Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Samstag 27. Oktober 2018, 12:44

Das dürfte weder Merkel, noch der EU-Kommission und schon garnicht den Italienern gefallen: Der Leiter "Öffentliche Finanzen" bei der Deutschen Bundesbank bringt eine Solidaritätsanleihe für reiche Italiener ins Spiel:

Rom sollte Italiener zur Solidarität verpflichten

Da weiterhin die nationalen Regierungen und Parlamente über die Fiskalpolitik entscheiden und es keine Durchgriffsrechte auf europ. Ebene gibt, müßte die "Solidarität" auch zuerst im eigenen Land von den eigenen Bürgern - die für eine solche Politik gestimmt haben - eingefordert werden, bevor man den europ. (deutschen) Steuerzahler zur Kasse bittet. Ausdrücklich stimmt er den Ausführungen von Salvini bei und dreht den Spieß dabei geschickt um:
Er [=Salvini] erklärte, dass das hohe Privatvermögen in Italien dazu beitragen könne, die hohen Risikoprämien zu senken. (...) Italien ist kein armes Land. Es muss nicht zum Spielball der Finanzmärkte werden. Italien braucht dabei auch keine Schuldenerleichterung oder muss durch Haftungsübernahme anderer Staaten von den Finanzmärkten abgeschirmt werden. Die italienische Staatsschuld ist zwar hoch, dieser steht aber ein hohes privates Vermögen in Italien gegenüber.
Geschickt schlägt er - statt eines europ. Schuldenfonds - einen nationalen Fond vor:
Dieser würde die italienischen Staatsschulden kaufen. Er würde dabei nicht über Eurobonds oder die EZB finanziert, sondern über „nationale Solidaritätsanleihen“. Die italienische Bevölkerung wäre verpflichtet, die Solidaritätsanleihen zu erwerben, und zwar beispielsweise in Abhängigkeit vom Nettovermögen der Haushalte.
Bei einem "Solidaritätssatz" von 20% könnten so ca. die Hälfte der nationalen Schulden in "Solidaritätsanleihen" umgewandelt werden. Den (Zwangs-)"Anleihezeichnern" entstünden keine Vermögensnachteile, da die Schulden vom ital. Staat zurückgezahlt werden müßten/sollten - ein wesentlicher Unterschied zu einer Vermögenssteuer bzw. -abgabe.
Ein schöner Nebeneffekt:
Italienische Wähler wären von einem Zahlungsausfall direkt betroffen und hätten ein stärkeres Eigeninteresse an soliden Staatsfinanzen und einer entsprechenden Politik. Dadurch würde auch an den Kapitalmärkten die Zahlungswilligkeit Italiens weniger in Zweifel gezogen, und die Risikoprämien würden positiv beeinflusst.
Man darf sicher sein, daß ein solcher Artikel nicht ohne Billigung des Bundesbank-Spitze geschrieben und veröffentlicht wurde. Er zeigt deutlich, daß es noch andere Möglichkeiten zur "Rettung" Italiens gibt, als weitere Kredite, garantiert von anderen Euro-Mitgliedsstaaten. Man kann nur hoffen, daß Merkel (oder ihr Nachfolger) bei den in Kürze anstehenden Verhandlungen mit IT eine harte Linie vertreten und diesen Vorschlag vorbringen. Glücklicherweise gibt es im BT wieder eine Oppositionspartei, die solche Vorschläge dankbar aufgreifen, propagieren und verbreiten wird. Es ist dem europ. Steuerzahler tatsächlich nicht zu vermitteln, daß er für die Entscheidungen von Parlamenten und Regierungen zahlen soll, auf deren Zusammensetzung er keinerlei Einfluß hat. Warum soll ein Nordeuropäer zahlen, wenn eine Südregierung meint, den Staatsbeamten höhere Gehälter und den Pensionären steigende Renten auszahlen zu müssen? :achselzuck:

Der Nachteil des Vorschlags:
Er könnte auch als Blaupause für andere Regierungen dienen, das Vermögen der Bürger "abzugreifen". In D. wäre allerdings nicht viel zu holen, denn - entgegen den politischen Beteuerungen - gehören die Haushalte hier zu den ärmeren in der EU.

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Niels
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Niels » Dienstag 20. November 2018, 21:17

Ich habe wenig Mitleid mit den Herrschaften: https://www.welt.de/finanzen/article184 ... Tiefe.html
Surrexit Christus spes mea

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 21. November 2018, 00:21

Niels hat geschrieben:
Dienstag 20. November 2018, 21:17
Ich habe wenig Mitleid mit den Herrschaften: https://www.welt.de/finanzen/article184 ... Tiefe.html
Für Mitleid besteht auch kein Anlaß:

https://pbs.twimg.com/media/DseFUQcXQAA2tOI.jpg

Zwar sind einige Vertreter in der Gruppe inzwischen 50% vom Allzeit-Hoch entfernt, aber auf Sicht von zwei Jahren liegen alle im Plus - im Durchschnitt sogar mit 66%.
Wer bei den letzten Höchstkursen eingestiegen ist, müßte das Risiko gekannt haben - wenn er nicht nur den Sportteil liest....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 21. November 2018, 02:42

Bankbilanzen sind ein trockenes Thema, das es selten auf die erste Seite der Zeitung schafft. Trotzdem können die Auswirkungen immens sein, wie die Verhandlungen über die Bilanzierung notleidender Kredite zwischen EU-Parlament, Kommission, EZB und EU-Finanzministerrat zeigt.

