Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

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Caviteño
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Freitag 22. Mai 2015, 19:29

Finanzielle Repression 2.0 Der Kampf gegen das Bargeld hat begonnen

Ein Bericht in der NZZ. Dabei wird auf ein Interview mit Herrn Bofinger verwiesen:
Neben Bargeld müsste auch der Besitz von Gold verboten werden, da das aus liberaler Sicht gute Geld, nämlich Gold, sonst schnell das schlechte Staatsgeld verdrängen dürfte. Doch auch bei einem Goldverbot könnten sich andere Tauschmittel herauskristallisieren, etwa Zigaretten, Schmuck, Gutscheine, oder es fände ein Ausweichen auf andere Währungen statt. Entsprechend sagte Bofinger im Gespräch mit der Zeitschrift «Der Spiegel», Bargeld müsse am besten zeitgleich im Euro-Raum, in den USA, Grossbritannien und der Schweiz verboten werden. Der Kampf gegen das Bargeld hat begonnen.
Bevor man als Mitglied des Sachverständigenrates äußert, sollte man sich doch über die Realisierbarkeit Gedanken machen. Im gleichen Artikel findet man folgende Äußerung:
Auch hierzulande wird unter Akademikern die Einführung eines Wechselkurses zwischen Bargeld und Buchgeld, die periodische Belastung von Bargeld mit einer Steuer in Höhe der Negativzinsen und sogar das Verbot von Bargeld diskutiert. Doch dürften hier die Stimmbürger an der Urne derlei Exzesse verhindern.

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holzi
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von holzi » Freitag 22. Mai 2015, 19:44

Caviteño hat geschrieben:Bevor man als Mitglied des Sachverständigenrates äußert, sollte man sich doch über die Realisierbarkeit Gedanken machen. Im gleichen Artikel findet man folgende Äußerung:
Auch hierzulande wird unter Akademikern die Einführung eines Wechselkurses zwischen Bargeld und Buchgeld, die periodische Belastung von Bargeld mit einer Steuer in Höhe der Negativzinsen und sogar das Verbot von Bargeld diskutiert. Doch dürften hier die Stimmbürger an der Urne derlei Exzesse verhindern.
Was soll denn der dumme Stimmbürger noch mitreden? Der hat eh nix mehr zu sagen, wenn das Verbot aus "Gründen der Terrorabwehr" alternativlos durchgedrückt wird!
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Juergen
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Juergen » Freitag 22. Mai 2015, 20:29

Zu dem Thema hat Peter Winnemöller vor einigen Tagen schon was gebloggt.
http://katholon.de/?p=8711
Gruß
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Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Freitag 22. Mai 2015, 20:31

holzi hat geschrieben: Was soll denn der dumme Stimmbürger noch mitreden? Der hat eh nix mehr zu sagen, wenn das Verbot aus "Gründen der Terrorabwehr" alternativlos durchgedrückt wird!
Das ist sicherlich richtig, allerdings würden sich bei einem Bargeldverbot sofort Ersatzwährungen verbreiten. Dazu bieten sich US-Dollar und auch Schweizer Franken an. Schon allein aus diesem Grund müßte ein Bargeldverbot gleichzeitig neben der EU auch in den USA und der Schweiz eingeführt werden.

Nur in der Schweiz wäre das eben nicht so einfach......

(Alternativ wäre auch eine neue Drachme für GR dann ein Geschäftsmodell.... Sie könnten dann Geld drucken, das sogar freiwillig in der EU als Zahlungsmittel akzeptiert würde)

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Juergen » Mittwoch 27. Mai 2015, 13:09

Gruß
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Mauritius » Mittwoch 27. Mai 2015, 15:50

Meine Hotelrechnung durfte ich in Italien schon nicht mehr in BAR bezahlen (ca. 1000 E)! Daraufhin habe ich gesagt, sie sollten Berlusconi wählen, damit der Unsinn ein Ende hat. Antwort: Sie haben alle Berlusconi gewählt, der war dann aber plötzlich weg und der Unsinn wurde trotzdem durchgedrückt. :D
Ein totales Bargeldverbot wäre der Offenbarungseid des Systems. Das hätte vielleicht einen kurzfristigen positiven Effekt für den Finanzminister, dann gehts aber steil bergab, da das Wirtschaftssystem nicht mehr flexibel genug ist. Hartz4 wird ein paar Millionen Teilnehmer mehr haben, da die "Schattenwirtschaft" zusammenbricht. Bargeld kann man auch in heutigen Zeiten nicht mehr mit Alkohol, Zigaretten und Edelmetallen kompensieren. Ein großer Teil der Lebenshaltungskosten (Versicherungen, Miete, Krankenkasse) geht den giralen Weg übers Konto. Die kann man heute nicht mehr mit Naturalien bezahlen.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 19. August 2015, 10:10

