Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

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Maurus
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Maurus » Mittwoch 1. Oktober 2014, 22:00

Der Guttenberg hat ja möglicherweise geglaubt, dass man durch die Aussetzung der Wehrpflicht etwas einspart. Bei Lichte betrachtet war das aber wohl von Anfang an eine Milchmädchenrechnung. Denn bis zu diesem Zeitpunkt rekrutierte die Bundeswehr über die Wehrpflicht ein Gutteil ihrer Zeitsoldaten und FWDLer. Nach Wegfall der Wehrpflicht muss die Bundeswehr sich alle notwendigen Bewerber über die freien Markt besorgen, es geht um zehntausende pro Jahr. Das geht nur über finanzielle Anreize. Und alles das, was früher mager entlohnte GWDLer gemacht haben, müssen jetzt hochbezahlte Zeitsoldaten oder Drittanbieter (etwa beim Wachschutz) machen.

Ein Großteil der Spareffekte geht vermutlich auch über ineffiziente Verwaltung oder höchst halbgare Deals mit der Industrie verloren.

Zwei Beispiele:

"Zwei Generale vereinbarten ein riesiges Tauschgeschäft. Ihr Hubschrauber-Deal sollte angeblich nichts kosten. Jetzt ermittelt der Bundesrechnungshof." http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 78392.html

Berühmt auch: "Bundeswehr kauft weniger Militärhubschrauber" http://www.welt.de/newsticker/news3/art ... auber.html

Dabei ging es um eine Reduzierung der Stückzahl bereits bestellter Hubschrauber vom Typ "Tiger" und NH-9 (bzw Marineversion MH-9). Statt 22 Hubschrauber beschafft die Bundeswehr jetzt nur 157, also 25% weniger. Wer aber glaubt, dass damit auch die Kaufpreis um 25% sinke, der befindet sich im Irrtum. Denn der Kaufpreis sinkt lediglich um 3%(!). Dazu fällt einem dann wirklich nichts mehr ein. http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 36612.html
Der Artikel verrät auch, dass es Einsparwünsche des Ministers waren, die den NH-9 für etliche der geplanten Einsatzszenarien unbrauchbar machen.

Caviteño
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Freitag 3. Oktober 2014, 15:00

Caviteño hat geschrieben:
Wenn die Lage also der Presse bereits im August 21 bekannt war, wie der obige Artikel beweist, kann man die Frage stellen, warum es jetzt wieder noch oben gespielt wird. Ich bleibe dabei - es wurde auf Veranlassung des Kanzleramtes an die Presse durchgestochen, um die Ministerin zu schwächen.
Die Folgen für die Verteidigungsministerin sind bereits sichtbar:
Die Pleiten und Pannen bei der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr lassen das Ansehen der Ressortchefin absacken. Kaum mehr als jeder dritte Bürger (36 Prozent) ist noch mit ihr zufrieden. Das ergab der aktuelle Deutschlandtrend von Infratest Dimap für die ARD-"Tagesthemen" und die "Welt". Von der Leyen büßte damit binnen eines Monats erheblich an Vertrauen ein; noch im September waren 43 Prozent mit ihrer Arbeit zufrieden.
(...)
Für die presse- und vor allem TV-affine Ministerin ist das ein Tiefpunkt: Noch nie war Ursula von der Leyen so wenig beliebt wie derzeit. Nach ihrem Wechsel in die Bundespolitik, während des Kabinetts Merkel I (25 bis 29), machte die CDU-Politikerin als Familienministerin eine gute Figur, gewann stetig Zustimmung. Als sie zu Beginn der schwarz-gelben Koalition im Jahre 29 Arbeitsministerin wurde, verzeichnete sie mit 66 Prozent Zustimmung ihren persönlichen Rekordwert.
In den folgenden vier Jahren zählte die CDU-Politikerin verlässlich zur Gruppe der beliebtesten Politiker, meist mit Werten um 5 Prozent herum. Nach gut einem Dreivierteljahr im Bendlerblock, im Zeichen einer in Teilen maroden Bundeswehr, des Terrors des Islamischen Staates (IS) und der Ebola-Epidemie, erodiert ihre Reputation.
(...)
Von von der Leyen aber heißt es, sie wolle allzu gern eines Tages Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ablösen. Ihr Absturz in den Umfragen, wo sie nun abgeschlagen zwischen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und CSU-Chef Horst Seehofer dümpelt, dürfte solche Ambitionen erschweren. Ganz davon abgesehen: Bisher gelang es in der bundesdeutschen Geschichte nur einem Verteidigungsminister, nämlich Helmut Schmidt (SPD), eines Tages Kanzler zu werden – und auch dies erst nach einer weiteren Station als Finanzminister.
http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... liebt.html

Dann warten wir mal ab, ob sie Schäuble eines Tages beerben wird..... - viel Auswahl an guten Kandidaten hat die Kanzlerin ja nicht mehr.

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holzi
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von holzi » Freitag 3. Oktober 2014, 20:53

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Tritonus
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Tritonus » Freitag 3. Oktober 2014, 20:58

Eine BW-Panne jagt die nächste. Und jetzt der Riesenskandal. Langsam wird es Zeit, SEKs und GSG9 gegen die Saboteure zu mobilisieren, Untersuchungsausschüsse und Schnellgerichte gegen die Wehrkraftzersetzer einzurichten und den Verteidigungsetat zu verdoppeln. Mindestens.

Hier hört der Spaß auf. Ich sehe einen Abgrund von Landesverrat:
Frauenkampagne bei der Bundeswehr gestoppt

Das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gerade noch gefehlt. Fast täglich werden neue Pannen und Mängel an der Ausrüstung der Bundeswehr bekannt. [...]

Nach nur einem Tag wurde eine groß angekündigte Werbekampagne zur Rekrutierung von Frauen für die Bundeswehr wieder gestoppt. [...] Ein Bild mit "Zewa wisch & weg"-Haushaltstüchern war mit der Schlagzeile versehen: "So vielfältig wie Sie: Individuelle Karrieremöglichkeiten für Frauen bei der Bundeswehr." [...]