Es geht um die Abschreibung von Bankdarlehn, die vom Schuldner nicht bedient werden. Abschreibungen mindern den Gewinn der Bank und damit auch ihr Eigenkapital. Banken sind jedoch gezwungen, Eigenkapital in einer bestimmten Größenordnung zu haben. Ist dies nicht der Fall, muß man versuchen, sich entsprechende Beträge -meist über eine Kapitalerhöhung- zu beschaffen.

Wann und in welchem Umfang diese notleidenden Kredite abgeschrieben werden müssen ist daher wichtig. Hier gehen die Vorstellungen der Aufsichtsbehörde (EZB) und der Politik erheblich auseinander.
Demnach will das Europaparlament den Geldhäusern erlauben, zwei Jahre lang überhaupt keine Rückstellungen für faule Kredite zu bilden. Für unbesicherte Darlehen sollen die Geldhäuser dann zwar im dritten Jahr hundertprozentig vorsorgen. Doch wenn die faulen Kredite mit Immobilien hinterlegt sind, dann bekommen die Banken insgesamt neun Jahre Zeit für den schrittweisen Aufbau der Rückstellungen.
EU weicht Regeln zu faulen Krediten auf – gegen den Willen der EZB

Die Auswirkungen betrifft fast jeden Sparer, denn
Die EU kann die gemeinsame Einlagensicherung erst dann angehen, wenn Risiken in den Bankenbilanzen begrenzt wurden – und dazu gehören auch und vor allem die notleidenden Kredite.
Ist die Regelung bzgl. des Abschreibungszeitraumes erst einmal "in trockenen Tüchern" wird man sich auf die Umsetzung der gemeinsamen Einlagensicherung stürzen und dem staunenden Volk erklären, daß die Frage der notleidenden Kredite in Bankbilanzen der Süd-Banken "geklärt" sei und man daher "guten Gewissens" der gemeinsamen Haftung für die dortigen Spareinlagen zustimmen könne.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Samstag 1. Dezember 2018, 09:45

Er ist zwar nicht mehr Finanzminister und Chef der Euro-Gruppe. Aber seine Worte dürften trotzdem Gewicht haben und die Überlegungen anderer Stellen darstellen:

Dijsselbloem bringt Schuldenschnitt für Italien ins Gespräch

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 41235.html

Neben den franz. Banken liegt ein großer Teil der ital. Staatsanleihen bei der EZB. Beim Schuldenschnitt für GR wurden diese Papiere mit einer neuen Wertpapierkennnummer versehen und nahmen am Schuldenschnitt nicht teil. Wie würde das im Falle IT aussehen?

Auch die Forderung der franz. Politik, die Bankenunion "zu vollenden" - sprich die Einlagensicherung der Banken zu vergemeinschaften - erscheint dann in einem anderen Bild. Die deutschen Fonds der Einlagensicherung könnten dann nach F. umgeleitet werden. Schließlich sind die Banken dort vollgesogen mit ital. Staatsanleihen. Müßten die abgeschrieben werden, wären die Institute von der Insolvenz bedroht....

Tja - der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, wird immer wieder gesagt. Offensichtlich nur für die Medien, denn in DM-Zeiten konnten sie über solche Probleme nie berichten....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Samstag 1. Dezember 2018, 10:05

Caviteño hat geschrieben:
Samstag 1. Dezember 2018, 09:45
Er ist zwar nicht mehr Finanzminister und Chef der Euro-Gruppe. Aber seine Worte dürften trotzdem Gewicht haben und die Überlegungen anderer Stellen darstellen:

Dijsselbloem bringt Schuldenschnitt für Italien ins Gespräch

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 41235.html

Neben den franz. Banken liegt ein großer Teil der ital. Staatsanleihen bei der EZB. Beim Schuldenschnitt für GR wurden diese Papiere mit einer neuen Wertpapierkennnummer versehen und nahmen am Schuldenschnitt nicht teil. Wie würde das im Falle IT aussehen?

Auch die Forderung der franz. Politik, die Bankenunion "zu vollenden" - sprich die Einlagensicherung der Banken zu vergemeinschaften - erscheint dann in einem anderen Bild. Die deutschen Fonds der Einlagensicherung könnten dann nach F. umgeleitet werden. Schließlich sind die Banken dort vollgesogen mit ital. Staatsanleihen. Müßten die abgeschrieben werden, wären die Institute von der Insolvenz bedroht....

Tja - der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, wird immer wieder gesagt. Offensichtlich nur für die Medien, denn in DM-Zeiten konnten sie über solche Probleme nie berichten....
Die bessere Idee bei einem Schuldenschnitt ist doch, wenn die italienischen Staatsbürger zugunsten ihres Staates enteignet würden; eine Art Lastenausgleich wie in Deutschland nach dem II. Weltkrieg. :emil:
Nach den Vermögensstatistiken der OECD gehören die italienischen Staatsbürger sowieso zu den reicheren Bürgern in der EU.
Wieso sollte denn bspw. die Slowakei für Italien "bluten", wie dies bei einem Schuldenschnitt für die bei der EZB geparkten italienischen Staatsanleihen der Fall wäre? :detektiv:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Samstag 1. Dezember 2018, 14:02

Das wäre nicht nur die bessere Idee, das wäre sogar marktwirtschaftlich zwingend geboten. Schließlich muß das Risiko auch bei demjenigen verbleiben, der die Vorteile (Gewinne) erhält. Wenn man in risikoreiche Anlagen investiert, muß man auch mit dem Totalverlust rechnen.

