzleramt sieht die Debatte um die Entwicklungen in Großbritannien unaufgeregt, hält einen Austritt aus der EU für möglich und könnte sich einen Antrag auch erst durch eine neue Regierung vorstellen. Diese souveräne altväterliche Ruhe verbreitet der EU-Parlamentspräsident nicht in gleicher Weise, stellt sogar seine Kompetenz in Frage, fordert Unmögliches, verbreitet Hysterie.

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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von HeGe » Montag 27. Juni 2016, 10:24

Patrick Stewarts Antwort auf die Forderung von Theresa May, das VK müsse nun auch die EMRK verlassen: :kugel:

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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von RomanesEuntDomus » Montag 27. Juni 2016, 10:41

Eine aktualisierte Neuauflage von "What have the Romans ever done for us?" ( https://www.youtube.com/watch?v=FrMFE_RZJ2s )

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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von HeGe » Montag 27. Juni 2016, 11:16

RomanesEuntDomus hat geschrieben:Eine aktualisierte Neuauflage von "What have the Romans ever done for us?" ( https://www.youtube.com/watch?v=FrMFE_RZJ2s )
Schon klar, nicht umsonst wird "Monty Python's Flying Circus" auch bei den Credits genannt. :)
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overkott
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von overkott » Montag 27. Juni 2016, 12:45

Wenn es in Großbritannien im Herbst keine Neuwahlen geben wird, weil die Konservativen ihre Mehrheit nicht verlieren möchten, werden sie einen Kompromisskandidaten zwischen Cameron und Johnson suchen, der die Vorteile eines Verbleibs in der EU erhält und die Nachteile eines Austritts vermeidet.

Lilaimmerdieselbe
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Montag 27. Juni 2016, 13:26

Und woraus sollen sie sich einen solchen Wundertäter backen?

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overkott
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von overkott » Montag 27. Juni 2016, 16:15

Für den Wachwechsel am 2.9. hat sich der im Vergleich zu Cameron fünf Jahre jüngere Finanzminister Osborne, geboren am Tag des Grundgesetzes, noch nicht ins Sichtfeld gebracht. Seine Beruhigung der Finanzmärkte deutet aber eine mögliche Kompromisslinie an.

RomanesEuntDomus
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von RomanesEuntDomus » Montag 27. Juni 2016, 17:05

Schade! Ich bin untröstlich. :traurigtaps:

Das tolle Online-Referendum nach dem Brexit (das mit den zuletzt etwas über 3 Millionen Stimmen für ein neue Volksabstimmung), das in den vergangenen Tagen die Hoffnungen fast aller deutschen Journalisten beflügelt, ihre Phantasie zu Höchstleistungen angespornt, und die übliche Serie von fast gleichlautenden Schlagzeilen und Artikeln in allen deutschen Medien produziert hat, ist heute vollständig und schlagartig aus allen Meldungen verschwunden.

Offensichtlich war es bis heute niemandem aufgefallen (schon gar nicht unseren Journalisten), daß allein 5. Stimmen anscheinend aus dem Vatikan gekommen waren. Und verdächtig viele aus Nordkorea.

Jetzt hat eine Hackergruppe die Verantwortung für den Großteil der 3 Millionen Stimmen übernommen ( http://heatst.com/uk/exclusive-brexit-2 ... t-as-real/ und andere). Ich finde, die Jungs hätten ruhig noch ein paar Tage damit warten können. Ich hätte zu gerne noch ein bißchen zugeguckt, wie sich unsere gleichgeschalteten und völlig unkritischen, uninformierten Medien weiter im Unisono blamieren.

(Ich übernehme die Verantwortung für eine einzige Stimme, aber das habe ich ja schon oben geschrieben.)
Zuletzt geändert von RomanesEuntDomus am Montag 27. Juni 2016, 17:12, insgesamt 2-mal geändert.

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umusungu
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von umusungu » Montag 27. Juni 2016, 17:06

Dabei hat das englische Austreten aus europäischen Verbünden durchaus eine lange Tradition: 1598 beispielsweise schließt Königin Elisabeth von England das Hansekontor in London, den Stalhof. Sie begründet das mit antienglischen Maßnahmen im Reich, die englische Kaufleute benachteiligten. Damit endete eine lange und über lange Strecken erfolgreiche Ära der Integration Londons in ein im nördlichen Europa über alle Grenzen hinweg agierendes Netzwerk von Handelsstädten zugunsten des damals im Entstehen begriffenen Nationalstaats. Köln war besonders getroffen, denn begonnen hatte diese Geschichte in den 117er Jahren mit der Niederlassung Kölner Kaufleute in London.

Quelle: https://www.facebook.com/historischesar ... =3&theater

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umusungu
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von umusungu » Montag 27. Juni 2016, 22:51

Island sagt "exit"!

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ar26
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Re: Rule Britannia...Politik im (noch) Vereinigten Königreich

Beitrag von ar26 » Montag 27. Juni 2016, 23:29

Ist Fußball jetzt die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln ? :D . Dabei hast Du die Pointe bei Island vollkommen übersehen. Man kann auch im Einvernehmen mit dem Rest Europas leben (Island ist Schengen-Mitglied) ohne sich den EU-Eliten unterwerfen zu müssen, im übrigen im Einklang mit dem Willen des Volkes. Für England gilt hier gewissermaßen, von Island lernen heißt siegen lernen :D
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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