Bargeldzahlungen werden weiter unattraktiv gemacht - natürlich durch die friedensbringende EU. Anfang des Jahres ist eine sog. EU-Bargeld-Prüfverordnung in Kraft getreten und das hat erhebliche Auswirkungen für die Banken und Sparkassen:
Wer bei einer Bank oder Sparkasse mit Bargeld zu tun hat, muss regelmäßig über ein Online-Tool der Bundesbank an Schulungen teilnehmen und sogar eine Prüfung ablegen. „Das erhöht zwar die Chance, falsche Münzen am Schalter zu erkennen, steht aber in keinem Verhältnis zum Aufkommen von Falschmünzen in Deutschland“, heißt es dazu beim Sparkassenverband Baden-Württemberg.
In ganz Deutschland werden jährlich nur rund 5. falsche Münzen entdeckt. Selbst wenn dies alles 2-Euro-Münzen wären, läge der Schaden lediglich bei 1. Euro für ganz Deutschland.
Die Bargeld-Prüfverordnung der EU, die seit Jahresbeginn in vollem Umfang wirkt, ist nicht der einzige Kummer, den die Banken mit Münzgeld haben. Schwierig ist gerade für kleine Institute die Sache schon seit dem Jahr 211, als die Bundesbank damit begann, die Münzgeldversorgung auf Normcontainer zu beschränken.
Was sich sperrig anhört, ist ein gewichtiges Problem, denn in jeden Normcontainer gehören 5 Rollenpackungen zu je 1 Geldrollen. Sprich: Wer alle acht Münzsorten bei der Bundesbank bestellt, bekommt fünf Tonnen Hartgeld im Wert von 314. Euro geliefert.
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/mei ... 56893.html

Die Folge all diesen EU-Unsinns: Die Sparkassen und Banken bitte die Einzelhändler, die viel Bargeld einzahlen zur Kasse und erheben entsprechende Gebühren. Die werden natürlich in Form höherer Preise an die Kunden weitergereicht.

Der "Laden" EU ist nicht mehr reformierbar - GB macht es richtig und trägt sich mit Austrittsgedanken.

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Niels
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Niels » Freitag 22. Januar 2016, 15:53

Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Samstag 23. Januar 2016, 08:51

Niels hat geschrieben:Hier fängt man schon an: http://www.welt.de/wirtschaft/article15 ... en-ab.html
Von mir aus können die auch die 5 Cent Münzen abschaffen (es gibt gute Gründe dafür), solange sie das Bargeld an sich nicht abschaffen.
Kommt aber bestimmt, da ja alle Bürger (potentielle) Verbrecher und Steuerverkürzer sind.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Samstag 23. Januar 2016, 10:50

Siard hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:Hier fängt man schon an: http://www.welt.de/wirtschaft/article15 ... en-ab.html
Von mir aus können die auch die 5 Cent Münzen abschaffen (es gibt gute Gründe dafür), solange sie das Bargeld an sich nicht abschaffen.
Dem muß ich ganz heftig widersprechen!
Wer bereit ist, Kleinstbetragsmünzen abzuschaffen, der ebnet in meinen Augen auch den Weg zur Abschaffung des Bargeldes. Da kann das Gegenteil noch so sehr beteuert werden. Man nennt das auch "Salamitaktik" und muß in dieser Hinsicht nur an den Maastricht-Vertrag mit seinen strengen Regeln denken. Durch einen "freiwilligen Verzicht" der Münzen mit kleiner Denomination treten dann nach nämlich zwei Folgen gleichzeitig ein:

1. Die kleinen Münzbeträge werden nicht mehr nachgefragt - kurz- und mittelfristig steigert sich das dann kontinuierlich von der ,1 € Münze über ,5 € bis zu 2 €.

2. Gleichzeitig wird - vor allem von sparsamen Menschen - die Kartenzahlung (oder iphone oder was sonst noch so alles geben wird) bevorzugt. Warum sollte ich beim Brötcheneinkauf von ,22 € dann ,3 € (über 1% !) für einen angeblich "guten Zweck" "freiwillig"(!) spenden? Bin ich Mutter Theresa oder Bill Gates? :nein:
Glaubt hier wirklich jemand, daß dann z.B. der Brötchenpreis von ,27 € auf ,25 € abgerundet wird, ohne daß eine Preisanpassung erfolgt? :D Denken wir doch nur an die Euroeinführung und die dabei erfolgten "Preisanpassungen" - oder sind die schon vergessen?

Beide Trends verstärken sich gegenseitig und beschleunigen oder führen zur Abschaffung des Bargeldes.

Im übrigen bin ich ziemlich sicher, daß man bei einer Bargeldabschaffung weder die Schwarzarbeit noch illegale Geschäfte in den Griff bekommt. Die Zahlung wird sich dann auf andere "Wertpapiere" verlagern, z.B. Gutscheine von amazon. Ihr ganz großer Vorteil: Der Wert ist - im Gegensatz zum Euro - zumindest durch das Warenlager gesichert. :breitgrins:
Der Vorteil ist natürlich, daß sich Negativzinsen problemlos durchsetzen lassen - wer legt schon gern sein gesamtes Vermögen in amazon-Wertgutscheinen oder Schnapsflaschen und Zigaretten an? :pfeif:

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Samstag 23. Januar 2016, 11:36

Caviteño hat geschrieben:Dem muß ich ganz heftig widersprechen!
Wer bereit ist, Kleinstbetragsmünzen abzuschaffen, der ebnet in meinen Augen auch den Weg zur Abschaffung des Bargeldes. Da kann das Gegenteil noch so sehr beteuert werden. Man nennt das auch "Salamitaktik" und muß in dieser Hinsicht nur an den Maastricht-Vertrag mit seinen strengen Regeln denken. Durch einen "freiwilligen Verzicht" der Münzen mit kleiner Denomination treten dann nach nämlich zwei Folgen gleichzeitig ein:
In dem Staat, der auf 1 bis 5 Cent Münzen verzichtet ist diese Entwicklung m. W. nicht eingetreten.
Ansonsten macht das deutsche Regime eh, was es will, auf Kosten der eigenen Bürger oder wenigstens auf Kosten anderer Staaten (Unterlaufen der 2% Regelung).
Wenn die BanRep nicht bald einen Schwenk hinlegt, dann sind die Überlegungen obsolet, weil der Euro nicht zu retten sein wird.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Samstag 23. Januar 2016, 11:45