Über diese grundlegende Aussage dürfte es eigentlich keinen Dissens geben - aber in D. und dem Euro ist das natürlich anders. Da wird sofort nach dem Staat gerufen, wenn ein Verlust droht und den Politikern ist natürlich nichts lieber. Schließlich können sie so als "Retter" auftauchen, der den Verlust abgewandt und den Euro "gerettet" hat.

Erinnern wir uns doch nur an die Bank Monte dei Paschi. Auch da wurden die gemeinsam beschlossenen Regeln einfach außer Kraft gesetzt, weil es politisch opportun war.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 27896.html

Was die von der EZB gehaltenen Anleihen betrifft, wird man mit irgendeinem Taschenspielertrick (s. GR) vermeiden, daß dort Verluste anfallen. Ggfs. wird umgeschuldet in Anleihen mit Laufzeiten bis zum Jahr 9999. Gibt es nicht? :D

Zweifelhafte Werte
Auf der Liste der Sicherheiten der Europäischen Zentralbank findet sich eine portugiesische Anleihe aus dem Jahr 1943. Sie soll möglicherweise erst in rund 8000 Jahren zurückgezahlt werden: am 31.12.9999.
Doch schon heute ist die bizarre Anleihe zum Beispiel für eine portugiesische Bank richtig wertvoll. Denn die kann das Papier bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Sicherheit einreichen und im Gegenzug frische Euro erhalten. Weil der internationale Kapitalmarkt für Banken aus Portugal, Griechenland und den anderen europäischen Krisenländern so gut wie geschlossen ist, sind sie auf das Geld der Zentralbank dringend angewiesen.
Es muß ja nicht 9999 sein - 2199 wäre im Grunde genauso widersinnig, hört sich nur nicht so weit entfernt an. Wer würde aber eine Garantie abgeben, daß der Euro, die EU oder sogar Portugal 2199 noch bestehen?

Vielleicht Herr Juncker.... :D :patsch:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 11. Dezember 2018, 11:22

Ein anderes Urteil hatte wohl auch niemand erwartet:

EZB-Anleihenkäufe sind rechtens

Das BVerfG hatte seinerzeit erhebliche Zweifel geäußert - der EuGH sieht so etwas "locker".

Für den Euro gilt das alte deutsche Sprichwort: Mitgegangen - mitgefangen - mitgehangen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 7. April 2019, 17:17

Deutscher Target-Saldo steigt auf 941 Milliarden Euro

Der zweithöchste Saldo in der Geschichte des Euros - aber alles gut, solange kein Land aus dem Euro austritt, meint die Bundesbank....

Allerdings impliziert diese Aussage auch das Erpressungspotential der Südländer. :breitgrins:
Wetten, daß wir bald wieder von der gemeinsamen Einlagensicherung, der europaweiten Arbeitslosenversicherung und gemeinsamen Euro-Anleihen hören werden. :ja:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 28. Mai 2019, 17:20

Es geht schon los:

Matteo Salvini: EZB sollte Staatsschulden garantieren
Es sei nicht richtig, dass die Renditen italienischer Staatsanleihen höher seien als die von anderen Ländern der Euro-Zone. Die EU-Regeln sollten darauf abzielen, die Arbeitslosigkeit zu senken und nicht darauf, das Defizit-Ziel von Drei-Prozent einzuhalten.
Da wird man sicherlich Wege finden, um die EZB einzubinden.....
Die Chancen für Herrn Weidmann die Nachfolge von Herrn Draghi anzutreten, dürften wohl sinken.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 2. Juni 2019, 18:58

Facebooks neue Weltwährung
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Facebook an einer eigenen Kryptowährung arbeitet. Nun sind einige Details durchgesickert. Die Währung – nennen wir sie FB-Coin – soll an den Dollar gebunden sein. Sie soll nicht ausschließlich Zahlungen zwischen Facebook-Nutzern ermöglichen, sondern offen für alle sein. Wenn die staatlichen Regulierer dem Projekt keinen Strich durch die Rechnung machen, könnte mit einer Kryptowährung wie dieser die Revolutionierung unseres Geldwesens beginnen.
In dem Artikel wird ausgeführt, daß durch eine solche facebook-Währung der Einfluß des US-Dollars und der US-Notenbank ganz erheblich steigen würde, da die Währung an den USD gekoppelt sein soll. Warum sollte die FED dann Einwendungen erheben?

Als Gegenspieler kämen nur die chin. Tech-Konzerne in Frage - sofern der Yuan frei konvertierbar wäre. Vom Euro ist überhaupt nicht mehr die Rede.

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Siard
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Siard » Sonntag 2. Juni 2019, 19:41

Caviteño hat geschrieben:
Sonntag 2. Juni 2019, 18:58
Facebooks neue Weltwährung
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Facebook an einer eigenen Kryptowährung arbeitet. Nun sind einige Details durchgesickert. Die Währung – nennen wir sie FB-Coin – soll an den Dollar gebunden sein. Sie soll nicht ausschließlich Zahlungen zwischen Facebook-Nutzern ermöglichen, sondern offen für alle sein. Wenn die staatlichen Regulierer dem Projekt keinen Strich durch die Rechnung machen, könnte mit einer Kryptowährung wie dieser die Revolutionierung unseres Geldwesens beginnen.
In dem Artikel wird ausgeführt, daß durch eine solche facebook-Währung der Einfluß des US-Dollars und der US-Notenbank ganz erheblich steigen würde, da die Währung an den USD gekoppelt sein soll. Warum sollte die FED dann Einwendungen erheben?