( http://www.t-online.de/nachrichten/deut ... toppt.html )

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Edi
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Edi » Montag 6. Oktober 2014, 22:19

Der grossmäulige Guttenberg hat (neben anderen) auch schon einiges versaut, bespielsweise beim Transportflugzeug A 400, das viel zu teuer wurde und wo der Industrie auch wieder nachgegeben wurde. Ist ja nicht mein Geld denken die Politiker und ihre Beamten.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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holzi
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von holzi » Dienstag 7. Oktober 2014, 07:03

Edi hat geschrieben:Der grossmäulige Guttenberg hat (neben anderen) auch schon einiges versaut, bespielsweise beim Transportflugzeug A 400, das viel zu teuer wurde und wo der Industrie auch wieder nachgegeben wurde. Ist ja nicht mein Geld denken die Politiker und ihre Beamten.
Dass der A400M zu teuer wurde, war von vornherein klar, wenn man sich das Lastenheft ansieht. Verlangt wurde nichts weniger als die eierlegende Wollmilchsau. Das gibts nicht zum Sonderpreis. Da hätte gleich von Anfang an die An-70 beschafft werden sollen.
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Sarandanon
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Sarandanon » Mittwoch 8. Oktober 2014, 20:26

holzi hat geschrieben:Da hätte gleich von Anfang an die An-70 beschafft werden sollen.
:panisch: na, das hätte aber einen Aufschrei bei den Lobbyisten gegeben.... ;D
Gar nicht auszudenken, was die Bw damit für eine Lufttransportkapa sich hätte schaffen können, die sie so dringend braucht. Und das Ding fliegt sogar... :unbeteiligttu:

Machen wir uns nichts vor der Anteil des Wehretats, der für Entwicklung und Beschaffung gedacht ist, unterliegt der reinen Subventionsausbeutung der deutschen / europäischen Industrie. Daran wird auch keine durchs Dorf getriebene Mediensau etwas ändern.
Dich, o Herr, kann nur verlieren, wer dich verlässt.
(Augustinus Aurelius)

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 9. Oktober 2014, 04:03

Sarandanon hat geschrieben:
holzi hat geschrieben:Da hätte gleich von Anfang an die An-7 beschafft werden sollen.
:panisch: na, das hätte aber einen Aufschrei bei den Lobbyisten gegeben.... ;D
Gar nicht auszudenken, was die Bw damit für eine Lufttransportkapa sich hätte schaffen können, die sie so dringend braucht. Und das Ding fliegt sogar... :unbeteiligttu:
Das hatte man durchaus erworgen, aber dann aus guten Gründen unterlassen:
Ende des Jahres 1997 zog die Bundeswehr in Betracht, einige Antonow An-7 zum Ausbau der Langstreckentransportkapazitäten zu beschaffen, die durch das bisherige Transportflugzeug Transall nicht mehr bewältigt werden können. Im Sommer 1998 wurde eine Studie gemeinsam mit Antonow, russischen und ukrainischen Zulieferern, der DASA-Military Aircraft und DASA Deutsche Airbus in Hallbergmoos bei München durchgeführt. Die Studie war vom Bundesministerium der Verteidigung beauftragt worden. Die Untersuchung sollte klären, wie weit die An-7 den Anforderungen der europäischen Luftwaffen entspricht (European Staff Requirements) und wie groß der Umfang der eventuell erforderlichen Modifikationen sein würde. Das Ergebnis zeigte, dass die An-7 bezogen auf Nutzlast, Geschwindigkeit, Reichweite sowie Lande- und Starteigenschaften die Anforderungen des ESR erfüllte bzw. sogar übererfüllte. Die damalige Cockpitauslegung (Fünf-Mann-Cockpit) und die Triebwerkssteuerung dagegen entsprachen nicht den Anforderungen und hätten komplett neu entwickelt werden müssen („westernising“). Außerdem entsprachen die Werkstoffe, Normen und weitere Zulassungskriterien nicht den westlichen Anforderungen und hätten teilweise umfangreiche Neuentwicklungen erfordert. Dies war aber nicht der Hauptgrund, die An-7 als neues europäisches Transportflugzeug nicht weiter in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend waren die Risiken einer langfristigen industriellen Zusammenarbeit (3 Jahre und mehr) und Zweifel an der Aufrechterhaltung der erforderlichen technischen Unterstützung über Jahrzehnte hinweg. Die Risiken wollten weder die DASA noch der öffentliche Auftraggeber übernehmen. Außerdem war der Wunsch vorhanden, eine europäische Unabhängigkeit bei der Neubeschaffung von Wehrtechnik zu erreichen. So wurde schließlich der Entscheidung anderer europäischer Regierungen folgend Airbus mit der Konstruktion der A4M beauftragt.
(Hervorhebung von mir)

http://de.wikipedia.org/wiki/Antonow_An-7

Die US-Amerikaner hatten auch - im Vertrauen auf eine friedvolle Zukunft - auf die Entwicklung bemannter Raumfähren verzichtet und sich in die Abhängigkeit Russlands begeben. Sie merken jetzt, daß dies wohl eine vorschnelle Entscheidung war und arbeiten am Neubau eigener Raumfähren.
Rund 3 Jahre lang hatten die Raumfähren, die als Amerikas ganzer Stolz und Garant der US-Vormachtstellung im All galten, zuvor Astronauten in den Weltraum gebracht. Seitdem sind die USA auf die Mitnahme ihrer Astronauten in russischen Sojus-Kapseln angewiesen, um zur Internationalen Raumstation ISS zu gelangen. Pro Reise zahlt die Nasa dafür allerdings umgerechnet rund 5 Millionen Euro.
Das ist der Behörde ein Dorn im Auge. Daher arbeitet sie schon lange daran, wieder selbst Astronauten zur ISS bringen zu können. Vor allem seitdem die Nasa angesichts der Ukraine-Politik des Kreml einen Teil ihrer Zusammenarbeit mit Russland demonstrativ eingestellt hat, gilt die Atmosphäre als angespannt.
http://www.focus.de/wissen/weltraum/nas ... 3814.html

