Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 13. März 2016, 00:08

Die Überschussreserven der Banken der Euro-Zone belaufen sich auf rund 700 Mrd. Euro. Es ist also mehr als genug Liquidität vorhanden und bald schon kommen monatlich 80 Mrd. Euro hinzu. Die neuen vierjährigen Kredite sind hauptsächlich für jene Banken gedacht, die keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben, weil kein privater Investor bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Zur Erinnerung: Die faulen Kredite der italienischen Banken sind auf rund 200 Mrd. Euro gestiegen. Das war eine Verfünffachung gegenüber Anfang 2009. Die Geldhäuser leiden seit Jahren unter der schwachen Konjunktur auf dem Heimatmarkt und der Niedrigzinspolitik der EZB. Mit den neuen vierjährigen Krediten führt die EZB den angeschlagenen Instituten über einen Umweg Kapital zu. Ganz offen sagt die EZB das natürlich nicht. Laut den Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) liegen die faulen Kredite der Banken der Euro-Zone insgesamt bei knapp einer Billion Euro. Da fühlt sich Draghi zum Handeln gezwungen.

Mit dem frischen Geld hält Draghi die schwer angeschlagenen Institute am Leben (siehe auch hier die Kritik der Ökonomen am EZB-Entscheid). Gleichzeitig werden sie über die Strafzinsen der vierjährigen Kredite dafür bezahlt, dass die Institute Schulden machen – welcher Irrsinn. Der Sinn der Übung ist nicht zuletzt, dass sie weiterhin Staatsanleihen kaufen können. Dabei liegen die Schulden vieler Länder der Euro-Zone auf Besorgnis erregenden Niveaus. Frankreich hat 2,1 Billionen Euro Schulden. Italien steht mit 2,2 Billionen Euro in der Kreide, dabei ist die Wirtschaftsleistung Italiens nur etwas mehr als halb so groß wie die Deutschlands (Schulden: 2,2 Billionen Euro). Spanien hat 1,1 Billionen Euro Schulden. Gleichzeitig werfen Staatsanleihen von Ländern der Euro-Zone im Volumen von Billionen von Euro Strafzinsen ab. Die Investoren bezahlen also die Länder dafür, dass sie Schulden machen, obwohl die Länder bereits verschuldet sind bis zur Unterkante Oberlippe. Nur mit Draghis immer gigantischerem Gelddrucken kann das Spiel am Leben gehalten und sogar immer weiter auf die Spitze getrieben werden.

Vielen normal Denkenden dürfte klar sein, dass das Experiment böse enden wird und die Steuerzahler am Ende für Draghis Irrsinn teuer bezahlen werden.
Der Steuerzahler ist der Dumme

Was passiert eigentlich, wenn IT oder F den Euroverbund verlassen? :hmm: In beiden Ländern gibt es Parteien (Fünf Sterne bzw. FN), die eine solche Forderung erheben. Darüber mag man garnicht nachdenken......
Andererseits kann es auch keine Lösung sein, noch immer mehr Geld nachzuschießen, um diesen Ländern Reformen zu ersparen und sie im Euro zu halten. Das Beispiel GR zeigt doch allen, das Politiker nicht willens und/oder in der Lage sind, die Zeit zu nutzen.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 18. März 2016, 11:24

Das sollte eigentlich zu denken geben:

Munich Re lagert Gold und Bargeld ein
Um die Folgen der EZB-Politik abzufedern, habe Munich Re demnach bereits damit begonnen, Bargeld in zweistelliger Millionenhöhe im eigenen Haus zu lagern. Daran sei zu erkennen, wie ernst die Munich Re die Situation sehe, sagte er. Bomhard will demnach prüfen, ob sich dadurch Kosten einsparen lassen. "Wir testen das jetzt mal", sagte er wörtlich. Ähnliche Pläne hatten zuvor auch einige Sparkassen bereits in Erwägung gezogen. Dabei geht es vor allem darum, den Strafzins für die Geldaufbewahrung bei der EZB durch die Einlagerung im eigenen Tresor zu vermeiden.
Angesichts negativer Zinsen habe sich die Munich Re als Teil ihrer Vermögensanlage zudem einen Vorrat an Gold in den Tresor gelegt, wie von Bomhard erklärte.
Die Munich Re ist als weltgrößter Rückversicherer ein besonnenes und solides Unternehmen, das für Kontinuität steht. Unüberlegte Handlungen oder häufige Wechsel sind Unternehmen und Vorstand fremd. Es war die einzige Versicherung, die nach dem San-Francisco-Erdbeben 1906 alle Schäden regulieren konnte und dann noch zahlungsfähig war. Seit ihrer Gründung 1880 hatte die Gesellschaft acht Vorstandsvorsitzende. Im gleichen Zeitraum gab es elf Päpste....

Leider werden die Warnungen, auch wenn sie von derart kompetenter Stelle ausgesprochen werden, von der Politik wohl unbeachtet bleiben.
Zuletzt geändert von Hubertus am Freitag 18. März 2016, 19:06, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Link repariert.

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martin v. tours
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von martin v. tours » Freitag 18. März 2016, 13:58

Natürlich wird es von der Politik unbeachtet bleiben.
Diese, sich selbst überschätzenden Clowns taumeln doch nur mehr von einer Meinungsumfrage bis zur nächsten BILD-Schlagzeile.
Oder siehst Du noch irgendwo eine Politik mit Sachverstand und langfristiger Strategie und Planung ?
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 1. April 2016, 18:18

Man sollte sich einfach nur einmal die Zahlen anschauen:

http://wko.at/statistik/eu/europa-verschuldung.pdf

Staatsschuldenquote (=Schulden in % des Bruttoinlandprodukts) in den Jahren 2 - 214 (und der geschätzten Entwicklung bis 217) für den Euroraum, die übrigen EU-Länder, anderer europ. Staaten sowie der USA und Japan.

Interessant der Anstieg in einigen Euro-Ländern im Zeitraum 2 - 214:
Frankreich von 58,7% auf 95,6%
Griechenland von 14% auf 178% - trotz Schuldenschnitt in 212.
Irland von 36% auf 17%
Portugal von 5% auf 13%
Slowenien von 26% auf 8%
Spanien von 58% auf 99%
Zypern von 55% auf 18%

Von den Euro-Staaten erfüllen in 216 nur Estland, Lettland, Litauen, Luxemburg und die Slowakei das 6%-Kriterium. Der ganze Rest müßte eigentlich den Euro verlassen oder rausgeschmissen werden. Der durchschnittliche Schuldenstand der Eurozone liegt bei 92,7%.

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Torsten
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Torsten » Sonnabend 2. April 2016, 11:55

Hast du denn auch ein paar Zahlen zur Vermögensentwicklung- und verteilung? Oder kannst du mal erläutern, woher diese Schulden denn kommen?