Als Gegenspieler kämen nur die chin. Tech-Konzerne in Frage - sofern der Yuan frei konvertierbar wäre. Vom Euro ist überhaupt nicht mehr die Rede.
Eine solche "Kryptowährung" wäre überflüssig (es gibt ja schon an den Dollar gebundene), aber um die Leichtgläubigen enger an die Kandare zu nehmen ist sie sicher geeignet.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Juergen » Sonntag 2. Juni 2019, 19:52

Siard hat geschrieben:
Sonntag 2. Juni 2019, 19:41
Eine solche "Kryptowährung" wäre überflüssig…
Ein Kropf ist auch überflüssig – gib es trotzdem Bild

Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Siard » Sonntag 2. Juni 2019, 19:56

Juergen hat geschrieben:
Sonntag 2. Juni 2019, 19:52
Siard hat geschrieben:
Sonntag 2. Juni 2019, 19:41
Eine solche "Kryptowährung" wäre überflüssig…
Ein Kropf ist auch überflüssig – gib es trotzdem Bild

Ach ne, was Du nicht sagst! :fieselschweif:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von TeDeum » Dienstag 4. Juni 2019, 07:17

Die Frage ist, was man damit bezwecken will? Nach den Datenskandalen werden typische Krytowährungsbesitzer einen Bogen machen. Gibt ja auch genug Alternativen.

Die grosse Mehrheit der Nutzer ist von den Medien gedrillt auf "Achtung gefährliche Kryptowährung" und wird kaum oder nur sehr wenig investieren. Vielleicht sofern man zwangsweise Facebook Anzeigen und Items in Facebook Spielen mit der neuen Währung begleichen muss, könnte man eine Nutzung forcieren. Aber das wäre ein zu harter Schritt. Glaube ich nicht.

Sinnvoller wäre in meinen Augen Facebook als Plattform zu sehen und darüber die Bitcoins, Etherums & co. dem normalen Internetnutzer leichter zugänglich zu machen. Gegen Vermittlerprovision natürlich.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 4. Juni 2019, 10:20

TeDeum hat geschrieben:
Dienstag 4. Juni 2019, 07:17
Die Frage ist, was man damit bezwecken will? Nach den Datenskandalen werden typische Krytowährungsbesitzer einen Bogen machen. Gibt ja auch genug Alternativen.
Die Frage wird ja in dem Artikel beantwortet. Es handelt sich eben nicht um eine Kryptowährung, deren "Kaufkraft von der Erwartung der Anleger" abhängt - wie beim Bitcoin. Der Bitcoin kann zwar auch zum Bezahlen (vor allem in grauen und unregulierten Märkten) genutzt werden; er ist aber wohl überwiegend ein Spekulationsobjekt. Die FB-Währung dagegen soll fast ausschl. dem Geldtransfer dienen; ein Bankkonto ist dann nicht mehr nötig.

Auch bzgl. der Akzeptanz gibt es unterschiedliche Einschätzungen, die sich aufgrund der hohen Nutzerzahlen ergeben:
Facebook schätzt, dass jeden Monat 2,7 Milliarden Menschen Facebook, Whatsapp, Instagram oder Messenger nutzen. Nicht alle Nutzer werden FB-Coin als Zahlungsmittel nutzen wollen. Doch wenn sich nur ein Viertel von ihnen für FB-Coin erwärmen würde, hätte diese Kryptowährung mehr Nutzer, als die Vereinigten Staaaten und der Euroraum zusammen an Einwohnern haben. Facebook kann nur in einigen wenigen Ländern der Welt (darunter China) nicht genutzt werden. Folglich hätten die meisten Menschen der Welt Zugang zu FB-Coin. Da die Marke stark, die Kaufkraft bekannt und die Zahlungen billig wären, hätte FB-Coin das Zeug zu einer Weltwährung.
Die von Dir angesprochenen Probleme beim Datenschutz spielen in Europa, vor allem in D., und den USA eine Rolle - in vielen Ländern der Welt kümmern sich die FB-Nutzer wenig darum - sofern sie weiterhin auf ihren account zugreifen können. Insbesondere in Entwicklungsländern ist FB stark vertreten und diese Länder haben häufig nicht so stabile Währungen; das Vertrauen in Banken ist nicht besonders ausgeprägt. Gleichzeitig reist die junge Bevölkerung gerne.
Mit dem FB-Coin hat man eine gute Möglichkeit, beides unter einen Hut zu bringen. Man kauft eine Weltwährung, auf die eine Regierung keinen Zugriff hat. Gleichzeitig kann man das Geld auch bei Auslandsreisen nutzen und damit bezahlen - und FB hat ein dort ein größeres Vertrauenspotential als viele lokale Banken.