Siard hat geschrieben: In dem Staat, der auf 1 bis 5 Cent Münzen verzichtet ist diese Entwicklung m. W. nicht eingetreten.
Du meinst vermutlich Finnland, oder?
Allerdings hätte die bundesweite(!) Einführung eines Verzichts auf die kleineren Münzen wohl auch eine andere Auswirkung auf die Europ. Währungsunion als der Verzicht in dem kleinen und abgeschiedenen Finnland, das nur Landgrenzen zu Nicht-Euro-Ländern hat.
Dafür spricht auch, daß die kleinen Münzen in Finnland bereits seit der Euro-Einführung keine Rolle spielten:
Die 1- und 2-Cent-Münzen werden nur in sehr geringer Auflage geprägt und nur aufgrund der von der EZB aufgelegten Pflicht, diese prägen zu müssen. Sie sind im normalen Zahlungsverkehr nicht im Umlauf. Hauptgrund dafür ist die Tradition, keine kleinen Münzen zu verwenden, sowie die Rundung kleiner Beträge in den nordeuropäischen Ländern bei Barzahlung. Der Staatssekretär im finnischen Finanzministerium erklärte sogar, dass diese kleinen Münzen oftmals weggeworfen würden, da sie praktisch keinen Wert hätten und auch von Banken nur gegen hohe Gebühren eingetauscht würden.
(...)
Ein- und Zwei-Cent-Münzen zählen als gesetzliches Zahlungsmittel und müssen daher auch in Finnland von Geschäften angenommen werden, etwa wenn Touristen sie aus anderen Staaten der Euro-Zone mitbringen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass bei Barzahlung der Endbetrag laut Gesetz immer auf 5 Cent gerundet wird. In der Praxis werden Ein- und Zwei-Cent-Münzen trotz der gesetzlichen Verpflichtung nicht immer angenommen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Eurom%C3%BCnzen

Ich habe hier schon öfter auf die unterschiedlichen Wirtschaftskulturen der heterogenen Euroländer hingewiesen. Dies ist ein anderes Beispiel.
Siard hat geschrieben: Ansonsten macht das deutsche Regime eh, was es will, auf Kosten der eigenen Bürger oder wenigstens auf Kosten anderer Staaten (Unterlaufen der 2% Regelung).
Welche 2%-Regelung meinst Du?
Siard hat geschrieben: Wenn die BanRep nicht bald einen Schwenk hinlegt, dann sind die Überlegungen obsolet, weil der Euro nicht zu retten sein wird.
Das wäre natürlich die beste Lösung - Rückkehr zu nationalen Währungen, also zu richtigem statt €speranto-Geld. :breitgrins:

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Samstag 23. Januar 2016, 13:52

Caviteño hat geschrieben:Welche 2%-Regelung meinst Du?
Die der vorgesehenen Inflation. Die Unterschreitung hat der Bundesrepublik zwar vorübergehend (auf Kosten anderer) deutlich genützt, aber die Kosten können am Ende sehr hoch sein.
Caviteño hat geschrieben:Das wäre natürlich die beste Lösung - Rückkehr zu nationalen Währungen, also zu richtigem statt €speranto-Geld. :breitgrins:
Vielleicht, die Staaten, die über ihre Verhältnisse gelebt haben hätten ihren Schuldenschnitt, die, die unter ihren Verhältnissen gelebt haben würden allerdings an Vermögen verlieren.
Und bitte nichts gegen Esperanto. Dein Gebrauch des Wortes ist fehlerhaft.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Protasius » Samstag 23. Januar 2016, 13:59

Siard hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Welche 2%-Regelung meinst Du?
Die der vorgesehenen Inflation. Die Unterschreitung hat der Bundesrepublik zwar vorübergehend (auf Kosten anderer) deutlich genützt, aber die Kosten können am Ende sehr hoch sein.
Es gibt eine vorgeschriebene Mindest-inflation??
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Samstag 23. Januar 2016, 14:14

Protasius hat geschrieben:Es gibt eine vorgeschriebene Mindest-inflation??
Es gibt (gab) eine vorgesehene Inflation von ca. 2%, ja. (Von "Mindest-" war nicht die Rede.)
Das System Euro kann auch nur funktionieren, wenn alle Staaten im Bereich der Inflation sehr nahe beieinander liegen.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Sonntag 24. Januar 2016, 00:56