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Juergen
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Juergen » Sonnabend 2. April 2016, 13:27

Caviteño hat geschrieben:Von den Euro-Staaten erfüllen in 2016 nur Estland, Lettland, Litauen, Luxemburg und die Slowakei das 60%-Kriterium. Der ganze Rest müßte eigentlich den Euro verlassen oder rausgeschmissen werden. Der durchschnittliche Schuldenstand der Eurozone liegt bei 92,7%.
Die Deutsche Wiedervereinigung wurde mit dem Euro erkauft. Sonst hätten Frankreich den Zwei-plus-Vier-Vertrag nicht unterschrieben. Schon die alte Quasi-Kopplung des franz. Franc an die DM war ein Kuhhandel. Ohne die beiden Sachen stünde Frankreich heute schlechter da als Italien (133%) oder Griechenland .
Gruß
Jürgen

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 2. April 2016, 15:27

Juergen hat geschrieben:Die Deutsche Wiedervereinigung wurde mit dem Euro erkauft. Sonst hätten Frankreich den Zwei-plus-Vier-Vertrag nicht unterschrieben. Schon die alte Quasi-Kopplung des franz. Franc an die DM war ein Kuhhandel. Ohne die beiden Sachen stünde Frankreich heute schlechter da als Italien (133%) oder Griechenland .
Das hört man immer wieder.
Richtig ist, daß die Überlegungen zum Euro in den Zeitraum 1989/90 fielen. Andererseits erscheint es mir aber ziemlich unwahrscheinlich, daß man eine solche Zusage machen bzw. Bedingung stellen konnte, die erst Jahre später (unter ganz anderen Regierungen) verwirklicht wurden. Niemand konnte in 1990 sicher sein, daß die Parlamente des Jahres 1996/97 diese Entscheidung wieder aufheben würden.

Man sollte auch nicht vergessen, daß der Euro selbst in Frankreich heftig umstritten war. Die Volksabstimmung zum Maastricht-Vertrag vom 20. 09. 1992 wurde in Frankreich mit denkbar knapper Mehrheit 51,05% entschieden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Maastricht-Vertrag nicht nur die Wirtschafts- und Währungsunion umfaßte, sondern auch eine gemeinsame Außen-und Sicherheitspolitik sowie die Unionsbürgerschaft.
In Dänemark wurde z.B. der Maastricht-Vertrag in einer Volksabstimmung abgelehnt.
Schweden ist z.B. verpflichtet, den Euro einzuführen. Gleichwohl hat es - entgegen dieser Verpflichtung - am 14. 09. 2003 eine Volksabstimmung zu dieser Frage durchgeführt und erwartungsgemäß entschied man sich mit einer Mehrheit von 56% gegen dessen Einführung.

Natürlich war das Interesse der anderen europ. "Partner" darauf gerichtet, das wiedervereinigte D. einzubinden und die Wirtschafts- und Währungsunion war dazu ein probates Mittel. Gleichwohl hätte es später noch genügend Möglichkeiten gegeben, die Sache zu "beerdigen". Auch Kohl konnte zu dem Zeitpunkt nicht abschätzen, ob und ggfs. wie stark der Widerstand in der Bevölkerung gewesen wäre. Eine völkerrechtliche Verpflichtung gab es jedenfalls nicht und nachdem Frankreich dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zugestimmt hatte - welches Druckmittel hätte es bei einer demokratischen Entscheidung des Bundestages gehabt? :hmm:

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Juergen
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Juergen » Sonnabend 2. April 2016, 15:50

Caviteño hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:Die Deutsche Wiedervereinigung wurde mit dem Euro erkauft. Sonst hätten Frankreich den Zwei-plus-Vier-Vertrag nicht unterschrieben. Schon die alte Quasi-Kopplung des franz. Franc an die DM war ein Kuhhandel. Ohne die beiden Sachen stünde Frankreich heute schlechter da als Italien (133%) oder Griechenland .
Das hört man immer wieder.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/h ... 1968.html
Gruß
Jürgen

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 2. April 2016, 15:51

Torsten hat geschrieben:Hast du denn auch ein paar Zahlen zur Vermögensentwicklung- und verteilung? Oder kannst du mal erläutern, woher diese Schulden denn kommen?
Zur Vermögensverteilung innerhalb der Eurozone wird immer wieder auf die bekannte Studie der EZB aus 213 verwiesen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article11 ... Platz.html

Ich halte allerdings Aussagen über das "Vermögen" für ziemlich gewagt - um es einmal zurückhaltend zu formulieren. Die Schwierigkeit liegt neben der Erfassung vor allem in der Bewertung. Mit welchem Wert sollen denn z.B. eigengenutzte Immobilien angesetzt werden? Welchen Wert hat im betrieblichen Bereich ein Fabrikgrundstück, ein Patent, ein Markenrecht, ein Kundenstamm - also die sog. immateriellen Wirtschaftsgüter? Wie sollen die in xx Jahren fälligen Rentenansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung bewertet werden, wenn der Staat sie mit einem Federstrich entwerten kann? Schließlich - und diese Frage habe ich hier schon häufig gestellt - wie konnten die Albrecht-Brüder als die reichsten Deutschen bezeichnet werden, wenn "ihr Vermögen" in Stiftungen liegt und damit ein Zugriff ausgeschlossen ist? :hmm:
Es ist nun einmal nicht so, das "Vermögen" nur aus Bankguthaben oder börsennotierten Anteilsscheinen besteht. Die Ermittlung eines genauen Wertes ist praktisch nicht möglich. Daher messe ich Aussagen über die Vermögenshöhe der "Superreichen" keine Bedeutung bei.

Bei der Frage nach dem "woher" mußt Du mir schon sagen, was Du meinst:
Gilt die Frage dem Entstehen der Schulden, so kann man auf die Staatshaushalte verweisen. Werden die Ausgaben dort nicht ausschließlich durch Steuern und Abgaben gedeckt, nimmt man Schulden auf. Mit anderen Worten, der Staat konsumiert (i.S.v. "ausgeben") heute mehr, als er erwirtschaftet (= einnimmt), man leistet sich einen höheren Standard, egal ob die Ausgaben in den Sozialbereich, die Infrastruktur oder als "Hilfszahlungen" verwandt werden.
Gilt die Frage der Finanzierung, so kann man auf die Gläubiger verweisen. Die größten Positionen halten dabei die großen Kapitalsammelstellen (Pensionskassen, Versicherungen, Investmentfonds), die wiederum die Gelder ihrer Mitglieder oder Anleger verwalten.
Deutschlands größter Einzelgläubiger ist wohl die SNB (Schweizer Nationalbank) - wahrscheinlich im Wettstreit mit der EZB. :D Ob bei der gegenwärtigen Zinssituation der Gläubigerstatus mit Vorteilen verbunden, darf wohl bezweifelt werden.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 15. April 2016, 14:28

Daß die Vereinbarungend der EU nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben werden, wissen wir nicht erst seit Maastricht und Schengen/Dublin. Ein neuer Beweis ist jetzt die Richtlinie zur Bankenabwicklung. In ihr wurde festgelegt, daß nicht der Steuerzahler, sondern die Gläubiger haften sollen, sofern ihr Guthaben den gesicherten Betrag von 1. € übersteigt.