Inzwischen wurde bekannt, daß die geplante FB-Währung Global Coin heißen soll. Gespräche mit staatlichen Stellen in den USA und GB werden bereits geführt; die Einführung soll lt. Bericht der BBC im ersten Quartal 2020 sein:

Facebook plans to launch 'GlobalCoin' currency in 2020

Auch die anderen US-Tech-Konzerne arbeiten an einer eigenen Kryptowährung:

Wie Apple, Facebook und Google mit Hilfe von Kryptowährungen Banken ablösen werden

Auf einen ganz anderen Aspekt möchte ich noch hinweisen:
In Zeiten, in denen über Negativzinsen oder einer Abzinsung von Bargeld nachgedacht wird, könnte eine solche "Währung" eine besondere Attraktion entfalten. Schließlich hätte weder EZB noch Bundesregierung darauf einen Einfluß.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 4. Juni 2019, 19:00

Bereitet Italien eine Parallel-Währung vor?

Italiens Parallelwährung ist Sprengstoff für die Euro-Zone

Das Parlament hat den Weg für die bereits vor einigen Jahren angedachten "Mini-Bots" geebnet:
Der Staat soll künftig das Recht haben, mit diesen Schuldscheinen heimische Lieferanten zu bezahlen. Die Rede ist von einem zweistelligen Milliardenbetrag. Zugleich darf der Fiskus diese Papiere auch zur Begleichung von Steuerschulden annehmen. Damit scheint die Definition von Zahlungsmittel erfüllt, zumal die Mini-Bots, wie die Bezeichnung „Mini“ andeutet, in kleiner Stückelung (zum Beispiel 100 Euro) ausgegeben werden sollen.
Von da an ist es nur noch ein Kleiner Schritt zu einer Parallelwährung, und das ist genau das, was Matteo Salvini, Chef der rechten Lega und stellvertretender Ministerpräsident, damit bezwecken könnte.
Vor allem ist es ein Drohmittel gegenüber den Nordstaaten - denn die Einführung einer Parallelwährung erleichtert ein Ausscheiden aus dem Euroverbund. Man erklärt einfach die Parallelwährung zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel und der Euro hat dann nur noch den Charakter einer Devise.

IT will die Maastricht-Regeln ändern und mehr Schulden aufnehmen, für die die EZB bürgen soll. Natürlich sollen auch noch EU-Hilfen massiv in den Süden umgeleitet werden. Auch die gemeinsame europ. Einlagensicherung, eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung und eine Erstattung der "Flüchtlingskosten" gehören zu den Forderungen.
Schließlich müssen die geplanten Konjunkturprogramme und Steuersenkungen finanziert werden. Die Verhandlungen werden schwierig werden und von deutscher Seite von einer Kanzlerin auf Zeit oder eine(r)m neuen Kanzler(in) ohne Erfahrung auf diesem Gebiet geführt werden. Da glaubt wohl niemand, daß die den Mut haben werden, den Euro aufs Spiel zu setzen. Für harten Widerstand muß man dann auf Herr Rutte hoffen....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 5. Juni 2019, 08:06

Die Bundesbank weist eindeutig auf die Gefahren hin, die sich durch ital. Mini-bots ergeben könnten:

German Bundesbank comes clean on euro default risks after Italy's 'parallel currency' decree

Verständlich - schließlich stehen deutschen Target-II-Forderungen iHv deutlich mehr als 400 Mrden € allein gegen IT im Feuer....

Insgesamt nähern sich die Forderungen der Billionen-Grenze, mehr als das Doppelte des Bundeshaushalts. Aber Hauptsache, "wir" retten das Klima.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Siard » Mittwoch 5. Juni 2019, 08:30

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 5. Juni 2019, 08:06
Insgesamt nähern sich die Forderungen der Billionen-Grenze, mehr als das Doppelte des Bundeshaushalts. Aber Hauptsache, "wir" retten das Klima.
Die spinnen, die Piefke. ;D

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 5. Juni 2019, 17:31

Siard hat geschrieben:
Mittwoch 5. Juni 2019, 08:30
Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 5. Juni 2019, 08:06
Insgesamt nähern sich die Forderungen der Billionen-Grenze, mehr als das Doppelte des Bundeshaushalts. Aber Hauptsache, "wir" retten das Klima.
Die spinnen, die Piefke. ;D
Wer wollte dem nach dem Wahlen zum EU-Parlament widersprechen?!

Nur in D. hat die Klimahysterie ein solches Ausmaß erreicht. :traurigtaps:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von de_las_casas » Sonntag 16. Juni 2019, 07:36

Zur Klärung des politischen Kampfbegriffes "Neoliberalismus":
Ist der Neoliberalismus wirklich an allem schuld?

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 23. Juni 2019, 11:56

Warum Macron sich mit Weidmann als EZB-Chef anfreunden kann:

Gefahr für Ihr Geld - EU-Kommission und EZB-Präsident: 5 Ohrfeigen und der Falke fliegt niedrig
Damit ist ein geldpolitischer Weg vorgezeichnet, den wohl auch Weidmann zu gehen bereit ist, interpretiert man seine Signale: Noch niedrigere Zinsen, noch höhere Belastung der Sparer und Inhaber von Lebensversicherungen, noch weitere Verschärfung der längst bedrohlichen Schieflage deutscher Banken – alles für den Euro.
Genau damit ist die Frage beantwortet, warum Macron den Deutschen Weidmann als EZB-Präsidenten unterstützen kann: Weidmann ist längst kein hochfliegender Falke mehr. Er hat versprochen, zukünftig als Taube tief zu flattern.
(...)
Zyniker dürften es sogar reizvoll finden, einen deutschen EZB-Präsidenten zu installieren, der die Linie des von Tauben dominierten Zentralbankrats weiterführen muss; Deutschland und die bislang lästige Bundesbank sind endlich gezähmt und in die Geldpolitik nach italienisch-französischem Muster eingebunden.
Der Bevölkerung hier wird man das einen Erfolg der "Verhandlungskunst" der Kanzlerin verkaufen: Nach einem Niederländer, einem Franzosen und einem Italiener jetzt ein Deutscher als EZB-Chef. Da werden doch sofort Erinnerungen an die Bundesbank wach, deren Ansehen weder eine Bundesregierung noch eine andere Institution in der alten Bundesrepublik das Wasser reichen konnte. Der Satz des früheren Präsidenten der EZB "Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle (glauben) an die Bundesbank" kann da als Beispiel dienen. Man hätte auf die warnenden Stimmen hören sollen:
John Major, britischer Schatzkanzler, Die Zeit, 6. Juli 1990
""Ich bin schwer davon zu überzeugen, dass eine europäische Zentralbank in der Antiinflationspolitik ebenso wirkungsvoll sein wird, wie es die Bundesbank ist.""

Margaret Thatcher, ehemalige britische Premierministerin, Der Spiegel, 25. Oktober 1993
""Wenn ich Deutsche wäre, würde ich die Bundesbank und die D-Mark auf alle Fälle behalten.""

Prof. James M. Buch­an­an, Virginia Polytechnic and State University, Han­dels­blatt, 15. Mai 1996
""Lasst euch eure Bundesbank nicht kaputtmachen. Die Zerstörung der Frankfurter Zentralbank werde die Deutschen und Europa noch teuer zu stehen kommen.""
https://www.bundesbank.de/de/presse/pre ... tik-607848

Tempi passati..... :traurigtaps:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 30. Juni 2019, 15:48

Peinlich, wenn man in seiner Machtbesoffenheit die Pistole falsch ansetzt und sich ins eigene Knie schießt.

Zur Vorgeschichte:
Die Schweiz und die EU verhandeln ein neues Rahmenabkommen; die EU hat den Text verabschiedet, die Schweiz sieht noch Klärungsbedarf und will nicht unterschreiben. Die EU fürchtet ein schlechtes Beispiel für den Brexit-Deal und zieht die Daumenschrauben an. Sie entzieht der Schweizer Börse SIX die Äquivalenz, d.h. die dortige Börse ist in ihren Augen nicht "gleichwertig" und damit dürfen Finanzhäuser in der EU dort keine Aktien mehr kaufen oder verkaufen. Da die Schweiz mit Nestlé, Novartis, Roche ua sehr interessante Unternehmen hat, glaubte man an einen Erfolg.
Aber der Schweizer Bundesrat (= Regierung) drehte den Spieß um und verbot den Handel mit Schweizer Aktien an EU-Börsen. Jetzt müssen die EU-Handelshäuser in der Schweiz handeln, weil in der EU der Handel verboten ist und die Mifid-Vorschriften ausdrücklich einen Handel dort vorschreiben, wo es ausreichendes Angebot und Nachfrage gibt - also in der Schweiz.
Bisher hatten Akteure aus Europa drei Möglichkeiten, um mit Schweizer Aktien zu handeln: Erstens an der SIX Swiss Exchange, zweitens auf den Börsenplätzen Europas und drittens auf weiteren von der EU anerkannten Börsen. Neu fällt die zweite Möglichkeit weg.
Europäische Banken und Finanzintermediäre müssten daher für den Handel mit Schweizer Aktien neu auf die SIX ausweichen, oder auf Börsen wie New York oder Singapur, erklärte Langlo. Mit dem Wegfall der Äquivalenz dürften daher die Handelsvolumen an der Zürcher Börse, die den liquidesten Markt für Schweizer Aktien betreibt, gar zunehmen.
Dank der Reaktion des Bundesrats, dürfte die von der EU mit Blick auf das zögerliche Vorankommen in den Verhandlungen um ein Rahmenabkommen mit der Schweiz ergriffenen Sanktionsmassnahmen auf sie selber zurückfallen, glaubt Langlo.
https://www.handelszeitung.ch/politik/e ... rofitieren#

Betroffen ist wieder einmal der kleine Anleger, der nun zu höheren Gebühren in Zürich kaufen bzw. verkaufen muß. Die großen player haben eine Zulassung in der Schweiz, sie interessiert das Gehampel der EU-Kommission nicht.

Die EU zeigt wieder einmal ihr häßliches Gesicht und straft ihrem Gerede von "guter Nachbarschaft" Lügen. Die Brexit-Verhandlungen lassen grüssen. Auch dort war nicht das Ziel, ein für alle vorteilhaftes Abkommen zu erzielen. Man wollte stattdessen Nachahmer abschrecken. Wie schwach ist eine Institution, die ihre "Vorteile" nur mit solchen Maßnahmen "verkaufen" kann.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 3. Juli 2019, 16:57