Siard hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Welche 2%-Regelung meinst Du?
Die der vorgesehenen Inflation. Die Unterschreitung hat der Bundesrepublik zwar vorübergehend (auf Kosten anderer) deutlich genützt, aber die Kosten können am Ende sehr hoch sein.
Die Inflation wird doch nicht von der Regierung "gemacht". Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Neben den Lohnabschlüssen durch die Tarifparteien z.B. auch die Importpreise. Bei einer Exportnation wie D. ist außerdem zu berücksichtigen, das Lohnerhöhungen nicht in voller Höhe auf das nationale Preisniveau durchschlagen (und damit Inflation erzeugen - sofern das wünschenswert wäre). Die Preiserhöhungen für die exportierten Maschine, Kfz usw. treffen dann zunächst einmal den Export, könnten zu einem Einbruch und Arbeitslosigkeit führen.
Im übrigen lagen die Preissteigerungsraten in D. in den Jahrzehnten vor der friedensstiftenden Wirkung des Euros immer erheblich unter den Inflationsraten der südlichen Teilnehmerländer. Das war natürlich auch den Eurovätern bekannt, aber die schoben entsprechende Warnungen beseite. Eine solche Mentalität innerhalb weniger Jahre umzukehren wird weder in die eine noch in die andere Richtung funktionieren.
Die "Angst" der Deutschen vor einer Inflation liegt im zweimaligen Verlust aller Ersparnisse begründet - eine Erfahrung, die sich ganz tief in das nationale Bewußtsein eingegraben hat und von der noch in (fast) jedem Haushalt Geldscheine oder Briefmarken mit irrsinnigen Nominalbeträgen zeugen.
Siard hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Das wäre natürlich die beste Lösung - Rückkehr zu nationalen Währungen, also zu richtigem statt €speranto-Geld. :breitgrins:
Vielleicht, die Staaten, die über ihre Verhältnisse gelebt haben hätten ihren Schuldenschnitt, die, die unter ihren Verhältnissen gelebt haben würden allerdings an Vermögen verlieren.
Der Vermögensverlust ist bereits eingetreten, er würde dann nur offengelegt werden. Der Zahlungsverpflichtung durch die Kreditaufnahme des ESM steht doch nur eine wertlose Forderung an GR gegenüber. Niemand glaubt doch ernsthaft, das GR seine Schulden jemals wieder zurückzahlen wird. Inzwischen wackelt auch schon Portugal (wieder).
Durch nationale Währungen wäre aber künftig (und darauf kommt es an) ausgeschlossen, das verantwortungsvoll wirtschaftende Länder in Geiselhaft genommen werden, wenn andere Länder sich einen höheren Lebensstandard "auf Keife" finanzieren wollen. Das Thema "Euro" wäre für immer abgeschlossen und jedes Land könnte endlich wieder die Wirtschaftspolitik machen, die es selbst für richtig hält.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Sonntag 24. Januar 2016, 09:09

Das ist doch wieder nur die alte Leier: Wir haben alles richtig gemacht, die Welt ist böse.
Stimmt aber nicht. Natürlich hat die Regierung Einfluß auf die Tarifabschlüsse und die Lohnentwicklung genommen. Das System in D ist systematisch untergraben worden.
Der Exporterfolg beruht gerade darauf, daß man anderen Ländern – mit denen man eine Währung teilt – die Märkte genommen hat. Natürlich sind manche Länder daran mitschuld, aber eben auch D (und in geringerem Maße auch A).
D verhält sich als eine unangenehme Hegemonialmacht und wundert sich dann, daß es nicht mehr von allen geliebt wird: DIE sind alle böse.

Die Bundesrepublik hat eben nicht vernünftig gewirtschaftet, sondern eine Gelegenheit genutzt sich auf Kosten anderer zu bereichern. Das ist nicht illegal, aber innerhalb einer selbst gewollten Währung auch sicher kein feiner Zug.
Hoffen wir für (uns) alle, daß die Folgen der Veranstaltung nicht allzu schrecklich werden.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Dienstag 26. Januar 2016, 03:21

Siard hat geschrieben:Das ist doch wieder nur die alte Leier: Wir haben alles richtig gemacht, die Welt ist böse.
Stimmt aber nicht. Natürlich hat die Regierung Einfluß auf die Tarifabschlüsse und die Lohnentwicklung genommen. Das System in D ist systematisch untergraben worden.
Der Exporterfolg beruht gerade darauf, daß man anderen Ländern – mit denen man eine Währung teilt – die Märkte genommen hat. Natürlich sind manche Länder daran mitschuld, aber eben auch D (und in geringerem Maße auch A).
Nein, das ist genau das, was ich hier immer schreibe:
Andere Länder haben eine andere Wirtschaftskultur: Starke Lohnerhöhungen und Herstellung der intern. Wettbewerbsfähigkeit durch lfde Abwertungen der eigenen Währung. In D. will man einen stabilen Geldwert haben. Das hat nichts mit "gut" und "böse" zu tun - es sind durch die Geschichte geprägte wirtschaftliche Werte der europäischen Völker.

Es war doch nicht D., das den Euro mit aller Macht wollte, um hieraus Vorteile zu ziehen. Warum haben sich die Südländer denn so "angestrengt", um in den Club aufgenommen zu werden und dies tlw. sogar mit gefälschten Zahlen? In D. überwog doch die Skepsis, nicht nur bei der Bevölkerung, die den Euro ablehnte, sondern auch z.B. bei der Bundesbank. Auch die Franzosen, die im Gegensatz zu den Deutschen in einem Plebiszit zur Euro-Einführung befragt wurden, stimmten nur mit denkbar knapper Mehrheit von 51,1% zu. Der Gegensatz zur sog. "politischen Elite" (hier: Kongress), der dem Maastrichtvertrag mit 89% zustimmte, zeigt doch deutlich, daß der Euro keineswegs von den "Völkern Europas" unbedingt gewünscht wurde (wobei die Länder mit Schwachwährungen eine Ausnahme waren).

Das war doch alles bekannt - und genauso war klar, daß der sog. "Wettbewerbsvorteil durch Abwertungen" verloren gehen würde.