Italien (wer sonst?) hat diese Regeln - natürlich mit dem Segen der EU-Kommission - umgehen können. Jetzt sollen nicht die Gläubiger haften, sondern die notleidenden Kredite werden auf bad banks übertragen und für die haftet - richtig, der Steuerzahler.
Die Idee dieser sogenannten «Bail-in»-Regeln ist es, dass beim Kollaps einer Bank Aktionäre, Anleihegläubiger und letztlich auch Sparer mit Einlagen von mehr als 1 € vorrangig zur Kasse gebeten werden. Dies soll den Steuerzahler, der in der Finanzkrise in Europa ein ums andere Mal zur «Rettung» maroder Banken einspringen musste, in Zukunft schonen. Seit Anfang 216 ist der Ausschuss für die einheitliche Abwicklung («Single Resolution Board») aktiv. Diese Behörde ist für den Abwicklungsmechanismus für europäische Banken zentral. Doch was ist von den neuen «Bail-in»-Regeln zu erwarten, und lassen sich diese im Ernstfall überhaupt anwenden?
Markus C. Kerber, Professor an der Technischen Universität Berlin und Kläger gegen die Bankenunion, hält die «Bail-in»-Regeln bereits jetzt für gescheitert. Schon beim ersten Fall, bei dem sie zur Anwendung hätten kommen sollen – in Italien –, habe dies schliesslich nicht funktioniert. Politisch lasse sich eine solche Beteiligung der Aktionäre und Gläubiger sowie der Sparer nicht vermitteln. Aus Angst vor dem Zorn der Gläubiger und der Bevölkerung sei der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi davor zurückgeschreckt, die «Bail-in»-Regeln anzuwenden. Stattdessen hat die italienische Regierung entschieden, Spezial-Vehikel («bad banks») sollten faule Kredite aus Bankbilanzen übernehmen, diese verbriefen und am Kapitalmarkt verkaufen. Manche dieser Tranchen sollen staatlich garantiert werden.
Laut Kerber hat es eine Kollusion zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung gegeben, um die «Bail-in»-Regeln zu suspendieren und die Beihilfevorschriften zu umgehen – wohl aus Angst vor der Ansteckungsgefahr von Bankenkonkursen für andere Finanzhäuser. Dies sei skandalös. Die EU-Kommission hatte im Februar festgestellt, dass die Pläne der italienischen Regierung keine staatliche Beihilfe darstellten. Hätte sie anders entschieden, hätten die «Bail-in»-Regeln angewendet werden müssen. Aus Sicht von Kerber steckt hinter diesem Entscheid, dass die EU-Kommission den Euro auf Gedeih und Verderb retten wolle. Dies lasse sich auch damit erklären, dass viele Akteure in den europäischen Institutionen und vor allem der Europäischen Zentralbank (EZB) um ihre eigenen Posten kämpften. Wenn das Euro-Projekt scheitere, drohten sie diese zu verlieren.
http://www.nzz.ch/finanzen/fonds/politi ... t-ld.1426

Unter diesem Gesichtspunkt ist die durch die Bankenunion langfristig vorgesehene Vergemeinschaftung der Einlagensicherung bedenklich. Die Regierungen der Südländer - das sind die mit den ganz maroden Banken - werden natürlich versuchen, die Kosten auf den europäischen (also vorwiegend nordeuropäischen und damit überwiegend deutschen) Steuerzahler zu schieben. Da dies nicht direkt möglich ist, werden die gut gefüllten Töpfe der deutschen Einlagensicherung das Ziel der Begierde. Man wird also auf eine gemeinsame Einlagensicherung drängen oder - alternativ - die bereits vorgesehene Bankenrettung durch den ESM einfordern.

Wer zahlt in beiden Fällen?
Ironisch kann man sagen: Wer schon keine Zinsen mehr auf sein Sparguthaben bekommt, kann dies auch gleich abliefern....

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Raphael
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Freitag 29. April 2016, 13:20

Wechselt jetzt auch Jens Weidmann (Weidmann sieht keine „Enteignung“ der Sparer) in das Lager der Pippi-Langstrumpf-Ökonomen? :hmm:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Freitag 29. April 2016, 13:28

Zur Reform einer angemessenen Besteuerung höherer Kapitalerträge müssen als erstes die Steuerschlupflöcher dicht gemacht und die Steuerfluchtschlepper zur Verantwortung gezogen werden.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Freitag 29. April 2016, 13:49

Die politisch Verantwortlichen dürfen dabei nicht außen vor bleiben. Das EU-Parlament sollte daher einen Untersuchungsausschuss einrichten zur Förderung der Steuerflucht in einzelnen Mitgliedsländern. Insbesondere soll der Ausschuss klären, inwieweit die Mitgliedsländer durch schädigendes Verhalten gegen Gemeinschaftsrecht verstoßen haben. Auch EU-Kommissionspräsident Juncker sollte vor dem Ausschuss aussagen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 29. April 2016, 14:37

Raphael hat geschrieben:Wechselt jetzt auch Jens Weidmann (Weidmann sieht keine „Enteignung“ der Sparer) in das Lager der Pippi-Langstrumpf-Ökonomen? :hmm:
Vermutlich ist man in Frankfurt mit seinem Latein am Ende. Egal was man macht: Die Preise steigen nicht.
Man kann die Zinsen auch nicht erhöhen, dann wären alle Südländer sofort in der Pleite, denn sie haben sich an die geringen Zinsen gewöhnt. Wie sollten sie z.B. eine Verdoppelung des Zinses verkraften? Das gilt nicht nur für die Staatshaushalte sondern auch für die Privatleute, die z.B. Hauskredite günstig aufgenommen haben. Nicht in allen Ländern sind Zinsfestschreibungen über mehrere Jahre üblich. In Spanien, Italien und Portugal gibt es meist nur eine variable Verzinsung, die bei manchen Instituten dazu geführt hat, daß man statt Zinsen zu zahlen, eine Gutschrift erhält.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Spanische ... 17761.html