Christine Lagarde soll Mario Draghi als Chef der EZB ablösen. Dazu ein Kommentar in der NZZ:
Damit sind künftig die Posten des Präsidenten und des Vizepräsidenten bei der EZB mit ehemaligen Politikern besetzt.
(...)
Der wenig erfreuliche Trend, dass Politiker an die Spitze von Notenbanken rücken, zeigt sich auch bei einigen nationalen Notenbanken der Euro-Zone. So haben zwei der neueren Mitglieder des EZB-Rates, der Finne Olli Rehn und der Slowake Peter Kazimir, ebenfalls eine politische Karriere hinter sich.
(...)
Damit erhöht sich die Gefahr, dass es bei der EZB zu viele Vertreter gibt, die viel Verständnis für die Haushaltsnöte nationaler Regierungen haben – jedenfalls vermutlich mehr Verständnis als so mancher Notenbanker mit geldpolitischem oder wissenschaftlichem Hintergrund.
Politiker erobern die EZB – und gefährden dadurch die Unabhängigkeit der Notenbank

Wurden auch Politiker auf den Chefsessel der Bundesbank gehievt? Da fällt mir nur Ernst Welteke ein, allerdings war im Zeitpunkt seiner Ernennung (durch seinen Mit-Genossen Eichel) bereits der Euro als Buchwährung existent und die Bundesbank hatte ihren geldpolitischen Einfluß an die EZB verloren. Hans Tietmeyer war zwar Ministerialbeamter, aber als beamteter Staatssekretär kein Politiker.

Wahrscheinlich muß es so sein, weil man die Schwächen des Euros kennt und einen Zerfall befürchtet. Da wird Lagarde -ähnlich wie Draghi- gegensteuern - "whatever it takes". :traurigtaps:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Mittwoch 10. Juli 2019, 07:58

Ein Menetekel, das vor lauter „Klimawandel“ und „Seenotrettung“ kaum einer sehen will:

Gastbeitrag von Marc Friedrich und Matthias Weik auf Focus Money

Massenentlassungen statt Klimawandel: Warum wir freitags bald ganz andere Demos sehen
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 10. Juli 2019, 09:40

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 07:58
Ein Menetekel, das vor lauter „Klimawandel“ und „Seenotrettung“ kaum einer sehen will:

Gastbeitrag von Marc Friedrich und Matthias Weik auf Focus Money

Massenentlassungen statt Klimawandel: Warum wir freitags bald ganz andere Demos sehen
Die zweite Gewinnwarnung von BASF am Montag abend paßt zu diesen Vorhersagen. Der Gewinn soll 30% unter dem Vorjahresergebnis liegen und der Umsatz werde sich rückläufig entwickeln, heißt es jetzt. Das Fatale daran:
Die Probleme betreffen nicht allein die BASF. Die schwache Autokonjunktur, die schlechten Geschäfte mit China sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China gehen alle Unternehmen an. Die Chemieindustrie ist eine Art Frühindikator für die Wirtschaft. Mit ihren Vorprodukten versorgt die Chemie nahezu alle Branchen. Eine sinkende Nachfrage bekommen Unternehmen wie die BASF zuerst zu spüren – vor allen anderen.
https://www.wiwo.de/unternehmen/industr ... 73994.html

Wo sind eigentlich die vielen Hundert Mrden € geblieben, die dem Staat durch steigende Steuereinnahmen und sinkende Zinsen zur Verfügung standen? Investiert wurde nur wenig und wenn, dann in die Bestandserhaltung, aber selbst dazu reichte es nicht immer. Die Folgen sieht man jetzt: marode Straßen- und Schienenwege, ein Digitalnetz auf niedrigem Niveau und die Vollzugsorgane des Staates mit dem Zuzug von über einer Million kulturfremder Migranten restlos überfordert. Dazu ein Stromnetz, das sich immer öfter am Rande des Zusammenbruchs bewegt und großspurige Pläne (E-Autos), bei denen niemand weiß, wie man die Voraussetzungen schaffen soll.

Alles in allem keine guten Voraussetzungen, wenn es jetzt zu einer Rezession kommen sollte. Dazu auch noch Schwierigkeiten mit den größten Handelspartnern: Die USA drohen mit Strafzöllen, in China kippt die Konjunktur und bzgl. GB/Brexit ist Merkel mehr an einer "Bestrafung" interessiert, um Nachahmer abzuschrecken als an einer vernünftigen Regelung, die auch der deutschen Wirtschaft nützt.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 15. Juli 2019, 21:34

Jetzt schrillen die Alarmglocken oder Selbstsicherheit und Vertrauen in die Vorteile der eigenen Währung sehen anders aus:

Finanzministerium sieht Libra als Bedrohung für den Euro
Das Bundesfinanzministerium sieht einer Zeitung zufolge Facebooks geplante digitale Währung Libra als Bedrohung für den Euro. Es bestehe ein Risiko für die staatliche Hoheitsgewalt, berichtete „Bild“ vorab unter Berufung auf ein internes Papier des Ministeriums. „Ein ‘Wettbewerb’ zwischen staatlicher und privater Währung könnte sich negativ auf das Währungsmonopol der EZB auswirken“, zitiert die Zeitung daraus.
Eine neue "Fluchtwährung" ist das Letzte, was der Euroraum brauchen kann. Gefährlich würde es insbesondere, weil man keine Kontrolle hat. Konten in CHF oder USD bei EU-Kreditinstituten können gesperrt, ausl. Banknoten müssen gelagert werden und Devisenkontrollen wären bei Libra nicht durchsetzbar. Selbst Bankschließungen wären wirkungslos, wenn Zahlungen über Libra abgewickelt werden.