Glücklicherweise hatte man sich in Europa in den 7'iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entschlossen, einen eigenen Luft- und Raumfahrtkonzern (Airbus) zu gründen und mit viel staatlichen Subventionen zu fördern. Andernfalls hätte man heute ein amerikanisches Monopol (mit Boeing als übermachtigem Flugzeughersteller). Natürlich hätte das Pentagon dann von Boeing verlangt, einen Teil der Entwicklungskosten für die Militärflugzeuge bei den zivilen Flugzeugen einzupreisen und die ganze Welt hätte - mangels Alternative - die amerik. Luftwaffe über höhere Preise für Passagierflugzeuge indirekt subventioniert.
Es ist nicht ratsam, sich in Zukunfts- und/oder Schlüsseltechnologien vom Ausland zu abhängig zu machen.
Sarandanon hat geschrieben: Machen wir uns nichts vor der Anteil des Wehretats, der für Entwicklung und Beschaffung gedacht ist, unterliegt der reinen Subventionsausbeutung der deutschen / europäischen Industrie. Daran wird auch keine durchs Dorf getriebene Mediensau etwas ändern.
Die Ausgaben von D. für Waffen und Ausrüstung liegen erheblich unter den Anforderungen:
Die Europäer geben für Waffen und Ausrüstung seit langem wesentlich weniger aus als die Amerikaner. Auch dafür gibt es eine interne Kennzahl: 2 Prozent ihrer jährlichen Verteidigungsausgaben sollen die Verbündeten für die Ausrüstung ausgeben, einschließlich Forschung und Entwicklung. Dieses Ziel erfüllen tatsächlich nur die großen Länder in der Allianz, nämlich die Vereinigten Staaten (24,7 Prozent), Frankreich (28,6 Prozent), Großbritannien (23,1 Prozent); außerdem noch die Türkei (2,5 Prozent).
Viele andere Nato-Staaten liegen weit unter diesem Ziel. Die Spanne reicht von der Slowenien (1,5 Prozent) über Dänemark (9,9 Prozent) bis zu Norwegen (18,9 Prozent). Stattdessen geben diese Länder ihr Geld für den Unterhalt der Soldaten aus, wie etwa Italien, wo 76,9 Prozent der Verteidigungsausgaben auf die Personalkosten entfallen. In den Vereinigten Staaten liegt dieser Anteil bei 36,5 Prozent.
Auch Deutschland hat hier immer noch eine veraltete Kostenstruktur, die einer der Gründe dafür sein dürften, warum die Bundeswehr derzeit mit solchen Ausrüstungsmängeln zu kämpfen hat. Nur 16 Prozent des deutschen Wehretats werden für die Ausrüstung ausgegeben, dafür aber immer noch 49,6 Prozent für Personal.
http://www.faz.net/aktuell/politik/vert ... ageIndex_2

Die angebliche "Etat-Ausbeutung" muß bei den deutschen Wehrtechnikkonzernen aber noch nicht angekommen sein.
Die Aktie von Rheinmetall dümpelt vor sich hin und liegt unter dem Stand vor zehn Jahren. Der Umsatz von Krauss-Maffei-Wegmann (ua Leopard II) sank von 1,8 Mrden € auf 8 Mio € und die Anleihe von Heckler-Koch (G 3) liegt trotz einer Nominalverzinsung von 9,5% bei 76,5 (lfde Verzinsung fast 12%). Ein Vergleich mit den amerik. Rüstungskonzernen (z.B. Lockheed Martin, General Dynamics, Northrop Grumman oder Raytheon) wirkt da schon peinlich.....

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 16. Oktober 2014, 12:40

Es geht zwar auch um Investitionen, sicherlich aber sind das nicht solche, die für den Steuerzahler wichtig ist, nämlich die Renovierung und den Neubau einer Spielbank. Noch absurder ist die Art der Finanzierung - das Land NRW will dafür Kunstwerke von Andy Warhol verkaufen.

Die FAZ schreibt dazu:
Als Anfang September bekannt wurde, dass eine Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen in New York am 12. November zwei Hauptwerke von Andy Warhol versteigern lassen will, musste man das erst einmal verstehen. Der breiten Öffentlichkeit war nicht bekannt, dass diese Bilder im Besitz der Westspiel sind, des staatlich konzessionierten Spielbankenbetreibers in Nordrhein-Westfalen.
(...)
Wissen muss man auch, dass die Westspiel eine Tochter der NRW-Bank ist, der Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen, die ihrerseits dem nordrhein-westfälischen Finanzministerium untersteht und dem Land gehört. Das kann nur heißen, dass auch Andy Warhols „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen sind. Bereits am vergangenen Dienstag blieben entsprechende Fragen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an das nordrhein-westfälische Finanzministerium unbeantwortet, unter Hinweis auf Nichtzuständigkeit. Das legt den Verdacht nah, dass es da um sehr heiße – auf zusammen (vorsichtig) rund 13 Millionen Dollar geschätzte – Kartoffeln geht. Denn die Fragen waren denkbar simpel: Sind die Warhols nicht Landesvermögen? Und gibt es überhaupt eine gesetzliche Grundlage für diesen Verkauf? Falls ja, welche?
(...)
Es ist den deutschen öffentlichen Museen und Sammlungen (anders als privaten Häusern) prinzipiell untersagt, aus ihren Beständen Werke zu veräußern. Auch wenn eine staatlich alimentierte Spielhölle kein Tempel ist, sollten dort dieselben Regeln für den Umgang mit Kunst gelten. Noch grotesker wird das Ganze, wenn es seitens der NRW-Bank auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß, der Verkauf der Werke ermögliche es Westspiel, „ihrem staatlichen Auftrag in NRW auch zukünftig gerecht zu werden und die anstehenden Herausforderungen aus eigenem Vermögen zu bewältigen, ohne den Steuerzahler dadurch zu belasten“.
Übersetzung: Mit den Erlösen will Westspiel seine Standorte modernisieren. Zwar geht das nicht direkt, aber im Haushaltsplan 215 soll dann stehen, „dass der für die Investitionen des Unternehmens benötigte Betrag an das Unternehmen zurückfließt“. Um das Maß voll zu machen, ist auch noch ein neues Casino in Köln geplant. Die Pointe dazu: Die staatlich betriebenen Spielbanken sind ein völlig marodes Geschäftsmodell, das immer weiter in die Miesen rauscht, weil es der Konkurrenz im Internet längst nicht mehr gewachsen ist.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/k ... 139.html

:patsch:

Man glaubt es nicht - und in NRW regiert Rot/Grün.....

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 13. November 2014, 08:33

Die oa Bilder wurden jetzt von NRW verhökert - Erlös für die klammen Kassen 12 Mio €.

http://www.handelsblatt.com/panorama/ku ... 8-all.html

Da wird die Landesregierung wohl "Blut geleckt" haben und man darf sich fragen, was als nächstes auf der Verkaufsliste steht......