Man darf wohl davon ausgehen, das bei einer Zinserhöhung viele dieser Kredite notleidend würden. Das brächte die Banken in Schwierigkeiten, denn gerade diese Staaten haben Gesetze erlassen, die es den Banken häufig verbieten oder sehr erschweren, die Sicherheiten (= die Wohnung/das Haus) zu verwerten. Brechen aber die Banken zusammen bzw. schreiben sie Verluste, haben die Staaten ein Problem.
Aus diesen Gesichtspunkten kann ich schon nachvollziehen, daß die EZB alles tun muß, um die Zinsen niedrig zu halten - will sie nicht den Staatskollaps des gesamten Südgürtels riskieren. 6 Mio Italiener, 46 Mio Spanier und jeweils 1 Mio Griechen und Portugiesen sowie der Erhalt des Euros sind wirkungsmächtiger als die Kollateralschäden bei der Altersvorsorge und den Ersparnisse von 8 Mio Deutschen.
Der Fehler ist der Euro. Sein Preis - der Verzicht auf eine nationale Geldpolitik - ist für D. zu hoch - und "gerettet" ist er auch nicht. Ganz im Gegenteil, es bahnt sich neues Unheil an:
Europas Krisenmanager schauen derzeit in die falsche Richtung. Während Brüssel nach Osten blickt, wo die Verhandlungen mit Griechenland mal wieder feststecken und den Hellenen spätestens im Sommer das Geld ausgeht, droht ein Wiederaufflackern der Schuldenkrise nun im Westen der Währungsunion.
Ausgerechnet die allenfalls Experten bekannte kleine Ratingagentur DBRS könnte den Zündfunken liefern: Die Kanadier entscheiden am Freitag mit ihrer Bewertung der Bonität Portugals darüber, ob das hoch verschuldete Land aus dem Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) herausfällt und damit von einer wichtigen Lebensader abgeschnitten wird. Sollten die Bonitätsprüfer den Daumen senken, dürften sich die Märkte auf das Land stürzen und womöglich auch die wackelige Regierung zu Fall bringen. Eine neue Euro-Krise wäre die Folge.
Die EZB darf nur Staatsanleihen von Ländern mit hoher Kreditwürdigkeit – im Fachjargon "Investment Grade" genannt – kaufen. Die EZB folgt einer einfachen Regel. Das jeweils beste Rating wird zur Beurteilung eines Wertpapiers herangezogen. Nur die wenigsten wissen, dass hierfür nicht nur die Noten der drei Großen – S&P, Moody's und Fitch – genommen werden, sondern auch die der Nischenagentur DBRS. Bei den Kanadiern gilt Portugal gerade noch als investierbar, während die drei Konkurrenten in Lissabon keinen soliden Schuldner mehr sehen und die Anleihen mit "Schrott" bewerten.
Am Freitag könnte DBRS nachziehen. Gründe für ein Rating-Cut gäbe es zahlreiche. Portugal gehört mit einer Schuldenquote von 13 Prozent zu den unsolidesten Ländern der Währungsunion. Lediglich in Griechenland und Italien sind die Quoten noch höher. Auch die politische Situation im Land ist alles andere als stabil.
(...)
Gleichzeitig ist auch das Finanzsystem äußerst anfällig für Schocks. Es existiert eine gefährliche Abhängigkeit von den Staatsfinanzen des Landes. Nach Berechnungen von Bloomberg haben die Banken im Durchschnitt fast zwölf Prozent ihrer Bilanzsumme in portugiesischen Anleihen investiert. Damit wird die Rating-Entscheidung von DBRS noch brisanter, könnte doch ein Downgrade auf den Bankensektor übergreifen.
Fallende Staatsanleihen würden die Banken schwächen, und strauchelnde Kreditinstitute würden wiederum die Bonität des Staates weiter gefährden. Ohnehin leiden die Kreditinstitute unter Kreditausfällen. Das Volumen an faulen Firmenkrediten beträgt schon jetzt mehr als 13 Milliarden, jeder sechste verliehene Euro ist notleidend.
(...)
Zwar könnte die EZB kurzfristig die Regeln für die Anleihe-Aufkäufe ändern, allerdings würden dann Griechenland und Zypern umgehend ähnliche Ausnahmen einfordern. Und das dürfte insbesondere Proteste in Deutschland auslösen. Schließlich haftet Berlin für einen Teil der aufgekauften Staatsanleihen.
http://www.welt.de/finanzen/article1548 ... nents.html

Wahrscheinlich wird man Portugal nicht fallen lassen und sollte die Ratingagentur wirklich den Daumen senken, wird die EZB ihre Kriterien ändern. Aber all das ist doch keine nachhaltige Politik! :nein: Man wurschtelt sich von einer Rettungsmaßnahme zur nächsten, versteckt die Kosten in Schattenhaushalten (ESM), die Druckerpressen laufen heiß und die Altersvorsorge der deutschen Bevölkerung schmilzt wie Eis in der Sahara.

Solange der Euro bestehen bleibt, werden sich die Probleme nicht lösen lassen. "One size fits all" funktioniert eben nicht bei Ländern mit unterschiedlicher Wirtschaftsstruktur, falls keine einheitlichen Sozialstandards und Dauertransfers eingeführt werden. Aber will die deutsche Bevölkerung das? :nein:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 20. Mai 2016, 15:49

Zwei lesenswerte Aufsätze - veröffentlicht von der Ludwig-Erhard-Stifung:

EZB - Dem Geld-Diktator entgegentreten

Roland Tichy beschäftigt sich mit den neuen Klage gegen die Politik der EZB, die von einigen Professoren vor wenigen Tagen in Karlsruhe eingereicht wurde und die sich ua auch gegen das Kaufprogramm für Unternehmensanleihen richtet:
Weil die EZB in gigantischem Maßstab aufkauft, wird es für Unternehmen noch billiger, sich zu refinanzieren. So will McDonald’s seine ersten Eurobonds seit Jahren platzieren – und der Steuerzahler haftet dafür, dass der “Hamburger-Riese” diese auch zurückzahlt. Das macht für den global tätigen Konzern die Finanzierung billiger – das Risiko tragen die europäischen Staaten.
Es gibt aber auch Verlierer: Kleinere Unternehmen wie der deutsche Mittelstand und Familienunternehmen, die sich nicht am Kapitalmarkt orientieren, müssen vergleichsweise höhere Finanzierungskosten tragen. Die EZB subventioniert auf Kosten der Steuerzahler Konzerne und globale Unternehmen.
Prof. Sinn schreibt auch über die EZB: Die enthemmte Zentralbank

Er greift erneut die Problematik der Target-Salden auf, die sich inzwischen wieder auf 609 Mrden € belaufen - Kredite, die die Bundesbank vor allem an die Länder des Südens gibt. Prof. Sinn hat sich immer für den Euro ausgesprochen, glaubt an seine "Reformierbarkeit". Deswegen sind die letzten Sätze so bemerkenswert:
Es ist nun an der Zeit, dass die deutsche Bundesregierung ihren Kurs ändert und dem Treiben ein Ende bereitet. Sie verfügt über die rechtlichen und faktischen Mittel dafür. Dabei geht es nicht um die Einschränkung der Unabhängigkeit der EZB, sondern darum, die EZB in ihre Schranken zu verweisen. Zur Unabhängigkeit gehört es nach der Stellungnahme des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2014 nämlich nicht, dass die EZB die Grenzen ihres Mandats selbst bestimmen kann. Sie kann nur innerhalb dieses Mandats frei agieren und wird unter anderem durch das Verbot der monetären Staatsfinanzierung und das Verbot der Rettung von Pleitestaaten (Artikel 123 und 125 AEUV) beschränkt. Im Übrigen könnte die Bundesregierung jederzeit den Maastrichter Vertrag kündigen und eine Novellierung der Regeln verlangen, unter denen die EZB agiert. Schon die Drohung mit solchen Schritten würde Wunder wirken.
Es scheint, als verliere sogar Prof. Sinn alle Hoffnung auf ein gutes Ende.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Torsten » Freitag 20. Mai 2016, 19:56

ludwig-erhard-stiftung.de hat geschrieben:EZB: DEM GELD-DIKTATOR ENTGEGENTRETEN

20. MAI 2016 ROLAND TICHY

[...]