Außerdem soll Libra über blockchain funktionieren und ein "wallet" im Netz ist kaum zu beschlagnahmen. Bei einer neuen Eurokrise können die Menschen dann in die neue Währung Libra drängen, vielleicht zunächst nur in den betroffenen Ländern und später im gesamten Euroraum.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Von dem Versprechen, daß der Euro so stark oder noch stärker als die DM werde, ist nichts geblieben.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Sonntag 28. Juli 2019, 06:11

Johannes Eisleben

Wie kippt der Schuldenturm?
Der wichtigste Destabilisierungsfaktor für unsere Gesellschaft ist kurzfristig weder der Klimawandel, die Migrationskrise noch die Dauerkrise der EU, sondern der Zustand unseres Finanzsystems: Wir leben in einer Zeit massiver, stetig wachsender privater und öffentlicher Überschuldung; und wie alle solche Phasen wird auch diese mit einem Crash enden. Die Frage ist nur, welche Art von Crash uns dieses Mal bevorsteht. Denn Finanzkrisen nehmen verschiedenen Gestalten an. Wichtige Formen sind der Staatsbankrott, die Bankenkrise und die Währungskrise. Derzeit sieht es so aus, als sei die nächste Krise wieder eine Bankenkrise [...].
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 28. Juli 2019, 07:10

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Sonntag 28. Juli 2019, 06:11
Johannes Eisleben

Wie kippt der Schuldenturm?
In dem Zusammenhang ist auch der jüngste Vortrag von Prof. Sinn über die Entwicklung der Weltwirtschaft interessant. Er dauert zwar 1:15 Stden, wird aber nie langweilig:

https://www.youtube.com/watch?v=9b8IRUG ... e=youtu.be

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 29. Juli 2019, 10:13

Nicht nur facebook will mit Libra eine eigene Währung etablieren, auch bei amazon gibt es entsprechende Gedankenspiele und die Einführung eines "amazon-Dollars" erscheint mittelfristig nicht ausgeschlossen.

http://norberthaering.de/de/27-german/n ... ltwaehrung

Im Vergleich mit Banken haben die großen IT-Unternehmen gute Chancen. Sie könnten sogar problemlos Kredite vergeben, denn die Bonität der Kunden läßt sich auch aus deren online-Verhalten bestimmen, wie eine Forschergruppe feststellte:
Solche Daten sind die Art des genutzten Geräts und dessen Betriebssystem, ob man direkt oder über eine Suchmaschine oder ein Preisvergleichsportal kommt, der E-Mail-Provider, ob man Groß- und Kleinschreibung beachtet, ob man sich vertippt und ob die E-Mail-Adresse Vornamen oder Nachnamen enthält. „Mit ihrem überlegenen Zugang zu digitalen Fußabdrücken und ihrer überragenden Fähigkeit, diese zu verarbeiten, können die FinTechs das Geschäftsmodell der Banken gefährden“, schließen die Autoren.
Die IT-Unternehmen hätten also gewaltige Vorteile; als Beispiel wird China angeführt. Dort sänken die Margen der Banken und die Kunden wanderten ab.

Insbesondere in Ländern mit schwachen Währungen würde die Bevölkerung von der globalen Zweitwährung gern Gebrauch machen.
Aber auch bei vermeintlich stabilen Währungen könnten sich Auswirkungen ergeben. Wie würden sich z.B. die Italiener verhalten, wenn der Druck zu stark wird und IT mit einer Aufgabe des Euros liebäugelt? Würde man den umständlichen Weg gehen, ein Euro-Konto in D. zu eröffnen oder einfach den amazon-Dollar kaufen? :hmm:

Das Geschäftsmodell der Banken wackelt und selbst das Geldmonopol der Staaten könnte bald nicht mehr alternativlos sein.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 11. August 2019, 10:39

Bis zur finalen Systemkrise

Ein Kommentar zu den Negativzinsen, die im Augenblick wegen Themen Klima und Migration kaum diskutiert werden.
Als der Euro 1999 als Buchgeld eingeführt wurde, kassierten deutsche Sparer um die vier Prozent Realzinsen, das heißt nach Berücksichtigung der Geldentwertung. Danach ging es mit Unterbrechungen im Trend abwärts bis auf nahezu minus zwei Prozent (bei Nullzinsen und einer Inflation in Höhe von 1,9 Prozent im vergangenen Jahr). Die Sparer werden planmäßig enteignet beziehungsweise mit einer Steuer belegt, die nicht so heißt und die zwecks Eurorettung seit Jahren erhoben wird.
(...)
Die Deutschen werden sich noch wundern, wie hoch der für den Euro zu entrichtende Preis ausfallen wird. Gelddrucken, Nullzinsen, Umverteilung und Verarmung sind die Bedingungen seines Überlebens. Die Alternative bestünde darin, das mißlungene Experiment zu beenden.
Leider hat Salvini den Gedanken an einen Austritt IT aus dem Euroverbund von sich gewiesen. Aus seiner Sicht verständlich, verspricht doch die Erpressung der anderen Nordstaaten viel mehr. Man muß nur damit drohen, die Target-II-Salden nicht zu begleichen - und schon wäre die Bundesbank "pleite". So wird D. weiterhin in den Süden exportieren, seine Export"erfolge" feiern und anschreiben lassen. Zahlen müssen die Südländer nicht - der Eurovertrag und die EZB machen den kostenlosen Einkauf möglich.

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