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 17. Dezember 2014, 08:56

Ein Blick auf NRW:

Die Pleite an Rhein und Ruhr
Eine verwahrloste Infrastruktur bei gleichzeitig hoher Verschuldung und trotz ordentlicher Wirtschaftskraft: so liegen die Dinge nicht nur in Bonn, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen. Mit rund 18 Millionen Einwohnern ist es der größte Einzelstaat der Republik, neun von 30 Dax-Konzernen haben hier ihren Sitz, die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist die vierthöchste unter den Flächenländern.
Gleichwohl ist das Kürzel NRW seit Jahren ein Synonym für Klüngelwirtschaft, Skandale und Inkompetenz – ganz gleich, welche Partei im Land oder in den Kommunen jeweils an der Regierung war. Mit 13.700 Euro je Einwohner war Nordrhein-Westfalen zuletzt verschuldet, das ist der zweithöchste Wert unter den Flächenländern nach dem wirtschaftlich viel schwächeren Saarland. Und von den 20 deutschen Städten mit den höchsten Verbindlichkeiten befinden sich allein 15 in dem Bundesland.
eine Aussage unseres Bundespräsidenten, die es auf den Punkt bringt:
Das Prosaische des Landes drückte am schönsten der heutige Bundespräsident Joachim Gauck aus. Damals noch oberster Verwalter der Stasi-Unterlagen, sprach er 1999 im Bundestag zum zehnten Jahrestag des Mauerfalls. Über die Enttäuschung, die viele Bürgerrechtler aus der DDR nach der Wiedervereinigung befiel, sagte er: „Sie hatten vom Paradies geträumt und wachten in Nordrhein-Westfalen auf.“


Guter Artikel, der schonungslos auch die Gründe anspricht.
Die Lage wird sich noch verschärfen, denn die hohen Gewerbesteuereinnahmen, die die Kommunen von den Energieversorgern früher erhalten haben, fallen weg. Gleichzeitig kürzt RWE (zu ca. 25% in kommunalem Besitz) die Dividende (sofern überhaupt noch eine gezahlt wird) - eine Maßnahme, die direkt auf die Haushalte der beteiligten Kommunen durchschlägt. Um eine Vorstellung der finanziellen Auswirkung zu geben: Die ausgezahlte Dividendensumme der Gesellschaft fiel von 2,4 Mrden € (2008) auf 615 Mio € (2013). Von dem erheblich gesunkenen Wert ihrer Aktienpakete (und den darauf fälligen Abschreibungen) redet man besser nicht.

Die Energiewende kostet schließlich und das Geld kommt nicht aus dem Geldautomaten.

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von overkott » Samstag 20. Dezember 2014, 23:44

Der Blick nach NRW ist berechtigt. Auch Nordrhein-Westfalen ist eine europäische Region, die ähnlich groß ist wie Belgien, die Niederlande und Bayern. Das Land hat seit 50 Jahren einen Strukturwandel zu schultern von einer Montanwirtschaft zur Dienstleistungswirtschaft. Der Wirtschaftswandel wird belastet durch Korruptionsskandale und eine ineffiziente Haushaltspolitik. Der Süden des Landes ist als Dienstleistungsstandort systematisch ausgeblutet worden durch eine Verlagerung ganzer Institutionen sowie eine schleichende Verlagung von Arbeitsplätzen. Die hohe Abhängigkeit von wenigen Großunternehmen in der Bundesstadt Bonn weist auf Strukturprobleme der lokalen Wirtschaft hin. Die Anwerbung zusätzlicher Investoren durch eine attraktive Infrastruktur ( Gewerbegebiete ) zu angemessenem Preis ( Gewerbesteuer ) ist in Bonn dringend erforderlich. Ein Politikwechsel eröffnet eine Zukunftsperspektive.

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Sonntag 21. Dezember 2014, 14:02

overkott hat geschrieben:Die hohe Abhängigkeit von wenigen Großunternehmen in der Bundesstadt Bonn weist auf Strukturprobleme der lokalen Wirtschaft hin. Die Anwerbung zusätzlicher Investoren durch eine attraktive Infrastruktur ( Gewerbegebiete ) zu angemessenem Preis ( Gewerbesteuer ) ist in Bonn dringend erforderlich. Ein Politikwechsel eröffnet eine Zukunftsperspektive.
Bonn scheint doch keine geeigneten Grundstücke für größere Ansiedlungen zu haben - s. die Verlagerung von Haribo.
Haribo ist zwar mit seiner Firmengeschichte tief in Kessenich verwurzelt. Doch am Ende entscheiden die Zahlen. In Bonn gibt es kein ausreichend großes Grundstück, auf das der Süßwarenhersteller hätte ausweichen könne, und um weiter wachsen zu können, braucht Haribo Platz.
(...)
Auch künftig wird es schwierig sein, Industriebetriebe auf Bonner Stadtgebiet anzusiedeln oder auch nur zu halten. Selbst im Rhein-Sieg-Kreis werden mittlerweile die Flächen für größere Neubauten in Industriegebieten knapp. Bonn ist ein Dienstleistungsstandort, dominiert von Behörden, Post und Telekom - mit allen Vor- und Nachteilen.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/new ... 12324615

Was soll die Politik denn tun, wenn keine Flächen vorhanden sind? :achselzuck:

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von overkott » Sonntag 21. Dezember 2014, 23:31

Da müsste der Pressesprecher der Stadt oder von Haribo besser Bescheid wissen. Vor allem müssen die Kommunalpolitiker jetzt in der Wirtschaftsförderung nach vorne schauen.

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 24. Dezember 2014, 07:37

Zur Verlagerung der Firmenzentrale von Haribo wurden die Firmeninhaber befragt. Die Höhe der Gewerbesteuer spielt dabei fast keine Rolle:
Mit dem Wechsel nach Rheinland-Pfalz ziehen Sie in eine steuergünstigere Region. Das ist doch kein Zufall, oder?
Riegel: Die Entscheidung für Grafschaft ist eine für weit mehr als die kommenden 5 Jahre. Glauben Sie, die hätten wir aufgrund einer Vergünstigung bei der Gewerbesteuer getroffen? Gibt es die in 3 Jahren überhaupt noch? Wenn ja, wie hoch ist sie dann? Ich treffe meine Entscheidungen nicht auf diesem Niveau.