Einflußnahme der Politik auf die Tarifverhandlungen?
Wann und wo soll die denn stattgefunden haben? Könnte es nicht auch sein, daß die Gewerkschaften in D. verantwortungsbewußter handeln? Schließlich ist ihnen die betriebliche Situation durch die Betriebsräte und ggfs. die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten nicht unbekannt.
Wer die Zahlen kennt und an den Entscheidungen über evtl. Produktionsverlagerungen bzw. -einstellungen beteiligt ist, tut sich eben mit (zu) hohen Lohnforderungen schwerer als die Gewerkschaften des Südens.
Siard hat geschrieben: D verhält sich als eine unangenehme Hegemonialmacht und wundert sich dann, daß es nicht mehr von allen geliebt wird: DIE sind alle böse.

Die Bundesrepublik hat eben nicht vernünftig gewirtschaftet, sondern eine Gelegenheit genutzt sich auf Kosten anderer zu bereichern. Das ist nicht illegal, aber innerhalb einer selbst gewollten Währung auch sicher kein feiner Zug.
Hoffen wir für (uns) alle, daß die Folgen der Veranstaltung nicht allzu schrecklich werden.
D. hat - einigermaßen - vernünftig gewirtschaftet, im Vergleich zu den Südstaaten, die seit Jahren über ihre Verhältnisse leben. Man hat sich hier zwar auch nicht an die Maastricht-Kriterien gehalten, aber zumindest im Augenblick scheint ein Umdenken einzusetzen. Darauf wartet man bei den südlichen Eurostaaten allerdings vergeblich. PT hat inzwischen eine Schuldenquote von 130% und will trotzdem die Sparmaßnahmen wieder rückgängig machen. Für Spanien gilt ähnliches, die früheren Haushaltsüberschüsse sind Vergangenheit. GR scheint überhaupt kein Interesse zu haben, seine Lage in den Griff zu bekommen und fordert nur "Solidaritätszahlungen". Italien macht keine Anstrengungen, von seinem hohen Schuldenberg herunterzukommen und verliert an Wettbewerbsfähigkeit.

Was soll D. denn machen? Gegen die Stimmung in der Bevölkerung eine hohe Inflation herbeiführen? Wie soll das denn gehen? Mittelfristig könnte genau das Gegenteil eintreten:

Mehr Roboter bedeuten tiefere Zinsen
Da die Maschinen immer fortschrittlicher werden, dürften viele Arbeitnehmer ihre Jobs verlieren und bei anderen dürften die Gehälter sinken. Neue Technologien werden auch die Chancen für einen Technologiesprung wie in den 1990er Jahren erhöhen. Diese Kräfte werden zusammenwirken und die Preise überall in der Weltwirtschaft drosseln. Das bedeutet, dass die Ära der niedrigen Inflation, die derzeit den Zentralbanken Probleme bereitet, nur der Anfang dessen ist, was noch kommen dürfte.
"Der technologische Fortschritt wird eine Wiederbelebung der Inflation deckeln", sagte Axel Weber, Verwaltungsratsvorsitzender der UBS und früherer Präsident der Deutschen Bundesbank, in Davos.
Die Sorge ist, dass die sogenannte vierte industrielle Revolution zu Lasten eines zunehmenden Teils der Arbeitskräfte gehen wird. Das heisst, es wird zu Arbeitslosigkeit kommen, ebenso zu Druck auf die Gehälter und damit auf den Konsum, insbesondere bei Arbeitnehmern mit geringer Qualifikation.
(...)
"Wenn die Substituierbarkeit zwischen den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital höher ist als in der Vergangenheit, dürfte die Verhandlungsposition des Faktors Arbeit und dessen Anteil am Einkommen unvergleichbar niedriger werden", sagte er. "Das Ergebnis ist eine deutlich niedrigere Inflation."
Preisfrage:
In welchen Ländern der EU wird diese Entwicklung wohl zuerst stattfinden und welche Auswirkung hat das auf die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen?
Wenn aber die Löhne in D. nur gering steigen (können), weil es sonst zu Betriebsverlagerungen bzw. noch weitergehenden Automatisierungen usw. kommt, wie wollen bzw. können dann die anderen Länder trotz der Euroschwäche gegen D. im Wettbewerb bestehen? :hmm:

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Isidor_von_Sevilla » Dienstag 26. Januar 2016, 07:51

Und noch ein paar, die auf den Zug aufspringen:
SPD-Bundestagsfraktion fordert Aus für 500-Euro-Schein
Natürlich nur um höhere Ziele zu erreichen:
Die SPD will Geldwäsche effektiver bekämpfen.
Es gibt auch solche, die wohl die Sprache verehren, nicht aber DAS WORT anbeten!

Caviteño
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Dienstag 26. Januar 2016, 09:01

Isidor_von_Sevilla hat geschrieben:Und noch ein paar, die auf den Zug aufspringen:
SPD-Bundestagsfraktion fordert Aus für 500-Euro-Schein
Natürlich nur um höhere Ziele zu erreichen:
Die SPD will Geldwäsche effektiver bekämpfen.
:D :kugel: :freude:

Geldwäsche mit Wetterderivaten

Da hilft die Abschaffung des Bargeldes bestimmt..... :D :breitgrins: Andererseits ist es schon erschreckend, welche Unkenntnis im Bundestag Sitz und Stimme hat.....