DIE GEWINNER DER EZB-POLITIK

Wenn nun das Ziel, die Inflation zu steigern, ohnehin fragwürdig ist und Deutschland weitgehend in Haftung für Unternehmen genommen wird – wer profitiert dann von diesen Maßnahmen der EZB? Laut Kerber “betreibt die EZB im Gewande der Geldpolitik die Sanierung der Südländerbanken”. Deren Anleihen, obwohl höchst fragwürdig und gefährdet, werden angekauft. Die Gefahr besteht, dass ihr notwendiger Bankrott für die südeuropäischen Schuldenländer schwerwiegende Folgen hat, denn diese Banken wiederum kaufen die fragwürdigen Staatsanleihen von Italien, Portugal, Griechenland und Frankreich auf. Es geht also darum, die Kreditmaschinen der Schuldenländer intakt zu halten. Letztlich stützt die EZB damit die Finanzierungskassen der Südländer – und dies, obwohl diese Banken immer fragwürdiger werden. So wackeln allein im italienischen Bankensystem bis zu 360 Milliarden Euro Kreditforderungen. Diese fragwürdigen Kredite könnten über den Umweg des Anleihekaufprogramms der EZB bei der Deutschen Bundesbank und damit beim deutschen Steuerzahler landen.
Das sind also die Gewinner, Südländer wie Frankreich und Italien,deren Banken immer fragwürdiger werden. (Warum? Weil Franzosen und Italiener nicht wirtschaften können und nichts taugen?) Der Verlierer ist der deutsche Sparer.

Die Lösung wäre einfach: Franzosen und Italiener müssen an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Von Griechenland und Portugal ganz zu schweigen. Es muss Schluss sein mit dem Leben auf Pump, es muss produziert und exportiert - es muss Geld verdient werden.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi » Freitag 20. Mai 2016, 20:18

Torsten hat geschrieben: Die Lösung wäre einfach: Franzosen und Italiener müssen an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Von Griechenland und Portugal ganz zu schweigen. Es muss Schluss sein mit dem Leben auf Pump, es muss produziert und exportiert - es muss Geld verdient werden.
Das geht aber offenbar im Euro nicht oder nur sehr, sehr schwer. Vor dem Euro konnte man abwerten in diesen Ländern.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 21. Mai 2016, 06:51

Edi hat geschrieben:
Torsten hat geschrieben: Die Lösung wäre einfach: Franzosen und Italiener müssen an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Von Griechenland und Portugal ganz zu schweigen. Es muss Schluss sein mit dem Leben auf Pump, es muss produziert und exportiert - es muss Geld verdient werden.
Das geht aber offenbar im Euro nicht oder nur sehr, sehr schwer. Vor dem Euro konnte man abwerten in diesen Ländern.
Damit ist ganze Dilemma auf den Punkt gebracht.
Man kann nicht Länder wie D. oder NL mit einer modernen, exportorienterten und weltmarktfähigen Industriestruktur in eine Währungsunion zusammen mit Ländern wie GR, Malta, Zypern oder Portugal stecken. Selbst in IT wäre allenfalls der Norden mit der Eurozone kompatibel. Dazu kommen noch die wirtschaftliche Kultur, die sich von den Nordeuropäern unterscheidet. Dazu muß man nur auf die Lohnerhöhungen in der Vergangenheit bzw. die Abwertungen blicken.

Deswegen wird der Euro auch langfristig nicht funktionieren - die Volkswirtschaften und die Volksmentalitäten sind zu unterschiedlich. Der Euro ist eine Träumerei der "politischen Elite"; Länder ohne Euro haben sehr wohl Vorteile.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 27. Mai 2016, 19:01

Vor wenigen Tagen wurde GR erneut von den Euro-Finanzministern "gerettet". Die deutschen Bevölkerung wird dabei erneut "geleimt", denn ein Schuldenschnitt - wie ihn IWF und GR fordern und der von D. vehement(?) abgelehnt wird - soll nun 218 erfolgen - nach den Bundestagswahlen. Gedanken hierzu von Wolfram Weimer:
Doch diesmal liegt neben dem faulen Dauer-Rettungs-Ei noch ein zweites dickes Ding. Um den IWF an Bord der fragwürdigen „Rettungspolitik“ zu halten, hat die Bundesregierung diesmal einem gewaltigen Schuldenschnitt (im Diplomaten-Europäisch heißt das „Wiederherstellung der griechischen Schuldentragfähigkeit“) zugestimmt.
(...)
Für die deutsche Öffentlichkeit ist die Nachricht freilich ein mittleres Erdbeben, denn der Schuldenschnitt träfe vor allem deutsche Steuerzahler. Sie müssten letztlich dafür zahlen, dass Griechenland jahrelang Misswirtschaft und Täuschungspolitik betrieben hat – und am Ende auch noch dafür belohnt wird.
Daher hat die Bundesregierung den Schuldenschnitt bislang immer abgelehnt. Nun nicht mehr. Jetzt wird auf Zeit gespielt. Der Kompromiss mit dem IWF sieht vor, dass der Schuldenschnitt im Jahr 218 kommen soll. Das Kalkül der Bundesregierung: Damit wird das Thema aus dem Bundestagswahlkampf 217 herausgehalten.
Wenn die Bundesregierung aber glaubt, dass sie mit diesem billigen Ablenkungsmanöver durchkommt, dann schätzt sie die Stimmung in Deutschland grotesk falsch ein. Schon jetzt, unter dem Eindruck der Migrationskrise, rücken immer größere Teile der Wählerschaft von den Volksparteien ab, weil sie das Vertrauen in deren Politik verlieren. Das Thema Schuldenschnitt kann man nicht beschließen, die Debatte aber vertagen und hoffen, dass es niemand merkt. In Wahrheit wird der Griechenland-Elephant, der im deutschen Wohnzimmer zwischengeparkt und zum Schweigen gebeten wird, damit nicht kleiner. Nun hat die AfD eine neue Steilvorlage für den Wahlkampf.
(...)
Berlin mag noch politische Nebelkerzen werfen, doch in Wahrheit ist nun klar, dass Deutschland viele Milliarden seiner Rettungshilfen abschreiben muss. Und schlimmer noch: Die Griechenlandkrise wird auch damit nicht beigelegt sein, weil das Land sich seiner fehlenden Wettbewerbsfähigkeit nicht wirklich stellt. Es zeigt sich, dass ein (vorübergehender) Austritt Athens aus der Euro-Zone, so wie es Schäuble einst wollte, der klügere Weg für alle Seiten gewesen wäre.
Nun ist jede Menge Geld verspielt worden – und Glaubwürdigkeit dazu. Der vermeintlich clevere Trick mit dem Schuldenschnitt nach den Wahlen hellenisiert obendrein die politische Moral Deutschlands. Es handelt sich schlichtweg um schlechte Politik. Merke: Schlechte Politiker denken nur an die kommenden Wahlen, gute aber an die kommende Generation.
http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 562.html