Was spricht dann für Grafschaft?
Riegel: Wir haben mit externen Fachleuten mehr als 1 Standorte im Umkreis von maximal 4 Kilometern geprüft. Am Schluss dieses Auswahlverfahrens waren Grafschaft und Euskirchen übrig. Und Grafschaft ist für unsere Mitarbeiter besser zu erreichen. Die Wahl haben Aufsichtsrat und Geschäftsführung schon 212 einhellig getroffen, als mein Onkel noch lebte.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 6-all.html

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von overkott » Mittwoch 24. Dezember 2014, 10:07

Caviteño hat geschrieben:Zur Verlagerung der Firmenzentrale von Haribo wurden die Firmeninhaber befragt. Die Höhe der Gewerbesteuer spielt dabei fast keine Rolle:
Mit dem Wechsel nach Rheinland-Pfalz ziehen Sie in eine steuergünstigere Region. Das ist doch kein Zufall, oder?
Riegel: Die Entscheidung für Grafschaft ist eine für weit mehr als die kommenden 5 Jahre. Glauben Sie, die hätten wir aufgrund einer Vergünstigung bei der Gewerbesteuer getroffen? Gibt es die in 3 Jahren überhaupt noch? Wenn ja, wie hoch ist sie dann? Ich treffe meine Entscheidungen nicht auf diesem Niveau.

Was spricht dann für Grafschaft?
Riegel: Wir haben mit externen Fachleuten mehr als 1 Standorte im Umkreis von maximal 4 Kilometern geprüft. Am Schluss dieses Auswahlverfahrens waren Grafschaft und Euskirchen übrig. Und Grafschaft ist für unsere Mitarbeiter besser zu erreichen. Die Wahl haben Aufsichtsrat und Geschäftsführung schon 212 einhellig getroffen, als mein Onkel noch lebte.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 6-all.html
Niemand weiß, wo Riegel in den nächsten 5 Jahren seine Mitarbeiter herholt. Er hat eine Blase losgelassen. Haribo ist ein Einzelfall. Schweinfurt und Würzburg sehen, wo die Gewerbesteuer sprudelt.

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von holzi » Mittwoch 24. Dezember 2014, 10:35

Die Höhe der Gewerbesteuer ist nur ein Teil der Rechnung, es kommt für das Unternehmen darauf an, was es an Infrastruktur und Mitarbeitern als Gegenleistung bekommt. Wenn es nur auf den Hebesatz ankäme, müssten wohl in Meck-Pom viel mehr Betriebe sitzen als es aktuell der Fall ist.
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von overkott » Mittwoch 24. Dezember 2014, 11:52

Da stellt sich etwa die Frage, ob LKW durch Wohngebiete fahren dürfen. Wie eng sind etwa in Würzburg-Zellerau Wohnen und Wirtschaften verzahnt? Dort ist zwar ganz sinnvoll die Tierhandlung Main Zoo GmbH & Co. KG angesiedelt. Aber in Würzburg fehlt Sealife.

In der Nähe des Alten Hafens wäre Sealife sicher gut plaziert, im Umkreis des Africa Festivals und vom CinemaxX. Das nächste Aquarium ist in die Erlangen und ansonsten sind in der Umgebung als Zoos nur Wildtierparks.

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von holzi » Mittwoch 24. Dezember 2014, 17:07

Mein lieber Overkott, du faselst wieder! Richte lieber den Baum und die Geschenke her! :breitgrins:
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Montag 9. Februar 2015, 09:13

Neue Entwicklungen für den Straßenbau - die "smarte" Sanierung der Straßen:
Europaweit arbeiten Wissenschaftler und Baufirmen an neuen Technologien, mit denen Risse geflickt, Fahrbahnen repariert und Brücken saniert werden können, ohne dass die Bauwerke komplett abgerissen werden müssen. Das allein spart Millionen. Und damit nicht genug. Sogar Schlagloch-Prognosen rücken in greifbare Nähe. Man stelle sich vor: Sanierungstrupps rücken aus, bevor ein Schlagloch überhaupt existiert - und verlängern die Lebensdauer einer Straße damit erheblich.
(...)
"Wunder-Asphalt" nennt eine niederländische Zeitung die Erfindung, weil der schwarze, grobporige Klumpen mit Stahlwolle gefüllt ist und dadurch fast doppelt so lange hält wie normaler Flüster-Asphalt. Auch Jahre, nachdem der Wunder-Asphalt verlegt wurde, kann ein Spezialfahrzeug darüber fahren und ihn per Induktion erhitzen, so wie eine Herdplatte. "Dadurch wird der Bitumen flüssig und verschließt winzige Risse", sagt Schlangen.
Noch ambitioniertere Ziele hat er sich für Betonbauwerke gesetzt. Mithilfe von Mikroorganismen sollen diese in Zukunft bis zu hundert Jahre halten. "Die Bakterien schlummern in einem inaktiven Zustand", erklärt der Wissenschaftler. "Erst wenn sie mit Wasser in Berührung kommen, das durch einen Riss im Material eindringt, wachen sie auf. Dann produzieren sie Kalk, der die Risse verschließt." In einer Tiefgarage, sagt Schlangen, habe sich das Verfahren schon bewährt. Der einzige Nachteil: Das Material ist am Ende rund 15 Prozent teurer als konventioneller Beton. "Auf lange Sicht lassen sich damit allerdings riesige Beträge einsparen", glaubt Schlangen.
http://www.sueddeutsche.de/auto/strasse ... -1.233476

Das könnte natürlich eine Entlastung für den Bundeshaushalt sein - aber warten wir erst einmal die Marktreife ab.

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Raphael » Mittwoch 11. Februar 2015, 12:48

Schiersteiner Brücke gesperrt
Das Chaos über dem Rhein

Die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden ist wegen Sicherheitsmängeln voll gesperrt worden. Die Fahrbahn hat sich zum Teil abgesenkt, die Sperrung könnte Wochen dauern. Eine ganze Region droht im Verkehrschaos zu versinken.

..

Wie lange die Brücke gesperrt bleiben sollte, war zunächst unklar. Zunächst sollten sich Experten die Schäden ansehen. Die Sperrung könne aber „möglicherweise Wochen dauern“, sagte ein Polizeisprecher.
..
(Quelle)

Lieber versenkt man das Geld in Griechenland
als hier die Infrastruktur in Ordnung zu bringen! :motz: :motz: :motz:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

Caviteño
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 11. Februar 2015, 15:30

Raphael hat geschrieben:Lieber versenkt man das Geld in Griechenland
als hier die Infrastruktur in Ordnung zu bringen! :motz: :motz: :motz:
Wieso? Ist doch konsequent und richtig (aus Sicht der "politischen Elite).