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Siard
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Dienstag 26. Januar 2016, 09:49

Caviteño hat geschrieben:Wenn aber die Löhne in D. nur gering steigen (können), weil es sonst zu Betriebsverlagerungen bzw. noch weitergehenden Automatisierungen usw. kommt, wie wollen bzw. können dann die anderen Länder trotz der Euroschwäche gegen D. im Wettbewerb bestehen? :hmm:
Ein neoliberaler Glaubenssatz, dennoch (oder gerade deshalb?) falsch.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Dienstag 26. Januar 2016, 14:14

Siard hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Wenn aber die Löhne in D. nur gering steigen (können), weil es sonst zu Betriebsverlagerungen bzw. noch weitergehenden Automatisierungen usw. kommt, wie wollen bzw. können dann die anderen Länder trotz der Euroschwäche gegen D. im Wettbewerb bestehen? :hmm:
Ein neoliberaler Glaubenssatz, dennoch (oder gerade deshalb?) falsch.
Das hat nichts mit "Neoliberalismus" zu tun, sondern mit Globalisierung und Automation. Wenn Dienstleistungen standardisiert sind und praktisch überall auf der Welt erbracht werden können, wenn Güter innerhalb eines Tages um die Welt transportiert werden können, dann verliert der lokale Arbeitsmarkt seine Monopolstellung.

Ein Blick in den Wirtschaftsteil der Zeitungen bestätigt dies. Hier ein Bericht aus der Schweiz, die aufgrund des dort höheren Lohnniveaus und des hohen Frankenkurses davon noch stärker betroffen ist als D.:
Mit der Verlagerung von zentralen Diensten in Niedriglohnländer ist die ABB nicht allein. In der Schweiz hat eine eigentliche Auslagerungswelle bei den Bürojobs eingesetzt. Die UBS gab im November bekannt, sie wolle innert zwei Jahren 4 Informatikstellen von Hochlohnstandorten wie Zürich oder London an billigere Orte wie Krakau verschieben. Die Bank Julius Bär kündigte im Februar an, sie plane Verlagerungen von Jobs aus der Schweiz ins Ausland. Die Flugzeugwartungsfirma SR Technics teilte im April mit, sie baue in Zürich 25 Bürostellen ab und verlagere sie in ein neues Servicecenter in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Der Kabelproduzent Huber + Suhner wird Verwaltungsaufgaben in Finanzen, Einkauf und Informatik von der Schweiz nach Polen verlegen, wie er im Mai bekannt gab.

Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Die Dunkelziffer ist hoch, denn längst nicht jede Verlagerung wird öffentlich gemacht. Begonnen hat die Welle schon vor zehn Jahren. Ganze Personal-, Finanz- und Informatikabteilungen von Grossbanken, Versicherungen oder Pharmakonzernen befinden sich inzwischen in Osteuropa oder Indien. Doch neuerdings sind nicht nur einfachere Aufgaben wie Lohnbuchhaltung, Spesenverwaltung oder Dokumentenablage betroffen. «Zunehmend werden auch komplexe Aufgaben ins Ausland verlagert», sagt Charles Donkor, Unternehmensberater in Personalfragen beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PWC. «Es gibt mittlerweile fast keinen Beruf mehr, der nicht davon betroffen ist.»

Schweizer Firmen verlegen nun sogar Anwaltsdienstleistungen, Unternehmensberatungen, das Ausfüllen von Steuererklärungen, die Aufbereitung von Marktanalysen, die Abwicklung von Bank-transaktionen oder das Zeichnen von Konstruktionen ins billigere Ausland. Betroffen sind kaufmännische Angestellte, Ingenieure, Techniker, Informatiker, Marketingfachleute. Der gesamte Schweizer Angestelltenmittelstand kommt unter Druck. «Diese Entwicklung hat erst vor kurzem begonnen, ist jetzt aber stark im Kommen», sagt Firmenberater Charles Donkor.

Der Verlagerungstrend macht nicht einmal vor Spitälern halt. Erste Schweizer Krankenhäuser lassen die Voranalyse von Röntgen- oder Blutbildern durch indische Ärzte erstellen. Diese sind bestens ausgebildet, finden aber zu einem Bruchteil der Kosten heraus, ob jemand krank ist.
Der Trend hat seine Gründe: In den Niedriglohnländern finden sich heute deutlich mehr gut ausgebildete Arbeitskräfte als noch in der Vergangenheit. Sie machen nun den Angestellten in der Schweiz Konkurrenz. Möglich macht es die Digitalisierung der Arbeitsabläufe. Aufgaben können dank der Onlinezusammenarbeit an unterschiedlichsten Orten der Welt ausgeführt werden.

Fast alle grossen Schweizer Unternehmen haben bereits Shared Services Centers in Niedriglohnländern aufgebaut. Clariant etwa hat die Buchhaltung nach Polen ausgelagert, Sulzer die Lohnbuchhaltung, bei Swiss Re arbeiten Assistentinnen von der slowakischen Hauptstadt Bratislava aus für ihre Vorgesetzten in Zürich.

Die Credit Suisse beschäftigt in der polnischen Stadt Breslau mehr als 36 Mitarbeiter aus den Bereichen Personalwesen, Zahlungsverkehr, Buchhaltung, Informatik und Publikationen. In Breslau werden Arbeitszeugnisse für Mitarbeiter in Zürich geschrieben. Im Februar gab die Grossbank bekannt, sie plane die Verlagerung zusätzlicher Stellen in Länder mit günstigeren Lohnkosten. Zwei weitere Servicezentren betreibt sie in den indischen Städten Mumbai und Pune, eines im US-Bundesstaat North Carolina, wo das Lohn-niveau tiefer liegt als in New York. Die UBS hat bereits 13 Arbeitsplätze in die polnische Stadt Krakau verlagert. Servicezentren der Grossbank befinden sich auch in Nashville und Shanghai, zwei weitere baut sie in Breslau und Pune auf.