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Sempre
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Sempre » Freitag 27. Mai 2016, 23:55

Caviteño hat geschrieben:
[...]der Schuldenschnitt träfe vor allem deutsche Steuerzahler. Sie müssten letztlich dafür zahlen, dass Griechenland jahrelang Misswirtschaft und Täuschungspolitik betrieben hat – und am Ende auch noch dafür belohnt wird.
Müssen die Steuerzahler nicht letztlich dafür zahlen, dass Merkel das Geld zum Fenster hinausgeworfen hat und wirft? Was kann denn der Grieche dafür, wie Merkel handelt?
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Raphael
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Sonnabend 28. Mai 2016, 08:22

Sempre hat geschrieben:Müssen die Steuerzahler nicht letztlich dafür zahlen, dass Merkel das Geld zum Fenster hinausgeworfen hat und wirft? Was kann denn der Grieche dafür, wie Merkel handelt?
In der derzeitigen Gemengelage sind die Griechen als Anstifter unterwegs und insofern Tatbeteiligte.

Solch ein Vorgehen wird juristisch unter den Begriff kollusives Handeln gefaßt.
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Hubertus
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Hubertus » Sonntag 29. Mai 2016, 08:06

Die neue Zwei-Klassen-Gesellschaft am Häusermarkt

Daraus:
Wie so oft hat es der Gesetzgeber gut gemeint mit der vergleichsweise strengen Umsetzung einer "Wohnimmobilienkreditrichtlinie" aus Brüssel. [...]
"Wir hatten eigentlich erwartet, dass die Eigentumsquote in den unteren Einkommensschichten wegen der niedrigen Zinsen wächst", so Voigtländer. Das Gegenteil ist der Fall. [...]
Raiffeisenbank-Chef Frauscher hält die Umsetzung der Richtlinie in Deutschland für übertrieben. "In Österreich wurde die Vorgabe wesentlich liberaler umgesetzt", sagt er. Ohnehin habe sein Institut eine Kreditausfallrate von 0,07 Prozent. Eine Regulierung aus Berlin sei da überflüssig.
Wieder einmal zeigt sich, daß ein überregulierter Markt die Probleme eher verschärft ...
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 29. Mai 2016, 08:24

Hubertus hat geschrieben:Die neue Zwei-Klassen-Gesellschaft am Häusermarkt

Daraus:
Wie so oft hat es der Gesetzgeber gut gemeint mit der vergleichsweise strengen Umsetzung einer "Wohnimmobilienkreditrichtlinie" aus Brüssel. [...]
"Wir hatten eigentlich erwartet, dass die Eigentumsquote in den unteren Einkommensschichten wegen der niedrigen Zinsen wächst", so Voigtländer. Das Gegenteil ist der Fall. [...]
Raiffeisenbank-Chef Frauscher hält die Umsetzung der Richtlinie in Deutschland für übertrieben. "In Österreich wurde die Vorgabe wesentlich liberaler umgesetzt", sagt er. Ohnehin habe sein Institut eine Kreditausfallrate von 0,07 Prozent. Eine Regulierung aus Berlin sei da überflüssig.
Wieder einmal zeigt sich, daß ein überregulierter Markt die Probleme eher verschärft ...
Vor allem stößt es sauer auf, wenn die Zeitung schreibt, der Gesetzgeber habe es "gut gemeint". Nein, er hat (vermutlich gegen alle Warnungen) die Auswirkungen nicht bedacht. Jeder Kreditsachbearbeiter einer kleinen Sparkasse oder Volksbank hätte diese Folgen benennen können - aber die Herren Abgeordneten und Ministerialräte wissen es besser.

Statt dieser allgemeinen Floskeln hätte die "WELT" einmal das Gesetzgebungsverfahren recherchieren sollen. Vermutlich haben die Sachverständigen genau vor diesen Folgen gewarnt. Dann sollte man die Bundestagsabgeordneten, die dafür verantwortlich sind, daß sie entschieden wurde, mit Namen und Bild benennen. Nur dadurch kann der Bürger entscheiden, ob er diesen Personen noch weiterhin sein "Vertrauen" ausspricht.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Hubertus » Sonntag 29. Mai 2016, 08:39

Caviteño hat geschrieben:
Hubertus hat geschrieben:Die neue Zwei-Klassen-Gesellschaft am Häusermarkt

Daraus:
Wie so oft hat es der Gesetzgeber gut gemeint mit der vergleichsweise strengen Umsetzung einer "Wohnimmobilienkreditrichtlinie" aus Brüssel. [...]
"Wir hatten eigentlich erwartet, dass die Eigentumsquote in den unteren Einkommensschichten wegen der niedrigen Zinsen wächst", so Voigtländer. Das Gegenteil ist der Fall. [...]
Raiffeisenbank-Chef Frauscher hält die Umsetzung der Richtlinie in Deutschland für übertrieben. "In Österreich wurde die Vorgabe wesentlich liberaler umgesetzt", sagt er. Ohnehin habe sein Institut eine Kreditausfallrate von 0,07 Prozent. Eine Regulierung aus Berlin sei da überflüssig.
Wieder einmal zeigt sich, daß ein überregulierter Markt die Probleme eher verschärft ...
Vor allem stößt es sauer auf, wenn die Zeitung schreibt, der Gesetzgeber habe es "gut gemeint". Nein, er hat (vermutlich gegen alle Warnungen) die Auswirkungen nicht bedacht. Jeder Kreditsachbearbeiter einer kleinen Sparkasse oder Volksbank hätte diese Folgen benennen können - aber die Herren Abgeordneten und Ministerialräte wissen es besser.