Stell Dir nur mal vor, man würde hier mit dem Geld für EMS, Target-II Saldenund bilaterale Darlehn die Infrastruktur auf den neuesten Stand bringen. Also vorzügliche Straßen, Eisenbahnlinien ohne Langsamfahrstellen, ein schnelles Internet bis an das kleinste Dorf, Schulen mit dichten Dächern und Computern usw. usf... - ließe sich vermutlich für die 100+ Mrden € zumindest teilweise machen.

Die Folge wäre doch, daß D. noch wettbewerbsfähiger und der Unterschied zu den PIGS, die ja kein Geld bekommen hätten, immer weiter wachsen würde. Solche Unterschiede wären doch in Europa nicht zu ertragen (meinen die Politiker). Also wird konsequent - wie bei einem Finanzausgleich - das Geld von den Ländern, in denen es verdient wird, in die "ärmeren" oder "bedürftigen" Länder umgeleitet, die damit die gute Infrastruktur bauen (sollen) und die dann aufholen könn(t)en.
So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Die einen werden nicht noch wettbewerbsfähiger, die Kluft wächst nicht weiter an, die Unzufriedenheit in den Südländern verschwindet. Die Südländer bekommen Zeit, können dann die Gelder in Infrastrukturprojekte investieren und holen auf. Wenn sie dann aufgeholt haben, zahlen sie die Kredite zurück und mit den Rückzahlungsbeträgen und den Zinsen können die Nordländer ihre marode bzw. bis dahin verfallene Infrastruktur wieder aufbauen.... :breitgrins: :D :kugel:

Allerdings werde ich wohl - wenn ich auf die Rückzahlungsfristen der Griechendarlehn schaue - die Instandsetzung der Infrastruktur nicht mehr erleben. :nein:

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Edi
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Edi » Mittwoch 11. Februar 2015, 15:51

Caviteño hat geschrieben: Die Südländer bekommen Zeit, können dann die Gelder in Infrastrukturprojekte investieren und holen auf.
http://www.freitum.de/214/4/verschlaf ... s-der.html

Was die Spanier mit dem Geld gemacht haben, sehen wir ja. Wenn ich mich nicht irre haben sie auch Autobahnen gebaut, die man gar nicht braucht.

Ich plädiere ja schon lange dafür, daß es eine Haftung oder zumindest einen Teilregreß geben muss für Beamte, die Fehlinvestitionen machen, was zuerst auch für Deutschland gelten müsste. Der Steuerzahlerbund gibt jährlich ein Schwarzbuch heraus, wo die Geldverschwendung aufgelistet wird. Wenn in einer Firma jemand Fehlinvestitionen in grösserem Maßstab macht, dann wird er auch irgendwie zur Rechenschaft gezogen (bei Managern vielleicht weniger oder nicht) und muss gffs. auch gehen.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 12. Februar 2015, 00:06

Edi hat geschrieben: Ich plädiere ja schon lange dafür, daß es eine Haftung oder zumindest einen Teilregreß geben muss für Beamte, die Fehlinvestitionen machen, was zuerst auch für Deutschland gelten müsste. Der Steuerzahlerbund gibt jährlich ein Schwarzbuch heraus, wo die Geldverschwendung aufgelistet wird. Wenn in einer Firma jemand Fehlinvestitionen in grösserem Maßstab macht, dann wird er auch irgendwie zur Rechenschaft gezogen (bei Managern vielleicht weniger oder nicht) und muss gffs. auch gehen.
Es ist zwar schön, daß der Steuerzahlerbund derartige Aufstellung macht und sie stimmen sicherlich auch. Allerdings ist damit aber die Frage, wer verantwortlich ist - die Beamten (Exekutive) oder die Abgeordneten (Legislative) - nicht beantwortet.

Können die Beamten überhaupt einen Eurocent ohne Haushaltsplan ausgeben? :nein:
Wer stellt den Haushaltsplan auf? - Die Abgeordneten. Sie kämpfen doch für ihr sog. "Königsrecht".

Wenn also im Haushaltsplan steht, daß eine Brücke gebaut wird, die ins Nirwana führt, müßte die "politische Elite" eigentlich den Unsinn erkennen. Es wird doch immer von den - ach so harten - Haushaltsverhandlungen berichtet. Alles nur Show :hmm: - oder beschäftigt man sich tatsächlich mit den einzelnen Posten :/
Wenn also das Parlament einen Haushaltsplan verabschiedet, die Behörden beauftragt, diesen umzusetzen und die korrekte Umsetzung durch die Rechnungshöfe kontrolliert wird - wer verantwortet sinnlose Ausgaben? Das sind doch die Abgeordneten, die entweder falsch entschieden (Brückenbau in's Nirwana) oder sich nicht ausreichend über die Verwaltungsvorlagen informiert haben. Letzteres wäre eine Verletzung ihrer Verantwortung.

Insofern ist die Forderung nach Haftung absurd - oder glaubst Du, im Bundestag bzw. in den Parlamenten säßen demnächst nur noch Hartz-IV-Empfänger? :breitgrins:
Die Forderung ist mE nur eine Finte um von den wirklich Verantwortlichen abzulenken. Die sitzen nämlich nicht in den Amtsstuben sondern in den Parlamenten. :ja:

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Edi » Donnerstag 12. Februar 2015, 10:01

Caviteño hat geschrieben: Wenn also im Haushaltsplan steht, daß eine Brücke gebaut wird, die ins Nirwana führt, müßte die "politische Elite" eigentlich den Unsinn erkennen. Es wird doch immer von den - ach so harten - Haushaltsverhandlungen berichtet. Alles nur Show :hmm: - oder beschäftigt man sich tatsächlich mit den einzelnen Posten :/
Wenn also das Parlament einen Haushaltsplan verabschiedet, die Behörden beauftragt, diesen umzusetzen und die korrekte Umsetzung durch die Rechnungshöfe kontrolliert wird - wer verantwortet sinnlose Ausgaben? Das sind doch die Abgeordneten, die entweder falsch entschieden (Brückenbau in's Nirwana) oder sich nicht ausreichend über die Verwaltungsvorlagen informiert haben. Letzteres wäre eine Verletzung ihrer Verantwortung.