Weit gediehen ist die Verlagerung in der Pharmaindustrie. Roche betreibt in Warschau und Madrid Informatikzentren mit insgessamt 75 Stellen und in Budapest ein Finanz- und Personalzentrum mit 45 Stellen. Novartis hat mehrere Dienstleistungszentren aufgebaut, darunter in Hyderabad, Prag, Dublin und Rumänien. Dort werden Informatik-, Personal- und Finanzdienstleistungen für den Konzern erbracht. Nach Hyderabad wurden bereits 24 Stellen verlagert. Novartis kündigte an, dass diese Zahl weitersteigen werde. Das Bürohaus in Hyderabad hat Platz für 8 Angestellte.
http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_1 ... jobs-43652

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Siard
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Dienstag 26. Januar 2016, 16:40

Caviteño hat geschrieben:Das hat nichts mit "Neoliberalismus" zu tun, sondern mit Globalisierung und Automation.
Doch, hat es. Globalisierung und Automation sind letztlich Schreckgespenster. Die Argumentation setzt voraus, daß der Arbeitsmarkt wie ein Gemüsemarkt funktioniert, das tut er aber nicht.
Caviteño hat geschrieben:Wenn Dienstleistungen standardisiert sind und praktisch überall auf der Welt erbracht werden können, wenn Güter innerhalb eines Tages um die Welt transportiert werden können, dann verliert der lokale Arbeitsmarkt seine Monopolstellung.
Letzteres nur, wenn der "Staat" es zuläßt.
Übrigens soll(te) doch gerade der Dienstleistungssektor die Arbeitsplätze in der BanRep bringen. Gut, da wird schlecht (Euphemismus) gezahlt, aber irgendwer wird schon die Steuern zahlen, mit denen die "Regierung" den Stellenabbau subventionieren kann.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Isidor_von_Sevilla » Dienstag 26. Januar 2016, 16:54

Siard hat geschrieben:Globalisierung und Automation sind letztlich Schreckgespenster.
Globalisierung und Automation sind keine Schreckgespenster, sondern ökonomische Realität! :doktor:
Mit Ihrer (Ab-)Qualifizierung als "Schreckgespenst" outest Du Dich als Realitätsverweigerer ........
Es gibt auch solche, die wohl die Sprache verehren, nicht aber DAS WORT anbeten!

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Siard
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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Dienstag 26. Januar 2016, 17:36

Isidor_von_Sevilla hat geschrieben:
Siard hat geschrieben:Globalisierung und Automation sind letztlich Schreckgespenster.
Globalisierung und Automation sind keine Schreckgespenster, sondern ökonomische Realität! :doktor:
Mit Ihrer (Ab-)Qualifizierung als "Schreckgespenst" outest Du Dich als Realitätsverweigerer ........
Nein, sie sind Konstrukte zur Ausbeutung, denn sie sind weder alternativlos, noch zwingend.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Isidor_von_Sevilla » Dienstag 26. Januar 2016, 18:24

Siard hat geschrieben:
Isidor_von_Sevilla hat geschrieben:
Siard hat geschrieben:Globalisierung und Automation sind letztlich Schreckgespenster.
Globalisierung und Automation sind keine Schreckgespenster, sondern ökonomische Realität! :doktor:
Mit Ihrer (Ab-)Qualifizierung als "Schreckgespenst" outest Du Dich als Realitätsverweigerer ........
Nein, sie sind Konstrukte zur Ausbeutung, denn sie sind weder alternativlos, noch zwingend.
Unfug! :ikb_hammer:

Globalisierung und Automation sind empirisch feststellbare Phänomene, die zu leugnen zu der bereits erwähnten Realitätsverweigerung führen! :huhu:
Es gibt auch solche, die wohl die Sprache verehren, nicht aber DAS WORT anbeten!

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Siard » Dienstag 26. Januar 2016, 22:00

Isidor_von_Sevilla hat geschrieben:
Siard hat geschrieben:
Isidor_von_Sevilla hat geschrieben:
Siard hat geschrieben:Globalisierung und Automation sind letztlich Schreckgespenster.
Globalisierung und Automation sind keine Schreckgespenster, sondern ökonomische Realität! :doktor:
Mit Ihrer (Ab-)Qualifizierung als "Schreckgespenst" outest Du Dich als Realitätsverweigerer ........
Nein, sie sind Konstrukte zur Ausbeutung, denn sie sind weder alternativlos, noch zwingend.
Unfug! :ikb_hammer:

Globalisierung und Automation sind empirisch feststellbare Phänomene, die zu leugnen zu der bereits erwähnten Realitätsverweigerung führen! :huhu:
Du hast recht – und ich meine Ruhe.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 27. Januar 2016, 07:54

Siard hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Wenn Dienstleistungen standardisiert sind und praktisch überall auf der Welt erbracht werden können, wenn Güter innerhalb eines Tages um die Welt transportiert werden können, dann verliert der lokale Arbeitsmarkt seine Monopolstellung.
Letzteres nur, wenn der "Staat" es zuläßt.
Einmal abgesehen ob und wie der Staat es verhindern kann/könnte, daß der lokale Arbeitsmarkt im Rahmen der Globalisierung seine Monopolstellung verliert:

Man kann nicht auf der einen Seite immer fordern, daß die "Fluchtursachen" bekämpft werden und sich dann gegen Importe von Produkten (Streitthema: Erdbeeren im Winter) aus diesen Staaten wehren und/oder die Verlagerung von Arbeitsplätzen dorthin gesetzlich verhindern.
Fluchtursachen sind - wie hier in den entsprechenden Strängen - immer wieder deutlich gemacht wurde - nicht nur Bürgerkrieg, sondern auch mangelnde Zukunftsaussichten im eigenen Land. Nicht umsonst existiert der Begriff des "Wirtschaftsflüchtlings".
In vielen Ländern der Dritten Welt gibt es inzwischen eine junge Arbeitnehmerschaft, die viel Geld in ihre Ausbildung (Universitätsbesuch ist in den allermeisten Ländern kostenpflichtig) investiert hat. Sollen sich diese Fachkräfte (hier paßt der Begriff im Gegensatz zu den jetzt einströmenden Migranten) auch auf den Weg nach "Europa" machen, um hier abgewiesen oder unter ihren Kenntnissen illegal beschäftigt zu werden? Ist es da nicht besser für alle Beteiligten, daß sie in ihrer Heimat bleiben und dort von internationalen Gesellschaften beschäftigt werden? :/ :ja:

"Flüchtlingshilfe" bzw. "Bekämpfung der Fluchtursachen" sind nicht nur das Beziehen von Betten in Sammellagern oder wohlfeile Konferenzen - die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Heimatländern ist viel wichtiger. Außerdem lehnen es inzwischen viele Länder ab, nur als Exportmarkt zu dienen. Sie fordern, das ein Teil der Wertschöpfung auch in ihren Ländern stattfindet. Wie soll das geschehen, wenn nicht Arbeitsplätze dorthin "verlagert" werden? :achselzuck:
Siard hat geschrieben: Übrigens soll(te) doch gerade der Dienstleistungssektor die Arbeitsplätze in der BanRep bringen. Gut, da wird schlecht (Euphemismus) gezahlt, aber irgendwer wird schon die Steuern zahlen, mit denen die "Regierung" den Stellenabbau subventionieren kann.
Tja - da lag die Regierung mit ihren Vorhersagen mal wieder daneben, nicht zum ersten Mal.
Der Dienstleistungsektor wird schrumpfen, wie aus dem von mir verlinkten Artikel hervorgeht, denn gerade ein nicht geringer Teil der dort ausgeführten Arbeiten kann in vielen Ländern der Welt erbracht werden. Im Augenblick sind nur Callcenter und Massenarbeiten (Abrechnungen, Dokumentenablage) betroffen. Wenn aber demnächst auch qualifiziertere Arbeiten (tlw. bis zu Forschungsarbeiten) ausgelagert werden, wird es "eng" werden.

Da fragt man sich schon, woher die Kanzlerin den Mut nimmt: "Wir schaffen das"... :achselzuck:

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Dieter » Samstag 30. Januar 2016, 13:05

Ein Obdachloser aus Detroit geht neue Wege, um über die Runden zu kommen. Es geht um Abe Hagenston, der sich auch Honest Abe nennt. Er lebt bereits seit mehr als sieben Jahren auf den Straßen der US-Stadt, momentan residiert er unter einer Autobahnbrücke. Wie "CBS Detroit" berichtet, hat sich Honest Abe etwas einfallen lassen, auf das noch kein anderer Obdachloser vor ihm gekommen ist: Er nimmt nun auch Spenden per EC- und Kreditkarten entgegen.
https://de.nachrichten.yahoo.com/obdach ... 496.html

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Samstag 30. Januar 2016, 13:42

In dem Zusammenhang:

Was passiert dann eigentlich mit dem "Klingelbeutel"? ;D

Dann werden die Spender aus ihrer Anonymität geholt....
aber man kann ja auch per smartphone spenden... :breitgrins: Zur Opferung holt dann jeder sein smartphone und spendet einen Betrag. Dort wo früher mal der Hochalter stand, ist jetzt eine Lichtsäule, die ähnlich wie bei "Hau den Lukas" noch oben schießt und den Betrag anzeigt....

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von umusungu » Samstag 30. Januar 2016, 14:08

Caviteño hat geschrieben:Was passiert dann eigentlich mit dem "Klingelbeutel"?
kein Problem ... es werden Kollektenbons verkauft, wofür auch noch eine Spendenbescheinigung ausgestellt wird.

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Re: Abschaffung des Bargelds - letzter Schritt z. Versklavung

Beitrag von Caviteño » Samstag 30. Januar 2016, 14:37

umusungu hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Was passiert dann eigentlich mit dem "Klingelbeutel"?
kein Problem ... es werden Kollektenbons verkauft, wofür auch noch eine Spendenbescheinigung ausgestellt wird.
:klatsch: :daumen-rauf:

Die können/werden dann als Bargeldersatz genutzt - ähnlich wie die von mir bereits erwähnten amazon-Gutscheine.

Ein Bargeldverbot kann/wird also in verschiedener Weise unterlaufen werden. Deswegen ist mE damit auch nicht zu rechnen, denn diese "Ersatzwährungen" sind noch schwieriger zu kontrollieren als Bargeld. Sie können nämlich von jedem vertrauenswürdigem Wirtschaftssubjekt in jeder beliebigen Stückelung verkauft werden.

Nachtrag:
Die Sache mit der Spendenbescheinigung kann dann allerdings hakelig werden. Wenn die Kollektenbons als Geldersatz dienen (und wie will man das verhindern?), können sie auch zu anderen Arten von Geschäften genutzt werden. Ich kaufe für 100 € Kollektenbons und bezahle damit einen Schwarzarbeiter..... Dann würde ich das auch noch von der Steuer absetzen.... - aus Schwarz mach Weiß, Geldwäsche mit Kollektenbons - faszinierend!

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