Statt dieser allgemeinen Floskeln hätte die "WELT" einmal das Gesetzgebungsverfahren recherchieren sollen. Vermutlich haben die Sachverständigen genau vor diesen Folgen gewarnt. Dann sollte man die Bundestagsabgeordneten, die dafür verantwortlich sind, daß sie entschieden wurde, mit Namen und Bild benennen. Nur dadurch kann der Bürger entscheiden, ob er diesen Personen noch weiterhin sein "Vertrauen" ausspricht.
:daumen-rauf:
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Dienstag 14. Juni 2016, 12:12

Mit der Wirtschaft geht es nicht nur kurzfristig bergab, sondern in den nächsten zehn Jahren. Das ist das Signal der Negativzinsen für zehnjährige Bundesanleihen. Begründet wird das mit der kurzfristigen Angst über eine langfristige Verwerfung im Finanzmarkt. Durch einen möglichen Ausstieg der Briten aus der EU könnte der Finanzmarkt langfristig Schaden nehmen, heißt es. Inzwischen ist so viel Geld im Markt, dass Anleger nicht mehr wissen, wohin damit, zahlen beim Staat inzwischen eine Art Kontoführungsgebühr und überlassen den Rest der Deflation. Dem Staat nicht nur kostenlos Kredit zu geben, sondern ihn dafür auch noch zu bezahlen, kann sich ja nur lohnen, wenn die Deflation weitergeht. Japan kämpft mit diesem Problem seit mehr als einer Dekade. Die Deflation mit einer Ausweitung der Geldmenge zu bekämpfen, funktioniert nicht mehr richtig. Einerseits sinkt der Preis für ( geliehenes ) Geld, andererseits wird Sparen teuer. Statt fürs Alter zu sparen, sollen die Verbraucher Waren kaufen. Damit sollen die Warenpreise steigen und die Deflation gestoppt werden. Wenn aber die Verbraucher fast alles haben, steigen nur die Preise fürs Nötigste. Die Deflationspolitik geht einerseits zu Lasten der Anleger, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld, andererseits zu Lasten der Menschen mit geringem Einkommen, die für Lebensmittel immer mehr bezahlen müssen. Das Signal für den Markt durch die Zinsen für langfristige Bundesanleihen ist strukturell negativ.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Dienstag 14. Juni 2016, 13:20

Zieht ein Schuldenabbau sinkende Zinsen für neue Staatsanleihen nach sich? Der Geburtenmangel in den Industrieländern einschließlich China macht sich sicherlich auch bemerkbar. Eine sinkende Nachfrage bei gesättigten Märkten durch weniger Marktteilnehmer ist sicherlich zu erwarten. Das wirkt sich natürlich auch auf die Angebotsseite aus, wenn nicht neue Märkte erschlossen werden. Weniger Wirtschaftswachstum verändert natürlich auch die Rahmenbedingungen für den öffentlichen Sektor im Markt. Bei konstanten Steuern ist mit weniger Einnahmen zu rechnen. Schöpft man mögliche Zinsgewinne auf anderem Weg ab, etwa durch Ausweitung der Geldmenge und entzieht die Maßnahme etwa der Kontrolle durch den Bundestag, eröffnen sich neue Möglichkeiten auch für eine öffentliche Entschuldung.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 14. Juni 2016, 14:45

overkott hat geschrieben:Inzwischen ist so viel Geld im Markt, dass Anleger nicht mehr wissen, wohin damit, zahlen beim Staat inzwischen eine Art Kontoführungsgebühr und überlassen den Rest der Deflation. Dem Staat nicht nur kostenlos Kredit zu geben, sondern ihn dafür auch noch zu bezahlen, kann sich ja nur lohnen, wenn die Deflation weitergeht.
Es kann auch daran liegen, daß bestimmte Vermögensverwalter (Versicherungen, Pensionsfonds und auch die Banken) gezwungen werden, ihr Geld in Staatsanleihen anzulegen, weil diese
a) als "risikolos" gelten :D und
b) diese Ausleihungen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen.

Der Staat verschafft sich so einen Wettbewerbsvorteil gg. den privaten Unternehmen und ob eine Anleihe von z.B. CocaCola oder Microsoft risikoloser ist als ein Anleihe des gr. oder port. Staates, darüber kann man trefflich spekulieren.

Erst vor wenigen Tagen wurde berichtet, daß die Commerzbank als erstes deutsches Kreditinstitut prüft, ob man den Negativzinsen der EZB durch eine Bargeldhortung ausweichen kann.
Zwei Milliarden Euro in 2-Euro-Scheinen wiegen etwa elf Tonnen. Ob es für Finanzinstitute Sinn macht, solche Mengen in den eigenen Tresoren zu bunkern, hängt von den Kosten für den Transport, die Lagerung und die Versicherung des Geldes ab. Einige Banken haben dies bereits kalkuliert und abgewinkt. Bei einem negativen Einlagezins von ,4 Prozent lohne sich das noch nicht, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon im März.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 611.html

Die Munich Re hat das bereits durchgerechnet und bunkert nun Bargeld und Gold.
Einen Schritt weiter ist man schon der Schweiz. Dort sind besonders die Pensionskassen betroffen, die über ein Vermögen von 73 Mrden CHF verfügen, von denen 4 Mrden liquide vorgehalten werden (müssen), um Pensionen zu zahlen.
„Daher prüfen einzelne Pensionskassen die Möglichkeit, das Geld ihrer Versicherten vor dem Zugriff der Nationalbank zu schützen“, sagt Hanspeter Konrad, Direktor des Schweizerischen Pensionskassenverbands (Asip). Gegenüber dieser Zeitung benennt er offen, wie der Negativzins möglicherweise umgangen werden könnte: durch die Flucht ins Bargeld.
Rein organisatorisch und technisch ist es kein Problem, größere Mengen Bargeld zu horten. Dafür gibt es Dienstleister, die Hochsicherheitstresore besitzen, in denen Kunden Gold, Silber oder eben auch Bargeld lagern können. Einer von diesen Anbietern ist die Swiss Gold Safe AG. Das Unternehmen aus dem Kanton Uri erlebt infolge der Negativzinsen gerade einen ungeahnten Nachfrageschub: „Wir haben zahlreiche Anfragen von institutionellen Anlegern aus der Schweiz. Vor allem Pensionskassen und Versicherer zeigen großes Interesse an der Einlagerung von Bargeld“, sagt Swiss-Gold-Sprecher Ludwig Karl.
Nach seinen Angaben rechnet sich das Ganze: „Die Kosten für die Lagerung großer Bargeldbeträge liegen bei rund einem Drittel der Negativzinsen.“ Demnach wären für zwei- bis dreistellige Millionenbeträge Lagergebühren von knapp ,3 Prozent fällig. Darin ist die Vollversicherung der Gelder (unter anderem gegen Diebstahl und Brand) enthalten. Die Transportkosten kommen noch dazu, diese fallen aber offenbar nicht stark ins Gewicht.
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/dev ... 74453.html

Inzwischen weigern sich bereits Banken, größere Bargeldsummen auszuzahlen:
Eine Kasse rechnet vor, dass sie dadurch pro 1 Millionen 25' Franken Rentengeld sparen würde. Und dies trotz Unkosten für Tresormiete, Geldtransport und weiteren Ausgaben.
Wie «1vor1»-Recherchen zeigen, gibt es nun aber eine Bank, die innerhalb einer gewissen Frist kein Bargeld in derart hohen Summen aushändigen möchte. «1vor1» liegt das Schreiben einer grossen Schweizer Bank vor, in welchem sie ihrer Kundin, einer Pensionskasse, mitteilt: «Wir bedauern, dass innert Frist keine ihren Erwartungen entsprechende Lösung gefunden werden konnte».
(...)
Tatsächlich bestätigt die Schweizerische Nationalbank, dass Bargeldhortung zur Umgehung von Negativzinsen von ihr nicht gerne gesehen wird. «Die Nationalbank hat deshalb Banken auch schon empfohlen, mit Bargeldnachfragen (…) restriktiv umzugehen.»
http://www.srf.ch/news/wirtschaft/negat ... auszahlung

Obwohl sie es nicht gerne sieht, denkt die SNB nicht daran, den wertvollsten Geldschein der Welt, die 1. CHF-Note, abzuschaffen. Was für ein Unterschied zur EZB!