Insofern ist die Forderung nach Haftung absurd - oder glaubst Du, im Bundestag bzw. in den Parlamenten säßen demnächst nur noch Hartz-IV-Empfänger? :breitgrins:
Die Forderung ist mE nur eine Finte um von den wirklich Verantwortlichen abzulenken. Die sitzen nämlich nicht in den Amtsstuben sondern in den Parlamenten. :ja:
Ich denke, daß nicht jede Entscheidung von den Parlamenten gemacht wird, sondern auch lokal, große Investitionen mal ausgenommen.
Ich kenne da Beispiele. Beim Einkauf von irgendwelchen Produkten, die eine Gemeinde braucht müssen mindestens zwei Angebote eingeholt werden. Das passiert aber nicht immer. Entscheiden tun das bei kleineren Beträgen, die nicht in die mehrtausende gehen, die Beamten oder Angestellten.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 12. Februar 2015, 11:24

Edi hat geschrieben: Ich denke, daß nicht jede Entscheidung von den Parlamenten gemacht wird, sondern auch lokal, große Investitionen mal ausgenommen.
Ich kenne da Beispiele. Beim Einkauf von irgendwelchen Produkten, die eine Gemeinde braucht müssen mindestens zwei Angebote eingeholt werden. Das passiert aber nicht immer. Entscheiden tun das bei kleineren Beträgen, die nicht in die mehrtausende gehen, die Beamten oder Angestellten.
Das stimmt natürlich, denn mit dem Einkauf von Toilettenpapier oder Büroklammern sind die Abgeordneten nicht befaßt. Aber da dürfte wohl auch nicht die große Verschwendung stattfinden und das nicht immer eine öffentliche Ausschreibung bei Kleinteilen erfolgt, ist sicherlich auch richtig.

Allerdings geht es ja nicht um den Kauf einer Küchenpapierrolle für 1,29 € statt 1,19 € (die dann allerdings von einem Lieferanten bezogen werden müßte, der das Gleichstellungsgesetz nicht beachtet....), sondern um die Fehlinvestitionen im siebenstelligen (oder höherem) Bereich.
In meiner Stadt werden die jeweils zwei Amtsgerichte und zwei Finanzämter zusammengelegt - natürlich in Neubauten. Während die bisherigen Amtsgebäude in der Stadtmitte lagen, befinden sich die Neubauten am Stadtrand. Von den vier Gebäuden gibt es nur für eines eine Weiterverwendung durch die Stadtverwaltung. Die übrigen drei stehen leer und werden verfallen - wie das Finanzamtsgebäude in einer Nachbarstadt.
Die Einsparungen sind sehr überschaubar: Stelle eines Leiters und eines Hausmeisters sowie ganz geringe Effizienzgewinne (höchstens zwei, drei Personen).

Natürlich hat sich darum kein Abgeordneter des Haushaltsausschusses gekümmert, sofern er nicht aus der betroffenen Stadt kam. Trotzdem tragen diese Abgeordneten die Verantwortung. Man muß sich eben selbst ein Bild machen, ob es wirklich notwendig ist, Neubauten auf Pump zu finanzieren (und damit die Verschuldung zu erhöhen), nur um aus zwei mach eins spielen zu können. Bei den elektronischen Möglichkeiten heute ist es überhaupt kein Problem, eine Behörde auf zwei Häuser zu verteilen und trotzdem effizient zu arbeiten.

Richtig abenteuerlich wird es aber, wenn man weiß, wie die Neubauten wirtschaftlich begründet wurden: Man spart nämlich Miete!
Alle Landesgebäude in NRW müssen "Miete" an eine landeseigene Gesellschaft (BLB - Bau- und Liegenschaftsbetrieb) zahlen. Diese Mietzahlungen werden auch im Haushalt ausgewiesen, die Überschüsse der Gesellschaft natürlich auch. Die Finanzämter und Amtsgerichte hatten aufgrund ihrer stadtzentralen Lage (zwei Gebäude befanden sich nur ca. 300 m von der Haupteinkaufsstraße und 200 m vom Stadtgarten entfernt) die höchsten Mietzahlungen in NRW. Durch die Verlagerung an den Stadtrand bzw. an weniger frequentierte Standorte, sanken die Mietpreise und damit auch die Aufwendungen im Landeshaushalt... :breitgrins:
Verkauft werden können die Grundstücke trotz der guten Lage praktisch auch nicht: Die aufstehenden Bürogebäude stehen unter Denkmalschutz und bieten nicht genügend Parkplätze. :)

Wenn Du jetzt meinst, der Irrsinn wäre nicht mehr zu toppen, irrst Du.
Die Neubauten werden vom BLB errichtet und vermietet. Der Mieter ist nach dem Einzug für Kleinreparaturen zuständig. Beim Bau werden vom BLB jetzt nur die allerpreiswertesten Materialien (Dreck aus China) genutzt, damit sinken die Baukosten und für die spätere Instandhaltung ist ja der Mieter zuständig. Bei einem anderen Neubau fing die Farbe nach zwei Jahren an, von der Wand zu blättern.......

Natürlich wurde das von den Arbeitnehmervertretungen den Abgeordneten vorgetragen. Hat es sie interessiert? :nein: :nein: :nein:
Es mauschelt sich halt so schön mit der Ministerialbürokratie und der oben dargestellte Fall wird nie im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes auftauchen oder vom Rechnungshof bemängelt werden.

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Edi » Donnerstag 12. Februar 2015, 13:02

Caviteño hat geschrieben:
Edi hat geschrieben: Ich denke, daß nicht jede Entscheidung von den Parlamenten gemacht wird, sondern auch lokal, große Investitionen mal ausgenommen.
Ich kenne da Beispiele. Beim Einkauf von irgendwelchen Produkten, die eine Gemeinde braucht müssen mindestens zwei Angebote eingeholt werden. Das passiert aber nicht immer. Entscheiden tun das bei kleineren Beträgen, die nicht in die mehrtausende gehen, die Beamten oder Angestellten.
Das stimmt natürlich, denn mit dem Einkauf von Toilettenpapier oder Büroklammern sind die Abgeordneten nicht befaßt. Aber da dürfte wohl auch nicht die große Verschwendung stattfinden und das nicht immer eine öffentliche Ausschreibung bei Kleinteilen erfolgt, ist sicherlich auch richtig.
Klar, aber es sind auch bei kleineren Bestellungen, wenn sie nicht gerade nur 100 Euro oder ähnliches ausmachen, mehrere oder mindestens zwei Angebote einzuholen. Ich weiß allerdings nicht ob es da Grenzen nach unten gibt. Im Jahr kann sich der Einkauf einer Gemeinde, von großen Städten gar nicht zu reden, wenn man keine Angebote vergleicht schon zu deutlichen Summen aufhäufen.

Mit hat einmal ein Drucker erzählt, der die Wahlzettel einer Gemeinde anbieten sollte, er wisse, daß er das einzige Angebot machen müsste und deswegen haue er ordentlich auf den Preis drauf. Ich vermute er kennt er den Einkäufer.
Man kann bei Gemeinden aber auch Firmen ab und an erleben, daß die gar kein Angebot wollen. Da kommt doch dann der Verdacht auf, daß der Einkäufer Backschisch bekommt.
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von cantus planus » Donnerstag 12. Februar 2015, 13:11

Edi hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben: Die Südländer bekommen Zeit, können dann die Gelder in Infrastrukturprojekte investieren und holen auf.
http://www.freitum.de/214/4/verschlaf ... s-der.html

Was die Spanier mit dem Geld gemacht haben, sehen wir ja. Wenn ich mich nicht irre haben sie auch Autobahnen gebaut, die man gar nicht braucht.
Autobahnen? Ganze Städte sind aus dem Boden gestampft worden, in denen niemand wohnen will.
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Freitag 13. Februar 2015, 12:01

cantus planus hat geschrieben:Autobahnen? Ganze Städte sind aus dem Boden gestampft worden, in denen niemand wohnen will.
Mit den dazugehörigen Flughäfen:
An einem verlassenen Ort in La Mancha, wo sich in der Nähe noch mühsam ein paar alte Windmühlen drehen, entstand auf dem Höhepunkt des spanischen Baubooms der erste private Flughafen des Landes. Die einen wollten ihn beziehungsreich nach Don Quijote benennen. Andere zogen „Madrid Süd“ vor, was sich die Regionalregierung verbat. Schließlich einigte man sich auf ein prosaisches „Zentralflughafen“ von Ciudad Real.
Dieser Flughafen, der – so genau will das niemand mehr wissen – zwischen einer halben und einer ganzen Milliarde Euro gekostet hat, ist nun billig zu haben. Fünf Jahre nach der Einweihung und zwei Jahre nach dem Konkurs wird diese Investitionsruine ehrgeiziger Lokalpolitiker, blinder Banker und vom großen Geld träumender Baulöwen bis Ende dieses Monats für gerade mal hundert Millionen feilgeboten.
(...)
Auch in Murcia, Lleida und Castellón verfallen Geisterflughäfen. Doch weil vermutlich am Ende niemand den bekanntesten von ihnen auch nur geschenkt haben möchte, ist guter Rat teuer. Denn wie sollen allein die Unterhaltungskosten für eine vier Kilometer lange, sogar für den größten Airbus taugliche Landebahn und den stolze 28. Quadratmeter messenden Terminal eingespielt werden?
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 6696.html

Aber auch bei den deutsche Regionalflughäfen (Paderborn, Kassel, Weeze, Cottbus ua) kann man die Frage nach der Wirtschaftlichkeit stellen. Ähnliches gilt für die zwei Halte Limburg bzw. Montabauer (Entfernung 2 KM) auf der Bahnstrecke Köln - Frankfurt, die auf Drängen bei der beiden Bundesländer eingerichtet wurden. Niemand wollte dem anderen den Vortritt lassen und so wurden eben zwei Bahnhöfe gebaut.....

http://www.wfg-ww.de/fileadmin/dateien/ ... tabaur.pdf

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Freitag 27. Februar 2015, 11:19

Passend zur heutigen Debatte über weitere "Hilfen" für GR hat die Bundesregierung die Antwort auf eine Kleine Anfrage zu den Langsamfahrstellen im deutschen Schienennetz vorgelegt.
Mit Stand vom 1. Februar 215 sind im Netz der DB AG 72 Langsamfahrstellen eingerichtet. Diese Zahl enthält alle mängelbedingten und behördlich angeordneten Langsamfahrstellen.
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/4/18441.pdf

Interessant ist die Anlage mit einer Auflistung der Langsamfahrstellen, den Gründen und dem voraussichtlichen Beseitigungsdatum. Wie nicht anders zu erwarten, ist bei den meisten Langsamfahrstellen die Terminierung noch ausstehend.

Das ist weiter auch nicht verwunderlich - vordringlich muß GR "geholfen" mit Mrden werden.
Es ist niemandem zu vermitteln. Der Finanzminister kann sich kostenlos Geld leihen und die Infrastruktur verkommt. :patsch:

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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Caviteño » Montag 20. April 2015, 14:30

Um den großen Kapitalsammelstellen eine Alternative zu Bundesanleihen zu bieten, denkt eine Kommission über Anleihen bzw. Beteiligungen nach, mit den Infrastrukturvorhaben finanziert werden könnten. Erste Details wurden bereits bekannt, der Bericht wird morgen veröffentlicht:
Privates Kapital für Ausbau und Erhalt von staatlicher Infrastruktur wie Straßen, Schulen und andere öffentliche Gebäude könnte die deutsche Investitionsschwäche verringern. Und den Anlegern die dringend benötigte Alternative in Zeiten des Anlagenotstands bieten. „Die ersten Kommissionsvorschläge könnten schon in den kommenden zwei Jahren verwirklicht werden“, hofft Marcel Fratzscher.
Die Vorschläge sind hoch umstritten, es ist längst nicht klar, ob sie so umgesetzt werden. Aber sie sind verlockend für die Politik. Zum einen ist der Investitionsstau durchaus spürbar. Zehn Milliarden Euro werden jedes Jahr zu wenig investiert, schätzt das DIW. Es häufen sich Brückensperrungen wie in den vergangenen Wochen an der Schiersteiner Brücke bei Mainz. Eltern klagen über marode Schulgebäude und Autofahrer schimpfen über Schlaglöcher auf den städtischen Straßen. Parallel dazu zeigt sich der Unwillen der Politik, von den stetig wachsenden Steuereinnahmen genügend Geld in die Infrastruktur umzuleiten. Lieber werden teure Sozialprojekte wie die Rente mit 63 oder die Mütterrente beschlossen. Privates Kapital für Straßen oder Schulen könnte der Politik einen Ausweg bieten.
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anl ... ageIndex_2

Das Bedenkliche an den Vorhaben ist mE, daß hier wieder ein weiterer "Schattenhaushalt" aufgebaut wird. Man sammelt Geld ein, gliedert die Verschuldung aus und ist trotzdem in der Haftung. Haushaltswahrheit und -klarheit sieht eigentlich anders aus.....

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Hubertus
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Re: Fehlende Ersatzinvestitionen - Verschleiß überall

Beitrag von Hubertus » Montag 21. September 2015, 19:15

Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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