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Dienstag 14. Juni 2016, 15:01

Caviteño hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Inzwischen ist so viel Geld im Markt, dass Anleger nicht mehr wissen, wohin damit, zahlen beim Staat inzwischen eine Art Kontoführungsgebühr und überlassen den Rest der Deflation. Dem Staat nicht nur kostenlos Kredit zu geben, sondern ihn dafür auch noch zu bezahlen, kann sich ja nur lohnen, wenn die Deflation weitergeht.
Es kann auch daran liegen, daß bestimmte Vermögensverwalter (Versicherungen, Pensionsfonds und auch die Banken) gezwungen werden, ihr Geld in Staatsanleihen anzulegen, weil diese
a) als "risikolos" gelten :D und
b) diese Ausleihungen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen.

Der Staat verschafft sich so einen Wettbewerbsvorteil gg. den privaten Unternehmen und ob eine Anleihe von z.B. CocaCola oder Microsoft risikoloser ist als ein Anleihe des gr. oder port. Staates, darüber kann man trefflich spekulieren.
Im freien Markt kann ein Staat das nur, wenn er selbst nicht mehr so viel Geld braucht, weil er auch andere Quellen erschlossen hat. Würde der Staat sich richtig viel Geld leihen, würde er dem Markt Geld entziehen, was zu steigenden Zinsen führen würde. Der Staat ist am Kapitalmarkt im Vorteil, weil er größer ist als viele Unternehmen, wenn sie nicht Fugger heißen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Dienstag 14. Juni 2016, 15:17

overkott hat geschrieben:Würde der Staat sich richtig viel Geld leihen, würde er dem Markt Geld entziehen, was zu steigenden Zinsen führen würde.
Ab wann ist denn bei Ihnen richtig viel Geld "richtig viel Geld"? :detektiv:
overkott hat geschrieben:Der Staat ist am Kapitalmarkt im Vorteil, weil er größer ist als viele Unternehmen, wenn sie nicht Fugger heißen.
Das ist keine Frage der Größe, sondern der "Ewigkeitsgarantie"!
Ein Staat hat per definitionem immer einen Rechtsnachfolger, er kann nicht ersatzlos untergehen.
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Dienstag 14. Juni 2016, 15:28

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Würde der Staat sich richtig viel Geld leihen, würde er dem Markt Geld entziehen, was zu steigenden Zinsen führen würde.
Ab wann ist denn bei Ihnen richtig viel Geld "richtig viel Geld"? :detektiv:
Das hängt von den steigenden Zinsen ab. Steigt die Zinsen für langfristige Bundesanleihen, braucht der Staat viel Geld. Steigen die Zinsen stark, braucht er richtig viel.
overkott hat geschrieben:Der Staat ist am Kapitalmarkt im Vorteil, weil er größer ist als viele Unternehmen, wenn sie nicht Fugger heißen.
Das ist keine Frage der Größe, sondern der "Ewigkeitsgarantie"!
Ein Staat hat per definitionem immer einen Rechtsnachfolger, er kann nicht ersatzlos untergehen.
Eine Währungsreform könnte dann aus "risikolosen" Anleihen schnell historische Drucke machen. Eine Staatspleite ist für Anleger daher ungünstig. Unternehmen wie Fugger könnten den Staat jedoch liquide halten.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Dienstag 14. Juni 2016, 15:36

overkott hat geschrieben:Eine Währungsreform könnte dann aus "risikolosen" Anleihen schnell historische Drucke machen. Eine Staatspleite ist für Anleger daher ungünstig.
Das ist doch niemals bestritten worden! :roll:

Kommen Sie doch bitte 'mal zum Punkt und üben sich nicht ständig in Nicht-Kommunikation! :regel:
overkott hat geschrieben:Unternehmen wie Fugger könnten den Staat jedoch liquide halten.
Und das soll jetzt im Rahmen des hier diskutierten Themas bedeuten? :hmm:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 14. Juni 2016, 16:16

overkott hat geschrieben: Im freien Markt kann ein Staat das nur, wenn er selbst nicht mehr so viel Geld braucht, weil er auch andere Quellen erschlossen hat. Würde der Staat sich richtig viel Geld leihen, würde er dem Markt Geld entziehen, was zu steigenden Zinsen führen würde. Der Staat ist am Kapitalmarkt im Vorteil, weil er größer ist als viele Unternehmen, wenn sie nicht Fugger heißen.
Würde der Staat sich "richtig viel Geld" leihen, müßte er "richtig hohe Zinsen" zahlen - sofern die Zentralbank nicht direkt oder indirekt (wie z. Zt. die EZB) als Käufer auftritt. Als GR sich 2011 "richtig viel Geld" (immer im Vergleich zur Wirtschaftskraft) "geliehen" hat, schossen die Zinsen durch die Decke und man bettelte die Eurogruppe an. Das Ergebnis ist bekannt.

Bei einem funktionierenden Markt (also nicht im Augenblick) kann kein Staat sich unbeschränkt oder "richtig viel" Geld leihen. Auch die Anleger kennen noch den Spruch des Mittelalters, an dem die Fugger vom Reh pleite gingen: "Leihe nie dem Fürsten Geld". :breitgrins:

Nicht seine Größe bzw. die Größe seiner Anlagebeträge ist für den Staat ein Vorteil, sondern daß er bestimmen kann, wie bestimmte Personen bzw. Gesellschaften das ihnen vertraute Geld anzulegen haben. Was wird denn von der staatlichen Gesetzgebung als "mündelsichere Anlagen" erklärt? Doch bestimmte keine Aktien z.B. von York Water, obwohl die Gesellschaft seit 200 Jahren ununterbrochen besteht und seitdem jedes Jahr Dividenden ausgeschüttet hat. Bei den Staaten muß man schon suchen, um einen Staat zu finden, der seit 200 Jahren keinen Bankrott hingelegte. :breitgrins:

Hier wird man dann fündig.

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